Der Deutschlandplan der CDU
Dauer: 24:32

Der Deutschlandplan der CDU

„Wir haben einen Plan. Wir wissen, wie Regieren geht. Und wir wissen um das große Potenzial in unserem Land“, heißt es in der Agenda 2030, die am Wochenende auf der CDU-Führungsklausur beschlossen werden soll.


Ziel sei ein jährliches Wirtschaftswachstum von mindestens zwei Prozent, heißt es in dem Entwurf, der Table.Briefings vorliegt. Dafür sollen die Steuern auf Einkommen, Kapital und Strom deutlich sinken, und die staatliche Bürokratie sowie die Verwaltung sollen entschlackt werden.


Konkret schlägt die CDU vor:


● Der Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer soll erst ab einem Jahreseinkommen von 80.000 Euro, statt wie bisher ab 67.000 Euro, greifen. Das würde den Fiskus 40 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Die Steuerreform soll in vier Schritten bis 2029 umgesetzt werden.


● Überstundenzuschläge sollen steuerfrei sein, und Rentnerinnen und Rentner sollen künftig bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen dürfen.


● Der Solidaritätszuschlag soll komplett abgeschafft werden. Das würde den Bund rund zwölf Milliarden Euro kosten. Der Soli wird noch von Spitzenverdienern sowie Einzelunternehmen und Personengesellschaften bezahlt.


● Die Körperschaftsteuer soll schrittweise auf zehn Prozent abgesenkt werden.


● Die Stromsteuer soll gesenkt und die Netzentgelte reduziert werden, sodass der Strompreis mindestens um fünf Cent pro Kilowattstunde sinkt.


● Die Gewerbesteuer soll vereinfacht werden.


● Das Bürgergeld soll durch eine neue Grundsicherung ersetzt werden, bei der Sanktionen schneller umgesetzt und der Vermittlungsvorrang wieder eingeführt werden sollen. Wer einen Termin beim Jobcenter mehr als einmal schwänzt, soll keine Leistungen mehr erhalten.



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Transkript

Sprecher: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski. Die CDU hat einen neuen Deutschlandplan, die Agenda 2030 und die haben wir vorab und exklusiv bekommen. Wie der große Masterplan aussieht, der angebliche Masterplan, das verraten wir Ihnen gleich. Der neue Donald Trump ist ganz der Alte. Wieder einmal weckt er uns und macht die Welt verrückt mit Tweets, die er spontan, vielleicht auch nicht spontan, raushaut. Jetzt will er Grönland, Kanada, Panama und den Golf von Mexiko kaufen. Ist das alles nur Show oder steckt da doch mehr dahinter? Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frau mehr schlagen. Mit diesem Tweet hat die neue Sprecherin der Grünen Jugend, Jette Niesert, für eine Menge Aufregung gesorgt. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, warum sie das getwittert hat und ob sie eigentlich will, dass kein Mann mehr grün wählt. Es gibt also wieder mal viel zu besprechen. Schön, dass wir wieder zusammen sind, Helene. Es ist 9. Januar, Donnerstag. Los geht's.Wir haben immer gesagt, dass wir vorbereitet sein wollen auf diesen Regierungswechsel mit einem Politikwechsel. Politikwechsel für Deutschland. Einen Politikwechsel. Das ist Politikwechsel für einen Politikwechsel. Legender Politikwechsel für Deutschland. Das zentrale Wort, Helene, der Union ist der Politikwechsel, das behaupten CDU und CSU jetzt schon seit Wochen und Monaten. Diverse Papiere wurden geschrieben, jetzt kommt die CDU mit ihrem großen Deutschlandplan. Sie nennen es Agenda 2030. In Hamburg soll es beschlossen werden an diesem Wochenende. Wir haben die erste Fassung gestern im Berlin-Table veröffentlicht. Bist du einigermaßen nervös, aufgeregt und begeistert? Michael, wenn du buddelst und Dinge ans Tageslicht holst, bin ich immer aufgeregt. Denn meistens, so muss man es sagen, kommt ja auch was dabei raus. Ja, Helene, das Wichtigste in diesem Papier, wo auch vieles drinsteht, was wir schon kennen, ist das Potenzialwachstum in Deutschland. Also das Perspektivische, was man erreichen kann mit dieser Volkswirtschaft, soll auf zwei Prozent gesteigert werden. Bisher haben wir Rezession, wie wir wissen, seit zwei Jahren. In diesem Jahr eventuell das dritte Jahr in Folge und zuvor gab es 0,5 und 1. Also da soll endlich mal der Zeiger nach oben gehen. Ein Wachstum zu versprechen, ist eine ziemlich kühne Angelegenheit, so würde ich das sagen. Denn am Ende, jedenfalls mal in einer Marktwirtschaft, ist es nicht alleine Frage der Politik, ob die Wirtschaft wächst, sondern hängt an vielen anderen Dingen. Wir sind im europäischen Binnenmarkt, wir sind eine Exportnation.Das Wirtschaftswachstum hängt nicht nur an uns und vor allem nicht nur an der deutschen Politik. Da würde ich doch zu etwas Demut raten. Richtig ist natürlich, dass man alles tun muss, um Deutschland wieder auf den Wachstumspfad zu bringen und endlich eben nach diesen drei Jahren der Rezession das Land flott zu machen. Demut ist ja bekanntlich ein Fremdwort in diesem Wahlkampf, Verhelene. Deswegen hat die EU quasi so getan in diesem Papier, als wenn diese Maßnahmen Kausalität bedingen und dann zu Wachstum führen. Was sind diese Maßnahmen? Steuersenkungen. Der Spitzensteuersatz in der Einkommenssteuer soll erst auf 80.000 Euro greifen. Bisher ist das bei 67.000 Euro der Fall. Das ist dann eine Steuersenkung für die gesamte Breite aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Kostet übrigens mal eben so 30 Milliarden Euro, so eine Steuerreform. Die Körperschaftssteuer soll auf 10 Prozent sinken. Die Überstundenzuschläge steuerfrei gestellt werden. Rentner sollen mehr arbeiten dürfen mit weniger Steuern. Der Soli soll vollständig und endgültig abgeschafft werden. Auch das kostet einen einstelligen Milliardenbereich. Also da ist sehr viel Versprechen drin und relativ wenig Finanzierungszusagen. Ich frage mich, inwiefern sich die CDU da eigentlich von der FDP abgrenzt. Ich sehe da ziemlich große Schnittmengen. Und die andere Frage ist, was von diesen Vorschlägen eigentlich wirklich neu ist. Also, dass die CDU den Soli abschaffen will, das wussten wir. Dass die Schuldenbremse bleiben soll, das wussten wir auch. Und die Idee mit den Überstunden zuschlägen, dass die steuerfrei sein sollen, das ist auch nicht neu. Also, Michael. Du hast von Überraschungen gesprochen. Was hat dich denn wirklich überrascht? Also interessante Forderungen sind auch drin, zum Beispiel,Staat und Wirtschaft sollen mehr oder weniger verpflichtend eine Art Gesellschaftsvertrag, hätte ich fast gesagt, eingehen und jährlich 3,5 Prozent des BIP, das ist im Moment deutlich weniger, für Forschung und Entwicklung aufbringen. Das ganze Papier zeichnet den Geist eines neuen Wirtschaftswunders, der in Deutschland eben nur durch Innovation, Technologie und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gelingen kann. Das ist durchaus richtig. Und bei der Körperschaftssteuer, also bei der Firmensteuer, gehen sie deutlich weiter als alle bisherigen Papiere. 25 Prozent wurde bisher vorgeschlagen. Jetzt gehen sie schrittweise auf 10 Prozent runter. Das ist durchaus ein neuer, mutiger Ansatz. Aber natürlich hast du recht, vieles von den Themen sind bekannt. Auch die Finanzierungsideen sind bekannt. Begrenzung der Migration, dadurch weniger Ausgaben für Asyl. Sie wollen die Bundesverwaltung reduzieren. Das bringt jetzt nur einen Millionenbetrag, keinen Milliardenbetrag. Und sie hoffen am Ende auf Wirtschaftswachstum. Sie setzen darauf, dass ein Kanzler, Friedrich Merz, alleine, dass er im Amt ist, die Wirtschaft zu mehr Investitionen anreizt und die Wirtschaft wieder angekurbelt wird. Das ist oft so bei liberalen Politikern oder konservativen Prinzip Hoffnung auf mehr Wirtschaft, sagst du. Eins ist klar, was die CDU unter Angela Merkel als damals neue Parteivorsitzende 2003 in Leipzig sich getraut hat, nämlich eine wirklich sehr radikale Wirtschaftspolitik. Da ging es um, wir erinnern uns, Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Eine Kopfpauschale bei den Krankenkassen, Ideen von Flat Tax, von all diesen Ideen, die übrigens auch damals ja für einigen Ärger auch innerhalb der eigenenPartei gesorgt haben und die CDU auch Sympathien gekostet hat. Davon ist die Friedrich-Merz-CDU auch unter diesem Wirtschaftsmann ziemlich weit entfernt. Ja, ganz wenig Millet und ganz viel Karl-Josef Laumann, würde ich sagen. Friedrich Merz will sich nicht angreifbar machen im Wahlkampf und die SPD hat es schwer, muss ich wirklich sagen, gegen dieses Programm, das teilweise etwa im Seeheimer Kreis auch durchaus als sinnvoll erachtet werden könnte, was die wirtschaftspolitischen Maßnahmen betrifft. Dagegen zu polemisieren im Wahlkampf wird schwer. Friedrich Merz ist rund geschliffen worden, muss man auch sagen, in seiner Volkspartei, die er mal um 180 Grad drehen wollte. Davon ist jetzt so viel nicht mehr übrig.We're going to be changing the name of the Gulf of Mexico to the Gulf of America. Well, we need Greenland for national security purposes. People really don't even know if Denmark has any legal right to it. But if they do, they should give it up. Canada and the United States, that would really be something. You get rid of that artificially drawn line. And we gave the Panama Canal to Panama. We didn't give it to China. And they've abused it. They've abused that gift. It should have never been made, by the way. Giving the Panama Canal is why Jimmy Carter lost it.Da ist da wieder Donald Trump, wie er leibt und lebt. Wir sind es ja nicht mehr so gewöhnt, morgens aufzuwachen und erstmal zu checken, ob Donald Trump wieder mal das Internet angezündet hat mit irgendwelchen absurden Tweets. Ich fand es ja damals 2021 eine echte Erleichterung, dass man diesen Mann nicht mehr ständig vor der Nase hat. Aber jetzt ist er wieder da, obwohl er noch nicht Präsident ist und kraftvoller denn je zuvor, so scheint es, und mit immer absurderen Vorschlägen. Mit imperialen Thesen, die ich so auch noch nicht kannte. Kanada soll der 51. Bundesstaat der USA werden. Grönland müsse unbedingt Teil der USA werden. Und der Golf von Mexiko soll bald Golf von Amerika heißen. Klingt natürlich ganz nett. Man weiß gar nicht, meint der das ernst? Oder sind das wirklich strategische Forderungen für seine Partei? Oder haut der das einfach mal raus? Ich glaube, wir müssen uns daran gewöhnen, auch jetzt nicht jedes Thema und jede Pressekonferenz und jede Aussage sofort zu geopolitischen Sonderkonferenzen ausatmen zu lassen. Allerdings glaube ich schon, dass Dänemark sich gerade Sorgen macht. Also das ist jetzt auch nicht von der Hand zu weisen. Ja, es hört ja damit nicht auf. Er hat auch jetzt sich an Europa gewandt und hat gesagt, 5% für die NATO, das BIP nicht mehr 2%, wie damals 2014 in Wales verabredet. Außerdem soll auch der Panama-Kanal, den die USA gebaut haben, aber der jetzt unter Kontrolle des Landes Panama steht, wieder an die USA zurückgegeben werden. Das sind einerseits sehr absurde Vorschläge, andererseits, wie das oft bei Populisten ist, steckt hinter manchen von denen jedenfalls mal ein Körnchen Wahrheit. Also Robert H.Selbst sagt, wir müssen mehr als zwei Prozent für die Verteidigung ausgeben, nämlich drei Prozent. Und wahr ist auch, dass der Panama-Kanal, der zwar eigentlich Panama gehört, aber jetzt unter großem chinesischen Einfluss steht, dass die Chinesen dort auch wirtschaftlich sehr stark profitieren. Auch da hat Trump einen mini kleinen Punkt, an dem er ansetzt und so natürlich für Zustimmung gewinnt. Also man kann es auch nicht einfach als völlig absurd abtun. Das ist das Problem mit der Sache. Ja, und zu Grönland ist das Problem natürlich auch noch, dass Grönlands Regierungschef selbst, Egil, in einer Pressekonferenz gesagt hat, er strebe die Unabhängigkeit von Dänemark an. Also die wollen sich von Dänemark loslösen. Und Donald Trump und sein Sohn, der ja gerade zufällig bei einem Privatbesuch auf der Insel war, stößt natürlich da in ein offenes Fenster offenbar. Und dann haben sie da auch noch einen Luftwaffenstützpunkt mit ballistischen Raketen. Grönlands Hauptstadt Nuuk liegt näher an New York als an Kopenhagen. Also dahinter steckt offenbar mehr als nur Make America Great Again. Er will auch geopolitisch auf der Welt in ein paar Achsen verschieben, habe ich das Gefühl. Er stellt auch den Europäern jetzt noch klarer als Biden zuvor die Frage, auf welcher Seite steht ihr eigentlich. Also es wird auch für uns und auch für das China-Geschäft der deutschen Unternehmer wahrscheinlich ziemlich ungemütlich. Aber man darf bei all dem nicht vergessen, Donald Trump ist ein Dealmaker. So ist ja auch sein eigenes Verständnis. Das heißt, man muss diese Vorstöße, die er jetzt macht, vielleicht auch nicht als echte politische Forderung ansehen, sondern wie ein Wirtschaftsband, der einfach mal einen Deal vorschlägt und weiß, dass er 150 Prozent vor...um am Ende vielleicht 70 Prozent zu kriegen. Also sprich, es kommt auch auf uns an und auf die Antwort, die wir Europäer auf diese Forderungen geben. Bundeskanzler Olaf Scholz und auch der Oppositionsführer Friedrich Merz haben deine Worte offenbar schon gehört. Sie äußern sich durchaus selbstbewusst und kritisch gegenüber den Äußerungen von Trump zu 5-Prozent-Quote. Also man darf da auf neue Friktionen im transatlantischen Verhältnis gespannt sein. Jedenfalls brauchen wir dieses Selbstbewusstsein und wir warten mal einfach ab, was er am Ende dann auch wirklich macht, wenn er im Amt ist.2024 war wahrlich kein einfaches Jahr für die Grünen, auch nicht für die Jugendorganisation, die Grüne Jugend. Im Herbst wurden erst mal Ricarda Lang und Omid Nouripour als Parteivorsitzende zurückgetreten und dann hat selber der Parteivorstand der Grünen Jugend aufgegeben aus Protest gegen die Politik der Mutterpartei. Wie ist jetzt eigentlich das Verhältnis zwischen der Grünen Jugend und der Mutterpartei? Können die Grünen darauf hoffen, dass die knapp 17.000 Mitglieder der Grünen Jugend sie im Wahlkampf unterstützen? Und warum hat Jette Nitzert, die neue Sprecherin der Grünen Jugend, eigentlich einen Tweet abgesetzt zu Silvester, den man, glaube ich, durchaus als männerfeindlich interpretieren kann? Schön, dass Sie da sind, die Bundessprecherin der Grünen Jugend. Hallo Frau Nitzert. Hallo, ich freue mich. Sie haben ordentlich Furore gemacht um Silvester rum mit einem Tweet, der auf Twitter viele aufgeregt hat und der lautete, Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frau mehr schlagen. Was haben Sie sich dabei gedacht? Ich wollte vor allem über häusliche Gewalt sprechen, was ein großes Problem ist in Deutschland. Alle drei Minuten wird eine Frau Opfer von häuslicher Gewalt und der Tweet war überspitzt. Ich habe mich dann dafür entschuldigt, aber ich glaube, wir sollten weiter an dem Thema dranbleiben, weil es einfach so viele Menschen betrifft und es wäre gut, wenn wir das im Wahlkampf auch weiterspielen würden. Ich habe es am Abend noch Silvester gelesen und habe mir gedacht, wollen die Grünen jetzt eigentlich alle Männer vergraulen und setzen nur noch auf Frauen, die ja angeblich in Robert Habeck verliebt sein sollen?Nein, wir wollen nicht alle Männer vergraulen, aber ich glaube, Männer sollten auch dafür verantwortlich sein, dafür zu sorgen, dass es weniger häusliche Gewalt in dieser Gesellschaft gibt. Also es gibt ja diesen Spruch, nicht alle Männer, aber immer wieder ein Mann. Und das stimmt halt einfach. Und ich glaube, dass Männer eigentlich auch ein Interesse daran haben, dass Frauen nicht geschlagen werden. Und die Männer sollten sich auf unsere Seite stellen. Also besser eine Hand verlieren, als eine Frau schlagen? Besser keine Frau schlagen. Und jetzt ergibt sich ja folgendes Problem, dass gerade beim Böllern, aber auch in anderen Bereichen, Gewalt natürlich nicht immer, aber oft auch von migrantischen Communities ausgeht. Auch bei den Fragen von Angriffen auf Feuerwehrleute und Polizisten. Und gerade die Eskalationsbereitschaft ist in Berlin, es ist in Neukölln, in Milieus migrantischer Community besonders hoch. Wie bringen Sie das eigentlich zusammen mit dem feministischen Gedanken, den Sie verfolgen und andererseits ja Ihrer auch antirassistischen Grundhaltung? Hier gibt es, glaube ich, viele Probleme. Das eine ist ein Aufmerksamkeitsproblem. Also die Kugelbombe, die beispielsweise in Schöneberg geplatzt hat. Schöneberg ist ja nicht gerade als der migrantischste Bezirk bekannt. Ich glaube, es ist eine Frage, worüber wir reden. Ich glaube, ich habe es mit dem Tweet auch geschafft, dass wir das erste Mal am 1. Januar nicht unbedingt über migrantische Männer, sondern vor allem über Männlichkeit grundsätzlich gesprochen haben. Ich glaube, wir haben eben ein Problem mit Männlichkeit in dieser Gesellschaft und das haben wir bei Menschen mit Migrationsgeschichte. Das haben wir aber genauso bei weißen, blonden deutschen Männern. Und ich glaube, wir als Frauen kennen das vielleicht ganz gut. Vielleicht kennen Sie das auch. Man hat nie Angst davor, wenn einem eine Frau mit Kopftuch im Dunkeln abends begegnet.Also das ist nichts, wovor ich Angst habe. Und dann eine Pauschalisierung von Menschen zu machen, die aus unserer Perspektive vielleicht migrantisch aussehen, das haben wir nicht. Sondern wir haben Angst vor Männern, egal ob sie blond sind oder braune Haare haben, wenn wir nachts durch die Straßen laufen. Und deshalb haben wir ein Problem mit Männern. Und die Perspektive, das immer wieder nur auf migrantische Männer zu beziehen, ist, glaube ich, eine rassistische. Aber das habe ich nicht getan. Was machen wir denn mit diesem Problem mit Männern? Es ist ja die Hälfte der Gesellschaft und irgendwie müssen wir mit ihnen umgehen, oder? Wir müssen mit ihnen umgehen, aber ich glaube, wir müssen auch eben stärker darauf einwirken. Ich glaube, es ist etwas, was viele Menschen sich auch nicht trauen auszusprechen, weil man dann eben direkt in so eine Kerbe von Männerhass getrieben wird. Aber das kann doch nicht sein, dass wir nicht über Männlichkeit reden, nur weil wir Angst haben vor Männern. Jetzt steckt ja der moderne Mann, wie er selber von sich sagt, jedenfalls viele Männer sagen das schon sowieso in einer Krise, weil er in diesem Identitätsproblem ist, einerseits irgendwie weich sein zu sollen und andererseits dann aber auch männlich sein zu sollen. Haben Sie da manchmal auch ein bisschen Mitleid mit den Männern? Frauen haben seit hunderten Jahren dafür gekämpft, Rechte zu haben und sich zu emanzipieren. Und Frauen haben das geschafft. Frauen haben ein Wahlrecht, was noch nicht so alt ist. Frauen dürfen nun endlich selber über ihr Bankkonto bestimmen und müssen nicht einen Mann fragen, ob sie einen Job haben müssen. Ich möchte kein Mitleid damit haben, dass Männer damit nicht klarkommen. Wir sehen ja auch, dass junge Männer beispielsweise immer konservativer, während junge Frauen immer liberaler und progressiver werden. Und ich möchte kein Mitleid damit haben, dass Männer sich nicht weiterentwickeln. Ich glaube, wir brauchen einen Prozess in dieser Gesellschaft, dass Männer es schaffen, eben auch ein neues Bild von Männlichkeit zu entwickeln.Aber das ist nicht meine Aufgabe, ist ehrlich gesagt. Ihr Tweet hat die grüne Parteizentrale, wenn ich das richtig verstanden habe, auch deswegen verärgert, weil man eigentlich der Meinung war, dass mit der Neuaufstellung der Grünen Jugend vor drei Monaten, dass sich das Verhältnis deutlich verbessert, das ja in der Vergangenheit sehr angeschlagen war. Also beim Europawahlkampf hat die Grüne Jugend eigentlich keinen Wahlaufruf für die Grünen gemacht, sondern nur eine Mitgliederkampagne. Wie würden Sie das Verhältnis zur Mutterpartei beschreiben? Das Verhältnis ist auf jeden Fall jetzt wieder besser geworden. Wir stehen in einem stärkeren Austausch, den unsere VorgängerInnen nicht getan haben und freuen uns da auch drüber und bringen uns auch sehr aktiv ein in Prozesse. Jetzt beispielsweise gerade wird das Wahlprogramm verhandelt. Da haben wir einige Änderungsanträge, um unsere Schwerpunkte da noch weiter reinzubekommen. Ist natürlich ein wechselseitiges Spiel. Also auch die Grünen kommen da auf uns zu und müssen das aber auch weiterhin tun, damit das gut zusammenarbeitet, funktionieren kann. Also Sie fühlen sich gehört? Ich fühle mich gehört. Was sind denn Ihre Schwerpunktthemen? Wir haben drei große Schwerpunktthemen. Das ist Klima, Soziales und Menschenrechte. Beim Klima geht es zum Beispiel um einen Gasausstieg bis 2035, den wir jetzt auch noch versuchen, ins Programm zu verhandeln. Im Thema Menschenrechte setzen wir ganz viel darauf, keine Abschiebungen mehr zu haben und auch keine weiteren Asylrechtsverschärfungen, wo wir gerade noch in der Verhandlung sind, im Programm auch gerade nach Aussagen, die ja beispielsweise Friedrich Merz getätigt hat, der das Grundgesetz ausfüllen will und Staatsbürger in erster und zweiter Klasse schaffen will. Da dürfen die Grünen einfach nicht mitgehen und sich da auch nicht an die CDU anbandeln. Genau, und im sozialen Bereich geht es natürlich ganz viel um Armut bei jungen Menschen, Kindergrundsicherung, aber auch das BAföG und Auszubildendenvergütung.für ein Leben reichen muss. Also Menschen erster und zweiter Klasse, das würde die CDU jetzt sicherlich anders beschreiben. Aber Ihre scharfe Kritik an Friedrich Merz klingt nach Skepsis, mal jedenfalls gegenüber Schwarz-Grün. Würden Sie das ausschließen wollen? Ja, ich glaube, dass mit der CDU keine Politik zu machen ist, die Frauenrechte, Kinderrechte oder Menschenrechte achtet. Und das zeigt Friedrich Merz in diesem Wahlkampf immer wieder, wenn er nicht möchte, dass Frauen über ihren eigenen Körper bestimmen können, wenn es bei der Abschaffung um§ 218 geht. Menschenrechte werden immer wieder ausgehöhlt, gerade wenn man möchte, dass die deutsche Staatsbürgerschaft wieder aberkannt werden kann beispielsweise. Das ist nicht zu machen mit uns. Also Neuauflage der Ampel oder was wünschen Sie sich? Ich wünsche mir, dass die Menschen auf die Straße gehen, um für möglichst gute Politik abzustimmen. Wir glauben, dass Robert Habeck oder auch die Grünen die linkeste Option sind, die im nächsten Bundestag landen. Dann schauen wir ab dem 23. Februar, welche Konstellationen überhaupt möglich sind. Das Verhältnis Ihrer Vorgängerinnen war ja insbesondere zu Robert Habeck angeschlagen. Sie haben ihn auch öffentlich kritisiert. Wie finden Sie den Kanzlerkandidaten Habeck? Ich finde, dass er eben der linkeste Kanzler ist, den man wählen kann. Natürlich würde Robert Habeck nicht alles tun, was ich sage. Und das ist auch okay. Wir sind ja auch dafür da, einen Unterschied zur Partei zu haben. Aber ich glaube, er ist das Beste, was gerade auf dem Markt ist, ehrlich gesagt. Und deshalb unterstützen wir auch den Wahlkampf der Grünen. Wir haben natürlich eigene Kampagnenschwerpunkte als grüne Jugend. Das ist ja auch unsere Aufgabe. Und am Ende kann man aber die Partei wählen und das kann man guten Gewissens tun. Wie finden Sie denn die Wahlplakate jetzt? Ein Mensch, ein Wort, in dem Robert Habeck gezeigt wird oder jetzt sein Ausruf für das neue Jahr, in dem er sagt, was wollt ihr so machen?Kanzler werden und Mensch bleiben? Ich wüsste nicht, wie ich mich mit einem Wort beschreiben soll. Ich bin ganz froh, dass ich nicht auf Plakaten zu sehen bin. Das wird sich eine Agentur gut ausgedacht haben und da stecke ich nicht dahinter. Wir haben ja zum Glück keine Plakate. Sie war nicht in der Planung drin. Ich war nicht in der Planung für die grüne Wahlkampagne drin und ich bin ja auch keine Politikberatung für die Grünen. Und was hören Sie so aus Ihrer Community? Wie kommen diese Plakate so an? Gut eigentlich. Also gerade wenn ich sehe, was andere Parteien so plakatieren, bin ich ganz froh, dass wir uns auf Dinge einigen können, wie Schulen und Kitas auszubauen. Also uns ist ja ein wichtiger Punkt beispielsweise auch die Abschaffung der Schuldenbremse. Bei den Grünen ist dann eine Reform der Schuldenbremse und wir glauben, das müssen wir den Menschen eben auch sagen. Wir sind nicht alle reich und können uns Privatschulen leisten und deshalb brauchen wir eben gute Schulen, die mit öffentlichen Geldern finanziert sind. Und genau, da bin ich froh, wenn sowas in den Mittelpunkt gesetzt wird. Zum Schluss ein ganz kurzer Blick zurück. Die ehemalige Parteivorsitzende Ricarda Lang hatte ihre Funktion, sie war auch mal Sprecherin der Grünen Jugend. Jetzt musste sie zurücktreten und man fragt sich im Rückblick eigentlich, warum eigentlich. Sie hat eine der besten Reden gehalten auf dem Parteitag jetzt im November. Wie ist das? Vermissen Sie Ricarda Lang? Ich bin zum Glück immer wieder im Austausch mit Ricarda Lang und freue mich, dass sie jetzt die Bundestagsfraktion weiter gestalten wird. Ich glaube, es ist wichtig, dass junge Frauen und gerade so kluge Frauen wie Ricarda noch lange Teil der Partei sind. War das ein Fehler, die Parteispitze auszuwechseln, so kurz vor der Wahl? Ich bin keine Politikberatung für die Grünen. Ich bin froh, an der Position zu sein, die ich jetzt bin. Und ich freue mich, wenn Menschen wie Ricarda weiter die Partei gestalten. Vielen Dank, dass Sie heute hier waren, Frau Nitzert. Dankeschön.Michael, drei Tage warst du in Bayern. Hast du es geschafft, den Dry January einzuleuten? Es ist schon hart, muss man sagen, am Fuße des Chiemsee in diesen wunderbaren Klostergaststätten ein alkoholfreies Bier zu bestellen. Ich habe es auch wirklich fast geschafft, zwei Tage, mein ein so ein helles, finde ich, muss man ja rein geschmacklich da mal zwischendurch reinbringen. Also so ein Semi-Dry January. Aber ich finde, es machen ganz schön viele inzwischen, nicht nur Politikerinnen und Politiker, sondern auch Journalistenkollegen. Das war früher mal anders. Sag mal, rein geschmacklich findest du, dass es eigentlich einen großen Unterschied macht, jenseits vom Gefühl, aber einfach nur vom Geschmack zwischen echtem Bier und... Alkoholfrei. Okay, er hat jetzt so oft Ja gesagt. Es muss einfach stimmen. Richtig ist jedenfalls, es gibt den Trend zu immer weniger Alkohol. Im Januar vor einem Jahr wurde tatsächlich 50 Prozent weniger Alkohol verkauft als im Dezember 2023. Also sprich, offenbar gibt es wirklich viele Leute, die im Januar... Wenig bis nichts trinken, vielleicht auch, weil sie im Dezember dann so ordentlich reingehauen haben. Auch aus Frankreich hören wir, die jungen Franzosen trinken immer weniger in diesem Land des Kir Royal und des Champagners. Es scheint ein Trend zu sein. Dann gibt es natürlich die, die das Binge... Drinking machen, also das Komasaufen, auch das gibt es noch. Aber insgesamt, so scheint es, wird die Jugend und auch die Erwachsenen und die jungen Erwachsenen wie Michael Bröker werden vernünftiger.Ja, auch, dass vielleicht es gesundheitliche Aspekte durchaus geben könnte bei zu viel Alkoholkonsum. Und ich finde, man muss dieses Maß und Mitte, wenn man sonst im Jahr, vor allem im Sommer ja auch nicht wirklich schafft, Da muss man es eben in den Randzeiten des Jahres hinkriegen, da wo eigentlich nicht so viel los ist. Jetzt ist Wahlkampf, aber auch im Wahlkampf kann man ja nicht ständig, auch als Politiker kannst du ja nicht in jedem Infostand dir noch ein Schnäpschen mitnehmen. Es tut auch gut, es tut ja auch der Gesundheit gut, Gewichtsverlust, besserer Schlaf, niedriger Blutdruck, die Leber freut sich auch. Also es ist ja offensichtlich, dass die Folgen durchaus positiv sind. Ich finde, wenn man zwei Schwangerschaften und zwei Stillzeiten überstanden hat, wo man nichts getrunken hat, hat man erstmal in dieser Hinsicht genug getan. Deswegen mache ich zum Beispiel keinen Dry January. Und insbesondere sollten Politiker, aber auch Journalisten im Wahlkampf aufpassen und nicht nach Hause kommen und denken, jetzt mal als erstes ein Bier, um runterzukommen. Oder wie ein Kandidat in Niedersachsen kürzlich zurücktreten musste, weil er gesagt hatte, er braucht das Kokain einfach zum Entspannen vom Politikbetrieb. Wenn es soweit ist, ist es sicherlich zu spät. Aber da sind wir ja noch nicht anders als ein Mann, den ich ja sehr bewundere, der leider schon tot ist, Elvis Presley. Das ist der Song des Tages. Are you lonesome tonight? Was viele Politiker sind. Are you lonesome tonight? Do you miss me tonight? Are you sorry we drifted?Ja, und schade eigentlich. Ich meine, bei ihm hat man ja auch gesehen, Helene, wie man 1977, als ich geboren wurde, ist er gestorben. Wie man dann aussehen kann. Es ist leider traurig. Ja, es ist leider schon wirklich bitter. Die Musik ist trotzdem sehr gut. Sensationell. Und dieses Lied, Are You Lonesome Tonight, nicht nur, dass der Text schön ist, sondern besonders schön ist die Version, in der er so lacht, als hätte er sehr viel getrunken oder andere Substanzen genommen. Wir wissen es nicht so ganz genau. Jetzt hören wir es uns gemeinsam an und wünschen Ihnen einen beschwinkten, möglichst nicht einsamen Donnerstag. Tschüss, bis morgen.I wonder how. Thank you so much, sir. The world's a stage. You need to play a part. I can't. Oh, God. Oh, man. I had no cause to doubt you.Oh, my God. Swing it, baby. Shall I come back again? Tell me dear, are you less than me? Is your heart filled with pain? Shall I come back again?Are you awesome?