Kann Russland je wieder ein Partner sein, Herr Woidke?
Dauer: 24:17

Kann Russland je wieder ein Partner sein, Herr Woidke?

Der Brandenburger Regierungschef Dietmar Woidke verteidigt seine Haltung zum Umgang mit Wladimir Putin.

Im Gespräch mit Michael Bröcker sagt er: „Wenn Russland in die Reihe der zivilisierten Staaten zurückkehrt, muss es auch eine Chance auf normale Wirtschaftsbeziehungen geben.“

Woidke appelliert an die Vertreter aller Parteien, den Ernst der Lage in Deutschland zu erkennen. Seine Sorge gilt der AfD:

„Die große Herausforderung für die Bundesregierung ist, die Problemlösungskompetenz in den Augen der Menschen wiederzugewinnen.“


Wie reagiert Europa – wie reagiert die Welt – auf den Handelskrieg, den Donald Trump eröffnet hat? Till Hoppe vom Europe.Table hat mit Pascal Lamy, dem ehemaligen Generaldirektor der WTO, gesprochen.


Trump führt in den USA auch einen Feldzug gegen die Wissenschaft. Forscher und Universitäten geraten unter Druck, die Freiheit der Wissenschaft ist in Gefahr.

Deutschland will bedrohten Wissenschaftlern einen sicheren Hafen bieten. Nicola Kurt vom Research.Table berichtet über ein mögliches „Meitner-Einstein-Programm“.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Es ist de facto der Ausstieg der USA aus der WTO und damit muss die Welt erstmal umgehen. Das sagt der ehemalige EU-Handelskommissar und ehemalige WTO-Chef Pascal Lamy. Der Redaktionsleiter unseres Europe Table, Till Hoppe, hat mit Lamy über den Zollhammer gesprochen und will uns sagen, was Europa jetzt tun muss.

Sprecher 3: Wir bleiben in den USA, aber gehen in die Innenpolitik. Einige der klügsten Köpfe der USA wollen nach Europa fliehen. Wissenschaftler, Ideengeber, Unternehmer. Die Politik von Donald Trump gefährdet ihre Wissenschaftsfreiheit und damit auch die Forschung weltweit. Nicola Kurt, unsere Redaktionsleiterin des Research Table, bringt uns auf den neuesten Stand.

Sprecher 2: Die Herausforderungen für die nächste Bundesregierung sind groß. Sie muss das Vertrauen in die Parteien der politischen Mitte wiederherstellen und eine Perspektive vor allem wirtschaftlich für das Land bieten. Wie das gelingen kann, das fragen wir einen, der Klima- und Energiethemen mitverhandelt hat, den Ministerpräsidenten von Brandenburg, Dietmar Woidke.

Sprecher 3: Donald Trump stürzt die Welt also mal wieder ins Handelschaos. In diesem Fall, wir probieren etwas Ordnung in die Ereignisse zu bringen. Es ist Freitag, der 4. April. Auf geht's.

Sprecher 4: Die Zollankündigungen, die Donald Trump gestern vorgenommen hat, sind die disruptivsten Zollerhöhungen seit 90 Jahren. Jetzt, am Ende meiner Amtszeit, möchte ich die Parallele zählen, dass diese Entscheidung durchaus vergleichbar ist mit dem Beginn der Amtszeit, nämlich mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine und der drohenden Gasmangellage, die dann ja die letzte Legislaturperiode stark bestimmt hat.

Sprecher 2: Das war noch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit wirklich einem drastischen Vergleich, einer Parallele zwischen dem Angriff Russlands und dem neuen US-Zollpaket. Nun kann man jetzt einwenden, natürlich, das Zollpaket kostet keine Menschenleben, aber klar ist, es ist eine komplette Abkehr von dem, was wir mal als regelbasierte Ordnung kennengelernt haben. Die Empörung schallt wirklich jetzt aus jeder Ecke. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz spricht von einem Schlag auf eine Handelsordnung, die Wohlstand überall auf dem Globus geschaffen hat. Und auch Ursula von der Leyen spricht von einem schweren Schlag für die Weltwirtschaft. Die EU muss sich nun überlegen, wie sie reagiert und das ist gar nicht so einfach, denn diese Zölle, die Donald Trump da am Mittwochabend im Rosengarten verkündet hat, sind so umfassend, viel umfassender als das, was er in seiner ersten Amtszeit erlassen hat. Weltweit grübeln nun die Regierungen darüber, wie sie es angehen sollen. Am Ende gibt es... nur drei Möglichkeiten abwarten, was passiert, Gegenmaßnahmen ergreifen. Und da ist immer die Frage, genauso scharf, weniger scharf oder vielleicht sogar noch schärfer oder in Verhandlungen eintreten. Meistens ist es eine Kombination aus den drei Dingen. Bei Donald Trump weiß man ja nie so ganz genau, meint er es am Ende ernst, zieht er es durch oder ist das im Grunde genommen eine Art Schrei nach Verhandlungen? Er will die Leute aufrütteln, dass sie sich an den Tisch setzen. Irgendwie fühlt er Amerika in der Welt nicht ernst genommen, spricht vom Rip-Off, dass die Amerikaner abgezogen würden von dem Rest der Welt. Da sind sich alle Ökonomen einig. So einfach ist es natürlich nicht. Also Donald Trump ist immer ein Rätsel. Die EU lässt sich erstmal Zeit. Sie muss erstmal eruieren, welche Handelsketten eigentlich wie betroffen sind und über eine kluge Lösung nachdenken. Insofern war am Donnerstag aus der Kommission noch nicht direkt was zu vernehmen. Aber unser Europe Table hat natürlich sein Ohr in Brüssel. Und der Table-Chef Till Hoppe hat mit dem ehemaligen WTO-Chef und ehemaligen Handelskommissar Pascal Lamy gesprochen, was die EU in dieser Phase machen soll. Das soll uns Till jetzt erklären. Hallo, schön, dass du da bist, Till.

Sprecher 5: Hallo, Helene.

Sprecher 2: Ja, sag mal, dein Gespräch mit Pascal Lamy, der ja den Welthandel wirklich kennt wie kaum ein anderer. Was sagt der zu den Chancen von Verhandlungen, also das sogenannte Deal-Making zwischen der EU und Donald Trump?

Sprecher 5: Also Lamy hat sehr klar gesagt, dass die Europäer aus einer Position der Stärke her, heraus mit den Amerikanern verhandeln sollten, was auch beinhaltet, dass sie ihre eigenen Folterinstrumente auf den Tisch legen. Dazu gehören ja unter anderem mögliche Maßnahmen gegen die großen Digitalkonzerne, weil es nur dann eine echte Verhandlung sein werde. Und die Europäer dürften sich nicht die Kondition eines Deals von den Amerikanern einfach diktieren lassen.

Sprecher 2: Das ganze Interview können Sie dann im Europe Table heute Morgen nachlesen. Um sechs ist er auch rausgekommen, zeitgleich mit diesem Podcast. Schauen wir uns die Folterinstrumente nochmal genauer an. In der ersten Amtszeit von Donald Trump hatte die EU ja auch mit Gegenmaßnahmen reagiert. Damals ging es um Jack Daniels und um Harley Davidson, also durchaus symbolträchtige Güter aus den USA. Was ist diesmal zu erwarten? Was wird die EU machen? Was hörst du?

Sprecher 5: Es ist eine ziemlich schwierige Antwort, die die EU da geben muss. Und das liegt daran, dass Trumps Zollpläne in der ersten Amtszeit noch sehr viel überschaubarer waren als das, was er jetzt angekündigt hat. Das, was er am Mittwochabend im Rosengarten angekündigt hat, betrifft europäische Exporte in Höhe von 290 Milliarden. Also das ist mehr als das Zehnfache dessen. Wenn die EU darauf in gleicher Höhe reagieren würde, müsste sie sozusagen alle amerikanischen Einfuhren selbst mit hohen Zöllen belegen. Würde auch die Europäer sehr hart treffen.

Sprecher 2: Der DIW-Chef Marcel Fratscher hat auch schon seine Einschätzung geäußert, dass diesmal Trump sich mit der ganzen Welt angelegt hat, nicht nur mit China. Und möglicherweise dafür ist dann selbst dieses große und starke Land Amerika zu schwach. Ist das auch die Einschätzung, die du aus Brüssel hörst?

Sprecher 5: Es ist ganz interessant, was Lamy dazu sagt. In der Position tatsächlich, sich mit den Amerikanern anzulegen, seien eigentlich nur die Europäer, die Chinesen und womöglich noch die Inder. Alle anderen Länder wie Thailand, Vietnam, Kambodscha, die ja sehr hart getroffen werden von diesen Zöllen, sind gar nicht in der Position, sich mit den Amerikanern anzulegen. Das heißt, diese Länder werden diese Zölle einfach schlucken müssen, werden wirtschaftlich sehr darunter leiden. Und ich kann mir schon vorstellen, dass Trump, dass die US-Regierung nervös werden wird, Wenn da heftige Gegenmaßnahmen angekündigt werden, die Chinesen haben es schon angekündigt, und wenn die Finanzmärkte der Dollar-Kurs weiter so in die Knie gehen, wie sie es am Donnerstag getan haben.

Sprecher 2: Wie schätzt du es jetzt ein, wird die EU noch mal stärker auf Diversifizierung setzen, jetzt Free Trade Agreements mit allen möglichen Staaten noch weiter intensivieren? Das hat sie ja schon seit längerer Zeit versucht. Allerdings meine Einschätzung ist, nicht mit besonders viel Engagement. Bei vielen Agreements dauerte es wirklich Jahre, Jahre, Jahre, bis man da weiterkam. Ist jetzt ein neuer Druck entstanden und damit auch die Chance, mit anderen Ländern sich enger zu verknüpfen?

Sprecher 5: Ich glaube, der Lackmustest wird da werden, ob sich die Europäer tatsächlich darauf einigen können mit den Mercosur-Staaten in Südamerika, also Brasilien, Argentinien, dieses Freihandelsabkommen auch tatsächlich zu verhindern. tatsächlich in trockene Tücher zu bringen. Da gibt es noch große Widerstände in einigen Ländern, in Frankreich, in den Niederlanden. In Deutschland sind viele Grüne nicht besonders begeistert davon. Das wird jetzt wirklich der Härtetest sein.

Sprecher 2: Na, warten wir es gemeinsam ab. Der Europe Table jedenfalls schaut regelmäßig drauf. Danke, dass du bei uns warst, Till.

Sprecher 5: Sehr gerne.

Sprecher 2: Ja, Amerika hat uns voll im Griff hier im Podcast. Wir bleiben nochmal bei Donald Trump, der ja nicht nur einen Handelskrieg führt gegen die Welt, sondern im Inneren auch kämpft gegen die Universitäten, gegen die Wissenschaftsfreiheit. Die Entwicklungen seit seinem Amtsantritt sind dramatisch. Universitäten wird mit Kürzungen oder Entzug von Fördergeldern gedroht, wenn in den Forschungsanträgen Wörter stehen, die Trump als woke kennzeichnet. Und es gibt auch manifeste Einflussnahme der US-Regierung auf das Personal an Universitäten. Sie haben etwa gedrängt auf Entlassungen von unliebsamen Forschern. Das macht uns schon sehr betroffen und erinnert uns an die düstersten Zeiten unserer eigenen Geschichte. Für einige Wissenschaftler ist das Fass jetzt voll. Sie wollen die USA verlassen und werden in Europa mit offenen Armen empfangen. Die Redaktionsleiterin unseres Research Table, Nicola Kurt, hat die Entwicklung in den USA und ihre Auswirkungen auf Deutschland und Europa im Blick und ist deswegen hier bei uns am Tisch. Hallo, schön, dass du da bist, Nicola.

Sprecher 3: Hallo, guten Morgen.

Sprecher 2: Ja, sag mal, warum geht denn Trump? so hart gegen die Wissenschaft vor. Wittert er dort ein Ort der Woknis, die er um jeden Preis bekämpfen muss?

Sprecher 6: Das tut er bestimmt. Er sieht aber nicht nur die Wokeness, sondern die Wissenschaft ist Sinnbild für ihn auch für einen Ort des Elitären, wo durch kluge Menschen auch Widerstand entstehen kann. Hochschulen sind Orte, wo Debatten und freies Denken eben möglich sind und das passt nicht ganz zu den Plänen und den Punkten, die er vertritt.

Sprecher 2: Das haben wir ja schon gesehen in den Jahren nach 2016, dass sich Trump mit der Wissenschaft angelegt hat, mit der Forschung. Jetzt ist es aber deutlich schlimmer als früher?

Sprecher 6: Viel, viel schlimmer. Er ist von allen Seiten dabei, die Hochschulen und auch die Wissenschaftsfreiheit zu untergraben. Es werden ja auch Menschen, also Studenten auf offener Straße verhaftet. Es wird Geld gestrichen, ist auch schon gestrichen. Es ist so, dass Wissenschaftler teils nicht mehr reisen dürfen. Sie können dadurch auch nicht mehr an Konferenzen teilnehmen. Also es wird von vielen Ecken Wissenschaftsfreiheit beschnitten und deswegen gehen auch die ersten Wissenschaftler schon. Also der berühmte Impfexperte Peter Marx oder Katharina Armstrong aus Yale, die gehen alle zum Beispiel nach Kanada. Und es gibt auch Wissenschaftler, die sicherlich jetzt nach Europa kommen werden.

Sprecher 2: Ja, renommierte Ökonomen, so habt ihr es im Research Table geschrieben. Wir fordern jetzt ein Meitner-Einstein-Programm, um ganz gezielt Wissenschaftler aus den USA für Deutschland anzuwerben. Erzähl mal, was sich hinter diesem Namen verbirgt und ob dieses Programm, diese Idee politischen Rückhalt hat.

Sprecher 6: Das Programm bezieht sich auf diese Meitner, die ja Pionierung der Radiochemie gewesen ist, die zum Beispiel auch die Kernspaltung damals erklärt hat, oder Einstein. Beide sind wichtige deutsche Wissenschaftler gewesen, die im Dritten Reich eben in die USA gegangen sind. Mit dem Programm sollen 100 Professoren aus den USA an deutschen Unis oder auch aus der universitären Wissenschaftseinrichtung geholt, angesiedelt werden. Warum macht man das? Zum einen will man die Forscher unterstützen. Man will wissenschaftliche Erkenntnisse bewahren, sagen die Organisatoren. Und natürlich, aber erst, sagen sie, an dritter Stelle sieht man einen Vorteil für Deutschland. Der hinterstehende Danke ist von Cornelia Woll zum Beispiel, Präsidentin der Hertie School, eine der Initiatoren. Sie sagt, wir haben die Erfahrung gemacht, dass Wissenschaftler unser Land verlassen mussten. Diese Meitner und Albert Einstein stehen symbolisch für eine Generation, die wir an den Nationalsozialismus verloren haben.

Sprecher 2: Vielen Dank, dass du bei uns warst, Nicola.

Sprecher 6: Sehr gerne.

Sprecher 3: Seit August 2013 ist Dietmar Woidke Ministerpräsident von Brandenburg. Unter ihm hat der... Das kleine, bescheidene Bundesland im Schatten von Berlin einen erstaunlichen Aufschwung erlebt. Die Wirtschaftsleistung ist in den letzten drei Jahren immer weiter gestiegen, alleine im letzten Jahr um 2,1 Prozent. Trotz aller Erfolge hatte Woidke es im Wahlkampf nicht leicht. Das lag allerdings gar nicht so sehr an ihm, sondern am Gegenwind aus Berlin. Die Bundes-SPD machte ihm Sorgen und er entschied sich, im Wahlkampf auf Olaf Scholz zu verzichten. Außerdem zeigte er einen erstaunlichen politischen Mut, als er sein Amt damit verknüpfte, dass seine SPD mehr Stimmen bekommen müsste als die AfD. Zugleich verstört der Regierungschef allerdings auch manche mit seinen Russland-Positionen. Also Zeit, mal wieder nach Potsdam zu fahren und mit Dietmar Woidke zu reden. Wir haben ihn in der Staatskanzlei besucht. Einen schönen guten Tag, Herr Ministerpräsident Woidke.

Sprecher 7: Ja, einen wunderschönen guten Tag, Herr Woidke.

Sprecher 3: Herr Woidke, was ist eigentlich diese Aufgabe der werdenden Koalition, die in den Meinungsumfragen ja schon bevor sie beginnt, abgestraft wird?

Sprecher 7: Die ganz große Herausforderung ist, dass es jetzt darauf ankommt, in den kommenden Jahren, Problemlösungskompetenz zu zeigen und zwar aus der Mitte der demokratischen Gesellschaft heraus. Und das ist die große Herausforderung für die Bundesregierung, diese Problemlösungskompetenz wieder zu gewinnen in den Augen der Menschen. Deswegen kommt es jetzt darauf an, mit den Möglichkeiten, die da sind, die finanziellen Möglichkeiten sind ja jetzt geschaffen, den Menschen im Land zu zeigen, dass diese Problemlösungskompetenz in der Demokratie da ist und dass es funktioniert.

Sprecher 3: Sie waren Teil dieser Arbeitsgruppenverhandlungen. Ihre Klimaenergie ist durchaus in vielen Punkten geeint. In anderen Arbeitsgruppen hatte man das Gefühl, das Gegenteil passiert gerade. Da spülen die Verhandler ihre jahrzehntelangen Forderungen aus ihren Parteimilieus in das Papier. Und das war's. Da ist kein gemeinsamer Geist gewachsen, oder übertreibe ich?

Sprecher 7: Erstmal ist es wichtig, dass es ein gutes Fundament gibt für eine Bundesregierung. Ein gutes Fundament ist immer ein Koalitionsvertrag. Ein Koalitionsvertrag ist aber nicht das alte Testament. Am Ende kommt es darauf an, dass die Dinge, die... Man sich vorgenommen hat, umgesetzt werden und dass jedes einzelne Mitglied dieser Regierung mit der Einstellung ans Werk geht, dass jeder sich jeden einzelnen Tag sagt, ich habe die große Ehre, in einer Demokratie Verantwortung zu tragen und ich muss dieser Verantwortung gegenüber den Menschen im Land gerecht werden. Und das ist... Jetzt hört es sich so ein bisschen übertrieben an, aber ich glaube, man kann es gar nicht oft genug betonen, dass es gerade jetzt darauf ankommt, sich dieser Verantwortung in den einzelnen Bereichen auch für unsere Demokratie bewusst zu sein.

Sprecher 3: Gehen wir mal in die Themen rein, Herr Wolke. Eins dieser Themen, die auch Sie verhandelt haben, ist zum Beispiel das Heizungsgesetz. Ein großes, umstrittenes Gesetz hat für viel Unmut gesorgt. Die eine AG sagt, wir schaffen es ab, geeint, und ihre AG sagt, wir novellieren es. Was denn nun?

Sprecher 7: Ich glaube, dass viele Dinge, die in den letzten Jahren da schiefgelaufen sind, korrigiert werden müssen. Ich glaube aber, dass es trotzdem wichtig ist, dass wir auch eine gewisse Planungssicherheit behalten. Und da geht es ja darum, dass die Kommunen momentan schon begonnen haben, gerade die größeren in Wärmeplanung einzusteigen, sich mit diesen Wärmeplanungen auseinanderzusetzen. Da wurden Aufträge ausgelöst und vieles andere wurde schon gemacht. Also jetzt alles sozusagen in die Tonne zu schmeißen, halte ich für falsch.

Sprecher 3: Was heißt das für den einzelnen Besitzer eines alten kleinen Häuschens, dessen Gasheizung kaputt geht in den nächsten Jahren?

Sprecher 7: Für den Besitzer eines alten kleinen Häuschens heißt es, dass er... Erstens wissen muss, ist er von der kommunalen Wärmeplanung so betroffen, dass in Zukunft eine zentrale Wärmeversorgung für sein Häuschen möglich ist. Und der zweite Punkt ist, dass der Besitzer dieses kleinen Häuschens wissen muss, wenn er dann in zukunftsfähige, nachhaltige Wärmetechnologie investiert, technologieoffen, Welche Unterstützung bekommt er? Das war einer der Geburtsfehler des Gebäudeenergiegesetzes, das damals Robert Habeck vorgelegt hat. Dieser Fehler muss geheilt werden. Da sind sich auch bei uns, zumindest in der Arbeitsgruppe, ich glaube auch in der Koalition, alle einig.

Sprecher 3: Bei einer Sache haben Sie sich auch schnell geeinigt, nämlich die Reservekapazitäten, auch die Gaskraftwerke, die gebaut werden sollen. Die Zahlen stehen drin, auch schon im Sondierungspapier. Sie verstören aber dann Ihre Parteifreunde oder zumindest Teile und auch die Union mit Ihrer Forderung, irgendwann könnte es auch wieder russisches Gas geben. Warum sagen Sie das?

Sprecher 7: Ich habe mich ganz ehrlich gesagt über die Aussagen geärgert, dass wenn es Frieden in der Ukraine gibt, wenn es in der Ukraine nicht nur Frieden gibt, sondern die Ukraine ihre staatliche Selbstständigkeit und Demokratie behält und Russland wieder in die Reihe der Staaten zurückkehrt, die sich... Völkerrechts gemäß verhalten, was es momentan nicht tut durch die Aggression in der Ukraine, dann ist natürlich auch der Zeitpunkt gekommen, wo man über normale Wirtschaftsbeziehungen auch zu Russland wieder nachdenken kann und nachdenken muss. Das ist meine feste Überzeugung. Auch unter einem Präsidenten Putin. Wenn Sie es anders sagen, machen die Sanktionen ja keinen Sinn. Ich will mit den Sanktionen ja eines erreichen, dass Russland sein Verhalten ändert, dass Russland die aggressiven Handlungen gegenüber der Ukraine einstellt, dass Russland den Krieg beendet und in die Reihe der zivilisierten Staaten zurückkehrt. Wenn das passiert... Muss es natürlich auch einen Anreiz geben, dass Russland dann wieder normale Beziehungen zu anderen Staaten haben kann, auch normale Beziehungen zu Deutschland und zu normalen Beziehungen gehören dann auch normale Handelsbeziehungen.

Sprecher 3: Nur sind natürlich die Gas- und Öleinnahmen das Wichtigste, was dieser Präsident und Russland an Einnahmen aus dem Ausland hat. Man würde ihn dafür belohnen, dass er mal ein Land überfallen hat.

Sprecher 7: Ich glaube nicht, dass das eine Belohnung ist. Ich glaube schon, dass in Russland auch viele Menschen sind, die wieder normale Beziehungen auch zum Westen haben wollen, auch zu Europa haben wollen. Und den Menschen zu sagen, wenn ihr es schafft, gegen euren Präsidenten oder mit eurem Präsidenten wieder euch so zu verhalten, dass eure Nachbarstaaten nicht mehr in Angst vor euch leben müssen. Dann sind wir auch bereit, mit euch wieder normale Beziehungen aufzunehmen.

Sprecher 3: Danach sieht es jedenfalls im Moment nicht aus, aber da sind wir uns ja einig. Wortke, in Ostdeutschland gibt es, auch wenn man gar nicht diese Trennung immer so sagen will, ein völlig anderes Wahlverhalten als in Westdeutschland. Wir haben das neulich bei Table mal als zwei getrennte mögliche Bundestagswahlen analysiert und die Wand wurde noch blauer, als sie ohnehin schon war in Ostdeutschland. Ostdeutschland, wie kriegt man die Menschen in ihren, nicht nur in ihrem Bundesland, sondern im Osten weg von der AfD?

Sprecher 7: Ich glaube, dass es nicht eine ostdeutsche Frage ist. Ich glaube, dass es nicht nur eine ostdeutsche Frage ist. Ich glaube, dass die Entwicklung in Ostdeutschland hier eine schnellere Entwicklung in den letzten Jahren war, leider. Wenn ich nach Bayern gucke, wenn ich nach Baden-Württemberg gucke, wenn ich nach Hessen gucke, drei Länder, die bei knapp 20 Prozent, ich will es mal jetzt pauschal sagen, AfD-Anteil bei der wichtigsten Wahl in Deutschland, das ist die Bundestagswahl, bei aller Bedeutung der Länder und bei aller Bedeutung der Wahl in Brandenburg. Die trotz der Bedeutung dieser Wahl, dieser Partei, die in großen Teilen offen extremistisch agiert, geben, dann ist das schon ein Alarmsignal.

Sprecher 3: Sie haben Ihr persönliches Schicksal mit dem Kampf gegen die AfD, mit dem erfolgreichen Kampf gegen die AfD verknüpft. Was würde das für die Bundesregierung und auch die Bundespolitiker bedeuten? Dass sie auch mal eigene Überzeugungen, auch parteipolitische Überzeugungen über Bord werfen, wenn es hilft, diese Ränder runterzubringen oder vielleicht sogar die eigene Karriere aufs Spiel zu setzen?

Sprecher 7: Also eins muss gelten und das ist das Wichtigste für die Menschen im Land. Erst das Land, dann die Partei und dann die Person.

Sprecher 3: Was heißt das konkret?

Sprecher 7: Das heißt konkret, dass niemand, auch nicht, in meiner Partei oder in anderen Parteien das Schicksal der Demokratie von seiner Person abhängig machen darf, sondern dass jeder sehen muss, bin ich in der Lage, diese großen Herausforderungen anzugehen, habe ich die nötige Einstellung, habe ich die nötige Kraft und habe ich auch den nötigen Willen, das durchzusetzen. Und deswegen ist... Es ist auch immens wichtig, auch zu zeigen, dass man bereit ist, auch einen Schritt zurückzutreten oder zur Seite zu treten, wenn man der Meinung ist, man schafft es halt nicht und dann anderen Menschen die Möglichkeit zu geben, das vielleicht besser zu machen.

Sprecher 3: Wer kann diesen kulturellen Politikwechsel, den Sie eigentlich anmahnen, die sind auch in Stil und in Haltung, wer kann denn für Ihre Partei, die das dramatisch schlechteste Ergebnis zu verantworten hat, eigentlich verkörpern? Wem trauen Sie diese Verlässlichkeit, diese neue Glaubwürdigkeit zu?

Sprecher 7: Also wir werden da über Personen reden. Es gibt ja im Juni einen Bundesparteitag. Ich will das jetzt nicht hier im Einzelnen machen, dass wir da intern in intensiven Diskussionen sind. Das liegt auf der Hand, aber diese Diskussionen sollten intern bleiben. Peter Tschentscher in Hamburg hat gezeigt, innerhalb von einer Woche. Ein diametral anderes Wahlergebnis für die SPD und das muss natürlich allen zu denken geben, die auch im Bund Verantwortung tragen. Es ist möglich, auch für die SPD nach wie vor Wahlen zu gewinnen. Es ist schwierig, es braucht viel Arbeit, es braucht viel Überzeugung, es braucht auch die richtigen Ideen. Aber es lohnt sich.

Sprecher 3: Aber es hängt viel von den... Spitzenleuten ab. Es ist eben schon eine Personalfrage, wenn man sich an Gerelika, an Peter Tschentscher, Wojtke, das waren alles auch Wahlen, die auf diese Personen zugeschnitten waren. Wahlkämpfe.

Sprecher 7: Jede Partei besteht aus Personen und Personen prägen Parteien. Das ist auch nichts ganz Neues. Das war zu Willy Brandts Zeiten schon genauso wie zu Helmut Schmidts Zeiten. Deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass wir auch ein großes Potenzial in der SPD haben, dass Personen auch auf der Bundesebene in Zukunft die Zukunft der SPD und die Zukunft dieses Landes mitprägen werden.

Sprecher 3: Aber ein großer Fan von Saskia Esken werden Sie nicht mehr.

Sprecher 7: Saskia Esken hat eine schwierige Situation. Sie hat als Parteivorsitzende in den letzten Jahren mit dafür gesorgt, dass die SPD wieder einen Bundeskanzler stellen konnte. Das gehört auch mit zur Geschichte und dass es auch viel Kritik an ihr gegeben hat. Auch teilweise berechtigte Kritik, das ist nichts Neues, aber das ist auch bei uns allen so. Wir werden alle kritisiert, wir werden alle hin und wieder auch mal gelobt und deswegen will ich auch über Saskia Esken jetzt hier keine schlechten Worte finden.

Sprecher 3: Vielen Dank, Herr Ministerpräsident.

Sprecher 7: Ich danke Ihnen.

Sprecher 3: Helene, war noch was?

Sprecher 2: Ja, Michael, wieder mal Nervereien mit dem Verkehr. Diesmal war mein Fahrrad betroffen. Ein fieser Platten auf dem Weg nach Hause. Gestern auch noch das Hinterrad von meinem sowieso viel zu schweren Fahrrad, auf dem ich ja immer noch einen Kindersitz habe. Es ist wirklich so wahnsinnig nervig, weil man so diese ege Taktung hat und dann irgendwie zu spät zu Hause ankommt, die Babysitterin genervt ist. Alles blöd und dann fahren auch noch wieder die S-Bahnen in Berlin unregelmäßig. Ich weiß gar nicht warum, aber... Jede dritte Ringbahn fährt nicht richtig, hält jedenfalls an manchen Stopps nicht. Man versteht es nicht, aber in dem schlechten liegt ja wie immer was Gutes. Ich habe dann mein Rennrad ausgepackt und bin heute Morgen durch die Sonne gefahren. Das ist ja eigentlich wie so viel schöner und ich habe mich gefragt, warum ich das nicht eigentlich schon längst gemacht habe.

Sprecher 3: Ja, Helene, das macht ja auch nichts. Es ist wunderbares Fahrradwetter. Es ist gut für den Sport und diese toll ausgebauten Radwege in Berlin sind ja ohnehin ideal für Fahrradfahrer. Also warum nicht das Wochenende mal mit einer schönen Radtour beginnen? Wir hören uns hier am Montag wieder ohne Fahrradhelm, aber dafür im Studio Table Today, Montag 6 Uhr. Bis dahin, ciao, ciao.

Sprecher 8: Yeah. Bicycle. Bicycle. I want to ride my bicycle. Bicycle. Come on. Bicycle. I want to ride my bicycle. I want to ride my bike. I want to ride my bicycle. I want to ride it where I like.