War es das wert, Herr Linnemann?
Die CDU beginnt die Woche mit ihrem Wahlparteitag – nach turbulenten Tagen im Bundestag und wachsendem Druck auf Friedrich Merz.
Zwölf Abgeordnete verweigerten die Zustimmung zum Zustrombegrenzungsgesetz. Wie viel Widerstand wird es auf dem Parteitag geben?
Helene Bubrowski und Stefan Braun vom Berlin-Table diskutieren über die Stimmung in der CDU.
Hat Merz die Partei hinter sich? Michael Bröker hat mit CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann über Rückhalt, Strategie und den Wahlkampf-Endspurt gesprochen.
In der Tech-Welt hat sich die Lage nach dem DeepSeek-Schock etwas beruhigt.
Investoren und Experten sehen die Situation für westliche KI-Unternehmen – allen voran ChatGPT – nicht mehr ganz so dramatisch. DeepSeek wird zunehmend als Chance wahrgenommen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die letzte Woche endete mit der CDU und diese neue Woche beginnt mit der CDU, nämlich mit dem Wahlparteitag, der heute stattfindet. Was war da los? Diese historische Woche im Bundestag, ein Wechselbad der Gefühle. Erst eine Mehrheit, die nur mit der AfD möglich war, eine Ex-Kanzlerin, die Merz öffentlich kritisiert und dann am Freitag die verlorene Abstimmung. Auch deshalb, weil die CDU nicht geschlossen hinter Friedrich Merz stand. Verliert er eigentlich weiteren Rückhalt in der Partei? Wir haben die letzten Tage den Wahlkampf beeinflusst. Wir haben auch die CDU gefragt, wie es ihr eigentlich so geht. Am Wochenende sind Menschen auf die Straße gegangen und haben gegen Friedrich Merz Politik demonstriert. Diese Fragen soll Carsten Linnemann beantworten, der CDU-Generalsekretär. Michael Brücker hat mit ihm gesprochen. Und dann beschäftigen uns heute auch die Chinesen, genauer gesagt das neue chinesische KI-Programm mit dem Namen DeepSeek. Ist das die Wende in der KI-Branche und wie sicher ist das Programm eigentlich? Darüber haben wir mit zwei KI-Experten gesprochen. Es sind noch drei Wochen bis zur Wahl. Es gibt viel zu besprechen an diesem Montag, den 3. Februar. Heute ist der Wahlparteitag der CDU und da soll ein Sofortprogramm für die Zeit nach dem Wahlsieg beschlossen werden. Friedrich Merz sprach im Vorfeld von einer Garantie für eine Politikwende. Teil dieses Sofortprogramms ist auch wieder der Fünf-Punkte-Plan, der ja der Auslöser der Turbulenzen in der vergangenen Woche war. Aber immerhin... CSU-Chef Söder gibt Merz Rückendeckung und sagt, endlich mal seien sich CDU und CSU doch einig bei der Migration. Es gibt aber auch einige in der CDU, die das anders sehen, die diesen Weg nicht mitgehen wollten. Zwölf Bundestagsabgeordnete haben am Freitag dem Zustrombegrenzungsgesetz nicht zugestimmt, sind der Abstimmung ferngeblieben. Was bedeutet das eigentlich für Friedrich Merz? Hat er die Partei und die Fraktion noch hinter sich? Das war ja sein großes Verdienst bisher seiner Zeit als Parteivorsitzender. Was bedeutet das eigentlich alles für die heiße Phase im Wahlkampf, die genau jetzt beginnt? Und natürlich auch, war es das eigentlich wirklich wert? Das möchte ich jetzt besprechen mit dem Redaktionsleiter unseres Berlin-Table, Stefan Braun. Hallo Stefan, schön, dass du da bist. Hallo, grüß euch. Stefan, zehn Tage ist der schreckliche Anschlag von Aschaffenburg her und seit ungefähr acht Tagen diskutieren wir über Fragen der Brandmauer und letztlich über die Frage, wie fest sitzt Friedrich Merz im Sattel? Einmal ein erster Eindruck, war es das wert?
Sprecher 3: Ja, ich glaube, es war nötig. Ich bewege mich jetzt natürlich auf gefährlichem Feld, weil es viele Kritiker gibt, aber ich würde sagen, nach Aschaffenburg war eigentlich klar, es geht nicht so weiter, dass die Politik sagt, Mensch, wir machen alles, wir versuchen alles, wir müssen irgendwie trotzdem irgendwie auf Gesetze und Recht achten und irgendwie leider, leider passieren solche Attentate, solche Angriffe, solche Mordtaten immer wieder. Muss man irgendwie mitleben. Nein, ich glaube, damit muss man nicht mehr leben. Und an der Stelle hatte Friedrich Merz, glaube ich, den absolut richtigen Reflex zu sagen, so jetzt muss irgendwann mal ein Schlusspunkt sein. Es muss irgendwie eine Veränderung in der Diskussion geben. Insoweit würde ich sagen, ja, der Moment ist richtig. Alles, was danach folgte, ist noch viel komplizierter geworden.
Sprecher 2: Genau, vor allem natürlich die Frage, wie hältst du es mit der AfD? Jetzt am Ende haben wir gesehen, zwölf Abweichler gibt es in der Fraktion und wie ich jedenfalls höre, viele mehr, die Bauchschmerzen haben bei Friedrich Merz und zwar nicht nur bei der Frage, ist er wirklich klar mit seiner Abgrenzung zur AfD, sondern mit der Frage, ist er eigentlich der richtige Kanzlerkandidat? Nämlich, wenn ihn jetzt, ich sage mal, schon ein Attentat mit zwei Toten völlig aus der Spur gebracht hat, und zu impulsiven Handlungen verleitet hat, was wäre dann in Situationen, die er als Kanzler Dazu meistern hat entweder sehr viel mehr Toten oder einer richtig großen Bedrohungslage, die dann sagen, naja, vielleicht haben wir uns doch getäuscht. Das sind nicht sehr viele, wie ich höre. Und die haben sich über das Wochenende jetzt auch schon wieder etwas beruhigt. Aber immerhin bemerkenswert und natürlich so kurz vor der Wahl kein gutes Zeichen. Man denkt sofort an 2021. Was hörst du aus der CDU?
Sprecher 3: Ja, es gibt einige, um nicht zu sagen viele, die Bauchschmerzen haben. Natürlich haben die Bauchschmerzen. Weil sie solche Bilder, wie sie auch am Freitag entstanden sind. Da gab es eine Vorabstimmung, da wurden die Hände hochgehalten im Plenarsaal und dann sieht man einfach auf Fotos selbstverständlich festgehalten, da halten CDU-Abgeordnete und AfD-Abgeordnete die Hand hoch. Ist das schon eine gemeinsame Abstimmung? Rücken die immer näher? Ich würde immer noch sagen, nein, aber das Bild ist natürlich fatal.
Sprecher 2: Die Grünen haben es ja auch sehr proaktiv verbreitet mit dem Wording. Von diesem Bild muss sich Deutschland erstmal wieder erholen. Also natürlich nutzt das jetzt auch Roten und Grünen.
Sprecher 3: Die haben natürlich bei aller Eschaufierung und völlig berechtigten Kritik an diesen Handlungen auch die Chance gesehen, jetzt nochmal eine Trennung und einen zusätzlichen Schwung in ihren eigenen Wahlkampf zu kriegen. So schlimm ist der Friedrich Merz. Merz hat letztlich nach Aschaffenburg... Die Wahl gehabt zwischen Pest und Cholera. Er musste etwas verändern und er hat seit längerem, auch in der CDU, aber auch darüber hinaus das Problem, nochmal wieder was erklären, fünf Punkte als Wahlprogramm formulieren, aber sonst nichts tun, nehmen die Leute der Politik in Berlin nicht mehr ab. Also er musste mehr tun, als nur fünf Punkte erklären. Er musste ins Parlament gehen. Gleichzeitig war das quasi schon der Fehler, ich sage mal Fehler, weil er damit sich in die Gewalt gegeben hat von prozeduralen Prozessen im Parlament. Er hat leider nicht alle gecheckt gehabt. Insoweit ist er zwischen der Wahl, riskiere ich eine solche Abstimmung, Mache aber das, was ich für richtig halte. Und der Situation, dass natürlich Leute bei ihm sagen werden, du darfst es nicht und das ist zu nah und wir müssen die Brandmauer halten. Und trotzdem bleibe ich dabei. Ich fürchte, es war notwendig.
Sprecher 2: Es gibt jetzt die ersten Stimmen, die über das, was bisher geschehen ist, nämlich gemeinsames Abstimmen hinaus Forderungen stellen. Also die eine ist die brandenburgische CDU-Abgeordnete, die für eine Koalition wirbt. Jetzt hat sich aber auch Thorsten Alsleben zu Wort gemeldet. Er ist Vorsitzender der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und er schlägt eine schwarz-gelbe Minderheitsregierung vor und sagt auch da, was die AfD dann macht, ob sie den Kanzler mitwählt oder nicht, sei irrelevant. Wenn die dann gute Politik machen, so sinngemäß, dann hat Schwarz-Gelb beim nächsten Mal wieder eine eigene Mehrheit. Das sind natürlich alles so Gedankenspiele, die jetzt kommen, wenn man sagt, man macht keine Brandmauer zur AfD à la AKK. Ich erinnere daran noch nicht einmal Kaffeekränzchen. dann ist natürlich vieles denkbar und möglich. Wie sehr steht Friedrich Merz auch künftig und egal was passiert zu diesem Wort, es wird nie eine Koalition und auch keine tolerierte Minderheitsregierung geben. Wie schätzt du ihn da ein?
Sprecher 3: Ich würde sagen, da steht er ganz fest. Ich würde das nicht über jeden Christdemokraten sagen und auch nicht über jeden CSU-Politiker. Ich würde es aber bei ihm sehr, sehr fest sagen. Das macht er nicht. Und eine Minderheitsregierung ist ein schöner Gedanke, tauchte ja schon öfter auf. Aktuell haben wir auf eine komische Art und Weise auch eine Minderheitenregierung. Und trotzdem halte ich das für ausgeschlossen. Warum? Weil Deutschland, anders als zum Beispiel Dänemark oder auch andere kleinere europäische Länder, eine ganz andere Verantwortung hat. Und wenn wir uns vorstellen, dass dann nach dieser Bundestagswahl irgendwann im April eine Minderheitsregierung gewählt wird, von der wir noch nicht mal wissen, wer am Ende bei der Wahl des Kanzlers hinter dem Kanzler steht, Ich halte es für ausgeschlossen bei ihm. Was danach kommt, wenn er scheitert, was passieren kann, das weiß ich leider nicht.
Sprecher 2: Mein Eindruck war, dass es sich übers Wochenende ein bisschen beruhigt hat, weil viele Abgeordnete in ihren Wahlkreisen eben nicht die Empörungswellen ins Gesicht gespült bekommen haben wie in Berlin, sondern dass die Leute im Land eigentlich mit ein bisschen Schulterzucken auf diese Aufregung gucken und sagen, naja, also ist doch richtig, der Friedrich wollte doch was tun gegen die irreguläre Migration. Sprich, die CDU geht relativ gesehen. ihn geeint in diesen Wahlparteitag heute.
Sprecher 3: Das würde ich ganz genau so sehen. Ich würde nur sagen, erstens solche Entwicklungen, wie wir sie letzte Woche in Berlin hatten, da im Bundestag, die wirklich historisch waren, die brauchen ja ihre Zeit, bis sie durchsickern. Also wirklich quasi in der gleichen Stunde kriegen das nur die Nerds in Berlin mit, die ihr ganzes Leben damit verbringen, irgendwie zu gucken, was passiert da in der Politik. Was in der CDU aber jetzt wirkt, sind zwei Dinge. Das eine ist, die meisten kriegen in den Wahlkreisen mit, Ja, das war jetzt scheiße mit der AfD, aber trotzdem war es richtig. Wir müssen da jetzt was machen. Punkt eins. Selbst so jemand wie Serap Kühler, eine vergleichsweise liberale Christdemokratin aus Köln oder auch Armin Laschet haben sich ja so zitieren lassen, schildern die Lage so. Und das Zweite ist, das klingt vielleicht ein bisschen absurd, aber das ist tatsächlich wirksam und zwar schon seit Freitagabend. Dadurch, dass Angela Merkel sich artikuliert hat und sozusagen in der für die CDU wie für das Land super heiklen Migrationsfrage nochmal den eigenen CDU-Vorsitzenden letztlich infrage stellte mit seiner Strategie, das hat eine riesige Solidarität ausgelöst und zwar ihm gegenüber, nicht Frau Merkel gegenüber. Wenn die Wahl schief geht, bricht das alles wieder auf. Für heute, für den Parteitag ist es sehr, sehr wahrscheinlich so, dass die Leute hinter ihm stehen.
Sprecher 2: Auch Roland Koch, der ehemalige hessische Ministerpräsident, hat sich bei uns bei Table Break Er fängt zu Wort gemeldet. Stefan, du hast ihn interviewt und er hat sich auch hinter den Kurs von Friedrich Merz gestellt, hat ihn verteidigt, hat allerdings auch gesagt, eine schwarz-grüne Regierung dürfe man nicht komplett ausschließen. Schon aus taktischen Gründen nicht. Ich empfehle an dieser Stelle sehr den Berlin Table, den Sie gestern Abend ja wahrscheinlich ohnehin in Ihrem Postfach hatten. Wir wollten auch noch von der CDU selbst wissen, wie sie diese Fragen eigentlich beantwortet, ob Friedrich Merz sich verzockt hat. Michael Brücker hat noch vor seinem Urlaub mit dem Generalsekretär Carsten Linnemann gesprochen.
Sprecher 4: Einen schönen guten Tag, Herr Linnemann.
Sprecher 5: Hallo, Herr Brücker, grüß Sie.
Sprecher 4: Herr Linnemann, tausende demonstrieren in Deutschland gegen die CDU und... Attackieren leider auch Geschäftsstellen. Die Bundeskanzlerin AD, Angela Merkel, distanziert sich. Und trotzdem gibt es ja de facto keine Verschärfung in der Migrationspolitik. War es das alles wert?
Sprecher 5: Ja, wir müssen zu unserer Überzeugung stehen und müssen auch darüber reden, worüber wir denn abgestimmt haben. Ich finde, das kommt viel zu kurz in der veröffentlichten Debatte, aber auch in der öffentlichen Debatte. Wir haben über drei Punkte abgestimmt, die entweder von der SPD bereits geteilt wurden, dass sie es genauso sehen, oder sie haben es mindestens indirekt, wenn nicht direkt in ihrem Wahlprogramm stehen. Und deshalb muss man davon ausgehen, dass es auch als Wahlkampfthema genutzt wird und das auch bei der Abstimmung dieses mit im Mittelpunkt stand und nicht die Sachfrage in erster Linie. Und das ärgert mich am meisten. Und ich kann einfach nicht auf Rücksicht vor einer Partei, die das im Wahlkampf nutzen will und dieses Thema wirklich hochziehen will und gleichzeitig aus Angst vor einer Partei, die... zustimmt, selbst meine Überzeugung nicht aufgeben, weil dann komme ich meinem Mandat als freier Abgeordneter nicht mehr nach. Und deswegen war die Entscheidung dann richtig.
Sprecher 4: Friedrich Merz hatte ein Momentum einen Tag nach Aschaffenburg mit seinem sehr glaubwürdigen, emotionalen Auftritt und dem Fünf-Punkte-Plan. Hätte man da nicht in vertraulichen Gesprächen mit SPD und Grünen die Verhandlungen führen müssen, die man dann in der Bundestagspause vergangene Woche erst geführt hat?
Sprecher 5: Also mein Eindruck ist, dass die SPD überhaupt gar kein Interesse hatte, zu einem Kompromiss zu kommen, weil sie es schon gerochen hatten vor vielen Tagen, dass das ein Wahlkampfthema für sie werden kann. Man hat das auch daran gesehen, dass kurz nach der Abstimmung am Mittwoch sofort die Wahlkampagne gestartet wurde. Digitale Flächen in Deutschland wurden beschriftet mit. Mitte statt März und vieles mehr. Und das sind zumindest Indizien, dass man kein Interesse daran hatte, hier zuzustimmen. Und das ist bitter, weil das mit Parlamentarismus meines Erachtens nichts zu tun hat. Man hatte einfach kein Interesse an einem Kompromiss. Promiss, zumal die Punkte, die da drinstehen, dass beispielsweise ein Bundespolizist am Hauptbahnhof in Berlin einen Haftbefehl für einen ausreisepflichtigen Asylbewerber, der straffällig ist, auffällig geworden ist, der Straftaten begangen hat, dass er diesen Haftbefehl beantragen kann bei Gericht. Da kann ja niemand was dagegen haben, der nicht gesunden Menschenverstand hat, selbst Olaf Scholz hat ja gesagt in die Richtung, dass er das für richtig hält, gleichzeitig den Familiennachzug einzugrenzen bei subsidiär Schutzberechtigten. Auch das hat die SPD schon mal mit uns verabschiedet. Und dass ein Begriff wie Begrenzung als Zweckbestimmung in ein Gesetz wieder aufgenommen wird, wie das Aufenthaltsgesetz, also da kann man ja wirklich nichts gegen haben. Und es waren die Grünen, die das nicht haben wollten. Und es stand ja schon mal drin. Und deswegen muss man einfach echt zu dem Schluss kommen, ging es der SPD wirklich um die Sache? Ich wage das zu bezweifeln und zwar sehr, sehr stark. Und das ist bitter, denn ich bleibe dabei, wir müssen aus der Mitte des Parlaments das Thema Migration lösen, die illegale Migration stoppen. Ansonsten gibt es irgendwann die Mitte des Parlaments nicht mehr und dann werden wir spätestens bei der übernächsten Wahl Ränder erleben, die so stark sind, dass sie gegebenenfalls alleine regieren können.
Sprecher 4: Das Zustrombegrenzungsgesetz, was jetzt gescheitert ist, und der Fünf-Punkte-Plan sollen jetzt auch Teil des Sofortprogramms der CDU werden, die an diesem Monat Montag beschlossen werden. Sind für Sie diese Teile, die jetzt auch im Sofortprogramm stehen, für Sie eine Bedingung für eine mögliche Koalition?
Sprecher 5: Also es ist eine Bedingung, dass wir eine Migrationswende hinbekommen, dass wir die illegale Migration stoppen, zumindest mal anfangen, dies zu tun. Und dazu zählt einfach ein Instrument, was extrem wichtig ist, das heißt Rückweisung an der Grenze. Wir wollen eigentlich, dass Europa funktioniert, aber solange Europa nicht funktioniert, müssen wir an unserer Grenze kontrollieren, wer eine Berechtigung hat, ins Land zu kommen und wer nicht. Und das hat Friedrich Merz deutlich gemacht mit der Richtlinienkompetenz, die er in Anspruch nehmen wird. Das wird natürlich dann auch Thema sein in den Koalitionsverhandlungen, aber diese Migrationswende, Ja, was heißt Bedingungen? Also meines Erachtens müssten auch Koalitionspartner mögliche das so sehen, dass es so nicht weitergehen kann. Also mittlerweile sagen 60 Prozent der Gemeinden und Städte in Nordrhein-Westfalen, das ist mein Heimatland, sagen, wir können nicht mehr. Und wie lange sollen wir denn noch warten, um reagieren zu können?
Sprecher 4: Friedrich Merz hat sehr emotional diesen Plan vorgelegt vergangene Woche und ist dann in diese Abstimmung gegangen, die zumindest Teile der CDU, auch ihrer Fraktion, für unnötig hielten, auch wenn sie inhaltlich ihrer Meinung sind. Ist das ein gutes Zeichen, wenn ein Politiker sich von Emotionen auch dann zu politischen Beschlüssen treiben lässt?
Sprecher 5: Friedrich Merz lässt sich nicht von Emotionen leiten. Sie haben das im Sommer gesehen, nach Solingen, wo er sich alleine in die Bundespresse... Konferenz gesetzt hat, nachdem er mit dem Kanzler gesprochen hat und seine Überzeugung kommuniziert hat. Und das ist genau das, was wir eigentlich jetzt brauchen. Ein Kanzler, der Überzeugung hat, der führt, der einen Plan hat. Wo war eigentlich Olaf Scholz? Ich habe ihn gesehen, aber nicht wahrgenommen. Er war völlig außen vor. Hat auch bei den Gesprächen nicht teilgenommen. Und damit muss meines Erachtens Schluss sein. Wir brauchen wieder einen Kanzler, der führt. Und das ist Friedrich Merz, das ist seine Überzeugung. Der sagt, ich bringe unseren Antrag rein, lasse auch gar keine Debatte zu über die Frage, ob die AfD unseren Antrag einbringt, sondern wir machen das offensiv. Wir stehen zu unseren Überzeugungen. Und genau das haben wir gemacht und haben mit Ja gestimmt. Und das war richtig. Und die SPD hat nicht mitgemacht. Aus Kalkül in diesem Wahlkampf. Das muss man ihr einfach vorwerfen, weil die Punkte, die drinstehen, sind so glasklar, wo die SPD schon Ja zu gesagt hat oder es in ihrem Programm hat oder die Ministerpräsidentenkonferenz, wo auch SPD-Ministerpräsidenten mit dabei sind, das gefordert haben. Insofern sehe ich nicht einen Grund, warum in der Sache die SPD Nein gesagt hat. Ich sehe nur einen Grund und das war Wahltaktik. Es ging um dieses Thema und da muss ich einfach meiner Überzeugung folgen und sagen, ich stimme für das Gesetz und nicht aus Angst, nur weil die SPD ein Wahlkampf hat. Kampfthema daraus macht, Nein zu sagen. Das hat mit Parlamentarismus und freiem Mandat nichts mehr zu tun.
Sprecher 4: Ist das für Sie auch nach einer Bundestagswahl eine neue Haltung, dass Sie sagen, wir bringen Anträge, es kann ja ums Bundestagspräsidium gehen, um Geschäftsordnung oder eben auch um inhaltliche Anträge. Wir lassen nur noch das abstimmen, was unsere Überzeugung ist, egal wer mitstimmt oder war das eine einmalige Sache?
Sprecher 5: Es ging ja um ein Gesetz, Herr Brücker, was bereits vor acht Wochen im Ausschuss verabschiedet wurde. Es lag ja eine Beschlussfassung vor, die CDU hat ja zugestimmt, es ist ja kein neues Gesetz gekommen. Die Ampel ist ja schuld an dieser Sache. Nein, es wird nichts mehr kommen und es gibt ja auch keine richtigen Sitzungswochen mehr.
Sprecher 4: Ist eine schwarze oder vielleicht eine schwarz-gelbe Minderheitsregierung für Sie auf Bundesebene denkbar?
Sprecher 5: Nein, würde ich komplett ausschließen. Deutschland braucht dringend Stabilität. Stellen Sie sich mal vor, wir würden jetzt mit einer Minderheitsregierung zu einem NATO-Gipfel fahren. Friedrich Merz als Kanzler fährt zu einem NATO-Gipfel, fährt zu Donald Trump oder gar... Nach Brüssel und sagt, ja, das ist alles richtig, aber ich muss jetzt erst nochmal nach Hause fahren und schauen, wie ich die Mehrheiten bekomme. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt kann sich keine Minderheitsregierung leisten. Wir brauchen Stabilität und Planungssicherheit endlich wieder und deshalb schließe ich eine Minderheitsregierung aus.
Sprecher 4: Sind persönliche Beziehungen da in der vergangenen Woche durch die Härte im Bundestag, auch durch Lügenvorwürfe, vielleicht für immer zerbrochen? Oder ist nach der Bundestagswahl... eine neue Lage.
Sprecher 5: Ja, ich gehöre mal zu den Menschen, die das nicht so richtig verstehen. Wir haben halt Wahlkampf. Ich bin mir sicher, die Einschaltquoten im Fernsehen waren so hoch wie lange nicht mehr. Aber ich gehöre zu den Leuten, die ganz klar sagen, wenn der Wahlabend erreicht ist, 18 Uhr und man schläft ein, zwei Tage mal aus, dann setzt man sich zusammen und dann muss man gesprächsfähig sein. Und deswegen sehe ich das nicht so kritisch.
Sprecher 4: In Ihrem Sofortprogramm sind jetzt sehr viele migrationspolitische Punkte hineingekommen. Das war vielleicht vor einigen Monaten so noch nicht geplant. Müsste in der Logik die CDU nicht dann auch das Innenministerium, wenn es irgendwie geht, für sich beanspruchen?
Sprecher 5: Also in diesem 15-Punkte-Programm geht es zunächst um Wirtschaft, weil das ein ganz großes Thema ist. Dann auch um das Thema innere Sicherheit. Man kann sich ja nicht wegducken, wenn solche Vorfälle wie in Aschenburg und Magdeburg passieren. Im Gegenteil, man erwartet von uns, dass wir agieren. Aber gleichzeitig habe ich Probleme mit diesen institutionellen Fragen, wer welches Ministerium bekommt etc. Ich glaube, das wäre nicht seriös, wenn man vor der Wahl sagt, wir müssen aber unbedingt dieses oder jenes Ministerium bekommen. Das muss Teil der Koalitionsverhandlungen sein und bleiben.
Sprecher 4: Herr Lindemann, ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Parteitag. Vielen Dank für dieses Gespräch.
Sprecher 5: Super, danke auch.
Sprecher 2: Und jetzt mal weg von dem Wahlkampf, der in Deutschland tobt, hin zu einem anderen Kampf, nämlich dem Kampf der Systeme der Westen gegen China. Das ist jedenfalls ein Teil der Debatte um DeepSeek. Das ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen aus China, ein KI-Unternehmen, das die Märkte dieser Tage ziemlich erschüttert hat. In New York gab es einen regelrechten Schock und jetzt hat sich die Meinung der Fachleute geändert. Investoren sehen inzwischen eine Chance bei DeepSeek oder suchen zumindest the bright side. Nur weil die Investoren ihre Meinung ändern, heißt das natürlich nicht, dass die Bedenken gegen DeepSeek unberechtigt wären. Wie immer, wenn Technologie aus China kommt, gibt es insbesondere Sicherheitsbedenken, denn es drohen in Deutschland natürlich unter anderem Spionage und Sabotage. Fabian Peltsch von unserem China Table hat mit dem KI-Experten Hans Uschkoreit von der TU Berlin gesprochen und ihn gefragt, wie sicher es denn eigentlich sei, mit DeepSeek zu arbeiten.
Sprecher 6: Jetzt geht es also, was die Gefahren angeht, nur darum, die Modelle richtig auf Herz und Nieren zu überprüfen, durchzutesten, genau ob da irgendwo versteckte Hintertüren können ja nicht sein. Da können nur versteckte Fallen drin sein. Aber das muss man... Natürlich machen die richtig gut durchtesten. Danach wird man keine Inferenz in China machen, sondern wird die Systeme auf Cloud-Systemen nutzen, die in westlichen Ländern sind.
Sprecher 2: Der Zeitpunkt, an dem DeepSeek öffentlich geworden ist, war für die USA eine mittelschwere Katastrophe, denn Trump hatte gerade erst angekündigt, mit seinem Projekt Stargate sage und schreibe 500 Milliarden Dollar in KI investieren zu wollen, damit die USA weiter Vorreiter in diesem Bereich ist. Hans Uschkorait sieht dieses Projekt allerdings durch DeepSeek nicht gefährdet.
Sprecher 6: Nur weil man eine bestimmte Art von Modellen jetzt mit weniger Lernaufwand trainieren kann, heißt das nicht, dass die großen Chips und die leistungsstarken Chips nicht mehr gebraucht werden. Ganz im Gegenteil, wir sind ja erst am Anfang. Im Moment geben wir vielleicht 17 Trillionen Wörter ein, aber wir haben noch keine Filme eingegeben, ganze Spielfilme. Wir haben noch nicht die Kamerabilder von Autos, die autonom fahren, eingegeben, um ganze Städte zu erfassen und zu lernen. Also wir sind erst am Anfang. Die ganz großen Daten kommen alle noch.
Sprecher 2: Wenn man das so hört, dann hat man den Eindruck, wir Europäer könnten bei diesen Fragen der Zukunftstechnologie eigentlich gar nicht mehr mitspielen. Das ist aber falsch, sagt Fai Yu Xu. Sie ist Mitbegründerin des KI-Unternehmens Nionic.
Sprecher 7: Die Psyche gibt uns alle Inspirationen. Man kann immer besser als andere. Und deshalb ist der Zug nie abgefahren. Das hat Deutschland in der Vergangenheit immer gezeigt. Wir sollen die Ehrgeiz haben, einen Winningplan haben, eine Strategie haben, um besser in bestimmten Gebieten, in bestimmten Industrien Nummer eins auf der Welt zu sein.
Sprecher 2: Zum Ende hin möchte ich erinnern an eine Sängerin, die am letzten Donnerstag gestorben ist und wunderbare Musik gemacht hat. Sie wurde auch genannt die Schmerzensfrau des Rock. Und spielen möchte ich ihren berühmtesten Song, den sie schon als Teenagerin gesungen hat, As Tears Go By. Die Rede ist natürlich von Marian Faithfull. Und damit wünsche ich Ihnen einen guten Start in diese Woche, die in Berlin eine Ferienwoche ist, weshalb Michael Bröker diese Woche nicht bei uns ist. Wir grüßen ihn aber natürlich sehr herzlich und sind gespannt, was diese Woche so zu bieten hat. Ich freue mich, wenn Sie mit mir gemeinsam durch diese Woche gehen. Tschüss!
Sprecher 8: I sit and watch the children. I used to do. I said, turn one, just as goodbye.