Security Special II : Münchner Sicherheitskonferenz 2025
Dauer: 53:17

Security Special II : Münchner Sicherheitskonferenz 2025

Michael Bröcker und das Team des Security.Table berichten von Tag 2 der MSC.


Dies sind die Gäste in dieser Folge:


Verkehrsminister Volker Wissing betont die Bedeutung von Investitionen und Infrastruktur in Deutschland.


Generalinspekteur Carsten Breuer spricht über Deutschlands Verteidigungsfähigkeit und die Herausforderungen der Zukunft.


Bayer-CEO Bill Anderson und Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser analysieren, was die neue Ordnung für Unternehmen und die Politik in Deutschland bedeutet.


Albin Kurti, Kosovos Premierminister, spricht über geopolitische Spannungen auf dem Balkan. Welche strategischen Antworten braucht Europa jetzt?


Table.Briefings - For better informed decisions.


Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen. 

Professional Briefings kostenlos kennenlernen:

table.media/testen  


Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlmann@table.media


Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Transkript

Sprecher 1: Table Today mit einer Spezialausgabe.

Sprecher 2: From now on, things will be different. And Europe needs to adjust to that. Ladies and gentlemen, I believe in Europe. And I urge you to act for your own sake.

Sprecher 3: Wir werden uns auch auf keine Lösung einlassen, die zu einer Entkopplung europäischer und amerikanischer Sicherheit führt. Davon würde nur einer profitieren, Präsident Putin. Diese Interessen werden wir Europäer in den bevorstehenden Verhandlungen selbstbewusst und entschlossen vertreten.

Sprecher 4: Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten J.D. Vance, sie ist nicht nur historisch, sie halte auch noch am Tag 2 der Münchner Sicherheitskonferenz nach. Und das nicht nur in der transatlantischen Community. Und damit herzlich willkommen zu unserer zweiten Sonderausgabe des Table Today Podcasts, direkt aus München, aus dem Bayerischen Hof. Die deutsche Politik, sie überschlägt sich auf 24 Stunden nach der Rede von J.D. Vance noch mit scharfer Kritik an dem amerikanischen Vizepräsidenten. Und man muss es so sagen, in Bezug auf die Trump-Administration auch vor allem mit dem eingeübten Reflex Empörung. Friedrich Merz, der Unionskanzlerkandidat, nannte die Worte von J.D. Vance übergriffig und Vizekanzler Robert Habeck schleuderte dem amerikanischen Vizepräsidenten ein, kümmer dich doch um deinen eigenen Kram entgegen. Und ein CDU-Vorstand postete gestern Nachmittag, die US-Administration von Donald Trump sei moralisch verlottert. Scharfe Töne im transatlantischen Verhältnis. Und auch Volker Wissing, der amtierende Minister für Justiz und Digitales in Deutschland und damit ja so quasi indirekt angesprochen von J.D. Vance, machte im Interview mit uns deutlich, dass in Deutschland der Rechtsstaat doch eigentlich keine Belehrungen aus Washington benötigt. Wie ist Ihre Antwort auf diesen wirklich grundsätzlichen Shift in der transatlantischen Allianz?

Sprecher 5: Das war eine sehr schwer verdauliche Rede für uns in Europa. Wir haben hier viele Fragen aufgeworfen bekommen, fundamentaler Art. Und deswegen ist es jetzt wichtig, dass man eng im Dialog bleibt, die transatlantischen Beziehungen schützt und stärkt. Wir müssen reden. Aber klar ist auch, dass unsere europäischen Wertevorstellungen von Demokratie, Von Meinungsfreiheit, vom Schutz der Meinungsfreiheit und auch vom Schutz unserer Verfassungsinstitutionen, dass diese Werte weder für einen Deal noch für sonst irgendetwas zur Verfügung stehen. Sie werden von uns geschützt und mit aller Macht verteidigt.

Sprecher 4: Klar ist, Europa muss sich selbst aus der Krise ziehen, muss selbst zusammenkommen, gerade auch beim Thema... Technologie, KI, wollte ich Sie fragen, wie denn Deutschland auf das reagiert, was selbst im Nachbarland Frankreich möglich ist, nämlich große Investitionsoffensive in die KI-Technologie. Und wo sind wir da? Wo liegen wir da?

Sprecher 5: Im Bereich der künstlichen Intelligenz steht Deutschland sehr gut da. Wir haben sehr gute Zahlen, was die Entwicklung von Start-ups im KI-Bereich angeht. Wir gelten als eines der führenden Länder weltweit im Bereich der KI-Forschung. Und wir arbeiten natürlich auch mit unseren europäischen Partnern, Frankreich beispielsweise, eng zusammen. Ich hatte ein ausführliches Gespräch mit der französischen Ministerin. Und wir wollen voneinander profitieren. Wir haben sehr gleiche Vorstellungen auch von der Art und Weise, wie wir mit KI umgehen müssen, dass wir sie wertebasiert entwickeln müssen, dass wir sie menschenzentriert entwickeln müssen, dass sie nicht unsere Werte infrage stellen darf und uns dienen muss. All diese Dinge sind ja auch mit einer gemeinsamen Erklärung in Paris vereinbart worden. Und zu dem AI Action Summit in Paris will ich auch sagen, dass ich mich sehr freue, dass diese... der AI Action Summit, vor allen Dingen über die Chancen der KI gesprochen hat. Genau das war immer mein Ansatz. Die Briten haben ja angefangen mit einem AI Safety Summit und vor allen Dingen die Sicherheitsfragen in den Vordergrund gestellt. Die Sicherheitsfragen müssen geklärt werden, aber sie dürfen nicht die Chancen der KI verdecken.

Sprecher 4: Aber eins ist auch klar, nicht nur Chancen und Technologie wurde in Frankreich thematisiert, sondern auch Finanzierung. Und zwar auch staatliche Investitionssummen, die wir bisher hier so nicht kannten. Müssen wir nicht auch in Deutschland, auch Sie als ehemaliger FDP-Politiker, sagen, wir brauchen dringend deutlich mehr Geld, um aufzuholen. Und das geht vielleicht am Ende doch nur, indem man auch die Schuldenbremse reformiert.

Sprecher 5: Das sage ich immer wieder, dass wir Investitionen brauchen. Deswegen müssen wir die Bankenunion auf europäischer Ebene vollenden. Wir müssen den Binnenmarkt stärken. Wir müssen noch viel mehr europäische Integration voranbringen. Und wir müssen natürlich auch die Haushaltsfragen in Deutschland klären. Wir brauchen einen handlungsfähigen Staat. Aber wir tun auch viel. Wir haben beispielsweise mit Mission KI etwas auf den Weg gebracht, was auch die Franzosen sehr interessant finden. Und wir haben bei den Regierungsgesprächen in Paris auch vereinbart, dass wir uns künftig noch enger abstimmen und vielleicht auch versuchen, solche Projekte gemeinsam zu machen. Mission KI gestartet beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Transfercenter, Anlaufstelle für mittelständische Unternehmen. Das ist die deutsche Herangehensweise. Und das ist auch eine, die sehr gut zu unserem Land passt. Wir sind ein Land des Mittelstands und der Innovationskraft des Mittelstandes. Und deswegen ist es ganz wichtig, dass sich die Regierung jetzt nicht damit beschäftigt, große Zahlen in die Welt zu setzen, sondern sich um die Wirtschaftsstrukturen kümmert, die wir haben und die transformiert werden müssen hin zu einer Wirtschaft, die eben unter Einsatz von KI auch ihre Wettbewerbsfähigkeit sichert. Und genau das machen wir. Das klingt dann vielleicht weniger spektakulär, hat aber am Ende den größeren Erfolg. Denn die wirtschaftliche Stärke Deutschlands basiert auf einem starken Mittelstand.

Sprecher 4: Aber Herr Wissing, man kann das eine tun und das andere trotzdem nicht lassen und auch ein klares finanzielles Signal geben. Christian Seewing war hier im Podcast gestern, ist nun wahrlich kein linker Ideologe und sagt, natürlich werden wir in den nächsten Jahren Summen ausgeben müssen, die nur mit einer Reform der Schuldenbremse gehen.

Sprecher 5: Ich bin jedenfalls der Meinung, dass wir im Bereich der Investitionen alles tun müssen, was wir brauchen. Wir müssen investieren. Wir haben Versäumnisse in den letzten 20 Jahren im Bereich der Infrastruktur gesehen. Ich habe jetzt eine Trendwende eingeleitet, aber die muss verstetigt werden. Und das darf nicht an der Schuldenbremse scheitern. Und deswegen muss man zunächst einmal alle Möglichkeiten der Schuldenbremse ausloten. Dazu gehören die Möglichkeiten, die Ausnahmen zu prüfen, denn die Verfassung ist ja nicht so, dass sie starr ist, sondern es gibt durchaus die Möglichkeit, immer handlungsfähig zu sein. Und man kann auch mit solchen Instrumenten arbeiten, wie etwa einem Investitionsfonds. der uns die Möglichkeit bietet, uns einerseits solide Staatsfinanzen mit der Schuldenbremse zu sichern und daneben eben auch die notwendigen staatlichen Handlungsspielräume zu eröffnen.

Sprecher 2: Vielen Dank, lieber Herr Minister Wissing.

Sprecher 5: Danke Ihnen.

Sprecher 4: Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten jedenfalls, sie hat Europa geschockt. Aber sind wirklich Abscheu und Empörung die richtigen strategischen Antworten? Reicht das aus, um mit den Amerikanern in den nächsten Wochen und Monaten über Sicherheit, über Energie, über Außenhandel und natürlich auch über die Ukraine zu verhandeln? Donald Trump, der Präsident, jedenfalls verbreitete seinen Kommentar zur Rede seines Vize auf dem Netzwerk True Social und es klang etwas anders als die deutsche Politik. Best Speech Ever, so Donald Trump zu seinem Vize. Und was macht eigentlich Bundeskanzler Olaf Scholz? Der hatte an Tag 2 überhaupt erst seinen ersten Auftritt und kam damit etwas late to the party, wie ein Mitglied des US-Kongresses spöttisch bemerkte. Dennoch, Bundeskanzler reagierte in seiner Rede durchaus klar und selbstbewusst auf das, was J.D. Vance vorher in Richtung Deutschland und Europa gesendet hatte.

Sprecher 3: Der amerikanische Vizepräsident hat Dachau vorgestern besucht und danach einen sehr wichtigen Satz gesagt. Die Gedenkstätte dort zeige, und ich zitiere wörtlich, warum wir uns dafür einsetzen sollten, dass so etwas nie wieder geschieht. Einen wichtigen Satz bin ich Vizepräsident Vance sehr dankbar. Denn dieses Nie wieder ist die zentrale Lehre, die wir Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg aus der entsetzlichen Erfahrung der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gezogen haben. Die AfD ist eine Partei, aus deren Reihen heraus der Nationalsozialismus und seine monströsen Verbrechen, Menschheitsverbrechen, wie sie in Dachau geschehen sind, als Vogelschiss der deutschen Geschichte verharmlost werden. Ein Bekenntnis zum Nie wieder ist daher nicht mit der Unterstützung für die AfD in Einklang zu bringen.

Sprecher 4: Und doch wirkte die Rede des Bundeskanzlers seltsam deplatziert. Im Saal blieben die Sätze leer. Erstmals hatten die Veranstalter über die Bildschirme an die Gäste nach draußen signalisiert, man könne doch noch in den Saal kommen, es seien noch Plätze übrig. Auf den Fluren und in den Hinterzimmern des Bayerischen Hofes. Hatte die Post-Scholz-Ära längst begonnen. Kaum einer rechnet wirklich noch mit dem Comeback des Kanzlers. Einer, der allerdings noch mitten im Amt ist, Einem aber auch ein bisschen leid tun kann, ist der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky. In einem leidenschaftlichen Appell an die europäischen Verbündeten warnte Zelensky davor, den russischen Aggressor jetzt bei den Verhandlungen auch noch reihenweise Angebote zu machen. Ausgerechnet Selenskyj lobte immer wieder die regelbasierte Ordnung, die Rule of Law, doch als einzigen Kompass für alle Gespräche und bat fast flehentlich darum, Europa mit am Tisch zu lassen.

Sprecher 2: You must have a seat at the table when decisions about Europe are being made. Anything else is zero. If we are left out of negotiations about our own future, then we all lose. Next, Putin will try to get the US president standing on Red Square, not as a respected leader, but as a prop in his own performance. We don't need that. We need real success. We need...

Sprecher 4: Doch der US-amerikanische Ukraine-Beauftragte General Keith Kellogg hatte fast zeitgleich nur wenige Etagen über dem Hauptsaal im Bayerischen Hof bei einem Lunch genau dieses Ansinnen abgeräumt. Als die Moderatorin ihn fragte, ob er denn versichern könne, dass die Europäer dabei wären bei den Verhandlungen, reagierte er deutlich mit No. Und er fuhr weiter fort, there are gonna be two parties and one intermediate at the table. Russland und die Ukraine sind also die beiden parties und der intermediate, also der Vermittler, das sind die USA. Selten hat die Münchner Sicherheitskonferenz, die als transatlantische Wehrkundetagung begonnen hatte, einen solchen Moment erlebt. Europa wird vom engsten amerikanischen Verbündeten übergangen. Und die wichtigsten Unterstützer Selenskys und der Ukraine, die baltischen Länder, Dänemark, Deutschland, sie trafen danach im Podium aufeinander und es wirkte fast ein wenig trotzig, als die dänische Ministerpräsidentin wieder einmal rhetorisch klar und in der Unterstützung der Ukraine fast unübertroffen forderte schnellere und mehr Waffen. Auch Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz betonte, dass die NATO-Mitgliedschaft natürlich weiterhin auf dem Tisch bleiben müsse. Und hinter den Kulissen wurde sogar ein Szenario. diskutiert, dass angeblich die deutschen Mitglieder der Delegation ihren amerikanischen Partnern in den Runden gesagt haben sollen. Nämlich, dass man doch wenigstens vor den Verhandlungen mit Putin diese NATO-Mitgliedschaft auf dem Tisch lassen müsse, um bessere Verhandlungsergebnisse zu erzielen. Und sei es nur als Drohung in Richtung Kreml. Als dann auch noch die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit ihrem Lieblingsthema in der Diskussionsrunde auf Friedrich Merz zuging und fragte, was denn nun mit der Lieferung des Taurus sei, da ließ auch Merz sich nochmal zu einem Bekenntnis hinreißen, dass er auf jeden Fall weiterhin der Meinung ist, man müsse dieses Waffensystem liefern, wenn allerdings, wenn die Europäer sich doch bitte gemeinschaftlich darauf einigen sollten. In der US-Delegation sagte mir ein Kongressmitglied, dass die Gespräche in Saudi-Arabien doch längst konkret vorbereitet würden. Trump wolle bald mit Putin da zusammenkommen. Der Zeitraum bis Ostern wurde mir genannt. Ein Waffenstillstand oder vielleicht schon die Umsetzung eines Friedensplans. Trump wolle das Thema sehr schnell angehen. Dass die Ukraine dabei Territorien verlieren wird und wohl trotzdem keine NATO-Mitgliedschaft in Aussicht gestellt bekommt, das ist zumindest in den amerikanischen Reihen der Delegation ziemlich klar gewesen. An Tag 2 der Münchner Sicherheitskonferenz. Die Konferenz war damit klar, der amerikanische Wake-up-Call für die europäische Sicherheitsszene, er ist unüberhörbar. Auch der oberste Soldat der deutschen Bundeswehr, Generalinspektor Carsten Breuer, ahnt, was auf seine Truppe und unser Land zukommt. Nana Brink, unsere Kollegin vom Security Table, hat mit ihm darüber gesprochen.

Sprecher 6: Also man kann hier in München jetzt gerade so mit den Händen greifen, dass Sicherheitspolitik sich verändert. Ich habe noch keinen ersten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz erlebt, an dem man so viel diskutiert hat, an dem auch so viel Ratlosigkeit an manchen Stellen mit da war, wo man nach Antworten sucht und wo man wirklich merkt, wie dieses Ringen um Antworten, wie das wirklich durch die Flure war.

Sprecher 7: Okay, dann lassen Sie uns versuchen, ein paar Antworten irgendwie zu finden. Es ist ja nicht erst, wie Sie gesagt haben, seit der Münchner Sicherheitskonferenz klar, dass die USA mehr von den Europäern fordert, nach dem Motto, macht eure Hausaufgaben. Trump hat ja klar gesagt, 5% ist das Ziel, also 5% des Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung. Sie haben kürzlich selber gesagt, 2%, das ist nur die unterste Grenze. Glauben Sie, dass die nächste Bundesregierung das verstanden hat?

Sprecher 6: Also ich glaube, das hat inzwischen jeder verstanden in Deutschland. Es geht eigentlich gar nicht so sehr um die 2%, um die 3%, 4% oder 5% oder irgendetwas, was dazwischen ist, sondern es geht darum, dass wir uns darauf einstellen müssen, einer Aggression, einer russischen Aggression, die durchaus... Da ist, die man sieht, die man nicht weckt. diskutieren kann, die man auch belegen kann, dass man dem etwas entgegensetzen kann. Und das hat jeder verstanden. Und es hat auch, meine ich, aus den verschiedensten Diskussionen, insbesondere aber auch dann, wenn man in Townhalls oder in Bürgerdialogen spricht, hat auch in der Bevölkerung eigentlich nahezu jeder verstanden, dass wir dafür mehr ausgeben müssen, dass Verteidigung eben nicht irgendwo so nebenbei gemacht wird, sondern dass man dafür wirklich Geld auch in die Hand nehmen muss. Das zeigen die Umfragen, die wir haben. Mehr als 70 Prozent sagen, die Bundeswehr muss besser ausgestattet werden. Und das ist eigentlich so eine Umsetzung des Gefühls dann auch in konkretere Zahlen. Ob das am Ende 2,5, 3, 4, 5 Prozent sind, da würde ich mich gar nicht darauf festlegen wollen, sondern wichtig scheint mir nur zu sein, dass wir die richtigen Fähigkeiten haben, dass wir in Zusammenarbeit mit den anderen NATO-Partnern, dass wir im Zusammenarbeit mit den Planungen der NATO oder in Übereinstimmung mit den Planungen der NATO das herausziehen, was für uns notwendig ist, was für uns möglich ist, um dann eben abzustimmen mit den anderen NATO-Staaten, was wir liefern, was andere liefern. Und dann wird es darauf hinauslaufen, dass wir auf jeden Fall, und das ist mein Punkt dabei, auf jeden Fall höhere Rüstungsausgaben haben werden.

Sprecher 7: Lassen Sie mich die Anforderungen der NATO gleich mal aufgreifen. Es wird ja die Brigade in Litauen geben, das heißt, es gibt sie ja schon. Sie ist dann 2027 einsatzbereit, rund 5000 Soldaten. Es wird ja bei Weitem nicht reichen. Nächsten Juni auf dem NATO-Gipfel werden die neuen Verteidigungspläne bekannt, auch was auf die einzelnen Nationen, also auch was auf Deutschland zukommt. Sie sind ja in diese Planungen involviert. Kommt im Juni dann die bittere Wahrheit?

Sprecher 6: Vielleicht erstmal nochmal ein Satz zur Litauen-Brigade, weil das ist für mich wirklich etwas, wo wir sehr deutlich auch als Deutschland mit nach vorne gegangen sind. Und ich werde da nie müde, das auch zu sagen. Diese Entscheidung dafür, dass in Litauen eine Brigade, eine deutsche Brigade stationiert wird, aufgestellt wird, wo deutsche Soldatinnen und Soldaten dauerhaft in Litauen dann sind, das hat Zeichen gesetzt. Das hat ein Zeichen nach Russland gegeben, das wird man dort wahrgenommen haben, das hat man dort wahrgenommen. Das hat ein Zeichen in Richtung der litauischen Bevölkerung gesetzt. Begeisterung, der Enthusiasmus, mit dem man uns dort aufnimmt, das Widerspiegeln des deutschen Engagements, das ist schon wirklich was ganz Besonderes. Es hat ein Zeichen in die deutsche Gesellschaft gesendet. Es zeigt eigentlich sehr deutlich, dass das, was wir bislang, gerade so nach dem Zweiten Weltkrieg, von unseren Alliierten zurückbekommen haben, nämlich dass man dabei dafür gesorgt hat, dass wir in Sicherheit Deutschland aufbauen konnten. Diese Sicherheit zu erzeugen, das geben wir jetzt, zumindest ist das meine feste Überzeugung, geben wir jetzt an Litauen zurück. Das, was im Juni kommen wird, und wir sind ja in engen Mengen Austausch dazu auch, das Ganze. Das ist übrigens ein geheimer Prozess, weil man natürlich nicht nach außen sofort mit hinlegt, wo muss man nochmal nachsteuern, wo hat man vielleicht nochmal den Bedarf, nochmal neue Fähigkeiten mit hineinzulegen. Das entwickelt sich jetzt gerade. Es ist gerade eine Diskussion mit unseren anderen NATO-Partnern, wo man dann vielleicht auch darauf guckt, Mensch, der eine kann vielleicht mehr Personal reingeben, weil er einfach die Möglichkeiten hat. Dafür kann der andere vielleicht andere Fähigkeiten, wie zum Beispiel Flugabwehr oder auch Kommunikation oder was auch immer, dann mit hineinbringen. Und diese Abstimmung, das jetzt zu machen, das ist jetzt im Moment gerade das, was bis in den Juni läuft. Das wird auf jeden Fall darauf hinauslaufen, dass wir mehr machen müssen.

Sprecher 7: Aber Sie haben selber eine Rechnung aufgemacht. Sie haben gesagt, irgendwann in Zukunft, nicht in allzu ferner Zukunft, 450.000 Soldaten. Das heißt, die Bundeswehr geht all in. Sie bringen die ganze Bundeswehr ein. Und wenn ich mir jetzt angucke, sie hat eine Stärke von, naja, ich glaube, 200.000 geschätzt bis 2031. Da sieht man ja die Lücke. Und das ist nicht meine Rechnung, das ist Ihre Rechnung.

Sprecher 6: Meine Rechnung ist eigentlich sogar noch größer oder die Lücke daraus würde noch größer, wenn man das so runterbricht, wie Sie es gerade gemacht haben. Weil das, was ich dort als Berechnungsgrundlage genommen habe, ist nicht das, was wir jetzt nach der Revision der Pläne, also der NATO-Pläne mit hineinnehmen, sondern es ist das, was wir jetzt ursprünglich schon in unseren Berechnungen mit drin haben. Da wird auf jeden Fall nochmal was dazukommen müssen.

Sprecher 7: Ein neues Modell, es nennt sich Wehrdienst, ist, um es ein bisschen abzukürzen, basiert eigentlich... Auf Freiwilligkeit, das heißt, die Männer müssen einen Fragebogen ausfüllen, sie werden erfasst, die Frauen können das freiwillig tun. Das hat man mühsam durchgebracht. Der Verteidigungsminister wollte eigentlich mehr. Sie auch, wenn ich mir gerade die Zahlen angucke, die wir so auf dem Tisch haben?

Sprecher 6: Für mich kommt es aus militärischer Sicht auf die Aufwuchsfähigkeit an. Also wir haben eine bestimmte Summe von Soldatinnen und Soldaten, eine bestimmte Anzahl von Soldatinnen und Soldaten, die gerade im aktiven Dienst sind. Das sind gerade etwas über 180.000, sagen wir mal, oder nur um das Rechenbeispiel zu haben, 200.000. Wir haben 60.000, die wir in einer stehenden Reserve haben. Das sind die, die jetzt über die letzten Jahre ausgeschieden sind und die eigentlich sofort wieder herangezogen werden könnten, um dann auch wieder ihren Wehrdienst zu machen. Dann hat der Verband der Reservisten, also eine freiwillige Organisation, wo aber Reservisten organisiert sind, hat gesagt, Mensch, wir haben so viele Mitglieder und wir haben eine Befragung dort durchgeführt und aus dieser Befragung wird uns sehr klar, dass wir 100.000 eigentlich jederzeit zustellen können. So und damit ergibt sich eine Lücke für mich, die ungefähr bei 100.000, vielleicht etwas mehr als 100.000 liegt derzeit. Und diese 100.000 müssen wir bis zum Wechsel des Jahrzehnts, also 2029, ist ja für mich die Zahl, wo wir eigentlich einen Strich gezogen haben, gesagt haben, bis dahin müssen wir fertig sein. Diese 100.000 sind die, die wir bis dahin generieren können müssen.

Sprecher 7: Aber jetzt weichen Sie mir aus, das Modell nochmal. Wie wollen Sie es kriegen?

Sprecher 6: Nein, überhaupt nicht. Das ist der Aufwuchs. Und wie das dann, und da gibt es verschiedene politische Modelle. Das ist einmal Wehrpflicht, das ist Wehrpflicht leicht, das ist Wehrdienst. Das ist die Dienstpflicht, das ist das freiwillige Ja. Verschiedene politische Parteien, verschiedene politische Richtungen haben verschiedene Ansätze dafür. Für mich ist das egal als Militär, weil ich muss nur sagen, ich brauche eine Aufwuchsfähigkeit. Und mit all den Modellen, die ich jetzt gesehen habe, die ich auch mit Parteien diskutiert habe, bei all diesen Modellen ist gewährleistet, dass wir diese 100.000 auf jeden Fall erreichen werden. Und da spielt es keine Rolle, ob es der Wehrdienst ist, also der Minimalkonsens, der jetzt im Moment auf dem Tisch liegt, oder ob es irgendeine andere Milch ist.

Sprecher 7: Der aber auf Freiwilligkeit beruht. Ja, absolut. Glauben Sie wirklich, dass das mit Freiwilligkeit funktioniert?

Sprecher 6: Ja, denn sonst hätte ich auf jeden Fall einen anderen Rat gegeben. Im Moment geht es darum, diese 100.000 zu erreichen. Im Moment geht es darum, auch gleichzeitig die Einsatzbereiche auf der Bundeswehr aufrechtzuerhalten. Das heißt, ich kann nicht beliebig jetzt sagen, wir... Schütten jetzt einfach, das ist ein falsches Wort, aber wir holen jetzt einfach mal so viele Wehrpflichtige mit hinein, dass wir ruckzuck auf diese 100.000 kämen. Das könnte man ja auch machen. Wenn ich das täte, müsste ich alle als Ausbilder einsetzen. Also alle Soldaten, die jetzt gerade sich vorbereiten, um mit ihrem Waffensystem an der Ostflanke stehen zu können, die in dieser Ausbildung drin sind, die müsste ich alle aus dieser Ausbildung, aus dieser Einsatzbereitschaft rausholen und müsste sie einsetzen, um dann Ausbildung zu machen für Grundwehrdienstleistungen. Und damit wird meine insgesamt die Einsatzbereitschaft runtergehen, nicht nur für Deutschland, sondern dann auch für die NATO. Und das kann man sich nicht leisten. Also muss es einen Ausgleich geben. Und in diesem Ausgleich... haben wir ein Modell jetzt, wo wir sagen, zunächst einmal zweimal pro Jahr 5000. Das sind nämlich die Plätze, die man sofort als Ausbildungsplätze nehmen kann. Das lassen wir über die Jahre dann auch mit aufwachsen. Und dann guckt man bei diesem Aufwachsen, guckt man, wie weit man das dann nach oben skalieren muss. Also diese Balance zu finden, darum geht es oder ging es jetzt im letzten Jahr, ging es jetzt zu Beginn dieses Jahres. Und ich bin da sehr, sehr zuversichtlich, dass egal welches Modell kommt, dass das auch so gelingen wird, auch über freiwillige Weite.

Sprecher 7: Das Problem sitzt nicht in Washington, sondern in Moskau, ist auch ein Zitat von Ihnen. Nun haben die Amerikaner ja sehr klar gemacht, egal wie eine Lösung in der Ukraine aussieht, wissen wir alle nicht, wird hier wahrscheinlich in den Gängen in München sehr viel diskutiert. Klar ist, dass die Amerikaner sagen, das ist einfach euer Problem. Das heißt... Auch Deutschland wird sich einbringen müssen in eine Absicherung, wie auch immer, auch mit deutschen Soldaten.

Sprecher 6: Wir müssen, glaube ich, ein bisschen darauf achten, dass wir jetzt nicht das Kind mit dem Bade auskippen oder wenn ich den amerikanischen Satz dazu ins Deutsch übersetze, wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Karren vor das Pferd spannen. Einige sagen, es gibt noch gar kein Pferd für diesen Karren. Ich glaube, das ist auch richtig. Im Moment sind es politische Verhandlungen, die geführt werden. Es ist eine politische Lösung, an die man sich herantastet, über die man verhandelt, über die man zusammensitzt. Und dieses Zusammenbringen führt dann... zu Rahmenbedingungen, die dann militärisch abgesichert werden.

Sprecher 7: Jetzt sind Sie aber sehr diplomatisch.

Sprecher 6: Nee, bin ich nicht, überhaupt nicht. Weil eins, also hier folgt wirklich eins dem anderen. Alles wäre falsch, wenn man jetzt hingehen würde und sagen, pass mal auf, ich habe hier eine militärische Lösung, jetzt gucken wir mal, wie die Verhandlungen da auf ihn auslaufen. Nee, es muss umgekehrt sein. Es muss erst das Verhandlungsergebnis auf dem Tisch liegen und dann kann man sagen, hier ist der politische Auftrag, gib mir mal einen militärischen Ratschlag dazu. Und das kann ich dann auch tun. Ich verhehle nicht, dass wir natürlich, wenn man jetzt auf die Verhandlungen schaut, dass man eins immer im Blick haben muss. Und das, was man im Blick haben muss, ist, dass man es nicht voneinander separiert, sondern dass man die Sicherheit in der Ukraine untrennbar mit der Sicherheit Europas betrachtet und die Sicherheit Europas untrennbar mit der Sicherheit in der Ukraine. Also das sind nicht irgendwie zwei verschiedene Schubladen, die man aufzieht und sagt, jetzt gucke ich mal nur in die eine rein oder nur in die andere rein, sondern man muss beide aufmachen, muss beides auf den Tisch legen und muss sich darüber Gedanken machen. Das ist mein militärischer Ratschlag im Moment, also darauf zu gucken. Eher ist es ein sicherheitspolitischer Ratschlag und der militärische Ratschlag wird dann kommen, wenn die politische Lösung auf dem Tisch liegt.

Sprecher 7: Aber wir sind uns schon einig, dass die Amerikaner in Richtung Europa zeigen und nach dem Motto, das müsst ihr lösen. Auch militärisch.

Sprecher 6: Das ist jetzt sehr deutlich geworden. Ich meine, das ist ja auch deutlich geworden in den Interviews. Welche Ausprägung das dann aber hat, worauf das dann hinausläuft, das kann ich Ihnen im Moment wirklich nicht sagen. Sondern das ist jetzt, wir sind nun mal gerade am Anfang, wenn wir überlegen, Dieses Telefonat zwischen Trump und Putin hat vor vier Tagen stattgefunden. Wir neigen dazu, immer solche schnellen Lösungen und jetzt sofort haben zu wollen. Das ist so ein bisschen Netflix. Man schaltet ein und möchte nach 30 Minuten dann in der Serie eigentlich wissen, wie diese Episode zu Ende gegangen ist oder nach 90 Minuten, wie dieser Film ausgeht, möglichst mit einem Happy End. Ich bin da gar nicht sicher, nein, ich bin absolut sicher, dass das eben in der Sicherheitspolitik so nicht funktioniert, sondern hier muss man auch den Verhandlungen Zeit einräumen, damit ein gutes Verhandlungsergebnis dabei herauskommt.

Sprecher 7: Carsten Breuer, Generalinspektor der Bundeswehr. Schönen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Sprecher 6: Hat viel Spaß gemacht. Vielen Dank. Danke, genau die richtige Zeit, um solche Dinge zu diskutieren.

Sprecher 4: Und was sagt eigentlich zu all dem die deutsche Wirtschaft, die im dritten Jahr der Rezession mit den Standortbedingungen, mit der Wettbewerbsfähigkeit hadert und nun auch noch die transatlantische Zerrissenheit im Exportland Deutschland schultern muss? Die CEOs der deutschen Wirtschaft, sie hielten sich mit öffentlichen Äußerungen zu J.D. Vance zurück. Sie wissen, das ist nie gut fürs Geschäft. Aber sie haben auch noch ein anderes Argument. Denn wer sich öffentlich empört, ohne wirklich etwas verändern zu können, der macht sich bei den Verhandlungen an anderer Stelle doch die Chancen kaputt. Einer, der dieses Dilemma quasi in sich verkörpert, ist der deutsch-amerikanische Bayer-CEO Bill Anderson. Der Manager aus Ohio in Texas führt seit zwei Jahren an den Leverkusen-Chemie-Konzern Bayer, der mit fast 100.000 Mitarbeitern weltweit 50 Milliarden Euro pro Jahr umsetzt. Vorrangig mit Medizinprodukten und Pflanzenschutzmitteln. Ich habe mit Bill Anderson in unserem kleinen Table-Podcast-Studio im Bayerischen Hof gesprochen und ihn mal gefragt, wie er auf diese Sache blickt und ob er einen Ausweg kennt. Bill Anderson, hello.

Sprecher 8: Hey, thanks for having me.

Sprecher 4: You were by heart and by heritage a German-American. How do you see the first day of the Munich Security Conference and the status of the German-American relations?

Sprecher 8: The connections between Germany and America are incredibly important and incredibly strong, and I fully expect them to remain very important and very strong. There's simply no alternative. I've lived and worked in U.S. And Europe almost half of my career on each side of the Atlantic. And if I'm in Silicon Valley and I'm in a meeting, you know, there's like three Germans, someone from France, someone from China, and three Americans in the meeting. You know, that's normal. Same in Germany. We have an international... technology, international biotechnology, an ecosystem, and there's no option for us to retreat to our own corners. So I think we're having some challenges, some growing pains, but we will work through them.

Sprecher 4: But it seems like America

Sprecher 9: America is losing its economic and maybe also psychological interest in Europe.

Sprecher 8: Look, I think this, how do I say, this sort of present challenge, it's an opportunity for Europe to take a really hard stock of its overall direction. You know, I say this having, again, lived and worked in Europe for 35 years off and on. Europe has played defense too much, you know, too much of sort of allowing the innovation to happen somewhere else and then trying to be the first and best at how to regulate it. That's not working. You know, that's not serving the people of Europe. That's not serving the economy of Europe. And I think there is a call from the U.S., but that call ought to be coming also from Europe to say, hmm, you know, we want to be a more dynamic society. We want to be leading in innovation because that innovation is what's leading to cures to serious diseases. It's how we're going to feed the population of the world with less impact on the planet. Europe needs to step up with a positive vision for its place in innovation. Look, I take every disruption as an opportunity.

Sprecher 9: But it is one.

Sprecher 8: It's a disruption. It is. But I think the opportunities are... Yeah. are great. And I've had a number of conversations with leaders from European governments at this meeting, and I hear it from them as well. There's a broad acknowledgement that it's time to go on offense in Europe, not offense in a hostile way, but in an innovative way.

Sprecher 9: Bayer is doing a lot of research, getting Nobel Prizes for its science success. But when it comes to business, to transfer science to business, we are way beyond America, Asia. Why is that so?

Sprecher 8: The opportunities we have now in science, for example, to advance agriculture. We have a growing population, but we actually have less and less farmland. You know, people think, how can that be? It's really simple. We have a lot of farmland in the world that no longer has adequate water resources. And you see lands that are fallow, farms that are basically ghost farms in the Central Valley of California, in Mexico, in Spain, in Portugal, in Latin America, all over the world. We're losing cropland while the population is growing. So we have a tremendous opportunity at Bayer to use our technology to deliver that. You know, better plants that can grow in more challenging climates with less water, less chemicals, more food. And we're making this happen right now.

Sprecher 9: It doesn't seem that this topic, food security, crop science, is on the agenda on the European politicians.

Sprecher 8: I would say there's a growth. growing awareness of. And in fact, here at the Munich Security Conference, 29% of global greenhouse emissions are related to food production. You can't actually tackle climate change without tackling agriculture, and that requires technology. So it's true, we come through an age let's say the last 50 years where people have kind of taken food for granted. You know, people think that food comes from the grocery store. But I think that there's a change beginning to happen on that.

Sprecher 9: We're on the rise of a new Bundestag, a new government is probably coming into office in Germany. What do you expect in terms of competitiveness? What has to be done really quick?

Sprecher 8: You know, there's an opportunity for companies, company leaders, but also the employee representatives, you know, to come together and talk about what does it take for each company to thrive? Because at the end of the day, the economy is not like, it's not some machine that you can just, you have a volume knob and you can just turn up the volume. It's comprised of thousands of enterprises that some are large like ours and many are smaller. But at the end of the day, it's up to the people of each company to say, what kind of impact do we want to make in the world and how are we going to do that? And so the focus can't be on, I don't know, working less and making. making more money. It has to be mission-centered. You know, what is it, why are we here? What value are we delivering?

Sprecher 9: So it's a mentality problem.

Sprecher 8: I don't know that there's a mentality problem, but I think there's definitely an opportunity to focus on the mission. That's what we're doing at Bayer, and that's something that's embraced by the employees. It's embraced by management. This is not something that's sort of good for one party and not good for the other. You know, when I talk to workers, They mostly want to have a job where they're doing something meaningful, where they can make decisions, where they have authority, where they have flexibility. And that's something I think we all can get behind. So we need to get out of a mentality of sort of companies as a job provider. And have a mentality of, hey, companies are here to do something great, to add value in the world, and it's better for the workers and better for the shareholders when we have that kind of vision because workers are going to spend the majority of their waking hours at the company. So let's make that a great experience.

Sprecher 9: Last question, Bill, if I may. Since you took office, Bayer shares went down more than 50%. When do the investors go back in faith with you and your work and Bayer?

Sprecher 8: Yeah, well, we have some problems that were long in the making. And, you know, We have a 162-year-old company. How do we say? It took us many years to kind of get into the mess.

Sprecher 9: It took how many years to get out of it?

Sprecher 8: Well, we said two to three years. That was a year ago. And I believe we're absolutely on track.

Sprecher 9: So still one and a half years to go.

Sprecher 8: Yeah, yeah. One to two years. But investors won't have to wait one to two years to see results. Those results are beginning to show up now. They're showing up in our top line performance. They're showing up in our savings. And there's a lot more of that to come.

Sprecher 9: Thank you very much, Bill.

Sprecher 8: Excellent. Great to see you.

Sprecher 4: Ein anderer deutscher Manager hatte seine Erfahrungen mit Donald Trump bereits persönlich mehrfach gemacht. Joe Kayser geriet schon 2018 beim Dinner in Davos mit dem US-Präsidenten zusammen. Damals war Kayser noch Chef von Siemens, heute ist er Aufsichtsratschef von Siemens Energy. Im Interview mit mir sagt er, wie man mit einem solchen Mann wie Donald Trump eigentlich umgehen sollte. Und er macht einen überraschenden Vorschlag, wie die Europäer auf die Zollpolitik von Trump reagieren könnten und welche Alternativen am Horizont vielleicht aufschimmern. Einen wunderschönen guten Tag, lieber Herr Kayser.

Sprecher 10: Ja, guten Tag.

Sprecher 4: Wir erleben jedenfalls hier auf der MSC eine politische Zeit, wenn im transatlantischen Verhältnis. Hat die auch direkt Auswirkungen auf die Wirtschaft Ihrer Meinung nach?

Sprecher 10: Das muss man sehen. Also zunächst einmal den wirtschaftlichen Sektor eher weniger besorgt sein. Weil da geht es eigentlich nur darum, dass man lokalisiert. Und viele Unternehmen sind bereits in den Vereinigten Staaten lokalisiert. Im Wesentlichen geht es da drüben dann darum, ob man Leute findet, um dort Produktion aufzubauen. Also da wäre ich weniger besorgt. Aber ich denke, nach der Rede gestern von Vizepräsidenten, muss man sich jetzt wirklich in Europa einfach mal überlegen, was bedeutet das und was machen wir daraus.

Sprecher 4: Wir lernen, dass wir eine interessengeleitete Außenpolitik stärker in unsere Visier nehmen müssen. Können wir das überhaupt?

Sprecher 10: Können wir es nicht, können wir es nicht lernen. Man kann da vielleicht auch bei der Wirtschaft ein bisschen umhören, wie das geht. Weil die Wirtschaft tagtäglich in der Balance zwischen Werten und Interessenslagen, da ist am Ende die Interessenslagen im Vordergrund sind, weil sonst gibt es die Firma nicht mehr.

Sprecher 4: Wie verhandelt man mit Menschen wie Donald Trump? Ein echter Business-Guy, New York gestellt.

Sprecher 10: Sapinär ist monokausal. Da kommt auch immer dieses Deal-Making her. Also es gibt immer zwei. Einer muss verlieren, einer muss gewinnen. Und wenn man das nicht verstanden hat, dass das so ist bei ihm, dann ist es ganz wichtig, dass man ihm etwas anbietet. Und seitens, selbst wenn er dann verliert, dass er als Sieger dasteht. Das geht schon. Also ich hatte ihn damals in der Hose schon lange her. erzählt, wie toll Amerika ist und dass eigentlich die neueste Generation der Gasturbinen in Amerika entwickelt werden wird. Das hat einen Sturm der Enttäuschung hier in Deutschland verursacht. Witzigerweise wollte man in Deutschland gar keine Gasturbinen mehr. Freue mich natürlich auch, weil man sich aufregt. Und ja, sie ist auch gekommen und heute sind wir Bankführer in Amerika. Die unfassbar viele Geister wieder in den Hauptkauf, das ist bis 2030 ausgebucht. Hier in Deutschland will sie keiner. Und ich garantiere Ihnen, in ein paar Monaten nach der Regierung wird die neue Bundesregierung auf uns zukommen und da gefällt es unbedingt Gast auf Bäche. Dann wird Herr Bruff, unser CEO, sagen, 2030 im Februar ist der nächste Slot. Und dann bin ich mal gespannt, wie wir da sicher untergehen. Vielleicht lernt man auch ein bisschen was daraus, dass interessensgeleitete Politik und Handeln am Ende des Tages das Relevante sind.

Sprecher 4: Ich erinnere mich an dieses berühmte Mittagessen oder das Treffen. Es war ein Abendessen. Es gab Bilder, wie Donald Trump auf sie direkt reagiert hat. Wie er gesagt hat, I like this guy. He's a business guy.

Sprecher 10: Jeder in diesem Raum wusste, was gespielt wird. Erstens war es... Sie haben einen hochgradig veranlagten Narzissten vor sich, den mächtigsten Mann der Welt, neigt ein bisschen zu Kleingarnerei. Das wusste jeder, was man davon halten muss und wie man das angeht. Da war keiner drin, der irgendwie Brown-Dosing da... Vorhatte, bloß weil er eben so sympathisch war. So war es natürlich nicht. Und er fing dann bei mir an, ich saß direkt neben ihm, bei Vorstellen. Wir müssen uns da alle vorstellen. Dann sagte ich, ich bin Joe Kayser, ich arbeite für Siemens. I work for Siemens. Und dann unterbrach er mich gleich und sagte, ah, er ist der CEO, er ist der Präsident, big guy, great company. Und dann sagte ich, ja, so do you work for your country? Ging dann viral überall hin. Und dann auch in Überschrift in einer etwas konservativen Platte in Deutschland, Siemens-Chef brüskiert amerikanischen Präsidenten. Drei Tage später musste dann das Mythos der Wurst formuliert werden. Und dann hieß es ja, die deutschen Manager sind alle dem amerikanischen Präsidenten irgendwo hingekrochen, unter allem voran war es der Siemens-Chef. Und dann dachte ich mir auch, ehrlich, really, aber gut, das muss man abkönnen dafür, das ist auch mit dem Gehalt mit dabei. Aber wenn ich das sage, sind wir Marktführer in Amerika. Wir werden 12.000 Menschen neu einstellen, allein die Siemens Energy, in den nächsten drei Jahren. Ich hätte einfach gerne... haben wir uns die Hälfte hier in Deutschland angestellt.

Sprecher 4: Die Botschaft von Joe Kayser und Bill Anderson, sie ist vielleicht der rote Faden, den wir in so vielen Gesprächen in München hören konnten. Europa ist auf sich allein gestellt. Europa muss dann jetzt auch diese Chance nutzen. Und Europa hat ja nicht nur den Ukraine-Krieg und wirtschaftliche Schwierigkeiten, sondern es gibt ja auch noch unterschiedliche Interessen in Europa, was den Umgang mit Russland oder auch die Nähe zu Trump betrifft. Zum Beispiel Serbien, das Land, das sich immer wieder gegen seine Nachbarn und Partner stellt, aber auch gegen den europäischen Konsens. Serbien ist so etwas wie der heimliche Rebell Europas. Eng an der Seite Russlands, eng an der Seite Donald Trumps sind es immer wieder Entscheidungen, die gegen den europäischen Konsens gestellt werden oder die gegen die eigenen Nachbarn laufen, wie zum Beispiel das Kosovo. Der kosovarische Premierminister Albin Kurti hat bei den Parlamentswahlen am Sonntag vor einer Woche nach vorläufigen Berechnungen 41 Prozent der Stimmen geholt. Übrigens gegen den Willen der Trump-Administration, die dazu aufgerufen hatte, Kurti nicht zu wählen. Kurti fühlt sich aber nicht nur von den Amerikanern missverstanden, sondern auch von der EU ungerecht behandelt. Mit Gabriel Bub, unserem Kollegen aus dem Security Table, hat er am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz darüber gesprochen, ob er Sorgen vor einer zweiten Trump-Amtszeit hat und welche Erwartungen er an die hat.

Sprecher 11: EU-Außenbeauftragte Kaya Kallis hat.

Sprecher 12: Dear Prime Minister Kuti, thank you very much for being in our podcast. I'm very happy to have you here. So last week you won esteemed 41% of the votes in the parliamentary elections. Now you will have to build a new government and the new government will have to face some challenges. So maybe in general, can you tell us how do you assess the current security situation in the Western Balkans?

Sprecher 13: We won 41% of people's vote. It might increase another couple of percent because votes from diaspora are still arriving. And every third Kosovo citizen is not Kosovo resident, so many of them did vote. And we will see who will be the members of parliament on the ninth legislation or next term of our republic when we are marking now 17 years of our independence. Security situation in the Balkans has been rather calm if you compare with the Russian aggression in Ukraine. And in over a century, this is the first war in continent in which Balkans is not taking part. We cherish this and it should be acknowledged. However, in Kosovo, we have had some security challenges, mainly coming from Serbia. Some of them were also linked with Russia. So we are very vigilant. About times ahead, because I do not think that President Vucic can say no to President Putin if he wants to enlarge the context of his imperialism and hegemonic aspirations. On the other hand, We have managed to control all the destabilization attempts in our country because there are no more illegal structures of Serbia or criminal gangs who are operating freely as it was in the past. So challenges that we might face come from outside. Internal sources of destabilization, there are none of them that we cannot manage and control. So after four years in government, I'm very happy to conclude that with police of Kosovo and army of Kosovo, we can certainly keep things under control in terms of peace, security and rule of law. We have had four years of economic growth. social redistribution, democratic advancing, and institutional stability all hand in hand. That's why we won elections again.

Sprecher 12: But now you will have to face new challenges with the new Trump administration, maybe. So Trump was talking to Putin without including the Europeans. Do you think his initiative to push for immediate negotiations could indicate something that what Kosovo might face when you form the next government? Are you concerned that Trump could revise his first term plan for a land swap with Serbia?

Sprecher 13: It's difficult to predict, let alone know, what the future will bring in current state of affairs with all the changes happening in all the continents. However, it is my impression that President Trump is trying to bring some settlement between Ukraine and Russia sooner rather than later because of a higher priority that he has, which is China, People's Republic of China. Rather than lower priorities that he has, namely the Balkans. So the attention that he's giving to the Russian aggression in Ukraine, I think, has to do with his absolute priority in international affairs, and that is how U.S. Is going to handle the rise of China in 21st century. And this has not much really to do with things like the Balkans, where all six... states, all six countries, amount to the population of the Netherlands.

Sprecher 12: We had the special envoy Richard Grinnell also commenting the elections in Kosovo. Now you see Maybe the relation with the US is becoming more difficult. Do you regret having refused to grant greater autonomy to ethnic Serb majority municipalities?

Sprecher 13: We have an agreement with Serbia, which is basic agreement, and with an implementation annex from... February and March 2023. This basic agreement is modeled upon, inspired from, two Germanies modeled from 1972, Willy Brandt's Ostpolitik, Western and Eastern Germany getting both seats in UN, at least mutual de facto recognition. The problem is that this agreement is not being respected by Serbia, actually is being violated time and again, and implementation is very far. made an agreement with Serbia regarding association of Serb-majority municipalities. And there are two agreements out of 39 that they've made in the past. I don't want to negate any of those agreements. But all those agreements are within the basic agreement now. In articles 7 and 10. So what I've been insisting is Serbia to sign the agreement that have agreed with us, because signing the agreement brings legal certainty. And at the same time annuls previous violations. But likewise, they should withdraw the letter of Madame Bernabé, she is now Speaker of Parliament, used to be Prime Minister of Serbia, when in December 2023 she said that she does not respect territorial integrity of Kosovo. And last but not least, they have to hand over Milan Radulcic, the chief criminal of Serbia's little green men, who in September 2023 killed our police sergeant, Afrim Bunyaku. So these are the three main elements for normalization of relations. Serbia might want Republika Srpska in Kosovo, similar to Bosnia, but that is neither acceptable nor possible. Regarding Special Envoy Grenell, Since 2020, he has been very outspoken against me. His opposition to me as a politician and prime minister, he did not start during the campaign. It was ongoing throughout these last five years, but it was not stopped during the campaign. However, we consider US to be our indispensable ally, special friend and crucial partner.

Sprecher 12: To what degree will you take decisions without integrating US and EU if relations might get a bit more difficult? Will you say you will integrate the EU in everything you decide regarding the relations with Serbia?

Sprecher 13: European Union, in my view and conviction, is the most important and valuable political project and historical process of peace and prosperity. And I think that our generation cannot come with anything better than the European Union. Does the European Union need internal reform? Certainly. Does it need external enlargement? Of course. And these two... go hand in hand. So we want to join EU not only to benefit but also to contribute. And I think that we are on the right track. Even EU country progress report for Kosovo says that out of 38 areas, Kosovo made progress in 36. Only in two areas we didn't make progress and there is no area with regress. This is country progress report October 2024. So we want this to be more acknowledged by EU itself, but also by our partners and allies, because we want a merit-based process. No backdoor, no fast track. I want to work hard and all our legislation to be in compliance with Aki Komite.

Sprecher 4: Diese MSC, sie dürfte in die Geschichte eingehen. Denn egal über welches große Thema diskutiert wurde, Europa musste eine Lektion immer wieder lernen. Es wird mehr denn je auf sich gestellt sein. Und es wird vor allem lernen müssen, dass Werte zwar wichtig sind und ein Leitfaden sein können für das eigene Handeln, aber in dieser neuen Zeitrechnung der Geopolitik Wohlstand und Frieden offenbar nur verteidigt werden kann, wenn knallhart die eigenen Interessen vertreten werden. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, welche Strategien die Länder auf der MSC verfolgen, dann empfehle ich Ihnen an dieser Stelle noch einmal den Security Table, unseren Sonder-Newsletter. Sie können ihn übrigens kostenlos vier Wochen lang testen unter table.media.com. Ich bedanke mich, dass Sie zwei Tage lang zugehört haben hier bei unserem Sonderpodcast aus München und hoffe, dass Sie die globalen Konflikte für einen Moment vergessen können und einen wunderbaren und ruhigen und entspannten Sonntag haben werden. Ich bedanke mich fürs Zuhören. Am Montag ist an dieser Stelle selbstverständlich die Kollegin Helene Bubrowski wieder dabei. Es wird auch Zeit. Bis dahin. Vielen Dank. Auf Wiederhören.

Sprecher 14: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.