++Der Messerangriff von Aschaffenburg++Die Trends der Grünen Woche++
Der Messerangriff in Aschaffenburg erschüttert die Region und Deutschland. Ein Mann und ein zweijähriges Kind kommen ums Leben, der Täter ist ein 28-jähriger Afghane, der als ausreisepflichtig galt. Helene Bubrowski und Michael Bröcker diskutieren die politischen Konsequenzen.
Auf der Grünen Woche in Berlin stehen Innovationen und Nachhaltigkeit im Fokus. Henrike Schirrmacher berichtet von dort. Überschattet wird die Messe von der Maul- und Klauenseuche, die zu enormen finanziellen Einbußen bei Viehzüchtern führt.
Das deutsche Bildungssystem wird seit Jahren als ineffizient und ineffektiv beschrieben. Die schleswig-holsteinische Kultusministerin Karin Prien schildert im Gespräch mit Thorsten Denkler vom Bildungs.Table grundlegende Reformen, die von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam in Angriff genommen werden müssen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Schon wieder ein Messerangriff, schon wieder ein Täter, der eigentlich ausreisepflichtig war. In Aschaffenburg im Frankenland stirbt ein Mann und ein zweijähriges Kind durch die Messerattacke eines 28-jährigen Afghanen, der ausreisepflichtig war. Wir müssen schon wieder über eine schreckliche Tat reden.
Sprecher 3: Die Grüne Woche gilt als wichtigste internationale Landwirtschafts- und Ernährungsmesse. In diesem Jahr sind dort mehr als 1400 Aussteller aus knapp 60 Ländern. Wir haben mit Henrike Schirmacher, unserer Redaktionsleiterin des Agri-Food-Table, darüber gesprochen, was die Maul- und Klauenseuche für die Messe bedeutet und welche Trends es gibt.
Sprecher 2: Mehr als jeder fünfte Viertklässler erreicht nicht einmal die Mindestanforderungen in Deutsch und Mathematik. Unser Bildungssystem ist in einer tiefen Krise. Die schleswig-holsteinische Kultusministerin Karin Prien, auch CDU-Vize-Vorsitzende, hat ein Konzept erarbeitet, wie all das besser werden soll. Thorsten Denkler, unser Kollege aus dem Bildungstable, hat mit ihr gesprochen.
Sprecher 3: Es ist ein trauriger Start in diesen Donnerstag, den 23. Januar.
Sprecher 4: Wir sind entsetzt über diese schreckliche Tat. Die Polizei wird in den nächsten Tagen die Hintergründe, was ist das Motiv, wie kam es zu dieser schrecklichen Tat, weiter aufklären. Im Moment geht die Mutmaßung sehr stark in Richtung seiner offensichtlich psychischen Erkrankungen. Eine erste Durchsuchung seiner Räume, in denen er im Wohnraum, in dem er untergebracht war, in der Asylbewerberunterkunft, hat keinerlei Hinweise auf eine radikale islamistische Gesinnung. gebracht, sondern nur es wurden dort Medikamente gefunden, die zu seiner psychiatrischen Behandlung passen würden. All das muss aber jetzt sorgfältig in den nächsten Tagen weiter ermittelt und aufgeklärt werden.
Sprecher 3: Das war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, der in Aschaffenburg gestern Abend eine schreckliche Tat verkünden musste. Bei einem Angriff auf eine Kindergartengruppe in einem Park sind zwei Menschen getötet worden. Es handelt sich um einen 41-Jährigen und einen zweijährigen Jungen aus Marokko.
Sprecher 2: Der Mann wurde offenbar tödlich verletzt, als er sich gerade vor den Angreifer stellen wollte. Und wieder einmal reden wir über einen Mann, der eigentlich gar nicht mehr im Land sein durfte oder sollte. Es ist ein 28-jähriger Afghane. Er ist in der Vergangenheit mehrfach aufgetreten. Gefallen wegen Gewalttaten. Er war in psychiatrischer Behandlung. Die Behörden hatten eigentlich seine Ausreise verfügt und dann ist er mit einem Messer in diesen Park gegangen.
Sprecher 3: Der Mann soll Mitte November 2022 nach Deutschland eingereist sein und vor rund anderthalb Monaten habe er seine freiwillige Ausreise schriftlich angekündigt, so heißt es. Das Asylverfahren wurde daraufhin eingestellt und er sei zur Ausreise aufgefordert worden. Stattdessen ist er nun gewalttätig geworden. Wieder ein Fall ähnlich wie der in Magdeburg, ein psychisch auffälliger Täter. Wir hatten kürzlich Peter Neumann, den Terror-Experten hier im Podcast, der erklärt hat, warum ein Informationsaustausch zwischen den Behörden auch über den Fall der psychischen Erkrankung so wichtig ist. Denn die Behörden haben derzeit noch keine Kategorie für psychische Erkrankungen in ihren Registern und sind deswegen auf diesem Auge ziemlich blind.
Sprecher 5: Das ist eine Kategorie, für die die Franzosen und Briten bereits Ende letzter Dekade eine neue Kategorie geschaffen haben. In Großbritannien zum Beispiel nennt sich das Gefährder mit einer gemischten, instabilen und unklaren Motivation. Und das ermöglicht, dass solche Personen eben nicht nur eine polizeiliche Behandlung bekommen, sondern möglicherweise auch psychologische Hilfe. Es geht nicht darum, ein Register für psychisch Kranke zu schaffen. Worum es geht, ist eine neue Kategorie für Gefährder. Gefährder, die bereits Gewalt angedroht haben oder kurz davor stehen. Gewalt durchzuführen und die eben eine politische, extremistische Motivation angeben, aber bei denen auch psychische Auffälligkeiten erkennbar sind.
Sprecher 2: Jedenfalls haben wir das Problem Justiz und auch Überwachung von solchen möglichen Tätern, die eben schon aufgefallen sind, zu oft in diesem Land. Man muss es wirklich sagen, Helene, in den letzten Jahren sind die Begriffe Migration, Messer und Kriminalität in einen Zusammenhang zu bringen. Und die BKA-Statistik des vergangenen Jahres hat ja nicht nur die verstärkten Messerangriffe, die Messerattacken in Deutschland klar beziffert, sondern sie sagt natürlich auch in der gebotenen Nüchternheit, Deutschland verzeichnet eine hohe Zuwanderungsrate, dadurch steigt die Bevölkerungsanzahl und der Anteil der Nichtdeutschen an der Gesamtgesellschaft nimmt zu. Es ist plausibel, ich zitiere, dass sich dies auch in einer steigenden Zahl nicht deutscher Tatverdächtiger ausdrückt. Also Wind unter den Flügeln der Rechten, die das Thema Migration jetzt in den nächsten Tagen erst recht wieder in den Mittelpunkt der Debatte ziehen werden.
Sprecher 3: Ja, das wird den Wahlkampf mit Sicherheit verändern. Und die anderen Parteien sind natürlich jetzt auch gehalten, darauf Antworten zu geben. Das ist gar nicht so einfach, denn eins ist klar, verharmlosen kann man diese Fälle, die sich so häufen in letzter Zeit, nicht.
Sprecher 2: Ausreisepflichtig, das Wort heißt Ausreisepflicht. Und diese Pflicht muss in einem Rechtsstaat durchgesetzt werden. Ich glaube, darauf können wir uns einigen und darum muss es jetzt auch gehen. Helene, gestern war ich auf der Grünen Woche. Das ist ja nicht nur eine Leitmesse für Landwirtschaft und Ernährungskultur, sondern für viele auch einfach mal ein Ort, um essen und trinken zu gehen.
Sprecher 3: Ja, ich habe von den Kollegen des Agri-Food-Table eine interessante Sache gelernt, über die jetzt auch viel diskutiert wird auf der Grünen Woche, nämlich das Thema kultiviertes Fleisch. Das ist weder ein Steak aus Erbsen oder Soja, noch ist es echtes Fleisch, sondern es ist eine Art In-vitro-Fleisch aus dem Rind. Werden die Stammzellen entnommen per Spritze und dann wird das Ganze mit einer Nährlösung und so weiter weiterentwickelt. Also ein Steak wird ausgebrütet, das irgendwo auch fleischlich ist, eine Muskelfaser hat, aber nicht aus dem Tier kommt. Also ein Tier muss dafür nicht sterben. Und da schließt sich die Frage dran, essen Vegetarier das oder nicht? Das hängt wahrscheinlich davon ab, ob sie deswegen nicht Tiere essen, weil sie keine Tiere töten möchten oder ob sie deswegen keine Tiere essen, weil sie es irgendwie nicht... Das Fleisch nicht mögen. Also was sich da alles tut auf dem Ernährungsmarkt ist wirklich interessant.
Sprecher 2: Genau, nicht nur Ernährung und Fleisch ist Thema, natürlich auch die Landwirtschaftstechnik. Da sind für mich sehr spannend die großen, dicken, auch Elektrotrecker ausgestellt, in die ich mich selbstverständlich reingesetzt habe. Aber es geht vor allem um Trends. Wie geht nachhaltige Landwirtschaft? Und interessant, 30 Tage vor der Bundestagswahl, die Politiker geben sich an den Ständen die Klinke in die Hand. Man muss es wirklich so sagen, in der Kampf um die Länder. Endlichen Räume hat längst begonnen. 1400 Aussteller aus 60 Ländern und unser Agri-Food-Team vor Ort.
Sprecher 3: Ja, und der Agri-Food-Table, der erscheint ja auch seit vergangener Woche jeden Tag. Henrike Schirrmacher, die Redaktionsleiterin, ist die ganze Zeit vor Ort und sie weiß ganz genau, mit welchen riesigen Problemen die Branche zu kämpfen hat und was diesmal besonders ist auf der Messe. Michael, du hast mit ihr gesprochen.
Sprecher 2: Henrike, hallo, schönen guten Tag.
Sprecher 6: Hallo Michael.
Sprecher 2: Enrique, erste Frage. Die Maul- und Klauenseuche ist natürlich auch Thema hier in der Grünen Woche. Was gibt es da Aktuelles zu berichten? Was hast du erfahren?
Sprecher 6: Ja, das ist auf jeden Fall ein sehr dominierendes Thema hier auf der Grünen Woche. Treibt alle Wirtschaftsvertreter um und der wirtschaftliche Schaden ist immens. Auf jeden Fall trifft es am härtesten die Milchindustrie. Der Deutsche Raiffeisenverband hat ja in dieser Woche schon vermeldet, dass der wirtschaftliche Schaden bei einer Million Euro liegt. Fleischsektor ist auch betroffen. Es geht gerade echt darum, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium das Prinzip der Regionalisierung mit Drittstaaten erwirkt. Dann könnte nämlich aus Deutschland noch exportiert werden. Und das wäre eine wirklich sehr, sehr wichtige Errungenschaft. Bislang ist es aber erfolglos geblieben. Da heißt es eben von Seiten der Wirtschaft, dass das BML da jetzt wirklich am Ball bleiben muss, um dann Erfolg zu erzielen.
Sprecher 2: Wie wird das Krisenmanagement vom grünen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir bewertet? Oder ist der Gedanke schon längst im Wahlkampf in Baden-Württemberg?
Sprecher 6: Tatsächlich ist Özdemir hier relativ viel auf der Grünen Woche unterwegs und in meinen Gesprächen. Habe ich die Rückmeldung? bekommen, dass das BML das Krisenmanagement sehr, sehr gut macht, wirklich Tag und Nacht daran arbeitet und die Wirtschaftsvertreter sehr zufrieden sind.
Sprecher 2: 30 Tage vor der Bundestagswahl, Henrike, wie politisch sind diese Grünwochen? Merkt man, dass hier Politiker versuchen, die ländlichen Räume für sich zu gewinnen? Ist hier schon Wahlkampf?
Sprecher 6: Definitiv ist hier Wahlkampf. Beim Bayern-Empfang am Freitagabend in der Bayernhalle, das ist ja immer ein wirklich erstaunliches Event, ist Markus Söder aufgetreten, Michaela Karnibar. Sie haben ihren... Kandidaten für das Bundeslandwirtschaftsministerium nochmal präsentiert, vorgestellt. Die Halle hat danach gebebt. Die Union ist wirklich dabei, den ländlichen Raum zurückzuerobern auf ihre eigene Art und Weise. Das kommt hier wirklich aus allen Ecken, dass der Wahlkampf bevorsteht, beziehungsweise die Bundestagswahl bevorsteht.
Sprecher 2: Ja, die Bauernproteste haben offenbar dann auch ihre Wirkung gehabt. Vor einem Jahr war das das große Thema. Inzwischen sind viele dieser Positionen von der Union übernommen worden. Aber eine Frage noch zum Schluss, Henrike. Das BMZ, das Entwicklungshilfeministerium, bietet hier Insekten zur Verkostung an. Wir müssen jetzt mal langsam über Ernährung reden. Schon probiert und was steckt wirklich dahinter?
Sprecher 6: Ich habe es nicht probiert, muss ich sagen. Ich habe es gesehen und es spricht mich nicht so an. Da steckt eine politische Botschaft dahinter. Das BMZ möchte damit natürlich, also Flächenkonkurrenz ist ja ein Riesenthema. Und diese Herstellung dieser Insekten würde nicht so viel Fläche verbrauchen. Das heißt, die Botschaft des Entwicklungsministeriums, dass man quasi wertvolle Proteine, wertvolle tierische Proteine herstellen kann. Auf kleinem Raum. Tatsächlich ist es aber so, dass der Trend, vor zehn Jahren wurde mir hier schon auf der Grünen Woche angeboten, nicht verfängt. Und was ich auch jüngst wieder gehört habe von Experten aus diesem Bereich und auch vom Lidl-Einkaufsleiter, den ich auf dem DLG-Podium kürzlich gehört habe, dass es eher darum geht, tierische Produkte nachzuahmen in Textur und Geschmack. Auf Basis von pflanzenbasierten oder alternativen Proteinen auf Algen- oder Pilzbasis. Und dieses Insektenthema, der interessiert sich eigentlich kein Industriezweig dafür, weil wir von unserer kulturellen Ernährungsweise einfach nichts damit zu tun haben wollen und uns ekeln.
Sprecher 2: Man kann den Konsumenten eben zu nichts zwingen. Vielen Dank, Henrike, dafür. Danke auch für deinen Einsatz von dir und deinem Team hier auf der Grünen Woche. Sie lesen den Agri-Food-Table täglich derzeit von der Grünen Woche. Es lohnt sich, da mal reinzulesen. Table.media slash Agri-Food. Vielen Dank, Henrike.
Sprecher 6: Ja, gerne, Mick. Viel Spaß noch.
Sprecher 3: Karin Prien, CDU-Kultusministerin aus Schleswig-Holstein, gilt als eine der erfolgreichsten Bildungsministerinnen in Deutschland. Und wer weiß, vielleicht ist sie auch Mitglied im nächsten Bundeskabinett. Jedenfalls gibt es das Gemunkel in der CDU. Sie gilt als ministrabel und wäre die erste jüdische Ministerin Deutschlands. Am Montag hat sie zusammen mit ihren Amtskolleginnen aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg von SPD und Grünen ein Konzept für bessere Bildung vorgelegt. Und da leider nicht das Jahr 2025 im Blick, sondern das Jahr 2035. Der Redaktionsleiter unseres Bildungstable, Thorsten Denkler, hat mit ihr darüber gesprochen, was anders werden muss, damit Deutschland aus dem Bildungsmittelmaß herauskommt.
Sprecher 7: Frau Prien, Sie sind ja Bildungsministerin, Wissenschaftsministerin, Kulturministerin. Im Grunde sind Sie ja an allem schuld. Was haben Sie eigentlich falsch gemacht, dass wir keinen Nachwuchs mehr bei Fachkräften haben, dass die Kinder nichts mehr lernen, dass es in der Kita nicht läuft, dass Gewalt an Schulen zunimmt? Wo ist Ihre persönliche Verantwortung?
Sprecher 8: Ja, die Schulen in unserem Land müssen viel von dem auffangen, was gesellschaftlich bei uns schwieriger geworden ist. Manches auch, was schiefläuft. Und die Versuchung dann zu sagen, das sind alles die Schulen schuld und eigentlich die Schulen ja nicht, die Lehrer sind ja alle nett und tun ja ihr Bestes, aber eigentlich sind es die dann. Die zuständigen Minister ist halt groß, aber in Wahrheit ist das natürlich weit zu kurz gesprungen.
Sprecher 7: Das ist ein sehr komplexes System, was wir da haben, auf vielen verschiedenen Ebenen. Und immer wieder gibt es aber Kritik, die zum Beispiel von diesem großen Bildungsforscher Jean Hettig geäußert wird, dass es zu komplex das System in Deutschland ist und eigentlich müsste man zumindest mal die Gymnasien abschaffen, um mehr Bildungsgerechtigkeit herzustellen. Wie gucken Sie auf solche Debatten? Ist das zielführend oder eher störend im System?
Sprecher 8: Ich bin ein riesen Fan von John Hattie und ich habe ihn auch, ehrlich gesagt, nicht so verstanden, dass er die Strukturfragen in den Vordergrund stellt. Das tue ich übrigens auch nicht. Das Entscheidende, was Hattie sagt, und das ist auch meine Grundüberzeugung, wir brauchen eben eine Evaluationskultur, nicht nur im Schulsystem insgesamt, sondern an jeder Schule, in jeder Lerngruppe. Und Lehrkräfte müssen eben mehr als bisher die Verantwortung dafür übernehmen, dass jeder Schüler und jede Schülerin am Ende... Von Zeitperioden bestimmte Dinge auch wirklich gelernt haben. Man könnte es auch anders ausdrücken, das Erreichen von Mindeststandards, etwa in Klasse 4, das ist unabdingbar. Und Lehrkräfte und eine Schule müssen Verantwortung dafür übernehmen, dass das auch erreicht wird. Hattie sagt auch, wir brauchen ein Klima an den Schulen, in dem wir rausholen, was in ihnen steckt. Wir müssen also ein Klima schaffen, in dem Schüler davon überzeugt sind, dass sie mehr können und nicht immer auf die Defizite schauen. Hattie sagt uns auch, wenn... Schülerinnen und Schüler sich nicht wohlfühlen in der Schule, können sie auch nicht lernen. Und sie brauchen eben kohärente Ziele in einem Schulsystem. Und dazu gehören eben das Erreichen von Mindeststandards. Es gehört dazu aber auch die Förderung von Schülerinnen und Schülern im oberen Leistungsbereich. Auch die Wertschätzung von Leistung. Auch die Förderung von Anstrengungsbereitschaft. Alles Dinge, die in den letzten Jahren teilweise zumindest so ein bisschen in den Hintergrund getreten sind.
Sprecher 7: Eine Erkenntnis ist ja auch, dass das Lernen früher beginnen muss. Frau Günther-Wünsch, Ihre sowohl Partei- als auch Amtskollegin aus Berlin, hat hier im Podcast gefordert, dann schon mit drei anzufangen, möglicherweise sogar verpflichtend. Ist das eine Idee, mit der Sie mitgehen würden?
Sprecher 8: Ich glaube, dass wir tatsächlich den Bildungsauftrag der Kitas ernster nehmen müssen, dass Kitas sehr wohl auch in der Verantwortung sind, Kinder zur Schulreife zu führen. Das ist schon dieses Wort Schulreife in den Mund zu nehmen, ist nicht so ganz unkompliziert. Ich glaube, dass sich die Kulturen von Kita und Schule aufeinander zubewegen müssen. Aber am Ende müssen wir früher anfangen, Kinder zu diagnostizieren, wenn sie so wollen, auch zu testen auf Förderbedarfe. Und zwar jetzt nicht nur sonderpädagogische, sondern eben insbesondere auf Sprachförderbedarfe. Aber es gibt auch andere, motorische zum Beispiel. Und dann muss die Zeit bis zur Einschulung genutzt werden, damit die Kinder möglichst weit und möglichst gut sich entwickeln können. Und die Wahrheit ist ja, dass wir in vielen Ländern ja schon... eine Schulpflicht haben, eine vorgezogene Schulpflicht haben, wenn besondere Sprachförderbedarfe bestehen. Und darauf kann man, glaube ich, aufsetzen. Bei einer Kita-Pflicht für alle auf dem dritten Lebensjahr, da hätte ich eher verfassungsrechtliche Bedenken.
Sprecher 7: Es gibt im Bildungsbereich, wie in fast allen Bereichen, einen großen Investitionsbedarf. Es braucht Geld, wenn man sich allein anschaut, den Nachholbedarf bei Schulbauten, Sanierungen von knapp 50 Milliarden plus x. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?
Sprecher 8: Ich bin tatsächlich der Überzeugung, dass wir große Reformbedarfe in... Staat und Verwaltung haben und dass es auch richtig ist, in vielen Bereichen jetzt drauf zu schauen, wo wir effizienter im Sinne von zielgerechter werden. Deshalb ist Spardruck immer auch Reformdruck und diesen Reformdruck begrüße ich ausdrücklich, insbesondere auch, weil ich den Eindruck habe, dass wir immer noch viel zu stark in Silos denken, dass wir zum Beispiel die Frage, was brauchen Kinder, die schlechte Startchancen haben, die beantworten wir ja nicht nur im Schulsystem, die beantworten wir im System der Kinder- und Jugendhilfe, die beantworten wir im System der Eingliederungshilfe, aber wir denken die Bereiche nicht genug zusammen. Das steht übrigens auch in unserem Wahlprogramm, dass wir das verändern wollen. Ich bin auch der Meinung, dass wir die Bildungsausgaben in Deutschland über die staatlichen Ebenen nochmal deutlich erhöhen müssen. Wir müssen mindestens den OECD-Durchschnitt erreichen. Das ist Aufgabe von Bund, Länder und Kommunen gemeinsam. Und der Bund sollte uns unterstützen als Länder in ausgesuchten Bereichen. Und darüber wird jetzt zu sprechen sein. Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, zumindest mit Blick auf die Digitalisierung, den Digitalpakt, diese gemeinsame Verantwortung für alle Parteien, den Druck da so zu erhöhen, dass da eigentlich keiner drumherum kommt, das auch zu finanzieren. Und ich wünsche mir auch, dass wir dann im Rahmen von Verhandlungen nach der Wahl, dass wir auch nochmal über die Summen sprechen, die da zur Verfügung gestellt werden. Ich bin froh, dass wir das Startchancenprogramm weiter finanzieren werden. Ich bin froh, dass wir den Ganztag weiter ausfinanzieren werden. Auch da wird man nochmal gucken müssen, ob die Finanzausstattung ausreichend ist. Und dann müssen wir natürlich im Bereich von Forschung und Innovation unsere Anstrengungen deutlich nochmal erhöhen, um sozusagen das Einzige, was uns in Deutschland an Wachstumspotenzial in Wirklichkeit zur Verfügung steht, nämlich Innovation auch wirklich so anzukurbeln, dass wir auch eine Wende im Wirtschaftsbereich schaffen.
Sprecher 7: Nach der Bundestagswahl wird es ja vielleicht auch darum gehen, ob der Zuschnitt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vielleicht nochmal neu angefasst wird, auch im Zusammenhang mit dem Bundesministerium Familie. Und Kinder und möglicherweise alles, was so frühkindliche Bildung angeht, Kitas, schulische Bildung angeht, bis hin zu der Grenze zur Hochschulbildung, alles in einen Topf kommt, also in ein Ministerium kommt. Und auf der anderen Seite ein anderes Ministerium vielleicht für Wissenschaft und Innovation steht. Ist das eine Idee, mit der Sie sich anfreunden können?
Sprecher 8: Dass wir Bildung... Sozusagen von der Gebühr. Geburt andenken müssen, eigentlich bis zur Weiterbildung. Das macht man am besten in einem Ministerium. Es gibt andere Wege. Ich glaube, dass das hohe Zeit ist, dass wir auch im Bund das ressortübergreifende Denken, dass es eine andere Qualität bekommt. Weil wir können die Probleme von Kindern und Jugendlichen in Deutschland heute nicht mehr nur im Bildungsbereich lösen. Wir brauchen eben auch die Unterstützung, die sozialen Unterstützungssysteme, die müssen an die Schule herangeführt werden. Das ist jetzt hohe Zeit und das muss sich auch in der Form der Zusammenarbeit einer zukünftigen Bundesregierung widerspiegeln.
Sprecher 7: Und dann werden immer wieder Sie genannt als diejenigen, die sich eigentlich aussuchen kann, welches der beiden Ministerien Sie übernehmen würden. Welches wäre es denn dann?
Sprecher 8: Lassen Sie uns jetzt mal als CDU, als Union um ein besonders überzeugendes Wahlergebnis kämpfen und dann unterhalten wir uns über Sachthemen. Und wenn ich eins noch sagen darf. Für mich wäre das Entscheidende, dass sich die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in der nächsten Legislatur deutlich verbessert. Denn das ist wirklich ein Föderalismus, in dem es keinen Willen zu einer kooperativen, konstruktiven Zusammenarbeit gibt. Und so war es leider in den letzten Jahren. Der kann nicht funktionieren und das muss sich verändern.
Sprecher 7: Frau Brin, vielen Dank.
Sprecher 8: Ich danke Ihnen.
Sprecher 2: Helene, was war noch?
Sprecher 3: Ich grüße aus der Stadt des Bildungsmittelbachs.
Sprecher 2: Oh, wenn das Olaf Scholz hören würde.
Sprecher 3: Ich bin ja wirklich lange rumgelaufen mit einem schlechten Gefühl eines Hamburger Abiturs, bis ich kurz die Glase, dass Hamburg gar nicht mehr so schlecht dasteht in dem Vergleich, in dem bundesweiten Vergleich. Aber ich glaube, damals waren wir zusammen mit Bremen immer die... Rote Laterne.
Sprecher 2: Also gar nicht. In Wahrheit ist tatsächlich Hamburg nicht so schlecht. Die sind, ich glaube, sogar im oberen Mittelfeld inzwischen, auch übrigens bei der digitalen Verwaltung. Hier steht Hamburg besser da als bei der Wirtschaftskraft auch. Erstaunlicherweise ist dort Olaf Scholz'Regierungsbilanz wirklich deutlich besser als im Bund. Vielleicht war er eben doch einfach nur ein sehr guter Bürgermeister und kein guter Kanzler.
Sprecher 3: Ich jedenfalls erinnere mich an Schüler, die aus Bayern und Baden-Württemberg nach Hamburg an unsere Schule gewechselt sind und die ganze Zeit immer nur erzählten, dass sie eigentlich ein bis zwei Jahre überspringen könnten, weil es ja so viel weiter im Stoff sind, alles so viel schwerer sei und so. Also so ist es. Man startet als Hamburger mit einiger Demut ins Leben, wenn man nach Süden schaut, aber das ist ja gut. Michael, mich nervt an diesem Wahlkampf und das ist dann eben durchaus auf Olaf Scholz gemünzt, dass es da doch an Demut fehlt und dass alle immer ganz genau wissen, was angeblich richtig und falsch ist.
Sprecher 2: Es ist nicht erlaubt, überhaupt mal eine differenzierte Aussage zu tätigen. Man wird sofort als wankelmütig. Oder Weichweil betitelt. Also wissen immer alle ganz genau, was richtig ist in diesem Land. Ein bisschen anstrengend ist es im Gegensatz zu uns beiden, wo wir ja durchaus auch mal das Argument des anderen mit einbeziehen in die eigenen Überlegungen, um es dann natürlich zu verwerfen.
Sprecher 3: Übrigens sollten auch Journalisten, finde ich, mehr Zweifel. Sie sollten auch mal sagen, wenn sie was nicht wissen. Auch übrigens eine Berufskrankheit von uns Journalisten, Michael. Wir jedenfalls verabschieden uns heute mit dem Song Im Zweifel für den Zweifel von der Hamburger Band Tokotronic. Viel Spaß dabei und bis morgen.
Sprecher 2: Ciao, ciao.
Sprecher 9: Im Zweifel für den Zweifel und die Unfassbarkeit. Für die innere Zerknirschung, wenn man die Zähne zeigt. Im Zweifel fürs Zusammenklappen vor gesamtem Saal. Mein Leben wird Zerrüttung, meine Existenz Skandal. Im Zweifel für die Bitterkeit und meine heißen Tränen. Im Zweifel für Ziellosigkeit, ihr Menschen hört nicht rufen. Im Zweifel für Zerwürfnisse und für die Zwischenstufen. Im Zweifel für den Zweifel, das Zaudern und den Zorn. Im Zweifel fürs Zerreißen der eigenen Uniform. Im Zweifel für den Zweifel, das Zaudern und den Zorn.