Kommt mit Schwarz-Rot die Wirtschaftswende, Herr Hartung?
Dauer: 27:12

Kommt mit Schwarz-Rot die Wirtschaftswende, Herr Hartung?

Bosch-Chef Stefan Hartung fordert von der neuen Bundesregierung: „Wir brauchen einen Ruck, es muss einen Aufbruch geben.“ Er betont, dass Deutschland international wieder wettbewerbsfähiger werden müsse: „Wir haben es in der Vergangenheit geschafft, also können wir es wieder schaffen.“ 


Die USA und China haben im Zollstreit eine 90-tägige Frist vereinbart und ihre Zölle drastisch gesenkt. H.R. McMaster sieht im Gespräch mit Helene Bubrowski die Methode Trump durchaus kritisch. Aber er macht auch klar, dass die USA und Europa nach Gemeinsamkeiten suchen müssen, denn es gebe gemeinsame Ziele. Für McMaster ist China der entscheidende Widersacher in der Weltwirtschaft.


Die neue Studie des Zentrums für Militärgeschichte der Bundeswehr sieht kein flächendeckendes Extremismusproblem bei der Truppe. Studienleiter Dr. Markus Steinbrecher erklärt: „Der Anteil konsistent rechtsextremer Einstellungen liegt bei unter einem Prozent.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Die Weltwirtschaft bekommt eine Verschnaufpause. Die USA und China haben sich auf eine 90-tägige Schuh- und Frist im Zollstreit geeinigt und ihre gegenseitigen Zölle übergangsweise sehr deutlich reduziert. Wir fassen das Wichtigste natürlich für Sie zusammen und hören hier den former National Security Advisor H.R. McMaster im Gespräch mit Helene.

Sprecher 3: Die Bundeswehr und der Rechtsextremismus, Themen, die uns schon lange beschäftigen. Und jetzt gibt es eine Studie des Zentrums für Militärgeschichte der Bundeswehr, die hat dieses Phänomen untersucht. Lisa Martina Klein vom Security Table hat mit dem Direktor des Instituts, Markus Steinbrecher, über die Ergebnisse gesprochen.

Sprecher 2: Friedrich Merz will den Politikwechsel. Er hat ihn versprochen, vor allem in der Wirtschaftspolitik. Aber was heißt das denn jetzt genau, wo er im Amt ist? Wir sprechen mit einem der wichtigsten Unternehmer dieses Landes, dem Chef der Robert Bosch GmbH, Dr. Stefan Hartung. Gleich bei uns hier im Gespräch mit Thilo Boss vom CEO Table.

Sprecher 3: Es ist Dienstag, der 13. Mai und wir freuen uns, dass Sie dabei sind.

Sprecher 4: Indeed statt Ausreden.

Sprecher 5: In meiner Kanzlei macht jetzt ein Rechtsanwalt auch das Recruiting. Da wird kein falsches Zeugnis abgelegt.

Sprecher 4: Find lieber die richtigen Mitarbeitenden und sichere dir 75 Euro Startguthaben. Auf indeed.com slash Guthaben. Es gelten die AGB.

Sprecher 6: And they've agreed to open China, fully open China. And I think it's going to be fantastic for China. I think it's going to be fantastic for us. And I think it's going to be great for unification and peace. China will also suspend and remove all of its non-monetary barriers. They've agreed to do that. Well, they're very numerous. But again, to me, the biggest thing that came out of that meeting is they've agreed. Now we have to get it papered, but they've agreed to open up China. That'd be great for everybody.

Sprecher 2: Donald Trump ist wieder mal begeistert, vor allem von sich selbst. Jetzt hat er einen Deal mit China gemacht bei den Zöllen. Um 115 Prozent werden sie von beiden Seiten gesenkt nach den Verhandlungen vergangene Woche.

Sprecher 3: It's going to be fantastic for us. It's going to be great for everybody. Ja, es ist ziemliches Selbstlob für Trump. Die Frage ist, was bedeutet das für die Weltwirtschaft? Die Zölle der USA sind jetzt nur noch 30 Prozent auf chinesische Waren und China erhebt 10 Prozent auf amerikanische Waren. Das ist tatsächlich... Eine drastische Reduzierung. Michael, und da sind wir wieder bei der Frage, die wir uns hier schon häufiger gestellt haben. Wirkt Trump eben dann doch? Ist das Ergebnis vorzeigbar, auch wenn der Weg dahin unangenehm ist?

Sprecher 2: Natürlich wirkt Trump, das ist zwar rustikal, das ist einseitig in der Kommunikation, das ist harsch, aber es gibt jetzt einen Deal, der dazu sorgt, dass die Handelsbarrieren tatsächlich vorübergehend niedriger sind zwischen China und den USA und USA und China, als sie vorher waren. Insofern, wer Handelspolitik ernst nimmt und wer weiß, dass weltweiter Handel für alle Beteiligten besser ist, dann weiß man, dass dieser Deal besser ist, als das, was es vor Trumps Amtsübernahme war. Insofern wird es wahrscheinlich auch für uns Europäer jetzt auf Ähnliches ankommen. Wir brauchen auch einen Deal mit Donald Trump.

Sprecher 3: Die Frage ist wirklich, ist das vom Ende her gedacht? Ist das so taktisch, so super geschickt und wir denken nur, es ist dumm? Und am Ende hat irgendjemand ein Mastermind hinter Trump oder vielleicht Trump selber sich gedacht, wenn ich das so mache, kommen am Ende diese gesenkten Zölle bei raus und es hilft der Weltwirtschaft insgesamt. Oder ist das dann auch manchmal ein Zufall? Also H.R. McMaster, der ehemalige Sicherheitsberater, der gestern bei der Atlantikbrücke zu Gast war, hat was ganz Interessantes gesagt, nämlich er hat gesagt, Trump wählt die Methode Disruption, aber manchmal wird er auch selber Opfer davon. Dann ist es nämlich die Disruption von der Disruption. Ein komplettes Chaos, das angerichtet werden kann. Ich würde jedenfalls mal sagen, es ist keine sichere Methode. Es ist keine Konvention. Traditionelle keine bewährte, sondern eine Barrialmethode, wo es sein kann, dass es gut geht, aber es kann eben auch sein, er nimmt es billigend in Kauf, dass es auch einen echten Wirtschaftsweltkrieg gibt.

Sprecher 2: Aber Helene, nur mal die Reaktion der Börsen und der Investoren. Der Zollsatz auf Einfuhren aus China in die USA von 145 auf 30 Prozent, das ist drastisch. Der DAX hat sofort am Montag ein Allzeithoch erreicht, der Eurostox 50 auch. Das heißt also auch wir in Europa, unsere ganzen Chip-Hersteller, unsere Maschinenbauer profitieren natürlich davon, wenn China und USA es nicht eskalieren lassen. Aber lass uns mal reinhören, was dein General McMaster, den du gestern interviewt hast, hier in Berlin dazu gesagt hat.

Sprecher 7: If you listen to what President Trump's priorities are, right, he's concerned about Chinese economic aggression. You got the tariff agreement today, but it's a 90-day suspension. The trade tensions, you know, with China are not going to go away, mainly because of Chinese behavior associated with. You know, of course, you know, the vast overcapacity, overproduction, the subsidization and forced transfer of intellectual property and, you know, invite you in with the promise of cheap manufacturing or access to the Chinese market, rip you off, pick a Chinese winner, shut you down out of their market. And then produce, you know, whatever the goods are and the products are at artificially low prices, dump them on the international market and run you out of business. I mean, that's what they do.

Sprecher 3: Ja, und in dieses Feld tritt jetzt eine neue Bundesregierung, Friedrich Merz. Ich habe H.R. McMaster. gefragt, was die Amerikaner eigentlich von Merz erwarten und ob sie ihn überhaupt kennen. Und das war seine Antwort, die dann doch viele im Raum ziemlich überrascht hat.

Sprecher 7: No, they don't know who he is. So there's a lot of work to be done, I think. And so, you know, I would just recommend it, of course, you know, the chancellor can do whatever he wants, obviously. But I would say, you know, maybe visit a couple of places in the United States other than Washington, D.C. And I think that would be useful in terms of understanding opportunities, opportunities for investment in critical communities, areas where especially, you know, German companies are investing and creating U.S. Jobs, right?

Sprecher 2: Ja, der Nabel der Welt sind wir aus amerikanischer Sicht eben dann doch nicht, auch wenn Friedrich Merz es vielleicht hier in Europa ist. Ich bin gespannt, was dabei rumkommt. Eins ist klar, Trump macht Carrot-and-Sticks-Politik mal ein bisschen ziehen, mal wieder ein bisschen geben. Und wir werden am Ende auch zwischen Europa und USA einen Deal sehen, der uns vielleicht bei Autos, bei Lebensmitteln, bei der Landwirtschaft auch zu Konzessionen zwingen wird.

Sprecher 3: Das kann alles sein. Trotzdem wollte ich nochmal sagen, ich wehre mich dagegen, diese Methode irgendwie heilig zu sprechen. Selbst wenn sie in manchen Fällen gut geht, bin ich weiter der Meinung, eine regelbasierte Ordnung bedeutet nicht nur, dass es am Ende einen Deal gibt, an den sich dann hoffentlich auch alle einigen, sondern dass es irgendwo auch ein zivilisierter Weg dahin ist, in dem man... verhandelt, indem man sich zuhört, indem man Kompromisse schmiedet und nicht mit dieser Brachialmethode sich gegenseitig erpresst und demütigt, bis man zu irgendeinem Ergebnis kommt. Aber Michael, vielleicht bin ich da auch einfach aus der Zeit.

Sprecher 2: Würde ich nie bestätigen.

Sprecher 3: Wie soll man in Zukunft mit AfD-Parteimitgliedern umgehen? Wie sollen die Behörden mit ihnen umgehen? Das ist eine Frage, die sich nochmal zugespitzt hat, seit der Verfassungsschutz die Partei als gesichert rechtsextrem eingestuft hat.

Sprecher 2: Vor allem bei Beamten und Soldaten ist das natürlich ein heikles Thema, da sie ja einen Eid auf die Verfassung abgelegt haben.

Sprecher 3: Ja, die besondere Treuepflicht, die besteht von Beamten gegenüber der Verfassung. Allerdings wäre es zu kurz gesprungen zu sagen, deswegen ist die AfD-Mitgliedschaft, die Parteimitgliedschaft schon unvereinbar mit dem Treueschwur, sondern da gibt es Gerichte, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben und die sagen, es kommt immer auf den konkreten Einzelfall an und es kommt darauf an, ob jemand feindlich gesinnt gegen die Grundordnung ankämpft. Nur dann ist es ein klarer Fall von Unvereinbarkeit, der dann auch Sanktionen nach sich zieht, zum Beispiel die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis.

Sprecher 2: Hat die Bundeswehr nun ein systematisches Problem mit dem Rechtsextremismus? Das wurde jetzt in der Studie Armee in der Demokratie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften an der Bundeswehr ausgewertet. Immerhin 8000 zivile und militärische Angehörige wurden zu ihren politischen Ansichten befragt. Und überraschendes Ergebnis, Helene?

Sprecher 3: Ja, es ist wirklich interessant. Je weniger als ein Prozent der Bundeswehrangehörigen zeigen konsistente rechtsextreme Einstellungen. Da kann man jetzt sagen, ja, ein Prozent ist natürlich immer noch noch. Ein Prozent zu viel, aber im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist es wenig, denn in der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil von Menschen mit einer konsistent rechtsextremen Einstellung bei über fünf Prozent.

Sprecher 2: Lisa Martina Klein jedenfalls von unserem Security Table hat mit Dr. Markus Steinbrecher, dem Direktor des Zentrums, über die Ergebnisse gesprochen. Hören wir doch mal rein.

Sprecher 8: Hallo Herr Dr. Steinbrecher, schön, dass Sie da sind.

Sprecher 9: Ja, hallo, vielen Dank, dass ich hier sein darf.

Sprecher 8: Sie forschen selbst am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaft der Bundeswehr, unter anderem zum Thema Rechtsextremismus in der Bundeswehr. Wie unabhängig können Sie denn forschen? Sie gehören ja quasi selber zur Bundeswehr.

Sprecher 9: Ja, wir sind natürlich Teil des Geschäftsbereichs des Verteidigungsministeriums, aber es gibt eine Weisung, dass für uns die grundsätzliche Freiheit von Forschung und Lehre gilt und dass wir quasi Forschungsergebnisse vorlegen, die dann, so wie wir sie vorlegen, in den Geschäftsgang im Ministerium gegeben werden müssen. Insofern sind wir frei in dem, was wir tun. Und wenn wir es jetzt konkret beziehen auf die aktuelle Studie Armee in der Demokratie, dann hatten wir so viel Freiheit wie bei fast keiner anderen Studie, muss man jetzt wirklich sagen.

Sprecher 8: Wie groß ist denn das Ausmaß an extremistischer Einstellung unter den Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr? Was haben Sie denn in der Studie herausgefunden?

Sprecher 9: Wir haben ein Instrument verwendet aus der Forschung zu rechtsextremistischen Einstellungen. Da werden 18 Fragen gestellt aus verschiedenen Themenbereichen mit Subdimensionen Neonazismus, Antisemitismus, Sozialdarwinismus und so weiter. Und da sieht man eben, dass der Anteil derjenigen, die da konsistente Überzeugungen hat, deutlich geringeres als in der Bevölkerung. Aber wir sehen auch, dass es bei den Subdimensionen Chauvinismus und Fremdenfeindlichkeit doch zu etwas höheren Werten kommt mit konsistenten Einstellungen bei Chauvinismus von über 6% und bei Fremdenfeindlichkeit von knapp 4%. Wobei wir auch in der Studie das gut erklären können, warum wir da etwas höhere Werte bei Chauvinismus sehen, weil wenn Sie daran denken, dass die Bundeswehr das Instrument zur Durchsetzung deutscher Interessen ist, dann ist es nicht verwunderlich, wenn Soldaten so einer Frage oder so einer Aussage zustimmen. Das war nämlich eines der Items, um Chauvinismus zu messen.

Sprecher 8: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der politischen Einstellung und der Bereitschaft zur Bundeswehr zu gehen?

Sprecher 9: Ja, wir haben in der Studie mehrere Hypothesen untersucht. Eine davon war die Selektionshypothese. Da geht es eben darum, ob Extremismus von außen in die Bundeswehr reinkommt. Und da haben wir uns genau das angeschaut, ob Leute mit extremistischen oder mit einem höheren Maß extremistische Überzeugung generell interessierter sind, in die Bundeswehr zu kommen. Und da sieht man sehr deutlich, Rechtsextremismus führt dazu, dass man sich stärker für die Bundeswehr interessiert und da arbeiten möchte. Ja, wie kann man das erklären? Ich denke, dass die Bundeswehr und Extremismus oder der Soldatenberuf und Extremismus partiell leichte Überlappungen haben. Also sie haben ein Freund-Feind-Schema. Sie haben die Tendenz eher in Schwarz-Weiß zu denken. Und ich glaube, dass Leute mit rechten Orientierungen tendenziell mit der Bundeswehr als Organisation, die hierarchisch ist, auf Befehl und Gehorsam aufgebaut ist, besser zurechtkommen als Leute mit linken Orientierungen. Jemand, der ganz starke linke Überzeugungen hat, findet die Bundeswehr einfach nicht attraktiv als Arbeitgeber und ist nicht interessiert. Was man jetzt noch sagen kann zu den Rechtsextremisten, die an der Bundeswehr interessiert sind. Interesse heißt nicht, dass die Leute sich bewerben. Wenn sie sich bewerben sollten, heißt es nicht, dass sie aufgenommen werden. Da hat die Bundeswehr natürlich in den letzten Jahren sehr viel getan. Es gibt jetzt für alle Bewerberinnen und Bewerber erweiterte Sicherheitsüberprüfungen. Es gibt deutlich mehr Überprüfungen auch bei den Offiziersbewerbungsgesprächen, die in Köln stattfinden. Ärzte sind von der Schweigepflicht freigestellt, was Tätowierung oder sonst was angeht. Also insofern, die Bundeswehr hat da sozusagen ihre... Aufmerksamkeitsschranken sozusagen runtergesetzt oder die Schwellen runtergesetzt und ist deutlich aufmerksamer. Und das sieht man auch in den Statistiken, dass jedes Jahr eine dreistellige Zahl von Leuten aus dem Bewerbungsprozess ausgeschlossen wird.

Sprecher 8: Welchen Handlungsbedarf sehen Sie denn jetzt nach der Studie?

Sprecher 9: Wir haben im Ende, im Schlusskapitel des Berichts einige Empfehlungen abgegeben. Wenn man schaut auf unsere Ergebnisse, muss die Bundeswehr ihre Maßnahmen, die sie schon eingesetzt oder umsetzt, weiter auf dem hohen Niveau aufrechterhalten. Da ist sicherlich eine Herausforderung, was die Sicherheitsüberprüfung angeht, wenn wir die Wehrpflicht wieder einführen, weil dann können wir nicht alle Wehrpflichtigen in dem Maße überprüfen. Aber das muss die Bundeswehr sicherlich auf dem Schirm haben, dass das ein Einfallstor sein könnte dann wieder für Extremismus in die Bundeswehr. Weil wir wissen ja, in der Gesellschaft ist Extremismus verbreiteter als in der Bundeswehr selber. Also er kommt teilweise von außen rein. Intern brauchen wir natürlich weiter starken Fokus auf politische Bildung und Sensibilisierung. Also die Bundeswehr ist ja schon einer der wenigen Arbeitgeber, die systematisch ihre Angehörigen politisch bildet und weiterbildet. Und was wir auch gesehen haben bei den Soldatinnen und Soldaten, dass es ein weit verbreitetes Gefühl gibt. Man weiß nicht so richtig, was man sagen kann, wie man mit Politik umgehen soll. Ich glaube, dass man den Soldatinnen und Soldaten da Handlungssicherheit vermitteln muss und ihnen klarer sagen muss, dass es von ihnen sogar erwartet wird, dass sie sich aktiv für die FDGO einsetzen, für die freiheitlich-demokratische Grundordnung und auch ihre Meinung äußern. Also das erwartet die innere Führung und die Bundeswehr von ihren Angehörigen, dass sie aktive Demokraten sind und sich für den Staat und das System einsetzen. Und ich glaube, dass man da auch nochmal ein bisschen bei der politischen Bildung nacharbeiten muss, um den Leuten dieses Bewusstsein stärker zu verankern.

Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Dr. Scheinbrecher.

Sprecher 9: Ja, gerne.

Sprecher 2: Die Wirtschaft ist in der neuen schwarz-roten Regierung besonders wichtig und steht im Fokus. Denn wirtschaftspolitische Maßnahmen haben es ganz nach oben in den Koalitionsvertrag geschafft. Wir befinden uns im dritten Jahr der Rezession. Alleine das ist ein historisches Ereignis. Allen ist klar, auch der SPD, es muss jetzt schnell etwas passieren, damit die Wirtschaft wiederbelebt wird. Reichen die Vorschläge von Union und SPD, um diese Wende hinzubekommen? Das wollten wir von Stefan Hartung wissen. Er ist der CEO der Robert Bosch GmbH, der Chef eines der wichtigsten und traditionsreichsten Hidden Champions in Deutschland. Der Mann studierte Maschinenbau in Aachen, wie so viele dieser klugen CEOs im Maschinenbau, promovierte in Fertigungstechnik, arbeitete später für die Fraunhofer-Gesellschaft und bei der Unternehmensberatung McKinsey. Mit weltweit knapp 420.000 Angestellten und einem Umsatz von 90 Milliarden Euro ist die Bosch-Gruppe einer der relevantesten Player in den Bereichen Mobilität, Industrie, Technik, Konsum, Güter sowie Energie- und Gebäudetechnik. Wenn wir ihm nicht zuhören sollten, wem dann? Thilo Boss von unserem CEO-Table hat ihn befragt.

Sprecher 10: Deutschland möchte einen vollkommenen Paradigmenwechsel in der Wirtschaftspolitik machen. Was erwarten Sie davon? Was erwarten Sie von der ersten Regierungserklärung von Friedrich Merz? Wird dieser Paradigmenwechsel kommen und was muss getan werden?

Sprecher 11: Also ich glaube, dass das, was hier die beiden Regierungsparteien jetzt angekündigt haben, das sind nämlich wirklich... den Wirtschaftsstandort nach vorne bringen wollen. Das kommt von Herzen und das kommt auch aus der Notwendigkeit, weil ansonsten gingen viele andere Dinge ja gar nicht. Nur so kann ja auch das Thema Sozialleistungen aufrechterhalten werden. So kann das Thema Entwicklung von Deutschland überhaupt vernünftig diskutiert werden. Glaube ich, wird das im Zentrum der Regierungsarbeit schon sein. Welche Mittel und Maßnahmen man jetzt umsetzen kann in den nächsten Monaten und wie man vor allen Dingen am Anfang das Momentum hinbekommen kann, dass alle sagen, jawohl, es gibt einen Ruck, hatten wir glaube ich mal in der deutschen Diskussion, es gibt einen Aufbruch. Das werden wir sehen, aber ich baue da sehr drauf. Und wenn wir da einen Beitrag leisten können, das zu unterstützen, dann werden wir das tun.

Sprecher 10: Es gibt immer wieder Formate, wo die Wirtschaft und vor allen Dingen auch die Topmanager in der Wirtschaft, ja dann sei es jetzt bei einem Automobilgipfel, dann auch wieder zurate gezogen werden. Also anders salopp formuliert, hat der Bundeskanzler Sie schon angerufen. Und wenn er Sie noch nicht angerufen haben sollte, das weiß ich jetzt nicht, wären Sie denn dann auch bereit, dann auch mal dort Anregungen zu geben, wie der Standort Deutschland in einer internationalen Wettbewerbsfähigkeit gewinnt?

Sprecher 11: Ja, der Bundeskanzler hat ja jetzt in den ersten Tagen erstmal sehr viel zu tun gehabt und die richtigen Dinge, glaube ich, getan. Das fand ich gut, dass mit Frankreich jetzt der erste Besuch stattfand und mit Polen. Das sind gute Signale. Und natürlich wird er nicht erstmal bei mir anrufen, aber wenn er anruft, werde ich bereit sein und werde auch meine Meinung sagen, weil ich glaube, das ist wichtig, dass man hier einen Beitrag leistet. Wir sind ja nicht nur ein deutsches Unternehmen, sondern sehr international. Und wir sehen ja auch, wie unterschiedliche Bedingungen weltweit herrschen. muss Deutschland sich anstrengen, in diesen ganzen Rankings, die es da gibt, auch wieder mal ein paar Stufen nach oben zu kommen. Und das geht auch. Ich meine, wir haben es ja in der Vergangenheit auch geschafft. Von daher muss man das optimistisch sehen, egal wie schwer die Rahmenbedingungen jetzt sind. Und ja, wir kommen vielleicht aus einer rezessiven Umgebung jetzt raus. Finde ich, ist es richtig, dass man sich das vornimmt und dann werden wir sehen, wie wir in den nächsten Monaten da zur Hand kommen.

Sprecher 10: Wenn Sie so zwei, drei Punkte jetzt sagen würden, was wäre für Robert Bosch denn wichtig jetzt? Sei es jetzt eine Steuer, sei es eine Steuerreform, um hier wieder ein neues Werk zu bauen oder sei es ein besseres, adäquateres Einwanderungsgesetz, um Fachkräfte nach Deutschland zu kommen, nur um diese zwei Beispiele zu nennen. Was wäre aus Ihrer Sicht wichtig, was in der Agenda demnächst umgesetzt werden soll?

Sprecher 11: Also ich bin ja der Ansicht, dass Regulierung grundsätzlich angeschaut werden sollte, ob wir nicht zu viel reguliert haben, weil Regulierung kostet am Ende Geld. Das ist vor allen Dingen auch ein Thema, zusammen mit der Europäischen Union zu betrachten. Von daher wäre es, glaube ich, schon dienlich, wenn wir als erstes jetzt das probieren, was auch angekündigt wurde, dass wir in Europa wieder eine wichtigere Stimme sind, dass wir unsere Stimme auch wahrnehmen. Wir haben doch in den letzten Jahren sehr häufig darauf verzichtet, mit abzustimmen und uns enthalten. Und das ist, glaube ich, gar nicht gut. Dadurch sind auch viele Dinge so gelaufen, wie sie jetzt sind. Wir haben dieses Thema Technologieoffenheit nicht vollständig drin. Wir haben das Thema Regulierungsbedingungen eigentlich nicht gut in den Griff bekommen und haben dadurch sehr viele Bürden bekommen in dem Reporting. in vielen der auch gut gemeinten ökologischen Reportings, die dann am Ende aber nicht zu dem geführt haben, was wir eigentlich wollten. Das wäre gut. Klar, diese ganz schweren Themen wie Steuerreform oder Sozialversicherungsfragestellung, die wird man sich sicher auch vornehmen müssen. Aber ich glaube, das sind Themen, da wird wahrscheinlich auch diese Konstellation zwischen den beiden Regierungsparteien schon eine Weile für brauchen, bis sie das wirklich anfassen kann. Das sind ja auch große Vorhaben, die gehen nicht in ein paar Monaten, da braucht man Jahre für, bis man das wirklich im Griff hat. Dennoch würde es mich freuen, wenn wir das alles auf der Agenda behalten würden. Also sowohl das Thema, was machen wir langfristig mit der Rente und den anderen Sozialversicherungskomponenten, was machen wir langfristig mit den Steuerfragen, weil... Das ist wichtig. Die Menschen möchten für das, was sie an Tätigkeit tun, auch etwas bezahlt bekommen. Das muss netto ankommen. Ja, und ich glaube, wir sind jetzt auch an einer Stelle, wo dann auch grundsätzliche Fragen zur Staatsquote ruhig nochmal gestellt werden können, weil wir sind da auf dem Weg gewesen, deutlich über die 50 Prozent hinaus. Und vielleicht ist das jetzt auch mal ein neuer Anfang, dass wir da wieder von wegkommen von dem Pfad.

Sprecher 10: Wird aber wahrscheinlich schwierig werden, wenn wir uns die Finanzierungspakete der Bundesregierung dann also anschauen, sprich in Infrastruktur und wie auch immer. Also da wird es ja sehr viele Staatsaufträge dann geben.

Sprecher 11: Ja, die würde ich jetzt mal zum Teil ein bisschen rausrechnen, weil es ist so, wenn ich jetzt eine Sonderthematik habe mit der Verteidigung zum Beispiel und mit den Infrastrukturthemen, dann habe ich automatisch Staatsthemen da drin. Wir haben aber diese Staatsquote ja erreicht, ohne dass wir diese Dinge gemacht haben. Von daher ist es... sollten wir uns vielleicht mal die grundlegenden Dinge darunter anschauen. Wenn man also jetzt die Sondervermögen und Sonderfonds und wie man sie alle nennt, da mal beiseite lässt und davon ausgeht, dass das 100% Staatsquote ist, wie übrigens normal. Verteidigung ist immer Staat, ja, und das gilt auch für... Für große Infrastrukturbauten, dann ist es trotzdem, glaube ich, wichtig, dass man sich beim Rest nochmal anschaut, was hat man da getan. Auch die Bundesministerien, selbst das Bundeskanzleramt sind ja alle sehr stark gewachsen in den letzten Jahren. Und das spiegelt sich natürlich auch in der Art der Verwaltung wieder, die wir jetzt haben. Wenn ich die Europäische Union anschaue, und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, dann wirklich da sehen wir auch, wie über die Jahre jetzt eine Eigendynamik entstanden ist, wo man doch sehr viele Dinge geregelt hat, die man vielleicht nicht hätte regeln müssen. Für uns als Europäer ist viel wichtiger, dass wir uns nicht in der Eigenbetrachtung immer nur sehen, sondern in der wettbewerblichen Betrachtung. Weil Europa, da geht es nicht darum, sich gegenseitig Konkurrenz zu machen im europäischen Markt. In Europa geht es darum, konkurrenzfähig zu sein gegenüber China und USA.

Sprecher 10: Das heißt eine Vertiefung von Europa. Das ist das, was Sie jetzt fordern.

Sprecher 11: Absolut. Wir müssen viel homogener und gleichmäßiger im europäischen Markt werden, sodass wir den komplett adressieren können. Das wäre eine große Erleichterung für alle ökonomisch tätigen Spieler hier in Europa. Und damit wird natürlich die europäische Gesamtnachfrage auch ein besserer Faktor. Das ist ja etwas, was man in die Waagschale werfen kann, nicht nur das Angebot. Wir sind eh sehr stark auf der Exportorientierung unterwegs in vielen Fällen. Übrigens nicht nur mit Industriegütern, auch mit Luxusgütern, auch mit vielen Agrargütern. Produkte sind weltweit sehr gefragt, europäische Produkte. Nein, der Gesamtmarkt der europäischen Konsumenten ist äußerst attraktiv. Den kann ich in die Waagschale werfen, wenn ich ihn denn habe. Wenn ich 27 Einzelmärkte habe, dann kann ich nichts in die Waagschale werfen. Das sind immer kleine Dinge.

Sprecher 10: Dadurch hoffen Sie sich natürlich wieder Wachstumsimpulse, wenn ich das jetzt richtig interpretiere. Aber lassen Sie mich die letzte Anschlussfrage dazu auch nochmal treffen. Gleichzeitig möchte ich Sie mal bitten, einen kurzen Ausblick auf 2025 zu geben. Auch vor allen Dingen, wenn man sich jetzt nochmal anschaut, wie schwierig es geopolitisch jetzt geworden ist, wenn ich nach Übersee schaue mit Donald Trump, aber dann auf der anderen Seite auch die Wachstumsschwierigkeiten auf dem chinesischen Markt dann auch sehe. Es wird allerdings dann gleichzeitig auch dann wieder gesagt, wir brauchen mehr Freihandelsabkommen. Wie Mercosur tritt ja fast in Kraft. Es ist auch mit Indonesien jetzt eins geplant, wo dann überlegt wird, sind das denn Impulse, die für so ein internationales Unternehmen wie Sie, Sie sind in 60 Ländern aktiv, dann wichtig ist, um Wachstum dann auch für die Zukunft zu setzen?

Sprecher 11: Also wir haben natürlich die Unsicherheit durch die Zollfragen, die diskutiert werden, ob der internationale Handel schwieriger wird. Gleichzeitig sehen wir aber auch positive Entwicklungen, weil wir haben ja lange gar keine Handelsabkommen abgeschlossen aus Europa aus und haben ewig lang verhandelt, um am Ende doch keins zu bekommen. Aus bestimmten Gründen, da ging es über Chlorhühner und andere Themen, da haben wir sie dann abgelehnt und wären jetzt froh, wenn wir sie hätten. Es wäre sehr erfreulich, wenn wir sie hätten. der jetzt einen Impuls bekäme, dass Deutschland auch ganz klar dafür steht und sagt, wir wollen mehr Handelsabkommen haben, wir werden die auch mit unterstützen und wir bekommen die dann auch. Dann haben wir ein ganz klares Gegenmomentum gegenüber anderen Bestrebungen, zum Beispiel Transaktionskosten durch Zölle zu erhöhen. Und dann kommen wir vielleicht auch genau zu dem, wo wir eigentlich alle hinwollen, nämlich einem fairen gemeinsamen Spielfeld im internationalen Handel. Ich glaube, dass diese Grundintention, die aus Amerika häufig zu hören ist, da ja gar nicht falsch ist. Und das wäre mit Handelsabkommen sicher am besten zu regeln. Hoffentlich hören wir da schon bald Fortschritte, sowohl aus den USA, als auch aus Europa.

Sprecher 10: Wenn wir die Fortschritte hören, Herr Dr. Hartung, dann würde ich Sie nochmal ganz herzlich bitten, dass wir das Gespräch fortsetzen. Denn es gibt noch viele Themen, die wir aufarbeiten können oder aufarbeiten müssen. Ich würde mich freuen, Sie wieder bei uns im Podcast dann begrüßen zu dürfen. Vielen herzlichen Dank bei Ihnen für dieses Gespräch.

Sprecher 11: Vielen herzlichen Dank.

Sprecher 3: Michael, du hast wie so oft bei uns das letzte Wort. Deswegen sag mir, ob noch was war.

Sprecher 2: Wir müssen mal über den BER reden. Nachdem der ja als Paradebeispiel für völlig verkorkste Großprojekte in der ganzen Welt bekannt ist, kämpfen die Verantwortlichen, schönen Gruß an Aletta von Massenbach, die hört unseren Podcast, wie ich hörte, dafür, dass das Image dieses Flughafens endlich mal besser wird.

Sprecher 3: Es gibt nämlich wirklich etwas Überraschendes. Und zwar die Luftfahrtratingagentur Skytrax hat dem BER die Auszeichnung World's Most Improved Airport verliehen. Also es ist ein Flughafen, der vom Service und der Passagierzufriedenheit die größten Fortschritte gemacht hat. Wobei man sich natürlich sofort die Frage stellt, Fortschritt ist schön, aber was war das Ausgangsniveau?

Sprecher 2: Ich muss vor allem an Schritte denken, wenn ich an den BER denke. Wenn man mal am falschen Gate ankommt, läuft man sich erstmal einen Wolf. Und man muss auch fairerweise sagen, die Google-Bewertung der ganz normalen Nutzer, naja, da liegt der BER mit 3,2 von 5 Sternen bei den Passagieren eher auf dem hinteren Platz. Nur noch Frankfurt-Hahn ist schlechter.

Sprecher 3: Aber trotzdem ist es doch schön, wenn wir nicht immer nur meckern über den BER, da doch eigentlich Willy-Brandt-Airport heißen sollte. Das hat sich bisher gar nicht durchgesetzt, oder?

Sprecher 2: So ist es und ich empfehle wirklich dringend diesen sehr nahen Parkplatz mit den Mietautos, die man sich da wirklich für wenig Geld mieten kann, um in die Stadt zu fahren, Miles und DriveNow, das haben sie gut gemacht.

Sprecher 3: Ich dachte, du sagst jetzt Kiss and Fly. Das ist ja meine liebste Zone am Flug. Aber das haben sie, glaube ich, geklaut.

Sprecher 2: Das haben sie geklaut.

Sprecher 3: Ja, haben sie bestimmt geklaut. Und trotzdem ist diese Kiss& Fly Zone so schön, finde ich. Ein Ort der Sehnsucht.

Sprecher 2: Kiss and fly away. Bis morgen. Table today.

Sprecher 12: Zölle und Zölle sind das neue Top-Thema für die Spitzen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für Sie gibt es jetzt unseren neuen Trade Table. Mit dem Trade Table haben Sie Zugang zu allen Analysen und Nachrichten aller Table Briefings Redaktionen. Rund um die Themen Handel, Zölle, Gegenzölle und Rohstoffe. Von Amerika bis Europa, von China bis Afrika. Mehr Informationen und einen weiterführenden Link finden Sie in der Folgenbeschreibung.