Wer hat die TV-Viererrunde gewonnen?
Eine Woche vor der Bundestagswahl haben die vier Kanzlerkandidaten im Quadrell miteinander diskutiert. Im Mittelpunkt standen die Themen Migration, Wirtschaft, Steuern und Ukraine.
Wer konnte überzeugen, wer blieb blass? Michael Bröcker und Helene Bubrowski analysieren die wichtigsten Argumente und entscheidenden Aussagen.
In Frankreich treffen sich die Regierungschefs mehrerer europäischer Staaten, um ihre Position abzustimmen, nachdem Donald Trump möglicherweise im Alleingang mit Wladimir Putin über die Zukunft der Ukraine verhandeln will.
Auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde noch einmal deutlich, wie weit sich Europa und die USA in zentralen Fragen entfernt haben.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Am Sonntagabend trafen die vier Kanzlerkandidaten im Berliner Studio Adlershof aufeinander. Die Atmosphäre war angespannt, es ging auch hitzig zu. Wir sagen Ihnen, wer gute Argumente hatte und wer den besten Auftritt.
Sprecher 3: Wir reden natürlich auch über die Moderatoren, die besten O-Töne. Wir haben alles nochmal für Sie seziert. Und dann zum Schluss geht es aber auch nochmal um die MSC, die 61. Münchner Sicherheitskonferenz. Sie war eine Zäsur im transatlantischen Verhältnis. Auch dazu müssen wir, glaube ich, nochmal zwei, drei Sätze verlieren. Und wir reden nochmal über harte CEO-Aussagen von dem Bayer-Chef und von Joe Kayser.
Sprecher 2: Und dann gibt es eine traurige Nachricht von diesem Wochenende. Der berühmteste Sozialliberale Deutschlands ist gestorben. Ex-Innenminister Gerhard Baum. Wir erinnern an sein Lebenswerk.
Sprecher 3: Es geht in die entscheidende Woche für dieses Deutschland, nicht nur das politische Deutschland. Am Ende dieser Woche ist Bundestagswahl. Der Wahlkampf ist dann endlich vorüber. Aber heute ist erst Montag, der 17. Februar. Auf geht's.
Sprecher 4: Herzlich willkommen zum ersten und einzigen Quadrell dieser Bundestagswahl.
Sprecher 2: Beim Quadrell ist es nicht anders als beim Duell. Jeder hält sich selbst am Ende für den Sieger. Und auf Social Media sind die Kommunikationsabteilungen der Parteien am Werk und schneiden die besten Passagen der jeweiligen Kandidaten raus. Aber wir lassen uns davon nicht irritieren, Michael, sondern wir sagen selber, wie wir es fanden.
Sprecher 3: Ja, und vielleicht lassen wir die Gewinner- und Verlierer-Rhetorik einfach sein und überlegen, wem hat das vielleicht jetzt im Wahlkampf nochmal genutzt, wer konnte über sich hinauswachsen. Ich fand Friedrich Merz erstaunlich passiv, gerade in den wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen hätte ich viel mehr von ihm erwartet. Die Linken, also in dem Fall SPD und Grüne, haben ihn richtig in eine Ecke stellen können nach dem Motto, er wolle doch nur die Reichen entlasten. Und Scholz war durchaus aggressiv und fast schon wuselig, aber ist auch die Frage, ob die Menschen das gut finden jetzt so am letzten Tag vor der Bundestagswahl oder war das too much?
Sprecher 2: Insgesamt waren diese zwei Stunden, finde ich, recht schwer zu ertragen. Es kam kaum ein echtes Gespräch in Gang. Auch die Moderatoren haben es nicht besonders gut geordnet thematisch. Es ging alles wild durcheinander.
Sprecher 3: Ja, Helene, bevor wir in die Themen gehen, lass uns doch nochmal eben überlegen, was war für uns jetzt als Zuschauer die Momente oder der Moment dieses Quadrels?
Sprecher 2: Ziemlich schräg war ja erstmal die Frage, ob man lieber in die Opposition geht. oder ins Dschungelcamp, wo die Kandidaten sich alle einig waren, lieber Opposition und aber auch ziemlich deutlich gemacht haben, dass sie diese Frage ziemlich verquer finden, worauf Pina Atta leider sagte, wir sind bei RTL.
Sprecher 5: Was ist schlimmer für Sie, Opposition oder Dschungelcamp? Definitiv Dschungelkämme.
Sprecher 6: Also, ich wundere mich über die Frage.
Sprecher 5: Wir sind bei RTL, Herr Merz.
Sprecher 6: Ja, okay, dann beantworten Sie gerne. Kann man doch mal in seriösen Diskussionen was drauf antworten. Lieber Jahrzehnte in der Opposition als zehn Tage im Dschungelcamp.
Sprecher 5: Gut, aber dann Antwort, Herr Habeck.
Sprecher 6: Genau. Ich will auch nicht ins Dschungelcamp, aber ich habe schon mal geguckt.
Sprecher 5: Wenigstens einer.
Sprecher 3: Immerhin, das war überraschend ehrlich. Wir sind bei RTL, ob Rotwein oder Weißwein, solche Fragen habe ich dann auch noch erwartet. Aber eine dieser schnellrunde Interaktionen fand ich doch nicht schlecht. Nämlich Günther Jauch, der endlich mal in einem TV-Duell das Thema Beamten überhaupt aufgebracht hat. Was glauben Sie, wie viel Prozent der Beamten arbeiten eigentlich bis zur gesetzlichen Altersgrenze? Sind das A, Herr Habeck, 20 Prozent, sind es B, 40 Prozent, C, 60 oder D, 80 Prozent? Was glauben Sie?
Sprecher 6: Ich tippe 60.
Sprecher 3: 60?
Sprecher 6: Die sind es sicher nicht, weil bei den Beamten sehr viele Lehrerinnen und Lehrer dabei sind und die hören früher auf. Ich vermute mal, es ist maximal 40. 60, 40.
Sprecher 5: 40.
Sprecher 6: 40. 20.
Sprecher 5: 20.
Sprecher 3: Und das waren nur 20 Prozent. zeigt, wie sehr sich dieser Teil da in Deutschland eigentlich sowohl finanziell als auch, was die Lebensarbeitszeit betrifft, vom Rest der Bevölkerung entkoppelt hat. Ich fand das einen wunderbaren, wichtigen Moment, weil das kommt bei den Politikern leider immer zu kurz.
Sprecher 2: Mich hat es als doppeltes Beamtenkind von zwei sehr fleißigen Eltern, wie ich das sagen muss, natürlich erschüttert und erschrocken, dass es so ist. Das hätte ich auch nicht gedacht. Und interessant war ja, dass Robert Habeck, der davon ausgegangen ist, dass 60 Prozent die Regelarbeitszeit erfüllen, ja ein ziemlich tiefes Vertrauen in die Beamtenschaft hat und sich da aber offenbar getäuscht hat. Wieder ein Problem, dass die Grünen nicht sehr nah dran sind an der Lebensrealität.
Sprecher 3: Wie fandst du den grünen Moment, den ich besonders spannend fand, als aus meiner Sicht zu Recht Pina Atala und Günther Jauch, Robert Habeck mal gefragt haben, ob er denn zur Seite treten würde, wenn nur eine schwarz-grüne Koalition gehen würde?
Sprecher 7: Was ist denn das für eine komische Frage? Wieso ist die komisch? Wieso ist die komisch? Ist doch voll berechtigt. Wir haben ja heute Abend zumindest in zwei Bereichen gesehen, dass dieses Land eine klare Alternative hat. Die Frage war doch jetzt eine andere. Über das Personal entscheiden ja die Parteien selbst. Mehr ist dazu überhaupt nicht zu sagen.
Sprecher 8: Das ist schon richtig, aber wenn es zum Beispiel von der CSU heißt, dass Sie der entscheidende Problembär sind, was ist Ihnen wichtiger, dass Sie dem nächsten Kabinett angehören oder dass die Grünen... Im nächsten Mal mitregieren.
Sprecher 7: Mit aller Liebe nicht das Problem der Union auf mich oder die Grünen übertragen. Das Problem Markus Söder hat Herr Merz alleine.
Sprecher 2: Das Absurde ist ja, dass... Habeck nun wirklich zu den Realos, zu den Realpolitikern in seiner Partei gehört und im Gegensatz zu großen anderen Teilen der Partei relativ wenig versponnen ist, sondern gerade in der Migration, jetzt auch zuletzt in der Sicherheitspolitik, ja auf einem Kurs ist, wo es durchaus große Schnittmengen mit der CDU gibt. Also wenn die Konservativen von diesen Grünen sprechen, dann fällt einem vielleicht Jürgen Trittin ein, der nicht mehr dabei ist oder andere Linke, aber Robert Habeck nun gerade nicht. Insofern macht es am Ende relativ wenig Sinn, dass er nun Platz machen soll für wen dann eigentlich? Also ich konnte Habecks Überraschung über die Frage nachvollziehen.
Sprecher 3: Aber Eline, du antwortest rational. Ich saß tatsächlich am Samstag neben Markus Söder in der Residenz in München am Ende der MSC. Und dieser Mann ist wirklich davon überzeugt, dass er gar nicht die Grünen mehr in der Regierung verhindern will, sondern Robert Habeck. Der persönliche, ich sage das Wort nicht Hass, aber die persönliche Antipathie von Markus Söder gegen Robert Habeck wegen auch seiner Entscheidung als Wirtschaftsminister bezüglich Bayern, die ist so erstaunlich, dass der sich zu der Aussage hinreißlich, ich werde Robert Habeck in der nächsten Bundesregierung verhindern. Es ist nicht völlig überraschend und Annalena Baerbock zugleich mit großem Pressetross. Vielleicht wieder so ein bisschen Aufwind spürt oder ist das völlig unrealistisch?
Sprecher 2: Aber das hat sicherlich auch damit zu tun, dass er natürlich der Spitzengrüne ist, das Gesicht dieses Wahlkampfs. Und darauf muss sich natürlich die Kritik der politischen Gegner beziehen und nicht auf irgendwelche subalternen Querschläger von der Grünen Jugend.
Sprecher 3: Dann gehen wir mal direkt in die Inhalte. Wieder einmal Fingers mit der Migration an. Immerhin deutlich kürzer als beim letzten echten TV-Duell. Aber die Migrationsfrage, wer hat da aus deiner Sicht gepunktet?
Sprecher 2: Schwierig, interessant fand ich, dass Merz nochmal deutlich gemacht hat, man müsse jetzt nach Afghanistan abschieben. Man müsse eben auch mit den Taliban verhandeln.
Sprecher 6: Das sagen wir seit Jahren, dass das beendet werden muss mit diesen... Rückführungsprogramm aus Afghanistan. Nach Afghanistan abschieben kann man. Dazu muss man allerdings dann bereit sein, mit den Taliban zu verhandeln. Wir geben 300 Millionen Euro Entwicklungshilfe nach Afghanistan. Warum machen wir das, ohne mit den Taliban darüber zu sprechen? Frau Baerbock weigert sich, diese Gespräche zu führen.
Sprecher 2: Was ja diplomatisch durchaus umstritten ist, denn es handelt sich um Islamisten und solche Verhandlungen bedeuten natürlich dann die Anerkennung dieser Regierung.
Sprecher 3: Das Hauptproblem bei dieser Afghanistan-Debatte ist natürlich, es kamen bis gestern, wir haben es ja in der Tageszeitung dann lesen können, tatsächlich immer noch über verschiedene Programme, afghanische Staatsangehörige nach Deutschland, die uns mal damals beim Bundeswehreinsatz in irgendeiner Form geholfen haben. Also wenn wir einerseits in der Lage sind, Menschen dort rauszuholen, dann müsste man ja dann auch mit den Taliban irgendwie verhandelt. Ist es natürlich schwierig, den Menschen da draußen zu erklären, dass wir Abschiebeflüge aber auch wirklich gar nicht hinkriegen, außer einen einzigen, wie es Olaf Scholz so schön gesagt hat. Einen ganzen Abschiebeflug hat er immerhin hingekommen.
Sprecher 2: Ja, das ist natürlich wirklich nicht viel, wie auch insgesamt die Ampel beim Thema Abschiebung natürlich nicht besonders viel hingekommen. kriegt hat, ja, sie verweisen darauf, dass die Zahlen um 20 Prozent gestiegen sind. Aber Merz hat auch klar gemacht, zurzeit kommen in vier Tagen so viele neu, wie in einem Monat abgeschoben werden. Also da ist die Bilanz natürlich nicht besonders gut.
Sprecher 3: Das Dilemma des Olaf Scholz ist, dass wirklich was passiert ist. Die Zahlen gehen runter. Es gibt durchaus auch Erfolge in der Migrationspolitik, aber sie reichen natürlich nicht. Und die Anschläge und Attentate, die ja jetzt von der RTL gestern auch nochmal nacheinander so in der Einblendung gezeigt wurden, die bringen natürlich diese Frage immer wieder auf, egal was passiert. Es ist immer noch zu viel.
Sprecher 2: Frontale Kritik kam natürlich von Alice Weidel. Sie hat ihre harte Migrationspolitik nochmal verteidigt. Sie hat dann ziemlich geschickt geantwortet und hat da ja auch J.D. Vance nun hinter sich mit der Frage, sie können mich hier beleidigen, aber damit beleidigen sie auch meine Wähler.
Sprecher 9: Sie beleidigen damit Millionen von Wählern. Mich trifft das überhaupt nicht. Ich repräsentiere diese Stimmen nur. Schreiben Sie sich das bitte hinter Ihre Ohren.
Sprecher 10: Der Nationalsozialismus ist Demokratie. Der Faschismus ist nicht ein Fliegenschiss der Geschichte, wie er ihr Vorsitzender sagt. Und ich sage Ihnen nochmal, ich finde diesen Vergleich ungeheuerlich. Das ist das schlimmste Katastrophe und das größte Verbrechen, das Deutsche begangen haben. Das muss immer zu unseren Erfahrungen kommen.
Sprecher 3: Und da ging es los, muss man sagen. Olaf Scholz war sehr energisch, fiel ihr ins Wort, machte die große historische SPD-gegen-Rechts-Geschichte auf. Und ich bin mir nicht sicher, ob es bei den Zuschauern oder nur in der eigenen Klientel funktioniert hat. Er war sehr wütend. sehr laut und unterbrach sie ständig. Inhaltlich sicherlich richtig, da ist er angefasst, aber es wirkte fast, ja wie eigentlich, er wirkte sehr wütend. Ich weiß nicht, sag mal, wie du das fandst, weil ich weiß nicht, ob das ihm was bringt oder eigentlich das Gegenteil. Ich finde es wirklich schwer.
Sprecher 2: Ja, in der Tat, Olaf Scholz wirkte wütend, wobei man insgesamt sagen muss, es war zwar inhaltlich ein 3 gegen 1, also Scholz, Habeck und Merz gegen Weidel, aber Weidel hat nicht das ganze Gespräch thematisch komplett dominiert. Es ging nicht die ganze Zeit nur um ein Abarbeiten an ihr, sondern es gab durchaus auch Kontroversen zwischen den anderen drei Parteien, auch bei der Migrationsfrage, siehe Taliban, das sieht nämlich zum Beispiel Robert Habeck anders. Das fand ich immerhin gut. Interessant war auch, dass Merz ja erkennbar unter Druck steht, sich immer und immer wieder von der AfD abzugrenzen, die Brandmauer zu beschwören. Man merkt ihm schon noch, wie es ihm in den Knochen steckt, dass ihm neulich nachgesagt wurde, durch die gemeinsame Abstimmung die Brandmauer einreißen zu wollen.
Sprecher 3: Es bleibt der wunde Punkt von Friedrich Merz, aber er hat auch gepunktet beim Thema, was ich tatsächlich zumindest in der Medienlage gestern ganz besonders fand, nämlich das Interview von Alice Weidel in der Bild-Zeitung, wo sie eben Björn Höcke zu einem Kabinettsmitglied machen will und quasi als einzigen politischen Fehler in ihrem Leben bezeichnet, dass sie diesen Mann mal rauswerfen wollte. Das hat sie aus meiner Sicht für so weite Teile selbst des Rechts. Konservativ, wie auch immer. gearteten AfD-möglichen Wählerpublikum aus meiner Sicht für immer unwählbar gemacht. Und da ist Friedrich Merz drauf eingegangen. Hören wir mal ganz kurz rein, wie er sie da attackiert hat.
Sprecher 6: Und nun zu Ihnen, Frau Weidel. Dieses Interview und Ihre Äußerungen über Herrn Höcke, den in Deutschland jeder Mann und jede Frau ungestraft einen Nazi nennen darf, den Sie adeln und in Ihrem Kabinett haben wollen, zeigt, wessen Geisteskind Sie sind. Sie sind eine rechtsradikale Partei, zum großen Teil rechtsextremistisch. Und da können Sie auf Ihre Wählerinnen und Wähler so gerne berufen, wie Sie wollen. Die Wahrheit ist, dass Sie außerhalb dessen stehen, was diese Bundesrepublik Deutschland in der Substanz braucht, sowohl in der Wirtschaftspolitik als auch in der Migrationspolitik. Und deswegen sage ich es nochmal sehr klar. Mit dieser Partei wird es keine Zusammenarbeit geben.
Sprecher 9: Wissen Sie, was mir fehlt in dieser Diskussion? Dass es nie um Inhalte geht. Hier wird nie sachlich diskutiert, sondern nur um ein unverschämtes Framing gegenüber der Alternative für Deutschland. Wir sind eine freiheitlich-konservative Partei.
Sprecher 2: Und dann hatte Freud noch seine Finger im Spiel, als Merz dann Frau Weidel offenbar versehentlich als Frau Höcke angesprochen hat.
Sprecher 3: Gehen wir rüber in die Wirtschaftspolitik, Helene, und da habe ich Olaf Scholz tatsächlich vorne gesehen. Er hat sowohl bei der Finanzierungsfrage natürlich einen Punkt gemacht. Friedrich Merz kam gar nicht dazu, seine Gegenfinanzierungsvorschläge überhaupt nur zu benennen. Und das Thema, die Reichen werden immer reicher. Es ist ein fairer Vorschlag, 95 Prozent der Steuerzahler zu entlasten und nur Friedrich Merz. Friedrich Merz wolle die als einziger mit der AfD zusammen, die Reichen, wirklich entlasten. Da war Friedrich Merz erstaunlich blass. Er reagierte kaum auf diese Angriffe und kam dann auch noch ins Schwimmen, als er den berühmten Handwerksbetreiber ins Spiel führte, der ja auch eine Einkommenssteuer, also eine persönliche Einkommenssteuer zahlt. Und Olaf Scholz dann zu Recht sagte, naja, aber die Handwerksbetriebe, die wirklich Millionen verdienen, die müsse er ihm auch mal zeigen können. Also da war Olaf Scholz durchaus angriffslustig.
Sprecher 2: Ja, und insgesamt kann man ja auch sagen, bei der CDU wurde dieses Wirtschaftsprogramm bisher ziemlich einseitig thematisiert, nämlich immer nur bei der Frage, wer soll eigentlich diese ganzen Steuerentlastungen bezahlen. Und es gibt nämlich einen Punkt, den man wirklich mal machen muss. Und der lautet nämlich, die CDU geht nicht an die Höhe der Sozialabgaben ran. Das heißt, selbst wenn es steuerliche Entlastungen gibt für... Geringverdiener oder für Leute mit einem mittleren Einkommen, sind die immer noch so belastet mit den rund 20 Prozent Sozialabgaben, dass da schon ein Ungleichgewicht drin ist. Gutverdiener würden nach Unionsprogramm schon deutlich mehr profitieren. Ja, und da, das ist eigentlich ein Punkt, wo mir auch Leute aus der CDU erzählt haben, Gott sei Dank wurde das bisher eigentlich gar nicht so thematisiert, dass wir da eine soziale Ungerechtigkeit in unserem Programm drin haben. So die selbstkritischen Stimmen sogar aus der CDU selbst.
Sprecher 3: Ja, also ich finde, zumindest hätte man mal über Sozialversicherungsbeiträge in der Krankenkasse zum Beispiel oder in der Pflege oder auch bei den Arbeitslosen mal diskutieren können, ob eigentlich irgendeiner dieser Parteien, die da gestern im Adlershof... Im Studio waren Ideen hat, wie man da mal von diesen Beitragssätzen wieder runterkommt, war überhaupt kein Thema. Da haben aus meiner Sicht aber alle Schwachpunkte. Es ist ja rot-grün gewesen, die jetzt zusammen mit der FDP diese Beiträge erst Richtung 44 Prozent dieses Jahr hochgeschraubt haben. Aber gut, darüber wird nicht diskutiert, weil dann, Helene, müsste man auch über Leistungskürzungen reden und das will eben doch keiner.
Sprecher 2: Das Versprechen von allen war ja im Grunde genommen, wir entlasten. Bis zu 95 Prozent, so sagt es die SPD, alle machen das Entlastungsversprechen und sind ein bisschen schmal auf der Brust bei der Frage, wie das denn zu bezahlen sein soll.
Sprecher 3: Ja, Olaf Scholz hat dann seinen Made in Germany Bonus nochmal nach vorne gebracht, den auch Robert Habeck wieder zitiert hat in anderer Form. Das sind durchaus auch alles ganz kluge Vorschläge. Interessant wurde es, als Günther ja auch plötzlich aus dem Haus der Geschichte offenbar den alten Bierdeckel von Friedrich Merz nochmal rauskramte. Übrigens aus meiner Sicht mit einem überzeugenden Konzept, nämlich nur drei Steuersätze, 12, 24 und 36 und nahezu alle. Alle, für Steuerberater war das damals eine sehr schwierige Debatte und alle, alle Sondersubventionen und Sonderregelungen sollten gestrichen werden. Und da gab es dann nochmal einen kurzen Punkt für Friedrich Merz, dass er immerhin schon vor 20 Jahren tolle steuerpolitische Vorschläge gemacht hat. Aber er rückte dann ja selber davon ab und sagte, gut, die würde es heute in der App geben, aber nicht mehr nur Einkommenssteuer und Kapitalertragssteuer zusammen, sondern man müsse das unterschiedlich machen. Da wurde es dann sehr kompliziert. Ich glaube, da sind dann einige wieder ausgestiegen.
Sprecher 2: Im Rahmen der Wirtschaftspolitik ging es dann natürlich auch um die hohen Energien. Die Preise, die es schwer machen, insbesondere natürlich für die energieintensive Industrie. Und da kam natürlich dann die Frage, wer ist schuld daran? Ist es die Ampel? Oder wie Olaf Scholz dann einwandte, ich dachte, Putin sei schuld. Also da war man schon mittendrin in der Frage, wie hältst du es denn mit Russland? Und da kam Habeck mit einer ziemlich harten Attacke gegen Weidel.
Sprecher 9: Weil wir von Russland nicht mehr neutral wahrgenommen werden. Eine Beteiligung deutscher Soldaten in der Ukraine ist eine Provokation. Ich muss einmal ganz kurz rein. Das ist ein Moment, das ist auch thematisch weitergegangen. Ich habe Ihnen auch zugehört. Genau, richtig. Es ist eine Provokation auf jeden Fall für Russland. Das ist eine Provokation von Weidel. Das ist eine Lüge, die Sie hier erzählen. Das haben Sie sich, nein, Sie haben das wirklich verbockt. Dann kommen wir zum anderen.
Sprecher 7: Nur einmal zur Klarstellung, was Frau Weidel... unterstellt, und das ist die höfliche Formulierung, hat niemand von uns gesagt, niemand plant das, niemand will das. Ich würde sogar sagen, alle schließen das aus. Was Frau Weidel verkennt, und das habe ich eigentlich nochmal gemeldet, das ist wichtig, dass die Amerikaner und die Ukrainer verstehen, dass wir hier in der großen Linie alle beieinander sind.
Sprecher 6: Ich will dem einen Satz hinzufügen, Frau Atterleicht. Gucken Sie sich die Bilder an. Frau Weidel, und schauen Sie sich die Menschen in der Ukraine an. Sie haben hier gerade einen sehr verräterischen Satz gesagt. Wir würden von Russland nicht mehr als neutral wahrgenommen. Nein, Frau Weidel, wir sind nicht neutral. Wir stehen nicht dazwischen. Wir sind auf der Seite der Ukraine und verteidigen mit der Ukraine die politische Ordnung, die wir hier haben.
Sprecher 3: Ja, und da war Schwarz-Grün plötzlich in der Luft, weil die beiden waren sich einig. Robert Habeck sagte einmal zu Friedrich Merz, lass mich auf sie antworten oder irgendwie so in diese Richtung. Ich mache das mal, also die Antwort auf Weidel zu geben. Und Merz kam dann nur noch umhin, um zu sagen, ja, danke, genau richtig. Und hat dann aus meiner Sicht den zentralen Satz nochmal gesagt. Wir sind eben nicht neutral in diesem Konflikt, wie es Alice Weidel vorher verlangt hatte. Wie kann man neutral sein bei diesem Ukraine-Krieg, den Russland vom Zaun gebrochen hat? Da war ein erstaunlich schwarz-grüner Moment. Aus meiner Sicht die beste Szene auch von Merz beim Thema Ukraine ist er eben glaubwürdig. Da hielt sich Olaf Scholz zurück und man hatte das Gefühl, da sind schon zwei künftige Regierungspartner zu sehen.
Sprecher 2: Ja, in anderen Fragen dann weniger, aber in der Tat bei dieser Außenpolitik sind Schwarze und Grüne nah beieinander. Allerdings hat Alice Weidel ja auch wirklich die Steilvorlage geliefert, nicht nur mit der Neutralität, sondern auch mit dem Satz, wir haben Freunde in Ost und West. Und dann einerseits über die neuamerikanische Regierung gesprochen. Das kann man ja nun auch tatsächlich sagen, dass da großes Interesse besteht an der AfD. Und dann hat sie aber auf der anderen Seite Russland, die Ukraine und auch China erwähnt. Also alle stehen für die AfD offenbar irgendwo auf gleicher Ebene und das konnte natürlich nicht unwidersprochen bleiben.
Sprecher 3: Also mein Fazit, Helene, alle konnten für ihre Klientel in ihren Milieus, in ihren Stammwählergruppen sicherlich punkten, wie man sich sofort danach ja auch in den Sozialen... Netzwerken immer wieder durchlesen kann. Jeder nimmt sich seine Punkte raus, die sein Kandidat oder seine Kandidatin gemacht hat. Aber die Unentschlossenen, ob die jetzt eine bessere Wahlentscheidung treffen können, die Zweifel habe ich dann doch, was auch ein bisschen an den Moderatoren lag. Immer dann, wenn man glaubte, sie haben da was, sie bleiben jetzt mal dran und lassen einen nicht raus aus der Ecke. Kum-Ex Olaf Scholz oder die Wohnsitzdebatte bei Alice Weidel oder auch die Finanzierung bei Friedrich Merz. Dann kamen keine Rückfragen mehr, dann haben sie wieder das Thema gewechselt.
Sprecher 2: Ja, es verpuffte dann so eigentümlich. Man dachte, oh, Günther Joch hat irgendwas recherchiert und überführt jetzt Alice Weidel bei der Frage, wo ist eigentlich ihr Wohnsitz und wo zahlen sie eigentlich Steuern? Und dann stellte er seine Fragen, sie antwortete und er... Lachte komisch. Also das blieb so sehr im Wagen. Das habe ich auch nicht ganz verstanden, was sowas soll.
Sprecher 3: Also warten wir die nächsten Tage ab, was da noch passiert. Und die letzten Wahlkampfauftritte bis Freitagabend, sogar bis Samstagnachmittag, sind sicherlich auch nochmal Orte, wo das eine oder andere Fettnäpfchen noch rumsteht oder die eine oder andere neue Attacke gefahren werden kann. Ich glaube, in der grundsätzlichen Arithmetik, die Union fast doppelt so stark wie die SPD. Die Grünen betteln immer noch um Platz drei, muss man sagen. Und die AfD deutlich auf Platz zwei wird sich nichts mehr Wesentliches ändern. Ja, Sie hören diese Woche natürlich bei uns auch noch politische Interviews, aber die großen Parteien, die lassen wir jetzt mal ein bisschen beiseite. Friedrich Merz hatten wir intensiv hier in diesem Podcast gewürdigt und die Olaf Scholz und vor allem auch die SPD in den letzten Wochen auch. Wir gucken nochmal Platz 3, 4 und 5 diese Woche. Seien Sie gespannt, vielleicht hilft da ja auch noch das eine oder andere Interview hier bei uns bei Table Today für Ihre Wahlentscheidung.
Sprecher 2: So, Michael, du hast drei sehr intensive Tage in München hinter dir. Ich war ja leider nur am Anfang dabei. Was war dein Moment der MSC?
Sprecher 3: Es gab wirklich viele Momente in der Zäsur, die wir noch nie erlebt haben. Selten waren unsere engsten und besten Freunde jenseits des Atlantiks so weit weg von uns. Sowohl im Kulturellen hatte man das Gefühl, es gab auch keinerlei Interviews, die diese Republikaner in der Congressional Delegation, also dieser Delegation der Amerikaner, geben wollten. Das heißt, wir haben nicht nur inzwischen ein inhaltliches Problem, Kulturkampf, Unterstützung der Ukraine. Ich hatte das Gefühl, wir haben auch ein kommunikatives Problem mit den Amerikanern. Und das fand ich dann doch schon sehr hart.
Sprecher 2: Wie war denn eigentlich die Reaktion, die du so auf den Fluren gehört hast, nach der Rede von J.D. Vance? Das waren schon harte Worte. Auf Social Media war die Empörung natürlich sofort wieder da. Die Gemüter erregten sich und überboten sich in der Abscheu und Empörung. Aber am Ende müssen die Politiker, muss die Bundesregierung auch mit dieser Administration zurechtkommen. So viel ist ja auch klar. Gab es da Analysen, die du gehört hast, die über die Empörung hinausgehen, die sich der Frage widmen, was machen wir denn jetzt? Inwiefern nehmen wir das eigentlich ernst? Müssen wir darauf irgendwie reagieren? Oder blieb es wirklich bei dem, was Boris Pistorius gesagt hat, das ist inakzeptabel und Punkt. Aber ich frage mich wirklich, was folgt denn aus dem inakzeptabel?
Sprecher 3: Ich muss differenzieren zwischen den Wirtschaftsleuten, mit denen wir da geredet haben, und den Politikern, die Wirtschafts-CEOs. Und wir hatten den Bayer-CEO, wir hatten Joe Kayser, wir hatten den Deutsche-Bank-CEO. Also die Top-Elite der deutschen Wirtschaft, die gesagt hat, Freunde, kommt mit konkreten, verhandlungssicheren Mandaten jetzt baldmöglichst auf diesen Donald Trump zu. Denn wir müssen mit ihnen ja ohnehin reden. Und nur ein ökonomisch starkes Europa kann diese Europa-United-Antwort überhaupt geben. Wir können diesen Mann nur dann kriegen, wenn er ökonomische Interessen mit uns weiter verbindet und lernt doch auf, diese öffentliche Empörung zu zelebrieren, weil am Ende müsst ihr euch übermorgen trotzdem mit ihm zusammensetzen. Also genau so, wie du es sagst. Erst war die Reaktion natürlich auch sehr öffentlichkeitswirksam, Boris Pistorius, auch Annalena Baerbock, aber ich glaube, hinter den Kulissen hat dieser Pragmatismus schon begonnen. J.D. Vance wird von ganz vielen, selbst den Konservativen in der CDU, als natürlich, der wird als charmanter, sympathischer Konservativer beschrieben. Die hatten alle ein gutes Gespräch mit ihm und auf der Bühne haut er dann diesen Kulturkampf raus. Also das hat einige entsetzt. Auf der anderen Seite sagen sie, hinter den Kulissen klang das alles dann nicht mehr ganz. So dramatisch wie auf der Bühne.
Sprecher 2: Heute treffen sich ja in Paris auf Initiative von Emmanuel Macron verschiedene Europäer, auch Olaf Scholz ist dabei, mit Volodymyr Zelensky, um zu analysieren, wie geht man jetzt damit um. Macron, der ja durchaus gut ist, Worte zu finden, hat jetzt mit Blick auf die amerikanische Politik von einem Elektroschock gesprochen. Das war eigentlich auf KI gemünzt, auf die KI-Förderung. Aber man kann das ja über diesen Punkt hinaus verstehen. Vielleicht ist es ja so, dass die Europäer jetzt aufwachen und sich zusammenreißen. Vielleicht ist es auch so, dass eine Georgia Meloni und vielleicht sogar ein Viktor Orban verstehen, dass sie sich nicht auseinander dividieren lassen dürft von den anderen Europäern, weil sie dann nämlich gar nicht gewinnen dürfen. Vielleicht hilft es ja am Ende dann doch der Einigkeit in der Europäischen Union. Das jedenfalls bleibt meine Hoffnung.
Sprecher 3: Auf America First folgt Europe Only. Und wenn Sie all das, was wir da erlebt haben, auf der MSC nochmal nachhören wollen, die zwei fast einstündigen Sonderpodcasts sind natürlich weiter bei Apple, bei Spotify oder bei uns auf Table Media für Sie zu hören. Und heute im Security Table eine großartige Analyse von Markus Bickel und seinem Team über diese MSC. Wenn Sie es interessiert, wir würden uns freuen. Helene, war noch was?
Sprecher 2: Michael, wir müssen Abschied nehmen von Gerhard Baum. Im Alter von 92 ist er gestorben am Samstag. Und ich kann sagen, ich bin wirklich sehr traurig. Ich mochte diesen Mann sehr. Ich habe in den vergangenen Jahren mich oft mit ihm getroffen, habe viel mit ihm gesprochen über die Lage in diesem Land. Er war in meiner Vorlesung in Köln zu Gast. Ich war ein paar Mal bei ihm zu Hause. Und ja, ich habe ihn sehr bewundert für seine Beherztheit dafür, wie er mit blitzenden Augen noch mit über 90 für die Demokratie geworben hat, wie er sich immer wieder mit jungen Leuten getroffen hat, um seine Geschichte zu erzählen. Ein Mann, der noch in der Weimarer Republik geboren wurde, der erzählt hat, wie er als Kind nach Köln kam und seine Mutter nur ein Loch in eine Wolldecke geschnitten hat, die er sich über den Kopf gezogen hat, als Regenmantel oder als Wintermantel und die dann aber immer vollgesogen war von dem Regen. Also ein Mann, der so viel erlebt hat, so viel deutsche Geschichte miterlebt hat, Bundesinnenminister war, aber eben auch nach dem Ausscheiden aus der aktiven Politik mit so viel Herz und Geist dabei war, dass nicht nur die FDP einen überzeugten Sozialliberalen verloren hat, der die eigene Partei natürlich auch oft geärgert hat, sondern auch Deutschland wirklich einen großen Mann.
Sprecher 3: Es gibt keine individuelle Freiheit ohne gesellschaftliche Freiheit. Einer dieser wunderbaren Sätze dieses Mannes. Wir werden ihn vermissen. Mal schauen, wer in der FDP, liebe Helene, eigentlich das R. Von Gerd Baum antritt. Ich sehe da im Moment nicht so viele.
Sprecher 2: Gerd Baum hat ja mehrfach gesagt, in wen er seine Hoffnung setzt, in Johannes Vogel, in Konstantin Kuhle, darauf, dass sie dem Sozialliberalen wieder mehr Leben einhauchen. Und er war ein bisschen enttäuscht, dass das zu wenig stattgefunden hat. Wir werden ja erstmal sehen, wie die Partei jetzt am nächsten Sonntag abschneidet und was dann in der Partei vielleicht auch für Debatten ausbrechen können. Gerd Baum kann sich daran nun leider nicht mehr beteiligen, aber wir hoffen, dass das, was er gesagt hat, was er auch seiner eigenen Partei gesagt hat, wie er auch mit ihr gehardert hat, dass das nicht in Vergessenheit gerät.
Sprecher 3: Die FDP immerhin jetzt in der letzten Umfrage wieder auf 5%. Wir werden die Liberalen auch diese Woche nochmal zu Wort kommen lassen. Für heute soll es das gewesen sein. Bis morgen, Table Today, 6 Uhr. Ciao, ciao.