Koalition vor dem Durchbruch
Dauer: 23:43

Koalition vor dem Durchbruch

Heute wird voraussichtlich der Koalitionsvertrag vorgestellt.

CDU, CSU und SPD wollen am Vormittag die letzten Details klären.

Helene Bubrowski und Michael Bröcker diskutieren, was bisher bekannt ist.


Der Präsident des Mittelstandsverbands, Christoph Ahlhaus, fordert klare wirtschaftspolitische Signale von der angehenden Bundesregierung.

Jedes fünfte Unternehmen denkt über eine Abwanderung nach, sagt Ahlhaus.

Er warnt: Ohne Kurswechsel droht ein Exodus standorttreuer Betriebe.


Wirtschaftsethiker Martin von Broock analysiert im Gespräch mit Stefan Braun die Bedeutung politischer Erzählungen.

Narrative strukturieren unsere Ordnung – doch wenn sie verloren gehen, droht ein Legitimationsvakuum. Von Broock macht klar: Die politische Infrastruktur müsse von einer neuen Bundesregierung gestärkt werden – insbesondere die Fähigkeit zum Kompromiss und zum Konsens.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Heute ist es wohl soweit, wie Table Briefings exklusiv gestern Abend natürlich schon für Sie geschrieben hat, soll der Koalitionsvertrag heute präsentiert werden. Die Verhandler sind sich weitgehend einig, nur noch letzte Details werden verhandelt. Wir geben Ihnen das letzte Update in dieser Sache.

Sprecher 3: Sie hören in Michael Bröckers Stimme seine Aufregung und freudige Erwartung und hoffentlich tut er das zu Recht. Vor allem die Wirtschaft hat jedenfalls auch große Erwartungen an die nächste Bundesregierung. Da ist der Michael nicht allein. Denn es braucht klare Signale von oben, sagt jedenfalls Christoph Ahlhaus, der Geschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft. Und vielleicht erinnert sich der eine oder andere ehemaliger Hamburger Bürgermeister. Wir haben mit ihm vor dem Mittelstandstag über die Wünsche der Unternehmen gesprochen.

Sprecher 2: Helene ist immer noch die Einzige, die neben meiner Mutter mich Michael nennt. Darüber muss ich mit ihr dringend nochmal reden. Aber wir haben noch mehr spannende Themen für Sie, nämlich zum Beispiel die große Psychologie in der Politik. Denn wer es nicht auch schafft, seine eigenen Inhalte mit einer positiven Geschichte zu transportieren, Sie wissen schon, das berühmte Narrativ, der hat es in der Politik schwer. Der Redaktionsleiter unseres Berlin-Table, Stefan Braun, hat darüber mit dem Wirtschaftsethiker Martin von Brob gesprochen.

Sprecher 3: Es ist Mittwoch, der 9. April. Der Frühling kommt, lässt sich nicht mehr aufhalten. Unerbittlich ist er in dieser Hinsicht.

Sprecher 2: Helene, es gibt gute Nachrichten. Die Koalition hat es dann doch wahrscheinlich geschafft. Es werden schon die Rückwände für die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags aufgebaut im Bundestag. Und es soll heute endlich soweit sein.

Sprecher 3: Das wäre doch wirklich mal eine gute Nachricht, wenn nach diesem Hängen und Würgen, nach diesem Ringen um Spiegelstriche jetzt ein Dokument steht. Und ich finde auch dieser Ausdruck, der jetzt immer fällt, die Erwartungen sind groß, das ist doch gut so. Große Erwartungen zeugen doch von einem Grundvertrauen am Ende, dass diese Regierung doch noch was schaffen kann in diesem Land.

Sprecher 2: Das große Streitthema bis zuletzt, wie immer eigentlich, das Geld. Es ist immer am Ende das Geld, um das gerungen wird. Einerseits Einsparungen in Milliardenhöhe zu erzielen, andererseits Steuern zu entlasten für die breite Mittelschicht, für die Firmen, aber eben nicht für diejenigen da ganz oben, die schon so gut verdienen. Das scheint der Kompromiss zu sein.

Sprecher 3: Wir erinnern uns an die Koalitionsarbeitsgruppe unter Matthias Middelberg, unter anderem die fast nichts geeint gekriegt haben, alles nach oben geben mussten, weil das so schwierige Themen sind einerseits, aber natürlich auch ideologische Themen, Stichwort Reichensteuer, wer soll eigentlich mehr tragen, mehr zahlen in diesem Land. Und jetzt deutet es sich doch an, dass man da den Knoten durchschlagen hat, hoffentlich nicht im Klein-Klein, sondern als großen Wurf.

Sprecher 2: Etwas, was wir schon, glaube ich, hier verkünden können und das ist eine der wichtigsten Personalien in Deutschland, nämlich es wird wirklich von beiden Seiten mehrfach und immer wieder bestätigt. dass nur einer sein Amt in der neuen Bundesregierung jetzt schon sicher hat. Und das ist Boris Pistorius. Er soll einfach bleiben, was er ist.

Sprecher 3: Alles andere ist noch im Bereich der Spekulation, wobei sich die Dinge jetzt schon etwas verdichten. Das spricht einiges dafür, dass Lars Klingbeil Vizekanzler und Finanzminister wird. Und in der Hierarchie nach diesen zwei wichtigen Ministerien, Finanzen und Verteidigung, in Klammern Verteidigung, jetzt auch mit viel Geld versehen, ist das viertwichtigste, wenn man das Kanzleramt mitzählt, das Innenministerium. Und das muss dann die CSU besetzen, sprich Alexander Dobrindt.

Sprecher 2: Ja, die Verhandler haben zumindest das noch nicht in trockenen Tüchern. Das müssen wir hier als Transparenzhinweis nochmal klar machen. Denn im Koalitionsvertrag wird unten drunter, soweit wir wissen, stehen, welche Partei welches Ressort bekommt. Allerdings noch nicht die Namen. Und die SPD will diese Namen auch nicht bekannt geben vor Ende der Basisbefragung zum Koalitionsvertrag. Und auch die Union sagt, wir gehen erst später damit raus. Friedrich Merz habe sich auch gar nicht bei allen schon entschieden, heißt es.

Sprecher 3: Und in allen Parteien wird natürlich jetzt um diese Frage auch noch intern viel, viel, viel gesprochen. In der CDU unter anderem unter den NRW-Männern, wo es ja viele gibt. Linnemann, der scheint gesetzt, aber dann gibt es natürlich noch Jens Spahn, der auch gut im Rennen ist. Auch Armin Laschet könnte noch Chancen haben, zum Beispiel auf das Außenministerium. Aber dafür wird auch Johann Wadephul aus Schleswig-Holstein gehandelt. Und nun ist die Frage, können zwei Schleswig-Holsteiner, zwei Menschen aus diesem... im kleinen Bundesland ins Kabinett. Denn Karin Prien will, soll ja auch noch etwas werden. Also es ist wie Tetris spielen. Man muss sehr viel hin und her schieben und am Ende werden nicht alle glücklich sein.

Sprecher 2: Lars Klingbeil ist großes Problem und ich bin gespannt, wie er das löst, wenn er selbst sich als Parteivorsitzender nach einer Wahlniederlage ins Kabinett... Empor befördert, dann kann er das eigentlich Saskia Esken ja nicht auch verwehren, die durchaus Interesse am Digitalministerium oder Bildungsministerium hätte. Viele Länderfürsten haben angeblich intern Lars Klingbeil darauf hingewiesen, bitte nicht Saskia Esken ins Kabinett zu holen. Die Rede ist immer wieder von Stefan Weil, von Anke Rehlinger und von Dietmar Woidke. Auch an der Basis gibt es natürlich viel Unmut über sie.

Sprecher 3: Ja, wobei es in der SPD, das darf man nicht unterschätzen, durchaus auch einen Unterstützerkreis gibt. Das sind die Partei Linken, aber auch die Frauen, wenn man mal rumfragt. Dann gibt es schon viele, die das doch gerne möchten, dass sie was wird. Insbesondere auch mit dem Hinweis, was ist das für eine Diskriminierung, wenn Lars Klingbeil jetzt der große Vizekanzler wird und Saskia Esken, die doch auch Parteivorsitzende war, jetzt auf einmal gar nichts oder etwas Subalternes wird. Das könne doch nicht sein. Also der Druck auf Klingbeil ist groß, da eine Lösung zu finden und nicht Teile der Partei zu vergrätzen. Denn am Ende muss ja der SPD auch noch diesem Koalitionsvertrag zustimmen per Mitgliederbefragung.

Sprecher 2: Interessant könnte auch noch Carsten Schneider werden, der bisherige Ostbeauftragte, könnte neuer Infrastrukturminister werden oder Fraktionschef für dieses Amt als Fraktionsvorsitzender. Interessiert sich allerdings natürlich auch Robertus Hain oder Matthias Mirsch, weil die Niedersachsen im Kabinett wären natürlich mit Klingbeil und mit Pistorius angemessen repräsentiert, sodass, und das ist für mich vielleicht die überraschendste Geschichte, sodass die CDU erstmal seit 2013 Ursula von der Leyen wieder das Arbeitsministerium besetzen könnte. Und dann hat Carsten Linnemann da den Zugriff.

Sprecher 3: Nur als Ergänzung, weil wir sagten, Pistorius ist sicher. Ganz sicher ist natürlich auch eins, Friedrich Merz wird der nächste Bundeskanzler.

Sprecher 2: Der Mittelstand ist das berühmte Rückgrat dieser Wirtschaft. Man kann diese Formulierung eigentlich nicht mehr hören, aber es ist ja wirklich.

Sprecher 3: 55 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sind in kleinen und mittelständischen Unternehmen beschäftigt. Das zeigt schon, wie wichtig der Mittelstand als Arbeitgeber ist. Aber der Mittelstand ächzt natürlich auch unter all dem, worüber sich die Wirtschaft insgesamt beschwert, nämlich zu hohe Energie- und Lohnnebenkosten, zu viel Bürokratie, marode Infrastruktur. All das macht den Unternehmen zu schaffen und da haben sie große Erwartungen an die neue Bundesregierung.

Sprecher 2: 3,5 Millionen Unternehmen in Deutschland sind sogenannte kleine oder mittlere Unternehmen, also KMU. Und einige davon werden wir an diesem Mittwoch auf dem Mittelstandstag des Bundesverbands für die mittelständische Wirtschaft wiedersehen. Da gibt es den großen Zukunftstag in Partnerschaft mit Table Briefings. Sie können unsere Kollegen Till Hoppe, Julia Fiedler und David Renke live vor Ort auf der Bühne sehen.

Sprecher 3: Und auch Michael Bruck.

Sprecher 2: Auch ich werde ein Panel moderieren. Aber viel wichtiger, der Chef des Janssen, nämlich der Präsident des Bundesverbands, Christoph Ahlhaus, der hat mir vor dieser Veranstaltung nochmal verraten, worauf es ihm und der mittelständischen Wirtschaft wirklich ankommt.

Sprecher 4: Wir brauchen wieder Lust auf Leistung, auch auf Wettbewerb. Wir wollen wieder an die Spitze. Und das schafft man nicht im Schlafwagen oder indem man die Stoppuhr abschafft bei den Bundesjugendspielen, sondern nur indem wir uns alle anstrengen. Ich glaube, ja, das kann gelingen, aber Politik muss jetzt die Rahmenbedingungen dafür finden. Und das kriegen wir hin. Dafür ist unser Land stark genug. Aber wir brauchen von der Spitze des Landes her auch diesen Mentalitätswechsel ausgesandt. Und dann kann das gelingen.

Sprecher 2: Die werdende Koalition hat einiges vor, wenn ich an Genehmigungsfiktionen denke, Stichtagsregeln, Vergabeverfahren, auch europäischer Abbau von Bürokratie ist ein Herzensanliegen von Friedrich Merz. Was brauchen Sie in diesen ersten 100 Tagen als deutscher Mittelstand, um daran zu glauben, dass es eine nachhaltige Wirtschaftswende auch wirklich gibt?

Sprecher 4: Naja, vor allem mal Commitments, auch mit klaren Zeitvorgaben. Also man hört ja jetzt so raus, zum Beispiel aus den Gesprächen, dass man da zum Beispiel die Körperschaftssteuer zwar um ein Prozent senken will, aber erst 2029. Was ist das? Die Zeit oder die Welt wartet nicht auf uns. Wir brauchen klare Signale, wann kommt was und das muss auch verlässlich umgesetzt werden. Und dann, glaube ich, erleben wir auch eine neue Lust auf Investitionen und auf Risikobereitschaft, die es ja braucht im Mittelstand, um Arbeitsplätze hier zu schaffen, um Steuereinnahmen hier zu generieren. Es war immer der Satz von Herrn Lindemann und der CDU, ja, wenn wir Wirtschaftswachstum hinkriegen, finanziert sich alles von selbst. Gut, jetzt hat man das Geld erstmal woanders hergeholt. Trotzdem brauchen wir das Wirtschaftswachstum, damit wir auch die Zinsen und die Schulden zurückzahlen können. Und deswegen braucht es Verlässlichkeit. vielen Bereichen Entlastung. Wenn diese Bundesregierung jetzt nicht sehr schnell die richtigen Signale sendet, dann erleben wir einen Exodus des Mittelstands ins Ausland. Und das vor allem in einem Bereich, der eigentlich sehr standorttreu ist, weil er es nicht so leicht hat, wie große Konzerne, einfach woanders hinzugehen. Und da, glaube ich, kriegen wir wirklich ein anderes Land, wenn jetzt nicht die Notbremse gezogen wird.

Sprecher 2: Zeichnet sich das wirklich schon ab oder ist das teilweise auch Panikmache? Gehen wirklich industrielle Mittelständler auch in Ihrem Verband, Ihre Mitgliedsunternehmen, gehen die mit relevanten Einheiten ins Ausland oder drohen sie das bisher nur?

Sprecher 4: Wir haben eine Umfrage gemacht und da sagt jeder Fünfte, er hat konkrete Planungen, sein Unternehmen ins Ausland ganz oder teilweise zu verlagern. Nun kann man immer sagen, ja, so eine Umfrage und das ist auch stimmungsbezogen, aber ich meine, man sieht ja Tendenzen und wir machen die Umfrage nicht erst seit gestern, sondern wir sehen eben, dass der Wert deutlich zugenommen hat und die Unzufriedenheit wächst.

Sprecher 2: Ein ziemlich klarer Appell von Christoph Ahlhaus an die Politik, die in diesen Tagen ja auch mit ihren wirtschaftspolitischen Ideen dann an die Öffentlichkeit gehen wird. Wir sind gespannt. Die Ampel galt und gilt bisher als die unbeliebteste Regierung aller Zeiten. Die Umfragewerten, Sie erinnern sich, 0% Zustimmung im Volk, so war es zuletzt. Aber läuft es wirklich so schlecht in unserem Land oder schaffen es einfach die Parteien der Mitte nicht ihre Erfolge? Man könnte sagen, zu verkaufen oder zu kommunizieren. Regiert da jemand an der Bevölkerung vorbei und droht diese Gefahr der neuen Bundesregierung eventuell auch? Das sind Fragen, mit denen sich Martin von Broek beschäftigt. Er ist der Vorstandsvorsitzende des Wittenberg-Zentrums für globale Ethik, ein Wirtschaftsethiker. Und Stefan Braun, unser Redaktionsleiter im Berlin Table, hat mit ihm über Narrative und die Inszenierung von Politik gesprochen.

Sprecher 5: Sie beschäftigen sich in Ihrer Arbeit auch mit Narrativen. Warum?

Sprecher 6: Ja, zunächst mal unser gesamter menschlicher Fortschritt, der gründet ja auf so einem Dreiklang. Also erstens, Menschen sind in der Lage, in großen Gruppen zusammenzuarbeiten. Die Grundlage für diese Zusammenarbeit sind gemeinsame Erzählungen, gemeinsame Geschichten, gemeinsame Narrative. Und diese Erzählungen sind dann auch der Ausgangspunkt für unsere Ordnung. Also jetzt mal ein Beispiel. Unsere Gesetze in Deutschland bauen alle auf der gemeinsamen Erzählung auf, die Würde des Menschen ist unantastbar. Von den Grundrechten bis zur letzten Verwaltungsvorschrift. Und je weniger Menschen an diese Erzählung glauben, umso mehr wird sich unsere Ordnung ändern. Das bedeutet also, dass der Gedanke, dass sich Freiheit... die Ordnung allein über Regeln sichern oder absichern lassen, eigentlich viel zu kurz greift. Wer die Demokratie einschränken oder angreifen möchte, der greift ihre Narrative an, ihre Erzählungen. Und genau das erleben wir ja im Moment auch.

Sprecher 5: In Zeiten von Fake News und Trump scheinen Fakten nichts mehr zu zählen, während diese Erzählungen, über die wir gerade reden, quasi fast alles sind. Ist der Trend eigentlich noch aufzuhalten?

Sprecher 6: Da würde ich sagen, das hängt ja erstmal von uns selbst ab. Aber was wir schon auch sehen, ist, dass in der Geschichte Narrative eigentlich nicht dauerhaft gegen Fakten aufrechterhalten werden konnten. Also die Religion konnte den wissenschaftlichen Fortschritt nicht dauerhaft aufhalten. Herrscher konnten ihre Niederlagen nicht dauerhaft verbergen. Auch wirtschaftliche Blasen sind letzten Endes geplatzt. Und wenn jetzt die USA tatsächlich in eine Rezession steuern sollten, dann werden sich da auch die spürbaren Folgen nicht weg erzählen lassen. Und genauso zeigt sich jetzt ja auch bei dem Versprechen eines raschen Friedens in der Ukraine, dass die Fakten da doch recht widerborstig sind.

Sprecher 5: Stichwort USA. Wenn man ihm zuhört, denkt man, naja, irgendwie, wir müssen uns keine Sorgen machen, irgendwann setzen sich die Fakten durch. Aktuell sieht es aber andersrum aus. Aktuell ist es so, dass Donald Trump und die Leute, die Sie auch schon angesprochen haben, also seine Verbündeten bei den Tech-Giganten, vorneweg Elon Musk, so... Hart und zerstörerisch über das bisherige System reden. auch über die bisherige Regierung, das war sozusagen während des Wahlkampfs die Erzählung, die ist schlecht für Amerika, die muss weg, die muss weg, in so einer ganz allgemeinen, einem harten Duktus. Wie weit geht das und wie zerstörerisch ist das, was da gerade passiert?

Sprecher 6: Also für die Demokratie ist das tatsächlich eine sehr große Gefahr, denn wir wissen aus der Geschichte auch, wie Demokratien sterben und da lässt sich fast schon so eine Art Drehbuch beobachten. Als erstes fangen sie an, den politischen Gegner zum Feind zu erklären. Das heißt, der darf eigentlich gar nicht mitspielen im Spielfeld. Und auf der Grundlage können sie dann auch die Regeln der Demokratie in Frage stellen, weil sie sagen, dieser Feind hat die Regeln entweder schon korrumpiert. Auf der Grundlage können sie dann Freiheiten einschränken. Auch das erleben wir gerade in den USA, das passiert. Und da von dort aus ist es dann auch ein relativ kurzer Schritt zur Ausübung oder zur Legitimation von Gewalt. Und was wir tatsächlich im Moment auch gerade in den Daten, auch in Deutschland übrigens erleben, ist, dass immer mehr Menschen, also in Deutschland fast 40 Prozent, auch den Einsatz gewaltsamer Mittel, also Hetze im Netz, gezielte Desinformation, die Androhung oder Ausübung von Gewalt letzten Endes rechtfertigen. Das heißt also auch hier haben wir schon ein Klima, wo diese Form der Aggression letzten Endes unterstützt wird. Und tatsächlich ist das eine große Gefahr und das braucht auch Gegenmaßnahmen.

Sprecher 5: Was würde das denn als Gegenmaßnahme heißen? Und wenn Sie auf diese 40% Leute nochmal blicken, die Sie gerade geschildert haben, die letztlich in so einem inneren Gefühl auch schon denken, komm, das ist alles schlecht und das muss jetzt weg. Wie kann man dem irgendwas entgegensetzen?

Sprecher 6: Ich glaube, zunächst mal muss man schauen, dass man Eigentore vermeidet, weil wir haben jetzt auch gerade bei der letzten Regierung ja erlebt, dass sich dieses Nullsummen denken, also wir gegen die, es gibt die Guten und es gibt die Schlechten, es gibt die Feinde, es gibt so eine Endspiel-Logik, dass jetzt entschieden wird, wie es weitergeht, dass man sich darauf nicht einlässt, Punkt eins, und dass man dort, Punkt zwei, eben auch Erzählungen von Kooperationen entgegensetzt. Stichwort Europa. Warum brauchen wir Europa? Auch da ist ja bei den Narrativen in den letzten Jahren nicht viel passiert. Warum brauchen wir in Deutschland auch Formen der Kooperation, beispielsweise zwischen Wirtschaft und zwischen Politik? Wir haben jetzt ja schon im Zuge des Regierungswechsels erlebt, dass selbst die künftige Regierung darauf angewiesen ist, dass sie mit den ursprünglichen Gegnern zusammenarbeiten muss, damit wir so etwas wie das Finanzpaket überhaupt auf den Weg bringen können. Und darauf wird es künftig auch noch mehr ankommen, sozusagen diese Brücken zu bauen. Ich glaube, wir haben ja in Berlin gerade eine Brücke, die auch wieder marode ist. Es wird, glaube ich, für die künftige Regierung nicht nur darum gehen, technische Infrastruktur wieder auf den Weg zu bringen, sondern auch die politische Infrastruktur wieder zu stärken. Das heißt also die Fähigkeit zur Kooperation. Die Fähigkeit zum Kompromiss und die Fähigkeit zum Konsens. Also alles das, was praktisch die andere Seite gerade versucht, kaputt zu schießen.

Sprecher 5: Jetzt ist Negativ-Campaigning prinzipiell ja nichts Neues. Gab es schon immer oder gab es schon sehr lange und doch hat es in der jüngsten Zeit eine noch immer größere Bedeutung bekommen. Also ein Beispiel aus dem letzten Wahlkampf. Die CSU hat ja nicht gesagt, wir wollen das anders machen als die Grünen, sondern die haben dezidiert gesagt, vor allem Markus Söder gegen Robert Habeck. Die können das nicht, die müssen weg, die sind jetzt weg. Gott sei Dank sind sie weg, nie wieder mit denen. Warum ist das Negativ-Campaigning so viel mächtiger als eine positive Erzählung? Also die Grünen haben ja hinterher zugegeben, ihnen ist die Erzählung über sich selbst vollkommen entglitten. Also der Gegner war viel stärker als sie.

Sprecher 6: Ich glaube, diese Konjunktur des Negativ-Campaigning, die hat vor allem erstmal zwei Ursachen. Wenn es ohnehin schon schlecht läuft, dann sind negative Erzählungen immer anschlussfähiger. Gerade in Deutschland, das kennen wir ja ganz gut und es läuft ja auch gerade nicht so gut. Also Stichwort Wirtschaft schwächelt, unsere Infrastruktur ist marode. Baustellen bei Gesundheit, bei Rente, bei Verteidigung. Und da gibt es dann quasi so Wechselwirkungen. Dann kommt hinzu, Großteil unserer Kommunikation läuft heutzutage über soziale Medien. natürlich Empörung vor Vergnügen, da gewinnt Einfachheit vor Differenzierung. Da sind die Algorithmen, die diese Dinge eben auch systematisch nach oben spielen. Und wenn wir zu den Grünen kommen, ich glaube, die haben ja versucht, sich gerade nicht am Negativ-Campaigning zu beteiligen. Und die haben am ehesten gesehen, wie ihre Erzählung sozusagen gehackt wird von anderen. Als Fortschrittspartei in die Ampel gestartet und sie sind am Ende als Partei des vermurksten Heizungsgesetzes da herausgekommen. Und sie haben vermutlich der Erzählung einer bevormundenden Volkspartei, Verbotspartei zu wenig entgegengesetzt. Sie ja faktisch auch vieles mit ermöglicht haben. Stichwort LNG, Stichwort Verteidigung. Und für mich ist das nochmal ein Beispiel, das sagt einmal mehr, dass sie ohne gute Erzählungen auch mit ihren Ergebnissen, mit ihrer Erfolgsbilanz nicht durchdringen. Vor allen Dingen dann, wenn jemand anders mit einer starken Erzählung dagegen hält.

Sprecher 5: Wenn man das alles jetzt ernst nimmt, was Sie sagen, und wir gucken ja gerade einer neuen Regierungsbildung zu, was heißt es für diese Regierung, wenn man es mit den Schwächen der Ampel vergleicht? Was müsste die eigentlich ganz anders machen? Was braucht die von der ersten Sekunde an?

Sprecher 6: Also zunächst mal besteht ja weiterhin Einigkeit darin, dass die Menschen sagen, diese neue Regierung muss Problemlösungen liefern. Sie muss gestalten und es ist vielleicht die letzte Chance jetzt, das hört man ja oft, für eine Regierung aus der demokratischen Mitte. Aber es wird ja schon vor dem Start dieser Regierung klar, wie gerade schon gesagt, dass sie... Angewiesen ist, auch auf Zusammenarbeit, auf breite Zusammenarbeit über die eigene Koalition hinaus, dass sie andere gewinnen muss. Deswegen ist für mich die entscheidende Frage, wird diese Regierung in der Lage sein, breitere Bündnisse zu schmieden? Wird sie in der Lage sein, auch Allianzpartner zu gewinnen? Und da reden wir, wie gesagt, nicht nur von politischen Parteien, da reden wir auch von NGOs, da reden wir von Verbänden. Unternehmen, Sozialpartnern. Davon wird es abhängen, ob wir wieder in so eine Art Kooperationsdenken reinkommen oder ob diese Gräben, die wir ja zunehmend sehen, ob die tiefer werden. Und das wird, glaube ich, die größte Herausforderung für diese Regierung sein. Wie gesagt, neue Brücken zu bauen und diesen Vertiefen von Gräben entgegenzuhalten.

Sprecher 2: Danke.

Sprecher 6: Danke Ihnen.

Sprecher 2: Helene, war noch was?

Sprecher 3: Michael, ich bin in Düsseldorf, dieser schönen Stadt am Rhein. Sage ich jetzt natürlich nur, um dich als Kölner zu ärgern. Und war gestern Abend bei einer...

Sprecher 2: Nee, wie ist das schön?

Sprecher 3: Und war gestern Abend bei einer interessanten Veranstaltung, für mich als Hamburgerin auch etwas ungewohnt, nämlich bei den Jonges, bei den Düsseldorfer Jonges im Henkelsaal. Da ging es relativ zünftig zu. Der Ministerpräsident Henrik Wüst war auch da und hat eine Laudatio gehalten auf seine Vizeministerpräsidentin, nämlich Mona Neubauer, die einen Preis bekommen hat, nämlich ihr wurde verliehen die silberne Heine Gesamtausgabe.

Sprecher 2: Alt-Bundespräsident Walter Scheel ist übrigens Ehrenmitglied dieses Heimatvereins. Johannes Rau war übrigens auch ein Jong. Und am Ende ist es ein Verein, der sich wirklich sehr engagiert, sehr vielfältig, auch mit finanzieller Tatkraft von den Mitgliedern, um die Belange in Düsseldorf kümmert, wie zum Beispiel Denkmalschutz, wie Veranstaltungen. Also das ist schon auch ganz gut, was die da machen.

Sprecher 3: Ja genau und sie können auch feiern, das habe ich gestern Abend gesehen. Sie können auch alt trinken, aber sie können auch vieles mehr. Und dass der Ministerpräsident hinkommt, zeigt natürlich auch die Bedeutung, die dieser Verein nicht nur für die Stadt, sondern für das ganze Land hat.

Sprecher 2: Schön, dass du in der Stadt mit D bist, wobei die wenige Kilometer weiter südlich, für mich ja die viel relevantere ist, nämlich die Stadt mit K. Aber trotzdem Grüße nach Düsseldorf, komm jetzt schnell wieder nach Hause.

Sprecher 3: Michael, ich bin ja eigentlich auch Wahlkölnerin, aber ich muss sagen, Düsseldorf hat mir gut gefallen. Ich habe scharfe Graben. Rasenseen an den Rheinwiesen. Das war schon ganz beeindruckend. Aber jetzt bin ich wieder auf dem Weg nach Berlin. Sehr schön. Bis morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Tschüss.

Sprecher 7: Und der Start mit K. Ich komme aus der Stadt mit K. Muss der Start mit K. Ich formus der Stadt mit.