Wie Merz und Klingbeil das Land reformieren wollen
Friedrich Merz verzichtet in seiner ersten Regierungserklärung auf Angriffe und polarisierende Töne. Stattdessen kündigt er nüchtern und sachlich Reformen an, lobt Deutschland als Land mit großem Potenzial und will mit weniger Bürokratie private Investitionen ankurbeln. Helene und Michael gehen die Rede des neuen Bundeskanzlers Schritt für Schritt durch.
Erstmals seit drei Jahren treffen Vertreter aus Moskau und Kiew direkt aufeinander. Wladimir Putin bleibt dem Treffen fern. Er schickt seinen Berater und zwei Vize-Minister nach Istanbul-
Viktor Funk vom Security Table ordnet die Ausgangslage vor diesem neuen Gesprächsauftakt ein.
Die deutsche Raumfahrtindustrie boomt, doch Europas Anteil an Raketenstarts bleibt gering. Zu Gast ist Marie-Christine von Hahn. Seit Ende vergangenen Jahres ist sie Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Im Gespräch mit Nana Brink beschreibt sie, welche Chance für Deutschland in der Raumfahrt liegt: „So einen Wachstumsmarkt möchten wir nicht verschlafen.“
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Ganz schön viel Angela Merkel, ganz schön wenig Friedrich Merz. Der neue Kanzler präsentierte sich bei seiner ersten Regierungserklärung überraschend staatsmännisch, ruhig und völlig ohne polarisierende Elemente.
Sprecher 3: Das schauen wir uns gleich genauer an. Und heute ist natürlich noch ein anderes ganz wichtiges Ereignis, auf das die ganze Welt schaut. Jedenfalls so die Planung. Die ersten direkten Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland seit 2022, also seit drei Jahren. Wir sprechen mit Viktor Funk, unserem Ukraine-Experten beim Security Table, darüber, welche Verhandlungsposition Zelensky hat.
Sprecher 2: Mehr als 13.000 Satelliten schwirren da ganz oben im Universum jeden Tag irgendwo um uns herum. Übrigens, mehr als die Hälfte davon gehören den Amerikanern, der Rest so ungefähr China. Das ist allerdings kein gesunder Zustand, denn die Raumfahrt ist längst nicht nur eine Art teure Tourismusbranche, sondern vor allem geopolitisch sehr relevant. Nana Brink, unsere Kollegin vom Security Table, hat mit der Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Marie-Christine von Hahn, darüber gesprochen, warum unsere Sicherheit auch im All verteidigt wird.
Sprecher 3: Und zum Schluss müssen wir noch über die unfreundlichsten Städte der Welt reden. Und eigentlich zwei ziemlich coole Städte aus Deutschland führen diese Statistik an. Wie kann das sein?
Sprecher 2: Es ist Donnerstag, der 5. 10. Mai, Helene ist gut drauf. Es kann nicht schief gehen heute.
Sprecher 4: Wir streben kein ideologisches Großprojekt an zur Veränderung unserer Gesellschaft. Wir wollen die Rahmendingen unseres Landes setzen für das Zusammenleben der Menschen in Deutschland.
Sprecher 3: Das klingt doch schon sehr nach Arbeitskoalition. Michael, wir hatten es uns gestern hier gewünscht, dass diese Koalition sich nicht mit sich selbst beschäftigt und vielleicht auch nicht zu sehr mit den abgehobenen Fragen, sondern sich direkt an die Arbeit macht. Wenig Ideologie, viel Handwerk. Eigentlich fast wie bei uns.
Sprecher 2: In der Ruhe liegt die Kraft. Das war ja mal das Leitmotiv von einer gewissen Angela Merkel. Und gestern hatte man bei Friedrich Merz das Gefühl, er wird richtig merkelig, ganz ruhig, ja man kann sagen souverän, detailliert, spulte er die Themen ab, mit denen er gerne in den nächsten vier Jahren dieses Land reformieren will. Aber jetzt keine euphorische, emotionale, visionäre Rede.
Sprecher 3: Ja, wenn man so will, eine Kurzzusammenfassung des Koalitionsvertrages. Interessant war eher die Art und Weise, die Tonalität. Er hat Deutschland mehrfach gelobt als Land mit viel Potenzial. Man merkt schon, es ist ein anderer Ton als im Wahlkampf, wo er sich doch auch ziemlich an der Schlechtrednerei dieses Landes beteiligt hatte.
Sprecher 2: Ja, die Kanzlerwerdung geht dann doch recht schnell, wenn man plötzlich für 84 Millionen zuständig ist und nicht mehr für seine 500.000 CDU-Anhänger. Aber es ist ja auch richtig. Am Ende ist jetzt viel Psychologie im Spiel. Er hat ja klar gesagt, ich möchte, liebe Bürgerinnen und Bürger, dass sie bis zum Sommer das Gefühl haben, dass es aufwärts geht. Und da hängt eben auch viel mit Kommunikation, Auftreten und Psychologie zusammen. Jedenfalls hat er auf irgendwelche Attacken in irgendwelche Richtungen verzichtet.
Sprecher 3: Schauen wir auf die Themen. Michael, Europa, ein ganz zentrales Thema in seiner Rede.
Sprecher 2: Er sagt, wir wollen in Europa die Führungsnation wieder werden. Kein German Vote mehr, keine Enthaltung, sondern führen von vorne, aber mit den Partnern.
Sprecher 3: Weiteres wichtiges Thema natürlich die Wirtschaft. Da hat er beschrieben, eine noch nie dagewesene Krise, stimmt ja auch drittes Jahr der Rezession und hat dann versprochen, wir werden investieren und reformieren, hat durchaus auch die Sondervermögen erwähnt, das staatliche Geld hat aber gesagt, das allein kann das Problem nicht lösen, sondern die berühmte Hebelwirkung soll kommen für sehr viel privates Kapital, das endlich auch wieder in Deutschland investiert werden soll.
Sprecher 2: Für mich der wichtigste Punkt, Helene, und da ist er glaubwürdig und da sehe ich auch im Politikwechsel Wettbewerbsfähigkeit. Klar, das ist bei ihm in allen Absätzen und Passagen jetzt immer drin. Strukturreformen müssen wir machen in diesem Land, damit es den Unternehmen besser geht. Aber vor allem auch das Thema Vertrauen in die Wirtschaft, in die Unternehmen, in die Individuen. Wir schreiben ihnen nicht vor, was sie tun sollen, sondern wir vertrauen ihnen erstmal. Wir reduzieren Pflichten, Dokumentationen, Statistiken. Das wirkt wie kleinteilige Vortragen von wirtschaftspolitischen Maßnahmen, aber es ist, glaube ich, sehr wichtig, wie man mit Unternehmen in diesem Land umgehen will und da wird man von ihm natürlich eine ganz andere Herangehensweise erwarten können.
Sprecher 3: Und wie wir ja wissen, ist Wirtschaft eben auch zum Teil jedenfalls Psychologie plus das wieder stark Reden von Deutschland. Das könnte natürlich dann auch der ganzen Entwicklung in die Karten spielen, wenn dann ein Gemeinschaftsgefühl entsteht davon, dass wir in diesem Land was leisten können. Ja, vielleicht geht es dann auch wirklich relativ schnell wieder bergauf.
Sprecher 2: Wo er mich überrascht hat, weil er doch konkreter wurde, als ich gedacht hätte, ist zum Beispiel Hightech-Agenda, Forschung, die Digitalisierung. Man will Unternehmen eine einzige Plattform geben, bei der sie sich innerhalb von 24 Stunden gründen können. Er erwähnte explizit mehrmals den neuen Digitalminister, nicht namentlich, aber das Projekt scheint ihm sehr wichtig zu sein. Und er hat überrascht damit, dass er plötzlich bezahlbare Wohnungen als große soziale Frage intonierte. Da gab es sogar Applaus von der linken Seite des Parlaments.
Sprecher 3: Ja, man hat aber auch gesehen, einige Verunsicherung bei der Linkspartei. Das hatten sie nun wirklich nicht erwartet, dass dieses Thema angesprochen wird. Merz hat es dann ja auch etwas anders intoniert und gesagt, wir müssen vor allem bauen, also nicht nur auf die Mietpreisbremse und Regulierung setzen. Dass er da aber deutlich macht, er regiert nicht nur mit den Sozialdemokraten, sondern er hat schon den Anspruch, die Themen, die die Menschen in diesem Land bewegen und dazu gehört eben gerade in den großen Städten bezahlbarer Wohnraum, die auch zu adressieren. Also keine Politik nur für die CDU, für seine eigene Klientel, sondern für alle Deutschen.
Sprecher 4: Wir wollen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen. Und es gibt wenige Lehren aus der jüngeren Geschichte, die sich so passgenau auf die Gegenwart übertragen lassen wie dieser. Denn diese Lehre ist einfach. Stärke schreckt Aggression ab. Schwäche hingegen lädt zur Aggression ein.
Sprecher 3: In der Außenpolitik war Friedrich Merz der, den wir kennen, ein bekennender Transatlantiker, der auch gesagt hat, ohne die USA geht es natürlich nicht. Ein klares Bekenntnis zur NATO, aber eben auch zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Also die Bundeswehr muss einsatzbereit sein. Da war er vollkommen klar. Und da würde man sagen, das ist dann die Frage, wie er sich in diesem Punkt eigentlich mit seinem Koalitionspartner einigt. Lars Klingbeil wird da weniger Schwierigkeiten haben, an Bord zu holen. Aber Ralf Stegner, der ja nun auch ein Außenpolitiker ist, jedenfalls im Auswärtigen Ausschuss sitzt, da könnte sich der ein oder andere Koalitionskrach möglicherweise doch anbahnen.
Sprecher 2: Leidenschaftlich wurde er beim Kampf gegen Antisemitismus. Gute Sätze, wichtige Sätze. Deutschland muss ein Schutzraum für Jüdinnen und Juden sein und bleiben, hat er gesagt. Und trotzdem die mögliche Hungersnot oder die schon existierende Hungersnot im Gaza und damit auch die israelische Strategie dort sanft kritisiert. Ich finde, da hat er die Balance gut gewahrt.
Sprecher 3: Er hat nochmal das Wort von Frank Walter. Steinmeier, dem Bundespräsidenten, wiederholt, der davon sprach, dass es doch wirklich ein Wunder sei. Und das ist ja auch so, dass es jetzt seit 60 Jahren schon diplomatische Beziehungen gibt zwischen Deutschland und Israel. Jetzt gerade in diesen Tagen wurden sie gefeiert durch auch einen Besuch des israelischen Präsidenten. Und trotzdem und trotz dieser auch historischen Verantwortung, die wir haben für Israel, hat er, sagen wir mal, vorsichtig und dennoch deutlich kritisiert, was in Gaza passiert. Ja, ich glaube, eine nicht einfache, aber jedenfalls in diesem Punkt gelungene Gratwanderung.
Sprecher 2: Die ausgestreckte Hand zu seinem Koalitionspartner war auch zu spüren. Nicht nur, würde ich sagen, bei der Wohnlage, das ist ja auch ein Herzensthema der Sozialdemokratie, sondern er nannte einen Mindestlohn von 15 Euro ja immerhin wünschenswert. Auch wenn er dann sofort sagte, aber bitte nicht gesetzlich vorschreiben. Trotzdem kann man das durchaus auch als Hinweis in Richtung Sozialdemokratie verstehen.
Sprecher 3: Es war natürlich auch ein kleiner Gruß an Matthias Mirsch, den Fraktionsvorsitzenden, der genau das gefordert hatte, nämlich eine gesetzliche Regelung. Interessant war ja wirklich das Ende. Da hat der 69-jährige Friedrich Merz sich an die jungen Leute in diesem Land gewandt und hat sie erstaunlicherweise angedutzt. Hören wir mal rein.
Sprecher 4: Wir wissen, dass wir angesichts der demografischen Entwicklung in dieser Wahlperiode ein Zeichen setzen müssen für eure Zukunft. Wir wissen, dass es eure Chancen sind, für die wir heute arbeiten. Aber ich bitte euch auch, helft mit. Denn die Zukunft gehört euch und dafür wollen wir gemeinsam arbeiten.
Sprecher 2: Ja, die neue Zeit im Bundestag ist kurz danach eingetreten, denn die stärkste Oppositionsführerin und die größte Partei im Bundestag jenseits der Regierung ist die AfD. So durfte Alice Weidel sehr lange reden und ging die Regierung scharf an und nannte den Kanzler einen Kanzler der zweiten Wahl und rekurrierte natürlich da auf die verpatzte erste Wahl in der vergangenen Woche. Aber vor allem deutete sie den vermeintlichen Politikwechsel von rechts um und betonte, hier ist doch die Mehrheit rechts der Mitte. Wer in der CDU, so ähnlich hat sie sich ausgedrückt, wer in der CDU Lust auf diese Mehrheit hat, der solle endlich nach vorne kommen und diesen März, der sich von den Linken eingezwängt hat, endlich befreien aus seiner Lage. Also das waren versteckte Aufrufe an die Koalition mit der CDU. Ansonsten wie immer scharfe Rhetorik, Hetze, viel Hass in der Stimme. Nicht einfach, sich das anzuhören.
Sprecher 3: Gucken wir auf die Grünen, die ja ihre Rolle noch finden müssen, jetzt nicht mehr in der Regierung, sondern in der Opposition, aber ihrerseits eingezwängt zwischen den Extremen von Linkspartei und AfD. Wollen sie ja nach ihrer Selbstbeschreibung kritisch konstruktiv sein. Wie das gehen könnte, hat Katharina Dröge, die Fraktionsvorsitzende, gestern ausprobiert. Und das klingt dann so.
Sprecher 5: Herr Merz, Sie übernehmen dieses Amt. In sehr schwierigen Zeiten. Auf sie wird es ankommen. Auf ihre Regierung wird es in dieser Zeit ankommen. Und deswegen ist es sehr ernst gemeint von mir bei allen politischen Differenzen, die uns trennen, und das sind einige, Es ist sehr ernst gemeint, dass ich Ihnen im Namen der gesamten Grünen Bundestagsfraktion viel Erfolg für die nächsten Jahre wünsche, viel Erfolg für diese Regierung, denn dieses Land hat das verdient.
Sprecher 3: Es blieb natürlich nicht nur bei Freundlichkeiten, sonst wären die Grünen ja auch nicht kritisch konstruktiv. Also sie hat natürlich bemängelt, dass es ein längliches Vorlesen des Koalitionsvertrages gewesen sei und dass man eigentlich sich gewünscht hätte, dass es noch mehr Antworten gibt und nicht nur Erklärungen.
Sprecher 2: Ja, und dann müssen wir noch auf die Neulinge in der Koalitionsfraktion gucken. Matthias Mölsch und Jens Spahn in ihrer neuen Rolle sehr selbstbewusster Auftritte nach innen gerichtet. Beide haben ihre Punkte gemacht, die in ihren Reihen eben auch Akzente bringen könnten und weniger das große Ganze im Blick gehabt. Das scheint die Arbeitsteilung zu sein.
Sprecher 6: Nach zwei Jahren Rezession, nach Jahren zu hoher illegaler Migration, nach dreieinhalb Jahren Ampel- und rot-grüner Minderheitsregierung waren und sind Frust, Wut und Enttäuschung so groß wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Frage ist, haben wir verstanden? Haben wir den Schuss vom 23. Februar gehört? Für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten ist die Solidarität in diesen Zeiten das Betonen des Zusammenhalts und der Zukunft.
Sprecher 7: Das Leitbild, was wir auch in diesen vier Jahren hier vertreten wollen, in diesem Parlament. Liebe Kolleginnen und Kollegen.
Sprecher 3: Es ist ein wichtiger Tag in Istanbul, auch wenn es inzwischen unwahrscheinlicher geworden ist, dass wir einem Durchbruch zwischen der Ukraine und Russland näher sind. Denn Wladimir Putin hat ja am späten Abend mitteilen lassen, dass er selbst nicht dort erscheinen wird, anders als Zelensky es gefordert hat, der angekündigt hat, in Istanbul auf ihn zu warten. Aber, und das kann man vielleicht als gutes Zeichen sehen, es kommt überhaupt jemand aus Moskau. Putin schickt seinen Berater sowie den Vize-Außenminister und den Vize-Verteidigungsminister. Die zweite Garde also nur, aber immerhin, es kommt jemand. Wie ist der Stand der Dinge kurz vor dem Treffen in Istanbul? Wir haben eine kurze Einschätzung von Viktor Funk von unserem Security Table.
Sprecher 8: Das ist tatsächlich eine sehr spannende Woche, weil auffallend der Druck auf Russlands Machthaber Wladimir Putin steigt. Jetzt hat sogar ein wichtiger BRICS-Staat, nämlich Brasilien, sich dazu geäußert. Lula meinte persönlich, Putin nun los, jetzt müssen wir halt reden. Das ist erstmal positiv und bemerkenswert. Das heißt natürlich noch lange nicht, dass Putin sich tatsächlich bewegt. Aber der internationale Druck auf Russland nimmt zu und das dürfte sicherlich im Sinne Kiews sein.
Sprecher 2: Die Waffen schweigen auch noch lange nicht. Das heißt, die Bedingungen, die Europa ja auch formuliert hat, werden gar nicht eingehalten. Von Russland, welche Rolle spielt jetzt vielleicht Marco Rubio, der amerikanische Außenminister, der ja immerhin als Minister selbstpersönlich dabei sein soll?
Sprecher 8: Ich glaube, da wird wahrscheinlich sein oberster Chef, also Trump, entscheidender sein. Also wenn es gelingt, dass die USA und Europa in dieser konkreten Phase enger zusammenrücken, einfach auch zusammenhalten und sagen, okay, Vladimir Vladimirovich, wenn du dich jetzt nicht bewegst, dann müssen wir reagieren und das wird nicht positiv sein. Musste Europa, wie Anfang der Woche angedroht, tatsächlich neue Sanktionen folgen lassen. Das wird Russland auch nicht kurzfristig dazu bewegen, etwas zu verändern. Aber es wird zumindest ein Zeichen sein, dass der Westen wieder geschlossener auftritt. Weil im Moment ist es ja Russland gelungen, zumindest USA und Europa ein wenig zu spalten. Und nach wie vor versuchen sie insbesondere in den Beziehungen zu den USA, den Krieg von diesen Beziehungen abzuspalten und zu sagen, wir regeln erstmal die Beziehungen zu den USA und unabhängig davon regeln wir die Situation in der Ukraine. Das darf natürlich nicht sein. Das muss zusammengesehen werden. Und je geschlossener der Westen auftritt, desto mehr hat er in der Hand gegen Putin.
Sprecher 2: Schauen wir mal ganz kurz zum Schluss noch auf die möglichen Inhalte dieser Gespräche. Es gab ja mal in der Türkei sehr konkrete Friedensgespräche. 2022 im März auch einen Fünf-Punkte-Plan der Ukraine, der schon auf dem Tisch lag mit ordentlichen Konzessionen auf Seiten der Ukraine. Ist das dann Grundlage dieser neuen Gespräche, also auch zum Teil... Gebietsabtretungen und Sicherheitsgarantien nur noch für die Restukraine oder wird ganz neu verhandelt?
Sprecher 8: Ich glaube, ganz neu verhandelt wird nicht werden. Die Maximalforderungen von Russland sind immer noch die gleichen. Inzwischen müsste wahrscheinlich die Ukraine auf zumindest jetzt besetzten Gebiete ja dauerhaft verzichten, vielleicht nicht der Jure, sondern de facto, ob man eine Lösung findet, dass man eine Art unregulierte Lösung für diese Gebiete findet, also einfach einen juristischen Ausdruck, der einfach sagt, das ist so eine Art Niemandsland oder ein Gebiet, das weder Russland noch Ukraine gehört. Das ist hier die Frage. Aber ich glaube, Russland hat sich in den letzten drei Jahren einfach in den besetzten Gebieten verfestigt. Es wird für Kiew heute schwieriger sein, diese Gebiete wieder zu befreien und Russland zum Rückzug zu bewegen als vor drei Jahren.
Sprecher 2: Die Welt schaut auf die Türkei und Viktor Funk aus dem Security Table ist unser Autor bei all dem, was in der Ukraine passiert. Ich empfehle diesen Table dringend, table.media.security, wenn Sie mal reinlesen wollen. Vielen Dank, Viktor, dass du heute wieder zu Besuch warst.
Sprecher 8: Danke auch.
Sprecher 9: Indeed statt Ausreden. In meiner Baufirma macht jetzt eine Maurerin die IT. Bin gespannt auf ihre Firewall. Find lieber die richtigen Mitarbeitenden und sichere dir 75 Euro Startguthaben. Auf indeed.com slash Guthaben. Es gelten die AGB.
Sprecher 3: Raumfahrt ist das große Thema, nicht nur von Dorothee Bär, der Forschungs- und Raumfahrtministerin, sondern endlich auch ein Thema für Europa und für Deutschland. Denn bisher waren ja nur USA, China und Russland die eifrigsten Raumfahrtnationen. Das soll sich jetzt ändern. Unsere Kollegin Nana Brink vom Security Table hat mit Marie-Christine von Hahn, der Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, über die Zukunft der Luft- und Raumfahrt in Deutschland und Europa gesprochen.
Sprecher 10: Wenn ich mir jetzt die Branchendaten ansehe, also Umsatz und Personal und bald werden ja die neuen Daten veröffentlicht, dann boomt die Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland. Warum ist das ein Wachstumsmarkt, ganz im Gegensatz zur deutschen Autoindustrie? Was haben Sie da nicht verschlafen?
Sprecher 3: Ach, ich würde gar nicht sagen, dass andere was verschlafen haben. Also bei uns ist es auf jeden Fall so, dass sie ja alle drei Bereiche, wenn wir uns den BDLI anschauen, das ist eben die zivile Luftfahrt, die militärische Luftfahrt und die Raumfahrt, alle drei werden händeringend gebraucht, um die Souveränität dieses Landes herzustellen, um Menschen zu verbinden.
Sprecher 11: um Erdbeobachtung zu ermöglichen, um militärische Luftabwehr zu ermöglichen. Also an allen Ecken und Enden sind die Menschen in dieser Welt, in diesem Land, in diesem Kontinent auf die Luftfahrt und die Raumfahrt angewiesen.
Sprecher 10: Nun habe ich gelernt, dass es ja nicht nur in Deutschland boomt, sondern auch weltweit. Es gibt Zahlen von McKinsey, 1,8 und Sie korrigieren mich jetzt, Billionen werden in diesem Markt erwartet. In den nächsten zehn Jahren profitiert Deutschland auch davon? Haben wir da auch ein Stück von?
Sprecher 11: Das wollen wir schwer hoffen.
Sprecher 10: Wie? Wie kann das gelingen?
Sprecher 11: Also die 1,8 Billionen US-Dollar, und ich finde, da haben Sie recht, diese Zahl muss man sich ja wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Die beziehen sich, das ist eine McKinsey-Zahl, die haben das errechnet als wirtschaftliche Prognose für das Wachstum im Raumfahrtgeschäft weltweit. Das ist natürlich was, wo die deutsche Wirtschaft, wo die europäische Wirtschaft, wo die Gesellschaften hierzulande daran teilhaben sollten.
Sprecher 10: Sprechen wir doch über die Raumfahrt. Also Deutschland war ja nie eine Raumfahrtnation. Ich glaube, das kann man so sagen. Ich habe mal so ein paar Zahlen rausgesucht. Von 220 Raketenstarts im Jahr 2023 haben die USA mehr als die Hälfte durchgeführt. China 67, Russland 20, Indien 7 und Europa nur 4. Daran sieht man schon, dass es nicht so weit her ist. Jetzt hat die neue Bundesregierung mit dem neuen Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, wird von der CSU geführt, von Dorothee Bär, deutlich gemacht, wir müssen uns mehr dafür interessieren. was da oben passiert. Wie wichtig ist denn das Weltall für unsere Verteidigung?
Sprecher 11: Existenzielle wichtig. Unser Alltag heute würde schon sofort zusammenbrechen, wenn wir keine Satellitenabstützung mehr hätten. Ganz besonders würde das greifen, wenn wir in einen Verteidigungsfall geraten würden. Und das sehen wir ja an ganz handfesten, ganz schrecklichen Beispielen teilweise. Also Sie können eins zu eins sehen, wenn der Ukraine ihr Satelliten-Netzwerk abgeschaltet wird, dass sie am nächsten Tag Angriffe haben, die sie einfach nicht am Kommen sehen. Das ist ein Zustand, in den man nicht hineingeraten möchte, wo wir alles dran setzen müssen, nicht hineingeraten. Das Gute ist, wenn Sie sagen, Deutschland sei keine Raumfahrtnation, das stimmt nur bedingt. Wir sind nicht so präsent und wir sind nicht so souverän, wie wir das gerne sein möchten und auch unbedingt sein müssten. Aber das Gute an uns ist, wir haben alle Expertise und alle Technologien der Welt, die man sich vorstellen kann und vor allem die besten Ingenieure und die tollsten Unternehmen, die eben tatsächlich das machen. Satellitenbau, Raketenbau, Software für die Raumfahrtanwendung, Bodensysteme, die eben Satelliten steuern können. Wir haben das alles hier. Es muss nur, nur enabled werden.
Sprecher 10: Das wollte ich gerade sagen. Das klingt ganz toll. Allein mir fehlt der Glaube. Die Expertise ist hier. Aber wir haben ja, Sie haben es gesagt, gerade in der Ukraine gesehen, wie sehr die Ukraine abhängig ist von Elon Musk's SpaceX, also dem Satelliten-Netzwerk Starlink. Da haben wir doch was verpasst. Warum sind wir da nicht längst unabhängig?
Sprecher 11: Also ich glaube, dass man schon anerkennen muss, dass das Bewusstsein dafür, dass Raumfahrt ein strategisch wichtiges... wichtiger Faktor für eine Nation oder ein Kontinent ist, dass das tatsächlich in anderen Nationen bislang ausgeprägter gewesen ist. Auch das Bewusstsein dafür, was Raumfahrt überhaupt macht. Das ist in den USA allemal, in China, in Indien völlig gang und gäbe. Da weiß es auch ein breiter Teil der Bevölkerung. Hier wächst dieses Bewusstsein gerade drastisch. Das ist super, weil wir das als Grundlage brauchen, um ein Bewusstsein dafür zu entwickeln. Wir brauchen nationale Raumfahrtprogramme. Das Deutsche Zentrum Luft- und Raumfahrt muss sich darüber Gedanken machen. Das heißt, wir müssen Geld in die Hand nehmen, oder? Wir müssen ganz viel Geld in die Hand nehmen. Genauso ist das.
Sprecher 10: Sehen Sie die Bereitschaft? Also man kann ja ein neues Ministerium haben, das jetzt irgendwie ein tolles Schild hat, Raumfahrt, aber...
Sprecher 11: Das ist tausendmal mehr, als es in der gesamten Vergangenheit gegeben hat. Das ist ein richtig, richtig tolles Zeichen. Wir finden das großartig. Das ist ein Quantensprung im Vergleich zu früheren Zeiten, dass es anerkannt ist. Insofern ist es eine super Grundlage. Aber jetzt müssen den Worten eben auch Taten folgen. Das ist total richtig. Aber ich wüsste nicht, wie das nicht passieren sollte, wenn es jetzt eben ein Ministerium gibt. Aber dieses Jahr kommt es auch tatsächlich zum Schwure. Denn im November wird in Bremen die ESA-Ministerratskonferenz stattfinden.
Sprecher 10: Von der Europäischen Raumfahrt.
Sprecher 11: Von der European Space Agency, genau. Und da werden die Programme gezeichnet. Die Mitgliedstaaten geben bekannt, wie viel Geld wollen sie der ESA zur Verfügung stellen, um bestimmte Programme zu entwickeln. Und da wird es natürlich um Satellitennetzwerke, um Erdbeobachtung wieder gehen. Und das ist alles total wichtig und total richtig, muss gemacht werden. Und da brauchst du ein starkes Commitment. Und wenn die neue Bundesregierung jetzt dieses Signal schon aussendet, wir haben verstanden, wir richten ein extra Ministerium dafür ein, wüsste ich nicht, was jetzt schief gehen sollte.
Sprecher 10: Sie haben mir ein gutes Stichwort gegeben, nämlich Stichwort Europa. Sie haben ja die deutsche Industriepolitik letztendlich sehr deutlich kritisiert. Zu glauben, es sei sinnvoll, neue Waffen lieber im außereuropäischen Ausland, also auch Stichwort USA, zu bestellen, sei fatal. By European?
Sprecher 11: Bei European ohne Wenn und Aber. Wir müssen allerdings uns ehrlich machen und natürlich anerkennen, wenn Lücken bestehen, wo sind die? Das ist eine gemeinsame Aufgabe zu erkennen oder zu identifizieren, gemeinsam mit der Bundeswehr, mit dem Bundesverteidigungsministerium zu sagen, die müssen sagen, das brauchen wir, das möchten wir bestellen, das müssen wir sie dann auch bestellen. Und dann kann die Industrie sagen, das können wir liefern, das können wir liefern, vieles davon können wir. Wenn Lücken sind, müssen sie identifiziert und anerkannt werden. Aber natürlich ist es ganz entscheidend, das, was man hat und das, was man kann, eben in der heimischen Industrie zu bestellen. Denn es geht ja nicht nur darum, dass ich gut ausgestattet sein muss, sondern es geht auch darum, die eigene wirtschaftliche Resilienz zu fördern und zu stützen. Das ist ein ganz entscheidender Faktor, denn das wissen wir alle. Eine Gesellschaft und ein Land sind dann wehrhaft und verteidigungsfähig, wenn sie stabil sind. Und stabil werden sie durch wirtschaftliche Wertschöpfung. Und deswegen kommen hier wirklich zwei Komponenten zusammen. Natürlich muss Deutschland sich seiner eigenen Kompetenzen und seiner eigenen Wirtschaftskraft bedienen, um das zu produzieren. was wir haben. Gleichzeitig, muss ich noch unbedingt dazufügen, ist es nicht so, wir sagen bei European ohne Wenn und Aber, aber immer in guter Partnerschaft mit unseren internationalen Partnern, gerade in der Luftfahrt und auch in der Raumfahrt. Ist es so, dass die Industrien aus Ängste miteinander verflochten sind. Also zu glauben, dass wir uns strikt voneinander trennen könnten, ist vollkommen illusorisch. Das tut bei uns auch keiner.
Sprecher 12: Vielen Dank, Marie. Christine von Hahn.
Sprecher 3: Mick war noch was.
Sprecher 2: Helene, wir müssen an unserer Freundlichkeit arbeiten. Also vielleicht jetzt nicht wir beide direkt, aber die Städte, in denen wir lieben. Die Städte, in denen wir leben oder die wir lieben. Denn das Auswanderernetzwerk Internations hat eine Umfrage gemacht, eine weltweite, wo es am einfachsten ist, in welcher Stadt neue Freunde zu finden und Fuß zu fassen. Und jetzt glaub mal, auf den letzten beiden Plätzen München und Berlin.
Sprecher 3: Kann nicht sein.
Sprecher 2: Wir gelten als schwer zugänglich und unfreundlich in diesen Städten.
Sprecher 3: Ja, bei Berlin kann ich es manchmal noch verstehen, wobei ich mich jetzt mittlerweile dran gewöhnt habe und dann eigentlich dieses scheinbar unfreundliche manchmal auch sehr freundlich finde. München, muss ich sagen, habe ich immer als sehr angenehme und jedenfalls mal kultivierte Menschen erlebt. Aber vielleicht ist das Granteln auch nicht so zu mir durchgeprungen. Das kann schon sein.
Sprecher 2: Ich meine, die Bayern, die echten Bayern leben ja eh nicht in München City. Die echten Bayern und echten Münchner. Und ich kann mir schon vorstellen, ich war damals in Schwabing mal zwei Monate beim Praktikum bei Fokus. Schönen Gruß. Es ist nicht so, als hätte ich da, weißt du, wer meine Freunde damals waren? Rheinländer.
Sprecher 3: Ach ja, siehst du.
Sprecher 2: Rheinländer in der Exil-Kölsch-Kneipe in Schwabing. Nein, aber jedenfalls die beliebtesten Städte für Auswanderer sind allesamt spanischsprachig. An Platz 1 Malaga, an Platz 2 Mexiko und an Platz 3 die Stadt, wo ich schon mal Spanischsprachkurse gemacht habe, Alicante.
Sprecher 3: Ay, qué bueno.
Sprecher 2: Sí, guapa, sí, guapa. Papa, hola, ¿qué tal? Aber im Ernst, das ist doch komisch. Vielleicht ist das die Sonne, vielleicht ist das die Lebensmentalität. Ich finde jedenfalls Berlin und München deutlich besser, als es in dieser Umfrage rauskommt. Vor allem selbstverständlich unsere Heimat hier, unsere Hauptstadt.
Sprecher 3: Ja, oder harte Schale, weicher Kern.
Sprecher 2: Morgen Table Today, 5 Uhr. Tschüss.
Sprecher 13: Guten Morgen Berlin, du kannst so hässlich sein, so dreckig und grau. Du kannst so schön schrecklich sein, deine Nächte fressen mich auf. Es wird für mich wohl das Beste sein, ich geh nach Hause und schlaf nicht auf. Und während ich durch die Straßen laufe, wird langsam schwarz zu blau. Ich bin kaputt und reib mir aus meinen Augen deinen Staub. Du bist nicht schön und das weißt du auch, dein Panorama versaut. Siehst nicht mal schön von Weitem aus, doch die Sonne geht gerade auf. Und ich weiß, ob ich will oder nicht, dass ich dich zum Atem brauche.