Gibt es eine neue Achse "Mercron"?
Die frühere französische Verteidigungsministerin Sylvie Goulard begrüßt eine verstärkte deutsch-französische Initiative zur Verteidigung. „Es ist Zeit, dass wir das Schicksal in die eigene Hand nehmen", sagt Goulard im Gespräch mit Michael Bröcker. „Die große Frage ist, sind wir bereit, füreinander zu sterben? Deutsche und Franzosen müssten aufeinander zugehen. Die Deutschen haben Recht, das öffentliche Geld muss gut verwaltet werden. Aber umgekehrt ist auch die Zeit der Tabus vorbei." Gemeinsame europäische Finanzierungsinstrumente seien notwendig. „Die europäische Perspektive macht uns alle größer."
An der Spitze der EU und in der Unionsführung wird über ein neues Instrument zur Finanzierung der europäischen Verteidigungsfähigkeit nachgedacht.
Nach Informationen aus CDU-Kreisen und aus dem Elysée-Palast soll Friedrich Merz am Mittwochabend mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron über einen neuen milliardenschweren Verteidigungsfonds als dauerhafte Hilfestellung für die Ukraine und zur Verteidigungsfähigkeit Europas gesprochen haben. Dieses Finanzinstrument könnte mit einer Banklizenz ausgestattet werden und so Kredite zur Finanzierung von Rüstungsvorhaben vergeben. Vorbild wäre der ESM, der als eigene Finanzinstitution in der Staatsschuldenkrise zur Rettung der kriselnden Euro-Staaten gegründet und mit 700 Milliarden Euro gefüllt wurde.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Während ich hier noch ein wenig kränkel, beginnt in wenigen Minuten die vielleicht wichtigste politische Runde für die nächsten vier Jahre. Die Sondierungsteams zwischen Union und SPD, sie stehen jetzt fest. Wahrscheinlich haben sie es gestern im Berlin-Table schon nachgelesen. Für die Union gehen natürlich Friedrich Merz und Markus Söder, allerdings auch Thorsten Frei, Michael Kretschmer, Carsten Linnemann, Martin Huber, Alexander Dobrindt und die beiden stellvertretenden Vorsitzenden Karin Prien und Dorothee Bär ins Rennen. Die SPD, die eigentlich in kleinerer Besetzung tagen wollte, kommt nun mit Hubertus Heil, Manuela Schwesig, Anke Rehlinger, Achim Post, Lars Klingbeil, Boris Pistorius, Bärbel Baas, Saskia Esken und Matthias Mirsch. Es geht am Anfang sicherlich sofort um die große Geldfrage. Wie finanzieren wir in Europa unsere eigene Verteidigung? Da gibt es eine neue Idee, über die auch schon Friedrich Merz und Emmanuel Macron in Paris gesprochen haben sollen. Wir haben exklusive Details und klären sie gleich mal auf.
Sprecher 3: Ja, das deutsch-französische Verhältnis ist essentiell für ein starkes Europa. Olaf Scholz und Emmanuel Macron, das hat nicht so richtig gut funktioniert. Und mit Friedrich Merz soll es nun anders werden. Er und Macron kennen sich und, so wie man hört, schätzen sie sich auch. Wir haben mit der früheren französischen Verteidigungsministerin Sylvie Goulart über die Frage gesprochen. die Wiederbelebung des deutsch-französischen Verhältnisses gesprochen.
Sprecher 2: Macron bleibt also unsere Achse hier in Europa, aber auch in Wien gibt es Neuigkeiten. Da ist womöglich dann doch ein ÖVP-Kanzler demnächst in der Wiener Hofburg. Er heißt Stocker und wir stellen ihn Ihnen mal vor.
Sprecher 3: Sehr europäisch geht es heute zu an diesem Freitag, den 28. Februar. Wie schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 4: Today it's my privilege to welcome the Prime Minister of a very special place, the United Kingdom.
Sprecher 5: I thought we had a very productive discussion. Obviously, I think that European countries, including the United Kingdom, need to step up. And we're obviously working with other European countries on that, France and NATO in particular. But I've got, I think I'm hosting 18 countries on Sunday to further our discussions.
Sprecher 4: And I don't want to pay billions and billions and billions of dollars, nor does the prime minister or anybody else. But I think it's going to be a peace that's going to be long-lasting.
Sprecher 5: But we have to get it right. There's a famous slogan in the United Kingdom. From after the Second World War, we have to win the peace. We agree history must be on the side of the peacemaker, not the invader.
Sprecher 2: 326 Milliarden Euro geben schon heute die EU-Mitgliedstaaten für ihre eigene Verteidigung aus. Doch das wird nicht. reichen erst recht nicht, wenn Donald Trump seine Ankündigungen wahrmacht. Und deswegen wird jetzt verhandelt hinter den Kulissen, wie bekommt man mehr Geld aus den nationalen Etats in die europäische Verteidigung. Und da gibt es ein paar neue Ideen.
Sprecher 3: Ja, ein europäisches Instrument soll aufgelegt werden, aber intergouvernemental soll sein Charakter sein. Also keine EU-Geschichte, sondern von den Mitgliedstaaten, die mitmachen wollen. Ein Verteidigungsfonds, das eingezahlte Geld, die Rede ist von 10 bis 30 Milliarden Euro. Dieses Geld soll aber primär dazu dienen, eine Hebelwirkung zu entfalten, dass am Ende bis zu 200 Milliarden Euro zusammenkommen für die Verteidigung. Und darüber haben Emmanuel Macron und Friedrich Merz gesprochen.
Sprecher 2: Diese Information haben wir zumindest aus dem Élysée-Palast. Aber spannend ist auch, die Polen in Warschau wollen mitmachen. Das sagt uns der stellvertretende Außenminister Marek Krawda. Und London hat diese Idee überhaupt erst entworfen. Von einem früheren britischen Verteidigungsexperten kommt diese Idee. Und sie erinnert an den ESM. Sie erinnern sich an den Staatsschuldenkrisenfonds, der damals die Rettung Europas mit 800 Milliarden Euro insgesamt leisten sollte. Und ein ähnliches Konstrukt jetzt. Aber trotzdem, Helene, werden nationale Haushalte gebraucht. Also man muss auch hier in Deutschland in die Parlamente ran, um dieses Grundkapital für diesen europäischen Fonds überhaupt bereitstellen zu können.
Sprecher 3: Ja, Michael, du sagst es am Ende, müssen die Mitgliedstaaten das Geld auftreiben, also auch Deutschland. Da hat mittlerweile auch die CDU verstanden, dass man das nicht alleine aus dem Haushalt organisieren kann. Die, sagen wir mal, 5 bis 10 Milliarden Euro, die auf Deutschland zukommen für diesen Verteidigungsfonds, so ungefähr sind die Schätzungen bis jetzt. Sprich, das Thema Sondervermögen ist alles andere als vom Tisch, sondern kurz nach der Wahl mitten auf dem Tisch. Die Rede ist davon, dass nun auch Friedrich Merz noch... Vor der Konstituierung des neuen Bundestags. Also, solange es eine Zweidrittelmehrheit der Parteien der Mitte gibt, ein neues Sondervermögen für die Bundeswehr auflegen will. Die Rede ist von rund 200 Milliarden Euro. Und hinter den Kulissen laufen nun die Diskussionen mit SPD und mit Grünen darüber, ob man so ein Paket noch schnell zustande kriegt.
Sprecher 2: Genau, und die Grünen und die Roten, also die SPD, die wollen den Begriff der Sicherheit erweitern, sodass man eben auch mit dem Geld Infrastruktur, nicht nur militärische, auch logistische finanzieren kann, Sicherheit, vielleicht auch Zivilschutz, Katastrophenschutz, also die Resilienz der Gesellschaft da mit einbezieht, um eben auch die Zustimmung im linken Lager zu bekommen. Es sieht alles danach aus, dass es diesen Doppelwumms am Ende gibt, aber nicht von Olaf Scholz, sondern von Friedrich Merz, nämlich europäischen Verteidigungsfonds plus nationales Sondervermögen, um dann eben alle anderen Themen, die in den nächsten Wochen in den Koalitionsverhandlungen diskutiert werden, im Haushalt lösen zu können.
Sprecher 3: Ein bisschen merkwürdig mutet das natürlich schon an, dass jetzt so kurz... nach der Wahl vor der Konstituierung in diesen vier Wochen quasi handstreichartig solche weitreichenden Entscheidungen getroffen werden. Das ist schon etwas unglücklich aus der Unionsfraktion ist zu hören, dass man das natürlich eigentlich nicht wollte, aber dann doch irgendwie überrascht war, dass man nach der Wahl eben keine Zweidrittelmehrheit mit den Parteien der Mitte mehr hat und jetzt eben doch zum Handeln gezwungen ist. Ob das das Vertrauen in unser System stärkt, ich weiß es nicht. Aber die Notwendigkeit ist natürlich groß. Nicht nur, weil der Krieg in der Ukraine mit unvermittelter Härte weiter tobt und wir uns Gedanken machen müssen über unsere Verteidigung, sondern natürlich auch, weil Amerika Druck macht. Und da kann man jetzt sagen, Trump wirkt, der ja darauf pocht, dass er selber 915 Milliarden Dollar für Verteidigung ausgibt und sagt, die Europäer müssen jetzt eben auch selber mehr machen, sonst sind wir nicht mehr an ihrer Seite. Und das Resultat sehen wir direkt jetzt.
Sprecher 2: Nächste Woche dürfte das vielleicht schon konkretisiert werden beim EU-Staats- und Regierungschef-Gipfel. Friedrich Merz soll nicht dabei sein, so hat es Olaf Scholz schon klar gemacht, aber er wird dann wahrscheinlich im Vorfeld seine bilateralen Gespräche führen. Also Ende nächster Woche dürfte man bei dem Thema Verteidigungsfonds jedenfalls schon Klarheit haben.
Sprecher 3: Ursula von der Leyen hat jetzt auch schon Sympathie bekundet, hat ihrerseits sich das Thema zu eigen gemacht. Von einem Verteidigungsfonds ist die Rede, so schreibt es das Handelsblatt, nach dem Vorbild des Wiederaufbaufonds nach Corona. Und da soll gezielt investiert werden, wo derzeit Defizite sind. sind insbesondere beim Raketenschutzschirm, Drohnen und militärisch genutzter künstlicher Intelligenz. Gehen wir von Brüssel nach Wien. Dort ist auch einiges los. Es gibt sie doch die Koalition und zwar ohne FPÖ. Österreich bekommt die Deutschland-Koalition.
Sprecher 2: Christian Stocker könnte der neue Bundeskanzler Österreichs heißen. Irgendwie ist jetzt doch möglich, was vorher nicht möglich war. Und wer ist eigentlich dieser Christian Stocker? Ich glaube, sein Bekanntheitsgrad in Deutschland ist noch überschaubar. Ein christlich Sozialpolitiker der alten Schule heißt es. Er steht für Familie, Fleiß und Sicherheit. 1960 geboren.
Sprecher 3: Er kommt aus der Wiener Neustadt, also etwa 50 Kilometer von Wien entfernt. Und er war seit 2022 Generalsekretär der ÖVP.
Sprecher 2: Ja, nachdem der Kurzzeit-Bundeskanzler Karl Nehammer seinen Rückzug erklärt hatte, war Stocker, der übernommen hatte, dann zwischenzeitlich auch Gespräche mit der FPÖ führte, die zum Glück, muss man sagen, gescheitert sind. Ein rechtsextremer Kanzler in unserem geliebten Nachbarland bleibt uns wohl erspart. Und die österreichische Presse, sie ist auch überrascht, so wie wir. Sie schreibt zum Beispiel Profil vom unwahrscheinlichsten Kanzler aller Zeiten und einer Verlegenheitslösung.
Sprecher 3: Die Kräfte der politischen Mitte haben sich jetzt noch einmal aufgerafft. Es ist eine Dreierkoalition. Einfach wird das sicher. Und trotzdem sind wir natürlich im Nachbarland hier erleichtert und wünschen Ihnen, dass Deutschland bei Ihnen besser läuft als bei uns die Ampel.
Sprecher 2: Christian Stocker, Helene, ist übrigens leidenschaftlicher Fliegenfischer. Was auch immer das eigentlich ist, weißt du es?
Sprecher 3: Ja, ich weiß es zufälligerweise ziemlich genau. Das ist wie Angeln, aber nicht mit Würmern, was ja immer so ein bisschen eklig ist, wenn man die auf Angelhaken spießen muss, sondern... Zum Teil mit großer Liebe gebauten Fliegen, die unter Mikroskopen werden da schöne flügische Reim gesetzt und so weiter. Aber der Mann fährt außerdem gerne Vespa, das haben wir herausgefunden, spielt Golf und ist im früheren Leben einmal Rechtsanwalt gewesen.
Sprecher 2: Und er spielt Saxophon wie einst Bill Clinton, wenn das nicht ein gutes Omen ist. Jedenfalls die Kernpunkte des Koalitionsvertrags. Man muss es sagen, Österreich bleibt auf der radikalen Spur in Sachen Asylpolitik. Auch diese Mitte-Links-Koalition will einen Asylstopp verhängen. Der Familiennachzug für Pflichtlinge soll generell gestoppt werden. Ein neues Integrationsprogramm ab dem ersten Tag sieht vor, dass Asylsuchende Deutsch lernen und arbeiten müssen und nur noch eingeschränkten Zugang zur Sozialleistung erhalten soll.
Sprecher 3: Also ein restriktiver Kurs in der Migrationspolitik. Diese Bestrebungen sehen wir jetzt ja in nahezu allen europäischen Mitgliedstaaten. Aber eben nicht unter der Führung der FPÖ, die ja noch ganz andere Dinge im Sinn hatte. Die übrigens auch mit der österreichischen Verfassung kaum vereinbar waren und mit europäischem Recht schon gar nicht.
Sprecher 2: Und was sagt Stocker selbst eigentlich, warum jetzt doch geht, nachdem er... vorher die Verhandlungen mit diesen Partnern in den Sand gesetzt haben. Hören wir mal kurz rein.
Sprecher 6: Es ist zwar richtig, dass nach dieser Wahl eigentlich drei Regierungsverhandlungen geführt worden sind, Aber wir haben gesehen, dass all das, was wir im Herbst gemacht und verhandelt und erzielt haben, eine gute Grundlage war, damit wir jetzt relativ rasch zu einer Einigung kommen konnten. Und ich sage auch ganz offen, Es ist immer schön, wenn man das Buch von hinten lesen kann. Im Leben ist es aber anders und in der Politik auch. Und manchmal kann man es nicht nur nicht von hinten lesen, sondern darf auch kein Kapitel auslassen.
Sprecher 3: Friedrich Merz hatte im Wahlkampf immer vor österreichischen Verhältnissen gewarnt. Nun bleibt auch Friedrich Merz einiges erspart. Er muss nicht mit einem FPÖ-Kanzler als seinen Nachbarn auskommen, sondern mit jemandem aus der christlich-demokratischen Familie, mit dem er dann doch sehr viel mehr Gemeinsamkeiten hat.
Sprecher 2: Frankreich ist nicht nur unser langjährigster europäischer Partner, sondern auch unser wichtigster. Das gilt seit Adenauers Zeiten und es war bei Helmut Kohl und bei Gerhard Schröder und auch bei Angela Merkel nie anders. Sie konnte schon mit dem kleinen, wuseligen Nicolas Sarkozy, erst recht mit Emmanuel Macron. Und jetzt, nachdem Olaf Scholz, man muss es so sagen, seine Probleme mit dem französischen Partner hatte, oder vielleicht eher mit Olaf Scholz, ist Friedrich Merz jetzt erneut zu Emmanuel Macron. Die beiden stimmen sich eng ab und es sieht so aus, als gäbe es wieder einmal eine kleine neue Macron-Achse, nur diesmal mit Merz. Was heißt das da wirklich, was da in Paris besprochen wurde? Und kann es ein Comeback dieser Achse geben, erweitert um Warschau? Das haben wir mit der ehemaligen französischen Verteidigungsministerin Sylvie Goulart besprochen, die sich sehr gut auskennt und zum Glück sehr gut Deutsch spricht. Einen wunderschönen guten Tag. Hallo Frau Goulart.
Sprecher 7: Guten Tag, Herr Brücker.
Sprecher 2: Wir erleben in den vergangenen Tagen eine neue Harmonie, zumindest zwischen Emmanuel Macron und dem wahrscheinlich künftigen Bundeskanzler Friedrich Merz. Wir sprechen schon von Mercron, einer neuen französischen Achse. Empfindet man das in Frankreich ähnlich?
Sprecher 7: Ja, ich glaube schon. Es gibt eine Hoffnung, dass die Dinge sich bewegen. Und um ehrlich zu sein, hat das nicht nur mit der Wahl in Deutschland zu tun, sondern der Grund dafür ist die Weltwahl. der Situation, die nach der Wahl von Herrn Trump entstanden ist.
Sprecher 2: Wir haben gar keine andere Wahl, als uns jetzt wirklich zusammenzuraufen. Verstehe ich Sie richtig?
Sprecher 7: Ich würde nicht nur sagen, dass wir keine andere Wahl haben. Ich würde betonen, dass wir auch eine gewisse Erfahrung haben. Und dass sie nützlich sein kann und dass es auch gut ist, wenn in jedem Land vielleicht etwas mehr Zuhörer für die Vision des anderen existiert. Unsere Länder sind sehr unterschiedlich. Das hilft uns, stärker zu sein. Also ich würde das nicht auf eine, keine Alternative reduzieren. Das wäre nicht auf der Höhe der Herausforderung.
Sprecher 2: Was ist denn für Sie der Kern dieser deutsch-französischen Achse, wenn man das nimmt, was Sie gerade gesagt haben? Eigentlich sehr unterschiedliche Mentalitäten in den jeweiligen Ländern, unterschiedliche Industrie- und Wirtschaftsstruktur, dann der Zentralismus dort versus das Föderalismus hier und dann immer wieder diese ganz unterschiedlichen Typen an der Spitze des Staates. Und trotzdem hat es eigentlich immer funktioniert, oder?
Sprecher 7: Also nicht immer. Man darf auch nicht schonen, was die Vergangenheit gewesen ist. Und wir sollten nicht so bleuaugisch sein und sagen, ja, die Konvergenz ist wieder da. Was ich hoffe, ist, dass die beiden Herren, die Sie erwähnt haben, Herr Macron und Herr Merz, wenn er als... Bundeskanzler bestätigt ist. ist, dass sie einen Gesamtkonzept einerseits, aber auch einen Stufenplan entwickeln und dass wir endlich die Arbeit leisten, die wir brauchen, weil viele Themen sind komplex und erfordern gegenseitige Kompromisse.
Sprecher 2: Womit dieser Stufenplan ja wohl beginnen müsste, ist eine Art europäische Verteidigungsunion, zumindest in einem Kerneuropa, also von einigen Ländern. Darüber gibt es derzeit auch Gespräche. Von einem europäischen Verteidigungsfonds ist die Rede. Wie könnte so ein Nukleus einer Verteidigungsunion aussehen?
Sprecher 7: Warum haben wir dekadelang einen großen Teil unserer Souveränität einfach delegiert und gleichzeitig immer jeden Schritt mehr Zusammenarbeit oder Transfer von Souveränität in Brüssel als ein Problem angesehen? Also ich glaube, vielleicht müssen wir uns die Zeit nehmen, die Dinge in die richtige Perspektive zu stellen. Das heißt, wir haben ein Risiko genommen, indem wir das delegiert haben. Und jetzt ist es Zeit, dass wir unser Schicksal in unseren Händen wieder nehmen. Und ganz konkret heißt es, dass wir Verteidigungsmittel entwickeln, aber auch, und das will ich betonen, Verteidigung ist viel mehr als... 2%, 3%, 4% vom Bruttosozialprodukt. Für eine gemeinsame Verteidigung muss man zuerst wissen, wofür man bereit ist zu sterben. Sind wir füreinander bereit zu sterben? Sind wir für gemeinsame Werte bereit zu sterben? Wollen wir unsere Freiheit? Wollen wir unseren Wohlstand? Also ich finde manchmal die Diskussion, die sich so sehr auf das Geld polarisiert, ist ein bisschen zu kurz. Und können wir sicherstellen, auf Deutsch gibt es ein wunderschönes Wort, also haben wir ein Wir-Gefühl? Das Problem war in den letzten Jahren, dass wir die Schusskinder... Des Friedens waren und vielleicht mit einer gewissen Gleichgültigkeit, also diese EU von Opa betrachtet haben. Jetzt wird es ernst. Noch dazu müssen wir uns die Frage stellen, was ist die wirtschaftliche Dimension der Verteidigung? Was ich in Deutschland immer gemocht habe, das ist das... Die Deutschen viel mehr als die Franzosen den Wert darauf legen, dass Wettbewerbsfähigkeit auch dabei ist und die Verteidigung finanziert. In Frankreich haben wir eine politische Vision, die sich manchmal nicht genug von der Finanzierung kümmert. Das heißt, wir können nicht total... Verteidigung von Wirtschaft trennen, das hätte keinen Sinn. einen Gesamtkonzept. Man kann nicht sagen, wir machen Verteidigung und nicht den Rest. Das wäre sehr komisch, auch wenn wir selbstverständlich, da bin ich einverstanden, in diesem Bereich mehr Fortschritte jetzt brauchen.
Sprecher 2: Sie sagen, wir brauchen die gemeinsame Analyse dessen, wozu wir bereit sind. Und Sie haben dann gesagt, sind wir bereit füreinander zu sterben? Das ist ja die Grundfrage. Ist Europa schon so weit, dass es eine gemeinsame Verteidigung wirklich hinbekommen könnte?
Sprecher 7: Also was mir klar ist, ist, dass wenn die Gefahr da ist, Und leider befinden wir uns in einer Situation, die besonders gefährlich ist, wo nicht nur die Amerikaner uns sagen, wir wollen nicht mehr für die Sicherheit in Europa bezahlen, sondern sie machen auch gleichzeitig eine Allianz mit Russland oder sie sagen mindestens eine Allianz in der VN, haben sie schon gezeigt mit der Abstimmung. Und noch dazu, die spielen mit den Kräften, die innerhalb unserer Länder die Demokratie und die Europäische Union unterminieren. Das heißt, die Situation ist besonders gefährlich. Und insofern habe ich persönlich überhaupt keinen Zweifel daran, dass wenn ein Angebot gemacht wird von unseren Staats- und Regierungschefs, die sagen, wir machen alles, um uns zusammen zu verteidigen, dass die überwiegende Mehrheit der Europäer dafür sein wird.
Sprecher 2: Dann gibt es trotzdem ja immer in den vergangenen Jahren, war es jedenfalls so am Ende, doch die Debatte ums Geld. Deutschland will auf keinen Fall die gemeinsame europäische Schuldenaufnahme, Frankreich schon.
Sprecher 7: Die Deutschen haben recht, wenn sie sagen, das öffentliche Geld muss gut verwaltet werden. Und da waren wir in Frankreich mit Italienern und anderen nicht besonders gut. Aber umgekehrt, ich glaube wirklich, dass die Zeit von Tabus und manchmal sehr kurzsichtigen Positionen ist auch vorbei. Und für die Deutschen, die Investition in die Verteidigung ist eine Investition auf Stabilität. Ohne Verteidigung, ohne Sicherheit wird es keine deutsche Wirtschaft geben, wird es vielleicht keine Freiheit geben. Wir müssen das öffentliche Geld besser verwalten. Da hoffe ich, dass die Deutschen etwas Druck auf uns üben. Eine Synthese der beiden Positionen bietet viel mehr Perspektiven für die Zukunft als die eine oder die andere Position allein.
Sprecher 2: Letzte Frage, Frau Gula. Emmanuel Macron ist ein Visionär, der schnell und dynamisch und mit viel Tempo Europa vorantreiben will und zugleich... Hat er diese innenpolitische Macht gar nicht mehr, die er außenpolitisch dynamisch eigentlich demonstriert. Passt das überhaupt noch zusammen, was er mit Friedrich Merz eventuell machen könnte?
Sprecher 7: Also zuerst, ich glaube, wenn er... Macron 2017, 2019 seine Reden gehalten hat über die Zukunft Europas oder über die Schwierigkeiten der NATO. Das wäre nicht schlecht gewesen, dass man vielleicht antwortet und dass man antworten vielleicht mit positiven, Bemerkungen, vielleicht Gegenpositionen. Meiner Meinung nach befindet sich er, Macron, intern in Schwierigkeiten, genauso wie er Scholz, weil die beiden die deutsch-französische Karte und die europäische Karte nicht genug gespielt haben. Ich sehe das umgekehrt, wenn ich es so sagen darf. Das heißt, man fragt sich immer, aber können die, weil sie so schwach sind oder weil sie so schwach waren oder weil sie intern Schwierigkeiten haben, etwas tun? Meiner Meinung nach funktioniert es anders und das hat man gemerkt in der Vergangenheit, zum Beispiel mit Chirac-Schröder. Dass die Zusammenarbeit etwas mehr Spielraum bringt, weil es die langfristigere und breitere Perspektive in der Debatte bringt. Das heißt, ich hoffe wirklich, dass die beiden Herren, der, der anfängt und der, der fast am Ende seines Mandats ist, die Weisheit haben, zu sehen, wie die europäische Perspektive uns alle größer macht, im Sinne, dass wir mehr die langfristigen Herausforderungen unserer beiden Länder sehen, als wenn wir hier alleine in unserer kleinen Ecke bleiben.
Sprecher 2: Ein wunderbarer Gedanke zum Schluss, Frau Guller. Ich hoffe sehr, dass das in den Regierungszentralen Europas gehört wird. Vielen Dank, dass Sie uns hier Ihre ersten Eindrücke geschildert haben. Vielen Dank, liebe Frau Guller.
Sprecher 7: Vielen Dank.
Sprecher 2: Gelinde, war noch was?
Sprecher 3: Michael, nächste Woche ist es wieder soweit. Die internationale Tourismusbörse ist zu Gast in Berlin. Die Leitmesse des weltweiten Tourismus. Und das macht doch direkt Lust auf Ferien.
Sprecher 2: Die Welt ist wieder mal zu Gast bei uns hier in Berlin. Was ist überhaupt deine Urlaubspläne dieses Jahr?
Sprecher 3: Michael, nicht so viel. Wir ziehen um in diesem Jahr. Und zwar brauchen wir wirklich die Ferien dazu, um unseren Hausstand erstmal zu entrümpeln und dann in die neuen vier Wände rüberzutragen.
Sprecher 2: Lene, ich würde dir sehr gerne helfen beim Umzug. Ich bin leider in Kanada. Ich schicke dir aber schöne Fotos. Erstmals in meinem Leben geht es nach Kanada. Jedenfalls sind wir Deutsche, das ist doch erfreulich, in dieser Branche zumindest weiterhin Weltmeister, die Reiseweltmeister Deutschland. Und übrigens können Sie darüber lesen im aktuellen CEO-Table, unserem Wirtschafts-Newsletter, der an diesem Samstag um 6 Uhr rauskommt. Schauen Sie doch einfach mal rein, table.media.com.
Sprecher 3: Für alle, die die Balkonien machen oder die sich einfach mal kurz so in den Urlaub träumen wollen, kommt jetzt ein wunderbares Lied von Jack. Johnson Upside Down. Und damit wünschen wir Ihnen ein schönes Wochenende. Indem wir uns noch einmal zu Wort melden, und zwar Michael mit wem?
Sprecher 2: Peter Sölkner ist bei uns der CEO von Fetter Pharma, einem der bedeutendsten Pharmaunternehmen in diesem Land. Und welchen Stellenwert diese Branche inzwischen eingenommen hat, darüber reden wir mit ihm. Und natürlich auch seine Ansprüche an die nächste Bundesregierung und den Standort Deutschland. Also Samstag wieder einmal ein kleiner Roundtable mit einem Wirtschaftslenker. Wir freuen uns, wenn Sie dabei sind. Table Today Upside Down.
Sprecher 8: Who's to say? I can't do everything, but I can try. And as I roll along, I begin to find things aren't always just what they seem. I want to turn the whole thing upside down. I'll find the things they say just can't be found. I'll share this love I'll find with them. We'll sing and dance to Mother Nature's song. This world keeps spinning, there's no time to waste. Well, it all keeps spinning, spinning round and round and upside down. Who's to say what's impossible and can't be found? I don't want this feeling to go away. Please don't go away.
Sprecher 9: Is this how it's supposed to be?