Kann die Ukraine diesem Friedensplan zustimmen?
Dauer: 24:54

Kann die Ukraine diesem Friedensplan zustimmen?

„Ich glaube, wir haben einen Deal mit Russland“ – so hat es Donald Trump in der Nacht formuliert. Die Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj seien schwieriger als erwartet. 

Der US-Friedensplan stößt in der Ukraine auf Ablehnung. Die USA drohen mit einem Rückzug aus den Verhandlungen – Europa müsste übernehmen. Ex-NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sieht darin eine Chance und fordert deutsche Führungsstärke.


Seit Jahren haben die deutschen Automobilhersteller in China zu kämpfen. Auf der Automesse in Shanghai zeigt sich, wie Volkswagen, Mercedes & Co. reagieren: mit lokal entwickelter Technik, chinesischem Design und angepasster Software.


Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, kritisiert die Schuldenpolitik der Bundesregierung und warnt vor Symbolpolitik. Die angekündigten Einsparungen sieht er skeptisch – und fordert eine grundlegende Neuausrichtung des Steuerrechts statt punktueller Maßnahmen. „Wir brauchen neue Denkmuster“, sagt er.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Ein One-Pager soll es richten. Auf einer Seite steht der neue, angeblich letzte Friedensplan für die Ukraine von Donald Trump. Putin ist sichtbar zufrieden, die Ukraine ist entsetzt. Wir analysieren für Sie mal das Papier. 31 Millionen Autos wurden 2024 in China verkauft, dem wichtigsten, größten und lukrativsten Automarkt der Welt. Doch nur noch 4 Millionen kommen aus deutscher Herstellung. Das ist zu wenig. Die weltgrößte Automesse in Shanghai findet gerade statt und unsere Kollegin vom China Table ist natürlich vor Ort. Julia Fiedler ist ihr Name. Sie nennt die wichtigsten Trends. Der Steuerzahlerbund, der ist so etwas wie der letzte Verteidiger der Schuldenbremse in Deutschland. Die Lobbyorganisation für die Steuerzahler ist nicht wirklich glücklich über das, was Union und SPD aufgeschrieben haben. Der Präsident ist heute bei uns am Tisch, Rainer Holznagel. Und zum Abschluss geht es um einen blanken Busen und wie der das Internet verändert hat. Legen wir los. Es ist Donnerstag, der 24. April. Aber bevor wir starten, erst einmal ein freundliches Guten Morgen.

Sprecher 3: Zelensky round two. President Trump accusing Ukrainian President Zelensky of, quote, inflammatory statements today in a lengthy social media post after Zelensky reiterated he would not concede any territory to Russia, including Crimea.

Sprecher 4: President Trump stating today and lashing out at Ukrainian President Zelensky, saying Zelensky is prolonging the, quote, killing field. So that is the statement that President Trump posted on True Social.

Sprecher 3: Ukrainian President Volodymyr Zelensky is boasting on the front page of the Wall Street Journal that Ukraine will not legally recognize the occupation of Crimea. There's nothing to talk about here. This statement is very harmful to the peace negotiations with Russia in that Crimea was lost years ago.

Sprecher 5: And as you can see from this social post, it is all on Zelensky, blaming Zelensky for the war.

Sprecher 6: It's a vicious war, but I will say that I think Russia is... Ready and a lot of people said Russia wanted to go for the whole thing. I think we have a deal with Russia. We have to get a deal with Zelensky and I hope that Zelensky, I thought it might be easier to deal with Zelensky so far. It's been harder, but that's okay. It's all right. But I think we have a deal with both. I hope they do it.

Sprecher 2: Das war Donald Trump. Sein Friedensplan, den er jetzt vorgelegt hat, und es soll angeblich der letzte sein, bevor sich die USA aus den Verhandlungen rausziehen, ist ein Affront gegenüber der Ukraine. Wir schauen mal rein in das, was Exius, die amerikanische Nachrichtenseite, da veröffentlicht hat. Eine offizielle Anerkennung der russischen Herrschaft über die Krim soll es geben. Russland behält außerdem die Kontrolle über die aktuell besetzten Gebiete Luhansk, Donetsk, Cherson und Saporischia. Und ein NATO-Beitritt der Ukraine soll für immer ausgeschlossen sein. Außerdem die Sanktionen sollen aufgehoben werden gegenüber Russland. Das ist schon ein Hammer. Aber was steht eigentlich drin für die Ukraine? Naja, robuste Sicherheitsgarantien soll es geben, aber nicht etwa von den USA, sondern von den Europäern. Wie genau, man weiß es nicht. Eine freie Schifffahrt auf dem Fluss Dnipro, zu dessen beiden Seiten die Front derzeit verläuft. Und ja, Entschädigung und Wiederaufbauhilfen soll es für die Ukraine geben. Das Atomkraftwerk Saporischia bleibt offiziell auch ukrainisch, soll aber von den USA verwaltet werden. Und der Strom soll künftig sowohl an die Ukraine als auch an Russland geliefert werden. Moudin hat sich außerdem bereit erklärt, die aktuelle Front einzufrieren. Also viel Konkretes in diesem Friedensplan für den Aggressor, viel Vages für das Opfer in diesem schon seit drei Jahren andauernden brutalen Krieg. Jetzt muss man gespannt sein, denn die USA haben gesagt, das ist das letzte Angebot, was sie auf den Tisch legen, bevor sie sich zurückziehen. Und dann, dann müsste Europa die Verhandlungen mit Russland übernehmen. sehr lange und sehr zähe Auseinandersetzung werden. Oder ist das eventuell sogar eine Chance? Anders Fogh Rasmussen, der ehemalige dänische Ministerpräsident und ehemalige NATO-Generalsekretär, er ist der Meinung, Europa kann das auch als Chance sehen. Lisa Martina Klein, unsere Kollegin vom Security Table, hat mit ihm gesprochen.

Sprecher 7: First of all, let me stress that it would always be the best option for Europe to have and keep the United States as an ally and a strong partner. That would clearly be my preferred solution. But we have heard indications from President Trump that the U.S. Will reduce its engagement in Europe and even maybe walk away from the peace negotiations with Russia. In that case, my conclusion would be, okay, so be it. Then we in Europe must demonstrate our capability and our willingness to fill the gap. To help the Ukrainians in the war against Russia. So it would be bad if the Americans left, but it wouldn't be a catastrophe. In Europe, we should consider it a chance, an opportunity to step up and take more responsibility for our own security.

Sprecher 2: Sollte also Europa auf sich allein... eingestellt sein, dann wäre das durchaus eine Chance, sagt Asmussen. Aber wir wollten natürlich auch noch von ihm wissen, was er sich von der künftigen Bundesregierung und von dem künftigen Bundeskanzler Friedrich Merz wünscht.

Sprecher 7: I would advise the incoming German Chancellor to demonstrate determined German leadership from the very beginning of his term. First of all, I think he should use the 8th of May, the European Victory Day, to make a symbolic visit to Kiev as one of his first foreign travels. That would send a very clear message to Putin of a German commitment to the defense of Ukraine. Next, I would give him the advice to deliver the long-range TAUR missiles to Ukraine as fast as possible. That would also send a very clear message to Putin. And finally, I would advise him to use the new financial flexibility in Germany to invest a lot of money in an increased production of weapons and ammunition. Again, to show Putin, now we have a new... German leadership and we will do what it takes to defend Ukraine because at the end of the day it's also the defense of Europe and Germany.

Sprecher 2: Eine frühe Reise nach Kiew, das hat Friedrich Merz intern auch schon angedeutet, wird es geben. Und ob es auch den Taurus gibt in der neuen Bundesregierung, auch das werden wir wohl noch im Mai erfahren. Denn diese Frage dürfte sehr schnell auf dem Kabinettstisch liegen. Das komplette Interview mit Herrn Rasmussen können Sie übrigens morgen früh im Security Table lesen. Einen Link zum kostenlosen Test unseres sicherheitspolitischen Newsletters, den Sie dreimal pro Woche erhalten können, finden Sie in den Shownotes. China war mal das Eldorado für die deutsche Autoindustrie, doch die Zahlen brechen seit Jahren schon ein. Allein im letzten Jahr wurden 31 Millionen Autos verkauft, allerdings nur 4 Millionen von deutschen Herstellern. 2,7 Millionen von VW, BMW verkaufte immerhin knapp 630.000 und Mercedes knapp 600.000 Autos. Allerdings die neuen Autoantriebe, da liegt Deutschland und seine große, stolze Autoindustrie noch hinten an. Die New Energy Vehicles, um die geht es. Also elektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride oder Brennstoffzellenfahrzeuge. Da sind die chinesischen Hersteller vorne. Ganz vorne liegt BYD mit 3,7 Millionen verkauften Autos. Auf Platz 2 ebenfalls der chinesische Hersteller Geely. Was ist da also los in Fernost? Können wir das noch aufholen? Unsere Kollegin Julia Fiedler ist vor Ort in Shanghai bei der Automesse. Wir haben sie mal gestern angerufen. Einen schönen guten Tag. Hallo Julia.

Sprecher 8: Hi, Mick.

Sprecher 2: Haben die deutschen Autohersteller auf der weltgrößten und wichtigsten Automesse eigentlich überhaupt noch was zu sagen?

Sprecher 8: Man muss sagen, das, was die deutschen Hersteller... am Vorabend der Messe präsentiert haben. Also das war wirklich der Knaller. Ich war bei Volkswagen, bei der Group Night. Die haben da drei Konzeptfahrzeuge auf die Bühne gerollt. Das Design ist geil. Die haben in dem einen steckt eine komplett neue Plattform drin, die speziell für China entwickelt worden ist und zwar auch in einer Rekordgeschwindigkeit. Also ungefähr ein Jahr kürzer, als man in Deutschland dafür brauchen würde. Man muss jetzt auch mal dazu sagen, die deutschen Automobilhersteller, die sind hier natürlich ganz fest verwurzelt, ganz fest verankert. Und die haben sich auch wieder gefunden und die wollen weiter dem Markt hier treu bleiben. Das haben sie total deutlich gemacht und präsentieren sich wirklich jetzt auch hier schon zum Teil fast als chinesische Marken.

Sprecher 2: Das ist das Interessante. Also wenn die deutschen Autohersteller chinesischer werden, haben sie auf dem chinesischen Markt eine Chance?

Sprecher 8: Ja, durchaus. Also was das Chinesische angeht, das ist natürlich auch die Lokalisierung von der Software. Dazu gehört unter anderem auch das automatisierte Fahren. Ich hatte da die Chance, hier mit dem neuen CLA von Mercedes mitzufahren. Die werden hier im Sommer das Level 2 Teil automatisierte Fahren oder wie nennt man das eigentlich? Das ist eigentlich eher assistiertes Fahren. Das werden sie hier launchen im Sommer. Und haben ein paar Journalisten mal mitfahren lassen. Und das Fahrzeug, das fährt hier wirklich durch den Shanghai-Verkehr. Das Wichtige daran ist, dass es eben auch die Verkehrsregeln kennt und zwar genauso wie Chinesen fahren. Und das war einfach mal sehr, sehr interessant zu sehen, was für Feinheiten da drinstecken und weswegen das so unverzichtbar ist, hier auf dem Markt dann eben auch zu entwickeln und wie sehr die Deutschen da... aber auch committed sind, das zu tun. Und deswegen kann man schon sagen, sie sollten auf keinen Fall abgeschrieben werden. Ich glaube, sie haben echt eine gute Chance, weil sie wirklich begriffen haben, was sie tun müssen, um hier erfolgreich zu sein.

Sprecher 2: Es gab ja jüngst einen Unfall, der einiges durcheinandergewirbelt hat beim autonomen Fahren. Welche Auswirkungen hatte das auf die Messe?

Sprecher 8: Ja, der hat wahnsinnig viel durcheinandergewirbelt. Das war ein Xiaomi SU7, also von diesem eigentlich Haushaltsgerätehersteller das erste Fahrzeug, was ja letztes Jahr so wahnsinnig eingeschlagen ist. Und dieses Auto, das hatte vor ein paar Wochen einen Unfall. Drei Fahrer sind dabei ums Leben gekommen. Und jetzt ist natürlich eine Riesendebatte losgegangen, woran lag das denn eigentlich? Und die Regierung hat kurz einen Prozess gemacht nach einigen Beratungen und jetzt gesagt, okay, hier kann nicht mehr Werbung gemacht werden mit diesem System, wie es vorher gemacht worden ist, weil den Kunden scheinbar gar nicht klar ist, was die eigentlich können und was die nicht können. Es gibt hier teilweise Fahrzeuge, die bis zu zehn Minuten lang nicht mal piepsen, wenn man die Hände nicht ans Lenkrad nimmt. Das hat mir hier ein Automobiltester bestätigt. Dabei ist eigentlich die Regelung, dass man alle paar Sekunden das Lenkrad anfassen muss. Also die Hersteller, die dehnen das hier extrem aus, weil eben so ein ganz krasser Wettbewerb hier stattfindet in China zwischen diesen wirklich unzähligen Autoherstellern, die alle irgendwie Nummer eins sein wollen. Naja, und dann wollen sie sich halt ein bisschen besser verkaufen, regulieren es nicht so sehr. Und das ist jetzt eben gerade eine ganz, ganz krasse Debatte, von der im Übrigen natürlich auch die deutschen Hersteller vielleicht ein bisschen profitieren können, weil gerade Mercedes eben ja auch mit Sicherheit wirbt. Also das ist hier ein Riesenthema und die ganzen Hersteller mussten jetzt ein paar Tage vor der M. Messe ihre Stände nochmal umbauen, weil sie eben ihre Werbung komplett neu gestalten mussten.

Sprecher 2: Spannende Einblicke in die Zukunft des mobilen Fahrens. Aber lass uns nochmal kurz darüber sprechen, was der Kunde eigentlich in China von einem Autohersteller verlangt. Die Zahlen hatten wir ja gerade eben angedeutet. Es geht um die New Energy Vehicles, vor allem das sind die batterieelektrischen Fahrzeuge, die Hybride. Da liegen die deutschen Autohersteller ja weit hinten. Können die das eigentlich aufholen?

Sprecher 8: Erstens haben sie einfach erkannt, dass sie aufholen müssen und deswegen haben sie schon vor einigen Jahren Strategien in Kraft gesetzt und jetzt sieht man eben erst die Früchte und daher kommt uns das vielleicht so vor, als ob da die ganze Zeit nichts passiert wäre. Das stimmt aber nicht. Sie haben auch sehr, sehr viel Geld investiert. Beispielsweise Volkswagen hat ja in Riffel so ein komplettes Entwicklungszentrum gebaut, wo sie ja dann auch mit dem Partner Xiaopeng beispielsweise, wo sie eigentlich sein Geld rein investiert haben, gemeinsam eine Elektronikarchitektur entwickeln. Und sie besinnen sich ganz stark auch ihre Kernkompetenzen. Das sieht man zum Beispiel sehr gut an Mercedes, die eben halt sagen, ja, Sicherheit, das ist unsere Kernkompetenz. Aber gleichzeitig öffnen wir uns auch für neue Konzepte und für die Technologien, die wir hier sehen. Und die haben beispielsweise auch sehr, sehr viele Entwickler eingestellt in den letzten Jahren hier, lokale Entwickler, weil sie sagen, okay, wenn wir jetzt hier Chinesen einstellen, die ja auch sehr, sehr gut qualifiziert sind, dann lassen wir uns von denen inspirieren und wir geben denen auch mehr Freiheiten. Und das ist, glaube ich, genau der richtige Schritt.

Sprecher 2: Deutsche Wertarbeit mit chinesischer Innovation und Dynamik, das klingt spannend. Julia, danke für deine ersten Einschätzungen aus Shanghai. Wir sprechen uns sicherlich an dieser Stelle nochmal.

Sprecher 8: Danke, Milg. Ich freue mich. Ciao.

Sprecher 2: Statistisch gesehen müsste jeder von uns 30.336 Euro an den deutschen Staat zahlen, damit wir alle in dieser Bundesrepublik schuldenfrei wären. Das ist zumindest die Berechnung des Steuerzahlerbundes, denn unsere Staatsverschuldung, sie steigt. Und sie ist inzwischen bei über 2,5 Billionen Euro angekommen. Jetzt also das Aufweichen der Schuldenbremse und relativ wenig Ambition bei den Ausgabenkürzungen. Kann das gut gehen? Ist das alles halb so schlimm? Wir haben in diesem Podcast oft Ökonomen und Investoren und Unternehmer zu Wort kommen lassen, die diese Schuldenpläne durchaus positiv werten und sie für tragfähig halten. Doch heute mal eine andere Perspektive, nämlich von Rainer Holznagel. Er ist Präsident des Steuerzahlerbundes und wacht qua Amt über unsere Steuergelder. Einen schönen guten Tag, hallo Herr Holznagel.

Sprecher 9: Guten Tag, ich grüße Sie.

Sprecher 2: So ein bisschen sind Sie Last Man Standing bei der Verteidigung der Schuldenbremse noch, oder? Im Bundestag gibt es kaum noch einen, der Ihre Position befürwortet.

Sprecher 9: Ja, manchmal fühle ich mich so, dass keiner mehr sozusagen auf die guten alten Werte achtet und das neue Narrativ Schulden machen und alles wird gut hochhält. Ich halte das falsch. Ich glaube, die Schuldenbremse ist ein wichtiges Instrument und das, was im privaten, im wirtschaftlichen Leben gilt, muss auch zumindest im politischen Bereich gelten.

Sprecher 2: Lassen wir mal die Ausgaben für die Sicherheit außen vor. Da gibt es viel Zustimmung, auch aus gutem Grunde. Aber die 500 Milliarden für die Infrastruktur, das neue Sondervermögen. Was ist daran falsch?

Sprecher 9: Dass es wahrscheinlich nicht da ankommt, wo es hingehört. Aus vielerlei Gründen. Es sind ja schon nicht mal mehr 500 Milliarden. 100 Milliarden geht ja gleich an die Länder. 100 Milliarden in den Klima- und Transformationsfonds. Bleiben 300 Milliarden Euro übrig über zehn Jahre. Also im Großen und Ganzen sehen wir am Ende sehr große Zahlen, sehr große Summen. Aber ob das wirklich der Wumms ist, ich bezweifle es. Ein anderes Problem ist, was kaum damit besprochen wird, ist, wir haben große Probleme, dieses Geld auch zu verbauen. Wir haben Kapazitätssorgen, wir haben Fachkräftemangel in der Wirtschaft, aber auch Fachkräftemangel bei der Regierung. Das heißt Planung, Ingenieure, das alles fehlt. Und insofern wird Geld an dieser Stelle nicht viel helfen. Und ich fürchte, dass ein Großteil dieses Geldes nicht da ankommt, wo es hingehört, sondern in konsumtive Ausgaben landet.

Sprecher 2: Wenn es nicht ausgegeben wird, wird es nicht ausgegeben. Aber grundsätzlich sind wir uns doch einig, Herr Holznagel, die Jahrzehnte davor waren das Problem, wo dieses Land auf Verschleiß gefahren ist.

Sprecher 9: Das ist völlig richtig. Dieses Land ist teilweise auf Verschleiß gefahren. Einmal politisch gewollt, weil Geld an anderer Stelle eingesetzt worden ist. Dann aber auch aus unserer Bequemlichkeit. Das muss man eindeutig und klar sagen. Während andere Länder sehr schnell sich modernisiert haben, nicht nur in Infrastruktur, sondern auch in Digitalisierung, haben wir die Zeit einfach verpennt. Wir sind sehr bequemlich geworden als Deutsche. Wir wollen auch nicht unbedingt Baustellen vor Ort haben. Wir wollen auch nicht, dass es unruhig ist, dass es staubig wird, dass wir Veränderungen haben wollen. Selbst Digitalisierung ist so ein Thema, wenn ich mich mich... daran erinnere, dass wir darüber diskutieren, ob Microsoft in Schulen angewendet werden kann, Datenschutz. All das sind so Rahmenbedingungen, wo ich unterm Strich konstatieren, nicht immer nur war das Geld das Problem, sondern eben auch die Einstellung und vor allen Dingen der Tatenbrand in Deutschland. Und da sind wir sehr bequem gewesen.

Sprecher 2: Ich verstehe, dass Sie den Steuerzahler schützen wollen und das Steuergeld bewachen sollen sozusagen. Aber man muss auch sagen, die internationalen Investoren, die Ökonomen, aber auch die Ratingagenturen finden diese Verschuldung in Deutschland jetzt nicht so dramatisch.

Sprecher 9: Das ist richtig. Auch an vielen anderen Zahlen wird ja immer wieder gesagt, dass Deutschland gut dasteht. Wir erreichen fast das 60-Prozent-Kriterium, gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Aber ein Teil der Geschichte wird einfach weggelassen. Und ein Teil der Geschichte ist, dass wir eine Deindustrialisierung haben, dass wir Wirtschaftswachstumszahlen haben, die negativ sind, dass wir eine demografische Entwicklung haben, die problematisch ist und dass insgesamt natürlich auch noch viele andere Schulden da sind, die nicht berücksichtigt werden, die sogenannten impliziten Schulden, das heißt die Verpflichtungen gegenüber unserer Beamtenschaft, die in Pension geht, Krankheitskosten, die da enorm entstehen. Und wenn man das alles zusammenrechnet, dann ist es eben nicht so, dass Deutschland sich einfach diese Schulden leisten kann, sondern dass Deutschland einen Plan braucht, wie wir zu mehr Wachstum, Wirtschaftswachstum kommen.

Sprecher 2: Da sind Sie alle einig, nur die Rezepte sind, auch die sind seit Jahrzehnten unterschiedlich angedacht. Die einen wollen angebotsorientierte Strukturreform, wollen Steuern senken. Die eine Partei, die das immer wollte, die ist aus dem Bundestag geflogen. Andere muss sich jetzt mit der SPD einigen. Und was passiert dann? Sie einigen sich auf Abschreibungen zunächst einmal und dann ein paar kleine, klitzekleine Steuersenkungen für die Unternehmen ab 2028. Und bei der Einkommensteuer passiert wieder nichts. Warum ist es so schwer, in diesem Land Steuern zu senken?

Sprecher 9: Wenn wir mal bei dem Narrativ Rezepte bleiben, dann haben wir eine Küche, in der viele Köche stehen, die aber leider wenig Ahnung von den Rezepturen, aber auch von den Zutaten haben, aber immer ganz viel über Menü sprechen. Und deswegen müssen wir zurückkehren zur Fachpolitik. Und Fachpolitik in der Steuerpolitik heißt natürlich, dass wir das Steuerrecht angehen müssen. Ich glaube wirklich, wir brauchen einen großen Wurf und wir brauchen neue Denkmuster. Und deswegen machen wir uns etwas vor, wenn wir im Klein-Klein, das was die Koalition jetzt plant, wirklich zu Strukturveränderungen kommen. Wir brauchen, und die Zeit ist reif, ein neues Setup im Steuerrecht.

Sprecher 2: Okay, und die Union und die SPD sagen ja immerhin, wir sind bereit, Einkommensteuern zu senken, auch für kleine und mittlere Einkommen. Aber klar, Wachstum muss anspringen und wir brauchen eine Gegenfinanzierung. Jetzt schlägt die SPD vor, man kann sie ja im System oben am Balkon vielleicht mit einer neuen Stufe gegenfinanzieren, um zumindest einen kleinen Beitrag, das wird nie ganz reichen, wenn man unten groß entlastet, müsste man oben sehr viel machen, um das wieder gegenzufinanzieren, aber zumindest einen Beitrag der Spitzenverdiener im Einkommensteuerrecht zu holen. Ist das denn so falsch?

Sprecher 9: Wenn ich Steuerdebatten verfolge, dann gibt es immer ein Totschlagargument, die Gegenfinanzierung. Und damit können sie alles tot machen. Nein, wir brauchen... Wir brauchen nicht die Gegenfinanzierung, wir brauchen eine Neuausrichtung der Finanzierung insgesamt. Der Staat, die Politik muss sich Gedanken machen, wie viel Geld brauche ich, wie viel Geld bekomme ich und welches System ist dafür gut und angebracht. Aber wenn ich in diesen alten Korsett denke, ich darf nicht viel ändern, ich muss das gleiche Geld wieder haben, es darf auch irgendwie nicht spürbar sein, dann wird sich nichts ändern. Und dann bleibt alles beim Alten. Und dass es eben so wieder weiterläuft, sehen wir im Koalitionsvertrag. Es wurden einige wenige Sachen gemacht. Und dann mal hier mal ein Vorschlag. Es wäre besser gewesen, gar nichts zu machen. Zwei Jahre Stillstand im Steuerrecht ist manchmal viel mehr wert als immer wieder Veränderungen, immer wieder neue Ideen, immer Nachjustierung. Man hätte sich darauf einigen können, zwei Jahre nichts zu machen und nach zwei Jahren setzt man sich zusammen und modelliert die Steuerpolitik neu.

Sprecher 2: Eine letzte Frage noch, lieber Herr Holzagel, zu den Einsparungen, die die Koalition vorhat. Entdecken Sie da wirklich wirksame Ideen im Koalitionsvertrag oder ist das Kosmetik? Zum Beispiel die achtprozentigen Stellenstreichungen und natürlich auch die Halbierung der Beauftragten.

Sprecher 9: Also die 8 Prozent, das muss man ja runterrechnen, das sind 2 Prozent pro Jahr, wenn ich die Bundesverwaltung nehme mit 30.000 Mitarbeiter. Denn sind wir sozusagen bei 600 Stellen, die wegfallen sollen. Ich glaube, das ist eine natürliche Fluktuation, da braucht man sich nicht anstrengen. Und das, glaube ich, ist eben letzten Endes ein Beweis dafür, dass man nicht wirklich sparen will. Und es gibt viele Positionen in den Bundeshaushaltsplänen. Es gibt viele Positionen in den Ministerien. Aber wenn man selbst ein schlechtes Beispiel... abgibt, indem man eben nicht spart, indem man größer wird. Wir haben mehr Ministerien, wir werden wahrscheinlich mehr parlamentarische Staatssekretäre.

Sprecher 2: Gibt es noch mehr als 37?

Sprecher 9: Ja, wahrscheinlich. Also ich finde nicht. Man muss ja sich auf der Zunge zergehen lassen. Ein parlamentarischer Staatssekretär kostet so um 500.000 Euro im Jahr. Und wir haben jetzt 37. Und es werden wahrscheinlich 40, wenn nicht sogar über 40. Und das wäre ein schöner Beitrag gewesen, um auch authentitätsmäßig zu zeigen, wir fangen bei uns an, zieht bitte nach. Aber diese Chance hat die Koalition verpasst.

Sprecher 2: Ja, warten wir mal ab, ob da nicht doch noch was passiert bei den parlamentarischen Staatssekretären. Soll es zumindest Nebenabreden geben, dass man die Zahl nicht erhöhen will. Wir sind gespannt. Herr Ostnagel, vielen Dank für Ihre Einschätzung zur Koalition und zur Steuerpolitik in diesem Land. Vielen Dank für den Besuch.

Sprecher 9: Ich danke Ihnen.

Sprecher 10: Mit war noch was.

Sprecher 2: Gestern wurde jemand 20 Jahre alt. Darüber sollten wir mal reden.

Sprecher 10: Keiner von uns auf jeden Fall.

Sprecher 2: Wir beide sind es nicht. Aber YouTube. YouTube ist 20 geworden. Die wichtigste, größte Videoplattform der Welt. Ich weiß es. Mein Sohn hängt ständig auf ihr ab.

Sprecher 10: Vor allen Dingen, YouTube ist ja gegründet worden von drei jungen Männern in den USA. Chad Hurley, Steve Chen und dem tatsächlichen Deutschen Jared Karim. Und Auslöser war ein blanker Busen.

Sprecher 2: Wie bitte? Was? Was? Was ist da passiert?

Sprecher 10: Naja, ich weiß nicht. Du bist kein großer Superbowl-Fan, nehme ich mal an.

Sprecher 2: Früher, als ich noch den Schlaf nicht so wichtig erachtete in Studentenzeiten, habe ich ihn immer geguckt.

Sprecher 10: Lang ist's her. Dann erinnerst du dich vielleicht an die berühmte Szene zwischen Justin Timberlake und Janet Jackson, wo man munkelt, ob es Absicht war oder nicht. Auf jeden Fall eher aus Versehen, in Anführungsstrichen, ihren, ich glaube es war der linke Busen, entblößt hat, was in den USA zu einem Skandal führte und tagelang in den Medien zu sehen war. Nur im Internet halt nicht.

Sprecher 2: Es gab kein Video dazu?

Sprecher 10: Nein, es gab sowas wie YouTube einfach noch nicht. Und der arme Jared Karim hat es verpasst, weil er geschlafen hat und dachte sich, das kann nicht wahr sein, dass ich so einen legendären Moment verpasst habe. Und dementsprechend kam er dann auf die Idee, in Zukunft muss alles, was jemals irgendwo ausgestrahlt wurde, zu sehen sein. Und so ist YouTube geboren worden.

Sprecher 2: Ein kleiner Fehl. Von Justin Timberlake hat uns dieses YouTube gebracht und mir ziemlich viel Ärger mit meinem Sohn. Aber das ist eine andere Geschichte. Insofern Justin Timberlake, danke nochmal. Das war's für heute. Bis morgen, 6 Uhr Table Today. Bis dahin. Ciao, ciao.

Sprecher 11: But you, when you dance, dance, dance, dance. So just dance, dance, dance. Come on. Shouldn't do, but you dance, dance, dance. I can't stop the... I can't stop the, I can't stop the, I can't stop the. Nothing I can see but you when you dance, dance, dance. You're good, you're creeping up on you, so just dance, dance, dance. All those things I shouldn't do, but you dance, dance, dance. Ain't nobody leaving, so keep dancing. Everybody say. I can't stop feeling Break it down. Got this feeling in my body. This not the feeling. Got this feeling in my body. This not the feeling. Got this feeling in my body.