Wie geht es weiter bei SPD und Grünen?
Cem Özdemir setzt auch in Zukunft auf eine „wichtige Rolle“ von Robert Habeck bei den Grünen. „Er ist ein Sympathieträger. Viele der neuen Mitglieder sind wegen ihm eingetreten“, sagte Özdemir. Zur Kritik an Habecks Wahlkampf sagt Özedmir: „Es ist sehr gut, dass Robert Habeck bei all dem Druck auf einen Kurs der Vernunft gesetzt hat.“
Zu Gast ist auch Dr. Philipp Rottwilm. Er ist seit sieben Jahren Bürgermeister der Gemeinde Neuental in Nordhessen und zieht nun erstmals in den Bundestag ein. Rottwilm hat einen für die SPD untypischen Lebenslauf – er ist promovierter Ökonom. Im Gespräch fordert er unter anderem eine stärkere Förderung des ländlichen Raums und schnelle Fortschritte bei der Digitalisierung.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Wie geht es weiter mit der Ukraine? Darüber müssen wir wieder einmal reden. Donald Trump und Volodymyr Zelensky haben einen Rohstoffdeal gemacht. Wir sagen mal, was drinsteht. Und Emmanuel Macron und Friedrich Merz haben sich gestern Abend getroffen. Natürlich ging es auch um die Ukraine. Das spielt bei uns hier dann heute auch eine Rolle.
Sprecher 3: Reden wir außerdem über die SPD. Lars Klingbeil, der alte Parteivorsitzende und neue Fraktionsvorsitzende, sagt ja, es sei noch völlig offen, ob es überhaupt zu einer GroKo kommt. GroKo, was ist das eigentlich für ein Wort? Michael Bröker spricht seit drei Tagen von Kleiko und Robert Habeck hat dieses Wording übernommen. Also jedenfalls bei der SPD entscheiden ja am Ende die Mitglieder.
Sprecher 2: Aber es gibt auch ein paar neue Abgeordnete in dem geschrumpften SPD-Lager im Deutschen Bundestag, die durchaus spannend sind. Einer ist Philipp Rottwilm, 41 Jahre, ehemaliger Unternehmensberater, Bürgermeister, promovierter Ökonom und ja, in der SPD. Wir haben mit ihm mal darüber gesprochen, woran es eigentlich bei dieser Wahl gehapert hat.
Sprecher 3: Vom Bundesminister zum Ministerpräsidenten, das ist der Weg, den Cem Özdemir einschlagen will. Wir haben ihn gefragt, warum er daran noch glaubt, wo die Grünen doch in Baden-Württemberg jetzt auf Platz 4 gelandet sind bei der Bundestagswahl.
Sprecher 2: Es ist Weiber fast nach der 27. Februar. Es wird hier nachher bei uns auch noch ein ganz bisschen Jeck.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft Extradatenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: It's a very big deal. It could be a trillion-dollar deal. It could be whatever. But it's rare earths and other things. And look, we're spending hundreds of billions of dollars on Ukraine and Russia fighting. $350 billion. But the American taxpayer now is going to get their money back plus.
Sprecher 2: Der erste Deal ist da. Donald Trump hat ein Rohstoffabkommen mit Volodymyr Zelensky ausverhandelt. Die einen sagen Ausplünderung eines Kriegslandes, die anderen sagen guter Deal.
Sprecher 3: Ja, es ist ja interessant, dass Zelensky sich da so bewegt hat. Er war ja noch vor wenigen Tagen entrüstet über die Idee. Nun muss man sagen, da hat Trump auch nochmal nachgearbeitet. Anders als es zunächst klang, soll es nämlich einen gemeinsamen Fonds geben, den die USA und die Ukraine je zu 50 Prozent verwalten. Und trotzdem bleibt ein merkwürdiges Gefühl, denn die Amerikaner haben jetzt plötzlich Anrecht auf 50 Prozent der Bodenschätze in der Ukraine. Das mutet schon sehr nach alten Hegemonialstrukturen an. Und außerdem ist ja das, was die Ukraine eigentlich will, nämlich Sicherheitsgarantien, da bewegt sich Donald Trump nach wie vor keinen einzigen Millimeter.
Sprecher 2: Also das Geld für diesen Fonds kommt von dem Verkauf dieser Rohstoffe und Mineralien. Gemeinsam soll er verwaltet werden. In Wahrheit muss die Ukraine ihren eigenen Wiederaufbau also finanzieren. Aber die Hälfte dieser Einnahmen und Gewinne gehen in die USA, die nämlich ihre indirekte Waffenhilfe für die Ukraine sich dann durch die Rohstoff... Einnahmen aus diesem Fonds bezahlen lassen. Das ist schon eine harte Nummer. Am Ende muss eigentlich die Ukraine jetzt ihren Boden für die amerikanische Hilfe verhökern. Das ist unvorstellbar. Und Ukraines Präsident Volodymyr Zelensky hat zwar gesagt, ja, der Deal, der ist durchaus in Ordnung, aber er hätte sich Sicherheitsgarantien gewünscht. Das heißt, eine langfristige Sicherheitsinfrastruktur für die Ukraine geht damit nicht einher.
Sprecher 3: Es kursieren ja unterschiedliche Zahlen, wie viel die Amerikaner eigentlich bezahlt haben. Donald Trump behauptet, es seien 350 Milliarden Dollar für die Ukraine gewesen. Tatsächlich, und diese Zahlen sind von Ökonomen belegt, sind es 120 Milliarden Dollar, die die Amerikaner bezahlt haben. Aber wo nun klar ist, sie wollen das Geld zurück. Und zwar über diesen gemeinsamen Fonds.
Sprecher 2: Genau, er hat nochmal gesagt in einer Pressekonferenz, Donald Trump, we are trying to get the money back that the Biden administration had given to Ukraine. Also er geht davon aus, dass Joe Biden die größte Zahl dieser Gelder, die Waffenhilfen, als Zuschuss bezahlt hat. Und dafür will er jetzt rückwirkend Einnahmen aus diesem Rohstoff erlösen. Macron hat immerhin klargemacht, Europa, da gab es beides. Wir haben echte Zuschüsse gegeben, wir haben auch Kredite gegeben. Und ich glaube, darum ging es gestern Abend dann auch bei einem anderen wichtigen Treffen, nämlich bei Emmanuel Macron und Friedrich Merz, die sich in Paris getroffen haben und darüber gesprochen haben. Wahrscheinlich, wir wissen es nicht genau. Wie geht eine dauerhafte Finanzierung für die Ukraine und aus welchen Töpfen kommt sie eigentlich?
Sprecher 3: Wenn Merz und Macron ein gutes... an dem würden, Michael, dann wäre doch schon viel erreicht.
Sprecher 2: So ist es. Und danach kommt noch Warschau und London dazu, so hört man aus der Union. Und so macht Friedrich Merz Schritt für Schritt das, was Wolfgang Schäuble ihm eigentlich immer aufgetragen hat, nämlich ein Kerneuropa zu bilden. Ich glaube, da werden wir von Friedrich Merz noch einiges erwarten können. Kurz nach der Wahl hat SPD-Chef Lars Klingbeil einen Generationenwechsel gefordert und sich vor allem dann selbst eingewechselt. Manch einer spöttelt die Zahlen und das Ergebnis der SPD wurde halbiert. Die Macht für Lars Klingbeil wurde verdoppelt. Naja, wir sprachen darüber. Aber im Bundestag sitzen trotzdem durchaus ein paar interessante SPD-Abgeordnete. Mit einem wollen wir heute mal sprechen. Philipp Rothfilm, seit sechs Jahren Bürgermeister in dem kleinen hessischen Städtchen Neuental. Davor war er KPMG-Berater, ein promovierter Ökonom aus Oxford. Eine ungewöhnliche Biografie für einen Sozialdemokraten. Was macht er bei der SPD? Einen schönen guten Tag, Herr Dr. Rothwell. Ali, hallo. Nur zwei Wahlkreise hat die SPD in Hessen direkt gewonnen von über 20. Das schlechteste Ergebnis. Was ist los mit der Partei?
Sprecher 6: Ja, es ist schon so, dass natürlich die letzte Zeit für uns nicht ganz einfach gewesen ist. Wir müssen das Vertrauen, was wir verloren haben, jetzt auch wieder gewinnen.
Sprecher 2: Bei wem habt ihr Vertrauen verloren?
Sprecher 6: Vor allem kann man sagen, dass in Teilen unsere Wähler auch zur AfD gegangen sind. Das muss man ehrlich sagen, vor allem in den ländlichen Räumen. Im März nächsten Jahres ist Kommunalwahl, von daher bleibt auch für... Für Hessen, für uns als SPD dort nicht viel Zeit. Wir müssen dieses Vertrauen jetzt uns zurückarbeiten. Das sind vor allem unsere Kernwähler in der Vergangenheit gewesen, der ganz normale, hart arbeitende Mann auf der Straße. Und deswegen liegt da viel Arbeit vor uns.
Sprecher 2: Wie erklären Sie sich das? Sie machen einen Wahlkampf gegen die AfD. Sie sagen, wir sind das Bollwerk gegen rechts. Ihr dort, die AfD, ihr gefährdet die Demokratie. Und dann wandern Wähler von der SPD zur AfD. Wie kann man sich das erklären?
Sprecher 6: Ja, wir sehen schon, dass gerade unsere Kandidaten, wir einen großen Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimmen auch gehabt haben, dass sie gesagt haben, ihr habt gute Leute, wir wählen euch in der Erststimme, aber ihr müsst wieder mehr für uns tun in der Zweitstimme. Das gehört zur Wahrheit mit dazu. Aber ich glaube, gerade in auch den ländlichen Strukturen muss mehr investiert werden. Da war auch eine gewisse Enttäuschung da in den letzten Jahren. Oft auch ein unterschwelliges Gefühl, eine große Unsicherheit nach den Krisen, in denen wir jetzt ja seit eigentlich der ersten Finanzkrise durchgängig gewesen sind. Dann auch eine hohe Inflation generell, Baukosten gestiegen, Krieg in der Ukraine direkt vor der Tür, die Pandemie durchgemacht. Also einfach eine große Unzufriedenheit. Dann vielleicht auch, muss man sagen, zu viel Streit generell. Da kann man vielleicht auch von der Kommunalpolitik lernen, dass man wieder mehr zusammenführt. Auch in den letzten Wochen im Wahlkampf zu viel gegeneinander. Da müssen wir schon dran arbeiten. Die Menschen, die Bürgerinnen und Bürger, die erwarten Lösungen von uns. Und die müssen wir liefern.
Sprecher 2: Welche Rolle hat die Migration gespielt?
Sprecher 6: Hat eine Rolle von vielen gespielt. Ich würde sagen, leider hat sie... viele Themen überschattet, auch viele Themen, die für uns wichtig sind. Gute Kitas, gute Bildung, gerade in Nordhessen. Wir haben dafür gekämpft, dass wir wieder mehr Investitionen in den ländlichen Raum bekommen, dass wir mehr Investitionen in unsere Kitas, in unsere Bildung vor Ort bekommen. Und da hat das schon einiges überschattet, muss man sagen. Wobei ich bin Bürgermeister in einer kleinen Kommune im ländlichen Raum. Der Druck da vor allem, was die Unterbringung etc. Angeht, seit anderthalb Jahren eigentlich auch draußen ist. Aber natürlich ist es so, dass es jetzt sehr emotional gewesen ist.
Sprecher 2: Sie sind ja nicht nur Bürgermeister gewesen letztendlich, sondern Sie haben auch eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung, haben bei Unternehmensberatungen gearbeitet, durchaus unüblich diese Biografie für SPD-Abgeordnete. Wer ist eigentlich der Wirtschaftsvögel der SPD?
Sprecher 6: Ja, ich glaube, wir haben viele starke Leute. Wir werden uns jetzt in den nächsten Wochen und Monaten auch hier in Berlin wiederfinden. Ich freue mich, dass ich da meinen Teil zu beitragen kann. Das ist richtig, ich bin Diplom-Kaufmann und habe in politischer Ökonomie promoviert. Von daher komme ich aus der Privatwirtschaft, bevor ich Bürgermeister geworden bin. Ich freue mich auch darauf, dass ich das jetzt hier auch mit einbringen kann. Aber ich glaube, wir sind in der Fläche da eigentlich ganz gut aufgestellt. Und das ist in der Historie ja eigentlich auch so gewesen.
Sprecher 2: Aber 15 Prozent ist ein Desaster. Was hat die SPD in der Wirtschaftspolitik falsch gemacht?
Sprecher 6: Was wir brauchen jetzt in Zukunft ist niedrigere Energiepreise. Wir brauchen vor allem, und das sieht man nicht nur in den Unternehmen, sondern auch bei uns in den Kommunen, vor allem in den kleinen und mittleren Unternehmen, einen massiven Abbau von Bürokratie. Und das geht nur gesamtgesellschaftlich vom Bund über. bis hin in die Kommunen, auch EU muss man dazu sagen, weniger Richtlinien, weniger Gesetze, mehr Vertrauen vor allem. Das höre ich überall, egal wo ich bei unseren Unternehmen draußen in der Fläche unterwegs bin. Drittens, einen massiven Ausbau der Digitalisierung. Ich komme aus dem Feld, habe das früher beruflich gemacht. Wir waren früher immer im oberen Drittel in Deutschland. Mittlerweile sind wir, es gibt jedes Jahr ein Ranking, wo international gesagt wird, wo stehst du in der Digitalisierung. Mittlerweile sind wir abgeschlagen im Mittelfeld. Da müssen wir angreifen. Das gilt für alle Querschnittsthemen und das muss die nächste Bundesregierung auch tun. Und viertens glaube ich, dass wir eine massive Fachkräfteroffensive brauchen. Das wird in den nächsten Monaten, Jahren eine große Herausforderung für uns.
Sprecher 2: Brauchen die Unternehmen auch niedrigere Firmensteuern?
Sprecher 6: Also ich habe oft gehört, dass das gar nicht so das größte Thema war, sondern dass es eher denen darum geht, sie brauchen mehr Flexibilität, mehr Vertrauen, weniger Kontrolle. Das, was ich am meisten höre, sind die vier Punkte, die ich eben gesagt habe, mehr als jetzt eine andere Steuerpolitik.
Sprecher 2: Warum darf eigentlich der Parteivorsitzende, der die historische Wahlniederlage zu verantworten hat, jetzt auch das Comeback organisieren und sogar noch eine doppelte Macht bekommen mit dem Fraktionsvorsitz?
Sprecher 6: Ja, also ich glaube, Lars Klingbeil ist genau der richtige Mann an der richtigen Stelle.
Sprecher 2: Das klingt ja jetzt schon für Neulinge im Bundestag wie abgelesen PR aus dem Willy-Brandt-Haus.
Sprecher 6: Im Leben würde ich nichts ablesen. Ich sage meine Meinung. Ich halte von Lars Klingbeil sehr viel. Wir kennen uns schon lange und er ist ein sehr integrer und guter Politiker, der sich auch in der Wirtschaft auskennt. Und digital kommt ja quasi aus der digitalen Ecke. Früher Digitalisierung quasi hier schon im Bundestag gemacht hat. Da kannten die meisten Leute das noch gar nicht. Das haben auch viele vergessen. Ist, glaube ich, wirklich ein Mann, auf den wir jetzt setzen können. Und deswegen freue ich mich auch.
Sprecher 2: Oder mit anderen Worten, es gab keinen anderen.
Sprecher 6: Nein, das würde ich so gar nicht sagen. Das ist ja bekannt, Herr Bröker, dass wir sehr gutes Personal haben in der Fläche auf allen Ebenen. Und in diesem Fall ist das, glaube ich, jetzt vor allem auch für die nächsten Wochen und Monate sehr wichtig, dass wir uns da zusammen mit einer starken Stimme vereinigt haben.
Sprecher 2: Wir sind gespannt, wie Sie die kommunalpolitische, aber auch wirtschaftspolitische Expertise im Bundestag einbringen. Wir werden das beobachten. Vielen Dank, Herr Rottweil.
Sprecher 6: Vielen herzlichen Dank.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Etwas mehr als ein Jahr hat Cem Özdemir jetzt Zeit für seinen Wahlkampf in Baden-Württemberg. Im Frühjahr 2026 ist das die nächste große Landtagswahl in dieser Republik und Cem Özdemir möchte gerne Ministerpräsident werden. Die Ausgangslage ist allerdings eher bescheiden. Momentan liegen die Grünen nur bei 20 Prozent, die CDU mit Manuel Hagel an der Spitze deutlich davor bei 31 Prozent. Trotzdem wollten wir von Cem Özdemir natürlich wissen, ob vielleicht sogar die Niederlage im Bund am Ende Rückenwind für seine Landtagswahl geben kann und ob er Robert Habeck auf der bundespolitischen Bühne vermisst. Einen schönen guten Tag, Herr Minister Özdemir.
Sprecher 7: Hallo, grüß Gott.
Sprecher 2: Die Grünen bei knapp 11 Prozent, eigentlich das zweitbeste Ergebnis, aber von der Erwartungshaltung dann doch eine Niederlage. Wie ist Ihre Gefühlslage nach der Bundestagswahl?
Sprecher 7: Ja, das ist weit unter dem, was wir uns erwartet haben. Der Trost, dass wir jetzt unter den Ampelparteien am wenigsten schlecht abgeschnitten haben, hilft einem nicht wirklich weiter. Ehrlicherweise muss man sagen, dass von dem dramatischen Verlust aller drei Ampelparteien jetzt die CDU, CSU auch nicht der große Gewinner ist. Um die vier Prozent zugelegt. 20 Prozent ungefähr verloren die Ampelparteien. Das heißt, der Verlust ging woanders hin. Also alle demokratischen Parteien sind aufgefordert, sich zu überlegen, was können wir besser machen, damit beim nächsten Mal die AfD nicht durch die Decke schießt.
Sprecher 2: Sie haben in alle Parteien verloren. Im Vergleich zur letzten Wahl nicht viel, aber doch sehr breit. Was sind Ihre zentralen Ursachen für die Niederlage?
Sprecher 7: Erstmal ist wichtig, dass man ehrlich analysiert und das heißt, dass man sieht, wir haben an die Linke verloren, aber wir haben fast genauso viel auch nach rechts verloren. Und das heißt eben, dass es nicht eine einfache Erklärung gibt, die Grünen müssen jetzt nach links, dann sind sie wieder stark, sondern... Die Grünen müssen die Grünen bleiben, eigenständig.
Sprecher 2: Aber es ist schwierig. Die einen sagen, Habeck hätte bei dem Thema Migration, innere Sicherheit, Wirtschaft noch bürgerlich-konservativ-liberaler werden sollen. Die anderen sagen, wir hätten viel mehr Linkspartei sein müssen. Was stimmt?
Sprecher 7: Ich finde, Robert Habeck hat es richtig gemacht, dass wir in einer Situation, wo wir massiv bedroht sind, nicht nur von Putin, wo wir es schon kennen, sondern mittlerweile auch vom bislang engsten Verbündeten, den USA, mit Herrn Trump, der ja offensichtlich sich zum Ziel gesetzt hat, nicht nur im eigenen Land die liberale Demokratie kaputt zu machen, die Gewaltenteilung, den Rechtsstaat, sondern auch überall dort. Wo man eben auf Zivilität setzt, wie bei uns, auch das hier zu zerstören und in einer solchen Situation eben nicht auszuschließen, dass man auch mit der CDU, CSU reden muss. Ich meine, wenn jeder sagt, ich rede mit dem nicht, ich rede mit jenem nicht, wie sollte dann noch eine stabile Regierung geleistet werden? Das ist gut, dass Robert Habeck, und dafür bin ich ihm sehr dankbar, bei allen Druck, den es gab, auf einen vernünftigen Kurs gesetzt hat. Und das sollte auch der Kurs der Zukunft sein.
Sprecher 2: Also Sie wünschen sich von den Grünen Konstrukt. Rolle, zum Beispiel auch beim Thema Sondervermögen, Schuldenbremse, jetzt noch vielleicht sogar bevor das neue Parlament konstituiert wird?
Sprecher 7: Die Grünen waren die Partei, die vor allen anderen Parteien klar waren bei Putin. Für uns hat der Krieg in der Ukraine nicht vor drei Jahren angefangen, sondern vor elf Jahren. Wir wussten auch früher schon, dass es keine gute Idee ist, nach... Nord Stream 1 noch Nord Stream 2 hinterherzubauen und damit sein Gas komplett von Putin sich abhängig zu machen, seine Speicher an diesen Verbrecher zu verkaufen, das wussten wir vorher schon. Andere mussten mühsam lernen mit ein paar hunderttausend Toten. Und von daher glaube ich, ist es gut, dass wir das jetzt haben und dass die Grünen da eine sehr verantwortungsvolle Rolle haben. Und das heißt natürlich auch, dass wenn wir jetzt in der Sicherheit stärker gefragt sind, dass alle sich bewegen und kompromissbereit sind, auch wir. Aber natürlich muss man sich das im Detail anschauen und es ist, denke ich, auch gute Übung, dass die dann künftige Regierung mit der Opposition das Gespräch sucht.
Sprecher 2: Wünschen Sie sich eine weiterhin prominente Rolle für Herrn Habeck, für die Grünen?
Sprecher 7: Er ist ein Sympathieträger. Er hat viele derjenigen, die jetzt Mitglied geworden sind, sind auch wegen Robert Habeck Mitglied geworden. Insofern sind wir gut beraten, dass Robert Habeck eine wichtige Rolle spielt, in welcher Eigenschaft auch immer. Das muss er auch selber entscheiden.
Sprecher 2: Würden Sie ihn im baden-württembergischen Wahlkampf auch als prominente Grünen-Persönlichkeit einladen?
Sprecher 7: Ja, warum denn nicht? Er ist ein toller Typ. Ich mag ihn. Als Mensch auch. Und er hat damals als Bundesvorsitzender eine ganz wichtige Rolle gespielt, mit Annalena Baerbock zusammen die Grünen stärker zu öffnen. Wir haben einen Teil davon wieder verloren leider. Und jetzt müssen wir schauen, dass wir daran wieder anknüpfen, wo wir schon mal waren.
Sprecher 2: Sie haben selbst eine Migrationsgeschichte, Herr Özdemir, und es gab sehr viel Unmut über den Plan von Robert Habeck, in der Migration auch Härte zu zeigen. War das ein Fehler oder müssen sich die Grünen da ehrlich machen?
Sprecher 7: Ich glaube, dass unsere Wählerschaft genauso erwartet wie die Wählerschaft von allen, dass wir eine gute Lösung finden für die Balance, dass wir auf der einen Seite auf Fachkräfte angewiesen sind, wenn Sie und ich mal alt sind, Gott bewahre, oder wer auch immer, und auf Pflege angewiesen sind, dann werden das oft Leute sein, die ihre Herkunft woanders haben. Gleichzeitig ist aber auch klar, wir müssen stärker dafür sorgen, als wir es in der Vergangenheit gemacht haben, Dass Leute, die straffällig werden, dass Leute, die hierher kommen und sich nicht rechtmäßig hier aufhalten, dass die zurückgeführt werden. Und das hat dazu geführt, dass vieles an Vertrauen kaputt gegangen ist. Das müssen wir besser machen. Da sind die Grünen genauso gefragt. Und deshalb war Robert Habecks Plan genau richtig. Genau diesen Kurs müssen wir fortsetzen.
Sprecher 2: Das klingt so ein bisschen nach Herz und Härte. Bei der Union heißt es immer wieder, gerade die Einwanderer, erste, zweite Generation, seien viel schärfer in den Migrationsfragen, als es teilweise im politischen Diskurs diskutiert wird. Sie müssten es wissen. Stimmt das?
Sprecher 7: Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das ist ja auch ein Zeichen von Integration, dass die, die da sind, natürlich dann immer auf kritischer blicken, auf die, die künftig kommen und sagen, Mensch, wir mussten hart arbeiten und das erwarten wir von denen auch. Das ist ja kein ganz ungewöhnliches Phänomen in der Migrationsgeschichte. Entscheidend ist... Diejenigen, die angewiesen sind auf unsere Hilfe, weil sie fliehen vor Unterdrückung, vor Not, vor Gewalt, denen müssen wir helfen, aber nicht alleine. Da sind andere genauso gefragt in der Europäischen Union. Das müssen wir gemeinsam machen. Das ist das Erste. Das Zweite ist, es gibt einen Bedarf in Deutschland nach Fachkräften. Dafür brauchen wir... Gesetze, wie wir sie unter der Ampel ja auch verabschiedet haben, die auch die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen und sagen, da haben wir Bedarf und da brauchen wir Fachkräfte und die wärmen wir aktiv an. Und dann gibt es Menschen, die sich berufen, Flüchtlinge zu sein, es aber offensichtlich nicht sind, weil sie eher aus wirtschaftlichen Gründen kommen. Und da muss man sehr klar sagen, das wird künftig so nicht mehr gehen.
Sprecher 2: Die Grünen werden wahrscheinlich eine Oppositionspartei sein gegen eine schwarz-rote Koalition im Bund. Hilft Ihnen das im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg?
Sprecher 7: Das sagen welche, aber schauen Sie mal, ich finde, angesichts des Erstarkens der AfD und der Frage, werden wir künftig noch in der Lage sein, aus der demokratischen Mitte heraus stabile Regierungen zu bilden, ist jetzt erstmal die vornehmste Aufgabe, wie zeigen wir, dass Demokraten Probleme lösen. So arbeite ich und zwar bis zum letzten Tag. wo ich Minister bin. Nachdem ich jetzt das Bildungsministerium übernommen habe, habe ich mit den Länderkollegen von der CDU wie von der SPD, von der FDP wie mit der Linkspartei versucht, den Digitalpakt 2 auf die Reihe zu kriegen. Ich glaube, wir werden noch viel stärker als in der Vergangenheit schauen müssen, dass wir dort, wo wir zusammenarbeiten können, die Zusammenarbeit suchen. Ich habe auch in Baden-Württemberg nichts davon, wenn im nächsten Deutschen Bundestag die AfD noch stärker ist. Also ich konzentriere mich darauf, was kann ich dazu beitragen, damit Demokraten zeigen, wir können Probleme lösen. Niemand muss zu Fanatikern gehen, niemand muss zu Leuten gehen, die Herrn Putin ihre Loyalität zeigen und nicht dem deutschen Grundgesetz.
Sprecher 2: Und das Comeback der Grünen geht nur über Stuttgart.
Sprecher 7: Das Comeback der Grünen wird auch über Stuttgart gehen, wenn ich es schaffe, Ministerpräsident zu werden. Aber da geht es in erster Linie um die Interessen Baden-Württembergs. Ich bitte um Nachsicht. Erst kommt immer das Land, dann kommt lange Zeit nichts, dann kommt irgendwann die Partei und ganz zum Schluss kommt die Person.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Özdemir.
Sprecher 7: Sehr gerne.
Sprecher 3: Michael, war noch was?
Sprecher 2: Man müsste noch mal 20 sein und so verliebt wie damals. Ich bin ein bisschen in Karnevalstimmung, Helene. Wie sieht das für so eine Hamburgerin, die in Köln studiert hat? Du hast da auch was für.
Sprecher 3: Lange Wahl, Kölnerin. Nee, ich bin wirklich große Karnevalsfanin geworden.
Sprecher 2: Nächsten.
Sprecher 3: Mein Großvater hat in einem Unternehmen gearbeitet, das eine Versicherung in Köln hatte. Und er wurde dann immer jedes Jahr eingeladen zum Kölner Fasching, was eine große Auszeichnung war. Und fand es so furchtbar, weil er so ein echter, ziemlich knorriger Norddeutscher war. Und ich bin im Grunde aufgewachsen damit, dass man ja Kinderfasching machen kann.
Sprecher 2: Fasching, du sagst wirklich Fasching.
Sprecher 3: In Hamburg sagt man Fasching. Und dann wird man ja im Fernsehen mit diesem Mainz, wie es singt und lacht. Und die Erzählung meines Großvaters von diesem wirklich furchtbaren Karnevalssitzung, wo er echt gelitten hat und sich dann irgendwann anfing ausreden, auszudenken, warum man nicht hinfahren kann, was die Kölner nicht verstanden haben. Als ich nach Köln zog, änderte sich das wirklich schlagartig. Und ich habe sehr gerne Karneval gefeiert und tue es auch tatsächlich hier in Berlin, die wenigen Möglichkeiten, wo es das gibt, auch eigentlich ganz gern.
Sprecher 2: Heute Abend in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen. Die Botschaft des Westens genannt wieder einmal eine große Karnevalswarte mit tausenden. Rheinländischen Exil-Karnevalisten hier in Berlin. Bist du da, Helene?
Sprecher 3: Ich hoffe das.
Sprecher 2: Ich bin gesundheitlich schwer angeschlagen und muss mir das wirklich noch überlegen. Aber wenn ich hingehe, dann werde ich mir selbstverständlich meinen absoluten Lieblingskarnevalssong wünschen. den ich wirklich jedes Mal im Unkelbach mit trelle, weil er eigentlich auch mein Verständnis von Karneval wunderbar widerspiegelt, nämlich ihr da draußen habt eh alle keine Ahnung von Karneval, Lasst uns mal so feiern, wie wir das für richtig halten. Wir brauchen keine, keine, der uns sagt. Immer fast, love, if, your, that und so weiter. Also in dem Sinne, schönes Festfeiern an Weiberfastnacht. Bis morgen, 6 Uhr, Freitag, Table Today. Wir freuen uns. Tschüss.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Freak. Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.