Aufstand in der Türkei
Dauer: 25:16

Aufstand in der Türkei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan geht mit aller Härte gegen seine politischen Gegner und ihre Unterstützer vor. Zehntausende gehen auf die Straße, um gegen diese Politik zu demonstrieren. Und auch Deutschland und die EU verurteilen die Verhaftung von Ekrem İmamoğlu scharf. Wieso handelt Erdoğan ausgerechnet jetzt und was bedeutet das für die Beziehungen der Türkei mit der EU? Darüber spricht Leonard Schulz mit Yaşar Aydin von der Stiftung Wissenschaft und Politik.


Das wohl umstrittenste Gesetz der vergangenen Jahre soll wieder abgeschafft werden. Die Verhandler von Union und SPD in der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur, Bauen und Wohnen haben sich laut Abschlusspapier auf die Abschaffung des Heizungsgesetzes in seiner bisherigen Form geeinigt.


Zu Gast ist außerdem Carlo Lazzarini, CEO der PWO-Gruppe. Lazzarini berichtet über den wirtschaftlichen Erfolg des Automobilzulieferers. Alle Standorte wachsen - nur einer nicht: der in Deutschland. Michael Bröcker spricht mit Lazzarini über Reformen, die mehr als überfällig sind.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Ab heute ist der 21. Deutsche Bundestag offiziell im Amt. Wir nehmen Haltung an. Die FDP ist leider raus. Die Machtverhältnisse verschieben sich. Wir sagen Ihnen mal, was jetzt wirklich wichtig ist und wer da so eigentlich sitzt.

Sprecher 3: Und wir haben aber noch ein anderes Thema. Wir müssen nochmal über die Türkei reden, wo Recep Tayyip Erdogan mit aller Härte gegen seine Gegner vorgeht. Zehntausende sind auf den Straßen. Wir haben diesmal einen Experten dazu geholt. Unser Kollege Leonard Schulz von Berlin Table spricht mit dem Wissenschaftler am Zentrum für angewandte Türkei-Studien, Yaja Aydin.

Sprecher 2: VW, Porsche, Audi, BMW, alle melden drastische Gewinneinbußen. Die Autoindustrie mutiert von der Vorzeigebranche zur Krisenbranche. Die Politik trägt eine Mitschuld. Das sagt bei uns hier im Podcast Carlo Lazzarini, Vorstandsvorsitzender der PWO Group, ein klassischer Autozulieferer und Mittelständler gleich hier.

Sprecher 3: Es ist Dienstag, der 25. März 2025, der erste Tag des 21. Bundestags. Los geht's.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft Extradatenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Heute um 11 Uhr endlich der neue Bundestag. Helene, bist du einigermaßen aufgeregt?

Sprecher 3: Ja, aufgeregt weiß ich nicht. Ich bin froh, dass es jetzt losgeht. Die Wahl liegt ja erst einen Monat zurück. Es kommt mir aber mindestens vor wie ein halbes Jahr. Und der alte Bundestag hatte ja auch noch einiges zu tun. Also jetzt sind die Neuen dran. 630 Abgeordnete an der Zahl, etwas weniger als vorher. Und das trotz aller Kritik und auch berechtigten Kritik an der Wahlrechtsreform finde ich jedenfalls gut. Denn so viel kann man auch schon sagen, bevor der Bundestag seine Arbeit aufnimmt. 630 reicht.

Sprecher 2: Ja, und es sind allerdings neue Machtverhältnisse, an die man sich gewöhnen muss. Friedrich Merz hat gestern dazu aus meiner Sicht etwas Kluges in der Fraktionssitzung gesagt. Die AfD hat sich verdoppelt. Das werde das Klima im Parlament verändern. Diese Sitzordnung, so sagte er, ist schwer zu ertragen. Aber wir müssen ruhig bleiben angesichts der zu erwartenden Provokationen. Ich bin gespannt, wie Julia Klöckner als neue Bundestagspräsidentin, die ja nun nicht gerade auch um einen forschten Spruch verlegen war in der Vergangenheit, diese Ränder, die aggressiven Rechtsaußen, die Polemik im Bundestag einhegen will. Ich bin sehr gespannt.

Sprecher 3: Bisschen Ärger gab es schon, bevor es für Julia Klöckner losgeht, denn sie wollte eigentlich die AfD besuchen, auch einen Antrittsbesuch abstatten, sich offiziell bewerben. Dann ist sie aber doch davon abgerückt, angeblich wegen eines vollen Terminkalenders, aber wohl auch, weil Friedrich Merz die Sache für keine besonders gute Idee hielt.

Sprecher 2: Von der CSU kommt die Innenexpertin Andrea Lindholz als Bundestagsvizepräsidentin ins Amt und von der SPD. Durchaus eine Überraschung. Josefine Ortlepp, 38 Jahre, Mutter, Fachwirtin für Gastronomie. Und wie sie selbst in der Fraktion gestern gesagt hat, sie sei zwischen Töpfen und Pfannen im Restaurant ihrer Eltern aufgewachsen. Also tatsächlich keine klassische SPD-Karriere. Lars Klingbeil meint es offenbar ernst mit dem Generationswechsel und auch eine Überraschung bei den Grünen.

Sprecher 3: Ja, da gab es eine Kampfkandidaturabstimmung am Montag, also gestern in der Fraktionssitzung. Drei bekannte Grüne traten gegeneinander an. Katrin Göring-Eckardt, die amtierende Bundestagsvizepräsidentin, die für sich ins Feld wird, dass sie aus Ostdeutschland kommt. Außerdem Claudia Roth, ein Urgestein der Grünen und Omid Nouripour, ehemaliger Parteivorsitzender. Und Omid Nouripour hat sich tatsächlich durchgesetzt. Er wird jetzt von den Grünen nominiert und damit auch sicherlich die Mehrheit im Haus finden. Ein Mann, erstaunlicherweise, der sich gegen zwei Frauen durchgesetzt hat.

Sprecher 2: Auch Männer dürfen bei den Grünen gewinnen. Das finde ich schon mal positiv. Und es ist ein super Realo, muss man wirklich sagen. Klare Kante, Transatlantiker, klare Unterstützung für die Ukraine, echter Außen- und Sicherheitsexperte. Ich freue mich für ihn, denn sein Abgang an der grünen Spitze war auch nicht ganz verdient, finde ich.

Sprecher 3: Das ist also das Präsidium, das den Auftrag hat, für Ruhe und für Ordnung zu sorgen während der Sitzung. Und so viel ist klar, sie werden einiges zu tun haben.

Sprecher 2: Schauen wir nochmal kurz auf die Daten, die Zahlen zu diesem neuen Bundestag. 630 Sitze hat er nur noch.

Sprecher 3: Das Alter, die MdBs sind im Schnitt 47 Jahre alt, also älter als ich und jünger als Michael.

Sprecher 2: Ich bin ja auch noch 47. Bitte, liebe Helene.

Sprecher 3: Ja, aber so ein paar zerquetschte. Ein paar mehr zerquetschte als der Schnitt der Abgeordneten. Aber sei es drum. Der jüngste Abgeordnete ist Luke Hoss, ein Linker, 23 Jahre alt.

Sprecher 2: Und der Älteste, auf den man durchaus hätte verzichten können aus meiner Sicht, ist Alexander Gauland, der Ehrenvorsitzende der AfD mit 84 Jahren.

Sprecher 3: Schauen wir auf die Berufsgruppen, da sind die Juristen wieder ganz an der Spitze. Übrigens finde ich ja selbst als Juristin, dass Juristen nicht immer nur segensreich wirken, wenn es um Lösungen geht. Sie sind eher gut dafür da, Probleme aufzuzeigen. Hoffen wir mal, dass die Juristen im Bundestag auch an der Lösungssuche interessiert sind. Im Bereich Jura und Verwaltung sind es 459, also wirklich die ganz große Mehrheit unter den 630 Parlamentariern.

Sprecher 2: Immerhin 45 kommen aus dem Bereich Gesundheit, Soziales, Erziehung. Also da sind ein paar Lehrer, ein paar Krankenschwestern dabei. Aber was ganz fehlt, sind natürlich Produktionsjobs, Handwerksberufe, selbstständige Unternehmer. Nur 20 werden im weitesten Sinne der Gewerbeproduktion zugeordnet. Also das ist natürlich, das repräsentiert nicht wirklich das Volk.

Sprecher 3: Ja, es ist zum Beispiel wichtig zu verstehen, wie ein Landwirt arbeitet, was für den die Streichung der Dieselsubvention bedeutet, bevor man so eine Entscheidung trifft. Das ist dann eben für viele Abgeordnete doch sehr, sehr weit weg, diese Lebensrealität.

Sprecher 2: Das ist also der neue Bundestag. Aber wer regiert dieses Land? Natürlich die noch werdende große Koalition. Wir haben gestern schon sehr breit die Arbeitsgruppen analysiert. Aber vielleicht können wir doch noch eine kleine Geschichte aus den... Arbeitsgruppen erzählen, die ja jetzt immerhin alle ihre Papiere der jeweiligen Steuerungsgruppe abgegeben haben.

Sprecher 3: Eine Überraschung kommt aus der AG Verkehr, Infrastruktur, Bauen und Wohnen. Das Heizungsgesetz soll weg, jedenfalls durch ein neues Gesetz ersetzt werden. Das hatte die CDU im Wahlkampf ja mehrfach gefordert bzw. Versprochen. Die Frage ist, Michael, ist das mehr als eine Auswechslung des Namens?

Sprecher 2: Es ist jedenfalls erstmal ein Lehrstück für politische Taktik, denn die Union wollte diese Heizungswende unbedingt. Sie konnten nicht schon wieder ein Versprechen kassieren nach wenigen Wochen. Und deswegen ist der Satz jetzt drin und uns liegt das Abschlusspapier dieser AG vor. Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen. Wir werden ein neues Recht schaffen, das einen Paradigmenwechsel weg von einer kurzfristigen Energieeffizienzbetrachtung beim Einzelgebäude hin zu einer langfristigen Betrachtung der Emissionseffizienz vollzieht. Das klingt kompliziert, aber in Wahrheit heißt es nur, die Union bekommt ihre Trophäe. Das Heizungsgesetz à la Robert Habeck soll so nicht mehr gelten. Dafür muss es aber ein neues Gesetz geben, denn die Heizungsförderung, und das steht auch im Papier, sie wird natürlich fortgesetzt. Denn die Gebäudeenergieproblematik, die ist offensichtlich. Da wird einfach zu viel CO2 ausgestoßen. Wir müssen die Häuser und Wohnungen sanieren. Und es gibt europäische Vorgaben. Die sollen jetzt durch ein neues Gesetz erfüllt werden. Da kann man schon mal ahnen, viel Technologieoffenheit wird drinstehen. Aber am Ende wird die Wärmepumpe wahrscheinlich bleiben.

Sprecher 3: Aber Michael, was hat die SPD denn dafür bekommen, dass sie dieses Gesetz, das sie ja immerhin damals... mit verabschiedet hat. Clara Geiwitz ist der Name der Ministerin, die immer so ein bisschen unter den Tisch fiel. Das Ganze ging mit Robert Habeck nach Hause, aber in Wahrheit war das ein grün-rotes Projekt. Was sagt die SPD dazu?

Sprecher 2: Ja, die hat munter mitgemacht, weil eine zentrale Juso-Forderung und Philipp Thürmer, der Juso-Chef, sitzt mit in dieser AG, erfüllt wurde. Er bekommt seine WG-Prämie, seine WG-Garantie. Er hatte immer schon moniert, dass für Studierende im Land, und das stimmt ja auch gerade in urbanen Zentren, die Kosten viel zu hoch sind für Wohnen. Jetzt soll das Programm Junges Wohnen, also das ist ein gesondertes Förderprogramm für den sozialen Wohnungsbau, verdoppelt werden, von 500 Millionen Euro verdoppelt, zumindest perspektivisch. So konnte er seine Forderung, die in seiner Klientel sehr wichtig ist, umsetzen. Dafür hat die SPD an anderer Stelle zugestimmt. Und die AG Energie Klima, die gibt es ja auch noch mit Olaf Lies, aber auch mit dem CDU-Vize Andi Jung. Sie hat diese Formulierung der AG Infrastruktur zum Heizungsgesetz übernommen, weil man sich ja geeint hat, wollten sie dort nicht widersprechen. Und damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch die Chefs sagen, wenn die AG sich geeint hat, sind wir auch zufrieden. Damit ist das Heizungsgesetz von Robert Habeck in dieser Form zumindest Geschichte.

Sprecher 3: Zahlreiche eckige Klammern sind in den Papieren enthalten, die jetzt an die Gruppe der 16 Chefinnen und Chefs hochgegeben wurden und dort beraten werden müssen. Was ich gehört habe und was mich etwas betroffen macht, ist, dass die Stimmung nicht besonders gut sein soll. Also man wirft sich gegenseitig vor, Dinge dann doch durch. zu haben, nicht besonders konstruktiv zu sein. Und ich dachte, was meine Gespräche mit Verhandlern, Unterhändlern ergeben haben, war so eine richtige Lust am Regieren, am gemeinsamen Regieren gibt es nicht. Unionsleute lästerten über die SPD, Sozialdemokraten lästerten über die Union. Ich habe dann wiederum gedacht, man muss es positiv sehen, dieser Anfangszauber der Ampel, wo alle sich so freuten und diese Selfie-Zeit herrschte, hat irgendwie am Ende auch nichts gebracht. Deswegen ist vielleicht eine schlechte Stimmung umgekehrt nicht das Schlechteste, um dann ins Doing zu kommen. Aber trotzdem, das macht jetzt auch, wenn man das hört, keine besonders gute Laune.

Sprecher 2: In der Türkei wehren sich die Demonstranten weiter gegen die diktatorischen Maßnahmen von ihrem Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Zehntausende sind trotz Verbot wieder auf den Straßen gewesen. Mehr als tausend Demonstranten wurden verhaftet. Was ist da wirklich los? Leonard Schulz, unser Kollege vom Berlin Table, der selbst in der Türkei gelebt hat, wollte es genauer wissen und hat mal bei Yasha Aydin nachgefragt, dem Wissenschaftler am Zentrum für angewandte Türkei-Studien der Stiftung Wissenschaft und Politik. Hören wir mal rein.

Sprecher 5: Herr Aydin, können Sie uns mal ein bisschen aufklären, warum macht Erdogan das denn gerade zu diesem Zeitpunkt, dass er seinen größten Konkurrenten aus dem Spiel zieht?

Sprecher 6: Das hat innen- und außenpolitische Gründe. Erdogan denkt, dass die Türkei außenpolitisch in einer günstigen Position befindet. Nach dem Motto, die Europäer und die USA haben einen Zwist. Die EU braucht mich gegen Russland als Abschreckung, weil die Türkei eine starke Armee und eine kräftige Rüstungsindustrie hat. Aus Europa kann keine Kritik kommen, die können mir nicht in die Quere kommen. Innenpolitisch, er verhandelt seit ein paar Wochen, Monaten mit den Kurden. Wahrscheinlich hat er gedacht, wenn ich jetzt gegen die CHP vorgehe, dann wird kein Widerstand von seitens der Kurden kommen. Möglicherweise hat er sich auch verkalkuliert, denn unter den Protestierenden gibt es auch Kurden und auch die pro-kurdische Däm-Partei hat sich mit Imamoglu solidarisiert. Es ist durchaus möglich, dass... Also an sich hier verkalkuliert hat.

Sprecher 5: Glauben Sie denn, dass diesmal auch Leute aus dem AKP-Lager vielleicht dann ihrem Erdogan nicht mehr folgen und sagen, das ging uns zu weit? Glauben Sie, da hat es jetzt einen Stimmungswechsel gegeben?

Sprecher 6: Wir beobachten partiell Menschen, die frustriert sind über die Wirtschaftspolitik Erdogans, über den repressiven Kurs Erdogans. Darunter sind sehr viele Konservative, das wissen wir. Imamoglu war ja auch in der Lage, konservative Menschen anzusprechen, Kurden anzusprechen, Aleviten, säkulare, religiöse Menschen anzusprechen. Deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass auch viele Akapele mit dem autoritären Kurs von Erdogan nicht einverstanden sind.

Sprecher 5: Und auf der Straße der Protest, zumindest in Istanbul, ist ja ziemlich groß. Das sind jetzt eher Studenten, wie ich mitbekommen habe, die dort sind. Glauben Sie denn, dass jetzt gerade wieder so ein Momentum entsteht, wie damals bei den Gezi-Protesten? Oder wie müssen wir uns die nächsten Wochen in der Türkei vorstellen, Herr Eiding?

Sprecher 6: Ich vermute, dass die Straßenproteste sich weiter fortsetzen werden. In welchem Ausmaß, das bleibt abzuwarten. Anders als... GZ-Park-Bewegung ist hier die Speerspitze Studierende, aber auch andere Menschen nehmen an Massenprotesten teil. Es sind nicht mehr nur Studierende. Es kommen auch Bilder aus Provinzen, wo protestiert wird, Provinzen, die man als Hochburg von AKP bezeichnen könnte. Das ist das Interessante. Es gibt auch Repressionen in Richtung Kurden, weil trotz der Verhandlungen mit der Regierung sind die Kurden sehr skeptisch gegenüber der Regierung, weil auch in Vergangenheit, noch vor ein paar Monaten auch, kurdische Bürgermeister des Amtes enthoben wurden. Kurdisch regierte Gemeinden wurden an Treuhänder übergeben. Also das sind jetzt, wenn man so will, Leitgenossen und deswegen solidarisieren sie auch mit der CHP und mit Imamoglu.

Sprecher 5: Sehr interessant. Und was glauben Sie, wie muss jetzt eine europäische, wie muss eine deutsche Antwort aussehen? Zum Beispiel hat ja der Bürgermeister Berlins, Kai Wegner, geplant, in wenigen Wochen hinzufahren. Was meinen Sie, sollte er fahren oder sollte er besser nicht fahren?

Sprecher 6: Das muss er selber entscheiden. Aber er muss, wenn er daran interessiert ist, dass die Türkei nicht vollends in eine Autokratie abgleitet, da muss man einen starken Signal in Richtung Anker senden. Man muss den... Entscheidungsträgern und auch dem türkischen Staatspräsidenten die Botschaft übermitteln, wenn ihr mit der Europäischen Union, mit einzelnen europäischen Staaten konstruktiv zusammenarbeiten wollt, dann müsst ihr die Demokratie respektieren. Hier kommt es auf Diplomatie an. Das ist sehr wichtig. Keine Megafon-Diplomatie, das führt zu nichts. Das führt dazu, dass man Schlagabtausch macht. Das wäre es dann auch. Da hätte auch Europa, die Europäische Union, ein paar Hebel in der Hand, nämlich die Modernisierung der Zollunion, Rüstungsprojekte, Integration der Türkei in die europäische Sicherheitsarchitektur. Da hat die Türkei ein großes Interesse. Man kann diese Karten auf den Tisch legen und ein konstruktives Gespräch führen. Allerdings auf Augenhöhe, die wäre sich wichtig.

Sprecher 5: Vielen Dank, Herr Aydin, für Ihre Einschätzung. Wir schauen weiter gespannt in die Türkei und wie sich die Lage da entwickelt. Und ich danke Ihnen herzlich für Ihre Einschätzung.

Sprecher 6: Sehr gerne.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an. Meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.

Sprecher 2: Der Verband der deutschen Automobilindustrie erlädt an diesem Dienstag zum Mobility Innovation Summit. Und das ist wohl auch notwendig, denn die Autoindustrie, sie kriselt. Keine wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen mehr, zu wenig Innovation, kaum Erfolge bei den E-Autos, Gewinneinbrüche von 30 Prozent. Das waren die Schlagzeilen der vergangenen Wochen und Monaten. Und das gilt ja nicht nur für die Autohersteller selbst, sondern natürlich auch für die Autozulieferindustrie, in der hunderttausende Menschen in Deutschland arbeiten. Carlo Lazzarini ist einer dieser Manager dieser Unternehmen, die man kaum kennt, die aber ziemlich wichtig sind in diesem Land. Er ist Vorstandsvorsitzender der PWO-Gruppe, einem mittelständischen Autozulieferer, dessen Teile und Komponenten in fast jedem Auto stecken. Einen schönen guten Tag, Herr Lazzarini.

Sprecher 7: Schönen guten Tag, Herr Bröcker.

Sprecher 2: Schön, dass wir mal einen Automobilzulieferer hier zu Besuch haben, den man noch nicht so kennt. Klären Sie mal unsere Zuhörer erstmal auf, was macht die PWO-Gruppe genau?

Sprecher 7: Die PWO-Gruppe ist ein mittelständischer Automobilzulieferer. Wir beschäftigen ca. 3.500 Mitarbeiter weltweit an 10 Entwicklungs- und Produktionsstandorten. Wir sind ein gut wachsendes Unternehmen. Vor 5 Jahren lagen wir bei 370 Millionen Euro Umsatz. Jetzt geht es Richtung... 600 Millionen, trotz stagnierender Branche. Und sind typisch deutscher Mittelstand. Wir sind zur Börse notiert. Es gibt uns aber seit über 100 Jahren. Wir haben eine Familie als Hauptaktionär. Und wir sind so aufgestellt, dass wir nicht ans nächste Quartal denken, sondern langfristig das Richtige tun für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für das Unternehmen und für die Zukunft der Mobilitätsindustrie.

Sprecher 2: Das heißt, Sie sind dieses berühmte Rückgrat, von dem die Politiker immer reden.

Sprecher 7: So würden wir uns sehen, ja.

Sprecher 2: Wie geht es denn diesem industriellen Mittelstand in der Automobilbranche? Ist die Krise bei Ihnen auch so dramatisch, wie sie von Ihren teilweise Funktionären hier in Berlin dann erzählt wird? Oder hat diese Transformation auch eine große Chance?

Sprecher 7: Viele reden über eine Krise der Automobilindustrie. Ich glaube, wir haben eine Krise der Industrie in Deutschland, weil die Rahmenbedingungen für die Industrie in Deutschland einfach nicht mehr passen. Es gibt eine... Stark voranschreitende Deindustrialisierung in Deutschland. Und ja, das macht mir Sorgen. Das macht mir auch als Vertreter des deutschen Mittelstandes, als den ich heute hier sitze, das macht mir Sorgen.

Sprecher 2: Dann sagen Sie mal ganz konkret bei Ihrem Geschäft. Wo wachsen Sie? Wo schrumpfen Sie? Müssen Sie auch Personal anpassen? Wenn ja, warum?

Sprecher 7: Wir haben zehn Standorte weltweit. An neun Standorten wachsen wir. Teilweise wirklich auch stark. So stark, dass es schwierig ist, ausreichend Mitarbeiter zu finden. Wir bauen zusätzliche Hallen, wir investieren. Es gibt einen Standort, wo wir... Wir nicht wachsen.

Sprecher 2: Lassen Sie mich raten, Deutschland.

Sprecher 7: Genau, das ist das Werk in Deutschland.

Sprecher 2: Warum? Was produzieren Sie da genau und was macht Ihnen dort Sorge?

Sprecher 7: Wir produzieren eigentlich weltweit mehr oder weniger die gleichen Teile, haben die gleichen Kompetenzen auch weltweit. Im Endeffekt der Grund, weshalb wir in Deutschland nicht mehr wachsen, ist die Deindustrialisierung. Unsere Kunden verlassen Deutschland. Unsere Kunden, das sind die großen Autobauer, das sind aber auch die großen Zulieferer. Wenn die Deindustrialisierung voranschreitet, wenn weniger Kunden da sind, dann wächst man auch nicht.

Sprecher 2: Also wenn Sie nur in Deutschland wären, würden Sie gerade in die Miesen gehen?

Sprecher 7: Das ist so, das kann man so haben. Unser deutsches Werk hängt schon am Tropf der ausländischen Werke.

Sprecher 2: Was ist das, was Ihnen am meisten Schmerzen bereitet? Ist das Bürokratie? Ist das Fachkräftemangel? Ist es eine tatsächliche Steuer- und Abgabenbelastung?

Sprecher 7: Das ist nicht ein einziges Thema. Ich fange mal an. Energiepreise. Die Industrie folgt den niedrigen Energiepreisen, was wir benötigen. In Deutschland sind wettbewerbsfähige Energiepreise und stabile Energiepreise, wie das für eine Industrienation sich gehört. Dann brauchen wir eine Infrastrukturoffensive in Deutschland.

Sprecher 2: Spüren Sie das ganz konkret in Ihrer Firma, dass die Infrastruktur Sie bremst, Sie hemmt?

Sprecher 7: Es ist ein Investitionshindernis, auch wenn man investieren möchte.

Sprecher 2: Also Sie sagen, die neue Halle, die Anbindung in Deutschland, sehen Sie mit Risiko, weil man nicht weiß, ob die Straße kommt?

Sprecher 7: Ja, das ist ein Thema. Das hat eine Rolle zu spielen. generell für Deutschland als Investitionsland. Das hat damit zu tun. Aber investieren kann man auch nur, wenn man vorher die Bürokratie reduziert.

Sprecher 2: Wenn Sie so viele Standorte in Europa haben, und können Sie mal ein Beispiel nennen, wie lange etwas dauert in einem osteuropäischen Standort im Vergleich zu Deutschland? Können Sie es konkret machen, was Sie kritisieren?

Sprecher 7: Wir eröffnen jetzt ein neues Werk in Serbien und wir haben für die Genehmigung, für die Baugenehmigung ganze zwei Wochen gebraucht.

Sprecher 2: Und in Deutschland wären das?

Sprecher 7: Wage ich nicht zu sagen, aber ich denke, das wäre mindestens ein Jahr gewesen, wenn nicht noch länger.

Sprecher 2: Und das sind dann für Sie auch Entscheidungen, die Sie natürlich aufgrund Ihrer Eigentumsstruktur für das Unternehmen treffen müssen, die dann gegen Deutschland ausgehen?

Sprecher 7: Wir folgen unseren Kunden. Unsere Kunden sind nach Osteuropa, teilweise auch außerhalb der europäischen Grenzen gezogen. Unsere Kunden haben uns gebeten mitzugehen und das haben wir getan.

Sprecher 2: Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung, von einem Kanzler Friedrich Merz, der der Wirtschaft durchaus zugetan ist?

Sprecher 7: Mal anders gesagt, die neue Bundesregierung hat die größte Herausforderung ever. Aller Bundesregierungen würde ich es einfach mal so behaupten. Wir haben Corona, Lehmann, das war ja nichts gegen die Themen, die wir jetzt haben. Wir müssen das Militär wieder wehrfähig machen. Zeitgleich haben wir eine Wirtschaft, die mit dem Rücken zur Wand steht. Jeden Tag gehen Arbeitsplätze verloren, die Unternehmen verlassen das Land. Das alles in einem geopolitischen Kontext, der auch immer schwieriger wird. Deutschland muss die Lokomotive, der Wirtschaftsmotor Europa sein. Das kann die neue Bundesregierung, damit auch Europa. wieder ein eigener Pol in einer multipolaren Weltordnung wird.

Sprecher 2: Ich hatte diese Woche mit Finanzinvestoren und Bankern zu tun, die sagen, das, was Merz und die SPD beschlossen hat, ist genau das richtige Signal. Ganz viel Geld, ganz klare Zeichen setzen, wir wollen diesen Standort modernisieren. Sehen Sie das genauso oder hat Ihnen dieser Schuldenplan, der als erstes stand, auch Sorge bereitet?

Sprecher 7: Ich glaube, es wird nicht ohne Schulden gehen. Dass Deutschland eine Schuldenreform braucht, ist, würde ich jetzt mal sagen, nun bestritten. Das kann was werden und wir sollten der neuen Bundesregierung jetzt die Chance geben, da auch was Gutes draus zu machen. Sie haben recht, ich mache mir auch Sorgen. Also da gibt es ja schon... Zeichen oder Anzeichen, dass der Reformwille um neue Strukturen, um auch mal Cost-Cutting zu machen in Deutschland, dass der nicht ganz so ausgeprägt sein mag.

Sprecher 2: Aber wo würden Sie rangehen? Wo gibt es Stellschrauben, wo Sie sagen, da muss der Staat auch schmerzhafte Reformen machen, die sind jetzt notwendig?

Sprecher 7: Wir müssen ja weg von der Verteilung von Wohlstand oder Reichtum hin zur Erzeugung von Reichtum. Und das ist das Relevante. Die Staatseffizienz, die muss sich unbedingt erhöhen. Ich meine, wir haben einen wahnsinnig fetten Staat. Da könnte man mit, ich will mal sagen, jedes Jahr 3% Effizienz durch Digitalisierung, so machen wir das im Privaten auch, 3% durch Bürokratieabbau. Dann hat man nach vier Jahren, nach einer Legislaturperiode, hat man 25% eingespart. Übrigens, die Leute, die frei werden, die nehmen wir schon. Alle auf in der Privatwirtschaft, keine Angst. Denn wenn es uns wieder besser geht, dann brauchen wir wieder Leute auch.

Sprecher 2: Sie wollen entlassene Bundesbeamte bei Ihnen einstellen? Da bin ich aber gespannt, wie Sie das hinkriegen.

Sprecher 7: Ja, ja, ja, das wird schon was werden.

Sprecher 2: Sagen Sie mir noch diese eine Maßnahme, wie man dauerhaft die Energiepreise runterkriegt?

Sprecher 7: Das müsste ich der neuen Bundesregierung überlassen, da bin ich kein Fachmann drin.

Sprecher 2: Also den Industriestrompreis generell als Subvention für die Industrie, das fordern Sie nicht, sondern Sie fordern einfach nur, dass man da rangeht?

Sprecher 7: Subvention ist nie mein erster Schrei. Ich weiß, dass es da Verbände gibt, die sehen das anders. Ich bin der Meinung, wir müssen das Problem nachhaltig lösen und marktwirtschaftlich lösen. Und wenn dann selektiv an manchen Stellen nochmal mit einer zeitweisen Subvention nachjustiert werden müsste, kann man das machen. Andere Länder machen es vor. Andere Industrienationen machen es vor.

Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Lazzarini.

Sprecher 7: Dankeschön.

Sprecher 3: Mick, war noch was?

Sprecher 2: Berlin, liebe Helene, hatte für kurze Zeit ein paar ganz neue Sehenswürdigkeiten, zumindest wenn es nach Google Maps geht. Golf von Tegel, der Golf von Steglitz-Zehlendorf und solche wunderbaren Sachen.

Sprecher 3: Weil es die Trumpisierung der Politik auch in Berlin eingezogen ist?

Sprecher 2: Aber Trump hat mal eben gezeigt, dass er sogar in der Lage ist, Google Maps zu verändern. Der Golf von Mexiko heißt jetzt Golf von Amerika. Google fügt sich sofort der neuen Verordnung von Donald Trump. Und da haben sich ein paar Berliner gedacht, dann machen wir uns doch auch einen Golf von. Zum Beispiel ein Golf von Nikolaussee, das wäre doch auch schön. Hier bei mir direkt. Vor der Haustür, finde ich, ist dieser kleine Tümpel, in dem man nicht mehr schwimmen kann, der eigentlich nur noch stinkt, aber offenbar irgendwie wichtig sein soll für Flora und Fauna. Den nennen wir jetzt einfach mal Golf von Nikolassi.

Sprecher 3: Aber mittlerweile hat Google das gelöscht und diesen kleinen Spaß beendet. Man kann wohl auch künftig keine neuen Golfs mehr reinstellen. Und das ist ganz gut, gerade für Leute, die nicht mit keinem ausgeprägten Orientierungssinn, dass man nicht noch mehr verwirrt wird.

Sprecher 2: Ja, der Golf von Nikolaussee, den gibt es leider auch nicht. Das Haus am See, das bleibt aber. Bis morgen Mittwoch, 6 Uhr, Table Today.

Sprecher 3: Tschüss.

Sprecher 8: Und am Ende der Straße steht ein Haus am See. Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg. Ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön. Alle kommen vorbei, ich brauch nicht rauszugehen.

Sprecher 9: Hier bin ich geboren, hier werd ich begraben. Hab taube Ohren, weißen Bart und sitz im Garten. Meine hundert Enkel spielen Cricket auf dem Rasen. Wenn ich so daran denke, kann ich's eigentlich kaum erwarten.

Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.