Wie verhandelt man mit Donald Trump, Herr Röller?
Der Ökonom Lars-Hendrik Röller war unter anderem wirtschaftspolitischer Berater von Angela Merkel.
Er hat mit Xi Jinping, Donald Trump und Emmanuel Macron verhandelt.
Im Gespräch mit Michael Bröcker blickt er auf die aktuellen Koalitionsverhandlungen und berichtet über seine Verhandlungen mit Donald Trump in dessen erster Amtszeit.
Auf Trumps Drohungen müsse man reagieren, dürfe aber nicht überreagieren, sagt Röller.
„Wir sind kurzfristig in allen Bereichen – Verteidigung, Sicherheit, Nachrichtendienste und auch Wirtschaft – noch sehr abhängig.“
Deutschland muss sich aus seiner Sicht international aufstellen. „Die laufen uns, sage ich mal auf gut Deutsch, im Moment die Bude ein, die anderen Länder. Wir sollten uns diversifizieren, und dazu gehört aus meiner Sicht auch China.“
Der SPD-Fraktionsvorsitzende im nordrhein-westfälischen Landtag, Jochen Ott, wirbt im Gespräch mit Horand Knaup vom Berlin.Table für eine neue Verantwortungskultur im Land. Aufgabe einer neuen Bundesregierung sei es, „Deutschland zu reparieren“.
„Die Leute erwarten von der Politik, dass sie die Probleme löst – und sie erwarten das zu Recht.“
Dazu gehörten verlässliche Kitas und Schulen, ein funktionierender Nahverkehr, schnellere Fortschritte in der Digitalisierung, aber auch eine höhere Aufenthaltsqualität in öffentlichen Räumen.
Table.Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen:
Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlmann@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die zarte Hoffnung auf einen Waffenstillstand in der Ukraine, sie ist erstmal vom Tisch. Zumindest muss man es so sehen, wenn man die Reaktion von Wladimir Putin auf die ersten Verhandlungen sieht. Er stellt neue Forderungen, er spricht davon, man müsse die Ursache für den Krieg beseitigen, was auch immer das aus seiner Sicht sein soll. Und er stellt Bedingungen, die für die Ukraine einfach nicht akzeptabel sein können. Im Kern verlangt der Autokrat, dass der Westen während der Feuerpause keinerlei Unterstützung liefert. Aber US-Präsident Donald Trump, der hat sich auch schon geäußert, für ihn ist es ein vielversprechender Anfang und er hofft, so das Zitat, dass Russland jetzt das Richtige tue. Also warten wir es ab. Gestern gab es zumindest für uns hier in Deutschland aber noch ein anderes wichtiges Ereignis, nämlich die Sondersitzung des scheidenden Bundestages und es ging um nichts weniger als eine Änderung des Grundgesetzes. Unionschef Friedrich Merz, plötzlich der Schuldenmacher, der die Grünen anbettelt, doch bitte mitzumachen. Selbstkritik zeigte er relativ wenig und die Grünen, sie sind neuerdings die fiskalpolitischen Falken, die zu Recht von Effizienz und Zweckbindung reden. Naja, und die FDP, sie geht mit scharfen Worten raus aus dem Bundestag. Wir ordnen das Chaos für sie mal ein. Während im Bundestag noch um das Sondervermögen gestritten wurde, kamen gestern Abend schon die Chefs der Arbeitsgruppen zusammen. Fast 260 Mitglieder von Union und SPD sollen jetzt in wenigen Tagen in 16 Arbeitsgruppen das aufschreiben, was vier Jahre lang Gültigkeit haben soll. Einer von ihnen ist übrigens Jochen Ott, SPD-Fraktionschef in NRW und damit einer der mächtigsten Sozialdemokraten im mitgliederstärksten Landesverband. Er ist in der AG Familie, Frauen, Jugend, Senioren und Demokratie zu Hause und er hat interessante Ideen, wie man aus den öffentlichen Räumen wieder Orte des Wohlbefindens machen kann. Unser SPD-Experte im Berlin-Table, Horan Knaup, hat mit ihm gesprochen. Die Politik von Donald Trump, sie stellt die Welt, wie wir sie kannten, komplett auf den Kopf. Wie geht man mit jemandem um, der 60 Posts in der Nacht raushaut und niemand genau weiß, was er morgen denken könnte? Das haben wir jemanden gefragt, der mit ihm verhandelt hat. Lars-Henrik Röller, der ehemalige Kanzlerberater von Angela Merkel, wirtschaftspolitischer Sprecher und G20-Scherper. Er war der Mann, der schon in Trumps erster Amtszeit mit Trump und seiner Administration über die Zölle verhandeln musste. Er weiß, wie man mit diesem Mann umgeht. Wenn das kein spannender Start in diesen Freitag, den 14. März ist, dann kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen. Also schnell noch einen Schluck Kaffee. Los geht's.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Verrückte Zeiten gestern im Deutschen Bundestag. Vertauschte Rollen, viel Taktik, viel Raffinesse und manch einer rieb sich die Augen. Denn vor wenigen Wochen wären die Töne, die gestern zu hören waren, kaum denkbar gewesen. Union und SPD Seite an Seite für mehr Schulden, die Grünen als fiskalpolitische Mahner für mehr Effizienz im deutschen Staat. Man konnte es kaum glauben. Friedrich Merz startete gleich mit einem Angebot. 50 Milliarden Euro sollen aus dem Sondervermögen, aus dem neuen Sondervermögen, direkt in den Klima und Transformation vorgehen. Gleichzeitig richtete sich der CDU-Chef, der vor wenigen Wochen noch gar nichts von Sondervermögen und neuen Schulden wissen wollte, fast verzweifelt an die Grünen.
Sprecher 4: Ich frage mal die Bundestagsfraktion von Bündnis 90 Die Grüne, was wollen Sie eigentlich in so kurzer Zeit noch mehr als das, was wir Ihnen jetzt in den Gesprächen der letzten Tage vorgeschlagen haben? Was wollen Sie noch mehr?
Sprecher 2: Doch die grünen Fraktionschefinnen Britta Hasselmann und Katharina Dröge schüttelten dabei nur den Kopf. Sie sind vom Stil und von der Kommunikation dieses CDU-Chefs ohnehin nicht begeistert, aber auch im Inhalt haben sie berechtigte Nachforderungen. Zunächst einmal stichelte Britta Hasselmann gegen Friedrich Merz.
Sprecher 5: Ich zweifle einfach. Am Verhandlungsgeschick mancher Kollegen. Angebote an unzureichende Gesetzentwürfe. Macht man weder über die Mailbox noch im Plenum, wenn man will, dass sie Erfolg haben.
Sprecher 2: Aber auch die Inhalte, da sind die Grünen noch lange nicht zufrieden.
Sprecher 6: Und wer von uns die Zustimmung für hunderte von Milliarden Euro haben will, für die Investitionen in dieses Land, der muss damit rechnen, dass wir darauf schauen, dass das Geld auch wirklich in die Infrastruktur, in diesem Land gesteckt wird und nicht in Steuersenkungen. Weil Herr Merz, ehrlich gesagt, wenn Sie das machen, dann sage ich Ihnen ganz ehrlich, dann sind Sie bei der Linkspartei. Dann können Sie die Schuldenbremse auch abschaffen.
Sprecher 2: Auf die ehemaligen Verbündeten, den Mann, den er noch zu dessen Hochzeit auf Sylt mit dem Privatflugzeug besuchte, auf den Mann kann er sowieso nicht mehr zählen. Christian Lindner teilte ordentlich gegen seinen einstigen Kumpel Friedrich Merz aus.
Sprecher 7: Heute haben wir bei Friedrich Merz eine vollkommen andere wirtschaftspolitische Ausrichtung gehört und zugleich eine möglicherweise unbeabsichtigte Form der Komik erlebt. Sie hier vorne in der ersten Reihe. Wer sind Sie und was haben Sie mit Friedrich Merz gemacht? Die Charakterfrage der Politik ist doch diese. Opfert man Ämter wegen seiner Überzeugungen oder opfert man seine Überzeugungen für Ämter?
Sprecher 2: Auch die Linken und das BSW kritisieren Merz scharf. Heidi Reichenick, die linken Spitzenkandidatin, spricht von einem Blankoscheck für Aufrüstung. Und Sarah Wagenknecht verurteilte den angeblich größten Wahlbetrug in der Bundesrepublik. republikanischen Geschichte. Während die Abgeordneten im Bundestag sich links und rechts und oben und unten zerfleischen, hat immerhin Karlsruhe eine unterstützende Botschaft für die werdende Große Koalition parat gehabt. Mehrere Anträge des BSW für eine Neuauszählung der Wahlstimmen wurden gestern abgelehnt. Es dürfte also bei diesem Ergebnis im Bundestag bleiben und BSW damit draußen. Das Fazit dieser Bundestagsdebatte ist jedenfalls die große Koalition. Sie hat noch lange nicht zu sich gefunden. Friedrich Merz auch noch nicht seine Souveränität als möglicher Kanzler. Und wie radikal die Stimmung im neuen Bundestag sein könnte, auch das war gestern schon zu spüren. Wenige Minuten nachdem im Bundestag heftig gestritten wurde, kamen am Abend schon die Chefs der 16 oder 17 Arbeitsgruppen von Union und SPD zu einem ersten gegenseitigen Beschnuppern zusammen. Es soll jetzt sehr schnell gehen, es soll vertraulich sein, keine Selfies sind erlaubt, keine Pressekonferenzen, keine Kommunikation. Es soll gearbeitet werden, denn in zehn Tagen soll das Fundament für den Koalitionsvertrag schon stehen. Rund 260 Politikerinnen und Politiker von beiden Seiten sind jetzt in den nächsten Wochen im Tunnel und werden Spiegelstriche und Projekte zu Papier bringen wollen. Einer dieser Verhandler, mit dem wir gerade noch reden konnten, bevor er nicht mehr reden darf, ist Jochen Ort. Er ist Fraktionschef der SPD in NRW und er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Familie, Frauen, Jugend und Demokratie. Mit ihm hat Horan Knaup gesprochen, unser Kollege aus dem Berlin-Table.
Sprecher 8: Elf Seiten Ergebnis nach den Sondierungsverhandlungen. Waren Sie zufrieden damit?
Sprecher 9: Ja, weil die SPD hat eine Klatsche bekommen, 16 Prozent, und hätte eigentlich allen Grund, sich zu erholen und zu besinnen, in welche Richtung es gehen soll. Aber Demokraten müssen in der Lage sein, gemeinsame Wege zu gehen. Und ich glaube, das Wichtigste sind die Investitionen. Und insofern kann ich unterm Strich für mich sagen, auf der Grundlage kann man miteinander arbeiten.
Sprecher 8: Seitens der Investitionen habe ich versucht, in Zeiten von Zeitenwende Reformansätze zu entdecken. Dinge, die nach vorne weisen, die in zehn Jahren möglicherweise noch Gültigkeit haben. Ich bin nicht fündig geworden. Sie?
Sprecher 9: Nein, Sortierungspapier sollte man nicht überfordern. Ich stimme Ihnen einem zu. Ein Koalitionsvertrag, der wieder nur Themen der einzelnen Gruppen zusammenschiebt, der wird keine gute Regierung produzieren. Am Ende geht es um eine gemeinsame Geschichte. Die Deutschen wissen, dass wir in einer herausfordernden Zeit sind. Die Demokraten erwarten von der Politik, dass sie sich zusammenrauf. Und das ist die Verantwortung. Und dazu muss man natürlich gut miteinander umgehen und dann ein gemeinsames Narrativ entwickeln.
Sprecher 8: Was wird das sein? Diese Geschichte, dieses Narrativ?
Sprecher 9: Das Entscheidende ist, der Staat muss funktionieren. Die Leute merken, die Bahn kommt zu spät, funktioniert nicht vernünftig, im ÖPNV läuft es nicht, Straßen kaputt, Schulen runtergekommen, Digitalisierung nicht vorangetrieben. Also das heißt jetzt eine Phase einzuleiten, wo man sagt, wir reparieren Deutschland. Das ist die wichtigste Aufgabe. Und dann gleichzeitig zu gucken, dass das Geld, was investiert wird, auch abfließen kann. Das heißt, wir müssen darüber reden, wie wir schneller werden können.
Sprecher 8: Der Staat funktioniert nicht, sagen Sie. Von 27 Jahren war die SPD 23 Jahre an der Regierung beteiligt im Bund. Wie konnte es passieren?
Sprecher 9: Wir haben halt in Deutschland von der Substanz gelebt. Wir sind davon ausgegangen, es geht alles permanente Gegenwart. Es geht immer so weiter. Und die Bundeskanzlerin hat das als Person. auch gelebt, Angela Merkel. Wir haben uns mit einer vollkommen unsinnigen Schuldenbremse selbst begrenzt. Keine Volkswirtschaft der Welt hat das, eine erfolgreiche jedenfalls, nicht in der Form gemacht wie wir. Und insofern müssen wir jetzt das Schiff drehen.
Sprecher 8: Olaf Scholz ist jetzt auch nicht in Erscheinung getreten als einer mit ganz viel Mut, sondern er war... Vorsichtig, zögerlich, zaudernd.
Sprecher 9: Die Menschen bekommen die Politiker, die sie gerne hätten. Ich glaube aber, wir sind jetzt auch da in einer Zeitenwende. Es braucht jetzt gute Führung, im besten Sinne Leadership. Der Staat muss wieder funktionieren. Die Leute sind gestresst, insbesondere die berufstätigen Familien. Sie kriegen morgens einen Anruf, heute fällt die Kita aus, der Pflegedienst für den Opa kommt nicht, die Bahn fährt nicht, die Autobahnbrücke ist gesperrt. Das nervt einfach nur noch und die Leute erwarten von Politik, dass sie diese Probleme löst und einen Plan aufwirft. Ich glaube, dann wird es auch eine erfolgreiche Regierung.
Sprecher 8: Woher soll ich das Vertrauen nehmen, dass die beiden Parteien... Die das Land zwei Jahrzehnte lang runtergewirtschaftet haben, um es mal streng zu formulieren, dass die jetzt die Wende hinbekommen.
Sprecher 9: Naja, sagen wir es mal so, die Wählerinnen und Wähler wollten über viele Jahre eben auch gerne, dass es so gemächlich und ruhig weitergeht und haben ja bestimmte Personen ja auch gewählt. Und natürlich war es bei bestimmten Themen auch sehr schwierig, sie zu setzen. Nehmen Sie das Thema. Infrastruktur. Kein Mensch im Journalismus hat sich jemals für den Zustand von Brücken im Jahr 2000 bis 2010 interessiert. Deshalb sind aber auch nicht die Journalisten jetzt verantwortlich, sondern ich will damit sagen, unsere Gesellschaft im Gesamten hat sich an vielen Stellen ausgeruht auf den Errungenschaften und wir haben nach der Wiedervereinigung unserem Ostdeutschland gekümmert und dann haben wir gesagt, es geht eigentlich immer so weiter, alles läuft und wir haben an manchen Stellen die kritischen Fragen nicht mehr gestellt.
Sprecher 8: Letzte Frage zum öffentlichen Raum. Der öffentliche Raum ist kein sicherer Raum mehr, jedenfalls in der subjektiven Wahrnehmung und Erfahrung. Was muss da passieren?
Sprecher 9: Wenn ich zu einem Bahnhof komme und das Gefühl habe, dass hier viel Verwahrlosung vorzufinden ist und dass ich Angsträume habe und dann nicht mehr alleine abends aussteige, dann ist das einfach auch ein Beleg dafür, dass die Leute sagen, der Staat funktioniert nicht. Und deshalb ist es so wichtig, da nochmal genauer hinzugucken und zu sagen, ja, wir sorgen auch dafür, dass du dich frei im öffentlichen Raum bewegen kannst, keine Sorgen hast, dass die dunklen Ecken ausgeleuchtet werden. Und wir wissen darum, dass diese Angsträume auch von uns bekämpft werden, ist ein richtiger Weg.
Sprecher 8: Das heißt dann auch Law and Order.
Sprecher 9: Es geht erstmal darum, Regeln einzuhalten, ganz normale Regeln, so wie wir sie immer gelernt haben. Äußere Sicherheit, innere Sicherheit und eben soziale Sicherheit, das heißt auch mit Prävention zu verhindern, dass es überhaupt zu schwierigen Situationen kommt. Das gehört zusammen und wenn die drei Prinzipien eingehalten werden, dann kann das eine gute Koalition werden.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Ja, das war ein durchaus pragmatischer Sozialdemokrat, der vieles gesagt hat, was man in der Union auch wohl akzeptieren könnte. Gehen wir rüber zur Partei, die den nächsten Bundeskanzler wahrscheinlich stellen wird, zur Union. Da haben wir uns einen Gesprächspartner heute eingeladen, auf den ich mich sehr freue. Denn er war von 2011 bis 2021 das wirtschaftspolitische Gewissen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr engster Berater auch auf der internationalen Bühne. Es ist Lars-Henrik Röller, ein Ökonom aus Frankfurt, der zwischenzeitlich Informatik in den USA an der Texas University studierte, später Business an der ziemlich bekannten INSEAD Business School in Frankreich. Nach Stationen bei der Europäischen Kommission wurde er 2006 Präsident der European School of Management and Technology in Berlin, bevor er schließlich zu Bundeskanzlerin Angela Merkel wechselte. Er war der Chef und dahinter bei G7 und G20-Gipfeln und kann uns deswegen auch sagen, wie man mit Donald Trump verhandelt. Ich freue mich sehr auf den Mann, der übrigens im Herbst erneut den Berlin Global Dialog an der ESMT organisiert, eine der exzellent besetztesten Konferenzen hier in diesem Land. Einen schönen guten Tag, dass Sie heute bei uns sind. Hallo Herr Professor Röller. Guten Tag. Herr Röller, die Roten und die Schwarzen wollen zusammen koalieren. Jetzt gibt es 260 Menschen, die über die Geschicke dieses Deutschlands in 16 Arbeitsgruppen diskutieren und reden. Reden wollen. Haben Sie das Gefühl, dass die Struktur angemessen ist für die Herausforderungen, vor denen wir stehen?
Sprecher 10: Also wir stehen in der Tat vor sehr großen Herausforderungen. Und ich glaube, eine Sache, die gut ist, dass man sich geeinigt hat auf diese Sondierungspartie. Es muss natürlich nur umgesetzt werden, aber das ist schon mal eine gute Nachricht. Wir müssen, glaube ich, weniger diskutieren und mehr umsetzen. Wir müssen machen. Das ist, glaube ich, das, was die weltpolitische Lage verlangt von uns.
Sprecher 2: Sie haben viele Verhandlungen erlebt. Sie waren viele Jahre im Kanzleramt als Berater für Angela Merkel. Würden Sie sagen... Dass ein Koalitionsvertrag eigentlich ohnehin in diesen Zeiten obsolet ist und lieber solides handwerkliches Regieren und grobe Ziele einer Regierung das Leben leichter machen könnten?
Sprecher 10: Ja, ich glaube, dass das sowieso sich dann auch ein Stück weit überholt und dass es vielleicht am Anfang ganz gut ist, dass man sich hinsetzt und sagt, welche Prioritäten setze ich. Das kann man dann auch im Laufe der Legislaturperiode sich dann auch wieder angucken. Aber wenn es dann Monate dauert und es sehr, sehr groß und sehr kleinteilig ist, dann wäre ich eher dafür, dass man das etwas reduziert, weil die Politik holt einen dann sowieso wieder ein.
Sprecher 2: Ein 500 Milliarden Euro Sondervermögen, eine Ausnahme bei der Schuldenmörse für die Verteidigung. Machen Sie sich Sorgen um die finanzielle Stabilität in Deutschland als Ökonom jetzt mal gefragt?
Sprecher 10: Also das hängt davon ab, wie man das jetzt umsetzt. Es ist ja erst die Finanzierung gekommen und jetzt redet man ja über sowohl die Wirtschaftsreform als auch den Bürokratieabbau, sodass die Infrastrukturseite dann auch auf die Straße kommt. Weil wenn wir jetzt nicht Wirtschaftswachstum bekommen, dann wird diese großen Schulden, die wir jetzt aufnehmen werden, zu Recht, zumindest im Verteidigungsbereich, da sind ja glaube ich auch viele der Meinung, da muss was passieren. Aber im Infrastrukturbereich kommt es wirklich an und kann es auch auf die Straße kommen. Also da muss man glaube ich auch in den Kommunen schauen, wann wird eine Brücke gebaut und wann nicht. Das ist in der Vergangenheit ja nicht immer daran gescheitert, dass kein Geld da war. Wenn man das jetzt richtig umsetzt mit den Wirtschaftsreformen, ich finde zum Beispiel auch eine Unternehmenssteuerreform ganz wichtig, dann ist das stemmbar und insgesamt auch gut für unsere Bürger. Und dann hat auch die demokratische Mitte meiner Meinung nach seine Aufgabe erfüllt.
Sprecher 2: Mal Hand aufs Herz, Herr Röller. Sie haben viele Jahre im Kanzleramt die Kanzlerin beraten. Gab es auch so etwas wie vertane Chancen in der Amtszeit Merkel? Ist doch etwas aufzuholen, was Sie damals vielleicht der Kanzlerin nicht geraten haben oder sie nicht umsetzen konnte?
Sprecher 10: Es geht, glaube ich, immer darum, ob die Schulden dann oder das Geld, was der Staat aufnimmt, sinnvoll ausgegeben wird. Insofern war immer die Diskussion, haben wir die Strukturreformen und kommt das Geld an? Das Problem existiert jetzt auch noch. Insofern würde ich sagen, hat sich eigentlich an der Aufgabenstellung gar nichts geändert. Deswegen sage ich auch, dass die Sache sich dann rechnet, auch ökonomisch. Und ich sage, alle Ökonomen sagen das, wenn jetzt nach A auch B folgt. Und das ist in den Koalitionsverhandlungen und nachher in der Umsetzung. Ich bin ein großer Fan von Umsetzung. Koalitionsverhandlungen ist das eine, aber nachher die Dinge auch wirklich alle umzusetzen, in ganz vielen Entscheidungen jedes Tag anstehen. Wenn das gelingt, dann ist das eine vernünftige Vorgehensweise.
Sprecher 2: Aber müsste man dann nicht erst die schmerzhaften Geschichten verhandeln, bevor die Schatulle aufgemacht wird? Jetzt macht man es andersrum. Wo ist jetzt noch der Druck auf die Politik?
Sprecher 10: Genau, das ist auch der Sinn der Schuldenbremse gewesen, dass man eigentlich den Druck aufrechterhält zu priorisieren. Der ist jetzt da, weil ich glaube, insgesamt die Situation so ist, wenn jetzt nicht geliefert wird, dann haben wir ein Problem. Aber die Schuldenbremse ist jetzt gelockert. Ich finde, man muss nochmal überlegen, wie man das Kriterium der Zusätzlichkeit, das Fensi, bei dem Sondervermögen, bei der Infrastruktur, wie man das sozusagen festmachen kann. Weil die Schuldenbremse ist nicht mehr da, es ist außerhalb der Schuldenbremse. Und da gibt es zum Beispiel Überlegungen, dass man Investitionsquoten oder andere Dinge sich mal überlegt. Du kannst natürlich auch jetzt im Koalitionsvertrag reinschreiben, das Wort Zusätzlichkeit und ein Political Commitment. Aber ich fände es eigentlich richtig, und nochmal darüber nachzudenken, wie man die Schuldenbremse dann ein Stück weit ersetzt, über diese Zusätzlichkeit und da nochmal nachdenkt, wie kann man sich eigentlich binden dazu, dass das Geld auch wirklich in die Infrastruktur zumindest großteils geht.
Sprecher 2: Eine Herausforderung, vor der die neue Bundesregierung steht, die kennen Sie ganz gut, weil Sie sie selber hatten vor vielen Jahren, nämlich der neu gewählte amerikanische Präsident heißt Donald Trump und er überzieht Europa mit Zöllen. Sie mussten mit Angela Merkel und den europäischen Partnern damals reagieren. Schildern Sie mal, was Sie damals gemacht haben und was vielleicht auch eine Strategie für einen möglichen Bundeskanzler Merz wäre.
Sprecher 10: Ja, also wir haben uns das damals sehr gut überlegt. Wir waren ja im Weißen Haus, ich glaube im März 2017 zum ersten Mal und haben natürlich versucht zu erklären, dass die transatlantischen auch das Handelsdefizit, was wir haben, für Amerika große Vorteile hat. Zum Beispiel im Dienstleistungsbereich ist das Handelsdefizit andersrum. Wir investieren sehr viel in Amerika, das haben wir versucht. Also die erste Sache ist, man versucht, seine Argumente zu machen. Ich glaube, das ist schwierig, wenn man ihn jetzt so anhört, um es mal nett zu sagen. Ich finde die Kommission mit den Listen, die gab es damals auch.
Sprecher 2: Also Sie meinen Jeans und Whisky?
Sprecher 10: Jeans, Whiskys und andere Dinge. Es sind ja zwei Schritte. Am ersten kommt, glaube ich, der erste Schritt am 13. April. Der zweite Schritt mit auch landwirtschaftlichen Produkten. Man schaut auch auf die Staaten, die republikanisch sind. Hat ja damals übrigens auch ein Stück weit funktioniert. Damals, Sie erinnern sich, ist dann Herr Juncker noch hingefahren, hat einen Deal mit Sojabienen gemacht. Also man muss dann schon reagieren, man darf aber nicht überreagieren und man muss immer sagen, ich bin bereit, mit dir zu reden, weil Amerika ist nun ein Land, was für uns extrem wichtig ist. Wir sind kurzfristig in allen Bereichen, Verteidigung, Sicherheit, Nachrichtendienste und auch Wirtschaft. Mit Sicherheit kurzfristig noch sehr abhängig.
Sprecher 2: Ist das nicht das Problem, dass Trump immer sagen kann, die wirtschaftlichen Interessen von euch, wir verknüpfen die einfach mal mit Sicherheit. Gesundheitsinteressen und dann sind wir blank.
Sprecher 10: Aber die Gefahr ist in der Tat, dass er alles mit allem verknüpft, dass gar nicht klar ist, was er eigentlich genau will. Und da muss man mit ihm im Gespräch bleiben. Und ich könnte mir auch schon Ihre Frage jetzt so beantworten, dass natürlich ein Friedrich Merz, der sehr viel Erfahrung hat, auch in Amerika, eher im privaten Bereich als im öffentlichen Bereich, da natürlich eine Riesenchance hat, mit ihm da eine gute Beziehung aufzubauen.
Sprecher 2: Brauchen wir ein neues ökonomisches Grundverständnis zwischen den USA und Europa, vielleicht neue Initiativen bei Handelsabkommen, um immer wieder auch Donald Trump zu signalisieren, du hast auch was von uns, von Europa, wenn wir zusammenkommen.
Sprecher 10: Die strategische Frage mit Amerika ist, inwieweit wir sozusagen ihm entgegenkommen. Zum Beispiel LNG kaufen oder mit ihm sagen, wir sind auf deiner Seite und gegen China und hoffen daraus sozusagen zu retten, was zu retten ist. Oder, wo ich eher dafür wäre, um die Frage zu beantworten, wir diversifizieren uns in der Welt. Die laufen uns, sage ich mal auf gut Deutsch, im Moment die Bude ein, die anderen Länder. Wir sind da richtig weit gekommen. Das Handelsabkommen mit Indien hatte ich teilweise auch betreut. Es läuft ja zehn Jahre und wir haben es ja nicht geschafft. Und ganz viele andere Länder, auch Lateinamerika, ich finde, wir sollten als Europäer den Amerikanern immer die Hand ausstrecken und das machen sie. Aber wir sollten uns diversifizieren und dazu gehört auch, aus meiner Sicht, China. Die Bundesregierung muss sich da entscheiden, wie sie sich aufstellt. Wir hatten ja damals ein Investitionsschutzabkommen mit China verhandelt, was immer noch in der Schublade liegt. Ich finde, das könnte man wieder rausholen. Aber da muss natürlich politisch jetzt der Wille da sein und keine Idee, wir diversifizieren uns. Und du bist dann auch gegenüber den Amerikanern und Trump aus einer Position der Stärke, weil du eben Alternativen hast. Es geht immer nur um Alternativen in Verhandlungen.
Sprecher 2: Damit sind wir beim Thema. Sie haben ja mit dem Berlin Global Dialog ein exzellentes geopolitisches neues Diskussionsform, internationales Format hier nach Berlin geholt. Und da ist immer wieder auch die Frage, im letzten Jahr gewesen, wahrscheinlich auch dieses Jahr, strategisch einerseits bei den USA bleiben, aber andererseits neue Räume finden. Wie müssten wir denn nicht so ehrlich sein und sagen, tut mir leid, Donald Trump, deine China-Politik werden wir in Europa nicht mitmachen. Das heißt, wir gehen sie nicht mit. Das wäre eine Affront gegenüber den Amerikanern.
Sprecher 10: Ja, so würde ich es nicht sagen, aber ich würde es einfach...
Sprecher 2: Aber so wie Sie es meinen, es wäre eine harte Blockade, wollen wir ja nicht.
Sprecher 10: Das würde mit China eine interessensgeleitete Außenpolitik betreiben. Wir müssen auch bei China aufpassen, dass wir unsere Interessen entsprechend vertreten. Es geht nicht um Appeasement von China, sondern es geht darum, dass wir eine pragmatische Zusammenarbeit mit ihnen machen. Also der Berlin Global Dialog ist ein neues Format, was insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft und CEOs, Entscheidungsträgern voranbringt. Die Entscheidungen werden da nicht getroffen, aber eine Plattform zu bilden. sodass Entscheidungsträger zusammenkommen in Berlin, um hier sozusagen Dinge zu diskutieren. Das ist eine meiner Herzensaufgaben, die ich jetzt mache.
Sprecher 2: Das sind spannende Zeiten für Ökonomen, wie Sie die Politikberatung ja lieben und gemacht haben. Wünschen Sie sich manchmal oder wollen Sie sogar wieder ein bisschen mitmischen? Würden Sie mitmischen wollen, wenn Friedrich Merz Sie anruft und sagt, Lars Heinrich, ich brauche dich?
Sprecher 10: Ja, also ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich jetzt mache. Ich bin ja eigentlich auch schon im Ruhestand. Also ich beziehe eine Pension.
Sprecher 2: Man merkt es nur nicht.
Sprecher 10: Das ist nett, dass Sie das sagen, aber es macht mir sehr viel Spaß. Ich habe das zehn Jahre lang im Kanzleramt gemacht und ich kann Ihnen sagen, das war für meine Gesundheit nicht dienlich. Insofern, mir geht es gut.
Sprecher 2: Vielen Dank, lieber Herr Röller.
Sprecher 10: Vielen Dank. Dankeschön.
Sprecher 2: Das war's für heute bei Table Today und niemand fragt mich heute, war noch was? Also muss ich selber mich von Ihnen verabschieden. Ich bin ein paar Tage jetzt Skifahren in Österreich. Sie bekommen hier in den nächsten Tagen also Helene Pur. Freuen Sie sich sehr darauf. Ich muss ab und zu mal in die Berge, in mein geliebtes Österreich. Sie wissen, das ist die Leidenschaft, auf die ich nie verzichten möchte. Und deswegen verabschiede ich mich hier mit dem wichtigsten Österreicher, würde ich sagen, den es überhaupt nur gibt. Und das ist natürlich Falco. Immerhin der Einzige, der mit einem deutschsprachigen Song mal an die Spitze der amerikanischen Charts gelandet ist. Wie könnten wir besser enden als mit einer echten österreichisch-europäisch-transatlantischen Antwort? Ich freue mich, wenn Sie dann am Montag wieder dabei sind, wenn Helene hier übernimmt. Ich bin ein paar Tage weg. Machen Sie es gut. Tschüss und auf Wiederhören.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.