Wirtschaftsspezial - Wie machen wir den Standort Deutschland wieder fit?
Dauer: 22:55

Wirtschaftsspezial - Wie machen wir den Standort Deutschland wieder fit?

Deutschland steckt in der Stagnation, der Jahreswirtschaftsbericht zeigt ein mageres Wachstum. Wie reagieren Unternehmen darauf? In dieser Spezialausgabe sprechen wir mit zwei Führungspersönlichkeiten aus unterschiedlichen Branchen.


Zunächst ist Betty Kieß, Chief Communications Officer bei C&A Europe, zu Gast. Sie verteidigt den stationären Handel gegen die Online-Konkurrenz aus China und erklärt, warum das Familienunternehmen trotz der Marktentwicklungen weiter auf Filialen setzt. Zudem spricht sie über die Herausforderungen der Innenstädte, nachhaltige Mode und die Folgen politischer Regulierung für den Einzelhandel.


Anschließend diskutieren wir mit John Galvin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Coca-Cola Europacific Partners Deutschland GmbH. Er investiert Millionen in den Standort, beklagt aber langsame Genehmigungsverfahren, hohe Lohnkosten und eine zu starke Bürokratie. Wie plant Coca-Cola, unter diesen Bedingungen weiterzuwachsen? Und welche Erwartungen hat das Unternehmen an die Politik?


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Transkript

Sprecher 1: Herzlich willkommen zu diesem Table Today Podcast-Spezial an diesem Sonntag. Und heute haben wir ein Wirtschaftsspezial für Sie im Angebot, denn in dieser Woche, Sie haben es vielleicht mitbekommen, ist der Jahreswirtschaftsbericht veröffentlicht worden.

Sprecher 2: Die Diagnose ist ernst. Insgesamt hängt Deutschland in einer Stagnation. Wir reduzieren die Prognose für ein Wirtschaftswachstum von 1%, 1,1% auf 0,3%. Für das Jahr 2026 sehen wir dann einen Anstieg der Wirtschaft auf 1,1 Prozent, sodass wir also sehen, dass der... Das Wachstum, das wir jetzt schon so lange erwartet haben, auch in diesem Jahr verzögert einsetzt und wir dann in 2026 1,1 Prozent erwarten.

Sprecher 1: Kurz zusammengefasst, wir arbeiten zu wenig, zu unflexibel, wir investieren zu wenig, wir forschen zu wenig und vor allem wachsen wir zu wenig. Was sind die Gründe dafür? Welche strukturellen Hindernisse gibt es für Unternehmen in diesem Land? Das besprechen wir heute mit zwei Managern und Wirtschaftspersönlichkeiten aus völlig unterschiedlichen Branchen. Zunächst mit Betty Kies. Sie ist beim drittgrößten Modeeinzelhändler in Deutschland bei C&A im Vorstand zuständig für Kommunikation. Und trotz der Internetanbieter Zalando und Amazon und vor allem der neuen chinesischen Konkurrenz Shein und Temu, ist sie zuversichtlich, dass die Menschen weiterhin in Filialen in Innenstädten ihre Mode kaufen. Wie das gehen soll, das erzählt sie uns jetzt. Endlich mal jemand aus dem Einzelhandel bei uns. Hallo, schönen guten Tag, Frau Kies.

Sprecher 3: Hallo Herr Bröcker.

Sprecher 1: Frau Kies, wie kommt es, dass Sie hier überhaupt sitzen, muss ich mal fragen. C&A galt ja immer als sehr verschwiegenes Unternehmen. Jetzt sitzt hier ein Mitglied des Vorstands zuständig für die Kommunikation in einem Podcast. Wie kommt es?

Sprecher 3: Wir haben wichtige Themen bei C&A, haben uns geöffnet, sind gerne transparent in dem, was wir tun und haben auch einige Dinge, gerade auch im politischen Bereich, für die wir jetzt mehr einstehen. Und ja, ich freue mich hier zu sein, mit Ihnen zu sprechen.

Sprecher 1: Wunderbar, wir freuen uns auch. Lassen Sie uns mal mit dem Standort beginnen, bevor wir reinzoomen in den Handel. Es gibt ein allgemeines Wegklagen über den Standort Deutschland. Teilen Sie das eigentlich?

Sprecher 3: Vielleicht auch für die Hörerinnen und Hörer. Wir sind ja ein Traditionsunternehmen, ein Familienunternehmen, das 185 Jahre alt ist und in Deutschland seinen Ursprung hat. Das wissen vielleicht gar nicht alle.

Sprecher 1: Naja, Clemens und August Brenningmeier, wer kennt sie nicht?

Sprecher 3: Wer kennt sie nicht? Wer weiß aber, dass sie in Mettingen, und das ist ja eben in Deutschland, quasi die Firma gegründet haben. Und dann gab es den ersten Store, die erste Filiale, die war dann im niederländischen Sneak. Deswegen kann man sagen, wir sind ein deutsch-niederländisches Unternehmen. Aber ja, in Deutschland, das ist unser wichtigster Absatzmarkt, beschäftigen wir rund 10.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und haben um die 400 Filialen. Das ist ein ganz wichtiger Markt für uns.

Sprecher 1: Als familiengeführtes, inhabergeführtes Unternehmen. Was treibt euch um, wenn es um die Wirtschaftspolitik geht?

Sprecher 3: Also Innenstadt, das Thema Innenstädte. Innenstadtsterben ist ja ein... Ein sehr trauriger Begriff, der aber ja leider nach der Pandemie doch auch weiter seine Bestätigung findet. Bezahlbare Wohn- und Gewerberaum, damit die Innenstädte attraktiv bleiben können. Da sehen wir auch als Einzelhändler uns in der Pflicht. Da haben wir eine Schlüsselrolle, das attraktiv zu gestalten. Wir gehen alle gerne shoppen und dann soll es da schön sein. Und dann sollen da auch Cafés sein, dann soll da eine Lebendigkeit sein. Das setzt aber eben auch voraus, dass Mieten bezahlbar sind und die Rahmenbedingungen auch für langfristige Investitionen, wie wir sie ja dann tätigen, gegeben sind.

Sprecher 1: Ich habe gelesen, Sie wollen sogar noch auf den stationären Handel in Zukunft weitersetzen. Ich war überrascht, weil ich ja nicht nur aus privater Erfahrung weiß, dass der Online-Handel boomt. Die Billiganbieter aus China kommen um die Ecke, Schein und Temu, aber auch Zalando, der DAX-Konzern, ist führend im Online-Modehandel und sie bauen stationären Handel aus. Warum?

Sprecher 3: Wir wollen da sein, wo unsere Kunden sind. Und unsere Kunden shoppen gerne online, setzen aber auch nach wie vor sehr viel Wert darauf, den persönlichen Service, die Nähe zu Verkäufern und Verkäufern im Geschäft zu haben und eben persönlich vor Ort zu shoppen. Deswegen ist für uns ganz klar die Zukunft Omnichannel-Strategie, stationärer Handel und online müssen ganz nahtlos ineinander übergehen.

Sprecher 1: Bei P&C hat es nicht geklappt. Die mussten Schutzverfahren anmelden 2023. Auch ein Düsseldorfer Unternehmen, das den Omnichannel-Ansatz verfolgt hat. Können Sie sagen, wie viel Prozent Ihrer bei C&A verkauften Ware eigentlich online ist und wie viel stationär?

Sprecher 3: Leider nein. als Familienunternehmen ja Zahlen nicht nennen. Ich kann Ihnen aber sagen, dass wir die Zukunft genauso vorantreiben, was ja voraussetzt, dass wir an beides glauben und auch in beiden einen Profit sehen.

Sprecher 1: Aber was ist der typische C&A-Standortkunde? Also wer geht in die Filialen? Ich habe das Gefühl, die jungen Leute, die Teenager, genauso wie die, wie sagt man, in der Rushhour des Lebens gestressten Mütter und Väter, buchen alle online.

Sprecher 3: Also wir sind ja ein Unternehmen für die ganze Familie. Und das setzt voraus, dass es auch eben unterschiedliche Nutzungsverhalten gibt. Und das sehen wir auch. Wir sehen, dass natürlich viele wirklich auch wie noch früher, das verbinden ja viele auch mit C&A, man geht mit der ganzen Familie dort einkaufen, weil man die ganze Familie dort eindecken kann. Und das passiert auch nach wie vor und das macht auch einen großen Anteil unseres Umsatzes aus.

Sprecher 1: Die ganze Familie, sagen Sie, ich erinnere mich, dass Sie im vergangenen Jahr bei einem YouTuber oder Influencer ein Problem hatten, dass sie die Kinderbereiche so klassisch modetechnisch differenziert hatten. Also vermeintlich männliche Tiere auf den für Jungs zuständigen T-Shirts und Pullovern und vermeintlich für die Mädchen die etwas weicheren, plüschigeren Farben. Ist sowas ein Thema bei Ihnen, dass Sie möglichst politisch korrekt die Mode anbieten müssen?

Sprecher 3: Das Feedback haben wir gerne aufgenommen und arbeiten auch daran, unsere Produkte und gerade eben das Thema genderneutrale Mode auch im Jugendbereich anzubieten. Im Babybereich finden sie das auch sehr stark. Man findet dort bei uns nicht nur rosa-blau, da sind Kameltöne, Olivtöne und richtig ist das im Jugendbereich eben auch entsprechend durchzunehmen. zu setzen und anzubieten.

Sprecher 1: Das hat mir gezeigt, wie schnell man da auch Dinge falsch machen kann. Da kommt eine Influencerin und beschwert sich über die vermeintliche Trennung von Jungs und Mädchen. Und schon ist man als Modeunternehmen im Shitstorm.

Sprecher 3: Wie gesagt, dem begegnen wir sehr offen. Denn erstmal ist es Feedback, das wir so annehmen. Wir sind auch nicht unfehlbar und nutzen eben das, was wir daraus ziehen können, um uns ständig weiter zu verbessern.

Sprecher 1: Aber nochmal die Frage, wie Sie sich von anderen abgrenzen. Schein und Temu, die chinesischen Billiganbieter, die bieten ja Mode nicht nur zu sensationell günstigen Preisen, sondern sie fertigen erstmal wenige Stücke und wenn sie dann merken, diese Marke wird gut gebucht, dann setzen sie ihre Niedriglohnfabriken in China in Gang. Das ist ja fast Just-in-Time-Modehandel. Sowas kann sich ein Hochlohnersteller wie C&A ja gar nicht erlauben, oder?

Sprecher 3: Ja, Sie nennen das sensationell günstig. Ich nenne das aggressive Preispolitik, die auch Sicherheitsstandards unterwandert. Also es hat jetzt auch gerade das DEAK wieder herausgegeben, 400.000 Produkte, also Pakete, kommen täglich in Deutschland an, die häufig Zoll und damit Sicherheitsstandards unterwandern. Und da wollen wir eben einen Gegenpol setzen. Wir produzieren langlebige Mode, die nachhaltig ist. Und uns geht es eben nicht um diesen kurzfristigen Konsum, sondern um die Nachhaltigkeit.

Sprecher 1: Das heißt, für Sie ist das Lieferkettengesetz, was ja sehr hart auch kritisiert wird von der Wirtschaft, eigentlich ein Gütesiegel für ein Unternehmen wie Sie?

Sprecher 3: Für uns stellt es einfach ein Level Playing Field dar. Also es sind jetzt die gleichen Spielregeln für alle. Das begrüßen wir. Richtig ist, dass es hier natürlich auch darum geht, dass diese Ziele, die dürfen gerne ambitioniert sein, aber die müssen auch umsetzbar sein, was das Thema Bürokratisierung angeht. Denn wir reden ja nicht nur gerade über das Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz, wir reden über CSRD, über CSDDD. Glücklicherweise kommt jetzt ja gerade mit dem angekündigten Omnibus-Regulierung da eine Vereinfachung hin. Das ist das, was ich meine. Das ist alles wichtig und richtig. Es muss allerdings umsetzbar bleiben für uns als Unternehmen, weil es bindet Ressourcen und fordert auch bestimmte Investitionen.

Sprecher 1: Können Sie beziffern, wie viele Ressourcen das in einem Unternehmen wie C&A bindet, so ein Gesetz?

Sprecher 3: Das kann ich nicht gut quantifizieren. Ich kann nur sagen, dass wir bei uns zum Beispiel einen Public Affairs Bereich aufgebaut haben, der cross-funktional die ganzen Teams zusammenbringt. Und das ist Qualität, da ist Legal mit dabei, das ist natürlich das ganze Thema Beschaffung. Das heißt, das sind Kollegen aus allen Bereichen, die hier zusammenarbeiten, insbesondere natürlich auch aus dem Nachhaltigkeitsteam. Und das bindet Ressourcen natürlich täglich zum Geschäft und zu den Hochphasen. Wenn es wirklich darum geht, die ganzen Themen transparent zu machen, bedeutet das auch einen Aufbau von Ressourcen.

Sprecher 1: Ich verstehe Sie richtig, Sie brauchen natürlich die politische Flankierung gegen Dumpingpreise von chinesischen Anbietern. Zugleich wollen Sie Ihre Filialen als Ort der Familie stärken. Was kann man tun? Also was macht eine Filiale von C&A so besonders, dass ich doch nicht bei Zalando im Internet bestelle, sondern sage, Kinder aufgehen. Wir gehen heute mal shoppen.

Sprecher 3: Wir versuchen vor Ort einen ganz besonderen Service zu bringen. Das heißt, Sie kommen zu uns. Ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal bei uns waren.

Sprecher 1: Das ist wirklich gar nicht so lange her.

Sprecher 3: Das ist schön. Ich hoffe, Sie wurden sehr herzlich begrüßt, denn das ist uns schon mal wichtig, dass sich die Kundinnen und Kunden willkommen fühlen. So, und dann geht es darum, dass man natürlich auch diesen Service fortsetzt. Das heißt, Umkleidekabine. Muss der Kunde verzweifeln und sich dann wieder selber irgendwie die Sachen zurecht suchen? Oder steht da eine Person, die sagt, war das nicht Ihre Größe? Wie kann ich Ihnen helfen? Also Service ist das wichtige Thema.

Sprecher 1: Würde ich sagen, ist eine Selbstverständlichkeit. Noch kein Abgrenzungs-USP zu anderen Händlern.

Sprecher 3: Mag sein. Für uns ist es etwas, was wir dennoch an allererster Stelle stellen, weil wir glauben, dass das schon einen Unterschied macht. Weiterhin haben sie bei uns eben alles aus einem Haus. Das heißt, sie haben eine gute Orientierung von den verschiedenen Angeboten für Kinder, für Babys, für Männer, für Frauen. Das heißt, es gibt vieles an einem Ort und es ist auf Langlebigkeit ausgerichtet. Sie sehen ja auch, dass... beispielsweise, um mal einen Vergleich zu nennen, bei Zara, sich häufiger die Kollektion drehen. Die haben bis zu 24 im Jahr, wir um die 14, 15. Das heißt, bei uns geht es auch darum, zeitloses Design anzubieten und dadurch Orientierung zu bieten.

Sprecher 1: Interessant. Man könnte auch sagen, Dauerbrenner, geben Sie uns, wenn Sie schon keine Zahlen nennen, doch mal einen Einblick in die Produkte. Was ist eigentlich so das am meisten gekaufte Produkt in einer C&A-Filiale?

Sprecher 3: T-Shirts verkaufen sich sehr gut bei uns, also Basics. Essentials, wie wir das nennen. Und wir sind nach wie vor einer der Marktführer, wenn es um das Thema Jeans geht.

Sprecher 1: Und bei so einem klassischen weißen, einfachen T-Shirt können Sie garantieren, dass das nachhaltig, menschenwürdig produziert wurde?

Sprecher 3: Richtig.

Sprecher 1: Und das ist etwas, was man vielleicht bei jungen Leuten verstärkt auch als Begründung für höhere Preise durchsetzen kann? Oder ist dieser Trend schon wieder vorbei, dass gerade die junge Generation sagt, ich möchte nachhaltige Mode? Sagt die inzwischen nicht angesichts der Krise wieder, ich möchte vor allem günstige Mode?

Sprecher 3: Der war mal stärker der Trend, da gebe ich Ihnen recht. Nichtsdestotrotz merken wir gerade auch in Deutschland ein doch sehr starkes Konsumbewusstsein, wenn es darum geht, nachhaltig und langlebige Mode zu kaufen.

Sprecher 1: Frau Kies, die Bundesregierung ist in wenigen Wochen neu im Amt. Was wünschen Sie sich als großes, drittgrößtes Modehandelsunternehmen in Deutschland von der Politik?

Sprecher 3: An erster Stelle ein Einstehen für demokratische Werte. Dann, dass die dann gebildete Bundesregierung auch hoffentlich schnell ins Regieren kommt und wir nicht noch ein wochenlanges Rumgeeier ansehen müssen, dass die ohnehin meiner Meinung nach gerade schon sehr toxische Negativität, die wir im Land spüren, weiter beflügelt. Und dann, dass es ganz klare politische Rahmenbedingungen gibt und zwar für alle. Denn es kann ja nicht sein, dass sich Unternehmen in der EU an Gesetze halten, aber eben aus anderen Ländern diese unterwandert werden. Also klare politische Rahmenbedingungen und ein Einstehen für demokratische Werte.

Sprecher 1: eigentlich auch diese große Systemfrage geklärt, dass sich Europa gegen China zur Wehr setzen muss und nicht unterwürfig den chinesischen Markt duldend diverse Dinge akzeptiert, die von chinesischen Billiganbietern ins Land gespült werden.

Sprecher 3: Das ist genau das, was ich meine, dass eben gleiche Gesetze müssen für alle gelten. Und wenn wir uns daran halten, müssen wir auch erwarten können, dass das der Wettbewerb aus China beispielsweise ebenfalls tut.

Sprecher 1: Frau Kies, ich bedanke mich für diesen seltenen Einblick in die Welt von C&A und danke für dieses Interview.

Sprecher 3: Herzlichen Dank, Herr Brücker.

Sprecher 1: Von der Mode gleich rüber zu dem, was manche als privaten Luxus bezeichnen, nämlich alkoholfreie Softdrinks Coca-Cola. Der weltgrößte Getränkehersteller hat auch in Deutschland einige Standorte. Um genauer zu sein, 27, dazu 14 Produktionswerke, 6500 Mitarbeiter arbeiten für den Getränkehersteller. Und John Galvin ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Coca-Cola in Deutschland, zumindest für die Sparte, die hier für die Abfüllung, für die Produktion, für die Auslieferung zuständig ist. Und auch er investiert eine dreistellige Millionensumme im Land, aber er hadert mit der Politik, mit den Behörden, mit der Regulierung und natürlich auch mit dem, was mancher Politiker in Sachen Zuckersteuer vielleicht demnächst auf den Tisch legen könnte. Über all das müssen wir reden bei einer kleinen Flasche Coca-Cola Zero. Los geht's. Einen schönen guten Tag, Herr Gelb.

Sprecher 4: Ja, ich freue mich hier zu sein.

Sprecher 1: Mein erster Podcast mit Coca-Cola.

Sprecher 4: Mein erster Podcast mit Pop Table Today.

Sprecher 1: Ich trinke einen Coke Zero, deswegen führt mich das natürlich zur ersten Frage, wie groß ist inzwischen der Anteil der No-Sugar-Coke an allen Coca-Cola-Verkäufen?

Sprecher 4: Das ist mittlerweile ein Drittel von dem Coke, was wir verkaufen.

Sprecher 1: Und stark wachsend?

Sprecher 4: Und wachsend, ja. Wir investieren auch sehr stark hinter Coke Zero in der Distribution, in der Werbung, auch in den Formen, dass sie immer näher an diesen Coke Original Taste reinkommen.

Sprecher 1: Weil Sie auch als Herr Gelben zugeben müssen, dass Zucker in Übermaßen nicht gut ist.

Sprecher 4: Zu viel. Von allem ist es nicht gut.

Sprecher 1: Coca-Cola investiert in den nächsten Jahren, klären Sie mich auf, in Deutschland alleine 100 Millionen Euro, ist das richtig?

Sprecher 4: Wir investieren tatsächlich in diesem Jahr 2025, planen 150 Millionen Euro zu investieren. Wir haben in den letzten sechs Jahren 600 Millionen investiert, also durchschnittlich 120 Millionen pro Jahr.

Sprecher 1: Ist Coca-Cola eigentlich krisenresistent, auch als Konsummarke? Wir haben eine Krise, eine Wirtschaftskrise. Spüren Sie das in einem Absatz?

Sprecher 4: Ja, die Kategorie ist krisenresistent. Die ist ein täglicher Luxus. Die ist auch ein sehr stark impulsgetriebenes Produkt. Und die Kategorie wächst und Coca-Cola wächst auch ein bisschen stärker als die Kategorie. Aber wir sehen auch unsere Verantwortung als Marktführer in der Kategorie, dass wir die Kategorie auch zum Wachsen bringen.

Sprecher 1: Kategorie ist alkoholfreie Erfrischungsgetränke.

Sprecher 4: Genau, so ist es.

Sprecher 1: Und die wachsen, auch in der Konjunkturkrise, auch in der strukturellen Krise. Die Menschen kaufen weiter Cola oder Fanta.

Sprecher 4: Ja, die Erfrischungsgetränke, ja. Die Wasserkategorie hat ein paar schwere Jahre hinter sich. Also nicht alle Subkategorien innerhalb von alkoholfreien Getränken, aber die Erfrischungsgetränke wachsen, die Energygetränke wachsen, die Sportsgetränke wachsen.

Sprecher 1: Weil die Leute Wasser nicht mit euch verbinden, sondern die, ich sag mal, süßen Getränke mit euch verbinden und Wasser eher mit anderen Wasserherstellern?

Sprecher 4: Also unser Getränk ist eine tägliche Luxus, ist eine Sache, die man sich gönnt. Wir machen sehr viel, damit dieser Impulscharakter von der Kategorie auch wahrgenommen wird und von den Konsumenten dann gekauft wird.

Sprecher 1: Sind Sie froh, dass die Bundesregierung, die gescheiterte Ampelregierung, am Ende das Werbeverbot für Zucker nicht mehr umgesetzt hat?

Sprecher 4: Ja, sind wir. Wir sehen, es ist ein sehr starker Eingriff in die Unternehmen. Menschenfreiheit, auch ein sehr starker Eingriff in die Werbeindustrie. Wir waren nicht nur betroffen, es waren sehr viele Unternehmen davon betroffen. Wir verzichten freiwillig von uns aus auf Werbung auf Menschen unter 14 Jahren in den Zeiten, in denen wir Werbung schalten, in den Medien, die wir schalten.

Sprecher 1: Sie machen freiwillig keine Werbung für unter 14-Jährige?

Sprecher 4: Genau.

Sprecher 1: Haben Sie selber Kinder?

Sprecher 4: Ja, habe ich. Vier Stock.

Sprecher 1: Wie oft dürfen die Kohle oder Fanta trinken?

Sprecher 4: Wenn Sie wollen.

Sprecher 1: Wenn Sie wollen, dann würde mein Sohn jeden Tag drei Liter Fanta trinken.

Sprecher 4: Zu Hause haben wir zuckerfreie Varianten, Fanta und Coke. Dann dürfen Sie sie trinken. Und wenn wir unterwegs sind, dann dürfen Sie Getränke aussuchen, wenn wir mal irgendwo sind. Und dann dürfen Sie bestellen, was Sie möchten. Martin, das ist das Fante.

Sprecher 1: Bei meinen Kindern genauso. 14 Produktionsstandorte haben Sie hier in Deutschland. Das heißt, Sie sind ein Investor in Deutschland. Sie können uns sicherlich sagen, wie gut es einem Investor in Deutschland geht. Also wie würden Sie behandelt? Wie schnell können Sie hier expandieren zum Beispiel?

Sprecher 4: Es ist nicht immer einfach, in diesem Land ein Investor zu sein. Das Thema haben Sie auch hier oft im Podcast. Bürokratie ist ein Riesenthema. Im Vergleich zu anderen Ländern ist es deutlich langsamer, hier zu investieren.

Sprecher 1: Können Sie mal ein konkretes Beispiel nennen?

Sprecher 4: Ja, ein Beispiel vielleicht von gestern. Wir schauen in einem Standort, dass wir ein Hochregallager hinbauen. Das ist ein hochautomatisiertes Lager.

Sprecher 1: Für Abfüllung.

Sprecher 4: Nein, also am Ende der Abfüllung geht es ins Lager und dieses Lager ist hochautomatisiert. Das heißt, die Garagette rein wird dann automatisch ins Lager reingepackt. Und wir planen in Deutschland in einem Werk, in einem großen Werk, so ein Lager zu bauen. Das wird fertig in 2029, wenn wir alle Hürden in Deutschland über...

Sprecher 1: Und wir haben heute 2025.

Sprecher 4: Genau, vier Jahre ab heute. Und wenn wir in Amerika wären, würden wir über 28 reden und in Asien über 27. Und diese Projekte, am Ende steht das gleiche Lager, nur in Deutschland dauert es ein bis zwei Jahre länger als in anderen Ländern.

Sprecher 1: Und wenn Sie in einem bestimmten Lager zum Beispiel eine neue Linie machen wollen, wie schnell geht sowas in Deutschland?

Sprecher 4: Es ist auch deutlich langsamer als in anderen Ländern. Wir planen tatsächlich unsere nächste Linie mit einer sehr kooperativen Behörde in einem Standort in Ostdeutschland. Aber trotzdem gibt es mehrere Hürden, die man überspringen musste. Und wir würden innerhalb von zwei Jahren die Linie hinbekommen. Es ist normal in der Kogfeld, dass man in einem Jahr so eine neue Linie einbauen kann.

Sprecher 1: Weil Sie ja wissen, wo Sie weltweit produzieren und wie es geht. Also Sie müssen das ja nicht neu erfinden, sondern das ist ja wahrscheinlich standardisiert, wenn Sie eine neue Linie einführen, richtig?

Sprecher 4: Genau. Und wir bauen eine Linie für 40 Jahre. Wir bauen es nicht für heute und morgen. Also wir planen wirklich lange, diese Linie zu bedienen.

Sprecher 1: Aber was ist das dann? Arbeitsschutz, Sicherheit, verschiedene Behörden. Was macht es so langsam in Deutschland?

Sprecher 4: Baugenügungspläne, Brandschutzverordnung, Lärmschutzverordnung. Und es ist nicht nur eine Behörde, es gibt mehrere Behörden. Die machen alle ihr Bestes. Meistens machen sie ihr Bestes. Aber die Regeldichte ist einfach zu hoch. Da müssen wir deutlich radikaler reingehen. Ich freue mich zu hören, dass wir zwei raus, eine rein, also jetzt mit den neuen Gesetzen. Aber es ist nicht genug. Also wir müssen eher grundsätzlich reingehen, dort immer mit Vertrauen arbeiten. Also die Firmen, die hier investieren, die wissen, was sie tun. Sie brauchen keine riesen Regeln. Wenn wir eine Linie bauen, bauen wir sie für 40 Jahre. Das Schlimmste, was uns passieren kann. dass ein Mitarbeiter verletzt wird oder ein Brand dadurch entsteht. Also da achten wir schon drauf.

Sprecher 1: Im eigenen Interesse.

Sprecher 4: Im eigenen Interesse, genau. Aber das muss keine zwei Jahre. Wir können es deutlich schneller machen. Und diese Zeit kostet Geld. Und Deutschland hat eine Investitionskrise. Die deutschen Firmen investieren deutlich mehr im Ausland, als sie in Deutschland investieren. Und es kommen viel zu wenig ausländische Firmen nach Deutschland, weil sie schauen auf Deutschland und sagen, es dauert viel zu lange, diese Investition zu realisieren. Die Lohnkosten sind zu hoch, die Produktivitäten sind zu niedrig. Es gibt relativ wenig Anreize zu investieren im Vergleich zu anderen Ländern. Und deswegen kommt viel zu wenig Investition. Und es ist schon eine Investitionskrise, die wir hier momentan in Deutschland haben.

Sprecher 1: Führt das dazu, dass die Coca-Cola Company, also die Dachgesellschaft in Atlanta, sagt, wir machen bitte keine neuen Standorte in Deutschland, das dauert uns zu lang?

Sprecher 4: Also wir haben 14 bestehende Standorte in Deutschland, die wir ausbauen. Unsere Aufgabe als Abfühler für Deutschland ist, dass wir den Markt hier größer machen. Also da besteht keine Gefahr, dass das passiert. Aber ich finde für den Standort Deutschland ist eher die Gefahr, dass viel zu wenig Investitionen hier stattfinden. Und Investition ist wichtig für den Wohlstand in diesem Land. Und deswegen ist es ein ernstzunehmendes Thema. Auch die Produktivität. Wir haben deutlich höhere Lohnkosten. Insgesamt arbeiten wir weniger Stunden in diesem Land.

Sprecher 1: Auch innerhalb Europas deutliche Unterschiede bei Ihren Standorten?

Sprecher 4: Ja.

Sprecher 1: Was Arbeitszeit, was Produktivität betrifft?

Sprecher 4: Klar. Also wir haben im Durchschnitt 30% höhere Kosten in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern.

Sprecher 1: Anderen europäischen Ländern?

Sprecher 4: Anderer Europäischen Länder, ja. Deutsche Dürre.

Sprecher 1: 30% mehr Kosten.

Sprecher 4: Ja.

Sprecher 1: Für dieselbe Anlage, dieselbe Art von Arbeit.

Sprecher 4: Genau. Also es ist nicht nur die Lohn selbst, sondern auch die Lohnnebenkosten, die auch sehr hoch sind. Auch ein Thema wie Krankenquoten. Also der Krankenstand in Deutschland ist doppelt so hoch wie der europäische Durchschnitt. Das ist überall in der Industrie und wir sehen es genauso in unseren Werken. Die Arbeit ist ähnlich in allen Coca-Cola-Werken und Deutschland hat ungefähr den doppelten Krankenquote als Durchschnitt in Europa. Und guck mal, ihr habt hier im Podcast diskutiert, so ein schwedisches Modell, wo der erste Tag nicht bezahlt wird.

Sprecher 1: Der berühmte Karenztag, ja.

Sprecher 4: Genau. In Coca-Cola Schweden haben wir eine Krankheitsquote von 3,6 Prozent. In Deutschland ist es 9,5 Prozent. Also der Unterschied ist 6 Prozent. Ähnliche Arbeit.

Sprecher 1: Und Sie bezahlen jetzt nicht die deutschen Mitarbeiter schlechter oder die haben keine dramatisch anderen Arbeitszeiten oder Arbeitsbedingungen?

Sprecher 4: Nein.

Sprecher 1: Ist es eine Mentalitätsfrage?

Sprecher 4: Es ist eine Systemfrage. In Deutschland sind wir als Coca-Cola deutlich besser, das heißt deutlich besser, wir sind 1% besser als der Durchschnitt in diesem Land. Das System an sich ist ein Thema. Und ich glaube, wenn wir wirklich ernst nehmen, dass wir Investitionen in dieses Land bringen möchten, müssen wir auch solche harten Themen angehen. Ich weiß, es ist kein Gewinnerthema, aber es ist abschreckend von draußen zu gucken, dass Kreikencoten in diesem Land 10% sind. Und wenn wir wirklich Investitionen ins Land bringen möchten, müssen wir was dagegen machen.

Sprecher 1: Gibt es ein Bundesland, das schneller, besser, effizienter, dynamischer auch bei den Genehmigungen mit Ihnen zusammenarbeitet? Sie können mal ein positives Beispiel hervorheben.

Sprecher 4: Es gibt durchaus, aber es ist sehr unterschiedlich. Wir sind wirklich überall in Deutschland unterwegs. Keins herausnehmen, aber es gibt, und wir haben immer eigentlich mit lokalen Behörden, weil wir eigentlich sehr lokal unterwegs sind, es gibt durchaus Behörden, die sehr unterstützend sind, aber es gibt auch Behörden, die nur auf die Regeln gucken und ihre Zeit nehmen und genau das Gegenteil erleben wir auch. Und leider ist es sehr personenabhängig und am Ende haben wir einfach zu viele Regeln und deswegen muss man in diese Regelwerk ran, damit es einfacher ist. Simpler ist zu investieren.

Sprecher 1: Ich sehe schon, Sie wollen jetzt keine Parteifarben hervorheben. Das ist kurz vor der Bundestagswahl wahrscheinlich auch nicht sinnvoll. Aber vielleicht noch als letzte Frage. Die neue Bundesregierung wird ins Amt kommen, vielleicht im März, April. Was wünschen Sie sich als Investor in Deutschland wirklich als konkrete politische Maßnahme?

Sprecher 4: Ich wünsche mir, dass das Thema Investition an erster Stelle steht, weil Investition ist das, was der Wohlstand in diesem Land garantiert. Und innerhalb von diesen Investitionen, ich sage die drei Bereiche, einmal diese Bürokratie, da müssen wir Lösungen für finden, für die Produktivität in diesem Land, die Lohnkosten, die Produktivität müssen wir machen. Und dann müssen Anreize dort sein für Investitionen, ob das Steuern oder überhaupt Anreize. Also die drei Themen würde ich gerne von der neuen Bundesregierung als Fokus sehen wollen.

Sprecher 1: Vielen Dank, Herr Gelber.

Sprecher 4: Danke.

Sprecher 5: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.