Ist Entwicklungshilfe noch zeitgemäß, Frau Kramp-Karrenbauer?
Die Bundesregierung solle Entwicklungspolitik neu denken, schlägt Annegret Kramp-Karrenbauer vor. Sie spricht über ihre Empfehlungen für eine integrierte Sicherheits- und Entwicklungspolitik. „Wir denken immer noch sehr stark in Kästchen“, kritisiert sie. „Wir denken immer noch sehr stark in Kästchen: das ist Entwicklungspolitik, das ist Außenpolitik, das ist zum Beispiel Verteidigung oder Wirtschaftspolitik. Wir brauchen eine wirklich ausgearbeitete Strategie.“
Zum Börsenstart in Asien hat sich am frühen Morgen eine Beruhigung abgezeichnet. China hat in der Nacht erklärt, man wolle im Zollkonflikt nicht einlenken.
Bankenprofessor Hans-Peter Burghof analysiert die Ursachen und Folgen des weltweiten Absturzes. Er sagt: „Was sich verändert hat, ist, dass wir große Risiken haben, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht.“ Zugleich warnt er: „Wenn Trump das mächtigste Land der Erde nutzt, um global alle anderen Länder anzugreifen, ist das sehr schlecht für die Aktienmärkte.“
Der Oberbürgermeister von Hannover, Belit Onay, will die deutsch-türkische Städtepartnerschaftskonferenz in Istanbul nutzen, um sich für Demokratie in der Türkei einzusetzen – wenige Wochen nach der Verhaftung von Ekrem İmamoğlu. „Wir werden diesen Angriff auf die Demokratie in der Türkei nicht akzeptieren“, sagt er im Gespräch mit Helene Bubrowski. Europa müsse sich klarer positionieren: „Eine destabilisierte, undemokratische Türkei wäre auch zum Schaden Europas.“
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Gestern war der Panic Monday an den weltweiten Börsen. Heute geht es mit dem Maniac Tuesday wahrscheinlich weiter. Jedenfalls die Welt, die Finanzwelt ist in Aufruhr. Auch Helene Bubrowskis ETFs straucheln. Wir sprechen heute mal mit einem echten Finanzexperten, mit dem Bankenprofessor Hans-Peter Burkoff aus Frankfurt, über die Folgen von der Trumpischen Politik.
Sprecher 3: Michael, danke für die Sorge um mein finanzielles Wohlergehen. Aber Geld im Leben ist ja nicht alles. Deswegen müssen wir auch sprechen über die politischen Unruhen in der Türkei nach der Verhaftung von Ekrem Imamoglu, dem Oberbürgermeister von Istanbul. Und nun wollen deutsche Politiker ein Zeichen setzen für Freiheit und Demokratie. Eine Delegation von Oberbürgermeistern ist heute auf dem Weg nach Istanbul zur deutsch-türkischen Städtepartnerschaftskonferenz. Wir sprechen mit dem Chef der Delegation, dem Oberbürgermeister von Hannover, Belet Unay.
Sprecher 2: Die Bundeswehr ist nicht kriegstüchtig, das sagt der Militärhistoriker Sönke Neitzel. Und manch ein General nickt eifrig mit seinem Kopf. Annegret Kramp-Karrenbauer, auch sie war mal zuständig für die Bundeswehr, sie war Verteidigungsministerin. Mit ihr spricht unsere Kollegin Wilhelmine Preußen über das, was notwendig ist, um die Sicherheit in diesem Land wirklich zu gewährleisten.
Sprecher 3: Heute ist Dienstag, der 8. April. Let's not panic.
Sprecher 4: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.
Sprecher 5: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen, damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt. Ihr Verband der chemischen Industrie.
Sprecher 6: We stand ready to negotiate with the United States. Indeed, we have offered zero for zero tariffs for industrial goods, as we have successfully done with many other trading partners, because Europe is always ready for a good deal. So we keep it on the table.
Sprecher 7: We have a deficit with the European Union of $350 billion. And it's going to disappear fast. And one of the reasons and one of the ways that that can disappear easily and quickly is they're going to have to buy our energy from us because they need it. They're going to have to buy it from us. They can buy it. We can knock off $350 billion in one week.
Sprecher 2: Florian Fischer, unser Podcast-Chef, hat gesagt, ich soll das mit dem Waschbretbauch, mit meinem Bärenbauch? Waschbärbauch. Also Waschbärbauch. Florian Fischer hat gesagt, ich soll den Bärenmarkt, den wir gerade erleben an den weltweiten Börsen, doch einfach mit meinem Waschbärbauch anmoderieren. Ich verzichte darauf, wir sind hier seriös. Jedenfalls herrscht Bessel da draußen. Die Aktien gehen nach unten und wir müssen darüber reden, was das bedeutet.
Sprecher 3: Ja, es sind Verluste, wie wir sie seit Corona nicht mehr gesehen haben. Insofern wirklich jetzt nicht die Zeit für Scherze. Sowohl der DAX als auch der Dow Jones, der S&P 500, Nikkei, Hang Seng, CSI 300, sie alle haben ordentlich nachgegeben und es trifft eben auch sehr viele Sparer. Denn das, was der Sozialdemokrat Walter Wiesner nicht vermocht hat durchzusetzen, ist bei den Leuten unter 30 und auch manchen über 30 mittlerweile Volkssport, das Kaufen von ETFs, wann immer ein paar hundert Euro übrig sind.
Sprecher 2: Gerade jetzt, wo die neue werdende Koalition eine neue Aktienkultur begründen will, die Aktienrente umgesetzt werden soll, private Vorsorge stattfinden soll, verlieren Investoren, aber auch Kleinsparer eben Milliarden an den Börsen. Und der Grund ist natürlich Donald Trump.
Sprecher 3: Zur Beruhigung ganz kurz. Wir sind jetzt ungefähr auf dem Kurs vom November. Danach gab es ja ein wahnsinniges Hoch auf den Aktienmärkten, wo man sich immer fragte, wie können eigentlich die Kurse so entkoppelt sein von einerseits der Stimmungslage im Land und andererseits von den tatsächlichen Wirtschaftsdaten. Also in Deutschland drin. Das ist ja Rezession, aber der DAX auf einem All-Time-High. Und jetzt müssen wir aber damit umgehen, dass natürlich diejenigen, die in der Zwischenzeit gekauft haben, ordentliche Verluste eingefahren haben.
Sprecher 2: Der Börsenkurs verhält sich zur Wirtschaft wie der Hund zum Spaziergänger. Er läuft voraus, kommt aber immer wieder zurück. Das gibt Hoffnung, dass es also auch wieder ein Comeback gibt. Eine dieser wunderbaren Börsenweisheiten. Trotzdem, der Grund für all das ist, und da sind sich die Ökonomen, wie die Analysten, wie die Investoren weitgehend einig, ist die erratische Politik von Donald Trump und die Zölle. Der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers hat auf X geschrieben, die Verluste alleine für die USA durch die Zölle und Achtung, könnten bei 30 Billionen Dollar liegen.
Sprecher 3: Ja, soweit Lauren Summers, der sich übrigens kürzlich bei Bloomberg nochmal viel harscher geäußert hat zur Wirtschaftspolitik von Donald Trump, die so sinngemäß ein komplettes Desaster für die Weltwirtschaft bedeutet.
Sprecher 8: These are very consequential economic policies. They're consequential for prices. They're consequential for employment. They're consequential for America's foreign relations. They're consequential for national security. And frankly, I think the question is mostly how much damage is going to be done.
Sprecher 2: An den asiatischen Börsen an diesem Dienstagmorgen immerhin leichte Zeichen der Erholung. Ein weiterer Absturz scheint verhindert werden zu können.
Sprecher 3: Live from Singapore, this is BBC News. There is some optimism in the region this morning. Since opening, most of the...
Sprecher 9: Mark indexes are actually up. They're in the green. China says it won't give in to threats or pressure. And in the past hour, the country's commerce ministry insisted that if the U.S. Escalates its tariff plans, China will, quote, resolutely take countermeasures to safeguard its own rights and interests.
Sprecher 10: Yeah, China's not taking a backward step. What's the trigger to ease tensions? It's hard to see where it is.
Sprecher 2: Und wir müssen das Ganze mal einordnen mit jemandem, der sich damit sehr gut auskennt. Und das ist Hans-Peter Burkoff, Bankenprofessor an der Universität Hohenheim. Einen schönen guten Tag, Herr Burkoff.
Sprecher 11: Hallo, Brücker.
Sprecher 2: Ist dieser dramatische weltweite Börsenabsturz nur eine erste panische Reaktion der Investoren oder ist das schon ein Hinweis, dass sich da grundlegend etwas verändert hat an den Finanzmärkten?
Sprecher 11: Ich glaube, die aktuellen Börsenteilungen sind nur einfach Unsicherheit darüber, was passieren wird und damit auch eine Risikoprämie, die den Kurs natürlich nach unten treibt. Das heißt, was sich verändert hat, ist, dass wir große Risiken haben, dass wir nicht wissen, wie es weitergeht. Und das ist schlecht für die Börse. Dass tatsächlich eine ganz grundlegende Neubewertung unserer wirtschaftlichen Zukunft vornehmen, müssen. Soweit sind wir zum Glück noch nicht. Es gibt auch Wege zu einer vernünftigen Politik, zu einer vernünftigen Wirtschaftspolitik, aber auch zu einer vernünftigen Verteidigungspolitik. Denn wir dürfen natürlich nie vergessen, wie viel ist unsere westliche Volkswirtschaft noch wert, wenn wir nicht mehr in der Lage sind, sie vor den Diktatoren der Welt zu schützen. Also, wir sind noch nicht so weit. Die Politik kann das rausreißen und es ist gar nicht mal so. Sie muss es aber wollen. Und darüber ist man sich nicht mehr sicher, ob sie das wirklich will, die Politik, insbesondere die amerikanische Politik, aber nicht nur. Und deswegen haben wir jetzt eine solche massive Börsenreaktion.
Sprecher 2: Und könnte die Trump'sche Zollpolitik zu einer Neubewertung der internationalen Währungsreserven führen und vielleicht sogar den Euro stärken?
Sprecher 11: Tatsächlich ist das ein Nebeneffekt dieser Politik, dass Europa relativ stabiler, zuverlässiger wirkt. Und die Nutzung einer Währung basiert ja auch darauf, dass ein Land einerseits mächtig ist, vor allem wirtschaftlich mächtig ist, das aber andererseits auch zuverlässig wird, dass man nach Regeln spielt und damit auch die Reserven, die man in der jeweiligen Währung hält, auch wirklich immer bewerten kann. Wir haben mit der Blockierung der russischen Reserven da einen sehr problematischen Schritt getan, der allerdings aus der besonderen Situation heraus durchaus gerechtfertigt war. Aber schon das hat sicher nicht gut getan, die Reservewährung der Vergangenheit. Aber das gilt für den Euro und für den Dollar. Was Trump jetzt macht, schädigt ganz klar den Dollar und das sehen wir auch im Dollarkurs gegenwärtig.
Sprecher 2: Investoren müssen ja regelmäßig geopolitische Risiken einkalkulieren, unter Unsicherheit agieren. Aber das, was wir jetzt erleben, ist natürlich selten bisher der Fall gewesen. Kann das die Aktienmärkte nachhaltig beeinflussen?
Sprecher 11: Das Problem mit Trump ist ja, dass was immer er tut, immer gleich globale Auswirkungen hat. Die geopolitischen Risiken waren schon in der Vergangenheit groß, aber man konnte sie gut diversifizieren über die verschiedenen Systeme hinweg. Ein Beispiel nehmen wir in der globalen Finanzkrise. ganz viel weggebrochen und wir haben sehr viel gleichlaufende negative Entwicklung gehabt. Aber wir hatten sie nicht in China, weil das Chinesische System anders funktioniert hat. Und das hat der Wirtschaft im Westen auch sehr gut getan. Diese Vielfalt verschwindet, wenn Trump das mächtigste Land der Erde, seine Macht einsetzt, um eigentlich global... Alle anderen Länder anzugreifen. Und das ist eine Situation, die natürlich für die Aktienmärkte sehr schlecht ist. Sie kann dazu führen, dass man langfristig höhere Risikoprämien einpreisen muss und dass auch die ganze Freiheit des Kapitalmarkts eingeschränkt wird, weil man sich eben nicht sicher sein kann, dass die Investitionen eben nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden müssen.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Professor Burkow und wir sprechen sicherlich noch ein anderes Mal.
Sprecher 3: Während die Welt also mit den Folgen von Trumps Zollpolitik kämpft, darf nicht untergehen, was sich in der Türkei weiterhin abspielt. Nachdem Ekrem Imamoglu, der Bürgermeister Istanmuts und größter Konkurrent von Recep Tayyip Erdogan, am 19. März verhaftet wurde, ist das Land nach wie vor in Aufruhr. Es gibt harte Kritik an Erdogan, Massenproteste und mittlerweile auch Forderungen nach Neuwahlen. Imamoglu allerdings ist weiterhin in Haft. Noch vor seiner Inhaftierung hat er zu einer deutsch-türkischen Städtepartnerschaftskonferenz nach Istanbul eingeladen. Eine Gruppe deutscher Oberbürgermeister ist gerade gelandet. Andreas Bovenschulte aus Bremen ist dabei, Henri Eke Reka aus Köln. Und der Leiter der Delegation ist der Oberbürgermeister von Hannover, Bilit Onay, der auch stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetages ist. Und er ist jetzt hier bei uns. Hallo Herr Onay.
Sprecher 12: Hallo, grüß Sie.
Sprecher 3: Sie wollten eigentlich den Istanbuler Oberbürgermeister Imamoglu treffen und können das nun aus bekannten Gründen nicht tun. Stattdessen steht ein Termin mit seiner Frau auf dem Programm. Wie deutlich werden Sie denn während Ihres Besuches in Istanbul adressieren, was wir alle beobachten? Die Türkei ist auf dem Weg in eine Autokratie. Politische Gegner werden unter fadenscheinigsten Vorwänden aus dem Weg geräumt.
Sprecher 12: Also zunächst einmal bin ich sehr froh, dass diese Konferenz stattfindet. Sie ist unter ganz anderen Vorzeichen geplant worden. wenige Tage bevor Mamoulou verhaftet worden ist, noch mit ihm in Kontakt, weil er auch für einen Gegenbesuch im Mai in Hannover sein sollte. Und leider findet diese Konferenz jetzt unter einem ganz anderen Titel sozusagen statt oder mit einer ganz anderen Rahmenbedingung, weil eben diese Verhaftung stattfindet. Deshalb war es uns aber als deutsche Städte und Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister wichtig, trotzdem hinzureisen, um deutlich zu machen, wir werden diesen Angriff auf die Demokratie in der Türkei nicht akzeptieren. Wir werden im Austausch bleiben mit den demokratischen Kräften in der Türkei. Und deshalb war es nicht nur mir, sondern allen anderen Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister auch wichtig, dort jetzt Flagge zu zeigen. Und dazu dient auch dieser Kongress.
Sprecher 3: Sie haben kürzlich bei den Kollegen des Spiegel gesagt, ein Ende der Demokratie in der Türkei darf der Westen unter keinen Umständen akzeptieren. Was soll der Westen, was sollen wir also tun, die Proteste in der Türkei unterstützen oder was sonst?
Sprecher 12: Also man muss, glaube ich, einmal gerade festhalten, dass sowohl Deutschland als auch die Europäische Union auffällig still ist bei diesem ganzen Prozess. Und das hängt vermutlich damit zusammen, dass natürlich die Türkei eine Schlüsselposition einnimmt in Bezug auf die NATO, Syrien, Russland, Migration. All das sind wichtige Punkte, die gerade in Europa und in Deutschland verhandelt werden. Und da geht es nicht ohne die Türkei. Es darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man dort eben auch... Gerade einen massiven Angriff auf die Demokratie beobachten kann. Und deshalb ist es wichtig, da klare Worte zu finden und auch gerade diese Verhandlungen, Positionen zu nutzen, um eben die Demokratie und das demokratische Miteinander, das demokratische System dort zu stabilisieren. Weil eine destabilisierte, undemokratische Türkei wäre auch zum Schaden Europas. Und das darf man nicht ohne weiteres hinnehmen.
Sprecher 3: Also Sie fordern hier auch klare Worte der Kommissionspräsidentin von der Leyen und auch der künftigen deutschen Bundesregierung.
Sprecher 12: Absolut. Also zur Zeit ist, wie gesagt, sind diese klaren Worte nicht zu hören. Ganz im Gegenteil, man macht das für mich offensichtlich nach Programm oder nur das Nötigste. Das darf es aus meiner Sicht nicht sein. Deshalb ist es so wichtig, dass wir jetzt dort sind, dass wir die Verbindung zu den Städten, zu den demokratischen Kräften in der Türkei stärken und auch festigen. Aber es muss eben auch auf Bundesregierungsebene und natürlich auch auf der europäischen Ebene dem gefolgt werden.
Sprecher 3: Herr Unner, Sie haben auch selbst viele persönliche und familiäre Kontakte in die Türkei. Wenn ich es richtig sehe, lebt ein Teil Ihrer Familie in Istanbul. Was hören Sie aus der Türkei? Wie hoffnungsvoll sind die Menschen, jedenfalls die Erdogan-kritischen Menschen, dass ihre Proteste, dass die Forderungen nach Neuwahlen sich durchsetzen?
Sprecher 12: Also es ist vor allem der Frust, der aus meinen Gesprächen heraus überwiegt. Also ich höre von vielen Menschen, dass immer wieder, wenn so ein kleiner Hoffnungsschimmer aufkommt, dass dem Keim erstickt wird, wenn gerade solche Verhaftungen, die offensichtlich eben politisch motiviert sind, dort stattfinden. Und das ist ein echtes Problem für viele, gerade junge Menschen. Das sieht man ja auch bei den Protesten. Viele tausend Studierende, die auf den Straßen sind. Das Land ist wirklich tief gespalten. sehr fragmentiert in den unterschiedlichsten Bereichen. Deshalb ist es aus meiner Sicht auch so wichtig, dass dort eine Stabilisierung erfolgt. Und das geht nur über eine demokratische Balance und die Stabilisierung der demokratischen Mitannehmer.
Sprecher 3: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Unay, und eine gute Reise in die Türkei.
Sprecher 12: Ganz herzlichen Dank.
Sprecher 5: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft.
Sprecher 13: Und hat dafür einen Ausschuss gebildet.
Sprecher 5: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt. Ihr Verband der chemischen Industrie.
Sprecher 2: Als Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 das Verteidigungsministerium in einer Nacht-und-Nebel-Aktion übernommen hatte, lag der Etat bei 43 Milliarden Euro. Seitdem sind die Ausgaben immerhin weiter gestiegen auf inzwischen über 50 Milliarden und es sollen deutlich mehr werden. Denn dafür hat die schwarz-rote Koalition, die da sich gerade im Werden befindet, die Schuldenbremse gelockert. Alle Verteidigungsausgaben über 1% des BIP werden künftig von der Schuldenbremse befreit. Das heißt, volle Kassen für die Bundeswehr, allerdings erst in der Zukunft. Heute sieht das alles noch nicht so rosig aus bei der Truppe, wie immer wieder nicht nur der Generalinspektor, sondern auch die einzelnen Generäle öffentlich gesagt haben. Wie sieht denn die ehemalige Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer eigentlich die Lage der Truppe? Wo fehlt es? Was kann schnell aufwachsen? Und wo werden wir vielleicht auch auf Jahre hinaus noch keine echten Verbesserungen hinbekommen? Das hat Wilhelmine Preussen, die Ministerin, hier bei uns bei einem Besuch in Berlin gefragt.
Sprecher 14: Schön, dass Sie da sind.
Sprecher 15: Vielen Dank, sehr gerne.
Sprecher 14: Wie fühlt sich an, diese riesigen sicherheitspolitischen Umbrüche als ehemalige Verteidigungsministerin jetzt von der Seitenauslinie beobachten zu müssen?
Sprecher 15: Also ganz persönlich und als Mensch geht es mir wahrscheinlich wie allen Bürgerinnen und Bürgern. dass ich zum Teil atemlos bin und auch manchmal erschrocken bin über das, was gerade alles passiert. Und als ehemalige Verteidigungsministerin gucke ich da natürlich besonders interessiert drauf und schaue mir das, wie gesagt, von außen an, auch wenn es an der einen oder anderen Stelle natürlich auch kribbelt.
Sprecher 14: Sie sind zwar raus aus der aktiven Politik, aber Sie sind durchaus noch sehr engagiert, unter anderem als Leiterin einer Expertenkommission zum Thema Deutschland und der globale Süden und unsere Beziehung zum globalen Süden. Warum haben Sie sich jetzt als Verteidigungsministerin, als ehemalige für die Entwicklungspolitik entschieden?
Sprecher 15: Weil das zusammengehört. Also wenn wir in der Vergangenheit etwa Soldaten in Mali hatten, dann waren die ja nicht zum Selbstzweck da, sondern um Sicherheit zu schaffen, damit in einer solchen Region eben auch wieder Lebensbedingungen sich entwickeln können und geschaffen werden können, die für die Menschen dort auch erträglich sind, sowohl was Sicherheit anbelangt, aber auch was andere Aspekte anbelangt.
Sprecher 14: Sie haben schon einen Zwischenbericht vorgelegt. Was sind da so Ihre wichtigsten zwei, drei Empfehlungen, die Sie jetzt vielleicht den Koalitionsverhandlern schon mit auf den Weg geben können?
Sprecher 15: Also die erste ganz wichtige Empfehlung ist, wir müssen die Dinge zusammendenken. Wir denken immer noch sehr stark in Kästchen. Das ist Entwicklungspolitik, das ist Außenpolitik, das ist zum Beispiel Verteidigung oder Wirtschaftspolitik. Wir brauchen eine wirklich ausgearbeitete Strategie. Was sind unsere Interessen? sozusagen wirtschaftlich-politisch. Mit wem wollen wir die umsetzen? Mit wem können wir die umsetzen? Und dann müssen wir die Instrumente darauf konzentrieren, zum Beispiel auch öffentliche Gelder so einzusetzen, dass sozusagen auch Unternehmen, dass Privatwirtschaft davon besser profitieren kann, dass die wiederum ihr Geld investieren. Also Dinge, die bisher getrennt waren, strategisch zusammenzufügen. Und wir empfehlen zum Beispiel, den Bundessicherheitsrat weiterzuentwickeln zu einer Art nationaler Sicherheitsrat, als ein Ort, an dem solche Strategien entwickelt werden und auch Entscheidungen getroffen werden. Und mit Blick auf diese Entscheidung dann auch die Ministerien anders zusammenarbeiten, als das bisher der Fall war.
Sprecher 14: Anders zusammenarbeiten könnte auch bedeuten, man legt Ministerium zusammen. Das ist ja jetzt auch immer in der Debatte, brauchen wir das Entwicklungsministerium überhaupt in seiner jetzigen Form? Wie halten Sie das?
Sprecher 15: Wir haben aus zwei Gründen am Ende als Kommission gesagt, wir empfehlen nicht zusammenzulegen. Das eine ist, es sendet gerade jetzt auch mit Blick auf die Entscheidung aus den Vereinigten Staaten ein falsches Signal, wenn wir sagen, wir schaffen sozusagen das Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit ab und integrieren es in ein anderes Haus. Und das zweite ist ein ganz praktischer Punkt. Wir wissen, wie kompliziert es in Deutschland ist, Dinge strukturell zu verändern. Und unsere Befürchtung ist einfach, wenn man zwei Häuser so zusammenlegt, das braucht einfach eine Zeit, bis das administriert ist. Und wir haben diese Zeit nicht, weil die Welt nicht auf uns wartet. sondern die Welt erwartet, dass Deutschland handlungsfähig und handlungsbereit ist.
Sprecher 14: Genau, all diese Dinge werden jetzt noch verhandelt. Was aber jetzt schon klar ist, dass scheinbar ohne Ende Geld für Verteidigung da ist. Jetzt auch wieder als ehemalige Verteidigungsministerin. Welche Projekte würden Sie mit diesem Geld durchführen, die Sie damals vielleicht nicht realisieren konnten, ob das mangelnde Geld ist?
Sprecher 15: Ich finde, man muss eine ganz genaue Vorstellung haben, was will ich beschaffen, was kann ich schnell beschaffen, was muss ich möglicherweise entwickeln und daraus dann auch eben das Geld einsetzen. Wir haben auch in der Vergangenheit, auch zu meiner Amtszeit, schon dafür gestritten zu sagen, es gibt große Entwicklungsprojekte, zum Beispiel auch europäisch, also zum Beispiel das Kampfflugzeug der nächsten Generation zusammen mit Frankreich und anderen.
Sprecher 14: Sie haben auch einen europäischen Flugzeugträger damals vorgeschlagen. Wäre das jetzt die Zeit dafür?
Sprecher 15: Damals ist es verlacht worden, heute, weil man ja weiß, da geht es auch um diesen Verbund aus Zusammenarbeit zwischen maritimen Einheiten und zum Beispiel Luftwaffe. Heute wären manche froh, wir hätten sowas, aber Politik ist immer auch eine Frage von Timing und damals war die Zeit einfach nicht reif dafür.
Sprecher 14: Vielleicht zwei, drei Punkte, wie man die Planung oder wie man das Beschaffungswesen beschleunigen kann, weil das scheint ja auch oft genau das Problem zu sein.
Sprecher 15: Auch dafür gibt es ja schon Überlegungen aus der Vergangenheit. Das eine ist zum Beispiel die Frage, Dinge, die alltäglicher sind und die die Truppe braucht, nicht mehr zentral zu beschaffen, sondern in die Verantwortung der Truppe. vor Ort zurückzugeben. Das andere ist in der Tat die Frage, inwieweit können wir Ausschreibungserfordernisse vereinfachen, können wir Planungen auch beschleunigen, müssen wir auch sicherstellen von militärischer Seite, dass sozusagen ab einem gewissen Punkt, so wie es dann konfiguriert ist, auch bestellt wird und nicht im Nachhinein es nochmal Änderungen gibt und so weiter und so fort. Also das ist ein Thema, an dem schon viele gearbeitet haben, an dem es auch viele kluge Ideen gibt, die jetzt aber auch umgesetzt werden müssen.
Sprecher 14: Und glauben Sie daran? Warum sollte es jetzt klappen, wenn es davor nicht geklappt hat?
Sprecher 15: Gar nicht so sehr wegen des Geldes, sondern weil einfach jetzt deutlich ist, dass die Welt sich sehr verändert hat. Die Bedrohungslage ist sehr, sehr klar geworden. Und diese Aussage, die ja schon seit langer Zeit getätigt wird, wir Europäer müssen mehr für unsere eigene Sicherheit tun, die aber eben häufig bei dieser Aussage verblieben ist in der Vergangenheit. Bei dieser Aussage merken jetzt alle, das ist jetzt wirklich relevant und es muss jetzt gehandelt werden. Und ich hoffe, dass dieser externe Schock, so schwierig er auch ist, uns ins Handeln bringt, in Europa insgesamt, aber insbesondere auch in Deutschland.
Sprecher 14: Also man merkt, Sie haben noch zu allen Themen eine klare Haltung, aber es kitzelt Sie nicht nochmal zurück in die Politik zu kommen, oder?
Sprecher 15: Also ich bin ein politischer Mensch, auch wenn ich nicht mehr aktiv Politik in Ämtern und Funktionen mache und insofern kribbelt es natürlich immer. Aber für mich ist auch ganz klar, Mit meinem Ausscheiden aus der aktiven Politik will ich nicht zu denen gehören, die dann ständig von der Außenlinie erklären, was man eigentlich schon immer hätte tun müssen oder sollen. Und insofern habe ich zu vielen eine Meinung. Und wenn ich gefragt werde, ob hinter den Kulissen, vor allen Dingen hinter den Kulissen, dann sage ich die auch. Aber ansonsten halte ich mich zurück.
Sprecher 14: Danke, dass Sie trotzdem bei uns waren. Vielen Dank, Frau Kram-Kamberg.
Sprecher 15: Bitteschön, sehr gerne.
Sprecher 2: Helene, war noch was?
Sprecher 3: Michael, um gute Nachrichten zu finden, muss man heutzutage Investigativjournalist sein. Abgesehen von unseren manchmal guten News, die wir haben, ist wirklich die Medienlandschaft fast depressiv.
Sprecher 2: Ja komm, wir machen uns mal einen Sport draus und lesen einfach abwechselnd wirklich die typischen Nachrichten des gestrigen Tages vor, okay? Ich fange an. Handelskrieg gegen Europa. Kann Trump Amerika mit Autozöllen wirklich reicher machen?
Sprecher 3: So schreibt es die FAZ und da legt der Spiegel als obendrauf und sagt, so schadet Trump amerikanischen Firmen.
Sprecher 2: Aber auch schön bei der Welt. Popkultur trifft auf Antisemitismus. Zentralrat warnt Juden vor Festivalbesuch.
Sprecher 3: Der Tagesspiegel schreibt, Berlin ist das schwarze Loch beim Städte-Bashing. So leidenschaftlich wird die Hauptstadt beschimpft.
Sprecher 2: Oder hier die Taz. Wenn Familienmitglieder die AfD wählen, warum fühlt er sich so abgehängt? Also es wird einfach nicht besser. Helene, gibt es denn was, was wir Positives erzählen können oder sagen können?
Sprecher 3: Mit Stern, Entschuldigung, ich möchte noch den Stern zitieren mit einem meiner Lieblingszitel. Heimliche Sparmaßnahmen, so perfide Ticken. Kaffeehersteller mit billigen Bohnen. Expertin Weißrath. Also wir können noch nicht mal mit unseren Kaffeeherstellern trauen und trinken. Deswegen jetzt auch noch schlecht gelaunt den Kaffee. Es kann doch alles nicht wahr sein, Michael. Liegt das an uns? Liegt es an uns?
Sprecher 2: Es liegt an der Welt, aber die Botschaft an euch da draußen, wo sind eigentlich die guten Geschichten, wo funktioniert dieses Land? Schreibt es uns einfach an, podcast at table.media. Es ist auf jeden Fall eines sicher, morgen wird ein wunderbarer Tag. Mittwoch, 6 Uhr, Table Today.
Sprecher 3: Wir freuen uns wirklich drauf auf Ihre Geschichten und auf morgen. Tschüss.
Sprecher 16: So let it get away. Touch me. Take me to that other place. It's me. I know I'm not a hopeless case. What you don't have, you don't need it now. What you don't know, you can feel it somehow. What you don't have, you don't need it now. Don't need it now. It was a beautiful day.