Warum sind die Ränder so stark?
Die AfD ist mit über 20 Prozent zweitstärkste Kraft in Deutschland – im Osten sogar klar vorne. Auch die Linkspartei hat deutlich zulegen können. Was hat zu den Erfolgen von AfD und Linken geführt?
Katharina Fegebank ist Spitzenkandidatin der Grünen bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg. Sie setzt auf eine Fortsetzung des Bündnisses mit der SPD. Helene Bubrowski hat mit ihr darüber gesprochen, wie sehr der Wahlkampf-Endspurt durch das schlechte Abschneiden der Grünen im Bund belastet wird.
Emmanuel Macron hat als erster europäischer Staatschef auf Donald Trump im Weißen Haus getroffen. Macron und andere Europäer suchen die richtige Strategie im Umgang mit Trump.
Table.Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen:
Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlmann@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Emmanuel Macron, der First European und Staatschef Nummer 1 hier, besucht natürlich auch als erster europäischer Regierungschef Donald Trump. Und darüber müssen wir auch mal ganz kurz reden gleich.
Sprecher 3: Wer ist eigentlich der Sieger dieser Wahl? Es gibt fast nur Verlierer und über die haben wir die letzten beiden Tage geredet. Höchste Zeit jetzt also, dass wir die AfD analysieren und die Linkspartei, also die beiden Parteien an den Rändern des politischen Spektrums. Was bedeuten diese Stimmenzuwächse und haben wir es hier wirklich mit einem Ostphänomen zu tun? Darüber reden wir gleich.
Sprecher 2: Das Personalkarussell nach der Bundestagswahl läuft auf Hochtouren. Da kommt auch schon die nächste wichtige Wahl und zwar in der viert schönsten Stadt Deutschlands. In der schönsten. Köln, München, Berlin und dann irgendwann kommt Hamburg.
Sprecher 3: In der schönsten, nochmal, Michael, in der schönsten.
Sprecher 2: Wird natürlich auch gewählt. Katharina Fegebank von den Grünen über die Auswirkungen der Bundestagswahl auf ihre kleine Hamburger Landtagswahl und den möglichen neuen Senat.
Sprecher 3: Es ist Mittwoch, der 26. Februar. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft Extradatenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: Just so you understand, Europe is loaning the money to Ukraine. They get their money back.
Sprecher 6: No, in fact, to be frank, we paid. We paid 60% of the total effort. And it was through, like the U.S., loans, guarantee, grants, and we provided real money, to be clear.
Sprecher 2: Emmanuel Macron im Weißen Haus als erster europäischer Staatschef hat er sich sofort einen Termin bei Donald Trump gesichert und bei der Pressekonferenz ging es natürlich um die Ukraine.
Sprecher 3: Ja, wirklich interessant, dass Macron, der zu Hause so unter Druck steht, der seit Wochen nicht hinbekommt, eine Regierung überhaupt zu formen. Ja, da kann man mal sehen, wie gut wir es in Deutschland noch haben. Ist außenpolitisch der wichtigste Europäer derzeit? Übrigens könnte man sich ja auch mal fragen, warum reist eigentlich nicht Ursula von der Leyen und spricht für alle Europäer, für die Europäische Union? Nein, es ist Emmanuel Macron. Friedrich Merz kann es noch nicht sein, denn der ist gerade erst gewählt. Olaf Scholz war es nicht mehr, denn er ist eine lame duck. Man hofft aber schon, und das sage ich nicht aus nationalen Gründen, sondern das sage ich, weil ein Europäer alleine eben nicht so viel ausrichten kann. Also man hofft schon, dass Deutschland dann irgendwann auch wieder dabei ist, im Gespann mit Frankreich und am besten mit allen anderen Europäern. Europäischer Zusammenhalt, das muss doch das Gebot der Stunde sein.
Sprecher 2: Bonjour, mon ami Donald. Emmanuel Macron hat eines, nämlich diesen wunderbaren französischen Charme und auch ein bisschen diese Chuspe, da jetzt einfach hinzureisen. Er wollte unbedingt Donald Trump von seinen pro-russischen Positionen abbringen, hat sich sehr charmant um ihn gekümmert, hat ihn Danke lieber Donald die ganze Zeit genannt. Aber dann gab es dann doch bei den Rückfragen der Reporter unterschiedliche Sichtweisen auf diesen Frieden in der Ukraine. Hören wir mal ganz kurz rein.
Sprecher 7: How soon? Within weeks. Weeks? Yeah. At what time? At what time? Do you think so? I'd like to answer you. I think we could end it within weeks if we're smart. If we're not smart, it'll keep going and we'll keep losing young, beautiful people that shouldn't be dying.
Sprecher 6: A solid and long-standing peace. And this is what we will discuss, obviously, because I have great respect for bravery and the resistance of Ukrainian people. And we do share the objective of peace, but we are very aware of the necessity to
Sprecher 3: Ja, man merkt sehr deutlich, Trump hat keine Ambitionen, sich um die Ukraine noch zu kümmern. Es ist seiner Meinung nach europäische Aufgabe, wenn es denn überhaupt noch jemandens Aufgabe ist. Also dieser zynische Blick, dieses fast lapidare, das macht einem doch große Sorgen. Emmanuel Macron vertritt hier die Position der Europäer. Ich glaube, hinter der sich dann doch am Ende zum Glück die meisten versammeln können. Interessant war ja, dass Emmanuel Macron, bevor er losgeflogen ist, im Élysée-Palast ziemlich klar gesagt hat, wie er es machen will. Und diese Strategie hat er auch durchgezogen. Er will klar seine Position machen, aber ein bisschen, und das weiß auch Emmanuel Macron, kommt man bei Trump immer an, wenn man ihm auch schmeichelt.
Sprecher 2: Wie immer bei uns älteren Männern. Lob tut gut.
Sprecher 3: Hast du dich gerade mit Donald Trump verglichen?
Sprecher 2: Ja, ich nehme es sofort wieder zurück. Aber die Botschaft bleibt, Europa ist allein zu Hause, wenn es um die Ukraine geht. Und wenn Sie wissen wollen, wie sich Europa und vor allem die europäischen Verteidigungspolitiker vorbereiten auf dieses Szenario, dann empfehle ich Ihnen an dieser Stelle unseren Europe Table, einen unserer besten Newsletter, die wir so jeden Tag hier aus diesem Hause veröffentlichen. Einen Link zum kostenlosen Test für diesen Europe Table finden Sie bei uns hier in den Shownotes.
Sprecher 3: Die AfD ist deutschlandweit auf Platz 2 gelandet mit über 20 Prozent. Alice Weidel wird Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag. Im Osten ist die Partei klar stärkste Kraft. 36,2 Prozent der Zweitstimmen in den ostdeutschen Flächenländern.
Sprecher 2: 47 von 50 Wahlkreisen direkt gewonnen und 1,8 Millionen Nichtwähler hat die AfD bekommen bei dieser Wahl. Aber was für mich noch entscheidender ist, 1,9 Millionen Wähler aus dem Mitte-Rechts-Lager, also Union und FDP, sind zur AfD gegangen. Das heißt, die Strategie von Friedrich Merz mit einer scharfen Antimigrations-Rhetorik, diese AfD-Wähler zu ködern, die hat nicht verfangen. Man traut offenbar entweder Friedrich Merz diesen harten Kurs nicht zu, Klammer auf, weil er eben wieder mit einer linken Partei regieren muss, oder sie sind am Ende so verloren, dass aus ihrer Sicht nur die Proteststimme AfD zählt. Also das werden die Analysen noch zeigen müssen.
Sprecher 3: Friedrich Merz kam im Osten nicht besonders gut an. Er hat dort nach wie vor das Image des Investmentbankers, des doch sehr westdeutschen Politikers. Er wird dort nicht so sehr als hands-on wahrgenommen, sondern doch als vergleichsweise arrogant. Und wie du sagtest, man traut ihm eben auch nicht zu, dass er wirklich die Wende in der Migrationspolitik hinbekommt. Die Frage ist nur, ist AfD wirklich noch ein Ausdruck des Protests? Ich glaube, das ist zu kurz gegriffen. Die AfD ist im Osten mittlerweile eine Volkspartei. Es gibt keinen Charme mehr. die AfD zu wählen, sondern es gibt ja Landstriche, da hat sie weit über 50 Prozent geholt.
Sprecher 2: Ja, diese Basisarbeit, die Vereine, die Familienfeste, die Marktplätze, überall dort ist die AfD Teil des gesellschaftlichen Lebens. Ich glaube, das wird schwer, das zurückzudrängen. Und interessant ist eben auch, sie bekommt die Jugend. Die einen Jugendlichen haben die Linke gewählt, die anderen immerhin zu 21 Prozent. Der 18- bis 24-Jährigen haben die AfD gewählt, die ja auch bei den sozialen Netzwerken unfassbar präsent ist.
Sprecher 3: So, und die Ampelparteien haben im Osten besonders schlecht abgeschnitten. Die SPD kam in den fünf ostdeutschen Ländern nur auf 10,8 Prozent, die Grünen gerade mal auf 5,6, die FDP auf 3,1. Also da hat sich schon sehr viel Frust gesammelt über die Ampel, eine Ablehnung der Politik. Das hat sicherlich mit dem Heizungsgesetz zu tun, aber auch mit anderen Themen, gerade mit dem gesellschaftspolitischen Stichwort Selbstbestimmungsgesetz. Keiner bis Legalisierung. Aber Michael, wir machen es uns natürlich zu einfach, wenn wir so tun, als sei die AfD ein reines Ostphänomen. Der erste Blick auf die Deutschlandkarte zeigt natürlich, der Westen ist im Wesentlichen schwarz, der Osten ist im Wesentlichen hellblau. Aber es gibt eine ganz interessante Karte, die zeigt die zweitstärksten Parteien nach ihrem Zweitstimmenanteil. Da ist der Osten schwarz. Also die Ostdeutschen haben als zweitstärkste Kraft weitgehend die CDU gewählt. Aber blau ist der gesamte Süden, Bayern und Baden-Württemberg und große Teile von Hessen, große Teile von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Teile des Saarlands und sogar Teile von Schleswig-Holstein. Da ist die AfD. Sicher auf Platz zwei. Das heißt, natürlich ist in absoluten Stimmen, haben sehr, sehr, sehr viel mehr westdeutsche AfD gewählt als ostdeutsche. Deswegen, wir können das nicht alles schieben auf die ostdeutsche Vergangenheit, die dann ein Protestphänomen hervorruft.
Sprecher 2: Es gibt natürlich auch dieses altväterlich-paternalistische der Rhetorik auch von Westpolitikern, was im Osten natürlich zu einer Abgrenzung zu all dem, was Elite, was Establishment geführt hat. Und ich finde ehrlicherweise auch zu Recht. Wir haben da in der Kommunikation auch die westdeutschen Politiker sehr, sehr viel falsch gemacht. Und dann ist eben der Weg zur AfD nicht mehr weit.
Sprecher 3: Ja, man hat es jetzt nach der Wahl wieder gehört mit dem Blick auf die hellblaue Karte im Osten, dass dann typische westdeutsche Reflexe sind, zu sagen, ach Mann, wann integrieren die sich denn endlich mal? Wir müssen uns mehr um die kümmern, dann wählen die vielleicht nicht mehr AfD. Ich gebe zu, es ist mit der Ursachenforschung wirklich nicht so einfach. Aber zu sagen, ach guck mal, diese Städte wie Eisenach und Dresden sind doch so wunderschön, warum sind die Leute eigentlich frustriert, wenn man das vergleicht mit Mönchengladbach, ist doch viel schöner im Osten, warum wählen die denn AfD? Das greift mit Sicherheit zu kurz und ist wahrscheinlich ein Teil des Problems, weil in Wahrheit die Westdeutschen sich nicht besonders für Ostdeutschland interessieren. Nach wie vor ist in den Gesprächsrunden in Berlin-Mitte, aber auch ansonsten in großen Teilen des Landes, sitzen nur Westdeutsche zusammen und analysieren so vor sich hin, warum die Jammer-Ossis so sind, wie sie sind. Das greift zu kurz und dieser, wie du sagst, paternalistische Blick auf den Osten, dass sie sich integrieren sollen. Ist ein Problem, wird ja im Osten auch klar abgelehnt. Dort stellen wir ja fest, es gibt ein aufkeimendes ostdeutsches Selbstbewusstsein, einen ostdeutschen Diskurs auch unter Intellektuellen, die sagen, warum sollen wir uns eigentlich in den Westen integrieren? Ehrlich gesagt, der Osten ist sehr viel mehr auf europäischem Kurs, was die Rolle der Rechtspopulisten abgeht, die Ablehnung der Kirchen, die Ablehnung überhaupt der Institutionen, siehe Polen, Frankreich und so weiter. Vielleicht ist in Wahrheit, und das sage ich nicht gerne und auch nicht, weil ich es richtig finde, aber vielleicht ist in Wahrheit der Sonderweg bei uns in Westdeutschland.
Sprecher 2: Gestern Abend war ich jedenfalls mit einer wunderbaren Kollegin aus dem sächsischen Freiberg bei Markus Lanz, nämlich Anne Hönig von der Zeit. Ich empfehle ihre Analysen. Du hast schon recht, die Stimme dieser Journalisten fehlt gelegentlich auch. Aber lass uns jetzt auch nochmal eben über die andere Gewinnerin, große Gewinnerin dieser Wahl sprechen, nämlich die Linkspartei, die ich zugegebenermaßen schon längst abgeschrieben hatte, muss man wirklich sagen. Aber die hat richtig, richtig dramatisch in den letzten Wochen zugelegt. Ausgerechnet in einem konservativen Bayern, da wo eigentlich Markus Söder und die CSU doch alles dominiert, hat die Linkspartei 5,7 Prozent bekommen und wäre da alleine schon über der 5-Prozent-Hürde. Das ist erstaunlich. Die Hochburgen sind also nicht nur die Großstädte im Osten, sondern sie sind auch in konservativen Flächengegenden erfolgreich. Und warum, Helene? Weil sie am Ende einen linkspopulistischen, aber damit sehr zugespitzten klaren Wahlkampf geführt haben.
Sprecher 3: Hilfreich war sicherlich für die Linkspartei auch der Move von Friedrich Merz mit der AfD gemeinsam abzustimmen. Denn plötzlich war dieses Narrativ, wer gegen den Faschismus ist, der muss Linke wählen. Das hat richtig der Linkspartei einen Schub gegeben. Gerade bei jungen Wählern, die gesagt haben, nee, Grün reicht jetzt nicht mehr. Die Grünen wollen ja schließlich auch mit der CDU koalieren. Sondern dann wählt man Linke. Da hat Heidi Reicheneck eine Rolle gespielt, eine junge Frau, die sehr rhetorisch begabt ist und TikTok wie kaum eine andere beherrscht. Interessant ist auch, dass das Image der SED-Nachfolgepartei, was bei uns Älteren, Michael, noch sehr im Kopf ist, bei den Jungen...
Sprecher 2: Zu Recht, ich empfehle einen Besuch in der Gedenkstätte Sachsenhausen.
Sprecher 3: Absolut zu Recht, aber bei den jungen Leuten heute keine Rolle mehr spielt. Und vielleicht ist da auch die Abtrennung des BSW ganz hilfreich, weil viele eben doch alte Kader zum BSW gegangen sind, während die Linkspartei jetzt eine Ramelow-Partei ist, der ja bekanntermaßen ein Wessi ist und übrigens seinen Wahlkreis auch gewonnen hat. Und eben Heidi Reicheneck, also diese DDR-Vergangenheit, die hat die Linkspartei augenscheinlich... In der Wahrnehmung vieler Wähler mittlerweile abgeschüttelt.
Sprecher 2: Ja, was mir noch viel mehr Sorgen macht als die Verklärung, die wirklich außergewöhnlich anstrengende Verklärung der DDR-Vergangenheit, ist ja die Wirtschaftspolitik der Linken. Aber das hat gerade bei den jungen Leuten gar keine Rolle gespielt. Ganz im Gegenteil, nicht nur das Bollwerk gegen Rechtsaußen hat sie zur Wahl getrieben, wie das Meinungsforschungsinstitut Infratest DIMAP herausgeführt hat, sondern eben auch die liberale Flüchtlingspolitik, die Wohnungsbaupolitik, die offenbar in der Ampel und auch bei der Union zu kurz gekommen ist, also Mietendeckel, bezahlbarer Wohnraum, das sind die Themen, auch Lebensmittelpreise. Der ganz normale Preisanstieg für die unteren Einkommensempfänger, das waren die Themen, die die Linke hochgezogen hat. Und so wird die Linke jetzt zur drittgrößten Oppositionspartei im Bundestag und hat wirklich wieder mit 60 Abgeordneten eine richtig relevante Stimme.
Sprecher 3: Und wir fragen uns, was passiert eigentlich mit den BSW-Politikern? Wird vielleicht Katja Wolf, die jetzige Finanzministerin von Thüringen, irgendwann wieder zurück zur Linken gehen und sagen, BSW war eben doch nur eine Irrung der Geschichte? Wir wissen es nicht. Eine kleine Information noch zum Abschluss. Von den drei Wahlkreisen, die die AfD im Osten nicht gewonnen hat, haben zwei linke Politiker gewonnen, Sören Pellmann und der besagte Ramelow. Und der dritte Wahlkreis, Michael Potsdam, wer hat denn den gewonnen?
Sprecher 2: Olaf Scholz.
Sprecher 3: Olaf Scholz. Guck mal.
Sprecher 2: Und zwar deutlich vor Annalena Baerbock.
Sprecher 3: Deutlich, Annalena Baerbock nur an Stelle 4. Ein interessanter Wahlkreis mit vielen Prominenten. Olaf Scholz, das könnte ihm doch dann die Sache etwas versüßen, auch wenn er sein Mandat nicht annehmen wird. Olaf Scholz hat noch einmal gewonnen und ist zumindest der Sieger in Potsdam, wenn auch nicht in Deutschland.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's. Mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 3: Die Hamburger Politik befindet sich ja in einer Sandwich-Woche. Nach der Wahl ist vor der Wahl. Gerade noch schüttelt man sich nach dem Ergebnis der Bundestagswahl. Und da steht die nächste Wahl direkt vor der Tür am nächsten Sonntag, den 2. März. Wählen die Hamburgerinnen und Hamburger eine neue Bürgerschaft. Und deswegen freue ich mich sehr, nicht nur als Hamburgerin, sondern natürlich vor allem als Journalistin, dass heute bei uns ist die zweite Bürgermeisterin dieser wunderschönen Stadt, der Freien und Hansestadt Hamburg, die grünen Politikerin Katharina Fegebank. Hallo Frau Fegebank.
Sprecher 8: Ja, moin aus Hamburg. Danke, dass ich heute dabei sein darf.
Sprecher 3: Frau Fegebank, Olaf Scholz wollte eigentlich, dass die Hamburg-Wahl vor der Bundestagswahl ist, weil er sich Rückenwind erhofft hat von dem ja traditionell guten Ergebnis der SPD in Hamburg. Nun ist es andersrum eine Woche später, als der Bund wählen, die Hamburgerinnen und Hamburger. Für die Grünen ist das nicht gerade Rückenwind, oder?
Sprecher 8: In der Tat, das Bundestagswahlergebnis war ein ziemlich bitteres für uns. Umso optimistischer bin ich, was den kommenden Sonntag, also die Hamburg-Wahl angeht, weil ich schon will und dafür kämpfen wir bis zur letzten Minute, dass wir da wieder richtig stark abschneiden.
Sprecher 3: Platz 1 haben Sie als Ziel ausgegeben, von der 2. Wollen Sie aufrücken. Erste Bürgermeisterin. Jetzt stehen Sie aber in den Umfragen eher so bei 18 bis 20 Prozent und deutlich hinter der SPD. Kann das wirklich klappen?
Sprecher 8: Also wenn wir jetzt nicht alles reingeben und auch nochmal viele Menschen mobilisieren, dann kann am Ende eine Stillstandsgroko dabei herauskommen. Und das kann und darf hier für Hamburg eigentlich niemand wollen. Rot-Grün hat hohe Zustimmungswerte. Wir regieren hier auch seit zehn Jahren. geräuschlos, stabil und verlässlich und wie ich finde auch sehr erfolgreich miteinander. Wir haben echt geliefert und darum geht es jetzt nochmal die nächsten Tage, für starke Grüne vor allem.
Sprecher 3: Im Bund haben sich die Grünen ja entschieden oder vielleicht, Sie sagen, die Medien sind schuld, aber jedenfalls spielte das Thema Klimaschutz keine riesengroße Rolle im Wahlkampf. Ist das in Hamburg anders? Machen Sie einen Klimawahlkampf?
Sprecher 8: Wir setzen auf das Thema, aber ehrlicherweise hat es bisher auch nicht die große Rolle gespielt, die es eigentlich spielen müsste. Wir sind allerdings diejenigen, die sagen, gerade Hamburg, gerade die Städte müssen doch jetzt vorangehen, müssen zeigen, dass sie auf den Pariser Klimapfad kommen, müssen vor allem auch Antworten in neuen Technologien bieten. Also wenn nicht in Hamburg, wo denn dann? Ist aber ein schwieriges Thema. Wir setzen es trotzdem, weil wir dann natürlich das Original sind.
Sprecher 3: Warum hat der Klimaschutz so wenig ein Momentum? Und warum gelingt es den Grünen nicht, mit diesem Thema stärker durchzudringen, wo wir doch eigentlich sehen, nicht nur die Hitzewellen und die Dürren, sondern auch die anderen Auswirkungen der Klimakrise. Direkt bei uns auch in Deutschland.
Sprecher 8: Ja, ich glaube, das sind dann immer Momentaufnahmen, in denen man auch mal kurz innehält und sagt, ach ja, da war doch was. Und dann ist aber die allgemeine Stimmung, und so spüre ich das jetzt seit einiger Zeit, doch eher eine, die sich mit Fragen, Sorgen, Ängsten rund um das Überthema Krieg und Frieden zunehmend mehr auch Deutschlands, Europas Rolle in der Welt auseinandersetzt. Und natürlich auch die Frage, und das ist spürbar auch in einer Großstadt wie Hamburg, die zugegebenermaßen... Großen Wohlstand hat und auch wirtschaftlich sehr gut dasteht, ist immer die Frage auch von Bezahlbarkeit. Bezahlbarkeit des Lebens, Bezahlbarkeit des Alltags. Da sind wir natürlich diejenigen, die reingehen und sagen, sozial gerechter Klimaschutz und Klimakrise und Demokratie und Klimakrise und Bezahlbarkeit spielen natürlich eine ganz große Rolle und müssen zusammengedacht werden. Aber der zweite Schritt, der kommt bei vielen dann nicht mehr, weil es dann immer heißt, wie sollen wir das bezahlen? Und wenn wir dann sagen, wenn wir jetzt nichts tun, wird es später unbezahlbar und großer wirtschaftlicher Schaden. Also ich meine, wenn man guckt zum Weltwirtschafts- Forum nach Davos und von den großen Unternehmen hört, dass ihre Top-3-Risiken in den nächsten Jahren oder die nächsten Jahren und die Top-3-Herausforderungen Klimakrise und Artensterben, also Biodiversitätsverlust sind, liegt es eigentlich sehr auf der Hand, aber Konjunktur haben tatsächlich gerade andere Themen.
Sprecher 3: Frau Fegebank, die Berliner Grünen haben bei der Bundestagswahl eine bittere Erfahrung gemacht, und zwar, dass viele junge Leute jetzt doch Linkspartei gewählt haben. Also die Stadt Berlin ist deutlich zur Linkspartei gegangen und die Grünen haben darunter gelitten. Was tun Sie, damit das in Hamburg nicht auch passiert?
Sprecher 8: Die Linken hatten hier bei der Bundestagswahl auch kräftig Rückenwind. Das kann man ja an den Ergebnissen sehen. Gleichzeitig muss man auch sagen, dass das gerade ein gewisser Trend ist, vielleicht auch eine gewisse Coolness, die von den Linken ausgeht, die für sich selber aber in Anspruch nehmen, nur in der Opposition zu sein. Da kann man natürlich viel kompromissloser unterwegs sein. Das mag für einige gerade sehr ansprechend wirken, aber ich stehe für die Grünen, für eine Partei, die gerade in schwierigen Zeiten... Bereit sind und auch immer die Bereitschaft haben und haben sollten, Verantwortung zu übernehmen und vor allem auch die Kraft und den Wert eines Kompromisses sehr schätzen.
Sprecher 3: Frau Fegebank, im Bund werden die Grünen künftig in der Opposition sein. Wir müssen noch einmal zurückschauen auf den Wahlkampf. Auf den missglückten Wahlkampf muss man ja sagen, was hat Robert Habeck falsch gemacht? War es doch vielleicht zu sehr ein Fokus auf seine Person?
Sprecher 8: Ich fand es richtig und ich finde es richtig, dass wir das getan haben. Robert Habeck hat in den letzten Jahren gezeigt, dass durch ihn auch eine richtige Kraft für die Grünen entstanden ist, mit einer ganz neuen Ansprache, mit seiner Fähigkeit, über Grenzen hinweg Bündnisse zu schmieden. Und er ist auch derjenige, der es noch letzten Herbst geschafft hat, die Partei nach den verlorenen... Wahlen in Ostdeutschland wieder so zu mobilisieren, motivieren und so aufzurichten, dass uns die Menschen in Scharen wirklich die Hütte eingelaufen haben. Das darf man ja nicht vergessen. Also dass geradezu eine Euphorie auch entstanden ist.
Sprecher 3: Und gleichzeitig eine hohe Ablehnung auch. Also Robert Habeck ist in Teilen des Landes auch regelrecht verhasst, kann man sagen.
Sprecher 8: Ja, er ist ein Mensch, auch ein Politiker, der sehr stark polarisiert, aber aus einer Polarisierung. Erfolgt auch oft eine Mobilisierung und darauf haben wir natürlich stark gesetzt. Ich muss im Nachhinein sagen, dass... Wir das wahrscheinlich zu schnell weggewischt haben oder nicht sehen wollten, Wie tief die Enttäuschung und echt der Brass bis hin zur Wut auf die Ampel gewesen ist. Und dass das doch tiefer gesessen hat, als wir uns das vielleicht eingestehen wollten.
Sprecher 3: Robert Habeck hat versucht, ja die sogenannte Merkel-Lücke zu finden. Da hat er zuletzt auch noch einen Zehn-Punkte-Plan zur Migration vorgelegt. Es gibt jetzt Grüne, die sagen, es gibt diese Merkel-Lücke überhaupt nicht. Es war ein Fehler, die Grünen so sehr zu verschieben in ihrer Programmatik, denn da hat man so viel Raum aufgemacht für die Linkspartei. Teilen Sie diese Kritik?
Sprecher 8: Jetzt analytische Schnellschüsse loszutreten, halte ich für falsch. Aber wir müssen uns das genau angucken. Wo stehen wir als Partei? Was für eine Partei wollen wir eigentlich zukünftig sein? In den Ländern sind wir, und da spreche ich jetzt als Hamburgerin, ganz klar aufgestellt und wissen auch, wo und wie wir verortet sind und wie wir auch wirken in die Bevölkerung hinein. Aber das ist etwas, was die Bundespartei, die Grünen im Bund jetzt tatsächlich auch vor sich haben, genau das auch nochmal echt zu analysieren.
Sprecher 3: Dazu gehört auch die Frage des Personals. Robert Habeck hat schon angekündigt, jedenfalls keine führende Aufgabe mehr bei den Grünen in der Fraktion oder in der Partei übernehmen zu wollen. Wer sind jetzt die starken Grünen, die den Karren wieder flotten? machen sollen. Was meinen Sie?
Sprecher 8: Ja, also ich sehe auf jeden Fall Annalena Baerbock in der Aufgabe, auch in der Verantwortung, eine führende Rolle einzunehmen. Und dann sollte die neue Fraktion sich jetzt erstmal finden, denn auf die Grünen kommt wirklich eine doppelte Aufgabe zu, jetzt als starke Kraft aus der Opposition heraus zu wirken. Das hat sich jetzt ja schon die letzten 24 Stunden abgezeichnet, dass ein Friedrich Merz, der während des gesamten Wahlkampfes sich voll gegen eine Öffnung oder Reform der Schuldenbremse ausgesprochen hat, jetzt plötzlich auf die Oppositionsparteien und Fraktionen zugeht und dort eine Veränderung will. Und dann ist das für die Grünen natürlich jetzt in dieser neuen Oppositionsrolle, in die wir uns einfügen müssen. Auch ein richtiger Kraftakt, eine gestaltende, aus der Opposition kommende Kraft der Vernunft zu sein und gleichzeitig tatsächlich zu analysieren, woran es eigentlich gelegen hat. Mich schmerzt das wirklich zutiefst zu sehen, dass wir in dieser schwierigen weltpolitischen Lage, in dieser dramatischen Lage, wo Europa am Scheideweg steht, nicht in der Verantwortung stehen.
Sprecher 3: Frau Fegebank, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Danke, dass Sie heute bei uns waren.
Sprecher 8: Danke, hat Spaß gemacht. Tschüss.
Sprecher 3: Hey, Lene, war noch was? Michael. Ich bin immer noch etwas müde.
Sprecher 2: Man sieht es dir nicht an, aber es waren viele kurze Nächte hintereinander. Man hofft auf etwas mehr Ruhe in den nächsten Wochen. Gibt es dazu einen begründeten Anlass?
Sprecher 3: Naja, ich glaube schon, dass SPD und CDU verstanden haben, dass es jetzt zählt, dass sie jetzt ernsthaft miteinander verhandeln müssen. Jetzt wollen sie erstmal noch Karneval feiern, das steht uns ja übrigens auch noch bevor, Michael, vor allem dir. Es wäre doch schön, wenn da eine gewisse Ernsthaftigkeit einzieht, wenn man sich überlegt, dieses Land modernisieren und umsteuern, all die wichtigen Themen setzen. Und wenn wir Journalisten... Vielleicht auch mal wieder ein Stündchen Schlaf bekämen.
Sprecher 2: Und wir versprechen Ihnen hier im Podcast nicht mehr nur noch Parteipolitik und so viele Politikerinnen und Politiker, sondern wir schauen nochmal wieder an die Wissenschaft, zu den Wirtschaftslenkern und zu den Kulturschaffenden und bringen Ihnen hoffentlich dann in den nächsten Tagen und Wochen auch mal wieder das ein oder andere Thema, das etwas zu kurz gekommen ist. Tschüss, bis morgen.
Sprecher 3: Wir freuen uns auf morgen. Tschüss.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.