Kann Leistung glücklich machen, Herr Indset?
Deutschland hat den Atomausstieg endgültig vollzogen. Oder doch nicht?
Die letzten Atomkraftwerke sind längst stillgelegt und werden es bleiben – zumindest geht CDU-Chef Friedrich Merz davon aus.
Malte Kreutzfeldt vom Climate.Table erklärt, warum er einen Wiedereinstieg oder den Neubau von Atomreaktoren für ökonomisch und praktisch kaum umsetzbar hält.
Der britische Premierminister Keir Starmer hat möglicherweise Friedrich Merz nach London eingeladen. Offiziell ist die Einladung nicht bestätigt, weshalb unklar bleibt, ob Merz während des Wahlkampfs tatsächlich nach Großbritannien reist.
Merz arbeitet zurzeit daran, sein internationales Profil zu schärfen.
Im Gespräch mit dem Philosophen und Unternehmer Anders Indset geht es um modernes Leadership in Krisenzeiten. Wie sollten Führungskräfte mit technologischem Wandel umgehen? Warum braucht Deutschland eine neue Haltung zur Zukunft?
Es geht um Leistung – Indset versteht darunter jedoch weit mehr als bloße Kennzahlen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Es ist die politische Debatte über Jahrzehnte gewesen. Der Atomausstieg, ist er richtig oder ist er nicht richtig? Darüber streiten sich die Parteien immer noch ein wenig. In einem Punkt sind sie sich aber einig, er ist wohl endgültig. Ist das eigentlich richtig so? Und was haben die Parteien wirklich vor? Wir diskutieren mit dem Energieexperten von Table Briefings, Malte Kreuzfeld.
Sprecher 3: Viele Freunde hat Olaf Scholz unter den europäischen Staats- und Regierungschefs nicht. Aber mit einem kommt er sehr gut klar, nämlich mit dem britischen Premier Keir Starmer. Und der hat nun ausgerechnet Friedrich Merz eingeladen. Wir sagen Ihnen, was Merz vorhat europapolitisch und was Elon Musk mit der ganzen Sache zu tun hat.
Sprecher 2: An unserem Tisch ist heute der Unternehmer und Wirtschaftsphilosoph Anders Inset. Wir reden mit ihm über das kommende Megatreffen der Manager und Führungskräfte in Davos und was eigentlich heute so einen Leader ausmacht.
Sprecher 3: Und wenn sie kein Lieder sind, dann bleiben sie trotzdem dran. Denn es lohnt sich an diesem Mittwoch, den 15. Januar.
Sprecher 4: Wir werden schrittweise bis Ende 2022 vollständig auf die Kernenergie verzichten. Und dieser Weg ist für Deutschland eine große Herausforderung. Aber er bedeutet vor allen Dingen auch riesige Chancen für künftige Generationen.
Sprecher 3: Am 30. Juni 2011, also vor knapp 14 Jahren, hat der Deutsche Bundestag den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Auslöser war damals das Reaktorunglück von Fukushima aus dem März 2011. Die letzten drei Atomkraftwerke wurden vor knapp zwei Jahren, nämlich im April 2023, abgeschaltet. Der Ausstieg aus der Atomenergie, so sieht es jedenfalls Stand heute aus, ist endgültig.
Sprecher 2: Ja, und auch Friedrich Merz, der CDU-Chef und Kanzlerkandidat, der eigentlich Zeit seines Lebens ein Befürworter der Atomkraft war, hat nun der FAZ gesagt, die letzten drei Meiler, die würden ja bereits abgebaut und seien damit dekontaminiert. Da werde wohl nichts mehr zu machen sein. Und auch der RWE-Chef Markus Kreber hat ja bei uns im Podcast vor Wochen gesagt, es lohnt sich schlicht nicht mehr. Und auch die Wirtschaft bräuchte ja eine ungehörige Planungssicherheit, um das wieder anzufahren.
Sprecher 5: Die Mitarbeiter bereiten sich auf ihren Ruhestand vor, beziehungsweise sind schon im Ruhestand, um qualifiziertes Schichtpersonal auszubilden. Es gibt keine Ausbildungsinfrastruktur mehr in Deutschland dazu. Wir bräuchten sicherlich vier bis sieben Jahre, um das hinzukriegen. Und dann, sage ich ganz klar, werden wir als privates Unternehmen das Ökonom... chemische Risiko Kernenergie nicht übernehmen.
Sprecher 2: Ich glaube, diese dreimonatige Mini-Verlängerung der Verlängerung der Verlängerung der Verlängerung, die da jetzt von der Ampel beschlossen wurde, die war falsch. Ich hätte in dieser Jahrhundert-Energiekrise anstatt auf Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke und sonstige grundlastfähige, konventionelle Kraftwerke zu setzen, hätte ich gesagt, komm, zwei Jahre machen wir es noch, die technologisch wirklich exzellentesten AKWs weltweit, die klimaneutralsten, die wir hier so haben, lassen wir einfach noch zwei Jahre durchlaufen. Zumal wir, wie gesagt, das Problem der Grundlastfähigkeit haben. Konventionelle Kraftwerke werden benötigt, auch für die Erneuerbaren. Und da hätte ich jetzt nicht so eine Mini-Verlängerung gemacht, sondern eine echte und richtige. Aber gut, ich hätte sie aber trotzdem auch nicht wirklich wieder aufgefahren, Helene. Das wollte ich gerade fragen. Naja, weil ich finde, das stärkste Argument gegen die AKW ist tatsächlich die Endlagerung. Allerdings, wenn es dazu kommen sollte, dass diese kleinen Mini-Reaktoren, an denen jetzt weltweit gearbeitet und geforscht wird und die viele Länder jetzt auch wieder bauen, wenn es die Möglichkeit gibt, dass sie an diesen AKWs im Grunde auch ihren eigenen Atommüll entsorgen, könnte es schon nochmal ein Comeback für die AKW geben. In der jetzigen Form mit der ewigen Suche nach einem Endlager, was keiner haben wollte, war es sicherlich auch gesellschaftspolitisch die richtige Entscheidung.
Sprecher 3: Ja, Michael, natürlich ist die Atomkraft sicherlich auch ein deutsches Thema. In Frankreich zum Beispiel wird das Thema gesellschaftlich ganz anders diskutiert. 65 Prozent seiner... Stroms bezieht Frankreich nach wie vor aus Atomkraft. 14 neue Kraftwerke sollen nun gebaut werden. Und insgesamt gibt es in Europa doch etliche Länder, die diesen Weg gehen. In Deutschland ist die Debatte immer schon eine andere gewesen.
Sprecher 2: Mein Punkt ist eigentlich nur, man sollte das Comeback nicht völlig ausschließen, Helene. Wir brauchen ja mehr Strom für die Heizung, für die Wärmewende, für die Autos. Und irgendwann brauchen wir diesen Strom dann bitte auch grundlastfähig.
Sprecher 3: Michael, was kann man im Leben schon ausschließen? Wir wollen jetzt mal sprechen mit Malte Kreuzfeld, unserem Kollegen vom Climate Table, der sich in all diesen Dingen sehr gut auskennt. Und Malte, die erste Frage ist, was macht die Union da eigentlich? Wie schätzt du das ein?
Sprecher 6: Also erstmal im Wahlprogramm steht es ja noch drin. Die Union hat angekündigt, sie will prüfen lassen, ob die noch wieder ans Netz kommen können. Direkt nachdem das beschlossen wurde, haben alle im Prinzip schon gesagt, die Prüfung kann man sich schenken. Es ist klar, dass das nicht mehr geht. Gleichzeitig aber ist das eben ein großes Thema, wo man sich auch abgrenzen kann gegen die bisherige Regierung. Und deswegen, sie wollen es schon so den Eindruck erwecken, sie wollen es, aber auch nicht so richtig konkret, was sie eigentlich wollen.
Sprecher 3: Jetzt werden wir mal ganz konkret, Malte, du sagst, es ist völlig unrealistisch. Warum eigentlich, gerade angesichts der Tatsache, dass ja einige europäische Länder genau den umgekehrten Weg gehen und jetzt einsteigen in die Atomenergie?
Sprecher 6: Ja, das ist deswegen unrealistisch, weil es im Moment die teuerste Form ist, Energie zu erzeugen. Mal konkret gucken, wer im Moment gerade baut. Dann ist das in Großbritannien, wo in Hinkley Point C. So ein Doppelreaktorblock gebaut wird, der sollte ursprünglich 2017 fertig werden. Jetzt wird er 2029 bis 2031 fertig. Er sollte auch mal 21 Milliarden kosten. Die derzeitigen Schätzungen liegen zwischen 52 und 59 Milliarden. Ähnlich war die Entwicklung in Frankreich. Die sind auch in Flamanville. Der ist ja gerade fertig geworden. Statt 2012, 2024 dann fertig geworden. Und statt 3,3 Milliarden hat das dann 19 Milliarden gekostet. In Finnland mit Okilo Uto war es nicht viel besser. Das sind also so die Punkte, auf die man sich einstellen muss. Es dauert ewig und es ist sehr, sehr teuer. Deswegen, abgesehen davon, gibt es auch gar nicht so richtig viele Unternehmen, die im Moment Atomkraftwerke bauen. Für diesen großen Boom, der da angekündigt ist, wäre die Frage, wie realistisch das schon unter dem Gesichtspunkt ist. Aber vor allem ist es aus meiner Sicht so, dass es nicht wirtschaftlich zu betreiben ist. Das sagt auch der RWE-Chef, das sagte der Siemens Energy-Chef kürzlich. Es gibt einfach keine Atomkraftwerke, die sich ohne massive Subventionen rechnen.
Sprecher 3: Okay, also der Bau der Atomkraftwerke, halten wir fest, wäre sehr teuer. Der Wiedereinstieg wäre sehr teuer. Und trotzdem sagen ja Ökonomen, zum Beispiel Veronika Grimm, für den Strompreis in Deutschland würde es sich doch positiv auswirken, Atomstrom auch einzuspeisen. Da ging es noch damals um den Weiterlauf der drei Atomkraftwerke, die mittlerweile abgeschaltet sind. Außerdem kaufen wir ja, auch das ist ja unstreitig, zuweilen Atomenergie aus dem europäischen Ausland ein. Ist das nicht am Ende dann ziemlich heuchlerisch?
Sprecher 6: Ob das heuchlerisch ist, kann man darüber streiten. Ich finde ehrlich gesagt nicht. Das ist ja normal, dass man im europäischen Strommarkt immer da, wo es gerade den günstigsten und den meisten Strom gibt, da bezieht man. Deswegen exportiert Frankreich im Sommer viel Atomstrom. Im Winter brauchen sie ihn selber, um ihre Stromheizung damit zu betreiben. Umgekehrt exportieren wir viel Wind- und Sonnenstrom nach Frankreich. Der meiste Strom, den wir importieren, ist tatsächlich aber auch Strom aus erneuerbaren Energien. Atomkraft macht bei den Importen nicht den größten Teil aus. Und insofern, ja, das ist so. Aber das ist jetzt kein Argument aus meiner Sicht, neue Atomkraftwerke zu bauen.
Sprecher 2: Vielen Dank, Malte. Helene, wir müssen mal über die europapolitische Offensive von Friedrich Merz reden.
Sprecher 3: Ja, da hat er ja schon einiges getan. Er war in Paris, er war in Warschau, er war in der Ukraine. Für Friedrich Merz ist es wichtig, sich als Staatsmann zu präsentieren, auch auf internationalem Parkett. Denn wir kennen Bilder von dem Kanzler und von dem Vizekanzler, wie die irgendwelche Staatsbesuche gemacht haben mit der deutschen Hymne. Von Friedrich Merz kennt man es nicht und da hat er Nachholbedarf.
Sprecher 2: Ja, und es gibt ja immer diesen Malus, wenn man eben aus der Opposition in ein Regierungsamt will. Da gibt es die berühmte Churchill-Frage. Wem würde man das Land in einer großen Krise anvertrauen? Und da muss einer natürlich mit außenpolitischer Expertise glänzen, die er ja gar nicht haben kann als Oppositionspolitiker. Aber er hat zahlreiche Einladungen wohl aus europäischen Staatskanzleien.
Sprecher 3: Und jetzt könnte es sein, dass er auch nach Großbritannien fliegt, denn es gibt Gerüchte, dass Keir Starmer, ausgerechnet der Premierminister, dem nun Olaf Scholz nahe steht, weil sie beide Sozialdemokraten sind, das ausgerechnet der Friedrich Merz eingeladen haben soll.
Sprecher 2: Genauso ist es. Die CDU-Pressestelle sagt zwar, das sei nicht geplant, eine Reise, aber die Informationslage ist schon recht dicht, dass Keir Starmer durchaus schon einen Termin im Blick hatte, nämlich kommende Woche Mittwoch. Ob es dazu kommt, es gibt unterschiedliche Informationen. Immerhin hat Friedrich Merz natürlich einen Wahlkampf zu bestreiten in Deutschland. Und jeder Tag, wo er im Ausland ist, kann da natürlich keine Wahlkampf. Kampfveranstaltungen im Inland gemacht werden. Auf der anderen Seite wäre es ein sehr gutes Signal zu sagen, ich kann sogar mit sozialdemokratischen Staatschefs im europäischen Ausland sehr gut, vor allem mit dem Scholz, so gut kann.
Sprecher 3: Genau, das wäre auch eine ziemliche Breitseite gegen Olaf Scholz, wenn der dann sehen müsste, wie Friedrich Merz neben Keir Starmer posiert. Auf diese Bilder kommt es an, das ist richtig. Und gleichzeitig rennt den Wahlkämpfern die Zeit weg. Es sind nur noch rund 40 Tage. Da zählt jeder Tag zu, weil Friedrich Merz ja auch ansonsten europapolitisch einiges tut. Nächste Woche steht seine große europapolitische Rede bei der Körperstiftung an.
Sprecher 2: Genau, und da wird der Grundsatz es skizzieren. Man hofft bei der CDU darauf, dass er eine transatlantische Grundsatzrede halten kann. Der Mann hat ja immer in seiner politischen Karriere im Europäischen Parlament begonnen. Wie ein starkes Europa innerhalb des transatlantischen Bündnisses funktionieren kann, so viel die Hoffnung. Und vorher kommen immerhin zehn europäische Staats- und Regierungschefs und Parteichefs zu ihm nach Berlin ins Adenauer Haus.
Sprecher 3: Es gibt noch einen Verdacht, warum er vielleicht auch nicht so gern nach Großbritannien fährt. Und dieser Verdacht hat den Namen Elon Musk. Denn Keir Starmer ist nun wirklich ins Visier geraten des Tech-Milliardärs und X-Eigentümers und wird nun gehörig attackiert. Und möglicherweise hat Friedrich Merz Angst, in diesen Strudel reingerissen zu werden.
Sprecher 2: Ja genau, es vergeht kein Tag, wo Elon Musk nicht Keir Starmer ins Visier nimmt, der angeblich als Oberstaatsanwalt und Chefermittler Großbritanniens vor vielen, vielen Jahren mal einen Missbrauch... Ring nicht adäquat aufgearbeitet hat, so zumindest der Vorwurf. Jedenfalls ist Friedrich Merz vielleicht auch deswegen nicht wirklich gewillt, raus zu fliegen nach London. Aber immerhin an diesem Wochenende in Berlin, Helene, kommen nicht nur mit Mitsotakis, einer der im Moment gerade Vorzeigekonservativen, der einen unglaublichen griechischen wirtschaftlichen Aufstieg hinter sich hat, sondern es kommt auch Michel Barnier, es kommt Roberta Mezzola, die Präsidentin des Europäischen Parlaments. Also da gibt es auch schon gute internationale Bilder.
Sprecher 3: Und am Ende muss Friedrich Merz nicht die internationalen Partner überzeugen, sondern die Deutschen, die Wahlberechtigten hier im Land. Da steht Friedrich Merz zwar ganz gut da, aber die hoffen natürlich noch auf den Schlussspurt. Wir erinnern uns, wir haben mal über die absolute Mehrheit für die CDU hier diskutiert. Da ist noch ordentlich Luft nach oben.
Sprecher 2: Ja und Allensbach, die Lieblingsdemoskopin der Union, Frau Renate Köcher, hat Ihnen ja in Hamburg auch erklärt, dass es die Themen Wirtschaft und Migration sind, auf die es ankommt. Also mit der Europapolitik kann man keine Wahl gewinnen, aber vielleicht kann man sie verlieren, wenn man sich besonders dämlich anstellt auf dem internationalen Parkett. Also wir warten zumindest mal auf alle möglichen Reaktionen nach einer Wahl von Donald Trump. Dann rückt die Außen- und internationale Politik sicherlich auch in diesem Podcast, also nächste Woche, wieder ein wenig mehr in den Fokus.
Sprecher 3: Am Montag Inauguration in Amerika, in Washington und dann werden außenpolitisch die Uhren sowieso nochmal neu gestellt.
Sprecher 2: Er ist Unternehmer, Philosoph, Bestsellerautor, Ex-Handballer und Norweger bei Heart & Mind. Hier ist Anders Inzet. Ich freue mich, dass du bei uns im Podcast bist. Schönen guten Tag, Anders.
Sprecher 7: Sehr gerne, Michel. Sehr gerne bin ich bei euch.
Sprecher 2: Wir müssen mal ein paar Tage vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos über Leadership reden. Was macht das eigentlich aus deiner Sicht in diesen völlig unruhigen, verrückten Zeiten aus?
Sprecher 7: Wenn wir auf die hiesige Wirtschaft schauen, geht es vor allem um eine Sache. Das ist die Fähigkeit, die Zukunft zu antizipieren. Dass ich auch eine Art Zukunftsvision entwerfe, die Mitarbeiter auch mitnehme und in der Schnittstelle zwischen Optimismus und Pessimismus einen Possibilismus an den Tag lege, wo ich verstehe, was exponentielle Technologien nicht nur mit der Wirtschaft macht, sondern mit den Menschen und auch mit der Gesellschaft. Und das, glaube ich, ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die auch hierzulande wenig ausgeprägt ist, nämlich die Zukunft zu antizipieren.
Sprecher 2: Aber du sprichst natürlich etwas an, was ja nahezu unmöglich ist. Gerade diese strategische Perspektivfähigkeit, wie ich es mal nennen möchte, ist ja bei dem, was hier tagtäglich auf uns einprasselt und so unvorhersehbar ist, ja kaum erlernbar oder denkbar.
Sprecher 7: Ja, im Land der Dichter und Denker die Wiege der Kunst unrecht zu haben, also das Denken an sich, sollte das ja möglich sein. Und die künstliche Intelligenz wird uns womöglich... Ich will es dazu zwingen, wieder zu denken, dass wir auch Sachen hinterfragen. Das ist, glaube ich, was ja eigentlich im deutschsprachigen Kulturraum sehr ausgeprägt sein sollte. Ich erlebe eine sehr reaktive, teils reaktionäre deutsche Wirtschaft, europäische Wirtschaft. Und deswegen hecheln wir auch jegliche technologische Welle hinterher, was ja auf Zeit natürlich sehr ermüdend wirkt. Und dann kriegen wir eine untätige, fast untoten Gesellschaft, die nur noch funktioniert und reagiert. Und die wird pessimistisch, die wird negativ und das erleben wir gerade. Und diese Umwälzung, Umkehrung, diese Haltung in Deutschland, Land des positiven Fortschritts, das brauchen wir.
Sprecher 2: Das ist ja ein schönes, eigentlich wohliges... Szenario, diese Possibilities in Deutschland, ist Leistung oder Leistungsbereitschaft ja immer so ein bisschen negativ konnotiert. Es geht um Anstrengung, um Arbeiten und man spürt quasi den Schweiß auf der Stirn dieser Gesprächsteilnehmer. Wie kriegt man denn da mehr positive Vibes in dieses Szenario?
Sprecher 7: Wenn Leistung reaktiv ist, das heißt, ich erledige Aufgaben, ich muss was, dann wird es sehr ermüdend. Habe ich eine gewisse Agency, eine innere gestalterische Kraft, dann wird Leistung was sehr Schönes. Ich schaue gerne zu den sportlichen Erfolgen in meiner Heimat Norwegen, wo es gelungen ist, dass die Aktivität an sich, also die Wahrnehmung über den kleinen Fortschritt, die Mikroambition, das ist letzten Endes Erfolg. Und da spreche ich ja auch aus der persönlichen Erfahrung. Sportler und ehemaliger Hardcore-Kapitalist. Ich habe nie den Erfolg gespürt. Heute spüre ich einen sehr hohen Erfolg für mich, weil ich nehme wahr, dass ich jeden Tag so privilegiert bin, dass ich lernen darf. Und das, glaube ich, brauchen wir so eine Funkenaktivierung in der deutschen Gesellschaft. Da steckt ein unfassbares Potenzial. Und ich glaube, das kommt aus der intrinsischen Motivation, aus der Haltung. Und dann kann Leistung tatsächlich was sehr Schönes sein.
Sprecher 2: Aber dann hast du natürlich auch Erfolg anders definiert, als wir ihn bisher erlernt haben, nämlich mit harten mathematischen Kennziffern, Aufstieg, mehr Geld, mehr Einkommen, mehr Macht. Dein Erfolg, der dich glücklich macht, ist ja dann ein anderer.
Sprecher 7: Ja, und ich glaube, am Ende des Tages gilt das für die meisten Menschen, weil wenn du nur noch nach endlichen Zielen dein Leben ausrichtest, dann bist du immer in der Vergleich zu irgendjemand anders auf diesem Planeten immer noch weit hinterher. Die wenigsten von uns werden Nobelpreisträger oder Olympiasieger oder bauen Raumschiffe, die ins All fliegen. Und ich glaube, das ist das Wichtige zu erkennen in einer Zeit, wo wir alle vergleichen und immer Zugang haben zu all diesen Medienkanälen und alles, was um uns passiert, dass wenn du keine Basis hast, die eine gewisse intrinsische Motivation treibt oder ein Verständnis dafür, wie schön das ist, einfach zu wachsen und zu lernen. Und das ist ja im Endeffekt auch das, was alle diese großartigen Sportler erzählen, die Magie. Wenn du einen Marathon läufst, ist natürlich am Ende das Ziel, wenn du was gewonnen hast. Aber der Erfolg kommt im nächsten Schritt. Die Qualität deines Inputs ermöglicht einen hohen oder hochqualitativen Output. Alles im Leben ist Zins des Zins.
Sprecher 2: Du bist in einer Woche in Davos beim Weltwirtschaftsforum. Das, was du gerade sagst, scheint ja ein Kernbestandteil von gutem Führen in der heutigen Zeit zu sein. Kann man das jemandem beibringen?
Sprecher 7: Ja, ich glaube tatsächlich hat es nicht nur mit Führung zu tun, sondern auch mit dem wunderschönen Thema Mensch zu sein zu tun. Wir haben ein Bildungsmodell, der auf Wissensvermittlung ausgelegt ist. Wir sollen was werden, endliche Ziele. Wir kriegen sogar einen Abschluss. Wir schließen die Bildung ab. Und ich glaube, das ist so ein fundamentales Verständnis, dass die Bildung im Zeitalter der unendliche, kostenlose Zugang zu Wissen ist nicht die Wissensvermittlung, sondern wir brauchen eine Art Gesellschaft des Verstandes, wo die Menschen darüber nachdenken, was glaube ich wirklich. Und da haben wir ein unfassbares Kulturgut im deutschsprachigen Raum, von der Kunst recht zu haben, die Optimierungsgesellschaft, hin zu einer Kunst Unrecht zu haben. Wenn wir solche Menschen von der Wiege aus mitnehmen, dann glaube ich, dass das die Konsequenz daraus ist, Führungskräfte, die so handeln und denken.
Sprecher 2: Die politischen Führungspersönlichkeiten, die erfolgreich gerade sind, machen all das, was du eben gesagt hast, aus meiner Sicht nicht. Alice Weidel, Sarah Wagenknecht, harte Rhetorik. Ausgrenzende Rhetorik, scharfe Rhetorik, da läuft es einem kalt den Rücken runter, wenn man Alice Weidels Parteitagsrede vergangene Woche gehört hat. Warum fallen Menschen dann doch auf so eine eben nicht zuversichtlich optimistische Führungsperson rein?
Sprecher 7: Jetzt können wir uns aus meiner Haltung her glücklich schätzen, dass Wagenknecht bislang in diesem Wahlkampf aus meiner Sicht ein wenig blass rüberkommt und nicht so diese Welle der Euphorie für ihre Agenda aufbringt. Und bei Alice Weidel sehen wir ganz klar, die hat jetzt die günstige Stunde genützt und widmet sich einer technokratischen Lösung, sage ich immer. Und das ist ja das, was ich auch in den Medien darüber geschrieben habe, dass der mächtigste Mann der Welt ist nicht Donald Trump, sondern dahinterliegende ein Mark Andreessen, ein Jeff Bezos, ein Mark Zuckerberg und vor allem Elon Musk, die die Technokratie und die technologischen Möglichkeiten beherrschen. Und das erkennen wir in Deutschland mit einer wahnsinnigen raschen Entwicklung in diesen Tagen. Und ich glaube, das wird völlig unterschätzt, was es bedeutet, wenn man sich heute bei X, also bei Twitter registriert, dann wird man aufgefordert, mindestens eine Person zu followen. Und ich hatte ausgewählt, ich interessiere mich für Technologie und Investment. Und mir wurde vorgeschlagen, dass ich natürlich im globalen Kontext Elon Musk oder Bloomberg folgen soll. Und auf dritter Stelle erscheint Alice Weidel. Für Deutschland war es ja an erster Stelle vor der Zeitung Welt. Und dann sehen wir, mit welcher Macht eine subtile Manipulation durch die technologische Möglichkeiten heute möglich sind. Ich glaube, man muss verstehen, dass der Mittel dagegen kann kein Machtanspruch und ein Kampf dagegen zu sein, sondern es muss auch vor allem eine gestalterische Power, wo wir sagen, wir gehen in die gemeinsame Richtung. Und das würde ich, glaube ich, aus der historischen Wahlkreis der Mitte, würde eher mehr Menschen aktivieren. Jetzt mache ich mir Sorgen, dass wir nicht diese Wählerkreise genüge aktivieren und dann wandern natürlich durch die technologische Möglichkeiten viele junge Leute in den Flügeln der extremen Wahlpositionierung links oder rechts. Da habe ich schon eine Befürchtung, dass wir in den nächsten Wochen unterschätzen, welche Bedeutung das in der heutigen Zeit hat. Eine solche Internetwahl, die wahrscheinlich jetzt die erste ist in Deutschland. Und wir werden da im März sicherlich viel darüber diskutieren, was es für die Zukunft heißt. Aber es wäre auch wichtig, in den nächsten Wochen auch zu erkennen, dass das im Voller Gange ist.
Sprecher 2: Spätestens nach der Wahl werde ich unbedingt nochmal mit dir reden müssen, denn Technokratien brauchen wahrscheinlich echte leidenschaftliche Demokraten wie dich, um sie zu bekämpfen. Und deswegen hören wir jetzt aber zuversichtlich auf und mit dem wunderbaren Ernst Ferstel, dem österreichischen Dichter, der gesagt hat, Zuversicht ist Einsicht auf Aussicht. Und ich glaube, wir sind noch nicht am Ende dieses Schreckensszenarios. Wir warten mal ab, was da kommt. Vielen Dank für dieses Gespräch, Anders, und bis zum nächsten Mal.
Sprecher 7: Danke dir.
Sprecher 3: Michael, war noch was?
Sprecher 2: Ich möchte mit dir über dein Sternzeichen reden.
Sprecher 3: Mein Lieber, ich bin so glücklich über mein Sternzeichen. Wir sind zu Hause eine Familie von Löwen.
Sprecher 2: Was heißt das eigentlich ganz genau, so eigenschaftsmäßig laut Horoskopen und so?
Sprecher 3: Wahnsinnig freundlich, outgoing, sonnig, sonniges Gemüt, kraftvoll und einfach sehr... Sagen wir mal sprühende Menschen. Hast du das auch nicht bemerkt? Allerdings auch manchmal geht es auch hoch her. Oh, jetzt habe ich was gefunden. Deswegen eine Familie, wenn drei von vieren Löwen sind, dann geht es schon manchmal auch hoch her.
Sprecher 2: Meine Damen und Herren, darf ich Ihnen bitte vorlesen. Das ist die Definition von Helene Bubrowski über das Sternzeichen Löwe. Hier kommt die offizielle. Achtung, der Löwe ist feurig und unabhängig. Er liebt Partys, steht gerne im Mittelpunkt und holt sich das, was er will. Auch wenn es viel Arbeit kostet. Der Löwe ist nicht besonders diskret, weiß häufig alles besser und ist wenig kompromissbereit. Das Sternzeichen ist ehrgeizig und gibt sich nie auf.
Sprecher 3: Ich finde das nicht so schlecht oder auch nicht völlig unpassend.
Sprecher 2: Danke, dass du das jetzt gesagt hast. Ich äußere mich dazu weiter nicht. Ich möchte mich bedanken für den bayerischen Löwen, den du mir gestern aus Kloster Banz mitgebracht hast, der jetzt mit meinem kölschen Geißburg jeden Tag bei uns im Büro knuddelt.
Sprecher 3: Außerdem, Michael, der Kinofilm Mufasa. Hast du ihn schon gesehen?
Sprecher 2: Nein, aber ich werde ihn definitiv gucken, weil schon der König der Löwen so schön war.
Sprecher 3: Also meine Kinder haben ihn gesehen, sind ganz begeistert, eigentlich nur in der 2D-Version. Und das war jetzt... schon für kleinere Kinder ganz schön beeindruckend. Also 3D, weiß ich nicht, da springt einem, glaube ich, wirklich der Löwe ins Gesicht.
Sprecher 2: Und ich schaue mir jetzt mit meinen Kindern nochmal den König der Löwen an und freue mich jetzt schon auf den wunderbaren Song Circle of Life. Hier ist der Elton John.
Sprecher 8: Come on.