Hat Scholz noch eine Chance?
Michael Bröcker und Helene Bubrowski diskutieren zum Wochenstart über die aktuelle Lage im Wahlkampf: Wie stehen die Chancen der SPD auf ein zweites Wahlkampfwunder nach der Rede von Olaf Scholz auf dem SPD-Parteitag? Mit welcher Strategie will Olaf Scholz das Blatt noch wenden?
Außerdem geht es um das Buch „Friedrich Merz – sein Weg zur Macht“, vorgestellt vom Autor Volker Resing, und die Frage, ob Merz’ klare Abgrenzung zur AfD glaubwürdig ist.
Thilo Boss vom CEO.Table spricht mit Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft, über die angespannte wirtschaftliche Lage der Fluggesellschaften und Flughäfen. Ist Deutschland tatsächlich ein „Luftfahrtfriedhof“?
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Die SPD, sie glaubt immer noch an das, ja vielleicht sogar zweite Wahlkampfwunder. Denn auf dem Parteitag am Wochenende wurde Olaf Scholz überraschend euphorisch von der SPD zum Kanzlerkandidaten nominiert und einige erinnern an die Aufholjagd von vor einigen Jahren. Wir fassen mal das Wichtigste vom Parteitag für Sie zusammen.
Sprecher 3: Heute erscheint ein Buch über Friedrich Merz mit dem Titel Friedrich Merz, sein Weg zur Macht. Und wir sprechen mit dem Autor Volker Resing darüber, ob diese jüngste Absage an die AfD glaubwürdig ist und auf wen er eigentlich hört.
Sprecher 2: Der Ryanair-Chef O'Leary ernannte Deutschland unlängst einen Luftfahrt-Friedhof. Es lohne sich hier überhaupt gar nicht mehr bald, Flüge überhaupt noch anzubieten. Viel zu teuer alles. Stimmt das wirklich? Unser Kollege Thilo Boss hat mit dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft Joachim Lang über die Lage in der Luft gesprochen.
Sprecher 4: Und heute ist der Tag der schlechten Wortwitze und deswegen ist das unser Flugplan für diesen Montag, den 13. Januar, losgehen.
Sprecher 2: Helene, es gibt noch Hoffnung. Die SPD, sie lag 2021 wenige Wochen vor der Wahl bei 14 Prozent und hat am Ende die Wahl gewonnen. Heute liegen sie bei 15 oder 16 und vielleicht glauben sie deswegen daran, dass das Kunststück wieder gelingt.
Sprecher 3: Ja, auf dem Parteitag gab es natürlich auch Basismitglieder, die doch noch etwas bedröppelt waren und sagen, naja, wir machen das ja für die gute Sache, wir glauben an die SPD, aber sie geben auch offen zu, das ist in den Umfragen derzeit noch nicht besonders gut, aussieht aber Betonung auf noch, denn die SPD ist ja tatsächlich ein bisschen schon geklettert.
Sprecher 2: Und Klingbeil attackiert munter Friedrich Merz. Er sei ein Spitzenkandidat im Winterschlaf, hat er gesagt. Und je mehr Menschen diesen Friedrich Merz doch kennenlernen würden, desto schlechter wäre es für die CDU. Und deswegen würden sie ihn verstecken, so das jüngste Narrativ der SPD.
Sprecher 3: Ihr Hauptgegner der SPD ist natürlich Friedrich Merz. Und das ist ganz interessant, weil sie eben mit diesem Narrativ ja eigentlich ausdrücken, Friedrich Merz ist ein unberechenbarer Mensch, ein Mensch mit fehlender Impulskontrolle, der sich nicht im Griff hat, der, wenn er denn öfter auftreten würde, ständig in einen Fettnapf nach dem anderen treten würde und Peinlichkeiten produzieren würde und so weiter und so fort. Man muss ehrlich sagen, dass Friedrich Merz das schon länger nicht passiert ist und dass er keine öffentlichen Auftritte hat. Das ist nun wirklich auch grob überzogen. Aber auf diese Art und Weise versucht Klingbeil, der Parteivorsitzende und heimliche Wahlkampfchef der SPD, so kann man es glauben, Ich sage, die Union anzugreifen.
Sprecher 2: Das eine sind die Attacken des Parteichefs, das andere ist dieses fürsorgliche Vater-Dasein, Landesvater-Dasein von Olaf Scholz, der aus meiner Sicht den einen zentralen Satz in seiner Rede gesagt hat, hören wir ihn uns mal kurz an.
Sprecher 5: Da darf niemand verschreckt oder verängstigt werden.
Sprecher 2: Ja, und dieser Satz, der gilt für die gesamte Politik von der Ukraine über die Klimaneutralität, die SPD als Beschützer und Bewahrer dieser persönlichen Sicherheit, das ist schon fast übergriffig, finde ich.
Sprecher 3: Ich finde das sehr übergriffig, ich finde das geradezu paternalistisch. Olaf Scholz sagt an anderer Stelle, die kleinen Leute sind ja gar keine kleinen Leute, sondern sie sind einfach nur normal. Er behandelt sie aber am Ende nicht wie Erwachsene, sondern er behandelt sie wie kleine Kinder, so kann man es doch sagen, indem er ihnen eigentlich nichts zutraut. Also da darf niemand verschreckt und verängstigt werden, heißt ja auch, die Leute sind zu schwach, zu klein, zu unsicher, um den Herausforderungen dieser Zeit gerecht zu werden. Und da bin ich wirklich der Meinung, man muss den Menschen signalisieren, dass man ihnen was zutraut. Also ich erinnere an den Satz, wir schaffen das, in dem steckt etwas sehr Kraftvolles. Also eine gemeinsame Anstrengung, dann können wir das auch gemeinsam schaffen. Also den Leuten auch Mut zu sprechen, meinetwegen auch mal Schweiß, Blut und Tränen ihnen zuzumuten. Aber überhaupt eine Zumutung, denn in diesem Land, und so kennt man es ja aus dem Privatleben, geht eigentlich nichts ohne Zumutung. Und einzulullen und zu sagen, Papa Staat oder Papa Olaf macht das schon. Ich finde, das ist, also ich habe richtig einen, mir widerstrebt es richtig, ehrlich gesagt, bei dieser. Art Politik zu machen.
Sprecher 2: Also jetzt wäre ich jetzt nicht gerade zu dem Wir-schaffen-das-Vergleich gekommen, aber umso schöner finde ich von dir den Papa. Ich musste spontan an Papa Schlumpf denken, aber auch diese Vergleiche mit Olaf Scholz, die sind ja nicht mehr erlaubt. Jedenfalls steckt dahinter ein Ziel von Olaf Scholz, denn er möchte die natürlich vorhandene Kriegsangst in Deutschland, auch den Unmut über das, was da in der Ukraine seit drei Jahren passiert und von uns im Grunde durch Waffen verlängert wird, so die These, will er ummünzen in Wahlkampfunterstützung für ihn. Man muss wirklich an Gerhard Schröder denken, der damals die Ängste der Deutschen gegen eine Kriegsbeteiligung geschickt nutzte im Wahlkampf und unter anderem damals im Fernsehen das hier sagte.
Sprecher 6: Sie können sich darauf verlassen. Dass meine Regierung unbeirrt jede noch so kleine Chance für den Frieden in der Welt nutzen wird. Ich habe geschworen, den Nutzen unseres Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Das gilt vor allem in Zeiten des Krieges. Ich werde mich daran halten und vertraue auf Ihren Friedenswillen. Und auf Ihre Unterstützung.
Sprecher 3: Wir hatten jetzt gerade gestern Makeev hier im Podcast, der uns erklärt hat, wie die Lage in der Ukraine ist und wie dringend die Ukraine auf unsere Unterstützung angewiesen ist. Und dass es eben nicht nur um die Ukraine geht, sondern um die Sicherheit des Westens. Olaf Scholz ist da mit einer Doppelzüngigkeit unterwegs. Denn einerseits will er dem BSW ganz offenkundig ein paar Wähler abspenstig machen. Diejenigen, die das Gefühl haben, jetzt ist auch mal gut mit der Ukraine. Und andererseits betont er ja auch immer bei jeder Gelegenheit, dass Deutschland nach wie vor der zweitgrößte... Unterstützer der Ukraine ist und man denkt sich, was ist denn nun? Ist er nun ein Friedenskanzler? Ist er nun ein Kanzler, der jetzt vor allem an Diplomatie denkt und der Meinung ist, wie es jetzt der Spiegel berichtet hat, dass eigentlich weitere Waffenlieferungen erstmal gestoppt werden müssten? Und ist es ein Kanzler, der möglicherweise einen Diktatfrieden auch unterstützen würde? Oder ist er nun der Unterstützer der Ukraine? Das wird überhaupt nicht klar. Ich finde, diese Strategie ist schon im Europawahlkampf gescheitert. Ich verstehe es überhaupt nicht, wie man so jetzt einfach weitermachen kann.
Sprecher 2: Ich bin auch nicht überzeugt, ob es am Ende gelingt. Allerdings sagen eben ja auch Unionsleute, auch Markus Söder, dass im Zweifel die Wählerinnen und Wähler, die Angst vor einer Eskalation haben, irgendwo noch ihr politisches Zuhause suchen. Und offenbar bei der BSW, die ja nicht über die 5% gerade kommt in den Umfang, vielleicht da auch noch Potenzial ist.
Sprecher 3: Aber man darf es ja ehrlich gesagt nicht nur taktisch sehen. Also ich bin der Meinung, auch im Wahlkampf gehört ein Minimum an Verantwortungsbewusstsein schon noch dazu, wenn man eine staatstragende Partei wie die SPD ist.
Sprecher 2: Du hast völlig recht, er sagt, größte Unterstützer der Ukraine in Europa sind wir weiterhin. Dann allerdings in seiner Rede doch mehr auf diese kleinen Leute, die Arbeitnehmer in der Mitte, sich konzentriert. Keine allgemeine Steuersenkung, nur für die ganz Reichen soll es keine geben, für alle anderen schon. Die Familie steht im Mittelpunkt, kostenlose Schulessen soll es gehen und immer wieder Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Die Investitionsprämie à la Habeck oder à la Joe Biden mit dem Inflation Reduction Act, das ist das große industriepolitische Versprechen. Ich bin immer noch skeptisch, ob man da mit diesem Programm von 16 auf 25 Prozent kommt.
Sprecher 3: Dieses Handicap, dazu sagt Olaf Scholz nichts bis ganz wenig, nämlich, dass er eine Ampelregierung angeführt hat, die nach noch nicht einmal drei Jahren zerbrochen ist. Da fehlte es an allem Möglichen, an einem gemeinsamen Geist, aber vor allem fehlte es an einem Kanzler, der diese Regierung zusammenhält und sicherlich auch an einem Chef des Bundeskanzleramts, der genau diese Arbeit macht, nämlich im Inneren wirken, Kompromisse finden, Ausgleich finden. Sicherlich trägt Christian Lindner seinen Anteil daran, sicherlich trägt Robert Habeck seinen Anteil daran. Vielleicht ist der von Christian Lindner auch ein bisschen größer als der von Robert Habeck, mag alles sein. Aber dass der Kanzler es nicht geschafft hat, diese vier Jahre als Kanzler durchzuhalten, da kann man sich schon fragen, was qualifiziert ihn eigentlich dazu, noch einmal anzutreten.
Sprecher 2: Du or dei jedenfalls. Entweder ist der Mann in fünf Wochen der Jahrhundertkanzler und darf nochmal ran oder er ist auf der politischen Bühne für immer weg.
Sprecher 7: Wir arbeiten nicht mit einer Partei zusammen, die ausländerfeindlich ist, die antisemitisch ist, die Rechtsradikale in ihren Reihen, die Kriminelle in ihren Reihen hält. Eine Partei, die mit Russland liebäugelt und aus der NATO und aus der Europäischen Union austreten will. Wir würden die Seele der CDU verkaufen und das habe ich nicht die Absicht zu tun.
Sprecher 3: Das sind starke Worte. Da wird die Brandmauer, so kann man es sagen, nochmal mit einem Betonpfeiler befestigt. Merz verknüpft seine Zukunft mit der Ablehnung der AfD.
Sprecher 2: Die Wahrheit ist aber auch, Helene, die AfD hat in allen Umfragen in diesem neuen Jahr, die sie bekommen hat, erstmals die 20-Prozent-Marke überstiegen. Also ich finde die Vorstellung immer noch Wahnsinn, dass da 150 Abgeordnete im Bundestag sitzen könnten in wenigen Wochen. Also die Distanzierungs- und Abgrenzungsrhetorik von Herrn Merz, ich glaube ihm das, aber so richtig das Rezept gegen die AfD hat auch er noch nicht gefunden.
Sprecher 3: Naja, nur weil sie groß ist, heißt es natürlich noch nicht, dass man mit ihr zusammenarbeiten muss. Interessant ist ja, dass die traditionellen Antworten auf das Wachstum der AfD, nämlich eine Gefahr für die Demokratie, der Verfassungsschutz stuft sie als rechtsextrem ein, überhaupt nicht mehr verfängt bei ihren Anhängern. Die zucken nur mit den Schultern und sagen, dann ist es halt so. Und in der Tat, wie man mit der AfD umgeht, die ja nun im Schulterschluss ist mit vielen Autokraten und anderen, ich sage nur Tech-Milliardär Elon Musk und gemeinsam kämpft auch mit der FPÖ und wer diese Phalanx... von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten international sehen. Da stehen die anderen Parteien in Deutschland schon ziemlich bedröppelt da und wissen eigentlich nicht, wie sie diesem Phänomen gerecht werden sollen.
Sprecher 2: Eins ist sicherlich auch richtig, sie ist omnipräsent. Von dem Live-Talk mit Musk bis hin zu dem Parteitag jetzt, die Medien überschlagen sich mit Analysen. Also man kann nicht sagen, dass sie medial ignoriert wird, diese Partei. Vielleicht hören wir auch mal rein in eine sehr scharfe Rede von Alice Weidel auf dem Parteitag, wo sie auch Wörter benutzt hat, die ja vermeintlich eigentlich nicht gesagt werden sollten und sie jetzt bewusst sogar nimmt, um zu sagen, ich lasse mich nicht unterkriegen.
Sprecher 8: Und ich kann euch sagen, wenn wir am Ruder sind, wir reißen alle Windkraftwerke nieder! Nieder mit diesen Windmühlen der Schande! Sozialleistungen für Nicht-Aufenthaltsberechtigte streichen und Rückführung im großen Stil durchführen. Und ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.
Sprecher 3: Windräder der Schande, denkt man natürlich sofort an Mahnmal der Schande von Höcke, der so das Holocaust-Mahnmal in Berlin bezeichnet hat. Remigration ist ein Begriff, von dem die AfD lange Zeit behauptet hat, dass sie nicht bei ihnen vorkommen. Nun hat Alice Weidel sich das zu eigen gemacht, auch natürlich in dem Wissen, dass die FPÖ sehr offen mit diesem Begriff umgeht und damit arbeitet. Micha, jetzt haben wir natürlich genau das gemacht, was du indirekt anderen an der Hand hast. vorgeworfen hast, nämlich möglicherweise selbst am Zuwachs der AfD beteiligt zu sein, indem man so viel über sie spricht. Andererseits muss man auch sagen, die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass jeglicher Versuch, sie zu ignorieren, auch gescheitert ist.
Sprecher 2: Dann reden wir jetzt nochmal kurz über die CDU und den Kandidaten Friedrich Merz, der von den 30 Prozent auch nicht wirklich nach oben wegkommt, obwohl das Potenzial laut Renate Köcher zumindest ja bei fast 40 Prozent liegt für die Union. Was ist da los? Was hat der Mann noch vor in den nächsten Wochen? Woran kann er vielleicht auch scheitern? Drei Fragen an Volker Reesing, dessen Buch heute auf den Markt kommt. Friedrich Merz heißt es, sein Weg zur Macht. Einen schönen guten Tag, Volker.
Sprecher 9: Ich grüße dich. Hallo, Michel.
Sprecher 2: Volker, Friedrich Merz hat jüngst erneut eine Kooperation, eine Zusammenarbeit mit der AfD klar abgelehnt, sein eigenes Schicksal als Parteichef damit verknüpft. Wie glaubwürdig ist diese Abgrenzung? Ist sie in seiner Biografie irgendwo begründet?
Sprecher 9: Die Auseinandersetzung mit den Rechten zieht sich ja durch die politische Biografie von Friedrich Merz. Ich erinnere an die Auseinandersetzung. Damals um einen Abgeordneten, der merkwürdige Äußerungen gemacht hat, Herrn Hohmann. Und es war Friedrich Merz, der im Parteipresidium als einer der Ersten gesagt hat, er ist ein Rechter, Leute, wir müssen uns von ihm trennen. Da waren andere in der Fraktion, auch Angela Merkel zunächst noch zurückhaltender. Also diese Auseinandersetzung, die zieht sich durch seine Biografie.
Sprecher 2: Du sprichst ja von einem durchaus polarisierenden, auch widersprüchlichen Charakter, der mehrmals sehr impulsiv und streitbar sein kann und dann wieder einfühlsam und klar, ist in den letzten Wochen dieses Wahlkampfs der Friedrich-Schmerz, den wir gerade erleben, zu angepasst, um einen echten Wahlerfolg für die Union zu holen?
Sprecher 9: Nein, das glaube ich nicht. Ich meine, einerseits erfordert er... Die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft bei Schwerverbrechern und Terroristen. Und andererseits gibt es die Debatte darüber, dass er zu milde sei. Ich glaube, da ist ein bisschen Kakophonie im Moment in der öffentlichen Debatte. Was aber interessant ist, ist seine Lernkurve nach seinem Comeback. Es ist beachtlich, wie er nochmal an sich gearbeitet hat, wie jemand, der eigentlich sozusagen alles schon erreicht hat, zumindest beim wirtschaftlichen Erfolg, hier nochmal wirklich sich zurück in die politische Bühne kämpft und da auch nochmal eine Lernkurve hingelegt hat.
Sprecher 2: Also mit anderen Worten, er hat auch diese Jahre der gescheiterten Kandidaturen gebraucht, um jetzt da zu sein, wo er ist?
Sprecher 9: Ich glaube 2018, wenn er dort Vorsitzender geworden wäre, wäre er an der Öffentlichkeit und vielleicht sogar an der eigenen Partei gescheitert. Tatsächlich war dieser lange Anlauf nötig.
Sprecher 2: Was wenige wissen und du in deinem Buch sehr ausführlich und intensiv beschreibst, sind seine Netzwerke, die er durchaus hat. Man dachte immer, da kommt dieser Mann von außen in die Partei, die ihn nicht mehr versteht, die ihn erst nicht mehr will. Aber er hat durchaus stabile Netzwerke in Vorfeldorganisationen. Welche sind das und auf wen hört er?
Sprecher 9: Der Wirtschaftsrat war sozusagen die Kampfgruppe März in der Zeit der... der parlamentarischen Opposition von Friedrich Merz. Der Wirtschaftsrat hat ihm geholfen, auch die Atlantikbrücke oder die Stiftung Marktwirtschaft, wichtige Institutionen, die ihm eine Bühne boten in einer Zeit, als er noch nicht im Parlament wieder war.
Sprecher 2: An diesem Freitag wird dein Buch vorgestellt, Volker. Friedrich Merz heißt es, sein Weg zur Macht. Und ausgerechnet Markus Söder kommt aus Bayern angereist, um das Buch vorzustellen. Kann Markus Söder den Wahlkampf von Friedrich Merz noch kaputt machen?
Sprecher 9: Markus Söder kann alles. Insofern könnte er auch selbstverstörerisch sein, aber er wird es nicht sein. Es ist sein ureigenes Interesse, dass Friedrich Merz Kanzler wird. Das war 2021 ein bisschen anders. Aber dass er alle Zügel in der Hand hält, auch auf der Debattenbühne alle Register ziehen kann, davon kann man ausgehen. Vielleicht muss man auch sagen, dass die Bandbreite, die die CDU hat, von Söder bis Daniel Günther, dass das eigentlich früher immer die Stärke der CDU war. Es macht überhaupt nichts, dass ein Münchner Ministerpräsident, ein bayerischer Ministerpräsident und ein Regierungschef in Kiel sich mal behaken. Das demonstriert nur die Bandbreite der CDU.
Sprecher 2: Volker, vielen Dank. Ab heute ist das Buch im Handel Friedrich Merz, sein Weg zur Macht heißt es, im Herder Verlag erschienen. Wir wünschen dir allen Erfolg damit und bedanken uns für das kurze Gespräch.
Sprecher 9: Michael, vielen Dank dir.
Sprecher 2: Der Luftverkehr in Deutschland erleidet nirgendwo in Europa sind die Steuern und Gebühren für Airlines so hoch wie hier. Allein in den letzten fünf Jahren haben sich die Abgaben fast verdoppelt. Nur mal zum Vergleich. Die Abfertigung eines A320 kostet in Dublin 244 Euro in Steuern und Abgaben, in Madrid 660 Euro und in Frankfurt stolze 4.410 Euro. Für die Fluggesellschaften ist das alles eigentlich schon lange nicht mehr tragbar. Viele haben ihre Strecken reduziert hier im Land und ins Ausland verlagert. Thilo Boss, der Redaktionsleiter unserer CEO-Table. Ich hoffe, Sie kennen das Produkt, nämlich unser neuer Samstags-Newsletter, unser Wirtschaftsbriefing, hat die Lage der Luftfahrt analysiert am vergangenen Samstag in seinem Briefing und er hat für uns mit dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft gesprochen, Joachim Lang. Hören wir doch mal rein.
Sprecher 10: Herr Dr. Lang, ich freue mich, dass Sie hier sind zu unserem Gespräch. Ich habe mir die Zahlen angeschaut des vergangenen und des diesjährigen Jahres und war erstaunt darüber, dass die deutsche Luftverkehrswirtschaft das Niveau von Corona noch gar nicht erreicht hat. Ich glaube, sie sind 20 Prozent, liegen sie. Hinter den Ergebnissen, die Sie vor 2019 eingefahren haben. Und um uns herum ist alles gewachsen, aber bei uns ist Stagnation da. Oder nur ein leichtes Wachstum, eine leichte Erholung. Wie kommt es dazu? Dafür gibt es...
Sprecher 11: Leider Gründe und die Gründe sind überwiegend hausgemacht. Es ist tatsächlich so, dass im Durchschnitt der Europäischen Union man wieder da ist, wo man vor Corona war. Nur wir hinken hinterher und zwar erheblich. Das ist eine fatale Entwicklung, denn wir sehen gleichzeitig, dass in Europa nicht nur so viel geflogen wird wie vor Corona, sondern es wird sogar mehr geflogen als jemals zuvor. Nur wir nehmen daran nicht teil. Und wir haben uns wirklich unterschiedliche Gründe angeschaut, die es dafür geben könnte. Und der Grund, der übrig geblieben ist und der größte einzelne Grund für diese fatale Entwicklung, das sind die enorm hohen, außergewöhnlich hohen staatlichen Standortkosten in Deutschland.
Sprecher 10: Was bedeutet das denn gegenüber den Wettbewerbern, die wir im europäischen Ausland haben? Wo liegen wir?
Sprecher 11: Also die staatlichen Standortkosten teilen wir im Wesentlichen in drei Kategorien ein. Das erste ist die nationale Luftverkehrssteuer, die wir in Deutschland haben. Das zweite sind die Kosten an den Sicherheitskontrollen, die sogenannten Luftsicherheitskosten. Und dann haben wir noch die Flugsicherungskosten in Deutschland. Und diese drei Elemente bezeichnen wir als staatliche Standortkosten. Das Besondere ist, dass wir... In der Gesamtsumme eine Belastung haben an Steuern und Abgaben, die weit über das hinausgeht, was im Rest Europas auf Flüge entfällt. Wir liegen bei ungefähr 4.700 Euro pro Flug. Der Durchschnitt in Europa ist irgendwo bei 2.000 Euro. 200, 2300 und dann gibt es Flughäfen, die mit uns in einem erheblichen Wettbewerb stehen, wie Madrid, bei denen auf einem Flug nur Kosten von 600 Euro lasten oder nehmen Sie Prag, da sind es nur 500 Euro. Und dieser erhebliche Unterschied zwischen 4.700 und den Belastungen an anderen Standorten führt dazu, dass die Airlines verstärkt darüber nachdenken, Maschinen aus Deutschland abzuziehen. Und wir sehen zum ersten Mal, haben wir das in 2024 gesehen, dass sie substanziell Fluggerät aus Deutschland abziehen, um es auf profitableren Strecken einzusetzen.
Sprecher 10: Heißt das, dass sie im Rückwärtsgang sind, dass also Deutschland als Luftverkehrsstandort weiter an Bedeutung verlieren wird?
Sprecher 11: Das ist geradezu unausweichlich, weil seit dem 1. Januar noch sich die Belastungen verschärft haben. Wir haben seit Januar eine Saftbeimischungsquote. Das ist die Abkürzung für einen klimaneutralen Flugtreibstoff, der europarechtlich jetzt vorgeschrieben ist. Und die Mehrbelastungen belaufen sich auf ca. 400 Millionen Euro. Die Kosten an den Sicherheitskontrollen werden steigen um 160 Millionen Euro. Und die Kosten bei der Flugsicherung werden auch nochmal um 140 Millionen Euro steigen. Und dann gibt es noch die Gefahr von Strafzahlungen für sogenanntes Power-to-Liquid-Treibstoffe. Wo man eine Strafe dafür zahlen muss, wenn man sie nicht kauft. Und wir können sie nicht kaufen, weil es sie noch nicht gibt. Also das ist auch noch so eine Besonderheit in Deutschland. Und das sind auch nochmal 150 Millionen. Also wir reden über 860 Millionen Euro, die im Jahr 2025 an Belastungen zu den ohnehin schon... Extrem hohen Belastungen hinzukommen, ohne dass auch nur irgendwo dem eine Gegenleistung gegenüber stünde. Und das Jahr 2024 war schon schwierig, aber das Jahr 2025 fängt schon katastrophal an. Und deshalb brauchen wir politische Entscheidungen zugunsten des Standorts.
Sprecher 10: Die Wahlprogramme liegen vor. Finden Sie sich da schon gehört? Sehen Sie sich da wieder, dass ein Umdenken auch zu dem Luftverkehrsstandort, zu einer positiven Entwicklung jetzt stattgefunden hat?
Sprecher 11: Ja, ganz eindeutig. Also in allen Parteiprogrammen finden sich Passagen dazu, die Wettbewerbsfähigkeit in der Luftverkehrswirtschaft zum europäischen Wettbewerb wiederherzustellen. Eine Partei hat sogar die Abschaffung der Luftverkehrssteuer empfohlen, andere jedenfalls eine deutliche Absenkung. Also die schwierige Lage der Branche ist in der Politik angekommen. Das liegt einfach daran, dass mittlerweile ein Kipppunkt erreicht wurde und viele Politikerinnen und Politiker aus ihren Wahlkreisen eben hören, dass es dort erhebliche Schwierigkeiten gibt, Kunden zu besuchen, weil man nicht mehr zum Kunden kommt.
Sprecher 10: Sind Sie voller Hoffnung, dass es nach der Bundestagswahl vielleicht doch wieder bergauf geht? Oder ist die Situation, wie Sie sie beschrieben haben, doch relativ dramatisch, wenn Sie schon von Kipppunkt sprechen?
Sprecher 11: Also die Situation ist dramatisch, aber da die Punkte, die ich beschrieben habe, auf politischen Entscheidungen beruhen, können sie durch politische Entscheidungen auch korrigiert werden. Wir haben einmal eine Luftverkehrssteuer in Deutschland, die es sonst in Europa nur in sechs weiteren Staaten gibt. Das heißt, das ist ein einsetziger, erheblicher Nachteil. Das heißt, wenn wir die Luftverkehrssteuer, und sie macht die Hälfte all dieser von mir beschriebenen Belastungen aus, wenn wir sie nicht hätten, wenn wir sie abschaffen würden, dann wäre das ein erheblicher Sprung nach vorne und würde uns zumindest wieder in das Mittelfeld bringen. Wir haben bei den Sicherheitskontrollen Kosten, weil wir teilweise mehr Leute dort stehen haben als vorgeschrieben. Und wir haben bei der Flugsicherung, schleppen wir einen Mühlstein mit uns, denn die Flugsicherung hat in der Corona-Zeit 1,2 Milliarden Verlust gemacht und die Bundesregierung hat entschieden, dass dieser Verlust von der Branche, von den Passagieren getragen werden muss, während in anderen Ländern deren Regierungen entschieden haben, dass sie diesen Verlust in den Haushalt übernehmen oder ihn sich aber mit der Branche teilen. Also es gibt viele Hebel, an denen man ansetzen kann, aber die Gesamtüberschrift lautet, wir müssen von diesen außergewöhnlich hohen Kosten runterkommen, damit wir als Standort für Airlines aus aller Welt wieder interessant sind. Das erhöht dann das Angebot und das ist gut für den Wirtschaftsstandort Deutschland, weil Fliegen ist ja kein Selbstzweck, sondern das dient ja dazu, dass der größte Industriestandort Europas, angebunden ist an Europa und an den Rest der Welt. Und wir dürfen auch nicht vergessen, ein gar nicht geringer Teil der Flüge, die stattfinden, läuft in der Fachsprache unter Visiting Friends and Relatives. Das heißt, wir sind über die letzten Jahrzehnte auch ein Standort geworden von Menschen mit Migrationshintergrund, die ihre Verwandtschaft besuchen. Und denen muss man auch ein Angebot bieten.
Sprecher 10: Am 23. Februar sind Wahlen. Wir haben die Wahlprogramme, da haben wir schon drüber gesprochen gehabt. Wir werden ja dann sehen, wenn es zu den Koalitionsverhandlungen kommt, was denn von Ihren Forderungen dann auch aufgegriffen wird. Also insofern ist das, glaube ich, wieder ein ganz gutes Timing, ein zeitnahes Timing, wo wir uns dann wieder verabreden können und wo wir dann eine Bilanz ziehen können, wie es denn dann wirklich 2025 weitergeht. Deswegen darf ich mich noch einmal ganz herzlich hier bei Ihnen bedanken, dass Sie zu uns gekommen sind, zu diesem Podcast. Und ich freue mich dann, wenn wir zu diesem Gespräch uns dann wieder zusammenfinden werden.
Sprecher 11: Vielen Dank, sehr gerne.
Sprecher 3: Michael, du bist zurück zum Skifahren, zum Glück als Ganzes und unversehrt. Darüber bin ich froh. Aber wie war es denn eigentlich?
Sprecher 2: Ich war so hoch hinaus wie noch nie, Helene. Das passt ja auch zu meiner Arbeit mit dir hier. 3.300 Meter.
Sprecher 3: Sogar natürlich, Michael, passt es doch viel besser als zu mir.
Sprecher 2: 3.300 Meter, das habe ich in Zervaus und St. Anton in meinen normalen Skiorten der letzten 20 Jahre nie geschafft. Jetzt waren wir mal in Sölden. Zwei Tage aus Gründen. Und es war schön da oben. Die Welt da oben ist eine andere, Helene. Die ist ruhig. Man hört nichts außer Schnee und Wind. Und irgendwie hat man das Gefühl, die Probleme da unten sind alle sehr weit weg. Obwohl man ständig natürlich irgendwie an diesen Klimawandel denken muss, wenn da so Riesen... Maschinen hingebaut werden plötzlich auf 3.300 und du kannst da in einem Shop Skiausrüstung kaufen. Dann fragt man sich schon so ein bisschen irgendwie crazy, oder?
Sprecher 3: Und man fragt sich schon, Michael, sage ich jetzt mal als Spielverderberin, die ich ja oft auch bin in unserem kleinen Duo hier, ist es eigentlich sinnvoll, von Freitag bis Sonntag zu fliegen, um dann auch noch auf den höchsten Gipfel zu gehen, um dann einfach wieder runterzufahren? Ich bin als Kind auch viel Ski gefahren und fand das immer damals schon, und das war zu Zeiten, in denen man über Klimawandel noch nicht so viel gesprochen hat, dachte ich immer schon, das ist ganz schön viel Fahrerei für einmal Schuss die Piste runter.
Sprecher 2: Du hast völlig recht, aber du weißt, es gibt Zwänge, die man in Freundeskreisen hat, die nennen sich zum Beispiel Junggesellenabschied. Und da ich mit Ende 40 überhaupt noch so ein erleben durfte, konnte ich... Natürlich nicht Nein sagen, aber du hast recht, es ist schon ein bisschen skurril. Trotzdem ist es auch schön. Skifahren ist auch etwas Befreiendes.
Sprecher 3: Aber ich sagen muss, wenn man an diesem Wochenende, jedenfalls an dem Sonntag, an dem es in Berlin schön sonnig war und auch noch Schnee lag, einfach durch einen der Wälder in der Nähe von Berlin spaziert und danach zum Beispiel in die Sauna geht, kann man auch dieses kleine Gefühl von kalt und warm und wohlig und sportlich auch in Berlin haben. Ich empfehle es einfach nur mal zum Beispiel fürs nächste Wochenende.
Sprecher 2: Ich bin froh, jetzt auch wieder in Berlin zu sein. Und trotzdem waren diese Snowmen, also mit M-E-N, die hatten auch ihren Spaß da unten.
Sprecher 3: Das glauben wir ganz bestimmt und wünschen jetzt allen einen schönen Start in diese Woche.
Sprecher 2: Tschüss und auf Wiederhören.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 12: Don't cry, it's no man. Don't you fear the sun. Who carry me without legs to run? And I won't cry, snowman, don't you shed a tear. Oh, you're my secret if you don't have ears, baby. If you don't have ears, baby. I want you to know that I'm never leaving Cause I miss the snow till death will be freezing Yeah, you are my home, my home for all seasons So come on, let's go Let's go below zero and hide from the sun I love you forever, we'll have some fun Yes, let's hit the north Falling, you'll have a leap. Please don't cry no tears now. It's Christmas, baby. My snowman and me. My snowman and me. Baby