++Sicherheitsskandal in den USA++Erste Sitzung des neuen Bundestages++Ende des Soli?++
Dauer: 22:10

++Sicherheitsskandal in den USA++Erste Sitzung des neuen Bundestages++Ende des Soli?++

In der konstituierenden Sitzung des Bundestags zeigt sich, wie herausfordernd die kommenden vier Jahre werden könnten. Die AfD tritt selbstbewusst und laut auf, Julia Klöckner wird zur Bundestagspräsidentin gewählt, und die Rede von Alterspräsident Gregor Gysi enttäuscht. Helene Bubrowski und Michael Bröker analysieren den ersten Tag des neuen Bundestags.


Das Bundesverfassungsgericht verkündet heute sein Urteil über den Solidaritätszuschlag. FDP-Politiker Florian Toncar, einer der Kläger, erklärt, warum der Soli seiner Meinung nach spätestens seit 2019 nicht mehr erhoben werden dürfte. Sollte das Gericht ihm recht geben, stehen die Haushaltspläne der nächsten Bundesregierung vor neuen Herausforderungen.


Ein Signal-Chat in den USA sorgt für Aufsehen: Mehrere Regierungsmitglieder, darunter der Verteidigungsminister und der Vizepräsident, diskutieren sicherheitsrelevante Themen in einer Gruppe, zu der versehentlich ein Journalist eingeladen war. Donald Trump hat am frühen Morgen einem nicht näher genannten Mitarbeiter von Sicherheitsberater Waltz die Schuld an der Panne gegeben.

Die geleakten Inhalte jedenfalls offenbaren einen erschreckend deutlichen Tonfall gegenüber Europa – voller Häme und Missachtung.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Der Bundestag steht. Feuertaufe für Julia Klöckner, eine sehr machtbewusste und laute AfD und eine überraschend dürftige Rede des Alterspräsidenten. Tag 1 im Bundestag. Wir fassen das Wichtigste für Sie zusammen.

Sprecher 3: Es müssen Köpfe Rollen fordern. Die Demokraten in den USA, nachdem bekannt wurde, dass der nationale Sicherheitsberater, der Vizepräsident und der Verteidigungsminister in einem Chat Militäroperationen offen diskutiert haben und ein Journalist war auch in der Gruppe. Sind die Demokraten wieder da? Sind sie aufgewacht? Und was bedeutet das alles? Gleich das Wichtigste bei uns.

Sprecher 2: Heute könnte es teuer werden für die werdende Koalition oder nachfolgende Regierung, aber ganz lukrativ für manche Spitzenverdiener. Denn das Bundesverfassungsgericht entscheidet endgültig über die komplette Abschüffung des Solidaritätszuschlags. Wir sprechen mit einem der Kläger, Florian Tonka von der FDP.

Sprecher 3: Haben Sie Ihre Kinder schon zur Schule gebracht? Wahrscheinlich waren die auch noch sehr müde. Meine sind es jedenfalls noch. Warum das Frühaufstehen sich nicht nur falsch anfühlt, sondern auch falsch ist, das belegen neue Studien.

Sprecher 2: Es ist Mittwoch, der 26. März. Wir müssen loslegen. Es gibt viel zu besprechen.

Sprecher 4: Heute tritt endlich der neue Bundestag zusammen, einen Monat nach der Wahl. Warum erst jetzt? Weil Union, SPD und Grüne wie ein Parteienkartell jede frühere Einberufung verhinderten. So konnten sie mit den längst abgewählten Mehrheiten des alten Bundestages gleich dreimal das Grundgesetz ändern. Wir von der AfD haben uns verdoppelt, sind stärker als je zuvor. Mit Ihren Tricks werden Sie unseren Aufstieg nicht verhindern, meine Damen und Herren.

Sprecher 3: Ja, das war Bernd Baumann von der AfD. Ein sehr selbstbewusster Auftritt dieser größten Oppositionsfraktion im neuen Bundestag. Die AfD, die ihren Opfermythos weiter bestärkt und auch weiter bestärken kann, denn sie sagen, guck mal, wir wachsen und wachsen und wachsen. Und dann, ich zitiere, das Kartell der Altparteien versucht uns klein zu halten, macht die Gesetze so, dass wir nicht zum Zuge kommen, zum Beispiel am Vizepräsidenten. Das sind alles Töne, die irgendwie abscheulich sind und gleichzeitig mich manchmal nachdenklich stimmen. Denn, das muss man leider sagen, ein Fünkchen Wahrheit steckt drin.

Sprecher 2: Jedenfalls ist es das Bild dieses ersten Bundestags, die Verdopplung der AfD, die Massen, auch die Lautstärke, die da in dieses Parlament von ganz rechts außen hinein prasselte, hat schon auch so ein bisschen einen Vorgeschmack gegeben auf das, was da in den nächsten vier Jahren kommen könnte.

Sprecher 3: Ja, und Julia Klöckner, die neue Bundestagspräsidentin, musste ja direkt einmal eingreifen und die AfD zurechtweisen, die wieder mit unflätigen Zwischenrufen sich direkt in der ersten Sitzung hervorgetan hatte. Also das alles verheißt natürlich nichts Gutes.

Sprecher 2: Lass uns direkt bei Julia Klöckner bleiben. Sie hat ein ordentliches Ergebnis, muss man sagen, kein berauschendes Ergebnis bekommen als neue Bundestagspräsidentin. 382 Ja-Stimmen, also 64 mehr als die GroKo. Das ist für einen Bundestagspräsidenten oder Bundestagspräsidenten eigentlich nicht wirklich besonders berauschend. Ihre Rede war durchaus angemessen. Sie hat natürlich plädiert, dass diese Rände... Und die Mitte, dass das Miteinander anständig bleibt, dass der Diskurs besser wird und dass die Demokratie eben eine Veranstaltung ist, nicht nur für Einzelne, sondern für uns alle. Das war schon okay. Das hatte natürlich nicht die Lammert-Intellektualität, aber es waren jetzt auch keine Passagen, wo man nicht sagen würde, ja, muss mal gesagt werden.

Sprecher 5: Im Parlament, da führen wir Auseinandersetzungen stellvertretend für die Gesellschaft. Demokratie. Das Demo ist das Volk und die Herrschaft des Volkes. Nicht wir herrschen, sondern das Volk hat uns beauftragt. Und wie wir das tun, Das ist prägend. Seien wir grundsätzlich bereit, verehrte Kolleginnen und Kollegen, dem anderen zuzuhören und seine Beweggründe verstehen zu wollen. Auch wenn man sie vielleicht nicht teilt, aber den Ansatz verstehen zu wollen, das ist keine Überforderung, das ist ordentlicher Umgang miteinander.

Sprecher 6: Liebe Kolleginnen und Kollegen, verehrte Gäste, als ich 1990 das erste Mal für den Bundestag kandidierte, trugen junge Mitglieder meiner Partei ein Plakat, auf dem stand, dass ich noch Alterspräsident werde. Dies hielt sich für einen netten Scherz.

Sprecher 3: Von Gregor Gysi dagegen hätte ich jedenfalls viel mehr erwartet. Er war der Alterspräsident dieser ersten Sitzung und sprach sage und schreibe 38 Minuten. Und der Mann der linken Politiker ist ja durchaus ein begabter Rhetoriker, kann auch sehr unterhaltsam sein. Man muss sagen, gestern war er es nicht. Man hatte das Gefühl, er hakt eine Liste von Spiegelstrichen ab. Viel Programmatik der Linkspartei. Runtergerasselt eigentlich und dann auch relativ oft versprochen, obwohl er vom Blatt ablas. Er wirkte fast aufgeregt. Es war kein besonders überzeugender Auftritt. Und eigentlich benutzt man diese Position des Alterspräsidenten auch nicht, um irgendwelche linken Programmatik darunter zu beten, sondern einen Appell an die Überparteilichkeit oder Sonstiges. Also ich weiß nicht, da hatte Gregor Gysi keine Sternstunde.

Sprecher 2: Er war wirklich sehr nervös, man merkte das und war deswegen auch nicht so der Gysi, den man so kannte. Ich fand aber auch die Bilder einfach verrutscht. Wenn er schon versucht, Konservative und Linke, also die Linken und den rechten Rand irgendwie zusammenzubringen, eine neue... neue Erzählung zu schaffen, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, dann hätte ich mir von diesem ehemaligen und letzten Chef der SED, der Mann, der immerhin vor 35 Jahren gegen die Wiedervereinigung gestimmt hat, hätte ich mir auch ein selbstkritisches Urteil mal in eigener Sache in Aufarbeitung, anstatt die Vorwürfe gegenüber dem Westen. Man würde ja nur das Ampelmännchen aus der DDR übernehmen und da gäbe es ja auch noch viele gute Sachen. Also da wirkte einer auch so ein bisschen trotzig. Und dann auch der Vergleich mit Schäuble, Moltke und Frau Zetkin, eine Altkommunistin aus dem wirklich revolutionären Flügel der KPD, da in eine Reihe zu stellen mit durchaus angesehenen Bundestagspräsidenten. Also so richtig gelungen war diese Rede von diesem Mann nicht.

Sprecher 3: Die beste Reaktion hatte eigentlich Sepp Müller von der CSU parat. Er saß auf seinem Platz in der Fraktion und las demonstrativ das Buch von Hubertus Knabe mit dem Titel Täter sind unter uns. Das ist natürlich eine Provokation, aber angesichts der Rede gar nicht so unpassend.

Sprecher 2: Ja, spannend an diesem ersten Tag, Helene, ist für mich ja auch, wie geht die Union grundsätzlich jetzt mit der Linken? Und man hat gesehen, es gab keinen Applaus von der Unionsfraktion zu Gregor Gysi, obwohl als Alterspräsident normalerweise es ja eben so einen überparteilichen Gestus geben soll. Nur Julia Klöckner hat geklatscht in ihrer neuen Rolle als künftige Bundestagspräsidentin. Aber die Union wird mit den Linken reden müssen. Es wird Debatten um den Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU geben. Man kann mit den Linken ja nicht nicht reden, weil man will ja mit ihnen auch die Schuldenbremse grundsätzlich. Ich reformiere laut Sandierungspapier. Ich bin wirklich gespannt, wie die Linke dann auch im Parlament ihre Rolle aufnimmt. Sie kann ja auch nicht ständig wie die AfD immer nur gegen Schwarz-Rot sein. Sie muss ja eine konstruktive Rolle spielen. Also das war gestern jedenfalls noch nicht zu spüren.

Sprecher 3: Ich würde sagen, es ist noch ziemlich offen, wie und wohin sich die Linkspartei entwickelt, die ja jetzt von vielen jungen Menschen gewählt worden ist. Teilweise spielt ja die Außenpolitik eine Rolle. Aber die Ironie der Geschichte ist, dass wir alle vor zwei, drei Monaten dachten, die Linkspartei ist ein für alle Mal Geschichte und wir haben es mit dem BSW zu tun. Nun hat sich die Lage umgedreht und ich glaube, auch die Linke muss sich erst mal überlegen, ist sie eher auf dem Trip von Bodo Ramelow, also im Grunde schon fast eine sozialkonservative Kraft, aber eben nicht im Sinne von Wagenknecht oder geht sie doch ins Populistische? Also da würde ich auch sagen, kommt es darauf an, wer sind die künftigen Führungsfiguren? Und dann fragt sich die CDU, die ja dachte, dass dieser Unvereinbarkeitsbeschluss eben auch einfach verschwindet, weil sich die Linkspartei auflöst. Dann wird sich die CDU auch darüber beugen müssen. Denn eins ist klar, dass man jetzt einmal eine Zweidrittelmehrheit mit dem alten Bundestag noch zustande gebracht hat, heißt nicht, dass sich diese Frage künftig nicht mehr stellen wird.

Sprecher 2: Only Nixon could go to China, only Friedrich Merz can go to the Linkspartei. Wir werden es sehen. Jedenfalls ist das Parlament jetzt konstituiert, die Regierung aber noch nicht. Helene, die Arbeitsgruppen, sie sind final. Sie werden jetzt in den nächsten Tagen von der Chefgruppe von den 16er Sondierern. Finalisiert. Viel ist nach oben gegangen. Sie können es alles, wirklich nahezu alles im Berlin Table nachlesen. Www.table.media.berlin Schauen Sie sich unser aktuelles Hauptstadtbriefing einfach mal an. Da ist noch ganz schön viel in eckigen Klammern. Helene, müssen wir dazu noch einen Satz verlieren?

Sprecher 3: Ich würde sagen, zu den Posten müssen wir noch einen Satz verleihen. Die Organigramme werden ja schon überall geschrieben und gestrickt. Wilde Spekulationen schießen ins Kraut. Jeder will irgendwas werden. Jeder meldet sich bei den Entscheidern und sagt, übrigens bin ich auch ein ziemlich guter Typ dafür, dafür und dafür. Einer wissen wir, dass er künftig nicht dabei sein wird. Mit dem wir festgerechnet hatten, nämlich Günther Felsner, der bayerische Bauernpräsident, der eigentlich gesetzt war als Landwirtschaftsminister, hat nun seinen Rückzug angekündigt. Die Begründung ist bitter. Es sind die Proteste gegen ihn in den vergangenen Wochen und Monaten, die immer heftiger wurden. Und nun fürchtet er um das Wohl seiner Familie und den seines Hofs.

Sprecher 2: Ja, ein unfassbarer Vorgang, dass dort offenbar Tierschutzaktivisten, Kriminelle müsste man eigentlich sagen, auf den Hof gegangen sind von ihm und seiner Familie. Es ist eben keiner dieser Politikgestellten, der mit den Beschimpfungen klarkommen will. Ich finde es ein ganz dramatisches Zeichen und dass dann als allererstes leider auch bei Social Media dann die Häme über den Mann gegossen wurde nach dem Motto, er habe ja keinen Rückhalt in der Landesgruppe gehabt. Ich finde das dann auch ein bisschen dürftig. Da kann man auch mal eine Sekunde nachdenken, ob man überhaupt noch Experten von außen bekommt, egal ob sie nun Landwirte sind oder Umwelter. Weltaktivisten, die sich für politische Ämter überhaupt noch interessieren.

Sprecher 3: Ja, es ist ganz bitter. Wir sehen, der Ton verschärft sich innerhalb des Parlaments, aber auch außerhalb des Parlaments. Insofern sind die Appelle auch von Jörg Klöckner völlig richtig. Allein, sie werden wohl nicht reichen.

Sprecher 7: You're talking about a deceitful and highly discredited so-called journalist who's made a profession of peddling hoaxes time and time again. Nobody was texting war plans, and that's all I have to say about that.

Sprecher 8: You know, he can say that it wasn't a war plan, but it was a minute-by-minute accounting of what was about to happen.

Sprecher 2: Endlich habe ich auch mal das Magazin The Atlantic wirklich kennengelernt. Jeffrey Goldberg, der bekannteste Chefredakteur der Welt, denn er wurde plötzlich eingeladen in einen ziemlich relevanten Signal-Chat mit amerikanischen Ministern, die mal eben Kriegspläne gegen die Houthi dort kommunizierten und ihn offenbar versehentlich eingeladen hatten.

Sprecher 3: Ja, Donald Trump versuchte das Ganze noch runterzureden, indem er sagte, I'm not a big fan of the Atlantic.

Sprecher 9: They write stories, it's such a disgrace. And there are plenty of others also, but Goldberg's a loser. His magazine's a big loser. What it was, we believe, is somebody that was on the line with permission, somebody that was with Mike Waltz, worked for Mike Waltz at a lower level. had, I guess, Goldberg's number or called through the app. And somehow this guy ended up on the call. But I feel very comfortable, actually.

Sprecher 3: Nach allem Radau, den die Trump-Regierung in den ersten Wochen und Monaten angerichtet hat, der war ja durchaus gewollt, der war provoziert. Sie wollten, dass man sich die einen über sie aufregen, die anderen über sie freuen. Und jetzt hat sie aber ihren ersten echten Skandal. Sicherheitsrelevante Informationen sind an die Öffentlichkeit gelangt, weil all diese wichtigen Personen von Pete Hexeth über den Vizepräsidenten bis zum nationalen Sicherheitsberater sich in einer Signalgruppe ausgetauscht haben und, wie es heißt, nicht das kleine Einmaleins der Geheimdienste beherzigt haben, dass man erstmal guckt, wer ist denn eigentlich noch alles so mit in der Gruppe.

Sprecher 2: Ja, das ist auch interessant. Am Ende redet ein Vizepräsident und ein Verteidigungsminister auch nicht anders als irgendwie die alten Herren beim FV Wahnsinn in der Chatgruppe. Da werden dann irgendwie Fäuste als Emoji verschickt und brennende Symbole, wenn es irgendwie auf eine Attacke geht. Also ich bin schon überrascht, wie banal eigentlich die Kommunikation dieser Herren war. Aber wenn es wirklich relevante Informationen waren, das wird eben jetzt geprüft, dann kann das sogar strafrechtlich relevant sein. Allerdings, wer müsste diese Ermittlungen anstoßen? Der Justizminister, der FBI-Chef oder die Mehrheit im Kongress? Alles ziemlich Trump-hörige Menschen.

Sprecher 3: Die werden es wahrscheinlich da. Nicht machen, wenn sie länger im Amt bleiben wollen. Jedenfalls das muss man befürchten und das lässt nichts Gutes erahnen über die USA als Rechtsstaat. Reden wir nochmal über das, was diese Herren da geschrieben haben. Und da ist doch ziemlich viel Europa-Hass zu spüren, nicht nur zwischen den Zeilen, sondern sehr ausdrücklich. Der Verteidigungsminister Hexeth etwa. Beschreibt die Europäer als Schmarotzer und nennt sie pathetic, also peinlich, jämmerlich, erbärmlich.

Sprecher 2: J.D. Vance, der Vize, aber auch das ist ehrlicherweise nichts Neues, schreibt, ich hasse es, Europa wieder mal aus der Patsche zu helfen. Es geht eben darum, dass die Amerikaner unsere Sicherheit mitfinanzieren, eben unsere Sicherheit auch im Schwarzen Meer oder sonst wo am Horn von Afrika mitfinanzieren müssen. Denn es sind auch unsere Tanker, die da langfahren und unsere globalen Handelsströme, die da gesichert werden. Aber diese Tonlage ist schon erstaunlich. Also das transatlantische Verhältnis ist zumindest rhetorisch wirklich vergiftet.

Sprecher 3: Ja, und interessant ist ja auch, dass man zuweilen dachte, dass die öffentlich solche Töne anstimmen, um uns dazu zu bewegen, wirklich mehr für unsere Sicherheit zu tun. Aber dass sie in Wahrheit vielleicht doch moderater sind, vielleicht doch anders denken. Jetzt wissen wir, auch wenn sie unter sich sind und nicht glauben, dass irgendjemand zuhört, schon gar kein Journalist, dann haben sie für uns eigentlich auch nur Häme übrig und wenig irgendein Glauben an eine Art von Freundschaft oder sagen wir mal zu Min. Das ist gemeinsame Interessen. Das ist schon bitter. Sie meinen es offenbar wirklich ernst mit Ihrer Ablehnung Europas und des transatlantischen Verhältnisses. Der Soli ist wieder mal in Karlsruhe. Schon öfter hat sich das Bundesverfassungsgericht, aber auch der Bundesfinanzhof damit beschäftigt, ob diese Zusatzsteuer, die es seit 1995 gibt, eigentlich verfassungsgemäß ist. 2020, also vor fünf Jahren, haben sechs FDP-Mitglieder Klage gegen den Soli eingereicht, der seit 2021, also ein Jahr später, nur noch für Besserverdienende sowie GmbHs und andere Körperschaften gilt. Heute fällt das Urteil.

Sprecher 2: Ja, und einer der Kläger war damals und ist eben auch heute noch der FDP-Politiker und bisherige parlamentarische Finanzstaatssekretär Florian Tonka. Er saß in Karlsruhe also auf der Seite der Kläger einerseits, aber eben auch auf der Seite des BMF, also des Finanzministeriums, als Beklagter. Und da wollten wir doch nochmal von ihm wissen, warum er eigentlich gegen diesen Rest-Solidaritätszuschlag geklagt hat und wie er sich in dieser ungewöhnlichen Doppelrolle gefühlt hat.

Sprecher 10: Wir argumentieren vor Gericht so, dass wir sagen, spätestens ab 2019, als der Solidarpakt II ausgelaufen ist, ersatzlos ausgelaufen ist, war es so, dass der Solidaritätszuschlag nicht mehr hätte erhoben werden dürfen. Darum geht es im Kern. Wir hatten eine mündliche Verhandlung in Karlsruhe im November. in der die ganzen Argumente des Pro und Contra Soli sehr ausführlich zur Sprache kamen. Ich hatte schon den Eindruck, dass dem Senat, dem Bundesverfassungsgericht auch daran gelegen war, da eine grundsätzliche Entscheidung zuzutreffen, ein Urteil, das dann eben auch über den Soli hinaus Klarheit schafft, über die Möglichkeiten, solche Ergänzungsabgaben einzuführen. Und ich deute mal die Tatsache, dass wir uns so ausführlich auch in einer mündlichen Verhandlung mit der Sache beschäftigen konnten, so, dass auch das Bundesverfassungsgericht zumindest Chancen dafür sieht, dass die Beschwerde erfolgreich sein könnte. Ansonsten kann man viel spekulieren, was entschieden werden wird. Das sollte man am Tag des Urteils selbst nicht tun. Aber ich denke, die mündliche Verhandlung hat schon gezeigt. Dass da auch rechtliche Grenzen für solche Abgaben bestehen. Und deswegen bin ich auch vorsichtig optimistisch.

Sprecher 3: Florian Tonka argumentiert, dass spätestens 2019 der Soli hätte abgeschafft werden müssen, und zwar auch für die höchsten Einkommensgruppen. Interessant ist ja die Geschichte dieser Ergänzungsabgabe, wie es offiziell heißt. 1991 wurde er erstmals eingeführt, aber war auf ein Jahr befristet. Damals ging es um verschiedene Mehrbelastungen, einerseits den Zweiten Golfkrieg, aber auch natürlich die zusätzlichen Aufgaben in den neuen Bundesländern, die man finanzieren müsste. Und 1995 hat man den Soli dann unbefristet gestellt auf Grundlage von Artikel 106 Grundgesetz und hat gesagt, damit soll die deutsche Einheit finanziert werden. Und wohlgemerkt, anders als manche glauben, zahlen nicht nur Westdeutsche den Soli, sondern ganz Deutschland bezahlt den Soli. Und das Geld fließt auch nicht einfach in den Osten, sondern kommt in den allgemeinen Steuertopf. Aber die Frage ist natürlich, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, wie lange soll das eigentlich so weitergehen? So lange, bis wir wirklich in ganz Deutschland blühende Landschaften haben. Deswegen stieg die Kritik am Soli zuletzt immer mehr an. Und die FDP, die ist die härteste Verfechterin der Abschaffung des Soli.

Sprecher 2: Und wenn es jetzt doch zu dem Urteil kommt, dass das Bundesfinanzministerium diesen Menschen zu Unrecht, diesen Soli abgenommen hat, rückblickend, dann gibt das natürlich ein richtig dickes Loch in der Kasse. Bis zu 65 Milliarden Euro könnte das sein, wenn man es rückwirkend macht. Aber davon gehen wirklich kaum Juristen aus. Aber sollte es in der Zukunft wegfallen, also vielleicht ab nächstem Jahr, dann fehlen immerhin 12 Milliarden Euro im Haushalt. Und das ist dann durchaus wieder relevant, denn die Haushaltslöcher, die sind ja auch ohnehin schon da. Also der neue Finanzminister, heißt er Lars Klingbeil oder vielleicht doch Lars Klingbeil, der hat dann einen schwierigen Job bei der Suche nach neuen Einnahmen. Helene, war noch was?

Sprecher 3: Ja, Michael, wir müssen über die Schulen und die Uhrzeiten und das frühe Aufstehen reden. Kaum sind die Kinder nicht mehr so klein, dass sie morgens von selber um 5.30 Uhr aufwachen, hat man das Gefühl, man holt ständig tief schlafende Wesen aus dem Bett, trägt sie in die Küche und muss ihnen erstmal warm Kakao einflößen, bis sie überhaupt die Augen aufkriegen. Und man fragt sich, muss das eigentlich sein?

Sprecher 2: Kakao bei uns strengstens verboten, aber Wecker klingeln um 6.30 Uhr. 7.10 Uhr sind sie an diesem Morgen bereits raus, weil sie müssen um 7.30 Uhr schon in der Schule sein. Und um 7.40 Uhr, really, read my lips, um 7.40 Uhr beginnt der Unterricht. Und das halte ich für eine absolute Menschenunfreundlichkeit, sodass man eigentlich Amnesty International anrufen müsste oder irgendwelche Jugendhilfe-Dezernate. Ich finde es wirklich unmöglich.

Sprecher 3: Ich bin ja auch immer gegen eine Überdramatisierung, Michael. Und Amnesty finde ich jetzt dann doch ein bisschen... Du meinst, das war leicht übertrieben? Ja, leicht übertrieben. Aber da muss man schon auch aufpassen, denn Amnesty ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, Michael. Aber dein Mittler mit deinen Kindern in allen Ehren. Ganz kurz nachgefragt, warum ist bei euch Kakao verboten? Wegen der Zähne, wegen des Zuckers oder was?

Sprecher 2: Zucker, Zähne, alles. Wenn die jetzt auch noch morgens anfangen würden, Kakao zu trinken, wo sie ja nachmittags schon auf jeden Fall, egal wo wir die Süßigkeiten verstecken, sie sie immer wieder finden, dann habe ich echt ein Problem.

Sprecher 3: Ja, okay. Verstehe ich. Bei uns gibt es trotzdem Kakao, aber irgendwie Kinder essen dann morgens auch nichts anderes. Das ist dann wie bei den Möwen. München im Mittelalter eine volle Mahlzeit. Deswegen finde ich es dann doch vertretbar. Aber die Frage ist ja wirklich, muss das sein mit diesem frühen Schulbeginn, der ja das Ziel hatte, die Kinder zu versorgen, wenn die Eltern alle schon auf Schicht sind in ihren Produktionsstätten, wo es meistens schon deutlich früher losgeht, nämlich um sechs. Das ist aber in den allermeisten Fällen nicht mehr die Lebensrealität, sondern alle quälen sich aus dem Bett, weil die Kinder so früh raus müssen.

Sprecher 2: Im Bildungstable, unserem Fachbriefing für die Bildungspolitik und die Bildungsforschung, können Sie an diesem Mittwoch mal nachlesen, was die Wissenschaft eigentlich dazu sagt, wann man idealerweise morgens zur Schule gehen sollte.

Sprecher 3: Man könnte ja auch mal kurz davor träumen, wie schön es wäre, wenn die Kinder einfach sagen würden, Mama, weck mich doch einfach, bevor du gehst.

Sprecher 2: In diesem Sinne, tschüss, bis morgen. Table Today, 6 Uhr.

Sprecher 3: Apropos.