Die Ministerüberraschungen
Dauer: 25:14

Die Ministerüberraschungen

Friedrich Merz stellt sein Kabinett vor – mit prominenten Quereinsteigern wie Karsten Wildberger, der vom einem Elektronikhändler an die Spitze des neuen Digitalministeriums wechselt. Patrick Schneider wird überraschend Verkehrsminister. Wolfram Weimer übernimmt als Kulturstaatsminister eine bewusst polarisierende Rolle.


Veronika Grimm begrüßt die Ernennung von Katherina Reiche zur neuen Wirtschaftsministerin, sieht aber dringenden Reformbedarf. Laut der Wirtschaftsweisen brauche es Strukturwandel statt kreditfinanzierter Programme, um das Potenzialwachstum über 0,3 Prozent zu heben. 


Der Stromausfall in Portugal und Spanien zeigt, wie anfällig das Stromnetz in Europa sein kann. 

EU-Energiekommissar Dan Jørgensen fordert mehr physische und digitale Resilienz, weniger Abhängigkeit von russischem Gas – das immer noch 13 Prozent der EU-Versorgung ausmacht. Die grüne Transformation dürfe durch Bürokratieabbau nicht verwässert werden, sagt Jørgensen im Gespräch mit Manuel Berkel.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Die ersten Überraschungen der neuen Bundesregierung sind da. Friedrich Merz hatte sie angekündigt und holt nun mit Carsten Wildberger einen Topmanager aus dem Elektronikhandel, so muss man es sagen, und macht ihn zum Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Auch Patrick Schneider und Nina Waken überraschten einige. Gestern die Vorstellung der neuen Kabinettspersonalien der CDU im Hotel Estrell. Wir schauen uns diese Minister nochmal genau an und fragen unter anderem Veronika Grimm, die Wirtschaftsweise und den Südwest-CDU-Chef Manuel Hagel, was da auf uns zukommt. Der massive Stromausfall in weiten Teilen Spaniens und Portugal und Frankreich hat gezeigt, wie verwundbar unsere Stromversorgung doch ist. Auch weil Europa immer noch zu abhängig vom russischen Gas und von fossilen Energien ist. Das sagt Dan Jörgensen, der EU-Energiekommissar. Manuel Berkel, unser Kollege aus dem Europe Table, hat mit ihm gesprochen. Es ist Dienstag, der 29. April. Heute warten alle nur noch auf das SPD-Votum zum Koalitionsvertrag. Wir natürlich auch. Los geht's.

Sprecher 3: Da werden einige Aufgaben auf uns zukommen, die wirklich herausfordernd sind. Ich habe mir deshalb bei der Auswahl derjenigen, die mich im Kabinett begleiten, Gedanken gemacht, vor allem um die fachlichen Fähigkeiten, aber auch um eine wirklich neue Zusammensetzung eines Bundeskabinetts, das auch ein bisschen Aufmerksamkeit auslöst, auch in den Medien, auch in der Öffentlichkeit, eine bestimmte Erwartung nicht enttäuscht, sondern vielleicht sogar überschreitet.

Sprecher 2: Von ambitioniert bis Ahnungslosigkeit. Die Reaktionen auf die Kabinettsliste von Friedrich Merzi waren durchaus gemischt. Aber fangen wir mit der Wirtschaft an. Und auch ich lobe durchaus die Tatsache, dass mit Carsten Wildberg und Katharina Reiche tatsächlich zwei, wenn man Wolfram Weimar aus der Medienbranche dazu nimmt, drei Persönlichkeiten aus der Privatwirtschaft in die Politik kommen. Manche davon auf sehr, sehr viel Geld verzichten. Und diese Expertise, diese Frischzellenkur von draußen, das kann der Politik nur gut tun. Ob es dann auch klappt? Naja, manche Seiteneinsteiger sind dramatisch gescheitert, aber andere haben es durchaus auch zu guten Akzenten in der Politik gebracht. In der Partei, so ist die Logik natürlich, sind einige sauer. Die Niedersachsen-CDU geht weitgehend leer aus, kein Kabinettsmitglied von Rang und Namen. Der Umweltpolitiker Andi Jung aus Baden-Württemberg, auch er ist enttäuscht. Er wollte nicht parlamentarischer Staatssekretär werden, sondern eigentlich nur Bundesminister. Doch diesen Posten hatte Friedrich Merz für ihn nicht vorgesehen. Und auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Henrik Wüst, der durchaus auch gerne Bundeskanzler geworden wäre, muss nun aus Düsseldorf zuschauen, wie Friedrich Merz in Berlin regiert. Kein NRW-Mann oder keine NRW-Frau im Bundeskabinett. Und dann auch noch der etwa gleich alte Rivale aus dem Westmünsterland, Jens Spahn, als neuer mächtiger Fraktionsvorsitzender. Da sind jetzt Leute am Werk, die durchaus auch die Zeit nach März bestimmen wollen, was auch ein gewisser Henrik Wüst gerne tun würde. Und noch einer ist unzufrieden, der Arbeitnehmer Flügel und vor allem der Chef der CDA, Dennis Radtke. Er geht sogar öffentlich mit seiner Kritik und wirft Merz vor, die soziale Komponente vergessen zu haben. Aber so ist das eben, wenn nur sieben Ministerposten zu vergeben sind und mindestens 50, 60, 80 oder 100 CDU-Bundestagsabgeordnete doch eigentlich ganz gerne auch selbst zugegriffen hätten. Schauen wir uns die neuen doch nochmal ganz kurz an. Carsten Wildberger, er war die größte Überraschung, gestern der erste Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung in der Geschichte. Es ist vielleicht eines dieser ganz besonderen Ämter in diesem Land, denn wenn Deutschland es nicht endlich schafft, diese behäbige Verwaltung im Land, gerade auch in föderalen Strukturen, zu digitalisieren, bei den Großthemen der Zukunft, KI und Quantencomputing aufzuholen und für Investoren auch eine attraktive digitale Wirtschaft zu werden, ja dann... Gute Nacht, Deutschland. All das hängt jetzt auch mit diesem Mann zusammen, der noch CEO der Sickonomy AG ist, zu der unter anderem Saturn und Mediamarkt gehören. Manch einer spöttelte Digitalisierung, das sind vor allem die Produkte, die er da verkauft hat in diesen Läden. Aber nein, Wildberger hat durchaus aus diesem Elektronikhändler eine Multimedia-Plattform gemacht. Und man muss sagen, ganz so schlecht war das nicht. Immerhin 22,4 Milliarden Euro lautete der Umsatz der Sickonomy im vergangenen Jahr. Mit neuen kleinen Ideen, wie zum Beispiel, dass Uber dir die Waschmaschine aus dem Laden bringt, die du vorher per App bestellt hast, hat er dieses riesige Unternehmen sanft in eine neue digitale Welt gebracht. Über 1000 Märkte koordinierte er, 50.000 Mitarbeiter weltweit. Und neulich war er im geschätzten Podcast des OMR von Philipp Westermeyer und erzählte dort, wie man eigentlich mit so einem behäbigen Tanker umgeht und wie man vor allem das Team mitnimmt.

Sprecher 4: Wir leben doch von Innovation. Das ist doch der Hammer, was da jeden Monat an neuen Produkten kommt. Das ist erstmal Wachstum. Das heißt, wir sind doch jetzt nicht Opfer der Umstände. Die müssen wir halt gestalten. Und ich habe ja eine geliehene Rolle als CEO. Das ist eine Rolle auf Zeit, die mir anvertraut wurde. Und das kommt auch mit einer Verantwortung einher. Ich kann ja nur das dann machen, wenn das 50.000 Menschen mitziehen.

Sprecher 2: Ein leidenschaftlicher Mann ist Wildberger, das sagen mir ehemalige und aktuelle Mitarbeiter von ihm. Ihn treibe die Innovation und die... Digitalisierung an, er denke vom Kunden her. Naja, das wäre doch mal was, wenn unsere staatliche Verwaltung, unser Bezirksamt tatsächlich vom Kunden, also vom Bürger her denkt, dann hätten wir schon viel erreicht. Immerhin ein gutes Team, das wird er jetzt auch brauchen. Thomas Jatzumek hat er sich jetzt als Staatssekretär geholt, der ehemalige Start-up-Beauftragte der Bundesregierung, Digitalexperte aus Düsseldorf und Philipp Amthor, der Mann, der immerhin die AG geleitet hat, Staatsmodernisierung, werden seine Staatssekretäre. Aber Wildberg ist vor allem, wie ich gestern hörte, ein echter Politik-Junkie. In den Meetings mit deinen engsten Vertrauten, da geht es am Anfang immer erstmal über die Politik. Lust und Leidenschaft für die Politik als Mann aus der Wirtschaft, das sind schon mal gute Vorzeichen. Und immerhin, er verzichtet auf rund 2,6 Millionen Euro pro Jahr. Um diesen doch eigentlich immer noch gut dotierten Job als Bundesminister anzutreten. Man kann ihm eigentlich nur alles Gute wünschen.

Sprecher 5: Spannende Gäste, tiefe Einblicke, ehrliche Gespräche. Ob lokale Politik, großes Weltgeschehen oder einfach Geschichten aus dem Alltag. Ich freue mich auf den Austausch mit meinen Gästen. Seien Sie dabei.

Sprecher 6: Eiffelturm Talk, der Podcast für klare Analysen und neue Perspektiven.

Sprecher 2: Dieser Mann, den Sie da gerade gehört haben, ist Patrick Schneider. Er wird der neue Bundesverkehrsminister. Sie kennen ihn nicht. Das geht vielen in Deutschland so. 56 Jahre ist der alte Bundestagsabgeordnete aus der Eifel, wo er übrigens viele Jahre für den Autobahnausbau der A1 kämpfte. Dieser Mann dürfte also den Straßenausbau als Verkehrsminister wieder ein bisschen mehr in den Fokus rücken. Jeden Morgen geht er um 6 Uhr joggen, wenn es irgendwie die Zeit zulässt. In übrigens der gleichen Laufrunde wie Generalsekretär Carsten Linnemann. Er ist im Moment parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, hat eng mit Friedrich Merz und Thorsten Frei zusammengearbeitet, ist durchaus beliebt, obwohl er auch die Themen Personal und Ordnung und Spesen und Urlaubs- und Dienstreisen machen muss in der Unionsbundestagsfraktion. Aber so richtig auf den Schlips getreten fühlt sich von ihm keiner. Er ist eben einer dieser gelassenen Rheinland-Pfälzer. Ordentliches Mitglied im Ausschuss für Verkehr war er auch in der vorvergangenen Legislatur. Aber ehrlich gesagt, die verkehrspolitische Expertise, die sucht man bei diesem Mann bisher vergeblich. Anständiger Kerl, sagen sie in der Fraktion. Und als er neulich bei uns zu Besuch war zum Redaktionsgespräch, da sprach ich mit ihm lange über Planungsbeschleunigung und Genehmigungsverfahren. Das Thema treibt ihn um. Der Mann will diese Baustellen im Land schneller machen. Das ist doch eine gute Nachricht. Aber die Hauptaufgabe von Friedrich Merz an diesen Minister ist natürlich, die 400 Milliarden Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen sollen tatsächlich auch in der Infrastruktur ankommen und verbaut werden. Und der Mann soll das Unmögliche schaffen, die Bahn flott zu machen, die Bahn umzubauen, pünktlicher, digitaler und serviceorientierter zu machen. An dieser Aufgabe sind allerdings schon einige Verkehrsminister gescheitert.

Sprecher 3: Ich habe mich entschlossen für die Aufgabe eines Staatsministers für Kultur und Medien beim Bundeskanzler Dr. Wolfram Weimar zu gewinnen, der beides kann, Medien und Kultur. Lieber Wolfram Weimar, herzlich willkommen.

Sprecher 2: Wolfram Weimar, der Journalistenkollege, ehemals Chefredakteur der Welt, Berliner Morgenpost und des Fokus, Gründer des Cicero. Er ist schon jetzt die umstrittenste Personalie von Friedrich Merz. Ein konservativer Knochen, wie er im Buche steht. Und eins hat er auch selber mal geschrieben, das hieß das konservative Manifest. Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit. Sie können sich also ungefähr vorstellen, wie die Linke Republik auf diesen Mann reagiert. Genauso, wie es sich wohl Friedrich Merz heimlich erhofft hat. Denn mit diesem Mann, da bedient er auch so ein bisschen diese geistig-politische Wende, die er gerne hätte. Die konservativ-bürgerliche Zeitenwende, sie ist vor allem in dieser Personalie. Angelegt. Ein Trostpflaster für enttäuschte CDU-Wähler sei diese Personalie, schrieb die Zeit gestern und der FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube kommentierte, sein Begriff von Kultur und sein Geschichtsverständnis weisen darauf hin, dass er der falsche Mann am falschen Platz wäre, um es gelinde zu sagen. Zitat Ende. Da muss wohl einer noch die Journalie etwas überzeugen. Großer Erfolg, das muss man sagen, für das Ländle. Baden-Württemberg bekommt zwei Bundesminister und einen Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Da dachte ich mir, das will ich doch mal wissen von dem Mann, der das mit zu verantworten hat, wie es dazu kommen konnte. Manuel Hagel ist der Chef der Südwest-CDU, der Spitzenkandidat der stolzen baden-württembergischen Konservativen für die nächste Landtagswahl. Und als er gerade vom kleinen Parteitag gestern zurück in die Heimat fuhr, habe ich ihn erwischt und wollte natürlich als allererstes mal wissen, wie hat er das geschafft, so viel Baden-Württemberg in der Bundespolitik.

Sprecher 7: Eins ist für uns in Baden-Württemberg dann doch noch sehr wichtig. Die Interessen Baden-Württembergs haben am Kabinettstisch der Ampel praktisch keine Rolle gespielt. Nina, Thorsten und Gunter werden da wirklich liefern. Da bin ich mir ganz sicher. Und deshalb geht es uns darum, dass wir mit exzellenten Persönlichkeiten einfach gute Regierungsarbeit machen, innovativ und vertrauenswürdig und so Vertrauen auch wieder zurückgewinnen und die Probleme im Land endlich auch beginnen zu lösen.

Sprecher 2: Und natürlich die Frage, wer ist diese Nina Waken, die bisher in der Gesundheitspolitik nicht wirklich aufgefallen ist und jetzt dieses mächtige und wichtige Amt übernehmen soll, bei dem schon viele Vorgängerinnen und Vorgänger durchaus gescheitert sind, denn die vermachteten und verkrusteten Strukturen in der Gesundheitspolitik, sie sind wohl einzigartig in diesem Land. Aber nein, sagt Manuel Hagelmann, dürfe Frau Waken durchaus einiges zutrauen.

Sprecher 7: Er legt sehr viel Wert auf Expertise und auf die Meinung von Experten, wägt dann ab, entscheidet, aber setzt eben auch um. Es ist ja echt auch eine Chance, dass es keine Fachpolitikerin macht, die seit Jahrzehnten in der Gesundheitspolitik unterwegs ist, sondern dass jetzt die Nina als Generalistin, die als parlamentarische Geschäftsführerin und Generalsekretärin gezeigt hat, dass sie in komplexen Themen arbeiten kann, Verantwortung übernimmt. Und Nina wird es gut machen, mit viel Herz und Haltung. Und sie wird ganz viele mit ihrer positiven Art auch überraschen. Da bin ich mir wirklich sicher.

Sprecher 2: Zum guter Schluss eine CDU-Personalie, über die wir hier schon gesprochen haben, ist Katharina Reiche, die neue Wirtschaftsministerin aus der Energiebranche. Sie soll die Wirtschaftswende anstoßen. Und ich wollte von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm doch mal wissen, was sie eigentlich von dieser Personalie hält.

Sprecher 8: Katharina Reich ist eine gute Wahl. Sie hat politische Erfahrungen aus der Vergangenheit. Sie war jetzt mehrere Jahre eine erfolgreiche Managerin. Sie hat Verbandserfahrung, also sie bringt ein wirklich profundes Wissen mit und sie hat, glaube ich, auch einen klaren wirtschaftspolitischen Kompass und Durchsetzungsvermögen in der Vergangenheit bewiesen. Also das ist eine gute Entscheidung und ich glaube, das wird die Wirtschaft auch voranbringen, potenziell und aus der Krise bringen.

Sprecher 2: Vor allem gilt Katharina Reiche ja als Energiemanagerin und das ist tatsächlich auch die Kompetenz, die sie in ihrem Haus behalten hat, die Energiewende weiter voranzutreiben, die Abhängigkeiten zu reduzieren und die Preise ebenso. Was gibt es da eigentlich zu tun? Das sagt uns Veronika Grimm.

Sprecher 8: Zunächst mal muss man das Regulierungsgericht entflechten. Hier sind ja eine Unzahl von Förderprogrammen aufgesetzt worden, die eigentlich nicht die Energiewende beschleunigen, sondern eher verlangsamen. Es gilt, den Netzausbau voranzutreiben, aber maßvoll. Der Stromverbrauch ist ja nicht so angestiegen, wie man das erwartet hat. Insofern kann man beim Netzausbau sicherlich auch Anpassungen vornehmen. Und dann gilt es, Gaskraftwerke zuzubauen. Und zwar nicht als Klimaschutzmaßnahme, wie das von der alten Bundesregierung. Bei der EU-Kommission beantragt wurde, wodurch es dann viele Auflagen gegeben hat, sondern eben eher Erstmal Gaskraftwerke zuzubauen, um flexible Kapazitäten im Markt zu haben. Es gilt insgesamt bei der Energiepolitik auf Kosteneffizienz zu achten. Und ich glaube, das wird die nächste Bundesregierung genauso auch vorantreiben.

Sprecher 2: Wirtschaftspolitik ist ja zur Hälfte, Psychologie heißt es immer. Also reicht es da vielleicht, wenn die neue Bundesregierung mit neuer Zuversicht in dieses Land geht? Oder braucht es da wirklich Reform? Veronika Grimm verlangt letzteres, strukturelle Reform. Und sie sagt mir, was die neue Bundesregierung dringend in den ersten 100 Tagen angehen muss, damit wir aus dem 0% Wachstumstal herauskommen.

Sprecher 8: Deutschland steckt seit Jahren in einer strukturellen Krise. Das Produktionspotenzial wächst nicht ausreichend. Das Potenzialwachstum ist ungefähr bei 0,3 Prozent pro Jahr. Das ist fast nichts. Und hier gilt es natürlich, strukturell dagegen zu arbeiten. Und das wird auch nicht funktionieren mit diesen kreditfinanzierten Investitionsprogrammen, weil weder Investitionen im Verteidigungsbereich noch Investitionen in Infrastrukturen bringen das Potenzialwachstum wirklich signifikant nach oben. Hier braucht es Strukturreformen, hier braucht es eine... Richtungsänderung des Strukturwandels in Richtung von wachstumsstarken Industrien, die wir ins Land locken müssen. Und darauf muss eine Wirtschaftspolitik abzielen. Also Strukturreformen, die es attraktiv machen, bei uns zu wirtschaften. Und Reformen, die tatsächlich auch das Fachkräftepotenzial verfügbar machen, das diese Unternehmen brauchen, um wachsen zu können. Und das sind große Herausforderungen für die nächste Wirtschaftsministerin.

Sprecher 2: Ein Gewinner dieser Koalition und das ist offensichtlich, ist die CSU. Gleich drei ziemlich einflussreiche Ministerien gehen nach Bayern. Darunter sehr, sehr viel Budget und auch noch fünf Staatssekretäre obendrauf. Der neue Sheriff in Town ist Alexander Dobrindt. Innenminister soll er werden, wir hatten es hier schon mehrfach genannt. Und damit ist vor allem die Migrationswende in seinem Ressort angelegt. So richtig wollte er nicht ins Ministerium und ins Kabinett. Schon der CSU-Vorgänger in diesem Amt, Hans-Peter Friedrich, war nicht wirklich glücklich in diesem doch auch sehr großen, voluminösen Bundesinnenministerium mit unfassbar vielen kleinen Fallstricken. Aber Alexander Dobin konnte sich den Wünschen des Markus Söder nicht widersetzen und muss jetzt das hinbekommen, was vor allem Merz und Söder im Wahlkampf versprochen haben, nämlich eine starke Reduktion der Migrationszahlen. Das Gute, was man gestern auch beim kleinen Parteitag hören konnte aus Sicht der Union ist, es kann jetzt keine großen Kämpfe mehr zwischen Innen- und Außenministerium bei den Asylfragen geben, denn beides ist in Unionshand. Asylabkommen, Visa-Verfahren, Zurückweisung, aber eben auch die Befugnisse für die Bundespolizei. All das wird jetzt von CDU und CSU-Ministern gesteuert. Man darf gespannt sein. Außerdem noch die ewige Dorothee, muss man sagen, denn sie ist schon seit Jahren die zentrale CSU-Frau hier in Berlin. Bestens vernetzt, medienaffin, lange Jahre Bildungspolitikerin. Nun darf sie... Das Forschungs- und Raumfahrtministerium übernimmt, da stecken einige Milliarden drin. Und Markus Söder, der CSU-Chef, hat ziemlich deutlich gemacht bei der Pressekonferenz gestern in München, warum er ziemlich glücklich ist mit den Ministerien, die er so an Land ziehen konnte.

Sprecher 9: Wir dürfen Ressourcen besetzen, die, glaube ich, perfekt zur CSU passen. Law and Order, Hightech und Heimat. Das sind die Themen. Das zentrale strategische Ministerium für die Regierung, das Innenministerium. Ein Identitätsthema für viele Bereiche. Das ist das Thema Landwirtschaft und Heimat. Und natürlich das Thema, das für Modernität und Zukunft steht. Das ist das Thema Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Sprecher 10: Wir haben soeben die Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates beendet. Den hatte ich ja persönlich eingerufen, um auf die Stromkrise zu reagieren, die unser Land betroffen hat. Und die Regierung hat, so wie es im Notfallplan vorgesehen ist, für Risiken im Stromnetz offiziell den Elektrizitätsnotstand ausgerufen.

Sprecher 11: Denominar la crisis de electricidad.

Sprecher 12: Hello, I'm Chris Barrow with the BBC News. Engineers have been working through the night to restore power to networks in Spain and Portugal after an almost total power outage hit both countries. The operator of Spain's electricity grid says power has now been restored to around 90% of mainland Spain.

Sprecher 10: Es ist schon beängstigend, wenn etwas, was für uns selbstverständlich ist, auf einmal weg ist. Der Stromausfall in weiten Teilen Spaniens, aber auch in Portugal und Frankreich hat eines deutlich gemacht. Unsere Stromversorgung muss sicherer werden. Das sieht auch der EU-Energiekommissar Dan Jörgensen so. Er appelliert an die EU-Mitglieder, sowohl in die physische Sicherheit von Kraftwerken zu investieren, als auch in die Cybersicherheit. Unser Kollege vom Europe Table, Manuel Berkel, hat mit Jörgensen gesprochen. Übrigens auch über die weiterhin bestehende Abhängigkeit von russischem Gas in Europa. Der Anteil wurde zwar deutlich reduziert in den...

Sprecher 2: vergangenen Jahren, aber trotzdem beziehen wir immer noch eine ganze Menge, was diverse Probleme mit sich bringt, wie Jürgensen sagt.

Sprecher 13: It's pretty obvious right now that we are still in a dependency of Russian gas, which is unsustainable for political reasons, security reasons, moral reasons. We have been much more dependent than we are today in 2022 when... When the aggression started in February, we actually got 45% of our gas from Russia. Now, we've managed to bring that down to 13%. So this gives Russia a possibility to keep weaponizing energy. But it also indirectly means that we help finance Putin's war.

Sprecher 2: 13 Prozent des in Europa verwendeten Gases kommt also noch aus Russland. Das hat mich durchaus überrascht. Und damit hat der Kreml natürlich auch weiterhin ein Druckmittel. Und mit dem Geld finanziert Russlands Präsident Wladimir Putin den brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Um den Anteil also noch weiter zu senken, muss Europa natürlich weiter diversifizieren. Russisches Gas raus aus der Versorgung und wahrscheinlich mehr Gas aus den USA. Das sagt auch Jörgensen.

Sprecher 13: There will be possibilities to import even more. I went to Houston myself. recently and spoke to many of the big companies that supply LNG and they were all quite eager to export more to Europe. So I definitely do see a possibility of expanding this. We do have to remember though that this is something that takes place on the free market. It's something that we can help facilitate and it's something that we definitely support, but it's not something that we dictate.

Sprecher 2: Europa muss, das gilt für den Strommarkt genauso wie für den Kapitalmarkt, dringend stärker zusammenwachsen. Auch das ist ein Plädoyer des Kommissars, wie er mit Manuel Berkel besprochen hatte.

Sprecher 13: I've asked my services to scrutinize all legislation in my portfolio and give me recommendations on where we can simplify legislation because there is no doubt that even though

Sprecher 2: Also Abbau von bürokratischen Hürden, ja unbedingt, aber eben nicht auf Kosten der grünen Transformation. Das ist das ziemlich schlüssige Credo von Dan Jörgensen, dem EU-Energiekommissar. Wenn Sie wissen wollen, was der Mann Manuel Berkel alles noch so gesagt hat. Empfehle ich dringend. Die aktuelle Ausgabe des Europe Table können Sie wie immer bei uns bestellen. Hier in den Shownotes oder einfach unter table.media. Europe.

Sprecher 14: Mick, war sonst noch was?

Sprecher 2: Flo, ich muss mich auch mal bei dir entschuldigen für diese dauerhaften Wochenend-Spätschicht-Einsätze, die wir in den vergangenen Wochen und Monaten auch dir aufgehalst haben. Politik ist eben auch manchmal anstrengend.

Sprecher 14: Das ist richtig und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, es hat immer und zu jeder Zeit Spaß gemacht, aber welcher Job macht das schon? Aber in Zeiten, in denen so viel passiert, ist es natürlich klar, dass es dann auch mal stressiger, länger und anstrengender wird.

Sprecher 2: Und du darfst mit Helene und mir zusammenarbeiten. Ich finde alleine, das ist durchaus etwas, wo man sagen muss, ja, mache ich gerne.

Sprecher 14: Ja, also das selbstverständlich. Was soll ich denn jetzt anderes sagen?

Sprecher 2: Und es gibt ja, ja, wir werden auch am 1. Mai natürlich podcasten am Tag der Arbeit. Liebe Hörerinnen und Hörer, das ist ja selbstverständlich. Am Ende ist immer auch ein Wochenende, Flo. Was hast du denn dieses Wochenende vor?

Sprecher 14: Ich werde mal ein bisschen entspannen, werde nach Werder an der Havel fahren. Da ist das Baumblütenfest momentan, werde vielleicht einen kleinen Fruchtwein trinken und mich ans Wasser setzen und einfach mal nichts tun.

Sprecher 2: Da werden wir uns vielleicht sogar sehen, denn ich werde endlich aufs Bötchen gehen und hoffentlich bei wunderbarem Sonnenschein genau dasselbe tun. Und nirgendwo kann man besser entspannen als auf dem Wasser mit dem Blick vielleicht auf einen kleinen süßen Hafen. Das empfehlen wir Ihnen da draußen, liebe Hörerinnen und Hörer und freuen uns auf morgen.

Sprecher 1: Six o'clock table today.

Sprecher 15: So I'm just gonna sit on a dock of the bay, watching the tide roll away. And sitting on a dock of the bay, wasting time. Look like nothing's gonna change Everything still remains the same I can't do what thin people tell me to do So I guess I'll remain the same Sitting here resting my bones And this loneliness won't leave me alone. It's 2,000 miles I roam. Just to make this a dark my home. Now I'm just gonna sit at the dock of a bay. Watching the tide roll away. Ooh, sitting on a dock of a bay. Wasting time.