Wann sind wir kriegstüchtig, Herr Pistorius?
Verteidigungsminister Boris Pistorius spricht über die Zukunft der Bundeswehr und seine Rolle in der SPD. Er fordert Realismus in der Sicherheitspolitik – ohne Panik, aber mit Konsequenz.
Vor allem geht es ihm darum, die Bundeswehr künftig verlässlich aufzustellen: "Alle wissen: Eine dauerhafte bessere Ausstattung der Bundeswehr wird nicht einfach so aus dem Haushalt zulasten anderer Politikbereiche zu stemmen sein.“
Ein neues Sondervermögen sei aus seiner Sicht nicht der richtige Weg, sagt er im Interview mit Michael Bröcker.
„Schwarz-Grün ist nicht möglich“ – daran lässt CSU-Generalsekretär Martin Huber im Interview mit uns keine Zweifel.
Die Grünen lebten in Sachen Migration in einer „Parallelwelt“, sagt Huber. Auch in der Wirtschaftspolitik sieht er keine Gemeinsamkeiten.
Kevin Kühnert verabschiedet sich mit einer scharfen Attacke auf Friedrich Merz aus der Politik. In nur vier Minuten greift er die CDU wegen der Zuwanderungs-Abstimmung mit der AfD an.
Table.Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen:
Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlmann@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Es war nicht nur die letzte Rede in dieser Legislaturperiode überhaupt im Bundestag. Es war auch die vorerst letzte Rede von Kevin Kühnert. Sie erinnern sich, der ehemalige Generalsekretär. Es war eine harte Kritik an Friedrich Merz und es war die Wahlkampfrede für die SPD, die Olaf Scholz nie gehalten hat. Wir analysieren das gleich mal für Sie.
Sprecher 3: Auf keinen Fall schwarz-grün. Das ist nun auch die neue Wahlkampfstrategie der FDP und die der CSU schon lange. Die CSU nämlich schließt diese Koalition absolut kategorisch aus und sagt auch jedes Mal nochmal, dass es auf gar keinen Fall gehen wird. Warum eigentlich? Was wäre denn so schlimm an dieser schwarz-grünen Koalition? Das haben wir CSU-Generalsekretär Martin Huber gefragt und wir wollten wissen, welche Rolle eigentlich die CSU in einer Regierung unter Friedrich Merz spielen will.
Sprecher 2: Als Fußballer hatte er den Spitznamen Kami Karze. In Deutschland ist er der beliebteste Politiker. Und die Fotokünstlerin Herr Linde Kölble, die gerade ein sensationelles Buch über diesen Mann geschrieben hat, sagt, er ist der anständigste Politiker, den ich je getroffen habe. Die Rede ist von Boris Pistorius, die Hoffnung der SPD. Ade, muss man sagen. Er war bei uns zu Gast bei Table Briefings im Studio, jetzt gleich hier im Interview.
Sprecher 3: Für die Hoffnung ist es natürlich nie zu spät, glauben wir immer und auch an diesem Mittwoch, den 12. Februar. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 2: Helene, man wusste ja, dass Kevin Kühnert ein begnadeter Redner ist, aber diese Rede gestern im Bundestag, die war dann doch nochmal besonders.
Sprecher 3: Ja, er schafft es ja auf diese besondere Art, einen Ton zu finden. Das war früher deutlich frecher, heute etwas staatstragender. Nun war es die vorerst letzte Rede des gerade mal 35-jährigen Kevin Kühnert, der aus gesundheitlichen Gründen sich aus der Politik zurückzieht, das Wahlkampfmanagement Matthias Miersch überlassen hat, das alles nicht mehr macht. So trat er dann auch vor die Mikrofone und sagte, er spreche hier nicht als Wahlkämpfer.
Sprecher 4: Ich stehe nicht im aktuellen Wahlkampf und deswegen rede ich hier grundsätzlich und zwar zu dem, was mir seit 20 Jahren als deutscher Sozialdemokrat das Grundsätzlichste ist, die Verantwortung vor unserer Geschichte.
Sprecher 2: Und in Wahrheit war es natürlich dann doch eine Wahlkampfrede, denn das hat der SPD sehr geholfen und der Union spürbar wehgetan. Man hat das in den Reihen der CDU und CSU gesehen. Denn Kevin Kühnert trifft mit wenigen Sätzen. Er hatte nur vier Minuten schon den Ton. Er hat zuerst nämlich gesagt, die Angriffe auf die CDU gehen gar nicht, müssten auch von der SPD hart und klar zurückgewiesen werden, aber eben dann doch sich Friedrich Merz gewidmet und den Tabubruch nochmal seziert, den er durch die Stimmen mit der AfD vor zwei Wochen beim Entschließungsantrag ja auch Friedrich Merz alleine zu verantworten hat.
Sprecher 3: Er sprach insbesondere den Parteiaustritt von Michel Friedman an, einem deutschen Publizisten jüdischen Glaubens, der nach dieser gemeinsamen Aktion Abstimmung von CDU und AfD eben entschieden hat, die CDU zu verlassen. Und war Friedrich Merz vor, nicht nur, dass er das zu verantworten habe, sondern dass er sich dazu im Kanzlerkandidatenduell am Sonntagabend nicht geäußert habe, was stimmt. Zweimal hat Melbrit Illner gefragt, was er dazu zu sagen habe. Und beide Male ist Friedrich Merz ausgewichen und hat eigentlich vor allem darauf verwiesen, dass es auch viele Parteieintritte gegeben habe und dass andere die Politik durchaus richtig fänden. Und dass man im Übrigen doch auch mal Mitleid mit den Opfern haben müsse, die Perspektive der Opfer einnehmen müsse. Das war schon eine Schwäche in dem Duell auf Seiten von Friedrich Merz. Das würde ich auch so sehen. Und Kevin Kühnert wäre nicht Kevin Kühnert, wenn er da genau das aufspießen würde und den Kanzlerkandidaten der Union so vor versammeltem Haus vorführen würde.
Sprecher 4: Es ist wichtig zu verstehen, welches Muster hier erkennbar wird. Die Opportunität sticht die Integrität. Aus dem Ausland ist mir dieses Muster vertraut, aus Deutschland bislang weniger.
Sprecher 2: Opportunität sticht Integrität. In einem Satz hat Kevin Kühnert die gesamte CDU-Strategie diskreditiert. Es war ein bemerkenswerter Auftritt.
Sprecher 3: Und er geht auch bemerkenswert raus, indem er nämlich sagt, Schützen wir das, was wir lieben, schützen wir unsere Demokratie.
Sprecher 4: Ich tue das in Zukunft von außen. Bitte tun Sie es von hier drin. Vielen Dank.
Sprecher 3: Ein Appell von Kevin Kühnert, dem scheidenden Jungpolitiker für die Demokratie. Und das sei hinzugefügt, sicherlich nicht ganz uneigennützig. Denn wem Kevin Kühnert den Daumen drückt am Sonntag in einer Woche, das ist ja nun auch völlig klar. Da hat sicherlich kein Unparteiischer gesprochen. Wir wollen alle miteinander auch nicht zu naiv sein.
Sprecher 2: Helene, laut einer Forsa-Umfrage wünschen sich immerhin dann doch 33 Prozent eine schwarz-grüne Koalition, die ansonsten so verhasst ist in diesem politischen Spektrum.
Sprecher 3: Ich finde das ja auch wirklich keine schlechte Koalition. Ich glaube, Deutschland ist konservativ, strukturell konservativ. Da ist es nicht schlecht, wenn das von einer Partei auch abgeholt wird, also sprich von den Schwarzen. Aber wir brauchen auch ein paar neue Gedanken. Wir müssen auch ein bisschen was ausprobieren. Das können die Grünen, jedenfalls wenn sie gut drauf sind und wenn sie sich zusammennehmen und zusammenreißen, leisten. Wir haben es auf Bundesebene noch nie gehabt. Und weil wir beim Thema sind, die Hoffnung stirbt zuletzt. Könnte es ja sein, dass eine schwarz-grüne Regierung diesem Land gar nicht so schlecht tut. Meine Meinung, aber in der CSU teilt es ja tatsächlich wirklich niemand.
Sprecher 2: Und der CSU-Generalsekretär Martin Huber, der war gestern zu Gast hier bei uns bei Table Briefings. Und er hat nicht nur Posten für die CSU angemeldet in einer möglichen Unionsregierung, sondern auch nochmal deutlich gemacht, was er von Schwarz-Grün hält. Hören wir mal rein. Einen schönen guten Tag, lieber Herr Huber.
Sprecher 3: Grüß Gott.
Sprecher 2: Tut das dem Land eigentlich gut, dass die CSU jetzt auch noch den Unionskanzlerkandidaten in diese harte Antigone... Grün-Rhetorik getrieben hat?
Sprecher 5: Schauen Sie, Politik muss sich ja an der Wirklichkeit orientieren. Und der Ansatz der Grünen ist ja sehr belehrend und hat immer den Ansatz verfolgt, wenn man über ein Thema nicht spricht, dann wird es auch nicht zu aufschlagen. Das ist doch grundfalsch. Also wenn sich Katrin Göring-Eckardt hinstellt und sagt, das Thema Migration, hat mit der Lebenswirklichkeit der Menschen nichts zu tun, ist das doch fatal.
Sprecher 2: Das ist eine Aussage einer grünen Politikerin.
Sprecher 5: In welchem Paralleluniversum leben die denn eigentlich? Ja, und wenn Sie jetzt die Pläne ansprechen von Robert Habeck, das waren ja zehn Mini-Maßnahmen, die keine 24 Stunden Bestand gehabt haben. Also das Motto bei Habecks Maßnahmen war ja offensichtlich vom Drucker direkt zum Schredder.
Sprecher 2: Herr Huber, wenn Sie am Ende doch mit den Grünen reden müssten, nach dieser Wahl, weil zum Beispiel die Sozialdemokraten nach sechswöchigen Sondierungen sich überhaupt nicht als beweglich zeigen, sagt man dann, nein, mit den Grünen gehen wir nicht mal mehr in einen Konferenzraum und reden?
Sprecher 5: Sie brauchen eine zukünftige Bundesregierung, die handlungsfähig ist. Und dafür brauchen Sie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten. Mit den Grünen gibt es bei den wichtigen Themen keine inhaltlichen Gemeinsamkeiten. Müssten Sie ja dann erstmal herausfinden. In einer Zeit, Herr Bröker, wo Migration das Top-Thema ist, wo es wirklich gilt, Migration zu begrenzen, kommen die Grünen daher und wollen Migration ausweiten. Es gibt hier keine Gemeinsamkeiten. Schwarz-Grün ist nicht möglich.
Sprecher 2: Was sind eigentlich, wenn die CSU die 42 oder 43 Prozent bekommt und damit durchaus einen relevanten Beitrag? zum Unionsergebnis beisteuert. Was sind die politischen Felder, wo die CSU in Berlin agieren möchte?
Sprecher 5: Die Megathemen, die es gilt im Land wieder gerade zu rücken, sind Migration, Wirtschaft und Sicherheit.
Sprecher 2: Wirtschaft haben Sie gesagt, Inneres haben Sie gesagt und Sicherheit haben Sie auch gesagt. Also will die CSU das Verteidigungsministerium?
Sprecher 5: Die CSU wird in der nächsten Bundesregierung stark und kräftig vertreten sein und alles andere werden wir im Detail danach verhandeln.
Sprecher 2: Aber ist das Verteidigungsministerium ein relevantes Ministerium?
Sprecher 5: In Bayern haben wir sehr viele Standorte der Bundeswehr. In Bayern haben wir eine starke Rüstungsindustrie und insofern ist das Thema Bundeswehrverteidigung für Bayern von besonderer Bedeutung. Und deswegen haben wir ja in Bayern auch ein eigenes Bundeswehrgesetz verabschiedet, das natürlich auch die organisatorischen und politischen Grundlagen bildet. Die Bundeswehrstandorte, aber auch für die Frage, wie kann man militärische und zivile Forschung besser verzahnen, das auch gegenseitig nutzbar machen. Und genau das schlagen wir ja auch vor für den Bund, ein Bundeswehrgesetz, um all diese Dinge auch einmal sozusagen einer gesetzlichen Basis zu geben.
Sprecher 2: Wie so viele bayerische Politiker kommen Sie ja auch aus einem wunderschönen Wahlkreis, Altötting. Wollen Sie dort auch bleiben oder haben Sie Lust, nach Berlin zu kommen?
Sprecher 5: Mich reizt Berlin jetzt nicht so wie meine Heimat Bayern oder alte Dinge. Also, ich bleibe in Bayern.
Sprecher 2: Vielen Dank, lieber Herr Huber. Ein Jurist aus Osnabrück wird der nächste SPD-Bundeskanzler. Da lege ich mich fest. Und nein, ich meine nicht Olaf Scholz. Ich meine Boris Pistorius, der Mann, der seit zwei Jahren der beliebteste Politiker in Deutschland ist, fast Kanzlerkandidat geworden wäre, wenn Olaf Scholz ein wenig Septik zugelassen hätte. Nun ist es anders gekommen, aber er wird eine Rolle spielen. Die Gespräche hinter den Kulissen haben längst begonnen. Wer in der SPD das sagen? Haben könnte nach einer möglichen Wahlniederlage und alle sagen, es ist Boris Pistorius. Vielleicht mit Klaas Klingbeil, aber auf jeden Fall wird Boris Pistorius eine Rolle spielen. Gestern war der Verteidigungsminister bei uns zu Gast im Studio, hat natürlich mit uns über die Sicherheitslage und die Zeitenwende vor allem in den Köpfen gesprochen, aber auch ganz bisschen über seine eigene Rolle in der SPD. Einen schönen guten Tag, Herr Minister Pistorius.
Sprecher 6: Hallo Herr Bröcker.
Sprecher 2: Wenige Tage vor der Bundestagswahl am Ende dieser Ampelkoalition haben Sie persönlich alles dafür getan, dass die Ukraine diesen Krieg nicht verliert?
Sprecher 6: Ja, habe ich. Aus meiner persönlichen Perspektive habe ich alles getan, was ich tun konnte.
Sprecher 2: Die NATO hat, wie wir jetzt gelesen haben, 50 Milliarden Euro für die Ukraine ausgegeben. Alleine 2024. Deutschland ist der zweitgrößte Unterstützer. Und trotzdem ist die Ampel am Ende daran gescheitert, dass man doch nicht drei Milliarden Euro für die Ukraine ausgeben wollte und sich darauf nicht einigen konnte. Oder habe ich das jetzt falsch zugespitzt?
Sprecher 6: Die Koalition ist nicht nur daran gescheitert, das war im Grunde genommen, dass das fast zum Überlaufen gebracht hat nochmal. Das alleine war es nicht.
Sprecher 2: Es gab die Überlegung, entweder neue Schulden oder eine überplanmäßige Ausgabe. Warum hat man nicht einfach den Weg, wir bleiben in der Koalition zusammen und machen die überplanmäßige Ausgabe gewählt?
Sprecher 6: Oder warum bleibt man nicht in der Koalition zusammen und macht das, was am ehrlichsten ist, nämlich einen Überschreitungsbeschluss, weil es außergewöhnliche Situationen sind, denen man mit außergewöhnlichen Maßnahmen begegnen muss.
Sprecher 2: Weil es die DNA der FDP war, keine neuen Schulden zu machen.
Sprecher 6: Aber die DNA der FDP ist ja als kleinster Partner einer Koalition nicht richtungsgebend.
Sprecher 2: Das ist sicherlich richtig. Aber Sie sind im Nachhinein nicht böse darum, dass diese Ampelkoalition zerbrochen ist, weil Sie sagen, es war schlicht notwendig?
Sprecher 6: Ob es schlicht notwendig war oder nicht, das werden irgendwann die Historiker und die Politikwissenschaftler beurteilen. Aber klar war, dass die Zusammenarbeit immer schwieriger wurde und die Entscheidung von Olaf Scholz, dem ein Ende zu setzen, war mit Sicherheit richtig.
Sprecher 2: Wir sind in einer entscheidenden Woche. Vielleicht zumindest sagen das einige Auguren für die Ukraine. Die MSC steht vor der Tür. J.D. Vance ist erstmals in Deutschland. Der amerikanische Außenminister ist erstmals in Deutschland. Gibt es irgendwo am Horizont einen Silberstreif für Frieden oder Waffenstillstand in der Ukraine?
Sprecher 6: Also jetzt wenige Tage vor der MSC, die am Donnerstagabend inoffiziell beginnt mit einigen Veranstaltungen, ist ein solcher Silberstrahl, ein solcher Lichtbalken am Himmel nicht zu erkennen. Aber klar ist, davon bin ich überzeugt, es wird in diesem Jahr Bewegung reinkommen in die ganze Angelegenheit, in diesen furchtbaren Krieg. Klar ist, dass am Ende... Eine sichere und souveräne Zukunft für die Ukraine dabei herauskommen muss und dass die Ukraine am Tisch sitzen muss.
Sprecher 2: In den amerikanischen Medien wird von auch Mitgliedern der Trump-Administration offen darüber geredet, dass es ohne Gebietsabtretungen am Ende nicht gehen wird.
Sprecher 6: Das mag die amerikanische Administration so formulieren, aber am Ende reden wir hier über einen souveränen demokratischen Staat, der nicht klein ist, mitten in Europa, der angegriffen worden ist, weil sein Nachbar Russland seine Existenz infrage stellt und sich das Land einverleiben will. Deswegen sollte niemand über die Köpfe der Ukraine hinweg, und das gilt auch für die amerikanische Administration, sich anmaßen zu entscheiden, unter welchen Bedingungen das auf Seiten der Ukraine zu passieren hat, ein solcher Waffenstillstand. Aber auf der anderen Seite gibt es ja Signale aus der Ukraine, dass es dafür eine gewisse Bereitschaft gibt unter gewissen Voraussetzungen. Das wird man aber an einem Tisch diskutieren müssen, an dem dann auch die Ukraine sitzt vor allen Dingen.
Sprecher 2: Haben Sie schon ein Gefühl, was der neue amerikanische Verteidigungsminister will, den Sie jetzt in Brüssel an diesem Mittwoch treffen?
Sprecher 6: Nein, ich treffe ihn, wie gesagt, jetzt am Mittwoch und bin sehr gespannt auf das Gespräch mit ihm. Es wird ein offenes Gespräch sein. Ich werde wie immer auf jeden meiner neuen Kollegen offen und vertrauensvoll zugehen und bin sicher, dass wir einen Weg der vernünftigen Verständigung, Kommunikation und vor allen Dingen auf der Basis der transatlantischen Partnerschaft finden werden.
Sprecher 2: Kann eine EU-Mitgliedschaft für die Ukraine Teil einer Sicherheitsarchitektur für dieses Land irgendwann nach dem Krieg sein?
Sprecher 6: Ob es Teil einer Sicherheitsarchitektur ist? Sein kann, würde ich in Frage stellen, weil die EU ja kein Verteidigungsbündnis ist.
Sprecher 2: Aber sie auch eine Art Beitrittsfall hat und die NATO-Mitgliedschaft ja von allen ausgeschlossen wird.
Sprecher 6: Nee, sie wird nicht ausgeschlossen, ganz im Gegenteil. Der NATO-Beschluss von Washington und der erste von Vilnius sagt ganz klar, die Zukunft der Ukraine liegt in der NATO und zwar unumkehrbar, so die Verstärkung in Washington letztes Jahr.
Sprecher 2: Sie waren nur zwei Jahre jetzt im Amt als Verteidigungsminister, Herr Pistorius. Wie sehr haben Sie es hinbekommen, dass die Zeitenwende auch in den Köpfen der Deutschen angekommen ist?
Sprecher 6: Das wird man nicht so jetzt ad hoc beurteilen können. Ich habe alles dafür getan, was in meiner Macht stand, durch öffentliches Reden, durch Interviews, aber auch durch Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern dazu beizutragen, klarzumachen, dass die Zeiten andere sind als die, die wir bis vor drei Jahren kannten. Es gibt eine neue militärische Bedrohung in Europa. Niemand muss in Alarmismus und Angst verfallen, aber wie bei jeder neuen Bedrohung, bei jeder Gefahr, die sich einem stellt, sollte man sie anerkennen und zur Kenntnis nehmen. Dafür werbe ich und sich dann dementsprechend auch wappnen und entgegenstellen.
Sprecher 2: Wie wichtig war, dass Sie das Wort kriegstüchtig verwendet haben bei dem Prozess, auch gerade in den Köpfen der Beteiligten?
Sprecher 6: Ich will das nicht überbewerten, aber ich glaube schon, es war zu dem Zeitpunkt ein Versuch und ich glaube, der ist gelungen, die Diskussion nochmal zuzuspitzen und klarzumachen, es geht hier nicht um irgendetwas, was wir in den letzten 30 Jahren kannten und es geht um eine neue Situation. Und manchmal ist es notwendig, dazu ein Wort zu gebrauchen, was inhaltlich nichts anderes ist. beinhaltet als das alte Wort oder das auch benutzte Wort verteidigungsfähig, verteidigungsbereit, was aber aufrüttelt. Und ich glaube, die Diskussion, die öffentliche darüber hat, auch dazu beigetragen, dass sich mehr Menschen über die neuen Notwendigkeiten klar geworden sind.
Sprecher 2: Auch über die Finanzierung, die eigentlich auf uns zukommt, wenn wir darüber nachdenken, ab 2028 schon mindestens 30 Milliarden Euro mehr pro Jahr in den Haushalt der Verteidigung geben zu müssen. In Wahrheit sind wir ja bei 2,5 oder 3 Prozent dann noch bei vielen, vielen Milliarden mehr. Sind wir da schon so weit? Haben Sie ein Szenario, wie das gehen kann, egal in welcher Konstellation?
Sprecher 6: Die Umfragen sind sehr eindeutig. Die Menschen sehen in einer übergroßen Mehrheit irgendwas zwischen 65 und 75 Prozent oder sogar mehr die Notwendigkeit, die Bundeswehr besser auszustatten. Aber natürlich stellt sich die Frage dann nochmal anders, wenn es konkret wird und um Zahlen, um Euros geht. Und bei den Größenordnungen, über die wir reden und die alle kennen, also 30 Milliarden plus ab 28, mindestens um bei 2% zu stehen, nimmt man nicht einfach irgendwo aus dem Haushalt zulasten anderer Politikbereiche. Diese Diskussion werden wir führen müssen nach dem 23. Februar. Wir führen sie schon seit mehr als einem Jahr oder länger. Aber darüber wird dann zu reden sein, weil das wird die entscheidende Herausforderung sein, weil wir alle wissen, alle anderen Politikfelder sind auch wichtig, das eine für den anderen mehr und für den anderen weniger, aber ohne Sicherheit ist alles andere auch nichts.
Sprecher 2: Wünschen Sie sich, weil Sie werden ja ohnehin mit der Union reden müssen, so oder? Die werden ja nicht auf 5% wieder runterfallen in den nächsten zwei Wochen. Das schaffen auch Sie nicht. Sie werden mit der Union reden müssen. Wünschen Sie sich, dass vor allen anderen Gesprächen es ein sicherheitspolitisches, vertrauliches Gespräch gibt, wo man diese Milliarden rausholt aus allen sonstigen Debatten?
Sprecher 6: Also die Debatten darüber werden ja gerade öffentlich geführt und man wird dann nach dem 23. Februar genau sehen, wer mit wem worüber wann redet. Ich würde das ungerne vor dem Wahltag tun, weil es auch der Respekt vor den Wählerinnen und Wählern gebietet, erstmal das Ergebnis abzuwarten.
Sprecher 2: Ja, aber Sie sagen schon, diese Finanzierung ist im normalen Etatgespräch nicht zu lösen.
Sprecher 6: Das habe ich immer gesagt, schon seit fast anderthalb Jahren und davon habe ich auch nichts zurückzunehmen. Im Gegenteil, und darüber wird man dann, je nachdem wer mit wem über eine Regierungskoalition spricht, zu reden haben.
Sprecher 2: Ist auch ein neues Sondervermögen noch denkbar?
Sprecher 6: Das erste Sondervermögen war richtig. Erstens, um die Zeitenwende zu unterstreichen und erste Beschaffung in großem Stil zu ermöglichen. Das Sondervermögen hat drei große Nachteile. Erstens, die Inflation knabbert dran. Zweitens, die Zinsen sind beträchtlich. Und drittens kann ich damit nichts abbilden, was den Betrieb, die Unterhaltung dessen umfasst und abdeckt, was ich beschaffe. Das heißt, mit jedem Panzer, mit jedem Flugzeug steigen auch die Unterhaltungspersonal- und Betriebskosten. Und das kann ich mit Sondervermögen nicht abbilden. Also brauche ich vor allen Dingen einen nachhaltigen, stabilen, erkennbaren Anstieg im Einzelplan, damit das gelingen kann.
Sprecher 2: Auch dauerhafte finanzielle Planungen.
Sprecher 6: Dauerhafte finanzielle Planungssicherheit über Legislaturperioden hinweg.
Sprecher 2: Ist nicht die viel größere Aufgabe eines neuen Verteidigungsministers, Sie könnten es ja eventuell sein, 20, 25, 30.000 neue Rekruten in den nächsten fünf Jahren zu bekommen, wenn gleichzeitig die jungen Leute die Welt sehen wollen oder beim Fachkräftemangel ja Top-Angebote aus der Wirtschaft bekommen?
Sprecher 6: Es ist keine Frage von, was ist die größte Aufgabe oder die größere. Beide Aufgaben, Beschaffung und Ausstattung der Bundeswehr einerseits und Personal andererseits, sind gleichbedeutend. Das eine nützt ohne das andere nichts. Und wir sind auf einem guten Weg. Wir haben dort definitiv einen Umschwung erreicht, aber noch nicht vollständig. Also wir haben ihn begonnen, so würde ich es formulieren. Wir haben einen deutlichen Anstieg von über 20 Prozent bei den Bewerbungen. Aber leider müssen wir noch schneller werden bei den Einstellungen und wir haben noch zu viele Abbrecher. Interessant ist aber zu beobachten, wie das Interesse an einer Anstellung bei der Bundeswehr als Soldat oder Soldatin oder auch als Zivilist deutlich zugenommen hat. Und das werden wir in den nächsten Monaten und Jahren für verstärken haben.
Sprecher 2: Sie haben ein erstes Konzept vorgelegt für eine Wehrpflicht, Erfassung zumindest. Was ist realistisch in einer nächsten Legislatur, was Sie aus einem Jahrgang in die Truppe holen können?
Sprecher 6: An allererster Stelle wird das beschränkt, sage ich mal, durch die Kapazitäten, die wir in den Kasernen haben für Wehrdienstleistende. Und wir alle wissen, es sind, ich weiß nicht wie viele, aber ich würde mal schätzen, gut 100 oder sogar mehr Kasernen seit Mitte der 90er Jahre geschlossen worden, aufgegeben worden. Das heißt, die Vorstellung, wir könnten auch nur von jetzt auf gleich 100.000 oder 150.000 Wehrdienstleistende ausbilden, ist völlig realitätsfern. Deswegen mein Modell mit einem Wehrdienst, der auf Freiwilligkeit setzt, der attraktiv ist. Und der dann eben dazu führt, dass wir aufwachsen von Jahr zu Jahr über 15.000, 15.000 Wehrdienstleistende aufwachsen, dadurch eine Reserve aufbauen, die dann zur Verfügung steht in Kombination einer größeren Reaktivierung der bereits bestehenden Reserve.
Sprecher 2: Ich habe in dem wunderbaren Buch von Helene Kölpel, was diese Woche vorgestellt wurde, auch über ihre Zeit als Wehrdienstleistender gelesen. Was ist das, was Sie mitgenommen haben von Ihren damaligen Vorgesetzten, was die ideale Führung in der Truppe betrifft?
Sprecher 6: Einerseits besteht Führung darin zu führen, also vorne zu stehen, Verantwortung zu nehmen, über zu übernehmen und voranzugehen, aber gleichzeitig auch nahbar zu bleiben, zuzuhören und dran zu bleiben an den Menschen, weil es gerade bei der Bundeswehr, gerade dann, wenn es ernst wird, darauf ankommt, dass man sich aufeinander verlassen kann und weiß, der andere ist integer und zuverlässig.
Sprecher 2: Loyalität habe ich in dem Buch auch gelesen, ist Ihnen sehr, sehr wichtig, privat wie beruflich. Wie hart war es für Sie, vor wenigen Monaten loyal zum Bundeskanzler zu sein, wenn sehr viele aus der Partei Sie aufgefordert haben, Kanzlerkandidat zu werden?
Sprecher 6: Das war für mich überhaupt gar keine Schwierigkeit, das war immer klar.
Sprecher 2: Nur das mit dem Papst. Ausschluss hätten Sie vielleicht nicht öffentlich sagen sollen?
Sprecher 6: Aber es stimmt ja. Das ist wirklich das Einzige, was man als Katholik... Eben als katholischer verheirateter Mann ausschließen kann.
Sprecher 2: Ich habe mich daran erinnert, wie ich mit Ihnen sprach das erste Mal, als Sie für den SPD-Vorsitz kandidierten. Und will nicht jeder, der den SPD-Vorsitz erringen möchte, eigentlich auch Kanzler werden?
Sprecher 6: Nein.
Sprecher 2: Sehr kurze Antwort, Herr Pistorius. Ist der Parteisoldat in irgendeiner Form auch kongruent mit dem Soldaten?
Sprecher 6: Ja, es ist durchaus in beiden Fällen, jedenfalls das ist mein Verständnis davon, die Lage bestimmt den Auftrag.
Sprecher 2: Und die Lage ist jetzt wie für Sie?
Sprecher 6: Die Lage ist jetzt, dass wir am 23. Februar ein gutes Ergebnis erreichen wollen, die stärkste Kraft bleiben wollen und dann unsere Politik, in welcher Konstellation auch immer, gut fortsetzen wollen.
Sprecher 2: Und Sie würden gerne Verteidigungsminister bleiben?
Sprecher 6: Und ich würde gerne Verteidigungsminister bleiben unter Olaf Scholz.
Sprecher 2: Wir sind gespannt, was passiert. Vielen Dank, Herr Pistorius.
Sprecher 6: Danke auch.
Sprecher 2: Helene, in zwei Tagen ist Valentinstag.
Sprecher 3: Oh mein Gott.
Sprecher 2: Oh mein Gott. Es ist ja ein Gerücht, dass der Valentinstag von Floristen erfunden wurde. Dabei hat dieser Tag doch einen historischen Ursprung.
Sprecher 3: Ja, und anders als viele denken, ist es nicht der Geburtstag des heiligen Valentin, sondern der 14. Februar ist sein Todestag. Und trotzdem oder gerade deswegen, denn das Erinnern ist so wichtig, feiern Liebespaare auf der ganzen Welt diesen Tag.
Sprecher 2: Ja, der heilige Valentin, den gab es im dritten Jahrhundert schon in Rom. Das stimmt, Helene. Und Valentine Greetings, also Valentins Tagsgrüße, wurden erstmals im 14. Jahrhundert versendet. In Deutschland kam der Valentinstag dann in den 1950er Jahren an. In Nürnberg fand der erste Valentinsball statt. Heute hat übrigens ein gewisser Marco Söder, der auch aus Nürnberg kommt, diesen Ball längst zum Ball der Union umgeflaggt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Sprecher 3: Da muss man sagen, gute Nachrichten für die Wirtschaft, denn der Handelsverband rechnet mit Umsätzen von 1,3 Milliarden Euro. Fast ein Drittel der Menschen, nämlich 28 Prozent, planen Einkäufe zum Valentinstag. Das sind natürlich vor allem Blumen, Schokolade und Geschenkgutscheine.
Sprecher 2: Aber ein bisschen knauserig sind die Deutschen natürlich dann doch. Zwischen 10 und 25 Euro geben wir hier nur für ein Valentinsgeschenk aus. Statistisch, die Franzosen und Briten sind mit 100 Euro pro Geschenk deutlich großzügiger. Trotzdem ein schöner Tag für die Liebe. Und deswegen auch für liebliche Melodien, finde ich.
Sprecher 3: Wir hören jetzt mal was Schönes rein, während wir noch, Michael, angestrengt darüber nachdenken, was wir denn kaufen sollen. Ich denke ja jedes Jahr, ach, das ist so ein Quatsch, ich mache das nicht. Irgendwie so eine Marketinggeschichte, da mache ich nicht mit. Um dann am 13. Abends doch noch zu denken, ach, gar nichts zu haben, ist auch irgendwie blöd. Das Leben ist einfach nicht perfekt, anders als die Musik. Das ist, glaube ich, das Einzige auf dieser Welt, das nahezu perfekt sein kann.
Sprecher 7: Heart beating. And I'm wondering what you're dreaming. Wondering if it's me you're seeing. Then I kiss your eyes and thank God we're together. And I just want to stay with you in those moments forever. Forever and ever. I don't want to close my eyes. I don't want to fall asleep Cause I miss you, baby And I don't want to miss a thing Cause even when I dream of you The sweetest dream will never do I'd still miss you, baby And I don't want to miss a thing And I don't want to miss one smile I don't want to miss one kiss. I just want to be with you right here with you. Just like this. I just want to hold you close. I feel your heart so close to mine. And just stay here in this moment for all the rest of time. Yeah, yeah, yeah, yeah, yeah.
Sprecher 8: Close my eyes. Don't want to fall asleep. Cause I miss you, babe. And I don't want to miss a thing. Cause even when I dream. The sweetest dream I've never done. But I still miss you, baby. And I don't want to miss a thing. Don't want to close my eyes. When I want to fly. I don't want this to end.