++Kalifornien in Flammen++Musk meets Weidel++Trumps Sofortprogramm++
Die Feuer im Großraum Los Angeles wüten nach wie vor.
Inzwischen ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens sieben gestiegen. US-Präsident Biden bezeichnete die Brände als die schlimmsten in der Geschichte des Bundesstaates Kalifornien. Bei den beiden größten Feuern wurden mehr als zehntausend Wohnhäuser, Gewerbeobjekte und Fahrzeuge zerstört oder beschädigt.
Elon Musk hat auf seinem Twitter-Kanal mit Alice Weidel gesprochen. Das Gespräch wirkte wirr und unstrukturiert. Alice Weidel schien sichtlich nervös, lachte immer wieder unsicher und versuchte, ihre Positionen ohne kritische Gegenfragen zu schildern. Musk hat erneut eine eindeutige Wahlempfehlung ausgesprochen: Nur die AfD könne die Probleme Deutschlands lösen, sagte er.
Helene Bubrowski und Michael Bröcker analysieren den gemeinsamen Auftritt von Musk und Weidel.
Was bedeutet die zweite Trump-Administration für Europa? Diese Frage ist wohl die am meisten diskutierte in den europäischen Regierungszentralen – unsere Nana Brink vom Security.Briefing hat mit einem der renommiertesten Amerika-Experten, Michael Werz, Senior Fellow am Center for American Progress und Senior Adviser bei der Münchner Sicherheitskonferenz, über Trumps Agenda gesprochen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Kalifornien steht in Flammen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht über tausend Häuser abgebrannt. Und auch zwei deutsche Kulturstätten in L.A. Das Thomas-Mann-Haus und die Villa Aurora sind bedroht. Wir sprechen gleich mit dem Geschäftsführer Jakob Scherer.
Sprecher 3: Elon Musk ist wohl schon jetzt der umstrittenste Manager dieses Jahres. Dabei sind wir erst am 10. Januar. Jedenfalls sprach der Tesla-Gründer und Trump-Berater gestern Abend auf seiner Plattform X mit AfD-Chefin Alice Weidel. Wir sagen Ihnen, was Sie zu diesem Live-Talk wissen müssen.
Sprecher 2: Ja, und was bedeutet Trump 2 für Europa? Diese Frage ist wohl die am meisten diskutierte in den europäischen Regierungszentralen. Und unsere Kollegin Nana Brink vom Security Table hat mit einem der renommiertesten Amerika-Experten Michael Wertz, Senior Fellow am Center for American Progress und Senior Advisor bei der MSC, über Trumps Agenda gesprochen.
Sprecher 3: Morgen am Samstag hören Sie hier übrigens noch den SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil zum Parteitag. Sie sehen eine wahnsinnig politische Woche schon wieder. Heute ist aber erstmal Freitag, der 10. Januar. Auf geht's!
Sprecher 4: This is Eyewitness News with live breaking news.
Sprecher 5: And they lost so many homes down in there. It just went right through this area, right down this canyon. One report, maybe they lost as many as 75% of all the homes down along Palisades Drive.
Sprecher 6: It's hard to put in words. The neighborhood, the people.
Sprecher 5: I count multiple structures on fire here. That also is a structure out there burning in the Palisades area. Massive flames. Firefighters trying to do their best they can to put it out. Just look at this. It is absolutely out of control.
Sprecher 2: Michael, schreckliche Bilder erreichen uns aus Kalifornien. Die Waldbrände in Los Angeles sind außer Kontrolle geraten und zwar im Winter, auch wenn es da natürlich nie so richtig Winter ist und dennoch. Michael, dir liegen die Pacific Palisades besonders am Herzen. Du hast dort sechs Monate gelebt und kennst ja sicherlich auch die Villa Aurora und das Thomas-Mann-Haus.
Sprecher 3: Ja, ich habe für ein deutschsprachiges Magazin damals in Los Angeles gearbeitet, das gerade die deutschsprachige Community im Visier hatte. Und die Villa Aurora ist so ein bisschen das Epizentrum dieser Community. Dort, wo Leon Feuchtwanger und seine Frau Martha Feuchtwanger gelebt haben während ihres US-amerikanischen Exils. Ein wunderbarer Ort. Und außer der Garage, die abgebrannt ist, ist er offenbar erhalten geblieben. Aber was da passiert in Los Angeles, ist wirklich ein großes Drama.
Sprecher 2: Ja, hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Über tausend Gebäude sind zerstört, darunter auch auch. Die Villa von Paris Hilton und noch weitere knapp 30.000 Gebäude sind akut von den Flammen bedroht. Präsident Biden hat das Gebiet jetzt zur Katastrophenregion erklärt.
Sprecher 3: Ja, es ist Wahnsinn, was da passiert. Es sind vor allem diese harten, schnellen Winde, die es den Feuerwehrleuten offenbar sehr, sehr problematisch machen, das überhaupt in den Griff zu kriegen. Man hat das Gefühl, sie können es gar nicht eindämmen. Jedenfalls gibt es eben auch viele Deutsche, die dort vor Ort gerade ihre Häuser verlassen mussten oder ihre Arbeitsstätte nicht mehr besuchen können. Wir haben mit Jakob Scherer darüber mal gesprochen. Er ist Geschäftsführer des Vereins Villa Aurora und Thomas Mannhaus e.V. Die sitzen hier in Berlin, der Verein, aber die Häuser sind in Los Angeles, in den Palisades. Einen schönen guten Tag. Hallo Jakob.
Sprecher 7: Hallo Michael.
Sprecher 3: Jakob, gib uns mal einen kurzen Lagebericht. Wie geht es deinem Team, den Menschen vor Ort in den Palisades?
Sprecher 7: Also wir sind erstmal sehr erleichtert, dass alle Mitarbeitende wohlauf sind und aktuell keine Gefahr für deren Leben besteht. Gleichzeitig müssen wir uns vor Ort natürlich aber nicht nur um unsere Fellows und Stipendiatinnen kümmern, sondern immer auch schauen, dass der Katastrophenzustand, der derzeit in Los Angeles gilt, natürlich auch unsere Mitarbeitenden betrifft. Also Stromausfälle, Heizungsausfälle, Gasausfälle etc. Das führt mich dazu zu sagen, dass es übertrieben wäre, die Lage als gut zu beschreiben.
Sprecher 3: Wo sind diese Menschen jetzt, die für euch arbeiten, die auch teilweise vielleicht in der Villa Aurora gerade leben?
Sprecher 7: Also die Stipendiatinnen und Fellows, die gerade in der Villa, die teilweise angereist sind, als das Feuer... begann oder auch im Thomas-Mann-Haus, wo schon drei Fellows zu der Zeit gelebt haben, die sind aktuell in einem Hotel untergebracht, weit genug weg von den Risikogebieten und weit genug weg von den sogenannten Danger Zones und auch Evacuation Zones. Unser Team ist natürlich so weit möglich bei sich zu Hause, sofern dort nicht eben schon eine Evakuierung angeordnet wurde. Und dann gucken wir, dass die Leute eben auch bei anderen Kollegen unterkommen oder auch selbst ins Hotel gehen, wenn es nicht anders geht.
Sprecher 3: Die beiden Häuser sind ja nicht nur Residenzen für Fellows, für Kulturschaffende, sie sind selbst ein Kulturdenkmal auch für uns Deutsche. Wie sicher sind diese Häuser eigentlich jetzt?
Sprecher 7: Es lässt sich aktuell sehr schwer einschätzen. Also was wir derzeit sagen können ist, dass Teile der Villa Aurora diesen sehr zerstörerischen Bränden standhalten konnten.
Sprecher 3: Also das Haus ist direkt nicht von den Flammen, aber wohl eine Garage. Stimmt diese Information?
Sprecher 7: Das ist das, was wir aktuell auch gehört haben. Ob diese Information stimmt, das werden wir ehrlich gesagt auch erst in den nächsten Tagen, gegebenenfalls auch Wochen herausfinden, wenn es eine abschließende Einschätzung der Schäden gibt und eine Beurteilung der Schäden. Das konnte bisher noch nicht erfolgen, weil natürlich die ganze Stadt, insbesondere die Rettungskräfte, im Dauereinsatz sind und da auch Unmenschliches leisten. Und die Frage, welches Haus jetzt im Einzelnen wie beschädigt wurde, derzeit nicht sehr weit oben auf der Prioritätenliste steht.
Sprecher 3: Welche Unterstützung bekommt ihr zum Beispiel von Deutschland?
Sprecher 7: Also wir sind a in enger Abstimmung mit den lokalen Behörden. Wir sind im Auto. Austausch und Abstimmung mit dem Generalkonsulat, aber natürlich auch hier in Deutschland mit dem Auswärtigen Amt, mit der Beauftragten für Kultur und Medien und mit dem Goethe-Institut. Wir fühlen uns sehr gut unterstützt und vor allem sind wir wahnsinnig dankbar für die große Anteilnahme und den Zuspruch der vergangenen Stunden. Ich glaube, aktuell geht es jetzt darum, Ruhe zu bewahren und zu schauen, was wirklich die Schäden sind, zu schauen, wie die Situation sich weiterentwickelt und welche Maßnahmen gegebenenfalls noch ergriffen werden. Und alles Weitere können wir dann zu einem späteren Zeitpunkt besprechen.
Sprecher 3: Ich hoffe, dass es gut geht für die Häuser und vor allem natürlich für die Menschen dieser beiden wichtigen deutschen Institutionen in Kalifornien. Vielen Dank für diese erste Einschätzung.
Sprecher 7: Dankeschön, Michael.
Sprecher 3: Elin, der Talk zwischen Elon Musk und Alice Weidel, ich verarbeite ihn noch, war krass irgendwie, oder?
Sprecher 2: Ja, irgendwie krass und gleichzeitig auch echt erbärmlich. Man konnte es kaum ertragen, die eine Stunde zuzuhören. Das Gelache von den beiden, vor allem von Alice Weidel, ging mir wahnsinnig auf die Nerven. Und es war so irgendwie inhaltsarm. Beide waren sich einig. Schwer erträglich insgesamt.
Sprecher 3: Wir müssen mal abschichten. Also am Ende war das eine wirklich zuge Wahlwerbeveranstaltung von Elon Musk für die AfD. Ich hatte am Anfang gedacht bei diesem Gastbeitrag, vielleicht ist das aus der Laune heraus, die Lust an der Provokation. Er weiß, dass er in Deutschland natürlich das politische Mitte-Establishment anzünden kann, wenn man sowas macht. Aber er ist ja wirklich überzeugt, dass die AfD Deutschland retten kann. Und es gab überhaupt keinerlei Kritikpunkt von ihm an Positionierung oder Person in der AfD.
Sprecher 2: Ob er davon überzeugt ist, weiß ich nicht. Aber offenbar hat er das Gefühl, dass es der Trump-Administration jetzt hilft, die AfD stark zu machen. Was auch immer er sich davon verspricht, schwer zu sagen. Es gab einen Punkt, den fand ich ganz interessant, als er sie gefragt hat, was sie denn jetzt da vom Israel-Konflikt hält und sie dann sich so um eine Antwort gedrückt hat und gesagt hat, ich kann das gar nicht sagen, es ist so kompliziert, es ist so kompliziert. Und er dann nachgefragt hat, so, Steht die AfD denn für das Existenzrecht Israels? Und sie dann wieder mit ziemlich unpassendem Gelächter sagt, ja, ja, ja, natürlich, ja, ja.
Sprecher 8: Well, I guess maybe another way to say it is, do you unequivocally support the existence of the state of Israel?
Sprecher 9: Yes, of course.
Sprecher 8: Okay, that's what people want to know.
Sprecher 9: Ja, also. Ach so.
Sprecher 2: Und dann sagte er sinngemäß, naja, das ist das, was die Amerikaner hören wollen. Ist die AfD jetzt eine Nazipartei? Nein, offenbar nicht, denn sie sind ja für das Existenzrecht Israels Punkt aus Ende. Das war der einzige Punkt, wo er offenbar eine Frage hatte. Ansonsten haben sie ja beide auch über Adolf Hitler gesprochen und haben quasi die AfD als Anti-Hitler-Partei da in Szene gesetzt.
Sprecher 9: He was a communist, socialist guy. So, full stop, no more comment on that. And we are exactly the opposite. We are a libertarian, conservative party.
Sprecher 2: Das war schon ziemlich skurril.
Sprecher 3: Ja, Helene, wobei man natürlich darüber zu Recht diskutieren kann, und das hat schon der Hitler-Biograf Joachim festgetan, ob Adolf Hitler nicht eigentlich eher ein Linker war, der dem Totalitarismus Stalins näher war eigentlich als dem Faschismus Mussolinis. Aber das Entscheidende ist ja, diese Partei heute, jetzt, diese AfD, hat ein paar harte rechtsradikale Köpfe in ihren Reihen und das kam überhaupt nicht zum Tragen. Es wurde gar nicht angesprochen. Die Weidel tut so, als sei sie eine Libertäre, eine Konservative. Und das ist halt krass.
Sprecher 2: Ja, die AfD inszeniert sich hier durch Alice Weidel als die wahre konservative Partei. bezeichnete Angela Merkel als erste grüne Kanzlerin.
Sprecher 9: In my point of view, Angela Merkel, the first green chancellor, she ruined basically our country.
Sprecher 3: Sie macht genau das, was man ihnen ja auch rät, der AfD, nämlich sich nach öffentlichen, ins bürgerlich-politisch-konservative Lager hineinzudrängen. Und wenn du natürlich einen Gesprächspartner hast, der sich offenbar nicht auskennt und nicht weiß, wer in der AfD wirklich das Sagen hat, dann kannst du natürlich diese Bühne, übrigens 600.000, 700.000 Menschen haben da zwischenzeitlich zugehört bei X, dann kannst du diese Bühne natürlich kritiklos nutzen und einfach die ganze Zeit rumkichern, als seien da zwei Best Friends beim Buddy Talk.
Sprecher 2: Sprechen wir nochmal kurz über das Thema Wahlbeeinflussung. Michael, du hast es gesagt, es war ein klarer Aufruf von Musk, die AfD zu wählen.
Sprecher 10: As I've said publicly, I think only AfD can save Germany. And I just want to be very clear about that. Only AFD can save Germany. End of story. Und Alice Weidel hat das also dankend angenommen und durchaus bestätigt, hat sich dann darüber lustig gemacht, dass die EU-Kommission
Sprecher 2: Personen abgestellt hat, die dabei sein sollten, zuhören sollten und gucken sollten, ob es denn während dieses Gesprächs Verstöße gegen den Digital Services Act gibt, also der eben Regeln definiert für sehr große Plattformen in der EU. Den Digital Services Act bezeichnete sie dann als Zensur für die Meinungsfreiheit und auch Musk sagte, man könnte es schlagen. Schlechte Leute, also Bad People von Good People, dadurch unterscheiden, wer die Meinungsfreiheit einschränkt. Aber einen Punkt hatte Alice Weidel dann eben doch, dass sie sagte, ja, ja, die Deutschen beschweren sich jetzt über Wahlbeeinflussung aus Amerika und haben doch selbst alle... Vor der Wahl von Donald Trump gewarnt im Herbst über die Parteien hinweg. Selbst Friedrich Merz habe das getan. Das sei doch auch eine Wahlbeeinflussung gewesen. Und dann hat sie sich tatsächlich dafür entschuldigt, dass Trump so schlecht behandelt worden sei. Es habe ihr physische Schmerzen verursacht, wie man ihn behandelt habe. Also auch ein echtes Anbiedern an Donald Trump. Kein Wort zu jetzt den jüngsten wirklich komplett absurden Vorschlägen, über die wir schon gesprochen haben. Oder andere Kritik, ganz zu schweigen vom 6. Januar 2021 oder anderes.
Sprecher 3: Ja, interessant. Donald Trump, wenn er dann nach Deutschland kommt im Amt als Präsident, man könnte sich wirklich vorstellen, dass er alleine, um den Rest der Republik hier zu irritieren, sich erstmal mit Alice Weidel trifft. So sehr hat sie eine Hommage da losgelassen. Aber weißt du, was ich auch gedacht habe? Bei aller Kritik, die wir gerade ja besprochen haben, Helene, sie gehen natürlich auch in die Wunden, die die Politik der Mitte gegeben hat. Sei es durch vermeintliche Widersprüche, sei es durch politische Fehler. Wie sie über die Bildungspolitik sprechen kann, Alice Weidel, und die Fehler, die da passiert sind. Und er so tut, als sei er ganz überrascht, weil er doch dachte, das Gymnasium, was er schön auf Deutsch ausgesprochen hat, sei doch eine gute Schule und sie kann dann reingehen. Auch die Geschichte mit der Energiepolitik. Natürlich ist es einem Menschen da draußen nur schwer zu erklären, warum ausgerechnet in der Zeit, wo die Russen... das Gas abdrehen, wir die drei funktionsfähigen, klimaarmen AKWs abschalten. Egal, ob du das generell willst als Ausstieg, ja oder nein, ist es in dem Moment wirklich schwer zu verkaufen einem bürgerlichen Mittelpublikum. Und da gehen die beiden rein. Da ist der Tesla-Gründer, der Elektromobilitätspionier und sagt wörtlich, this is one of the craziest things I've ever seen. Und man denkt so, naja, schwer zu begründen war das schon.
Sprecher 2: Ja, aber das ist natürlich eine Frage am Ende der Tonalität und der Grundhaltung. Von den beiden kommt eine derartige Verächtlichmachung unseres Systems, dass man in einigen Punkten, du hast es gesagt, zu Recht kritisieren kann. Man kann kritisieren, was für Fehlentscheidungen getroffen wurden. Wo es hapert, wo Reformstau ist und so weiter. Alles richtig. Aber diese Haltung, mit der die das tun, dass sie in Abrede stellen, dass die Entscheidungen, die getroffen wurden, aus einer Ernsthaftigkeit heraus getroffen wurden, ein Abwägungsprozess, dem vorausging, ein Interessenabgleich, der mag in der Rückschau falsch gewesen sein. Aber das ist schon das, was mich ganz grundsätzlich stört, dass man der Politik abspricht, zumindest mal das Richtige zu wollen und den Versuch zu unternehmen, das Richtige zu finden. Also die Rede dort ist Deutschland die Versagerrepublik, eine Republik von Deppen regiert. Und das ist etwas, finde ich, was sehr viel zerstört. kann Vertrauen überhaupt nicht wachsen, sondern das noch vorhandene Vertrauen wird zerstört, wenn du über unser System so sprichst.
Sprecher 3: Absolut richtig. Und so kommt es dann auch am Ende zu Übergriffen, zu körperlichen Übergriffen. Und da bin ich voll bei dir. Dieser Hass in den Stimmen, der kommt immer wieder raus. Das Versöhnliche zum Schluss vielleicht, Helene, aus meiner Sicht. Elon Musk hat kein Wahlrecht in Deutschland. Wir können natürlich über den Einfluss dieser Person der Zeitgeschichte reden und deswegen reden wir jetzt auch über dieses Gespräch. Es ist eine Wahlwerbung für die AfD, aber es ist noch nicht die Wahl. Die Wahl findet hier in Deutschland statt mit deutschen Staatsbürgern und ob sie dem Musk folgen oder nicht, das werden wir erstmal sehen.
Sprecher 2: Wir haben ja in der Redaktion auch kritisch darüber diskutiert, ob man über dieses Gespräch überhaupt berichten sollte, weil man damit natürlich die Verbreitung von Musk und Weidel noch verstärkt und genau das macht, was sie sich wünschen, nämlich dass man über das Stöckchen springt. Wir denken dennoch, dass es unser Auftrag ist, auch darüber zu berichten und das kritisch einzuordnen. Wir werden diese Diskussion sicherlich noch fortsetzen. Jetzt sind natürlich die Fact-Checker am Werk, die schauen, was war eigentlich alles falsch, was sie gesagt haben. Und ich glaube, das ist vornehmste Aufgabe von Journalisten. Und auch unser Interview beschäftigt sich heute mit Amerika. Es ist kurz vor der Amtseinführung Donald Trumps am 20. Januar. Und da stellt der künftige Präsident noch einmal klar, dass es ihm nur um den eigenen Vorteil geht und dass es ihm ziemlich egal ist, was der Rest der Welt davon hält. Wir haben hier schon drüber gesprochen, Kanada soll der 51. Staat der USA werden. Auch Grönland will sich die USA einverleiben und der Golf von Mexiko soll bald Golf von Amerika heißen. Das ist schon eine sehr weite Interpretation der America First Strategie, so kann man es vielleicht sagen. Und die Frage ist, was macht das eigentlich mit der transatlantischen Zusammenarbeit? Das hat unsere Kollegin vom Security Table Nana Brink, den USA-Experten Michael Wertz, gefragt. Er ist Senior Fellow am Center for American Progress und Senior Advisor bei der MSC. Michael, schön, dass du da bist und wir sprechen können.
Sprecher 11: Freut mich sehr.
Sprecher 2: Wir kennen uns ja schon eine ganze Weile und ich weiß, du blickst sehr nüchtern auf die politischen Entwicklungen, vor allem in den USA, wo du ja schon seit Jahrzehnten lebst. Aber die zweite Amtszeit von Donald Trump, ja, die erfüllt dich mit Sorge?
Sprecher 11: Ja, es hat alle Anschein, dass es hier einen Epochenbruch gibt, was die amerikanische politische und Sozialgeschichte angeht. Es ist eine qualitativ neue Situation mit Verwerfungen, die in der US-amerikanischen Gesellschaft so bisher, trotz aller Konflikte, die im 20. Jahrhundert ausgetragen wurden, es noch nicht gegeben hat. Und von daher gibt es große Erwartungen auf der einen, aber auch große Befürchtungen auf der anderen Seite, was uns das Jahr 2025 bringen wird.
Sprecher 12: Du hast kurz nach der Wahl von Donald Trump gesagt, ich erinnere mich noch ganz gut, eine anti-westliche Bewegung ist dabei, das Weiße Haus zu kapern. Was meinst du genau damit?
Sprecher 11: Nun ja, die Regierung von Donald Trump hat sich ja positioniert auf eine Art und Weise, die ganz deutlich zeigt, dass die Ära der transatlantischen Kooperation des Kalten Krieges, das hergebrachte System der stillschweigenden, aber auch expliziten Übereinstimmung, was politische Positionierung in der Welt anging und eine starke Allianz, die die Grundlage bildete, nicht nur für europäische, aber auch zum großen Teil für US-amerikanische Außenpolitik, dass diese Ära vorbei ist, dass wir aus US-Perspektive in Europa eher Gegner sehen oder Problemfälle, denn Verbündete, das gleiche gilt für unsere traditionellen asiatischen Partner im pazifischen Raum. Hinzu kommt, dass diese Administration mit einer Tradition gebrochen hat, des pragmatischen Umgangs mit... Multikulturalismus mit Diversität, mit Einwanderung, auch illegaler Einwanderung und gesagt hat, hier würden sich die Dinge jetzt auf eine radikale Art und Weise ändern, bis hin zu den politischen Vorhaben der Massendeportation, die in diesem Jahr beginnen sollen.
Sprecher 12: Aber meinst du denn, dass die amerikanische Demokratie dann wirklich in Gefahr ist, wie er gerne hier ist?
Sprecher 1: immer behauptet wird?
Sprecher 11: Das ist eine offene Frage. Man muss ja sehen, dass die US-amerikanischen Institutionen das Verfassungsgefüge einen Vor- und einen Nachteil hat im Vergleich zu den europäischen parlamentarischen Demokratien, nämlich das Alter. Das ist ein Vorteil in dem Sinne, dass diese 250-jährige Verfassungstradition, die fast ein Vierteljahrtausend lang gewährt hat, eine ungeheure Tiefenschärfe und Stabilität für das Land gebracht hat, ungeachtet aller Konflikte, die es gegeben hat in diesen zweieinhalb Jahrhunderten. Aber das gleichzeitig auch bedeutet, dass dieses Verfassungsdokument nicht... Krisen geschärft, wie durch die Erfahrung des Faschismus und Nationalsozialismus in Europa, sehr allgemein gehalten ist und nur selten verändert wurde. Und diese Grauzonen der Macht, der Transparenz, der Konformität mit gesetzlichen Kontexten, diese Grauzonen sind doch sehr groß. Das hat sich in der ersten Amtszeit von Präsident Trump schon gezeigt, dass es gar nicht so einfach war zu entscheiden, welche Handlungen des Präsidenten innerhalb oder außerhalb der verfassungsmäßigen Kompetenzen lagen. Nun hat der oberste Gerichtshof, der ja konservativ besetzt ist, noch einmal die Machtfülle des Präsidenten vergrößert, indem gesagt wurde, dass er für er oder sie für Handlungen im Präsidentenamt nicht rechtlich und justiziell haftbar gemacht werden kann. Und es wird sich zeigen, inwieweit die US-amerikanische Gesellschaft, die Demokratie, demokratischen Institutionen, also legislative, exekutive und judikative, insbesondere die Gerichte, sich in einer Situation wiederfinden, in der angesichts der starken Polarisierung und politischen Auseinandersetzung hier noch ausgleichende, im gesetzlichen Rahmen sich abspielende Formate gefunden werden können, die US-amerikanische Gesellschaft wieder zusammenzuführen oder zumindest Konflikte zu lindern. Das wird sich zeigen. Es ist nicht ganz deutlich, in welche Richtung die Reise geht.
Sprecher 12: Du hast von Grauzonen gesprochen, die ja ausgetestet worden sind. Und interessanterweise, finde ich ja, gehören da auch so Leute wie Elon Musk jetzt rein, der reichste Mann der Welt, der ja auch eine Rolle spielt, eine eigenartige Rolle, wie überhaupt die ganze Tech-Branche, die ja vor Trump regelrecht in die Knie geht. Ist das eine neue Entwicklung, besorgniserregend in jedem Fall?
Sprecher 11: Das qualitativ Neue ist, dass diese Firmen, die mit ungeheurer Marktmacht ausgestattet sind, nicht nur im Bereich der sozialen Medien, dass die von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen geleitet werden und jetzt offensichtlich mit einem hohen Maß an Flexibilität sich politisch neu verorten. Man muss ja sehen, dass das Problem bei jemandem wie Elon Musk nicht nur ist, dass er mit seinen 200 Millionen Twitter-Anhängern oder X-Anhängern eine unglaubliche Marktmacht hat, was den medialen Raum angeht, sondern auch über seine Satellitenkommunikationsnetzwerke eine ganz wichtige Rolle im Bereich militärischer Sicherheit spielt. Stichwort Ukraine, aber auch die USA, die neue Generation der US-amerikanischen Passagiere. Geierflugzeuge werden jetzt mit einer auf einer seiner Firmen basierenden Technologie ausgerüstet. Amazon hat eine 40-prozentige Marktposition im Konsumentenbereich über die Amazon-Plattformen, das heißt auch eine ungeheure Datenfülle über das Sozial- und Konsumverhalten von Amerikanerinnen und Amerikanern. Und Amazon hat auch einen 30-prozentigen Marktanteil im Speicher-Business, einschließlich großer Anteile der Datenlagerung der US-amerikanischen und anderer Regierungen. Also es ist hier eine qualitativ neue Situation in dem Moment, wo sich die Besitzer dieser Firmen oder die, die die Exekutiventscheidungen treffen, politisch positionieren, unter Umständen auf eine Art und Weise, in der dann ihre Marktmacht dann auch auf die eine oder andere politische Seite sich schlägt. Auch das ist Neuland, ein Terrain, auf dem wir uns bisher noch nicht bewegt haben.
Sprecher 12: Vielen Dank, Michael. Michael Wertz für deine Einschätzung und schönen Gruß zurück nach Washington.
Sprecher 11: Alles Gute nach Berlin.
Sprecher 3: Helene, gibt's noch was?
Sprecher 2: Ja, Michael, ich will mit dir über Lady Gaga sprechen. Auch hier wieder eine Amerikanerin. Wir sind heute ganz schön monothematisch. Lady Gaga kommt in diesem Jahr nach Deutschland, macht insgesamt eine große Tournee. Und, das ist die gute Nachricht, man kann sich jetzt registrieren lassen, um an Tickets für diese Konzerte zu kommen.
Sprecher 3: Solange nicht Bradley Cooper auch dabei ist, werde ich da nicht hinfahren.
Sprecher 2: Ich werde mich jedenfalls um Tickets bemühen und spiele heute schon mal einen Song, der mir besonders am Herzen liegt, viele Erinnerungen wachruft. Und zwar Always Remember Us This Way.
Sprecher 3: Damit verabschieden wir uns für heute, aber denken Sie daran, remember this. Morgen Lars Klingbeil, der SPD-Parteichef im Podcast, aber jetzt Lady Gaga.
Sprecher 2: Tschüss.
Sprecher 3: Ciao, ciao.
Sprecher 13: You look at me, babe, I wanna catch on fire. It's buried in my soul. The California gold. You found the light in me that I couldn't find. So when I'm all choked up and I can't find the words. When the sun goes down and the band won't play, I'll always remember us this way. Lovers in the night. Go, it's trying to rise. We don't know how to rhyme, but damn, we try.
Sprecher 14: But all I really know, you're where I want to go. The part of me that you will never die. So when I'm all choked up, I can't find the words. Every time we say goodbye, baby, it hurts. When the sun goes down and the band won't play, I'll always remember us. There's a way, way up when you look at me and the whole world fades.