Günstiger Strom garantiert Wohlstand
Dauer: 31:06

Günstiger Strom garantiert Wohlstand



Wacker-Chemie-CEO Christian Hartel fordert im Gespräch mit Michael Bröcker einen bezahlbaren Strompreis für die Industrie. Ein niedriger Energiepreis sei keine Subvention, sondern „ein Synonym für Wohlstand“. 


Die aktuelle Hochpreisphase müsse als Übergang verstanden werden: „Wir brauchen eine Brücke – von fünf bis zehn Jahren.“ Nur mit politischem Willen lasse sich der Wandel gestalten. „Ich bin zutiefst überzeugt: Das ist ein Business Case für dieses Land. Wir haben ja gar keine Alternative.“

Deutschland befinde sich bereits in einer Phase der Deindustrialisierung – doch: „Wir können den Hebel noch umlegen.“


Für Hartel ist die Energiekostenfrage von zentraler wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung. „Bezahlbare, gute, wettbewerbsfähige Energiepreise sind der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg“, sagt er. Statt kleinteiliger Regulierung brauche es klare Rahmenbedingungen und langfristige Planbarkeit.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today Spezial. Die Transformationsagenda. In Kooperation mit der Stiftung Klimawirtschaft.

Sprecher 2: Herzlich willkommen zu einem Table Today Spezial Transformationsagenda. Zusammen mit der Stiftung Klimawirtschaft schauen wir in dieser Podcast-Serie auf Unternehmen, die es besonders schwer haben oder es besonders gut machen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Heute ist ein CEO bei uns zu Gast, dessen Unternehmen seit mehr als 110 Jahren ganz Besonderes leistet. Es ist Wacker Chemie. Der Konzern Umsatz 2024 betrug rund 6 Milliarden Euro. Fast 17.000 Angestellte in 27 Produktionsstandorten weltweit arbeiten für das Traditionsunternehmen aus Bayern, das fast jeden zweiten Computerchip der Welt mit Silizium aus der eigenen Produktion beliefert. Wacker Chemie ist außerdem der letzte Hersteller in Europa von Polysilizium. Sonst wird das nur noch in China produziert, was dringend notwendig ist für Solarzellen und Computerchips. Also ein wahrhaft systemrelevantes Unternehmen, ein traditionelles Unternehmen aus Deutschland und ein spannender CEO, nämlich Christian Hartl, der nicht nur Chemiker ist, sondern auch Unternehmensberater war und daher beide Welten kennt und uns heute mal erklären soll, wie er sein Unternehmen klimaneutral hinbekommt, aber wie das auch geht mit der Resilienz Europas bei der Chip-Produktion. Und woher man eigentlich das Silizium bekommt. Einen schönen guten Tag, Herr Hartl.

Sprecher 3: Ja, guten Tag.

Sprecher 2: Erklären Sie uns mal auf, was Sie eigentlich genau machen. Polysilizium ist das Stichwort, das Hauptprodukt und es ist sehr selten und sehr gefragt und man braucht es für Solarzellen und Computerchips. Was ist es genau?

Sprecher 3: Das ist hochreines Silizium, also das Element Silizium in der reinsten Form, die es gibt. Und wir sagen auch gern, das ist der reinste Stoff der Welt. Den wir herstellen, den gibt es so nicht in der Natur. Aber Silizium gibt es ganz häufig in der Natur, und zwar in Form von Sand oder Kieselsteinen. Und daraus kann man Silizium machen. Und aus dem Silizium machen wir dann hochreines Silizium und das nennt man Polysilizium.

Sprecher 2: Warum muss das Silizium hochrein sein, um als Grundlage für Computer weltweit zu fungieren?

Sprecher 3: Ja, die Computertechnologie beruht ja darauf, dass ich ein Halbleitermaterial habe, wo ich diese Chipstruktur mit Licht und anderen Hilfsmitteln reinbaue. Und ich nutze diese Halbleitereigenschaft aus des Materials. Die werden immer kleiner. Also das wird wirklich auf einer mikroskopischen Ebene klein. Und da darf kein Fremdatom drin sein, weil das würde dann tatsächlich einen Kurzschluss im Chip hervorrufen. Und deswegen geht der Trend, gerade moderne Chips, AI-Chips, zu immer dünneren Linien, zu immer kompakteren Strukturen. Und da muss die Reinhalt halt immer höher sein.

Sprecher 2: Also Sie bringen eigentlich den Rohstoff für die Digitalisierung. ... Welt auf den Markt.

Sprecher 3: Richtig. Und wir haben da auch eine schöne Position uns aufgebaut in den letzten Jahren. Wir haben 50 Prozent Marktanteil weltweit. Mit einem gewissen Stolz sagen wir auch, jeder zweite Computerchip auf diesem Planeten ist mit Polysilizium von Wacker gemacht.

Sprecher 2: Und Ihr Kunde ist dann zum Beispiel der taiwanesische Marktführer TSMC?

Sprecher 3: Der ist nicht direkt unser Kunde. Es gibt noch eine... Produktionsschritt dazwischen. Unser Polysilizium wird dann gekauft von Firmen wie Densiltronic und Global Wafers oder Nashi Netzu in Japan. Die nehmen das, schmelzen das nochmal auf, ziehen daraus einen großen Kristall und schneiden Scheiben draus. Und diese Scheiben auch hochrein, hochpoliert, wunderbar anzugucken, die gehen dann an TSMC oder Intel und die machen auf dem Material dann den Chip.

Sprecher 2: Also eigentlich der Inbegriff auch des deutschen Chemiestandorts ist Wacker Chemie, hoch innovativ, Weltmarktführer in Teilbereichen und jetzt liest man... Zugleich in den letzten Wochen und Monaten verstärkt immer wieder Studien, die die Chemieindustrie eigentlich langfristig in Deutschland nicht mehr als haltbar erweisen. Ist das Panikmache oder geht es da wirklich um die Existenz Ihrer Branche?

Sprecher 3: Na, das ist schon mehr als nur Panikmache. Die Chemieindustrie insgesamt ist einfach energieintensiv. Und das ist, kann man sagen, ganz intrinsisch bedingt. Weil was macht die Chemie? In der Chemie, was wir machen, ist, wir nehmen Moleküle, schrauben die auseinander und schrauben sie wieder anders zusammen. kann man unendlich viele Stoffe auch erzeugen. Und in der Gleichung brauche ich aber Energie. Also die Energie, die in einer Bindung drin ist, und wenn ich die auflöse, muss ich sie reinstecken. Und deswegen ist Chemie energieintensiv.

Sprecher 2: Und alleine Ihr Unternehmen verbraucht etwa ein Prozent des deutschen Stroms, wenn ich die richtige Info habe.

Sprecher 3: Richtig, genau. Deswegen ist die Verfügbarkeit von bezahlbarer Energie so essentiell wichtig für die chemische Industrie. Und da hat sich in den letzten Jahren Verwerfungen am Markt, Preise sind deutlich gestiegen und das geht natürlich zulasten der Wettbewerbsfähigkeit.

Sprecher 2: Wir reden gleich mal über die Preise, aber einen Schritt noch zurück. Ihr Geschäftsmodell ist ja dann hochgradig abhängig von internationalen Handel, Handelspolitik. Und jetzt erleben wir einen Donald Trump, wir haben einen chinesischen Staatschef, der sehr rigoros eigene Interessen auf der Weltbühne vertritt. Können Sie überhaupt Ihr Geschäft planen?

Sprecher 3: Das Thema der Handelsbeschränkung ist natürlich ein kompliziertes. Und die chemische Industrie, gerade auch die deutsche, ist traditionell sehr stark exportorientiert. Ich meine, viele Wurzeln von großen Chemieunternehmen sind in Deutschland. Deutschland war auch mal die Apotheke der Welt genannt. Deswegen war der Export immer ganz, ganz wichtig. In den letzten Jahren hat sich das deutlich verkompliziert, möchte ich mal sagen. Wir haben darauf reagiert, dass wir schon vor mehreren Jahrzehnten eigentlich angefangen haben, in den Regionen für die Regionen zu produzieren, um somit auch so eine gewisse Unabhängigkeit zu haben. Und das hilft uns jetzt eigentlich in der Struktur. Wir produzieren in China für den chinesischen Markt. Wir produzieren in den USA für den amerikanischen Markt und wir produzieren in Europa für Europa und exportieren aber auch.

Sprecher 2: Das heißt, von den neuen Barrieren eines Donald Trump in Richtung Europa wären Sie weniger betroffen, weil Sie in den USA ohnehin Ihr Geschäft machen?

Sprecher 3: Genau, also wir sind sicherlich schon betroffen dann indirekt, weil ich sage mal, je nachdem, wie sich diese Ströme verschieben, jetzt das Beispiel, wenn Importe aus China schwieriger nach USA kommen können oder mit höheren Zollen belegt werden, ja, dann werden diese Mengen wahrscheinlich in andere Märkte gehen, sprich nach Europa. Und dadurch jetzt einen negativen Einfluss auf den europäischen Markt. Und insofern finde ich das sehr, sehr schwer abzuschätzen, was passiert bei diesen Zollbeschränkungen. Ich bin mir aber sicher, dass es unterm Strich nicht positiv ist für die Welt.

Sprecher 2: Die normale Reaktion eines Unternehmers wäre, man konzentriert sich wieder auf heimische Märkte. Diese Woche habe ich Christian Seewing gehört, den Chef der Deutschen Bank, der gesagt hat, unsere Investitionen, unsere großen Unternehmen, auch die Gewinne finden zusehends im Ausland statt. Auch bei Ihnen?

Sprecher 3: Naja, wir sind ein global agierendes Unternehmen.

Sprecher 2: Aber wo machen Sie mehr Rendite? Wo lohnt sich das Investitionsvolumen mehr als in anderen Standorten? Das ist ja das Entscheidende.

Sprecher 3: Ich glaube, die Welt ist nicht schwarz-weiß und deswegen gibt es da keine pauschale Antwort. Wir gehen in die Märkte, wo wir Wachstumspotenziale sehen. Das ist unser Credo. Und das ist nicht politisch getrieben, sondern das ist getrieben von, wo sind unsere Kunden und wo brauchen die neue Produkte. Deswegen sind wir global aufgestellt. Deutschland ist heute nur noch knapp 15 Prozent. Unseres Konzernumsatzes Europa etwa 40 Prozent. Und die Gewinne? Das kann man jetzt nicht so eins zu eins einer Region zuordnen. Verteilt sich nach Produktgruppen und nach Anwendungen. Aber wir gehen auch da überall in die Welt und überall machen wir gute, profitable Geschäfte. Das ist unser Anspruch.

Sprecher 2: Sie sagten Apotheke der Welt. Was kann denn die Chemieindustrie morgen sein? Der digitale Ausrüster der Welt, was ist das, was uns eine neue Geschichte auch in der Welt bringen könnte?

Sprecher 3: Die Geschichte der Chemie entwickelt sich ständig weiter und wir sind eigentlich der Enabler für ganz viele neue, moderne Technologien.

Sprecher 2: Das klingt jetzt nach Ihrer Unternehmensberater-Expertise. Ich dachte, Sie sagen mal, Sie sind ja auch Chemiker.

Sprecher 3: Ich bin auch Chemiker. Nein, aber es ist wirklich, und das finde ich das Faszinierende an der Chemie, wir sind wirklich die Möglichmacher. Ich hatte es ja vorhin gesagt, wir bauen Moleküle auseinander und wir bauen sie wieder neu zusammen. Wir haben zum Beispiel auch eine sehr interessante Produktgruppe, über die wir noch nicht gesprochen haben, die Silikone. Das ist ein Kunststoff. Den kann man in unendlich vielen Bereichen einsetzen. Man findet ihn in der Zahnpasta, man findet ihn in der Dusche, in der Verklebung vom Glas, damit nichts nass wird auf dem Boden. Man findet sie im Auto bei Stoßdämpfern, man findet sie in Displays, damit die nicht spiegeln. Das heißt... Oft ist es die Chemie, die mit ihren Produkten erst völlig neue Technologien ermöglicht. Die Autobatterie für Elektroautos, auch da finden sie Silikone drin. Und deswegen, wir sind es ja. So im Hintergrund ein bisschen als chemische Industrie. Uns kennt nicht immer jeder, weil wir auch selten direkt an den Endkunden liefern. Aber die Produkte, die da entstehen, die kennt dann wieder jeder. Und deswegen ist das eigentlich eine ganz moderne Industrie. Und ich bin da sehr zuversichtlich, weil ohne Chemie geht nichts.

Sprecher 2: Ich habe gerade spontan gedacht, erklären Sie mir lieber mal, wie man die Silikone sauber kriegt in der Dusche. Gibt es da einen Trick? Einmal kurz als Hausmann gefragt.

Sprecher 3: Was auf jeden Fall hilft, ist, wenn man guckt, dass es in der Dusche nicht ständig feucht ist, um den Schimmel da zu reduzieren. Und dann hilft natürlich auch am Ende des Tages immer richtig mechanisch nochmal draufgehen und abschrubben.

Sprecher 2: Gut, diesen kleinen Exkurs gemacht, gehen wir wieder zurück zu den Silikon und zum Silizium. Jeder zweite Chip wird mit dem Silizium von Ihnen hergestellt, weltweit. Das ist ja auch einerseits natürlich ein großer Erfolg für ein deutsches Unternehmen, andererseits eine unfassbare Abhängigkeit, oder nicht?

Sprecher 3: Ja, also es gibt in dem Markt insgesamt mal mindestens fünf große Spieler. Wir sind da der Größte und das ist ein weltweiter Markt. Ja, gibt es auch einen guten Wettbewerb natürlich. Man muss ständig vorne sein auf der technologischen Entwicklung, weil, wie gesagt, die Anforderungen an die Chips steigen ständig. Und deshalb sind wir auch weiter am Investieren in diese Technologien, um immer reineres Produkt für unsere Kunden herstellen zu können.

Sprecher 2: Ich habe nur gedacht, weil ja Diversifizierung des Maß aller Dinge gerade ist, dass gerade Ihre Kunden versuchen, auch von der Abhängigkeit von Ihnen loszukommen. Und die Amerikaner es alleine machen wollen, die... Chinesen wollen es am liebsten alleine produzieren. Ist man schon so weit, dass das, was Sie mir hier heute auch ins Studio mitgebracht haben, dass andere Unternehmen aufholen bei der Innovation, bei der Herstellung dieser Produkte?

Sprecher 3: Wie gesagt, es gibt da einen guten Wettbewerb von vier, fünf Spielern weltweit. Und das stachelt uns natürlich auch an. Wir waren nicht immer in dieser Position. Wir haben uns das in den letzten Jahren auch hart erarbeitet, durch viele technologische Weiterentwicklungen, durch neue Kapazitäten, in die wir investiert haben. Und für unsere Kunden am Ende des Tages zählt hohe Qualität und eine sehr sichere, Belieferung, also Liefersicherheit ist ganz wichtig. Und das stellen wir zum Beispiel sicher, indem wir das Material in Deutschland herstellen. Aber wir haben auch ein Werk in den USA, wo wir es auch herstellen. Und weil Sie jetzt das Thema Abhängigkeit ansprechen, viele unserer Kunden wollen eben auch aus zwei Werken dann beliefert werden. Und auch das sichert diese Lieferung und reduziert Abhängigkeiten.

Sprecher 2: Aber wie sichern Sie den Technologievorsprung? Wir reden ständig über Fachkräftemangel, wir reden über Standortfaktoren in Deutschland, die es Ihnen angeblich als Unternehmer so schwer machen, hier zu bleiben. Wie schaffen Sie es dann, die besten Leute zu finden oder nach München zu holen, die so etwas produzieren?

Sprecher 3: Ich glaube, das hat viel zu tun, dass man da einfach eine lange Historie hat von Erfolg. Und der zieht dann natürlich auch junge Leute an. Und wenn Sie heute sagen, kommt zu uns, wir sind hier ein führender Hersteller für diese Produkte, die ganz, ganz wichtig sind für Halbleiter, für künstliche Intelligenz, für Chips insgesamt, für Computer. dann finden es Leute interessant. Daran arbeiten wir. Und man muss, weil sie auch gefragt haben, wie schafft man das? Am Ende ist es jeden Tag harte Arbeit, sich weiterzuentwickeln.

Sprecher 2: Aber was sind die Argumente für den Standort Deutschland, wenn Sie da draußen werben? Nicht nur für Kunden, sondern auch für Mitarbeiter.

Sprecher 3: Für uns ist ein ganz großer Vorteil die Struktur, die wir heute haben. Und die haben wir ja seit über 111 Jahren. aufgebaut. Uns gibt es nicht seit gestern, sondern seit 1914, gerade an unserem Hauptstandort in Burghausen in Bayern. Und da ist natürlich ein eng verzahntes Werk entstanden mit ganz vielen Experten. Teilweise sind dort die Leute ja über Generationen schon beschäftigt, wo der Opa auch schon mal bei Wacker war und dort gearbeitet hat. Und diese Strukturen, die ist natürlich super. Und das zieht aber auch neue Talente wieder an. Und deswegen, ich glaube, man braucht immer auch so eine kritische Größe. Ja, vieles ist am Standort Deutschland nicht optimal, gerade wenn ich an das Thema Infrastruktur, wenn ich an das Thema Energiepreise denke. Ja, bei Fachkräften, finde ich, haben wir immer noch eine gute Position. So, und ich spreche jetzt natürlich nur für unsere Firma. Wir können heute immer noch viele Talente für uns akquirieren. Aber ich glaube auch, weil wir ein attraktives Angebot machen und ein attraktiver Arbeitgeber sind.

Sprecher 2: Also Tradition hilft auch.

Sprecher 3: Absolut. Absolut.

Sprecher 2: Das Interessante, da müssen wir über die Energiepreise jetzt mal reden, weil das ja auch bei den aktuellen Sondierern der möglichen großen Koalition eins der ersten Themen war. Schwarz und Rot kommt zusammen, schreit. Schreibt ein Papier auf, was Sie vorhaben. Neue Schulden, können wir auch darüber reden. Aber eine der ersten Maßnahmen waren eben auch Energiepreise runter. Netzentgelte sollen bezuschusst werden, Stromsteuer soll sinken. Da ist sogar das Wort Industriestrompreis gefallen. Das dürfte Sie freuen.

Sprecher 3: Das freut uns. Das ist der Narrativ, den wir aber auch seit Jahren, auch gerade vom Verband der chemischen Industrie, immer wieder wiederholen. Und ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Thema Energie und wettbewerbsfähige Energiepreise der Schlüssel zum wirtschaftlichen... Und wenn Sie so wollen, auch zum ökologischen und zum sozialen Erfolg dieses Landes sein wird. Energie ist für mich ein Synonym für Wohlstand. Und das haben wir irgendwie in den letzten Jahren so ein bisschen aus dem Auge verloren. Mit Energie können Sie eigentlich alle Herausforderungen der Welt angehen. Fangen wir an mit... Wir brauchen mehr grüne Energie, um Autos zu betreiben. Wir brauchen mehr grüne Energie, um chemische Prozesse zu machen, um Stahl herzustellen, grünen Stahl. Wir brauchen Energie aber auch, um künstliche Intelligenz voranzutreiben. Die ganzen Serverfarmen, die laufen auch nicht mit Luft. Die laufen alle mit Strom. Das heißt, wir haben einen wahnsinnigen Zusatzbedarf an Energie für die Zukunft. Und insofern ist Energie nicht nur was für Industrie, sondern es ist für alle Bereiche des Lebens und der Gesellschaft von großer Bedeutung.

Sprecher 2: Sie sagen, das ist noch gar nicht so angekommen. in einer digitalisierten Welt, in einem Industrieland, der Strom so relevant, so existenziell für den Wohlstand wird, dass man über diesen Preis viel zu lange nicht geredet hat.

Sprecher 3: Ist meine Meinung, ja. Und ich meine, wir sind da in den letzten Jahren, denke ich, auch sehr lautstark aufgetreten, um das immer wieder auch klar zu machen. Ich sage ganz ehrlich, ich freue mich auch über die schöne Entwicklung bei KI, weil jetzt merken die Leute das auch. Jetzt redet man drüber, wie wichtig Energie ist. Und Sie können heute, wenn Sie als Land oder als Region günstige Energie anbieten, vorzugsweise natürlich grün, dann werden Sie viele... Unternehmen anlocken. Und dadurch generieren sie Jobs, dadurch generieren sie Steuereinnahmen, dadurch generieren sie Wohlstand. Und deswegen glaube ich, ist es so wichtig, dass Deutschland erkennt, dass bezahlbare, gute, wettbewerbsfähige Energiepreise der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg sind.

Sprecher 2: Jetzt würden andere Unternehmerinnen und Unternehmer natürlich sagen, ja, der Hartl hat gut reden, der muss ja auch als energieintensives Unternehmen ohne günstige Preise, kann der sein Geschäftsmodell nicht aufrechterhalten. Es gibt andere Branchen, die davon nicht so abhängig sind. Deswegen ist die Frage, wie gesellschaftspolitisch relevant ist ein niedriger Energiepreis.

Sprecher 3: Ich halte das für hochrelevant. Ich halte das hochrelevant, insbesondere für den Standort Deutschland. Deutschland lebt von einer hohen Industrialisierungsquote. Und Deutschland lebt davon von einer sehr diversen Industriestruktur. Von der Chemie über Metall, Automobil, Elektrotechnik, Maschinenbau. Also wir haben ja absolut so breit wie kein anderes Land Technologie. Technologien und Industrien. Und da sind immer Bereiche drin, die auch energieintensiv sind. Aber das hängt ja alles miteinander zusammen. Und ich wehre mich so ein bisschen gegen diesen Glauben oder vielleicht sogar den Irrglauben, man könne so jetzt chirurgisch eingreifen in dieses Gesamtsystem und sagen, ja, also dann tun wir die mal raus und tun wir den mal raus. Ist energieintensiv, das ist schwierig. Die Gefahr ist, dass unser gesamtes Erfolgssystem, dieses Ökosystem, was man gerne sagt, dadurch zusammenbricht. Und deswegen sage ich, guckt lieber, dass ihr an den Rahmenbedingungen was macht, bezahlbare Energie, attraktive Energiepreise. Und wir werden dieses System erhalten und das System wird weiter wachsen. Und es kommen neue dazu. Vielleicht noch ein Punkt, warum ich auch glaube, dass die Gleichung am Ende aufgeht. Sowohl im Hinblick jetzt auch auf Klimaneutralität, die wir unbedingt brauchen, aber auch technologische Entwicklung. Wir werden eine Phase haben in 10, 15 Jahren, wo Energie deutlich günstiger wird. Weil wir viel mehr auch erneuerbare Energien noch anzapfen. Vielleicht kommen neue Technologien dazu wie Kernfusion.

Sprecher 2: Zugleich brauchen wir aber gigantisch viel mehr Strom für unser Leben.

Sprecher 3: Richtig, ja, aber ist genug da? Wir haben einen riesigen Fusionsreaktor, der ein paar Millionen Kilometer entfernt läuft und der läuft ziemlich stabil und der erzeugt ziemlich viel Energie und wir müssen die Energie nur abfangen. Also die Sonne, meine ich.

Sprecher 2: Auch das steht ja im Koalitionsvertrag drin.

Sprecher 3: Wir haben kein Problem, dass es zu wenig Energie verfügbar ist. Wir müssen es nicht. die halt besser noch einfangen und wir müssen sie mit Netzen besser verteilen.

Sprecher 2: Wir müssen sie speichern.

Sprecher 3: Wir müssen sie speichern und wenn Sie mich fragen, Ich sehe da gar nicht das technologische Problem. Das ist technologisch heute vieles ja gelöst. Wir wissen, wie man Stromautobahnen baut, wie man Leitungen legt. Ja, aber wie man die Stahlindustrie grün macht. Wir wissen, wie man Netze steuert. Die Stahlindustrie hat sehr gute Konzepte in Deutschland. Da gibt es ja auch Projekte, wie man grünen Stahl herstellt. Technologisch sind wir da in vielen Dingen sehr weit. Wir müssen nur jetzt den Mut haben, die Dinge auch umzusetzen. Und der Schlüssel zu diesem Erfolg wird sein, wenn ich günstigen, attraktiven Strom anbiete.

Sprecher 2: Die Ökonomen, die das kritisiert haben, den Industriestrompreis, auch der Bundeskanzler, der noch amtierende, war ja durchaus kritisch, sagen, wir können nicht dauerhaft eine Branche gegenüber anderen Branchen subventionieren mit einem niedrigen Strompreis. Nichts anderes ist ja der Industriestrompreis. Wir sagen, diese Branche ist uns wichtiger als andere, deswegen bekommt diese Branche einen dauerhaft niedrigen Strompreis. Verstehen Sie das, Ökonom, da sagen, so können wir es nicht machen?

Sprecher 3: Ich halte die Argumentation für falsch. Und zwar deswegen, es ist aus meiner Sicht nicht eine Subvention von einer Industrie, die irgendwie ein Problem hat. Mein Blickwinkel nochmal ist, Energie wird günstig werden. Wir haben im Moment ein Problem in dieser Transitionsphase.

Sprecher 2: Also die Brücke dann.

Sprecher 3: Wir brauchen eine Brücke und es ist eine Brücke.

Sprecher 2: Deswegen war ja der Begriff Brückensturmpreis auch so interessant.

Sprecher 3: Genau, der war eigentlich sehr geschickt und aus meiner Sicht ist es auch tatsächlich eine Brücke und es ist eine Brücke von fünf bis zehn Jahren. Und jetzt kann man zwei Schlüsse ziehen. Und der Schluss 1 ist, okay, es ist heute schwierig. Wir haben noch nicht genug erneuerbare Energien. Wir müssen Geld investieren. Oh je, oh je. Dann lasse ich es mal lieber. Ja, und dann können wir deindustrialisieren und dann kaufen wir den Kram halt woanders. Variante 1. Variante 2 ist, ich bin davon überzeugt, dass wir in 10 Jahren erneuerbare Energien groß ausgebaut haben, dass wir smarte Speichersysteme haben, dass wir smarte Netze haben, dass wir eine EU-weite Verknüpfung haben, dann wird der Strom de facto billig. Und dann brauche ich diese Subvention nicht mehr. Aber ich habe die Grundlage geschafft für weiteres wirtschaftliches Wachstum auf einem ganz anderen Niveau. Und da sage ich, gehen wir doch in diese mutige Entscheidung rein. Und sind jetzt nicht der Kleinkrämer, der sagt, oh, das ist aber alles teuer und kompliziert wird es auch noch.

Sprecher 2: Viele Unternehmer sagen, ich erreiche die Brücke schon gar nicht mehr, weil ich jetzt am Limit bin an der Existenz durch die hohen Strompreise. Und es kommt gar nicht erst zu diesem grünen Wirtschaftswunderland, das nicht nur Sie gerade skizzieren, sondern ja auch Politiker wie Robert Habeck für die fernere Zukunft sehen. Und viele Industrieunternehmer sagen, ich schaffe es gar nicht erst dahin.

Sprecher 3: Das ist richtig, ja. Ja, aber das sehen wir heute schon, auch gerade bei uns im Verband ist das immer wieder ein Thema. Es gibt viele Unternehmen, auch gerade kleinere, mittlere Unternehmen, die unter den Energiepreisen, auch der Bürokratisierung, aber vor allen Dingen unter den Energiepreisen leiden. Und deswegen findet de facto eine Deindustrialisierung bereits statt. Und es ist eben... Zum Beginn der Frage zurückzukommen, keine Panikmache. aus meiner Sicht den Hebel noch umlegen. Wir müssen es aber deutlich beherzter und klarer machen als bisher. Weil for free kommt das nicht. Und der Begriff jetzt grünes Wirtschaftswunder tue ich mir ein bisschen schwer mit. Am Ende muss es ein Business Case sein, sowohl für die Unternehmen als auch für das Land. Ja, und das ist die Frage, wie ist das? Welche Farbe das nun hat, ist... Ist ja mal zweitrangig. Aus meiner Sicht ist es einer.

Sprecher 2: Für auch das Land als Geschäftsmodell.

Sprecher 3: Absolut. Das ist ja die zentrale Frage. Gucken Sie sich allein an, wie viele Arbeitsplätze es gibt in energieintensiven Bereichen in Deutschland und wie die wiederum an andere Unternehmen liefern. Und wenn wir die rausnehmen, bricht uns diese Kette zusammen. Und dieses ganze erfolgreiche Ökosystem Deutschland. Und deswegen glaube ich, dass, was heißt glaube ich, ich bin zutiefst überzeugt, das ist ein Business Case für dieses Land, wenn wir jetzt beherzt in ein Konzept gehen, Energie bezahlbar und im großen Umfang erhältlich zu machen. Weil, ich sage Ihnen auch mal, Herr Brücker, wir haben ja gar keine Alternative. Und deswegen finde ich diese Diskussion manchmal so ein bisschen an der Sache vorbei. Was ist denn die Alternative? Die Alternative ist, wir machen keine Industrie mehr.

Sprecher 2: Die Alternative für die Kritiker ist, man gibt den Fossilen mehr Zeit als unsere überambitionierten Ziele, die viele dann nicht erreichen und auf der Strecke insolvent gehen. Das ist ja die Kritik. Eine Alternative zu grünen... Klimaneutralen Industrie sieht keiner. Die Frage ist, müssen wir engagierter und ambitionierter sein und anderen dadurch mehr Luft geben? die weniger machen? Oder können wir nicht einfach mit europäischen oder internationalen Bewegungen einhergehen?

Sprecher 3: Also ich glaube, wo wir uns aus meiner Sicht ein Stück weit verrannt haben, ist, dass wir zu viel über Regulierung reden. Also sprich, was ein Unternehmen machen muss, darf und nicht darf. Das hat die Diskussion der letzten Jahre aus meiner Sicht viel zu sehr geprägt. Ich möchte ein ganz einfaches Bild mal zeichnen. Ich glaube, die Priorität für die Politik sollte viel, viel klarer sein. Deswegen heißt es ja auch Priorität. Priorität gab es jetzt neulich von der EU-Kommission. Da gibt es die 45 Prioritäten. Weiß ich nicht. Halte ich für schwierig. Ich kann mir 45 Themen nicht merken, bin ich ganz ehrlich. Ich tue mir bei 10 schon schwer. Und idealerweise sind Prioritäten irgendwie drei. Ich glaube, wenn man zum Thema Wirtschaft in Deutschland eine Priorität setzen muss, dann wäre es für mich bezahlbare Energie. Und das wäre das Top-Thema, was der Bundeskanzler... Mit einer eigenen Agenda und dem Wirtschaftsministerium jeden Tag sich angucken muss, wo stehen wir, wie läuft der Ausbau, was passiert. Und dadurch kriegen sie so viel Dynamik rein. Und ich meine, machen wir mal die Brücke zum Heizungsgesetz. Das käme ja vielleicht sowieso als Frage. Und da finde ich, da kann man es so schön zeigen. Statt vorzugeben, welche Heizsysteme in welcher Hausgröße bis wann von wem irgendwie gefördert werden. fördert, nicht erlaubt, erlaubt sind. Sehr kompliziert. Muss ich einfach nur sagen, ich habe ein Konzept, wo der Strom für die nächsten 10, 15 Jahre X kostet, und zwar planbar X. Und dann fängt jeder Hausbesitzer, jeder Wohnungsbesitzer an und macht sich auf dem Bierdeckel eine Rechnung und sagt, Nö, prima. Eine Wärmepumpe ist ja günstiger als eine Gasreizung. Mach ich. Und fertig. Und fertig.

Sprecher 2: Das ist ja auch die Kritik durchaus gewesen, zu kleinteilig, auch wenn es so nicht drin stand, wie Sie es gerade skizziert haben, sondern es gab halt einen Anteil an Erneuerbaren für das jeweilige Heizsystem, das dann eben auf die Klimabombe hinaus lief. Aber Sie haben recht, es würde reichen, und da sind wir beim Thema Klimaneutralität 2045. Wir sagen als Gesellschaft, als Bundesrepublik, als Wirtschaft inzwischen auch im Grundgesetz verankert, zumindest als Zweckbindung für das Sondervermögen. Wir wollen klimaneutral bis 2045 werden, aber die Wege dahin dürfen Unternehmen, Bürger... Sich selbst suchen? Oder geht das nicht anders als mit Ordnungsrecht und mit Vorgaben?

Sprecher 3: Ich bin ja nicht jetzt komplett gegen jegliche Regulatorik, nur ich glaube, dass wir uns in den letzten Jahren da wirklich verrannt haben und dass das in Brüssel auch passiert, dass es eine viel, viel zu kleinteilige Regulierung ist. Und das ist aber auch mein Politikverständnis. Die Politik ist nicht der bessere Unternehmer. Sie muss Rahmenbedingungen geben. Am besten steuere ich über Rahmenbedingungen die wirtschaftliche Investitionen auslösen, die ein Business Case ermöglichen. Aber lass doch die Unternehmer... Bitte den Business Case rechnen. Das können die nämlich ganz gut. Und den Rest, der wird von alleine kommen. Wir brauchen ja Regulatorik im Sinne von einem Rahmen vorgeben, auch klar sagen, wo man hin will.

Sprecher 2: Also das Ziel zum Beispiel finden Sie richtig, Klimaneutralität 2045. Weil es Planungssicherheit für alle ist.

Sprecher 3: Genau. Und es gibt ja auch Diskussionen, aktuell, dass der eine oder andere meint, brauchen wir das wirklich? Ich glaube, dass wir es absolut brauchen, weil auch so agiert jedes Unternehmen. Also ich meine, wenn sie kein Ziel haben und keine Vision, wo sie hinwollen, dann ist natürlich, wie wollen sie denn dann einen Plan erstellen, dass sie das erreichen?

Sprecher 2: Wie schaffen Sie es denn als Wacker Chemie, klimaneutral zu werden?

Sprecher 3: Wir haben sehr ambitionierte Klimaziele uns gegeben. Sprich unsere CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 halbieren und 2045 klimaneutral zu werden. Und haben ausgehend von diesen Zielen dann eine Roadmap, einen ganz klaren Meilensteinplan erstellt, was wann konkret in welchem Jahr zu tun ist.

Sprecher 2: Wo ist Ihr größter Hebel?

Sprecher 3: Wir haben einen großen Hebel bereits adressiert. Bei Polysilizium der erste Schritt ist, Silizium herzustellen. Das machen wir heute in Norwegen und das macht man eben aus Quarzgestein und Kohle und viel Strom. Daraus entsteht dann das Siliziummetall. So sehr energieintensiv. Und was wir gemacht haben im ersten Schritt, wir haben die komplette Stromversorgung, und das ist auch eine Terawattstunde, das ist richtig viel, das ist eine richtige Großstadt, der Strom. Bedarf, die ist jetzt mit Grünstrom in Norwegen aus Wasserkraft und Wind. Das heißt, wir haben also diesen Teil der Gleichung schon mal komplett auf CO2-neutral gestellt.

Sprecher 2: Also es kommt schon mal grüner Strom rein ins Werk und dann produziert man natürlich CO2.

Sprecher 3: So, der nächste Schritt. Im Prozess entsteht CO2 und bislang wurde dort eine bestimmte Steinkohle eingesetzt. Die hat eine bestimmte Reinheit. Und das wollen wir jetzt im nächsten Schritt austauschen gegen biogenen Kohlenstoff. Also das ist ein Kohlenstoff, den man dann aus Holzabfällen gewinnen kann. So, das ist technologisch noch ein bisschen anspruchsvoll. Da arbeiten wir mit Partnern zusammen. Aber dann hätte man sozusagen einen biogenen... Kohlequelle. Wir hätten dann das erste CO2-neutrale Silizium in diesem Prozess. Und das ist das Nächste, was wir machen. Das ist jetzt in den nächsten ein, zwei Jahren. Gehen wir das an. Der dritte Schritt.

Sprecher 2: Also sagen Sie mal, wann, in welchem Jahr werden Sie das erste CO2-freie Silizium herstellen?

Sprecher 3: Das kann in Testversuchen schon in zwei Jahren der Fall sein. Und das Ziel ist, dass es dann in 29 flächendeckend ist. Und dann könnte man sich auch ganz spannend den dritten Schritt überlegen, weil es entsteht ja immer noch CO2, es ist allerdings aus natürlichen Quellen, dass sie das dann einfangen und dann entweder verpressen als CCS, Oder dass sie es einsetzen als Rohstoff, um dann nochmal was zu machen. Und dann wären sie quasi in dieser Logik, ist das nicht nur klimaneutrales Silizium, sondern es ist dann quasi, Netto-negativ, also es spart auch noch CO2 ein, dieses Material.

Sprecher 2: Gibt es etwas Konkretes? Sie haben die großen Energiepreisdebatten angesprochen, auch Regulatoren. Gibt es eine konkrete Maßnahme, die Sie relativ schnell sich von einer neuen Bundesregierung wünschen würden als Wacker Chemie?

Sprecher 3: Was für uns und viele andere Industrien und Unternehmen ganz wichtig ist, und auch wenn ich langweile und das wiederhole, es sind die günstigen, wettbewerbsfähigen Energiepreise.

Sprecher 2: Aber welcher Hebel müsste schnell umgelegt werden?

Sprecher 3: Was ich glaube, wo wir hin müssten, ist, die Strompreisthematik ist sehr komplex geworden. Es gibt einmal den Börsenstrompreis, der eigentliche Strompreis. Ja, und dann kommt eine Steuer drauf, dann gibt es Netzentgelte. Dadurch wird das irgendwie kompliziert und schwer planbar. Und deswegen ist unser Credo auch, wir sollten hin zu einem All-In. Strompreis, wo alle Komponenten drin sind. Weil es hilft mir ja nichts, wenn der Strompreis an der Börse runtergeht und gleichzeitig gehen mir die Netzentgelte, verdoppeln sich, wie in diesem Jahr. Das ist ja nur wenig hilfreich.

Sprecher 2: Im Saldo muss er runter.

Sprecher 3: Genau. Und deswegen Planbarkeit und so ein All-in-Konzept halten wir für sehr sinnvoll und eigentlich auch schnell umsetzbar.

Sprecher 2: Glauben Sie, dass der neue Bundeskanzler ein Verständnis, ein Draht für diese energieintensive Chemieindustrie hat? Kennen Sie ihn? Haben Sie ihn schon getroffen? War er schon mal bei euch?

Sprecher 3: Er war schon mal beim Chemieverband, da haben wir ihn auch öfter eingeladen. Er war auch mal zwei Jahre im Chemieverband sogar vor einigen Jahren, schon eine Zeit lang her. Also ich glaube, er kennt gut die Belange der chemischen Industrie und wir hatten den Eindruck auch, dass er da... bei den Themen Energie sehr offen war und das absolut gut verstanden hat.

Sprecher 2: Sie haben eine durchaus zuversichtliche Idee von dieser neuen Koalition?

Sprecher 3: Also ich bin vom Typ her eigentlich immer positiv und optimistisch. Hilft ja nichts. Wir müssen ja die Themen lösen und angehen, die an uns herangetragen werden. Nein, aber ganz im Ernst, ich... Ich bin da positiv und ich glaube, was man in dem Sondierungspapier liest, geht definitiv in die richtige Richtung. Was ich auch gelernt habe in der Politik, am Ende zählt natürlich dann die Umsetzung erstmal und viel wird behauptet. Aber ich glaube, wir sind wirklich ganz ehrlich auf einem guten Weg und wir begleiten das ja auch mit der Stiftung Klimawirtschaft sehr eng und geben auch unsere Anregungen für die Koalitionsverhandlungen. Und ja, also Sie sehen mich positiv.

Sprecher 2: Hilft dann doch sehr viel. Insofern ist Ihr Satz falsch. Hilft ja nichts. Dieses Gespräch mit Ihnen war sicherlich für unsere Hörerinnen und Hörer sehr erkenntnisreich. Vielen Dank für diese Einblicke in Ihre Branche, in Ihr Unternehmen. Vielen Dank, Herr Hartl.

Sprecher 3: Sehr gerne, Herr Brücker.

Sprecher 4: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.