Trumps Zollplan
Dauer: 25:17

Trumps Zollplan

US-Präsident Donald Trump hat den Handelskrieg erklärt.

Auch die EU wird betroffen sein: 20 Prozent sollen für Importe aus Europa fällig werden.

Im Rosengarten des Weißen Hauses sprach Trump von einem „Golden Age of America“.


Die neue Kriminalstatistik zeigt: Die Gesamtzahl der Straftaten sinkt leicht, doch Gewaltdelikte nehmen zu. Besonders alarmierend ist der Anstieg bei Tatverdächtigen unter 14 Jahren. Helene Bubrowsky und Michael Bröcker diskutieren die Gründe und mögliche Konsequenzen.


KI-Forscher und You.com-Gründer Richard Socher spricht mit Michael Bröcker über Deutschlands Chancen bei Künstlicher Intelligenz. „Gerade im Silicon Valley gehen 90 Prozent der Diskussion darum, wie wir neue Dinge erschaffen können – und zehn Prozent um Probleme. In Deutschland ist es fast genau umgekehrt.“ Deutschland habe enormes Potenzial, mit dem Einsatz von KI in Naturwissenschaft und Industrie Weltspitze zu werden, ist Socher überzeugt.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Es könnte der Beginn des größten Handelskriegs in der Geschichte sein. Donald Trump hat gestern Abend seinen dicken Zollstock herausgeholt und die Zölle beziffert. Das war der Liberation Day, der sogenannte. Wir analysieren.

Sprecher 3: Die neue Kriminalstatistik liegt jetzt auf dem Tisch und auf den ersten Blick sieht sie ganz gut aus. Die Zahl der Straftaten geht insgesamt zurück. Aber wenn man genauer reinschaut, wird es sehr besorgniserregend. Wir klären sie auf.

Sprecher 2: Richard Socher gehört zu den weltweit angesehensten KI-Forschern. Der Gründer und CEO der KI-Plattform YouCom hat sich vorgenommen, ein besseres Google zu erschaffen. Wir haben diesen KI-Guru eingeladen und sprechen mit ihm über die digitale Zukunft und welche Rolle Deutschland dabei hat.

Sprecher 3: Freuen Sie sich auf die menschliche Intelligenz von Helene Bubrowski. Es ist Donnerstag, der 3. April. Los geht's. US-Präsident Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses. Gestern Abend war das gegen 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Gerade hatte die New Yorker Börse geschlossen. Den Termin hatte das Weiße Haus ganz bewusst auf diesen Börsenschluss gelegt. Das ganze Kabinett hatte Trump im Garten des Weißen Hauses versammelt. Es war ein wichtiger, großer Termin. Unterstützer, Automobilarbeiter, Gewerkschafter. Er hatte bewusst bestimmte Gruppen zu sich vor das Weiße Haus geholt.

Sprecher 4: April 2nd, 2025 will forever be remembered as the day American industry was reborn, the day America's destiny was reclaimed, and the day that we began to make America wealthy again.

Sprecher 3: Denn, so Donald Trump, es sei ein historischer Tag. Natürlich darunter macht er es nicht. Er wolle Amerika wieder groß machen, wieder reich machen. Das Golden Age of America stehe jetzt mit seiner Zollankündigung bevor. Es war eine skurrile Mischung aus Fernsehshow und Wahlkampfrede, die Donald Trump dort im Garten des Weißen Hauses abhielt. Er warf Kappen mit seinem Make America Great Slogan ins Publikum und ließ einen Arbeiter ans Mikrofon, der ihn als eine Art neuen Ronald Reagan pries. Und natürlich ging es um die neuen Zölle. Schließlich hielt Donald Trump ein riesiges Plakat in die Höhe, auf denen die Gegenmaßnahmen der USA diese reziproken Zölle für sämtliche Länder, die jemals irgendwo irgendwann mal ein Zoll oder vielleicht auch eine Steuer, die als Zoll empfunden wird, eingeführt hatten, hoch. An oberster Stelle China, aber direkt danach die Europäische Union, die angeblich 39% Zölle für US-amerikanische Produkte erhebt und nun mit einem 20%igen Gegenzoll aus den USA konfrontiert werden soll. Pauschal. Für welche Produkte, man weiß es noch nicht. Man weiß nur, dass Trump sich abgezockt fühlt, so wie er es den Europäern auch deutlich mitteilte. Woher die 39% von Donald Trump stammen, niemand weiß es genau. Der durchschnittliche EU-Zollsatz auf Importe aus Ländern, die nicht der EU angehören, beträgt laut Leibniz-Institut für Wirtschaft Wirtschaftsforschung 5,2 Prozent und liegt damit deutlich über dem durchschnittlichen Zollsatz, den die USA auf Importe erheben. Aber bei 39 Prozent? Man weiß nicht genau, was Donald Trump da treibt. Er verspricht, und das ist überraschend, lower prices for consumers. Also ja, seine Zollpolitik soll natürlich die nationale Wirtschaft stärken, aber sie soll sogar die Preise für Konsumenten und Verbraucher reduzieren. Genau das allerdings sagen sämtliche Ökonomen, auch in den USA wird nicht passieren. Im Gegenteil, Experten warnen vor einer Stagflation in den USA, also einer Stagnation der Wirtschaft, eine vielleicht sogar schrumpfende Wirtschaft mit gleichzeitiger Preissteigerung, also Inflation. Jason Furman, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten, also eine Art Wirtschaftsweiser in den USA, hat jüngst in einem Podcast klargemacht, dass nahezu alle ökonomischen Experten in den USA die Zollpolitik von Trump für kontraproduktiv halten. Kontraproduktiv vor allem für die eigene Wirtschaft. Und dann zitiert Jason Furman auch noch den Finanzminister von Donald Trump, Scott Besson, der vor einem Jahr gesagt haben soll, dass diese Zölle eine geladene Waffe am Kopf der amerikanischen Wirtschaft wären.

Sprecher 5: White House, but I know you have a cent a year ago.

Sprecher 3: Doch diese Warnungen und Mahnungen, sie werden wohl kaum Donald Trump zum Umdenken bewegen. Immerhin EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen will sehr schnell verhandeln, will mit Donald Trump ins Geschäft kommen. Vielleicht ist am Ende ja doch noch ein Deal möglich, der den Handelskrieg, wenn nicht verhindert, dann doch zumindest abbildet. Helene, als langjährige Korrespondentin für die innere Sicherheit, sind das jetzt gute Nachrichten, diese Kriminalstatistik oder nicht?

Sprecher 2: Naja, mehr als 5 Millionen Straftaten im Jahr, die registriert wurden. Da kann man schlecht von einer guten Nachricht sprechen. Immer noch viel zu viel. 5,8 Millionen sind es ganz genau. Aber es ist etwas weniger als im Vorjahr, nämlich 1,7 Prozent weniger. Also im Schlechten liegt was Kleines Gutes.

Sprecher 3: Hoher Rückgang immerhin bei den Rauschgiftdelikten, vielleicht auch wegen der Cannabis-Legalisierung. Und die Aufklärungsquote liegt, man könnte sagen, immerhin bei knapp 60 Prozent. Aber dann hört es eigentlich auch schon auf mit den guten Tendenzen. Die Morde, 180 im vergangenen Jahr, deutlich mehr als im Vorjahr. Und das ist natürlich ein Thema. Es gab zwei Millionen Tatverdächtige, von denen aber knapp 700.000 ohne deutschen Pass sind. Und wir nehmen alle ausländerrechtlichen Verstöße ja bei diesen Statistiken immer raus. Das sind dann rund 35 Prozent aller Tatverdächtigen und das ist natürlich ein Thema.

Sprecher 2: Das muss man natürlich differenziert angucken, denn die Gruppe der Zuwanderer sind eben überwiegend männlich und überwiegend jünger als 40. Und das sind genau die Merkmale von den Gruppen, unter denen Kriminalität besonders hoch ist. Also auch deutsche Männer unter 40 sind krimineller als Frauen über 80, sage ich mal. Trotzdem ist das natürlich nicht alleine eine Erklärung. Ich will das hier nicht irgendwie relativieren und verharmlosen. Es gibt eine Problematik dabei, da kann man nicht drum herum reden.

Sprecher 3: Ja, wir bleiben dabei. Junge Männer sind ein Problem.

Sprecher 2: Gut, dass du über 40 bist.

Sprecher 3: Ja, danke, danke, Helena. Aber wir haben ja nun auch schon mal sehr viele problematische junge Männer in Deutschland. Wenn du dann auch noch zusätzlich sehr viele junge Männer aus durchaus auch kulturfremden Kreisen reinholst ins Land, die selber in Syrien, Afghanistan eine Gewalterfahrung gemacht haben, dann wird die innere Sicherheit natürlich in diesem Land nicht besser.

Sprecher 2: Ja, das stimmt. Und eben auch, dass diese Messerproblematik, die wird ja seit einigen Jahren erst registriert, dass man sich da auch das genauer anschaut, um eben auch Prävention leisten zu können. Aber klar, das sind Themen, die adressiert werden müssen. Insgesamt nehmen ja die Gewaltdelikte zu. Es sind 217.000 Fälle, der höchste Stand seit 2010. Also wir sind eine Gesellschaft, wo die Ausländer nur ein Teil von sind, die immer gewalttätiger wird. Die Ursachen sind vielfach besprochen worden. Allein es wird nicht besser.

Sprecher 3: Was mir besonders Sorge bereitet und wir erleben es wirklich, Helene, ja schon auf den Schulhöfen unserer Kinder, die gerade mal noch nicht mal mehr zehn Jahre alt sind, zumindest meine Tochter, mein Sohn ist elf. Und die Gewaltdelikte nehmen um elf Prozent zu im Vergleich zum Vorjahr, bei denen unter 14. Und da gibt es schon eine neue Rohheit, eine neue Aggressivität, für die es wahrscheinlich viele Ursachen gibt, aber ein echtes Thema.

Sprecher 2: Auch sicherlich mit Gaming zu tun. auch wenn das teilweise gestritten wird mit Mobbing, mit insgesamt einer Aggressivität, die nicht in andere Bahnen gelenkt werden kann. Man klingt ja selbst wie eine 85-jährige Frau, wenn man sagt, wir haben früher auf der Straße gespielt und heute sitzen die Kinder in den Wohnungen. Auch das stimmt nicht durchgehend, das stimmt für die Städte. Aber ich denke, dass auch bei meinen Kindern, ich habe ja zwei Jungs, die sind einfach viel zu wenig draußen und rennen rum.

Sprecher 3: Aber ich frage mich tatsächlich, ist es Social Media, weil wir diese schlimmen Taten inzwischen sehen? Oder zumindest sagen Polizeigewerkschafter, dass es diese Rohheit wirklich gibt. Früher wurde sich gekloppt, aber wenn einer auf dem Boden lag, wurde nicht noch auf ihn draufgetreten. Und es gibt da schreckliche Videos und ich finde es immer wieder unfassbar, wie weit es geht schon bei ganz jungen Leuten. Und das ist etwas, wo ich aus meiner Sicht sage, da müssen wir leider auch über Strafmündigkeit mal reden, über die Strafe muss auf dem Fuße folgen. Haben diese Jugendlichen eigentlich das Gefühl, dass sie dafür belangt werden, wenn sie richtig gewalttätig werden? Und da habe ich Zweifel.

Sprecher 2: Ja, es stimmt, da geht es am Ende um die Funktionsfähigkeit des Staates, den Eindruck, dass der Staat stark ist. Das ist insbesondere bei jungen Männern wichtig, dass sie nicht das Gefühl haben, sie sitzen, um es jetzt mal polemisch zu sagen, nur Sozialarbeitern gegenüber oder sind in Gerichtsgebäuden, die total schlecht ausgestattet sind, wo es durchs Dach regnet, sondern sie spüren die Autorität und Stärke des Staates. Das ist schon sicherlich ein Punkt. Also auch die Frage, wie präsentiert sich der Staat eigentlich, der strafende Staat? Darüber wurde wahrscheinlich in der Vergangenheit zu wenig nachgedacht. Michael, am Ende tappt man. Wir zwei natürlich hier auch ein bisschen im Dunkeln. Ja, apropos die Dunkelziffer ist viel höher. Aber was die Ursachenforschung angeht, da müssen wir uns mal einen versierten Gast einladen.

Sprecher 3: Das müssen wir machen. Eigentlich sind wir uns aber, dass die innere Sicherheit eine soziale Sicherheit ist und dass diese neue Bundesregierung dringend diesen ganzheitlichen Ansatz wählen muss. Oder wie es die Berliner Justizministerin Felaur Badenberg gesagt hat, das Sicherheitsempfinden der Menschen spielt eine große Rolle, wenn es um deren Zufriedenheit und ihr Vertrauen in die Demokratie geht. Also ohne Sicherheit ist alles nichts.

Sprecher 2: Stimmt, wobei das Sicherheitsempfinden interessanterweise nicht unbedingt korreliert mit der Statistik. Also wir haben auch in Jahren von sinkenden Kriminalitätszahlen ein steigendes Unsicherheitsempfinden, hat das BKA festgestellt. Es ist alles kompliziert mit dieser Materie, weil vieles eben gefühlt ist, weil Anschläge, wie wir sie jetzt leider beobachten mussten, natürlich zu einer breiten Verunsicherung fühlen, auch wenn es am Ende nicht sehr viele Opfer sind. Also die nächste Bundesregierung hat das Thema innere Sicherheit ganz sicher auf dem Teller.

Sprecher 3: Die großen Tech-Unternehmen aus den USA, sie sind allgegenwärtig in einer datenbasierten Economy. Sie wirken unangreifbar. Amazon, Meta, Google. Es scheint, als ob diese Internetkonzerne uns in der digitalen Entwicklung Jahrzehnte voraus sind. Dabei sind oft deutsche Wissenschaftler, deutsche Ingenieure oder Unternehmer, die im Silicon Valley Teil dieser Technologieerfolge sind. Einer von diesen klugen Köpfen ist Richard Socher. Als Sohn zweier ostdeutscher Wissenschaftler in Dresden geboren, studierte der junge Mann Computerlinguistik in Leipzig, bevor er später an der Princeton und an der Stanford University forschte. Die neuronalen Netzwerke für die Sprachverarbeitung waren sein Thema. 2016 wurde in Stanford unter Christopher Manning eine Koryphäe im Bereich der frühen KI-Forschung promoviert. Inzwischen ist er sein eigener Start-up-Unternehmer. You.com heißt seine Firma. Eine Mischung aus ChatGPT und Google, würde ich mal sagen. Wir sprechen mit ihm natürlich über die mögliche KI-Strategie in Deutschland. Einen schönen guten Tag. Hallo Richard.

Sprecher 2: Hallo, ich freue mich hier zu sein.

Sprecher 3: Ich habe gerade bei Ihrem neuen KI-Suchassistenten You.com mal eingegeben, ob KI den Journalismus retten kann. Die Antwort war mehr oder weniger, es kommt darauf an. Das hätte ich auch ohne KI haben können, oder?

Sprecher 6: Das ist eine sehr professoriale Antwort, ja.

Sprecher 3: Ja, aber dafür kommen danach tatsächlich ganz interessante Antworten, sowohl für als auch wieder. Aber was kann jetzt You.com besser als bestehende Chatbots wie ChatGPD zusammen mit Google?

Sprecher 6: Wir sind genauer, weil wir sehr stark auch auf die Suchmaschine zurückgreifen und die selber auch lange entwickelt haben, sodass wir eine bessere Verknüpfung haben zum Internet.

Sprecher 3: KI setzt sich durch, das ist offensichtlich, alle reden darüber. Ist das aus deiner Sicht jetzt schon ein übertriebener Hype, der noch gar nicht gedeckt wird von den technologischen Fähigkeiten oder haben wir die Dimension noch gar nicht richtig begriffen?

Sprecher 6: Die KI ist hier, sie bleibt, sie wird gesamte Industrien unglaublich stark verändern und hat sie jetzt auch schon und an vielen Stellen auch so stark verändert, dass die Menschen in der Industrie sie gar nicht mehr mögen. Zum Beispiel Illustratoren momentan hassen die KI, denn eine Illustration kostete einige hundert Euro in der Vergangenheit und mittlerweile kann man dafür wahrscheinlich nur noch ein paar Euro maximal verlangen, weil die KI mittlerweile Illustrationen innerhalb von wenigen Sekunden kreiert. Und in der Wissensarbeit werden wir auch sehr, sehr viel sogenannte Creative Destruction sehen. Also da wird sich sehr, sehr viel verändern und es ist auf keinen Fall mehr Hype. Es ist Realität.

Sprecher 3: Ich habe es bei der Antwort auch auf die KI-Journalismus-Frage gesehen, dass es natürlich wie immer Vorteile und Nachteile gibt. Sie kann wunderbar automatisierte, standardisierte Projekte oder eben auch Arbeiten für uns erledigen und uns damit effizienter und vielleicht ja auch rentabler machen. Auf der anderen Seite wird in Deutschland vor allem darüber diskutiert, welche Jobs sie vernichten kann, so wie du es jetzt gerade geschildert hast. Ist es in Deutschland eine andere Debatte über KI, als du es aus anderen Ländern kennst?

Sprecher 6: Ja, in allen Ländern werden beide Seiten diskutiert, aber in den USA ist es eher so, gerade im Silicon Valley, dass 90 Prozent der Diskussion geht es darum, wie wir sie am besten neu nutzen können und neue Dinge erschaffen können, neue Möglichkeiten, die es gar nicht vorher gab. Und 10 Prozent geht es darum, was es für Probleme mit sich bringen kann. Und in Deutschland ist es fast genau umgekehrt.

Sprecher 3: In den Koalitionsarbeitsgruppen zum Thema Digitalisierung spielt KI natürlich eine große Rolle. Es geht jetzt um digitale Souveränität. Man will mehr Datennutzung statt Datenschutz, also einen Aufbruch schaffen. Können wir bei diesem Red Race, hätte ich fast gesagt, rund um die KI-Nutzung in Deutschland noch an irgendeinem Bereich aufholen oder ist der Zug abgefahren?

Sprecher 6: Das geht immer. Ich habe auch viele Ideen, wie man das machen könnte. Man muss halt einiges an Investitionen auch mit reinbringen und da auch Mut haben, Dinge auszuprobieren. Ich meine, die Firma, der Hedgefonds, der DeepSeek gemacht hat, der kam auch fast aus dem Nirgendwo, hat dann sehr, sehr viele überholt an vielen Stellen, also wirklich unglaublich beeindruckend. Das ist auch in Deutschland möglich. Man muss aber halt die richtigen Situationen schaffen und Infrastruktur. Dann ist das in Deutschland auch möglich. Noch interessanter wird es wahrscheinlich, wenn wir die KI dann auch auf die Naturwissenschaften anwenden werden. Da könnte Deutschland wirklich weltführend werden.

Sprecher 3: Gibt es denn im Bereich des Industrielands Deutschland Anwendungen, wo du sagst, da könnten wir mit einer guten KI-Strategie, mit guten Rahmenbedingungen weltweit sogar führend werden?

Sprecher 6: Ja, absolut. In der Physik, Chemie, Biologie, die können wir dank der KI nicht nur naturwissenschaftlich besser verstehen, sondern auch engineersmäßig verändern. Es ist cool, wenn man weiß, wie Kernfusion funktioniert, aber es ist noch besser, wenn wir einen Fusionsreaktor, einen Tokamak- oder Laser-basierten Fusionsreaktor bauen könnten. Es ist cool, wenn wir verstehen, wie Batterien funktionieren, aber es ist noch cooler, wenn wir noch bessere Batterien, Batteriematerialien entwickeln können. Es ist super, wenn wir Krebs verstehen, aber es ist noch besser, wenn wir ihn auch heilen können und neue Medikamente entwickeln können mit der KI. Und da ist die KI das perfekte Werkzeug, denn sie kann auch mit sehr komplexen... Zusammenhang. arbeiten und die zusammenführen.

Sprecher 3: Also du bist im Bereich der Spitzentechnologie und Wissenschaft und bei den ganz klassischen Industriebetrieben in Deutschland, die vor allem exportorientiert sind, sind Maschinenbauer, das sind Autohersteller. Gibt es da Beispiele, konkrete Beispiele, wo du sagst, wir können da den Unterschied machen, auch gerade beim Thema Wettbewerbsfähigkeit?

Sprecher 6: Ja, können bzw. Müssen auch. Man muss auf jeden Fall mitmachen. Also Autos, die nicht selber fahren, werden einfach nicht mehr so viel gefahren in der Zukunft. Ich fahre jetzt auch lieber mit meinem Tesla als mit meinem Porsche, weil der einfach automatisch fährt.

Sprecher 3: Du hast den AI-Akt der EU sehr kritisiert in der Vergangenheit. Was ist das Problem?

Sprecher 6: Das Problem kommt, glaube ich, so aus einem guten Herzen, sage ich mal. Man versucht, Technologie prophylaktisch vorzuregulieren, bevor sie überhaupt negative Auswirkungen haben kann, weil man natürlich Menschen helfen will. Das Problem ist so ein bisschen, dass man es schwierig alles vorhersehen kann und wir leider da auch eine Industrie vorregulieren, die wir noch gar nicht richtig haben und die sehr, sehr in ihrer Kindheit steckt und die sehr hinterherhängt. Und wenn man sich jetzt überlegt, okay, wo will ich eine KI-Firma starten? Da, wo ich sofort mit dem Hammer überreguliert werde oder da, wo Regulierung immer mehr abgebaut wird, dann werden sich die meisten für... die die Möglichkeit haben, sich zu entscheiden, dann für die USA entscheiden. An vielen Stellen haben leider so ein paar Science-Fiction-Autoren so ein bisschen zu viel Orwell geguckt. Obergeguck bzw. Mindshare bekommen und gesagt, ja, die KI kann möglicherweise die gesamte Menschheit ausrotten, weil die könnte ja alle manipulieren und dann ist es so super intelligent und dann ist es intelligenter als alle Menschen und schaut uns den Menschen an, der ist super intelligent und rotte die ganzen Tiere aus und wir werden dann auch ausgerottet, weil einfach Intelligenz ist gleich Domination und wir werden alle gestammert. Und da sind so viele, sag ich mal, interessante Science-Fiction-Bücher drin. Aber es ist halt nicht die Realität. Und da wurde zum Beispiel auch überreguliert und gesagt, ja, wenn ein Modell so und so viele Parameter hat, dann muss das registriert werden bei der EU. Und das ist so ein Quatsch. Du kannst mit einem kleinen Modell unglaublich viel Schaden machen und du kannst mit einem großen Modell schöne Gedichte schreiben. Man muss die Anwendungen der KI regulieren, nicht die KI im Abstrakten. Das ist sozusagen ein bisschen wie wenn man sagt, ja, im Internet, da gibt es auch schlechte Inhalte, deswegen machen wir das Internet einfach ein bisschen langsamer und die Festplatten ein bisschen kleiner. Und dann gibt es weniger illegale Inhalte im Internet, die man teilen kann. So könnte man machen, aber ist einfach Quatsch.

Sprecher 3: Aber du meinst, man müsste im Internet dann die polizeilichen Hoheiten hochfahren, so wie man im normalen Leben eben auch Regelverstöße ahndet. Aber das scheint natürlich... bei einer KI ja gar nicht möglich, den Mistbrauch irgendwie einzudämmen.

Sprecher 6: Natürlich ist das möglich. Das ist ganz einfach möglich. Man schaut sich die Anwendungen an. Wenn jemand einen KI-Chirurgen rein implementieren will und Gehirnchirurgie machen will mit KI, dann muss das natürlich reguliert werden in den USA von der FDA. Und in Deutschland gibt es da auch TÜV-Behörden und so weiter. Wenn ein KI-Startup mit dem Auto auf der Autobahn fahren will, muss es auch erstmal zertifiziert werden, bevor es so bei 200 kmh über die Autobahn platteln darf. Und das macht auch Sinn. Es macht aber halt nicht Sinn, Intelligenz zu regulieren. Ob sie künstlich ist oder menschlich ist, ist eigentlich egal.

Sprecher 3: Welcher Bereich wird eigentlich von KI nicht revolutioniert?

Sprecher 6: Je weniger digitalisiert man ist in einer Industrie, desto weniger kann die KI dort was sinnvoll erreichen. Also momentan zum Beispiel sammelt noch niemand Daten von Klempnern. Und deswegen werden Klempner wahrscheinlich nicht automatisiert werden für eine ganze Weile noch.

Sprecher 3: Damit hätten wir das auch geklärt. Vielen Dank, lieber Richard und einen schönen Tag noch.

Sprecher 6: Gerne.

Sprecher 2: Mick war sonst noch was.

Sprecher 3: Ich war ja gestern mit unserem Podcast-Chef Florian Fischer in Potsdam bei einem Ministerpräsidenten, den wir Ihnen morgen hier in dieser Stelle präsentieren werden. Und ich muss sagen, Potsdam ist eigentlich das bessere Berlin. So, jetzt habe ich es gesagt.

Sprecher 2: Eine Landeshauptstadt, die... Ja, wenn man da durchfährt, nahezu perfekt aussieht. Alles so restauriert, aber auch ein bisschen museal, oder nicht?

Sprecher 3: Es ist museal, es ist allerdings vor allem funktionierend. Du hast schon recht. Also irgendwie sieht es sauberer aus. Selbst das Schwimmbad ist da noch schön und es hat vor allem auch auf. Irgendwie wirkt es sicherer, es wirkt grüner. Die Sonne scheint dort ein bisschen mehr als über Kreuzberg, ist mein Empfinden. Ich bin sehr gerne da.

Sprecher 2: Aha, du wohnst ja auch nicht so weit weg. Das ist irgendwie die Potsdamerisierung und Rantrifizierung der Berliner.

Sprecher 3: Der Ex-Kanzler, die Ex-Außenministerin.

Sprecher 2: Alle sind da hingezogen, suchen dann die Abgeschiedenheit und treffen sich dort wieder. Das ist irgendwie auch eine Ironie der Geschichte und die ganze Lästern über Berlin. Ich finde ja diese Lästereien über Berlin, diese Selbstbeschäftigung mit Berlin und insbesondere die Selbstbeschäftigung mit Berlin von Berlinern, die nicht mehr in Berlin sind, schon wirklich auch ein bisschen anstrengend.

Sprecher 3: Aber wie immer bei mir, Helene, sind ja meine Gefühle auch statistisch begründet. Ja, immer. Im Städteranking des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln. Schöne Grüße an dieser Stelle wie immer zu Michael Hüther. Zusammen mit der Wirtschaft. Wirtschaftswoche und Immo-Scout liegt Potsdam auf Platz 24. Da ging es um die lebenswertesten Städte in Deutschland. Berlin kommt erst auf Platz 35. Und das liegt unter anderem natürlich an der Natur und Grün und Funktionsfähigkeit. Aber auch... Interessanterweise liegt Potsdam auf Platz 1 der Abiturquoten, also die Abiturienten pro Jahrgang. Das kann jetzt man positiv auslegen, dass die einfach alle so klug und toll sind. Oder jeder darf Abitur machen. Ganz sicher.

Sprecher 2: Ich sage mal, wenn die Sonne da anders scheint, ist der Vitamin-D-Spiegel höher und das regt auch die Gehirnzellen an. So jedenfalls habe ich es kürzlich gelesen. Also jedenfalls wünschen wir doch unseren Freunden aus Potsdam, unseren Nachbarn. Dass sie einfach so zufrieden bleiben, wie sie sind und den Berlinern ein bisschen was von ihrer offenbar ja so guten Laune abgeben.

Sprecher 7: It's a new day. It's a new life.

Sprecher 3: So ist es. Man fühlt sich einfach ein bisschen besser dort. Bis morgen, 6 Uhr, Table Today.

Sprecher 8: I'm feeling good. When you shine, you know how I feel. Scent of the pine, you know how I feel. Oh, freedom is mine, and I know how I feel. It's a new dawn, it's a new day, it's a new life. It's a new dawn, it's a new day, it's a new life.

Sprecher 9: Ich bin völlig blind. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tage und Nächte sind auf den Kopf gestellt. Weil ich Schwierigkeiten habe, nachts zu schlafen und tagsüber wach zu bleiben. Ich leide unter 924, einer seltenen Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung, die viele völlig blinde Menschen betrifft. Möchtest du mehr über diese Erkrankung in Verbindung mit völliger Erblindung erfahren? Rufe kostenfrei an unter 0800 24 24 005.