++Nur eine Krankenkasse für alle? ++Frauen in der israelischen Armee ++ Carlo Masala im Kurzinterview ++
Dauer: 23:51

++Nur eine Krankenkasse für alle? ++Frauen in der israelischen Armee ++ Carlo Masala im Kurzinterview ++

Wie ließe sich ein Anstieg der Krankenkassenbeiträge eindämmen? Ist eine Einheitskasse die Lösung?

Wie sehen die anderen neuen Vorschläge zur Finanzierung unseres Gesundheitssystems aus?

Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, sieht Einsparpotenziale bei den Kassen.


Außerdem sprechen wir über die voraussichtlich wachsenden Verteidigungsausgaben, die auf Deutschland zukommen.

Der Verteidigungs- und Sicherheitsexperte Carlo Masala, Professor an der Bundeswehruniversität München, rechnet damit, dass die Bundesrepublik in Zukunft deutlich mehr als 2 Prozent des BIP für Verteidigung aufwenden muss.


In der israelischen Armee kämpfen deutlich mehr Frauen als in anderen Armeen der Welt – auch im Kampf gegen die Hamas sind sie im Einsatz.

Wir haben mit unserer Kollegin Vera Weidenbach in Tel Aviv über die Rolle der Soldatinnen gesprochen.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Weniger Netto vom Brutto, das ist das, was viele Arbeitnehmer seit dem 1. Januar erleben. Unter anderem auch, weil die Krankenkassenbeiträge durch die Decke gehen. Nun gibt es viele neue Vorschläge. Der Sozialverband will eine Einheitskasse. Der Allianz-Chef die Einführung eines Karenztages. Und Kassenchef Andreas Gassen hat ganz andere Ideen, nämlich zum Beispiel Leistungskürzungen. Wir haben mit ihm gesprochen.

Sprecher 3: Der barbarische Angriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hat vieles verändert, auch in der israelischen Armee. Reservisten wurden zurück in den aktiven Dienstberufen. Weltweit kamen Israelis zurück, um zu kämpfen, darunter auch viele Frauen. 40 Prozent der IDF, also der Israeli Defense Forces, sind Frauen. Wir haben mit unserer Kollegin Vera Weidenbach in Tel Aviv über die Rolle der Soldatinnen gesprochen.

Sprecher 2: Eine der ersten Maßnahmen einer neuen Bundesregierung, egal ob sie wollen oder nicht, werden die Verteidigungsausgaben sein. Wenn es nach Donald Trump geht, müssen sie sich gerade in Deutschland mindestens verdoppeln. Geht das eigentlich? Und wenn ja, was bedeutet das für unseren Haushalt und unsere? Carlo Masala, der Sicherheitsexperte und Politikwissenschaftler an der Bundeswehr-Universität, erklärt uns, wie das gehen könnte.

Sprecher 3: Es ist Dienstag, der 14. Januar, ein Monat vor Valentinstag.

Sprecher 2: Seit dem 1. Januar sind die Krankenkassenbeiträge deutlich teurer geworden. Für die Arbeitgeber, für uns Arbeitnehmer bleibt weniger übrig. Im Schnitt liegen die Beiträge inzwischen bei über 17 Prozent inklusive des durchschnittlichen Zusatzbeitrags. Und wenn es so weitergeht, steuern wir munter auf die 20 Prozent. So was können wir also tun? Den einen Vorschlag kennen Sie. Der Allianz-Chef fordert einen Karenztag. Also den ersten Krankheitstag sollten möglicherweise die Arbeitnehmer selbst bezahlen und nicht die Kassen. Jetzt kommt die Präsidentin des Sozialverbandes, Frau Bentele, und hat eine noch radikalere Idee. Einfach eine Einheitskasse. Alle rein, gesetzlich und privat. Elene, was ist deine Meinung?

Sprecher 3: Ganz neu ist diese Idee. Nicht vielen sind ja die privaten Kassen ein Dorn im Auge. Und es ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen, dass wir diese Zweiklassengesellschaft haben. Das kann ich sagen als jemand, die in ihren ersten Lebensjahren bis nämlich zum 27. Lebensjahr privat versichert war und dann in die gesetzliche Versicherung gegangen ist. Ich muss sagen, so schlimm war es am Ende nicht, aber doch eine gewisse Umgewöhnung, dass man damals gewohnt war, irgendwo anzurufen und sofort einen Termin zu kriegen und dann sich erstmal auf die Suche machen durfte nach Ärzten. Und abgewiesen wurde an Türen, wo es hieß, nein, hier leider nur Privatpatienten. Und man dann doch, das sieht man ja jeden Monat auf seiner Gehaltsabrechnung, eine ganz schöne Stange Geld für die Krankenkasse bezahlt und jetzt eben nochmal mehr. Also die Idee, private Krankenkassen abzuschaffen. Ist an sich nicht verkehrt, aber man darf sich auch nichts vormachen. Die Lobby der privaten Krankenkassen ist sehr, sehr... sehr groß und insbesondere natürlich die ganzen Beamten, die dort versichert sind, die auch noch Beihilfe kriegen, die wollen das alle nicht. Deshalb meine ich nicht, dass es so kommen wird.

Sprecher 2: Also ich habe ein anderes Problem damit. Als gesetzlich Versicherter, finde ich, sollten wir nicht mehr Geld in ein ineffizientes System bringen, sondern erst mal das System reformieren, bevor wir vielleicht weitere Gruppen hineinbeziehen, zum Beispiel Selbstständige und Beamte. Da bin ich tatsächlich der Meinung, das sollte allmählich mal eine Art Grundkasse geben für alle. Und dann kann man sich vielleicht ja privat zubuchen, was man haben möchte. Jedenfalls wird zu viel Ineffizienz im System im Moment zugelassen. Und deswegen müssen wir immer darüber reden, welche versicherungsfremden Leistungen eigentlich alle von der Kasse bezahlt werden, die da gar nicht mehr reingehören. Aber wie so oft, wenn das Geld fehlt, soll Neues hinzukommen, anstatt dass man das System effizienter macht.

Sprecher 3: Noch eine Idee wabert dieser Tage durch Berlin und sie kommt vom Wirtschaftsminister Robert Habeck, der fordert, dass in Zukunft auch bei Kapitalerträgen Krankenkassenbeiträge gezahlt werden müssen. Das heißt, man muss auf Kapitalerträge nicht nur Steuern zahlen, sondern eben auch Sozialabgaben. Man hat am Ende also noch weniger raus, könnte man sagen. Andererseits könnte man sagen, wer Kapitalerträge erwirtschaftet, hat wahrscheinlich auch mehr Geld und kann sich das möglicherweise leisten. Also ist es am Ende ein kleiner Teil der großen Gerechtigkeitsdebatte.

Sprecher 2: Ja, und ich finde auch die schwierig, wenn man Kapital jetzt schon wieder mehr belastet, anstatt eher zu überlegen, wie man Arbeit weniger belastet. Dann habe ich wieder eine schiefe Debatte. Aber gut, 260 Milliarden Euro zahlen die Kassen. Zusammen derzeit an Gesundheitsleistungen nur 13 Milliarden Euro geben sie für die Verwaltung aus. Also die Einsparungen im System sind natürlich auch begrenzt. Die Einsparungen bei den Leistungen allerdings, die sind möglich. Und vielleicht reden wir mal mit einem, der diese Leistungen organisieren muss, nämlich dem Chef der Ärzte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Er ist Orthopäde in Düsseldorf. Wir haben ihn gefragt als erstes, was hält er eigentlich von dem Vorschlag des VdK von Frau Bentele, die Einheitskasse möglich zu machen, um mehr Geld ins System zu spülen. Hier ist seine Antwort.

Sprecher 4: Die Krankenkassenbeiträge gehen ja nicht zuletzt deshalb durch die Decke, weil die gesetzliche Krankenversicherung mit vielerlei Kosten belastet wird, die originär überhaupt nichts mit Krankenversorgung zu tun haben. Denken wir einfach an die nicht ausfinanzierten Leistungen für die ALG-II-Empfänger. Das ist der Punkt, an dem man ansetzen müsste. Forderungen nach Einheitskassen, die ja wohlfall jedes Jahr erhoben werden, wie der VdK sie erhebt, ist zum einen inhaltlich Unfug, weil allein die Unterstellung, dass dadurch mehr Beitragsgelder in Einkommen erstmal bewiesen werden müsste, da ein Großteil der unter anderem Privatversicherten ja häufig Kleinunternehmer sind, dass alle mehr einzahlen, ist natürlich ein probates Mittel, um hohe Beiträge abzufüllen. Davon werden die Beiträge an sich aber ja noch nicht niedriger. Auch der Vorschlag von Robert Habeck, jetzt auch noch Kapitaleinkünfte mit Krankenkassenbeiträgen zu belegen, zielt ins Leere, weil häufig ist das ja bereits versteuertes Geld. Das würde dann zum zweiten Mal herangezogen. Und wenn man jetzt insbesondere Menschen zur privaten Vorsorge beibringt, beispielsweise auch über Aktien anhalten will, dann macht es natürlich wenig Sinn, die gleichzeitig auch noch mit Sozialabgaben zu lasten. Insgesamt muss die Tendenz da sein, die Sozialabgaben zu senken und nicht einfach nur zu schauen, wo man mehr Geld herbekommt. Und das ginge zum Beispiel nachhaltig, dass man im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung sich auf die Aufgaben beschränkt, die laut SGB V originär mal für die gesetzliche Krankenversicherung gedacht waren.

Sprecher 3: Und dann haben wir Herrn Gassen noch gefragt, wo man denn in seinen Augen Einsparungen vornehmen könnte.

Sprecher 4: Die Ausgaben der Krankenkassen mit 62 Milliarden Euro für Gesundheitsleistungen sind natürlich nur Teil der Wahrheit. Wie gesagt, einige dieser Leistungen sind ja nicht gegenfinanziert. Zum anderen haben wir natürlich Bereiche, wo die Ausgaben jedes Jahr kontinuierlich ansteigen. Jetzt kam noch eine Reformagenda von Karl Lauterbach dazu, die letztlich auch bisher nur Geld kostet und natürlich nichts einspart. Allein der Krankenhaussektor schlägt dieses Jahr mit rund 100 Milliarden zu Buche. Das Krankenhaus-Thema ist ein altbekanntes. Hier ist jetzt mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz ein Schritt gemacht worden, der aller Voraussicht nach nicht wirklich erfolgreich sein wird. Man kann auch davon ausgehen, dass die neue Bundesregierung dieses Gesetz nochmal intensiv nachbearbeitet, ob es damit gelingt. Die ständig anwachsenden Krankenhauskosten in den Griff zu bekommen, bleibt abzuwarten. Das wäre aber sicherlich ein richtiger Ansatz. Auch bei der Frage, kann man bei Medikamentenkosten Geld sparen, stellt sich sicherlich. Im Bereich der ambulanten Versorgung, der ärztlichen ambulanten Versorgung, haben wir ja ohnehin eine Budgetierung. Das heißt, jede zehnte Leistung wird ohnehin. Hin nicht bezahlt. Hier kann man sicherlich darüber sprechen, ob es bei knappen Kassen Sinn macht, den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung einzuschränken. Da stehen wir natürlich gerne für Gespräche zur Verfügung. Wo wir nicht zur Verfügung stehen, ist, wenn es darum geht, dass die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland noch mehr Leistungen ohne Finanzierung erbringen sollen. Das kann auch nicht allen Ernstes ein Vorschlag sein, um die gesetzliche Krankenversicherung zu entlasten.

Sprecher 2: Jedenfalls bin ich froh eigentlich, Helene, dass die Sozialstaatsdebatte endlich beginnt. Bei fast 44 Prozent Lohnzusatzkosten ist das der echte Hemmschuh für Wachstum und Wohlstand in diesem Land. Und viele Nebendebatten sind es nicht. Insofern können wir uns freuen, wenn im Wahlkampf diese zentralen innenpolitischen Grundsatzdebatten endlich geführt werden.

Sprecher 3: Ja, und die werden eben auch durchaus kontrovers geführt. Karl Lauterbach, der Gesundheitsminister, hat sich nun gegen Habeck gewendet und gesagt, das sei nicht der richtige Weg, eben auf Kapitalerträge noch mehr zu zahlen, sondern erfordert, dass die Privatversicherten selbst stärker in die Pflicht genommen werden, wobei auch die Privatversicherten schon ziemlich belastet sind. Auch das ist in manchen Fällen ganz schön tückisch, wenn man sich als junger, gut verdienender Privatversicherer lässt, kann das im Alter ganz schön böse enden, wenn nämlich die Beiträge immer weiter steigen und man kommt aus der privaten Versicherung nicht mehr raus. Also auch das nicht ganz ohne, abgesehen davon finde ich natürlich sowieso, dass diese Neiddebatten in Deutschland, wer zahlt eigentlich am meisten und wer kriegt am wenigsten und so weiter, uns nicht weiterbringen. Das Gesundheitssystem ist am Ende ein Solidarsystem. wo alle einzahlen und manche, und das sind die Kranken, mehr profitieren als andere.

Sprecher 2: Vielleicht muss man auch weder Habeck noch Lauterbach noch Gassen machen und einfach auf McKinsey hören. Die haben eine wunderbare Studie herausgegeben, wo sie sagen, eigentlich geht es gar nicht um Leistung. Wenn ihr das Gesundheitssystem digitalisieren würdet, noch mehr von Online-Interaktionen, papierloser Datenverarbeitung möglich macht, dann könntet ihr 42 Milliarden Euro im System sparen. Das wären etwa 12 Prozent der gesamten Ausgaben, ohne dass eigentlich irgendeiner wirklich was abgeben muss.

Sprecher 3: Seit dem 01.01.2001 können Frauen uneingeschränkt Karriere bei der Bundeswehr machen. Tanja Kreil hatte das damals vor dem Europäischen Gerichtshof erstritten und ja tatsächlich ein Meilenstein bedeutete das einerseits für die Bundeswehr, andererseits auch für die Emanzipation der Frauen. In anderen Ländern war man da schon deutlich schneller, zum Beispiel in Israel, wo es seit 1949 sogar einen Wehrdienst gibt für die Frauen.

Sprecher 2: Ja, mehr als jede dritte Soldat in Israel ist eine Soldatin. Und das ist sehr interessant, weil vor allem die weiblichen Soldatinnen in Kampfeinheiten zu sehen sind, auch in Führungseinheiten. Und in den vergangenen Jahren sich die Zahl sogar vervierfacht hat. Also das ist schon eine erstaunliche Entwicklung.

Sprecher 3: Naja, zumal hier in Deutschland ja immer noch das Bild vorherrscht, dass für die richtig harten Einsätze eben Frauen doch nicht tauglich sind, was übrigens schon nicht mehr der Realität entspricht. Ich war mal auf Truppenbesuch in Mali mit der damaligen Kanzlerin Angela Merkel und da hat man auch viele Frauen gesehen, die dabei deutlich über 40 Grad in schwerer Montur waren und gefährliche Einsätze hatten. Aber das gesellschaftliche Bild ist ja immer noch davon geprägt, dass Frauen eben viele Jahre ausgeschlossen waren. Also in Israel ist es nicht so, das ist interessant. Und Michael, du hast mit der Kollegin Vera Weidenbach über die Rolle der Frauen in der israelischen Armee gesprochen. Vera ist momentan in Tel Aviv. Sie ist tätig für unseren Berlin Table und schreibt auch für die israelische Tageszeitung Haaretz. Einen schönen guten Tag nach Tel Aviv.

Sprecher 2: David, hallo Vera.

Sprecher 5: Hi Michael.

Sprecher 2: Wir wollen über die Frauen im IDF, also im israelischen Militär, reden. Haben sie eigentlich dort eine besondere Funktion, anders als in anderen westlichen Militärs?

Sprecher 5: Sie werden zum Wehrdienst eingezogen, müssen nicht kämpfen, also sie müssen nicht in Kampfeinheiten sein, aber sie sind generell ein Teil der israelischen Armee.

Sprecher 2: Man hat das Gefühl in den sozialen Netzwerken, Vera, dass sie gezielt auch mit Frauen in der Truppe werben, weil sie dort besonders schnell aufsteigen können oder weil es eine Imagefrage ist. Warum tut ihr als IDF das?

Sprecher 5: Also natürlich möchte sich das IDF als modern und fortschrittlich präsentieren. Aber man muss sagen, dass das ganz klar eine Errungenschaft der Frauen ist. Also Frauen haben sich diese Position erkämpft. Frauenorganisationen kämpfen noch immer dafür. 90 Prozent der Stellen in der IDF sind für Frauen zugänglich. Theoretisch, muss man sagen.

Sprecher 2: Und welche Sorgen und Nöte treiben die Frauen in der IDF um? Und hat sich was verändert nach dem Angriff der Hamas auf Israel?

Sprecher 5: Der hat es auf jeden Fall nochmal beschleunigt, dass Frauen präsenter sind in der Armee und jetzt zum ersten Mal eben auch an der Front kämpfen. Trotzdem sind die Vorurteile, die es immer gegen Frauen in der Armee gegeben hat, noch da. Vor allem von religiöser Seite. Dabei geht es noch nicht mal um die Ultraorthodoxen, sondern generell für konservative Juden sind getrennte Männer- und Frauendomänen sehr normal. Ganz aktuell kommt dann natürlich die Sorge hinzu, dass jetzt, wenn immer mehr ultrakonservative Juden eingezogen werden sollen, dass das zum Nachteil der Frauen geht. Also dass das, was sich die Frauen bis jetzt erkämpft haben, dass das dann wieder rückgängig gemacht wird. Weil eben eine Forderung der Haredim ist, dass wenn sie dienen, wogegen sie ja eigentlich noch protestieren, dass dann sozusagen die Frauen wieder verdrängt werden. Weil für Ultra-Orthodoxe ist die Präsenz von Frauen nicht tolerierbar. Und dann müssten eben ganze Militärbasen ohne Frauen auskommen.

Sprecher 2: Gibt es einen Rückhalt bei den Frauen im IDF für diesen Kampf im Gaza oder schwindet der?

Sprecher 5: Es wird als nationale Aufgabe gesehen, die Hamas zu eliminieren. Also die Kriegsziele werden schon auch von Frauen geteilt.

Sprecher 2: Hat Netanjahu die Unterstützung seiner Truppen für sein Vorgehen weiterhin?

Sprecher 5: Das ist schwierig zu sagen, weil es im IDF selten Stimmen nach außen dringen, die kritisch sind. Das ist, glaube ich, wie in jedem Militär einfach nicht erwünscht. Es gibt immer mal wieder Artikel, Meinungsbeiträge von Soldaten, die die schwierige Aufgabe beschreiben und auch das Leid beschreiben. Aber da gibt es noch keine nennenswerten Bewegungen, die sich gegen diesen Einsatz aussprechen.

Sprecher 2: Table.media slash security ist der Text von Vera nachzulesen. Vielen Dank für das Gespräch, Vera, und alles Gute nach Israel. Vielen Dank. Helene, du bist in Kloster Banz, ich war in Kloster Seon und du bist auch bei der CSU. Was machst du da eigentlich?

Sprecher 3: Ja, es ist die Tagung der CSU-Landtagsfraktion. Also eine Woche nach der Landesgruppe ist im schönen Kloster Banz wirklich herrlich gelegen auf einem Hügel. Im Oberfranken trifft sich die Landtagsfraktion und diskutiert und bereitet sich auf dieses Jahr vor. Guckt natürlich auch nach Berlin. Hier muntere Diskussionsrunde mit einigen illustren Gästen, unter anderem Carlo Masala.

Sprecher 2: Ja, der Militärexperte und Wissenschaftler an der Bundeswehr-Universität in München, der ist einer, der, muss man schon sagen, eine Klartext spricht in der Sicherheitspolitik. Und du hast sicherlich mit ihm auch über Trumps 5%-Forderung gesprochen, oder?

Sprecher 3: Genau, nicht über Trumps 5%-Forderung, sondern über die ganzen Zahlen, die derzeit in den politischen Raum geworfen werden. 3,5%, 3%, 2%. Ja, und in der Tat ist es ja einerseits ein munteres Zahlenspiel und andererseits wissen wir, wie schwer die Lage in der Ukraine ist, wie dringend sie angewiesen sind auf deutsche Unterstützung. Darüber habe ich mit Carlo Masala hier in Kloster Banz gesprochen. Hallo Carlo.

Sprecher 2: Hallo Helene.

Sprecher 3: Im Wahlkampf werfen Politiker nun verschiedene Zahlen in den Raum, wie viel sie denn nun künftig für Verteidigung ausgeben wollen. Robert Habeck hat gesagt 3,5 Prozent, Markus Söder 3 Prozent, Olaf... Scholz scheint 2% zu wollen, Friedrich Merz auch. Und Donald Trump? Sagt 5%. Was soll dieses Zahlenspiel?

Sprecher 6: Das Zahlenspiel zunächst einmal ist ein Ausdruck dessen, dass eigentlich jedem bewusst ist, dass für die Sicherheit mehr Geld aufgewendet werden muss. Dass wir uns gerade in einer Situation befinden, in der auch im Rahmen der NATO diskutiert wird, dass die 2%-Regel, die wir bislang hatten und die als Minimalziel definiert wurde, eigentlich nicht mehr ausreicht, dass es mehr sein muss. Und wir haben natürlich Bewegungen in den USA, weil Trump die 5% reinschmeißt und darauf will man reagieren. Also das ist der eine Punkt. Und der zweite Punkt ist ganz einfach, dass jetzt Zahlen in den Raum geworfen werden. Keiner aber genau sagt, bis auf Habeck, wie man eigentlich diese Summen finanzieren will am Ende des Tages.

Sprecher 3: Ja, das ist meine Anschlussfrage. Ist das eigentlich einfach nur ein wildes Nennen irgendwelcher Nummern? Inwiefern ist das hinterlegt mit Ideen der Finanzierung und ist das nicht deswegen auch total verlogen?

Sprecher 6: Es ist überhaupt nicht hinterlegt mit Ideen der Finanzierung, weil es eigentlich nur zwei Möglichkeiten der Finanzierung gibt. Entweder man lockert die Schuldenbremse, dazu wollen sich aber verschiedene Parteien aus verschiedenen Gründen nicht bekennen, oder aber man nimmt es aus dem existierenden Bundeshaushalt, was ungefähr bei drei Prozent bedeuten würde, ein Viertel des Bundeshaushalts gehen demnächst für Verteidigungen drauf. Und dann muss man natürlich die Frage stellen, wo kürzt man? Das will natürlich auch keiner beantworten. Also von daher ist es eigentlich nur ein Schaulaufen für die Klientel, die sozusagen möglicherweise ihre Wahlentscheidung mit Blick auf sicherheitspolitische Positionen der einzelnen Parteien trifft.

Sprecher 3: eine immer kleiner werdende Zahl in Deutschland ist.

Sprecher 6: Es ist eine immer kleiner werdende Zahl in Deutschland und wir sehen ja auch, dass der Versuch unternommen wird, zum Beispiel die ganze Frage der Ukraine-Hilfe aus diesem Wahlkampf rauszuhalten. Also das heißt, dieser Wahlkampf meidet eigentlich ein sehr zentrales Thema für die Bundesrepublik Deutschland, nämlich wie geht es weiter mit der Ukraine-Hilfe, wie verhalten wir uns mit Blick auf ein revanchistisches, neoimperiales Russland und wie sichern wir unsere eigene Sicherheit auch im Rahmen dieses Bündnisses. Das alles spielt bei diesen Wahlen keine Rolle, ist aber eine der zentralen Fragen, von der viele andere Fragen auch in politischer Natur abhängen werden in Zukunft.

Sprecher 3: Ja, interessanterweise hat man auch aus der CDU lange zum Thema Taurus oder anderem nichts mehr gehört. Olaf Scholz spricht vor allem von seinen Ideen, diplomatische Lösungen und Frieden herbeizuführen. Dieses Lager, das die Unterstützung der Ukraine kritisch sieht, wird immer größer. Aber Carlo, lass uns nochmal sprechen über das, worum es ja eigentlich gehen muss, nämlich die Frage, wie wichtig ist die fortwährende Unterstützung der Ukraine durch Deutschland? Welche Rolle muss Deutschland auch einnehmen nach dem Regierungswechsel in Amerika? Da kommt doch eigentlich, könnte man sagen, eine deutlich größere Verantwortung auf Deutschland zu. Was würdest du sagen, was ist eigentlich notwendig, was wir tun müssten?

Sprecher 6: Naja, es wird auf jeden Fall eine größere Verantwortung auf Deutschland zukommen, wird eine größere Verantwortung auf Europa zukommen, weil was das Trump-Lager schon signalisiert ist, dass alles, was nach einem möglichen Friedensschluss, Waffenstillstand zu tun ist, ist, durch die Europäer geschehen muss. Und das bedeutet letzten Endes, der Aufbau der ukrainischen Streitkräfte musste durch die Europäer geschehen, die Absicherung des Friedens muss durch die Europäer geschehen, letzten Endes auch die dauerhafte Abschreckung der russischen Föderation vor weiteren Aggressionen gegenüber dann der Ukraine oder gegenüber anderen Ländern, da kommt auf Deutschland eine führende und eine tragende Rolle zu. Und letzten Endes geht es jetzt um die Frage, bis möglicherweise Verhandlungen beginnen und bis möglicherweise irgendeine Art von Waffenstillstand oder sogar Friedensschluss in der Ukraine gefunden wird, geht es darum, der Ukraine zu helfen, die Front zu stabilisieren. Denn momentan sieht die Situation halt so aus, dass die Ukraine an Territorium verliert. Zwar nicht mehr so dramatisch, wie das noch vor einem Monat oder zwei Monaten der Fall war, aber sie verliert an Territorium. Und je mehr an Territorium sie verliert, desto schwächer wird ihre Ausgangsposition sein bei möglichen Verhandlungen. Und es ist im Interesse aller, dass die Ukraine aus ihrer Perspektive mit einer möglichst starken Position in diese Verhandlungen reingeht. Und das bedeutet weiterhin massive Unterstützung und zwar weitaus mehr, als in dem letzten Dreivierteljahr erfolgt ist, seitens der Bundesrepublik Deutschland, aber auch seitens anderer Europäer.

Sprecher 3: Was wäre deine Zahl?

Sprecher 6: Mit Blick auf einen Verteidigungshaushalt? Ich glaube, wir werden irgendwo zwischen 3 bis 3,5 Prozent landen.

Sprecher 3: Lieber Carlo, dein Wort in der Wahlkämpferuhr. Vielen Dank.

Sprecher 6: Ich danke dir.

Sprecher 2: Helene, wunderbar. War noch was?

Sprecher 3: Ich könnte natürlich hier von Kloster Wanz berichten und von den Kreuzen, die hier über den sehr schmalen mönchsähnlichen Betten hängen, aber das will ich nicht machen, sondern ich will dir erzählen von einer Meldung, die ich gestern gelesen habe. Es handelt sich um eine Studie aus Großbritannien und daraus ergibt sich, dass junge Menschen von heute durchaus Probleme damit haben, tatsächlich eine Glühbirne auszuwechseln.

Sprecher 2: Weil sie wahrscheinlich erstmal bei YouTube gucken, wie es geht, oder?

Sprecher 3: Naja, das wäre schön, wenn Sie erstmal bei YouTube gucken, wie es geht. Ich habe übrigens gestern Morgen gleich vier Leuchtröhren ausgewechselt, die ich nochmal umtauschen musste beim Baumarkt. Ich habe es aber geschafft. Ich finde, das ist keine Rocket Science und man darf sich bei diesen Dingen nicht so anstellen, sondern man muss es einfach machen.

Sprecher 2: Vielleicht haben die jungen Leute auch einfach gelernt zu delegieren.

Sprecher 3: Vielleicht auch das. Ich muss auch zugeben, dass ich in meinem Leben manche Dinge nicht lernen wollte, wie zum Beispiel Fahrradreifen flicken oder auch das eine oder andere Computerproblem selber lösen. Denn wenn man es selber kann, dann hilft einem niemand mehr. Ist ein bisschen fieser Trick. Ich mache es auch wirklich nur bei sehr wenigen Dingen, die ich wirklich nicht leiden kann. Glühbirnen auswechseln dagegen, finde ich, sollte jeder Mann und auch jede Frau mit einem gewissen Stolz doch noch tun. Andererseits, Haushaltsarbeit ist gefährlich.

Sprecher 2: Absolut richtig und die Studie hat interessanterweise auch noch ergeben, dass jeder Fünfte zwischen 18 und 27 in Großbritannien wohlgemerkt. Vielleicht ist es ja hier anders, nicht weiß, was ein Schraubenschlüssel ist.

Sprecher 3: Ja, das ist in der Tat erschreckend und man fragt sich, haben die Leute so eine Angst, dann doch zu verunfallen? Also man denkt an die ganzen Ausrutscher auf Leitern, sich auf die Finger hämmern und all das. Deshalb, Michael, YouTube-Video wahrscheinlich gar nicht so ein schlechter Tipp. Einmal sich vormachen lassen, wie man es macht, bevor man einfach losprobiert.

Sprecher 2: Und da können wir doch eigentlich jetzt nur mit dem Megasong der inoffiziellen Hymne für das deutsche Handwerk oder das internationale Handwerk kommen. If I had a hammer.

Sprecher 3: Und damit wünschen wir allen einen schönen Dienstag. Bis morgen.

Sprecher 2: Tschüss, auf Wiederhören.

Sprecher 7: I had a hammer in the morning. I had a hammer in the evening. All over this land. I had a hammer out of danger. I had a hammer out of warning. I had a hammer out of love. Between my brothers and my sisters. All over this land. If I had a bell, I'd ring it in the morning. I'd ring it in the evening. All over this land. I'd ring out danger. I'd ring out warning. I'd ring out love between my brothers and my sisters. All over this land. If I had a song, I'd sing it in the morning. I'd sing it in evening. All over this land. I'd sing out danger. I'd sing out warning. I'd sing out love between my brothers and my sisters. All over this land. Well, I got a hammer and I got a bell. And I got a song to sing all over this land. It's a hammer.

Sprecher 8: It's a bell of freedom. It's a song about love between the brothers and the sisters. It's a hammer of justice. It's a bell of freedom. It's a song about love between the brothers and the sisters.