Wird Climate Tech unser neuer Wirtschaftsmotor, Frau Saharova?
Dauer: 23:16

Wird Climate Tech unser neuer Wirtschaftsmotor, Frau Saharova?

Wie bringen wir die deutsche Wirtschaft wieder nach vorn? Was können wir konkret tun?

Experten haben im Rahmen der Innovationsagenda 2030 Vorschläge erarbeitet.

Ein zentrales Thema ist die Rolle von Zukunftsbranchen.

Heute ist Investorin Daria Saharova zu Gast. Sie sieht großes Wachstumspotenzial im Bereich Climate Tech. Deutschland, sagt sie, habe Spitzenforschung zu bieten, schaffe es aber nicht, diese in wirtschaftlichen Erfolg zu übersetzen.

Saharova ist Mitgründerin des World Fund, eines Venture-Capital-Unternehmens, das auf nachhaltige Start-ups spezialisiert ist.


Entwicklungsministerin Svenja Schulze spricht über internationale Entwicklungszusammenarbeit. Sie fordert mehr europäische Geschlossenheit – besonders angesichts des Rückzugs der USA aus internationalen Verpflichtungen.

Schulze berichtet auch von ihrem Besuch in Syrien. Nach ihrer Reise ist sie überzeugt, dass Deutschland Geflüchtete nicht voreilig dorthin zurückschicken darf.


Etwa ein Viertel der Wählerinnen und Wähler ist noch unentschlossen, wem sie am 23. Februar ihre Stimme geben sollen. Der Wahl-O-Mat kann auch vor dieser Wahl eine Entscheidungshilfe sein.

Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung erläutert, wie das Tool in Rekordzeit erstellt wurde.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today Spezial. Die Innovationsagenda 2030. In Kooperation mit der Deutschen Börse und dem Startup-Verwandt.

Sprecher 2: Circa ein Viertel aller Wähler wissen noch nicht, wem sie ihre Stimme geben wollen bei der Wahl am 23. Februar. Aber seit gestern gibt es eine weitere Entscheidungshilfe, nämlich den Wahl-O-Mat. Ich habe mit Thomas Krüger von der Bundeszentrale für politische Bildung darüber gesprochen, mit welchen Problemen er vor dieser Wahl zu kämpfen hatte und warum der Wallomat eigentlich so beliebt ist. Die Solidarität der Weltgemeinschaft lässt nach. Die America-First-Politik von Trump, der Rechtsruck in Europa und eine harte Migrationsdebatte bei uns sorgen dafür, dass sich die Interessen der wohlhabenden Länder verschieben mit massiven Folgen. Wir haben mit Entwicklungshilfeministerin Svenja Schulze darüber gesprochen, was das alles für Länder wie Syrien bedeutet. Was müssen wir tun, um die schwächelnde Wirtschaft wieder in Fahrt zu bringen? Darüber haben sich über 100 kluge Männer und Frauen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Gedanken gemacht. Die Vorschläge, die dabei erarbeitet wurden, sind in der Innovationsagenda 2030 zusammengefasst worden. In der Agenda geht es auch um die Industrie der Zukunft. Bleibt die Autoindustrie das Herz unserer Wirtschaft oder gibt es da vielleicht eine Verlagerung in andere Branchen? Das hat Michael Bröker mit der Investoren und Mitgründerin des World Funds, Daria Saharova, besprochen. Heute ist Freitag, der 7. Am 1. Februar in Berlin geht eine Ferienwoche zu Ende und pünktlich dazu werde ich auch langsam wieder gesund. Mit rund 25 Prozent ist die zweitstärkste Partei momentan die der Unentschlossenen. Gut zwei Wochen vor der Wahl wissen viele Bürgerinnen und Bürger noch nicht, welcher Partei sie ihre Stimme geben wollen. Der kurze und zum Teil sehr hitzige Wahlkampf sorgt teilweise für mehr Verunsicherung als alles andere. Allerdings hat jetzt eine aktuelle Umfrage von Infratest Lima ergeben, dass die Erschütterung durch die Turbulenzen bei der CDU und die Brandmauer-Debatte weniger groß zu sein scheint, als es manche gedacht und einige vielleicht auch erhofft haben. CDU und AfD plus 1 Prozent. CDU liegt jetzt bei 31. Verloren haben die Grünen, die jetzt nur noch bei 14 liegen. Alles andere unverändert. SPD bei 15 Prozent. Für die, die noch nicht wissen, wen sie wählen wollen, gibt es den Wallomaten. Vor der Wahl 2021 wurde diese Entscheidungshilfe rund 20 Millionen Mal genutzt. Bei uns ist jetzt Thomas Krüger, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, verantwortlich für die Entwicklung des Wallomaten. Hallo Herr Krüger.

Sprecher 3: Grüße Sie.

Sprecher 2: War die kurze Vorbereitungszeit vor den Wahlen ein Problem für Sie?

Sprecher 3: Das war eine echte Herausforderung. Also wir mussten ja zunächst erstmal die Redaktion der Jungwählerinnen und Jungwähler zusammenstellen und haben da eine glückliche Überraschung. Überraschung erlebt, weil sich binnen einer Woche fast 800 Leute gemeldet haben. Die haben noch vor Weihnachten den ersten Workshop hinbekommen. Und auch die Parteien haben glücklicherweise sehr konstruktiv mitgearbeitet, sodass wir ohne Qualitätsverlust in den Start gehen konnten. Allerdings mit stark verkürzten Zeiten. Der Wallomat wird auch nicht vier Wochen wie sonst, sondern nur 17 Tage zur Verfügung stehen.

Sprecher 2: Ja, klingt nach einer hektischen Zeit. Haben denn die Parteien alle Fragen so beantwortet, wie sie sie beantworten sollten? Also immer deckungsgleich mit dem Programm oder mussten sie da manchmal noch ein paar Rückfragen stellen oder Antworten zurückschicken?

Sprecher 3: Das ist mittlerweile Routinegeschäft. Natürlich passt nicht jede These auf jede Partei gleichermaßen. Deshalb mussten da natürlich Anpassungen und Korrekturen und auch Interventionen erstmal bearbeitet werden. Aber das lief in sehr konstruktiver Atmosphäre und hat dazu geführt, dass wir alles in allem mittlerweile einen Valomat vorzeigen können, der die wichtigen kontroversen Themen inkludiert. Und somit können wir... Sehr optimistisch in die Zeit der Auswertung des Wallomat starten.

Sprecher 2: Es gab noch nie so viele unentschlossene Wähler. Glauben Sie, dass der Wahl-O-Mat jetzt noch beliebter wird bei dieser Bundestagswahl als schon zuvor?

Sprecher 3: Das können wir schlecht prognostizieren, aber unentschlossene Wähler führen meistens zu stärkeren Nutzungen des Wahl-O-Mats. Weil die Leute sind schon verunsichert, aber weniger durch die Inhalte, sondern durch das Prozedere und die Randgeräusche. Zusammenhang mit der Auflösung der Ampelkoalition und der Festlegung des Neuwahltermins. Ich bin aber insgesamt sehr optimistisch, dass die Leute wissen, was sie am Ballomat haben. Der Ballomat ist ein inklusives Tool, was alle möglichen Gruppen in der Bevölkerung anspricht. Und genau darauf warten die Leute, einfach spielerisch einen Zugang zu den Themen, die die Parteien umtreiben, zu gewinnen und auf diese Art und Weise sich ein eigenes Bild zu machen. Das ist ja der entscheidende Punkt. Nicht nur wählen, was einem sozusagen empathisch und... Und durch Medienvermittlung entgegenkommt, sondern selbst mal zu gucken und aktiv zu werden und in die Programme zu gucken durch dieses Tool des Wallomats. Das könnte dazu führen, dass die Nutzung tatsächlich sehr stark ausfallen wird in diesem Jahr.

Sprecher 2: Ja, und der Wahl-O-Mat ist ja auch Ausdruck der Idee, dass in Deutschland Parteien gewählt werden und eben nicht Personen. Da hat man im Wahlkampf ja manchmal den Eindruck, es gehe eigentlich nur noch um Personen. Nein, es geht um Parteien, aber die Programme, so viel gehört, glaube ich, auch zur Ehrlichkeit, wird in diesem Land vielleicht außer ein paar Journalisten fast niemand lesen. Das ist auch nicht zuzumuten. Insofern, genau dafür gibt es den Wahl-O-Maten. Herr Krüger, vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren.

Sprecher 3: Gern geschehen.

Sprecher 2: Man hat das Gefühl, im Moment verändert sich weltweit alles, was in den vergangenen Jahren selbstverständlich war. Internationale Zusammenarbeit, vielerorts scheint sie durch Nationalismus ersetzt zu werden. Besonders in den USA, wo Donald Trump mit seiner America First Politik vieles infrage stellt. Entwicklungszusammenarbeit, das war einmal. Aber ein Mann allein kann natürlich nicht die weltweite Zusammenarbeit von einer Sekunde auf die andere komplett abschaffen. Gott sei Dank. Wo stehen wir heute, wenige Wochen nach Trumps Amtsantritt bei der Frage der internationalen Entwicklungszusammenarbeit? Hat sich wirklich so viel verändert, wie man denken könnte? Und was erwarten die Länder des globalen Südens jetzt von Europa? Darüber hat Horan Knaup von unserem Berlin Table mit Entwicklungsministerin Svenja Schulze von der SPD gesprochen. Für sie ist klar, es wird immer schwieriger, aber...

Sprecher 4: Wir werden mit der US-Regierung zusammenarbeiten. Und trotzdem, wenn man gerade sieht, was da passiert, also dass die gesamte Entwicklungszusammenarbeit erstmal auf Null gestellt wird, kann man machen. Aber das hat natürlich massive Folgen. Also wenn man alle Programme stoppt, auch die, die total sinnvoll sind, wenn man alle Impfprogramme stoppt, da muss man das Gespräch auch mit den USA suchen, was das dann bedeutet. Das passiert gerade. Aber wir werden auch in Zukunft mit der USA zusammenarbeiten und gemeinsam versuchen, dann die Dinge zu verändern. globalen Probleme zu lösen. Das würde ohne die USA nicht gehen, genauso wenig wie das ohne China oder ohne Indien oder andere große Länder geht. Natürlich verschiebt sich was, wenn in einem so großen Land jemand drankommt, der America first sozusagen sagt und nicht mehr auf gemeinsame Arbeit setzt. Aber die Antwort von uns muss sein, Europe United. Also wir müssen gemeinsam die Stärken, die Europa hat, sehr selbstbewusst dann eben Trump auch deutlich machen. Und da haben wir eine Menge, was wir auch bieten können und was auch für die USA wichtig ist. Deswegen, wir sind als Europäer, finde ich, da selbstbewusst genug. Um auch mit so einer Regierung dann in die Verhandlungen zu gehen.

Sprecher 2: Svenja Schulze war kürzlich in Syrien, ein Land, das vor enormen Herausforderungen steht und in dem ein Wiederaufbau erst in kleinen Schritten möglich ist. Seit dem Machtwechsel in Syrien gibt es in Deutschland die Forderung, Flüchtlinge aus Syrien nun schneller und entschiedener dorthin abzuschieben. Für Svenja Schulze ist das im Moment unvorstellbar.

Sprecher 4: Das war eine sehr zwiespältige Erfahrung. Wir sind auf der einen Seite unglaublich freundlich empfangen worden. Das waren sehr konstruktive Gespräche. Ich konnte Gespräche mit der Übergangsregierung da führen. Da hat man gemerkt, die sind sehr gut vorbereitet. Die wollen deutlich machen, dass sie... Kooperieren wollen. Sowohl der Gesundheitsminister als auch der Außenminister haben ganz klar gesagt, sie wollen eine Regierung bilden, die alle einbezieht. Und da merkt man, schon, dass sie wissen, was uns wichtig ist. Auf der anderen Seite unglaubliche Zerstörung. Also wir sind in einem Stadtteil dort gewesen, in Joba.

Sprecher 2: Von Damaskus.

Sprecher 4: Von einem Stadtteil von Damaskus, genau. Wo das Assad-Regime vermutet hat, dass dort Regimegegner sind. Und dann haben sie dieses Viertel von den Russen beschießen lassen. Das ist ja schon schlimm genug. Dann haben sie aber eine Mauer rumgezogen. Das haben uns die ehemaligen Bewohner dann erzählt, wie das war. Das wurde alles abgeriegelt, niemand konnte mehr rein. Und dann ist alles ausgebeutet worden, was da war. Ja, sie haben wirklich geplündert und zwar selbst das Metall in den Wänden. Also das, was man in so Beton baut und das waren so mehrstöckige Häuser. Das, was man braucht, um das zu stabilisieren. Und wenn man da steht, also in einer völlig verwüsteten Situation, wo 500.000 Menschen gelebt haben. Und dann die deutsche Diskussion, die Syrerinnen und Syrer sollen sofort zurückgehen im Ohr hat. Ich habe da gestanden, ich habe mich richtig geschämt, weil ich dachte, da ist nichts, da ist keine Schule, kein Wasser, keine Gesundheitsversorgung, kein Strom, nichts, wo man wohnen kann. Wie sollen die Leute dahin zurückgehen? Also ich glaube, wenn man wirklich will, dass Syrerinnen und Syrer zurückkehren, und viele von den Syrern wollen das ja auch, dann muss man das Schritt für Schritt tun, dann darf man das nicht verstolpern, dann muss es Strom geben, Wasser, die Kinder müssen in die Schule gehen können, es muss eine Form von Perspektive geben, ansonsten wird das alles sehr schwierig.

Sprecher 2: Eine erzwungene Rückkehr ins Elend, das sind die mahnenden Worte der Entwicklungsministerin Schulze. Die Entscheidung darüber wird wohl erst nach der Wahl fallen durch eine neue Regierung. Und dann werden wir auch erst wissen, wie die Verhältnisse in Syrien sind, ob Syrien sich in Richtung eines sicheren Landes bewegt. Die deutsche Industrie steckt in der Krise. Große Firmen wie VW, ThyssenKrupp, Bosch, Schäffler müssen sparen und wollen deswegen 10.000 Arbeitsplätze streichen. Teilweise wird schon von einer Deindustrialisierung gesprochen, andere wiederum halten das für einen Kampfbegriff. Aber ja, man kann nicht drüber hinwegsehen, die Lage ist dramatisch, wenn auch nicht aussichtslos. Mehr als 100 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft haben sich zusammengesetzt, um Ideen zu erarbeiten, wie die deutsche Wirtschaft wieder in die Spur kommt. Das Ganze heißt Innovationsagenda 2030 und immer am ersten Freitag eines Monats stellen wir Ihnen einen Teil daraus vor. Diesmal haben wir in die Zukunft geguckt, jedenfalls soweit wir das können. Die Frage ist, wird unsere Industrie künftig auch noch so aussehen, wie wir sie kennen? Oder gibt es dann ganz neue Branchen, die unser neuer Wirtschaftsmotor werden? Darüber hat Michael Bröker mit der Mitgründerin des World Funds, Daria Saharova, gesprochen.

Sprecher 5: Einen schönen guten Tag, Daria.

Sprecher 6: Hallo zusammen.

Sprecher 5: Dariette, wir müssen, wenn wir über Spitzentechnologie immer erstmal über KI reden und das, was da in den vergangenen Wochen passiert ist mit der chinesischen KI-App DeepSeek, die sorgt für Schlagzeilen und der US-Präsident hat es mal direkt als Wake-up-Call für die amerikanische Industrie bezeichnet. Ist es das auch für uns eigentlich hier in Europa?

Sprecher 6: Ja, es ist eine schöne Geschichte und auch ein schönes Beispiel dafür, dass die Welt nicht schläft, auch wenn man sich sicher fühlt in der Marktführerschaft, die man in der jeweiligen Branche hat. Und das hat definitiv die USA mit OpenAI und weiteren Unternehmen im KI empfunden. Und auch tatsächlich wird ja massiv Geld investiert. Ich glaube, uns fehlt es nicht an Gründern, Technologien und Produkten, auch im KI-Bereich. Dennoch glaube ich, um in dem Fall, in diesem KI-Thema mit sechs Millionen, wie DeepSeek es gemacht hat, einfach so ein starkes Statement machen zu können, so ein starkes Produkt aufzubauen, glaube ich, sind wir... Ja, ich sage jetzt eine unpopuläre Meinung. Ich glaube, wir sind zu spät dran. Und wir haben auch nicht das nötige Kapital, was wir wirklich schnellstmöglich in die Skalierung investieren können. Insofern glaube ich, sollte Deutschland und auch Europa sich darauf fokussieren als Anwender. bei alle KI-Produkte und die besten Spitzentechnologien in der Industrie Nummer 1 zu werden.

Sprecher 5: Wenn wir diesen Wettlauf bei KI vielleicht schon verloren haben, was ist unsere Antwort? Du investierst mit deinem Unternehmen intensiv in Climate Tech. Das sind immerhin ja ein Drittel aller Startups in Deutschland, die in irgendeiner Weise Klimatechnologien als Innovation in ihrem Geschäftsmodell etabliert haben. Ist das ein Zukunftsbereich für uns, in dem wir wirklich führend werden können?

Sprecher 6: Auf jeden Fall. Ich bin wirklich sehr stark davon überzeugt und das ist auch der Grund, warum ich World Fund mitgegründet habe, ist, dass Dekarbonisierung eigentlich heute schon, aber vor allem in der Zukunft, der stärkste Treiber für unsere Entwicklung, wirtschaftliche Entwicklung sein wird, ist und muss. Deswegen finde ich auch fantastisch, dass wir in Europa zum Beispiel knapp 30 Prozent aller Patente im Bereich Climate Tech oder im Im Kontext Klimatechnologien werden in Europa angemeldet, davon die Hälfte fast in Deutschland. Wir haben die besten Research-Institute überhaupt in der Welt. Wir haben Frauenhofe, wir haben Max Planck, wir haben Universitäten. Wir schaffen es aber nicht, dieses Know-how, dieses R&D, Vielleicht mal auszugründen, aber nicht in die Skalierung heute zu bringen. Das Potenzial ist aber auf jeden Fall da.

Sprecher 5: zwei, drei Unternehmen, auf die ihr schaut, an die ihr glaubt und erklärt uns, was die anders machen als ihre internationalen Wettbewerber. Weil Batterie, Elektromobilität ist ja weltweit natürlich ein Trendthema. Warum sollten gerade wir dort führen werden?

Sprecher 6: Als Investor ist man ja immer biased und immer als Marketeer unterwegs. Insofern werde ich jetzt auch unser Portfolio-Unternehmen Custom Sales in den Zusammenhang nennen. Es ist ein Paradebeispiel dafür, was wir gerade besprochen haben. Es ist eine Ausgründung von Fraunhofer-Institut aus Lizeho über zehn Jahre her. Die sind weltweit wirklich weltweit einer der führenden Unternehmen und das einzige Unternehmen aus dem westlichen Teil der Welt, was in der Lage ist, hochinnovative, hochperformante Zellen für spezialisierte Use Cases von Bergbau bis zur Landwirtschaft, bis zu Herzschrittmacher, bis zu Unterwasseranwendungen. Zu entwickeln, aber dann auch in einer Serie zu produzieren. Es gibt kein vergleichbares Unternehmen heute.

Sprecher 5: Was machen die ganz genau? Was ist das? Präzisionstechnologie, kleine Miniatur-Batterietechnik-Anwendungen oder produzieren sie gar nichts?

Sprecher 6: Doch, doch, doch. Also die produzieren High-Performance-High-Density-Batterien. Die sie dann aber auch für den jeweiligen speziellen Case entwickeln. Das heißt, sie machen sowohl Entwicklung als auch Produktion.

Sprecher 5: Man hat immer das Gefühl, bei all den Bereichen, wo wir eine Chance haben, da wird es klein. Einteiliger, hochtechnologisch, hochpräzise, aber nicht die großen Märkte mit den großen Skalierungen. Die kriegen wir hier wahrscheinlich aus Deutschland heraus nicht gegründet, oder?

Sprecher 6: Ich denke, auch wenn man in Deutschland gründet, muss man global denken. Wir können Weltklasse made in Germany sein, nichtsdestotrotz den globalen Markt bedienen müssen wir auch. Wir können so vieles machen. Wir haben fantastische Vorschläge, sehr konkret in der Investitionsagenda von wirklich übergreifenden Metriken, die man als Klimapotentialmessung nutzen kann, bis zu Taskforce in Ministerien, die dann eben diese Themen vorantreiben kann. Aber ich glaube, mit dem Kapital, was wir... In Deutschland, aber auch in Europa haben, müssen wir mindestens 590 Prozent mehr investieren und idealerweise bis 2030 eine Billion auf Deutsch, also One Trillion, eine Billion in diese Technologien allokieren können.

Sprecher 5: Also Privat und Staat? Muss da reinfließen oder ist das nur privat?

Sprecher 6: Ich bin ein großer Vertreter des Entrepreneurial State Konzepts. Zumindest solange es in Deutschland kein, wir haben eine Lücke von mindestens 30 Milliarden in Deutschland an Maximuskapital. Solange wir das nicht gelöst haben, muss der Staat auch unternehmerisches Risiko mittragen. Das macht die USA nicht anders.

Sprecher 5: Kann man die Potenziale jetzt schon eigentlich entdecken, woran müssen? Man investieren. Worauf schaut ihr, wenn es um die Klimaneutralität 2045 geht?

Sprecher 6: Wir haben eine Messgröße, die wir nutzen, das ist das Climate Performance Potenzial, CPP, und investieren nur in Technologien, die mindestens 100 Megatonnen pro Jahr in 2040 an Ersparnispotenzial aufweisen können. Das führt dazu, dass wir uns natürlich bei Design auf die Industrien fokussieren, die den höchsten Emissionsschaden einrichten. Das ist zum einen Food and Agriculture, also Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie. Auf der anderen Seite Mobilität hatten wir erwähnt, aber auch natürlich industrielle Produktion, Bauindustrie, Automobilindustrie gemeinsam. Das gibt der Bestand, aber auch der Bau. Dieser Schwung an KI-Entwicklung führt jetzt dazu, dass es auch für die letzten, also für die Last, sozusagen, ersichtlich geworden ist, was für einen massiven Energieverbrauch Datenzentren haben. Insgesamt sind Datenzentren für knapp zwei Prozent der globalen Emissionen zuständig. Das ist genau gleich wie der Flugverkehr.

Sprecher 5: Es gibt im Moment aber auch ein Backslash. Die fossilen Energien nehmen weltweit zu. Amerikanische Präsident sagt Drill, Baby Drill. Spürt man das auch im Investorenmarkt, dass Gelder da reallokiert werden und raus aus Greentech wieder rein in die alten, schmutzigen Industrien?

Sprecher 6: Also ich glaube, für die Entwicklung jetzt rein in die alten, schmutzigen Industrien ist, noch ein bisschen zu früh. Was ich aber in den letzten zwölf Monaten stark beobachtet habe, dass es ein sehr starkes Interesse seitens vor allem Generalisteninvestoren weiterhin im Bereich Energy Tech war. Da wurden Preise gezahlt, da hast du gedacht, the party is back. Wenn der Trump Drill Baby Drill sagt, kann er das machen, aber die Veränderungen, die wir wirklich, die starken Veränderungen, die Klimakatastrophe an sich interessiert das alles nicht.

Sprecher 5: Letzte Frage, Daria, konkret, wenn die neue Bundesregierung ins Amt kommt, welche dieser... Ideen, die ihr auch in der Innovationsagenda skizziert habt, wäre dringend notwendig. Was muss die Politik sofort umsetzen, um diese Branche Climate Tech besser zu unterstützen?

Sprecher 6: Es ist sehr schwer für mich, nur eine Maßnahme zu wählen, weil wir uns sehr viele Gedanken darüber gemacht haben und wirklich... Eine Reihe von sehr wichtigen, relevanten Maßnahmen entwickelt haben. Aber ich glaube, für die neue Bundesregierung, wenn ich nur eins mehr wählen darf, das ist wirklich ein starkes Anreiz- und Inzentivierungssystem für nicht nur Start-ups, sondern auch bestehende Unternehmen, die, wenn messbar nachgewiesen, in Klimanominationen investieren, wirklich begünstigt werden und das finanziell, weil ich glaube, das funktioniert am besten. Ob man dann eine Steuererleichterung bekommt oder Gutschriften, finde ich, wir können da so viel machen. Und ich denke, das ist ein einfaches Quick-Win.

Sprecher 5: Wir sind gespannt, ob einige dieser Vorschläge auch von dir, Daria, die Politik erreicht. Die Innovationsagenda 2030, Weltklasse, made in Germany, so heißt die Aktion, mit vielen interessanten Ideen nachzulesen auf startupverband.de. Vielen Dank, Daria, für das Gespräch.

Sprecher 6: Herzlichen Dank euch auch.

Sprecher 2: Am Sonntagabend senden ARD und ZDF das Duell zwischen Olaf Scholz und Friedrich Merz. Das hatte im Vorfeld schon einigen Ärger gegeben, denn Robert Habeck sollte dabei sein und die AfD fragt, warum sie als zweitstärkste Kraft eigentlich nicht dabei war. Die Öffentlich-Rechtlichen haben ihre Meinung aber nicht geändert. Wie interessant wird das eigentlich, wenn diese zwei Männer diskutieren und wahrscheinlich das sagen, was sie schon 10.000 Mal gesagt haben. Aber dennoch, die Einschaltquoten werden wieder hoch sein. Weil ich ja glaube, dass es interessantere Gespräche gibt als zwischen Merz und Scholz. Und weil ich sowieso Duette schöner finde als Duelle. Und weil Michael Bröker, mein Mitsänger in diesem Podcast, am Montag wieder da ist, wünsche ich mir heute den Song von Eros Ramazzotti und Tina Turner, Cose della Vita. Meine Familie findet es schrecklich, aber hier darf ich ja endlich mal entscheiden. Also vielleicht mögen sie es ja auch. Jedenfalls wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende. Machen Sie es gut. Bis dahin. Tschüss.

Sprecher 7: Saleta, lo dando a mí. Tratto di affrontarla, afferrarla. Like a ship at sea. Watch her in the back. Can't stop.