Friedrich MERZ - Aufstieg eines Unbequemen III
Friedrich Merz ist eines der ungewöhnlichsten politischen Comebacks in der Geschichte der Bundesrepublik gelungen. Nach 13 Jahren im selbst gewählten politischen Exil brauchte Friedrich Merz drei Versuche, um nach dem Rückzug von Angela Merkel an die Spitze der CDU zu gelangen und nochmal zwei Jahre, um sich als Kanzlerkandidat nominieren zu lassen.
Dabei zeigte sich der 69-jährige Jurist aus Brilon in den letzten Jahren genauso durchsetzungs- wie anpassungsfähig.
Michael Bröcker hat sich den Aufstieg von Friedrich Merz genauer angesehen. Gemeinsam mit vielen Weggefährten und politischen Beobachtern geht er der Frage nach: Kann Merz Kanzler?
Oder ist er zu impulsiv, zu schroff und stößt dadurch die Menschen vor den Kopf? Hat der Mann aus dem Sauerland vielleicht eine andere, bislang wenig bekannte Seite? Was genau befähigt Merz, dieses Land aus der Krise zu führen?
In der dritten und letzten Episode unserer Podcast-Staffel zeichnen wir die Comeback-Story nach und sprechen mit früheren Parteichefs, Ministerpräsidenten und langjährigen Begleitern über den steinigen Weg des Friedrich Merz.
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Transkript
Sprecher 1: Guten Abend, meine Damen und Herren. Friedrich Merz zieht sich aus der Führung der Union zurück.
Sprecher 2: Ich bedauere das und er gehört zu unseren besten Fachleuten. Ich habe mich darüber gefreut, dass er trotzdem angeboten hat, gerade in Fragen der Steuerpolitik, in Fragen der Sozialpolitik und des Arbeitsmarktes, uns weiter mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Sprecher 3: Es ist ein dünnes Fax mit nur zwei Absätzen, das vor genau 20 Jahren das Ende der politischen Karriere von Friedrich Merz besiegelt. In dem kurzen Schreiben an seine Fraktionsvorsitzende Angela Merkel kündigte Merz seinen Rückzug an. Und auch den Abschied aus dem CDU-Präsidium zum Ende des Jahres. Sachfragen dürften nicht von Personalfragen überlagert werden, schrieb er damals. Es waren die Nachwehen einer Niederlage, die bis heute auf verschiedene Art und Weise Auswirkungen auf die Persönlichkeit und die Position von Friedrich Merz hat. 2002, Sie wissen es, hatte Angela Merkel diese unscheinbare junge Frau aus dem Osten, ihm, dem mächtigen Vorsitzenden der Unionsfraktion und vermeintlichen Kronprinzen der Nachkohlzeit, den Fraktionsvorsitz entrissen. Und dabei auch noch einen Deal mit einem anderen konservativen Mann gemacht, nämlich Edmund Stoiber.
Sprecher 2: Ich habe heute im Präsidium und Bundesvorstand auch den... Mitgliedern meine Überlegungen mitgeteilt, dass ich glaube, dass diese Oppositionsarbeit in einer gebündelten Funktion von Partei- und Fraktionsvorsitz besser und gut erledigt werden könnte, besser im Sinne einer neuen Etappe, die auf uns zukommt.
Sprecher 4: Die Position der CSU ohne jetzt der souveränen Entscheidung der Bundestagsfraktion vorzugreifen, ist, dass sie die Überlegungen, das zu bündeln, durchaus für eine strategisch richtige Entscheidung hält. Und jedenfalls von meiner Seite her gibt es hier eine klare Unterstützung.
Sprecher 5: Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass die Union in größtmöglicher Geschlossenheit jetzt in diese Auseinandersetzung mit der rot-grünen Bundesregierung geht und dass jeder Beitrag notwendig ist, diese Geschlossenheit auch zu erreichen. Auch mein persönlicher Beitrag. Ich habe dieses Amt gern ausgeübt, aber wenn es jetzt darum geht, uns neu aufzustellen, dann ist wichtig, dass die Geschlossenheit Vorrang hat vor allen anderen Erwägungen, auch vor persönlichen Erwägungen.
Sprecher 3: Es ist die große offene Wunde des Politikers Merz. Und sein Abschied danach aus der Politik, er wirkt etwas demütigend. 2009 scheidet er sang- und klanglos aus dem Bundestag aus. Zum Abschied gibt es für Friedrich Merz, den ehemaligen Vorsitzenden der Fraktion, nicht einmal einen Empfang oder ein Gruß. Kleines Abendessen. Merkel hatte den Neustart der CDU ohne Merz organisiert. Nun, 20 Jahre später, kann eben auch Friedrich Merz den Neustart in der CDU nur ohne Merkel und nach Merkel organisiert.
Sprecher 6: Wahlergebnis für die Wahl des neuen Bundesvorsitzenden der CDU Deutschlands. Auf Friedrich Merz entfielen 915 Stimmen. Das sind 94,62 Prozent. Damit ist Friedrich Merz zum neuen Vorsitzenden gewählt. Lieber Friedrich Merz, ein beeindruckendes Ergebnis von fast 95 Prozent. Und deswegen darf ich dich fragen, nimmst du diese Wahl zum Bundesvorsitzenden der CDU Deutschlands an?
Sprecher 7: Lieber Paul, liebe Freundinnen und Freunde, Ich nehme das Wahlergebnis an. Und ich bin tief bewegt und beeindruckt von diesem Wahlergebnis. Herzlichen Dank.
Sprecher 3: Im Januar 2022 wird Merz nach zwei gescheiterten Versuchen und nach 13 Jahren im politischen Exil endlich aus seiner Sicht endlich CDU-Bundesvorsitzender. Und zwei Jahre später erringt er gegen die beiden Macht- und Selbstbewussten Nebenbuhler um das Spitzenamt Henrik Wüst und Markus Söder auch die Kanzlerkandidatur. Es ist ein beispielloser Wiederaufstieg, ein politisches Comeback, wie es es noch nie gegeben hat in der Geschichte der Bundesrepublik. Und im Januar 2025 ist die Lage gut für Friedrich Merz. Sechs Wochen vor der Wahl liegt seine CDU in nahezu allen Umfragen 14 bis 16 Prozentpunkte vor der SPD. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit wird dieser Friedrich Merz der zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik. Wie konnte dieser Mann, der ja nicht nur in der Partei, sondern auch im Volk so polarisiert, so weit kommen? Was lässt sich aus dem Wiederaufstieg lernen? Über den möglichen Führungsstil Merz? Was treibt ihn wirklich an? Was hat er mit dem Land vor? Darum soll es gehen heute in der dritten und letzten Folge unserer Podcast-Staffel.
Sprecher 8: Table Today Spezial. Friedrich Merz, der Aufstieg eines Unbequemen.
Sprecher 3: Drei zentrale Charaktereigenschaften von Friedrich Merz werden Ihnen in der folgenden Stunde immer wieder begegnen. Da ist zum Ersten die Beharrlichkeit. Man könnte es auch Sturheit nennen. Zweitens eine gewisse Wendefähigkeit oder auch die Fähigkeit zur Einsicht und zur Umkehr. Und drittens die Impulsivität oder auch eine gelegentlich etwas überschwappende politische Leidenschaft.
Sprecher 9: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 3: Beginnen wir mit der Beharrlichkeit und der beispiellosen Rosskur von Friedrich Merz durch die eigene Partei. Dafür müssen wir zurückgehen in den Herbst des Jahres 2018. Es ist der 31. Oktober 2018.
Sprecher 10: Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau. Mit einem Auftritt vor der Bundespressekonferenz hat sich Friedrich Merz im Rennen um die Merkel-Nachfolge an der CDU-Spitze in Stellung gebracht.
Sprecher 3: Merz sitzt vor der Bundespressekonferenz in Berlin-Mitte, dort wo er zuletzt vor 20 Jahren schon den Hauptstadtjournalisten als Fraktionschef die politischen Botschaften der Woche gab. Optisch kaum verändert, in schickem Businessanzug richtet sich Merz auf.
Sprecher 11: Meine Damen und Herren.
Sprecher 3: Und Scherz zu Beginn.
Sprecher 11: Mein Name ist Friedrich Merz. Mit E. Anders als in Ihrer Einladung, die Sie bekommen haben.
Sprecher 3: Denn in der Einladung zur Pressekonferenz hatte man ihn mit Ä geschrieben, so wie den Frühlingsmonat März. Die Überraschung bei den Profis des Nachrichtengeschäfts war offenbar groß, dass dieser Mann, der den politischen Herbst doch längst hinter sich hatte, nun plötzlich wieder quietschfidel auf der Bühne steht. Hatte dieser Friedrich Merz mit seiner Tätigkeit als Berater, Anwalt und Aufsichtsrat nicht längst in der Privatwirtschaft richtig gut verdient und sich dort eingenistet? Von einem Jahreseinkommen von mehr als einer Million Euro war die Rede. Merz ging es doch. Ach gut, die Comeback-Spekulationen der vergangenen Jahre, kaum einer der Journalisten hatte sie noch ernst genommen. Doch in Wahrheit hatte Merz die Politik nie ad acta gelegt. Die Leidenschaft für die großen politischen Fragen, sie war bei ihm immer geblieben. Seine Andeutungen in vertraulichen politischen Salons, bei Auftritten in Wirtschaftsklubs oder auf Unternehmertagen, sie waren für Anwesende eigentlich nicht zu missdeuten. Da war der Wille und der Drang spürbar, es allen in seiner Partei, sich selbst natürlich, aber auch der Kanzlerin nochmal zu zeigen, dass er es kann. Merz wurde in diesen Jahren die Projektionsfläche für all jene, die sich in der Merkel-Ära nicht mehr wiederfanden und sich keinen mitfühlenden Konservatismus wünschten, sondern einen zupackenden. Friedrich Merz, er war der Anti-Merkel. Das war die Rolle für zumindest diesen Teil seines Lebens. Deshalb, so hat er es mir schon 2016 erzählt, sei ein Comeback doch nur denkbar, wenn Angela Merkel weg ist. Ein Putsch von außen gegen die amtierende Kanzlerin, das hat er immer abgelehnt. Aus realistischer Einschätzung der Lage, aber auch weil er ein strikter Loyalist ist, wenn es um die CDU ging. Er wusste, er könne nur der Mann nach Merkel sein. Aber dass er es besser machen würde als diese Frau, die er auch schon mal abfällig in vertraulicher Runde die Alte nannte. Und nur wenn er wirklich milde gestimmt war, die Dame, das war seine tiefe Überzeugung. Am 28. Oktober 2018, Merz war gerade als Vorsitzender der Atlantikbrücke von einer USA-Reise wiedergekommen, sollte er diese Chance bekommen. Sein Freund Wolfgang Schäuble. Er hatte ihm schon ein paar Wochen zuvor gesagt, dass er sich am Abend der Hessenwahl entscheiden müsse, was er wirklich wolle. Die Merkel-CDU, sie war in dieser Zeit im freien Fall in der Wählergunst. Der Unmut über die Flüchtlingspolitik war noch groß und die Dominanz der SPD in der so ungeliebten CDU-geführten GroKo, sie waren ein toxischer Mix. Die Basis murrte, Merkel hatte auch in den Medien ihren Zenit überschritten. In Umfragen lag die Union nur noch bei 22 Prozent. Die Hessenwahl galt also auch als möglicher Punkt einer Abrechnung. Nach den Sommerferien hatte Friedrich Merz dann seinem Vertrauten, dem Wirtschaftsflügelchef Carsten Linnemann, schon verraten, dass er eventuell bereitstehen könnte. Wenn Hessen schief geht, dann mache ich es, soll er Linnemann gesagt haben. Und die Hessenwahl ging schief. Nur noch 27 Prozent für die CDU, ein Minus von 11 Prozent.
Sprecher 12: 27 Prozent, das ist für die hessische CDU... Alles andere als erfreulich. Wir haben drastische Verluste. Das tut weh. Das ist Anlass zur Demut. Da werden wir auch nicht einfach drüber hinweggehen. Und natürlich muss unser Ziel sein, diese Wählerinnen und Wähler wieder zu gewinnen.
Sprecher 3: Ein Desaster. Am Nachmittag der Wahl trafen sich in der Villa des Ministerpräsidenten in Wiesbaden die CDU-Granden. Die ersten Nachwahlprognosen liefen auf den Handys auf. Die Stimmung war entsprechend mies. Nur bei einem nicht, wie sich Teilnehmer erinnern. Roland Koch, der ehemalige Hesse. Ministerpräsident Frohlockte. Er deutete schon am Nachmittag ein großes politisches Comeback an. Koch war eingeweiht. Er gehört seit der Gründung des Andenpacks nicht nur zu den politischen Freunden von Friedrich Merz. Am Wahlsonntag telefonierte Merz auch mit seinem Landeschef Armin Laschet und sagte ihm, dass er bereit wäre, Verantwortung zu übernehmen. Merkel im Kanzleramt weilen, blieben diese Überlegungen offenbar nicht verborgen. In ihrem Umfeld wird an dem Tag schon spekuliert, ob Merz sonst auf dem Parteitag im Dezember gegen sie antreten könnte, wenn sie jetzt keine Konsequenzen zieht. Merkel bereitet eine Erklärung vor. Am nächsten Morgen wird sie ankündigen, den Parteivorsitz abzugeben.
Sprecher 2: Für mich ist es heute an der Zeit, Ihnen folgende Entscheidung mitzuteilen. Erstens, auf dem nächsten Bundesparteitag der CDU im Dezember in Hamburg werde ich nicht wieder für das Amt der Vorsitzenden der CDU Deutschlands kandidieren. Zweitens, diese vierte Amtszeit ist meine letzte als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Drittens, für den Rest der Legislaturperiode bin ich bereit, weiter als Bundeskanzlerin zu arbeiten. Und viertens, ja, damit weiche ich in einem ganz erheblichen Maße von meiner tiefen Überzeugung ab, dass Parteivorsitz und Kanzleramt in einer Hand sein sollten. Das ist ein Wagnis, keine Frage. Fünftens, meine Partei, die CDU, kann sich mit einer auf dem Bundesparteitag in Hamburg gewählten neuen Föhn Führungsmannschaft, verbunden auch mit dem Prozess für ein neues Grundsatzprogramm, auf die Zeit nach mir einstellen.
Sprecher 3: Bei ihrer Entscheidung, so wird es später von einer Person berichtet, die bei den Gesprächen dabei war, soll Merz Ambition durchaus eine Rolle gespielt haben. Ob Merz aber wirklich gegen sie angetreten wäre, das ist bis heute offen. In der Gremiensitzung am Montag kündigt schließlich Merkel ihren Rückzug und zwei Kandidaten ihre Bewerbung an. Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn. März wiederum lässt via Bild-Zeitung seine Kandidatur erklären. Der Dreikampf ist eröffnet. Aber Merz ist der Outsider in dieser Auseinandersetzung. In den acht folgenden Regionalkonferenzen quer durch Deutschland ist zu spüren, dass die Basis ihn zwar schätzt, er aber der Kandidat gegen die Funktionäre und gegen die Parteiführung ist. Das berühmte Establishment, das später noch eine Rolle spielen wird. Er ist der Antipode zur Kanzlerin und damit auch der Antipode zu allem, wofür diese CDU in der Regierung steht. Genau das ist sein Problem. Merz erlebt, wie sich die Reihen schließen, wenn einer von außen die Machtstruktur aufbrechen will. Und er spürt, wie mächtig das Merkel-Lager in Wahrheit noch ist. Ein Präsidiumsmitglied nach dem anderen, ein Landesvorsitzender nach dem anderen spricht sich für Annegret Kramp-Karrenbauer aus, die Favoritin der Kanzlerin. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, ein Freund Roland Kochs und auch ein guter Vertrauter von Friedrich Merz, tut das und erklärt im Interview im Herbst 2024 bei uns Rückblick. warum er damals märztige Volkschaft verweigerte.
Sprecher 13: Naja, ich habe mir das Ganze erstmal angeschaut. Ich habe später mit Friedrich darüber gesprochen, also einige Zeit später, und habe gesagt, wir brauchen einen Parteivorsitzenden und keinen Vorstandsvorsitzenden. Und Friedrich hat sich bei mir bedankt für die Offenheit. Und genauso wie ich es da gemacht habe, habe ich dann nach der verlorenen Bundestagswahl auch gesagt, jetzt gibt es kein Vertun, ich stehe hinter dir und das tue ich auch noch heute.
Sprecher 3: Naja, zunächst mal haben Sie ja Frau Kramp-Karrenbauer unterstützt.
Sprecher 13: Das stimmt. Sie war Generalsekretärin. Ich kannte sie lange. Sie war eine Frau, die das Herz der Partei hatte. Und mir erschien es richtig, nicht eine Konfrontation jetzt noch obendrauf zu setzen, die ich erwartete, wenn Merkel Kanzlerin bliebe und Friedrich Parteivorsitzender wird. An der Spitze, also hier Parteivorsitzender, dort Kanzler, eine sehr schwierige Situation, das erschien mir nicht erstrebenswert.
Sprecher 3: Aber Friedrich Merz macht auch eigene politische Stockfehler. Er wirbt nicht wirklich um die Unterstützung der Delegierten, er buhlt nicht. Noch am Vorabend des Hamburger Parteitags hatte zum Beispiel Jens Spahn, der ja im konservativen Lager durchaus wichtige Stimmen von Merz abluxen könnte, mit SMS-Kampagnen auf sich aufmerksam gemacht und sein JU-Netzwerk aktiviert. Auch Annegret Kramp-Karrenbauer klappert die Landesverbände ab und lässt sich von Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust eine feudale Unterstützerparty noch am Vorabend organisieren. Merz dagegen, so erzählen es Teilnehmer, sitzt am Abend vor dem Parteitag am Delegiertentisch und hält Hof. Gelegentlich setzen sich Delegierte zu ihm, reden mit ihm, aber ein wirklicher Werbefeldzug ist nicht zu erkennen. Er glaubt an die Kraft seiner Rede, es wird schon gut gehen. Doch gerade diese Rede, sie gerät am nächsten Tag zu staatsmännisch, zu abgehoben. Im zweiten Wahlgang wird so Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt. Mit 35 Stimmen nur knapp, aber gerade auch das konservative Lager von Jens Spahn hat sich teilweise offenbar für sie ausgesprochen.
Sprecher 14: Auf Friedrich Merz empfehlen 482 Stimmen. Das sind 48,25 Prozent der Stimmen. Und auf Annegret Kramp-Karrenbauer entfielen 517 Stimmen. Das sind 51,75 Prozent. Damit ist sie zur neuen Parteivorsitzenden der CDU gewählt.
Sprecher 15: Dieser Aufschwung muss weitergehen und er muss verbunden sein und verbunden bleiben mit dem Ziel, das uns alle eint, nämlich aus der Union mit allen Flügeln, mit allen Mitgliedern, mit allen, die Verantwortung tragen, die gemeinsame, die große Volkspartei der Mitte zu erhalten und zu formen. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sowohl Jens Spahn als auch Friedrich Merz gemeinsam an dieser Aufgabe mitarbeiten. Das ist das, was die Mitglieder erwarten. Und für beide ist ein Platz in dieser Partei. Vielen Dank.
Sprecher 7: Liebe Annegret, herzlichen Glückwunsch zu deiner Wahl zur Parteivorsitzenden der CDU Deutschlands. Ich gratuliere dir herzlich und wünsche dir viel Erfolg. Gottes Segen auf dem Weg, den du jetzt vor dir hast. Ich freue mich auf die weiteren Beratungen, auf die Entscheidungen, auch auf die Antragsberatungen. Ich freue mich auf einen weiteren guten Prozess in dieser Partei. Und ich wünsche uns allen und ich wünsche unserem Land eine gute Zukunft mit der christlich-demokratischen Union. Herzlichen Dank.
Sprecher 3: Rückblickend sagt Merz im Interview mit Sarah Sievert für das Buch Der Unvermeidbare, er habe 2018 die Partei offenbar nicht mehr gut genug gekannt. Doch Merz ist jetzt wieder angefixt von der Politik. Er will dabei bleiben. Er sagt Parteifreunden noch am Abend nach der Niederlage, dass er einen neuen Versuch wagen würde, wenn sich die Gelegenheit bietet. Und er sucht sich die Frau, die ihn doch gerade erst geschlagen hat, als neue Verbündete aus. Im Januar 2019 versucht er, Kramp-Karrenbauer zu überreden, Merkel als Kanzlerin zu stürzen. Er könnte ja dann Minister werden. AKK, wie Annegret Kramp-Karrenbauer intern nur genannt wird, könne und müsse doch beide Ämter anstreben, sonst werde sie gegen die Kanzlerin zerrieben, argumentiert Merz. Rückblickend dürfte er mit seiner Einschätzung recht gehabt haben. Doch den Sturz der Rekordkanzlerin wagt die Frau aus dem Saarland nicht. Im Interview im Herbst 2024 hier bei uns bestätigt Kramm-Karrenbauer die Versuche Merz und erklärt ihr Verhalten.
Sprecher 15: Naja, im Nachhinein betrachtet hatte natürlich insofern recht, dass die alte Lehre, die wir eigentlich immer in der CDU beherzigt haben, dass nämlich sozusagen Parteivorsitz und Oppositionsführer im Bundestag oder Parteivorsitz und Kanzlerschaft in einer Hand gehören, dass sich das sozusagen auch bewahrheitet hat. Man hat das ja gesehen, durchaus in den Schwierigkeiten auch der verteilten Rollen. Es war aber die Vereinbarung zwischen Angela Merkel und mir, also nicht nur bei ihr, sondern auch zwischen uns beiden, dass wir eben eine andere, wenn Sie so wollen, Versuchsaufstellung versuchen, mit der wir gescheitert sind. Das muss man heute so sagen. Insofern hat sich im Nachhinein sein Rat als durchaus richtig erwiesen.
Sprecher 3: Während Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer Rolle als Parteichefin tatsächlich zusehends strauchelt, ihr Verhältnis zur Kanzlerin immer schlechter wird, sammelt Merz seine Truppen klammheimlich an der Basis wieder ein und positioniert sich als Stachel im Fleisch der GroKo. Zum endgültigen Bruch mit dem Establishment kommt es, als er sich hinreisen lässt, die Regierung, zu der ja auch viele CDU-Regierungsmitglieder gehören und die von ihren Abgeordneten getragen wird, öffentlich als grottenschlecht bezeichnet.
Sprecher 11: Annegret Kramp-Karrenbauer ist nicht die Einzige, die hier im Mittelpunkt der Kritik zu stehen hat, sondern es gibt auch andere. Und das gesamte Erscheinungsbild der deutschen Bundesregierung ist einfach grott.
Sprecher 16: sind schlecht und daran muss sich etwas ändern.
Sprecher 3: März-Angriffe sind ein Risiko. Ja, natürlich an der Basis, die so frustriert ist über diese GroKo, wird er dafür gefeiert. Doch in der Öffentlichkeit und bei den Mandatsträgern gilt er als zu scharf, zu schneidig, zu selbstgerecht. Ein Charakterzug, der ihm immer wieder später Probleme bereiten sollte. Am 16. Januar 2021, wenige Monate nach dem Rücktritt Kramp-Karrenbauers, die sich im Verhältnis zur Kanzlerin verheddert hatte und auch das Thüringen-Management verbaselte, ist es dann der einflussreiche NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der das Merkel-Lager und die Führung der CDU erfolgreich gegen Friedrich Merz in Stellung bringen kann. Wieder einmal ist es ein Merkelianer, der gegen Merz gewinnt. Beim digitalen Parteitag holt Laschet 521 Stimmen, Merz schafft es nur auf 466. Wieder ist es das Merkel-Argument, das Merz den Weg an die Spitze verbaut. Wieder ist es eine gewisse Angst der CDU-Funktionäre vor einem möglichst sehr störerischen Rachefeldzug von Merz.
Sprecher 17: Freundinnen und Freunde.
Sprecher 3: Laschet weiß das geschickt zu nutzen und sagt in seiner Bewerbungsrede auf dem Parteitag dies.
Sprecher 17: Dann höre ich immer wieder den Satz, man muss auch polarisieren können. Und ich sage, nein. Muss man nicht. Polarisieren ist einfach. Das kann jeder. Wir müssen integrieren können, eine Gesellschaft zusammenhalten, sehr unterschiedliche Menschen zusammenführen. Das ist harte Arbeit. Man muss zuhören, man muss Unangenehmes hören, man muss auch mit Menschen zusammenverhandeln, die man vielleicht nicht so mag. Aber am Ende Kompromisse suchen und Lösungen, die die Menschen von uns erwarten.
Sprecher 3: Auch hinter den Kulissen hat Laschet immer wieder dieses Argument gebracht, dass eine Wahl Friedrich Merz doch einer Abwahl Merkels gleichkomme. Im Interview mit Table Today begründet Laschet im Rückblick seine Ablehnung von Merz so.
Sprecher 17: Ich fand, dass die Erfahrung, die die CDU in Nordrhein-Westfalen hat und meine Position über den Kurs der CDU die richtigere wäre.
Sprecher 3: Was meinen Sie genau? Weil er zu rechts war?
Sprecher 17: Nein, er ist nicht zu rechts. Er ist eher konservativ. Ich glaube übrigens, der Wahlkampf wäre sehr anspruchsvoll gewesen, denn Angela Merkel war ja noch Kanzlerin. Ich glaube, in einem Dauerkonflikt acht Monate mit der amtierenden Kanzlerin wären wir auch 2021 nicht allzu erfolgreich gewesen.
Sprecher 3: Aber Friedrich Merz gibt wieder nicht klein bei und zieht sich anders als noch 2002 nicht schmollend in die Verliererecke zurück. Er entscheidet sich mit allen Risiken eines möglichen Lebens als Hinterbänkler auch für den Bundestag an. anzutreten. Und er unterstützt offen den Kanzlerkandidaten Armin Laschet, der ihn gerade erst geschlagen hatte. Der weiß das durchaus zu schätzen, wie er vor wenigen Wochen uns sagte. Ist nichts geblieben zwischen Ihnen beiden in diesem Wahlkampf?
Sprecher 17: Es war auch nie was. Wir haben damals einen fairen Wettbewerb gehabt und er hat unmittelbar nach der Wahlentscheidung Mich unterstützt.
Sprecher 3: Friedrich Merz will also weiter mitmischen. Seine Ämter in der Wirtschaft hatte der Millionär vor seiner ersten Parteivorsitzendenbewerbung ja ohnehin aufgegeben, eine Rückkehr damals schon ausgeschlossen. In der CDU entwickelt sich nun allmählich ein gewisser Respekt vor Merz'Beharrungskräften. Annegret Kramp-Karrenbauer sieht diese Eigenschaft sogar als zentral für den späteren Aufstieg von Friedrich Merz an. So sagt sie es uns im Interview im Oktober 2024.
Sprecher 15: Zum Ersten gehört schon einiges dazu, nach so vielen Jahren, so vielen Niederlagen, sich immer wieder durchgebissen zu haben. Nicht zu sagen, ich werfe jetzt das Handtuch und mache was ganz anderes, sondern zu sagen, mein Ziel ist es, Kanzlerkandidat und am Ende natürlich auch Kanzler zu werden, die CDU wieder in die Regierung zu führen und sich da durchzukämpfen. Das sagt viel über sozusagen auch die Resilienz eines Friedrich Merz aus. Zum Zweiten weiß ich, dass Friedrich Merz vielleicht entgegen des Bildes, das man von außen nach ihm hat, jemand ist, der sehr interessiert ist, der mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen, Expertinnen, Experten im Kontakt ist. Takt steht, sich sehr viel anhört, sehr viel lernt, um sich ein eigenes Bild zu machen. Aber wenn er dann eben für sich auch Ideen hat und Punkte hat, wo er sagt, so und so kann das gehen, auch die, die vielleicht schwierig sind, dann ist er jemand, der das auch klar kommuniziert und auch nach außen durchsetzen will. Manche nennen das klare Kante und ich habe Im Moment einfach den Eindruck, dass es viele gibt, die sich nach einer solchen klaren Kante auch sehen.
Sprecher 3: Merz reiht sich also ein. Er wird Mitglied im Kompetenzteam Laschet und steht bei der Vorstellung im Adenauer Haus ganz hinten links in der letzten Reihe.
Sprecher 17: Ich habe von Anfang an gesagt, er muss in dem Team sein und er hat sich sogar in dieses Team eingereiht. Und nicht in der ersten Reihe eingereicht.
Sprecher 3: Ich erinnere mich an das Bild im Andorhaus, da stand er hinten links.
Sprecher 17: Ja.
Sprecher 3: Und auch hinten links, wie gemein.
Sprecher 17: Ja, da war dann Joe Cialo und ein paar Frauen und ein paar andere. Und er war bereit, sich total in das Team einzusortieren. Und hat mich auch persönlich in Dingen, die ja nicht öffentlich sind, immer wieder beraten und unterstützt. Also insofern... Habe ich das immer wertgeschätzt.
Sprecher 3: Im verstolperten Wahlkampf über den Kandidaten regt er sich zwar in mancher kleinen Runde über den Spitzenkandidaten und sein Chaos auf, aber öffentlich bleibt er loyal. Merz'Verhältnis zu Laschet bleibt auch deswegen intakt. Es war übrigens ja auch der damalige Chef des NRW-Landesverbands, der Friedrich Merz 2014 gegen den Willen Angela Merkels zurück in die Politik holte und ihn zum Mitglied einer Kommission zur Zukunft der Bürger. Gesellschaft machte. Friedrich Merz war damals Vorsitzender der Atlantikbrücke und Aufsichtsrat von BlackRock Deutschland, hatte aber keinerlei politische Funktion mehr inne. Und Armin Laschet war stellvertretender CDU-Vorsitzender. So ist es eigentlich Laschet gewesen, der Merz erstmals wieder ins politische Geschäft brachte.
Sprecher 17: Wir haben uns immer geschätzt, in vielen Jahren, fast seit 20 Jahren, in unterschiedlichen Funktionen. Ich habe damals eine Parteikommission der Bundes-CDU geleitet, wo ich ihn hineinberufen habe. Und das war damals schon ungewöhnlich. Mit Rücksprache mit Frau Merkel? Grundsatz, ich habe ihr das gesagt, dass ich das vorhabe. Sie hat das dann nicht gestoppt. Daraus hat dann ein Redakteur der Bild-Zeitung quasi, das war eine normale Arbeitskreissitzung im Anno-Haus, aber den Gang von Friedrich Merz war das Comeback des Friedrich Merz.
Sprecher 3: Später wurde Merz dann auch noch Brexit-Beauftragter der von Laschet geführten NRW-Landesregierung und auf Wunsch von ihm auch noch Aufsichtsrat im Köln-Bonner Flughafen. Laschet und Merz eint der Gedanke, dass sich in einer Volkspartei auch personell die Flügel in der Spitze wiederfinden müssen. Merz wird dies später selbst mit Personen wie Jens Spahn oder Karin Prien umsetzen. Und Armin Laschet erklärt uns diese Strategie so.
Sprecher 17: Der Helmut Kohl hat genau das verstanden. Da war Alfred Dreger und da war Norbert Blüm und da war Gerhard Stoltenberg und die CDU hatte eine gewisse Breite. Es wäre klug gewesen, wäre Friedrich Merz in all den Jahren irgendwo mit dabei gewesen.
Sprecher 3: Zusammengenommen sind die Jahre zwischen 2018 und 2021 eine Art Crashkurs für den Parteipolitiker Merz. In seiner Zeit als Aufsichtsrat für den deutschen Ableger des Vermögensverwalters BlackRock und auch in seinen Aufgaben als Multi-Aufsichtsrat hatte Merz verlernt, wie wichtig in der Politik Bündnisse und Netzwerke sind. Dieses ständige Buhlen und Werben um Unterstützer, das kennt Merz aus seiner Welt der Wirtschaft nicht. Jutta Falke-Ischinger, die Biografin, die ihn immer wieder beobachtet hat, selbst Sauerländerin ist, weiß, wie schwer es dem inhaltlich getriebenen Merz fällt, das Menschende zu berücksichtigen.
Sprecher 18: Friedrich Merz war immer jemand, der sich mehr für Themen als für Menschen interessierte. Da fühlte er sich sicher, auch in seinen früheren Verwendungen, ich sag mal bei der Atlantikbrücke. Die Themen, das war für ihn das Interessante, da fühlte er sich sicher. Vielleicht hat er eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit Menschen und er beschränkt sich dann auf das, auf Daten, Fakten, wo er sich sicher fühlt. Das gelingt ihm natürlich nicht immer, weil ja gerade diese bekannten Ausrutscher passieren. Vielleicht ist es gerade deshalb, dass er probiert, bei den Themen zu bleiben. Aber wie gesagt, es gelingt ihm nicht immer.
Sprecher 3: Es ist daher nur folgerichtig, dass Merz nach der verlorenen Bundestagswahl von Armin Laschet vor allem von jenen schließlich dann doch zum Parteivorsitzenden gewählt wird, die ihn nur aus der Ferne kennen, aus dem Fernsehen oder von öffentlichen Auftritten. Die Basis. Jetzt ist Friedrich Merz der Mann für den Neustart. Nach den beiden gescheiterten Funktionären AKK und Armin Laschet ist er am Ruder. Was nun aber folgt, ist ein mühsamer und für manche schmerzhafter Prozess, in dem Merz erst zur Partei finden muss und die Partei zu ihm. Wieder zeigen sich die Muster eines eruptiven Führungsstils, der für manche ziemlich anstrengend, für andere gar nicht zu ertragen ist. Im Frühjahr 2021 musste bereits Patrick Sehnsburg, der langjährige Bundestagsabgeordnete der CDU, aus dem Hochsauerlandkreis weichen. Dabei hatte Merz dem promovierten Juristen und anerkannten Rechtspolitiker eigentlich mal versprochen, nie gegen ihn zu kandidieren. Und Merz hätte ja auch einen anderen freien Wahlkreis haben können in Nordrhein-Westfalen. Doch er will in seiner eigenen Heimat antreten. Da ist der Sauerländer stur. Als Parteichef frisch im Amt räumt er dann auch noch den bisherigen Fraktionschef Ralf Brinkhaus zur Seite. Was Merz vor vielen Jahren Angela Merkel verübelte, nimmt er für sich wie selbstverständlich in Anspruch. Partei und Fraktionsvorsitz gehören in einer Hand. Zwischen Brinkhaus und Merz hat das das Verhältnis nicht gerade verbessert. Auch im Konrad-Adenauer-Haus der Parteizentrale ruckelt es erstmal gewaltig. Den einen verspricht Friedrich Merz zu viel, um die anderen kümmert er sich zu wenig. Merz-Büroleiterin Andrea Verporten gibt nach wenigen Monaten entnervt auf, auch der Bundesgeschäftsführer Stefan Hennewich, die Abteilungsleiterin. Isabel Haas und Markus Dickhut und vor allem Markus Kerber, der langjährige Mitarbeiter Wolfgang Schäuble und einer der klugen Konservativen, verlassen die Parteizentrale. Mehr oder weniger freiwillig. Vor allem Kerbers Rückzug wird im konservativen Flügel kritisch beäugt. Der frühere Staatssekretär und ehemalige BDI-Hauptgeschäftsführer geht auch, weil er sich von Merz zu wenig eingebunden fühlt. Zu viele Kraftzentren, zu wenig Steuerung, zu viel Chaos. So begründet er es gegenüber Parteifreunden später. Auch mit Andreas Röder, dem CDU-nahen konservativen Historiker, verscherzte sich Merz. Nachdem der missverständliche Aussagen zur AfD getätigt hatte. In der Sitzung des Kuratoriums der Konrad-Adenauer-Stiftung raunst ihn Merz halb öffentlich an. Die Anwesenden sind irritiert. Hier zeigt sich die schwierige Seite des Friedrich Merz. Ähnlich ergeht es Serap Güler, die nach der Abstimmung über das Chancenaufenthaltsgesetz und ihrer parteiinternen Kritik an der CDU-Strategie im Frühjahr 2022 vom Merz im Plenum vor den Kollegen und Kollegen angeherrscht wird. März hat sich immer wieder mal nicht im Griff. Vor allem Frauen verschreckt Friedrich Merz, der neue Parteichef, immer wieder mit Äußerungen. Zum Beispiel mit jener über die Parität, die er gar nicht mehr einhalten wolle in einem möglichen Kabinett, weil ja manche Ministerin so grandios inkompetent sei. Er meinte Christine Lambrecht. Vergiss dabei aber zu erwähnen, dass die Fähigkeit für einen Ministeramt wohl ziemlich geschlechterunabhängig ist. Und es durchaus auch männliche Unionsminister gegeben haben soll, die nicht gerade kompetent im Amt wirkten. Menschen mit Migrationshintergrund, sie verärgert Merz, als er bei Markus Lanz in der ZDF-Talkshow Grundschulkinder aus Zuwandererfamilien als kleine Paschas bezeichnet.
Sprecher 11: Sprechen Sie mal mit Lehrerinnen und Lehrern in den Grundschulen. Was die jeden Tag erleben, auch an verbaler Gewalt. Und dann wollen sie diese Kinder zur Ordnung rufen. Und die Folge ist, dass die Väter in den Schulen erscheinen und sich das verbieten. Insbesondere, wenn es sich um Lehrerinnen handelt, dass sie ihre Söhne, die kleinen Paschas, da mal etwas... zurechtweisen. Da fängt es an. Dann sind es in der Schule die Achtjährigen und da draußen auf der Straße in wenigen Jahren die 15-Jährigen. In diesem Land hat jeder eine Chance. Die sind selten so gut gewesen wie gegenwärtig. Und wer sich nicht daran hält, man muss es deutlich sagen, der hat in diesem Land nichts zu suchen.
Sprecher 3: Auch wenn ihm manche Lehrerin danach heimlich, stillschweigend oder sogar öffentlich zugestimmt hat, dass es Probleme mit patriarchalischen Strukturen in vielen Zuwandererfamilien gibt, ist es immer wieder bei Merz dieser eine Satz zu viel, dieser eine Begriff, das Wording, mit dem er nicht versöhnt, sondern verstört. Richtig viel Kritik erntet Merz aber dann, als er in einem Interview mit der BILD von Sozialtourismus bei ukrainischen Flüchtlingen spricht.
Sprecher 11: Wir sehen mit großer Besorgnis, dass die Entscheidung der Bundesregierung, vom System der Asylbewerberleistung auf das System der Arbeitslosengeldzweizahlungen überzugehen im Frühjahr, zu erheblichen Verwerfungen auch bei den Flüchtlingen aus der Ukraine führt. Wir erleben mittlerweile einen Sozialtourismus dieser Flüchtlinge. Nach Deutschland, zurück in die Ukraine, nach Deutschland, zurück in die Ukraine.
Sprecher 3: Die Äußerung, sie sind ein Schlag ins Gesicht der Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer, die ja ins Land gekommen sind, weil sie vor einem brutalen Krieg flüchten und nicht, weil sie deutsche Sozialhilfe abgreifen wollen. Die Aussage untergräbt auch Merz sehr glaubwürdige und klare Unterstützung für dieses geschundene Land. So muss sich Merz immer wieder den Vorwurf anhören, er suche gezielt die Tabuüberschreitung, er grenze Menschen aus, so wie es in der ARD der grünen Nahkommunikationsberater Sebastian Hilje kritisiert.
Sprecher 19: Also er hat gesagt, es gibt ja trotzdem dieses Problem, auch wenn die Wortwahl vielleicht unglücklich war oder falsch war. Das heißt, er hat seine Entschuldigung letztendlich dafür genutzt, um einen Diskurs weiterzuentwickeln. Das ist eine klassische rechtspopulistische Methode. Am Ende bleibt vor allem ein Zusammenhang hängen. Der Zusammenhang zwischen ukrainischen Geflüchteten und Sozialmissbrauch.
Sprecher 3: Dabei passieren Friedrich Merz diese rhetorischen Ausrutscher nicht strategisch. Er sagt einfach in unautorisierten Live-Interviews das, was er wirklich denkt. Und vergisst dabei immer wieder, dass sein Ton als potenzieller Bundeskanzler ganze Gruppen verschreckt. verletzt. Im Sommer 23 steht Merz schließlich kurz vor dem Rücktritt. So schildern es jedenfalls Vertraute, die damals dabei waren. Denn der NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst, CDU-Politiker und Chef des mächtigsten Landesverbands, hatte in einem FAZ-Beitrag sich als bessere Alternative zu Merz dargestellt und vor Populismus gewarnt. Es war eine deutliche Spitze gegen Merz, die in der Partei auch so verstanden wurde. Wüst positionierte sich als Mann der Mitte, aber anstatt diesen Nebenbuhler aus Düsseldorf abtropfen zu lassen, ihn vielleicht sogar öffentlich für inhaltliche Beiträge zu loben, rastet Merz aus. Er habe die Schnauze voll, die sollen den Scheiß doch alleine machen. So wird Merz von Menschen zitiert, die ihn damals kurz vor der Sitzung des CDU-Vorstands erleben. Öffentlich schießt er tags darauf im ZDF gegen den Chef der NRW-CDU, wie es selten ein Bundesvorsitzender gegen einen Landesverband gemacht hat.
Sprecher 11: Schauen Sie, wir haben eine Entscheidung im Spätsommer 2024 zu treffen. Und bis dahin befassen wir uns nicht mit Personalspekulationen, sondern mit Themen. Und die Themen werden von einer großen Verunsicherung in der Bevölkerung bestimmt. In ganz Deutschland, übrigens auch in Nordrhein-Westfalen. Wenn wir heute in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen hätten, wäre die AfD fast so stark wie im Bund. Die Unzufriedenheit auch in den Ländern, auch leider in Nordrhein-Westfalen, aus dem ich ja komme, mit der Landesregierung ist fast genauso groß wie die mit der Bundesregierung. Und das zeigt uns doch eines. Wir haben es mit einer, ich habe es so ausgedrückt, mit einer krisenhaften Zuspitzung in unserer Demokratie zu tun, an Unzufriedenheit, Besorgnis, Frust und teilweise wirklich Angst.
Sprecher 3: Damals ist es wieder einmal Wolfgang Schäuble, sein Vertrauter und Freund, der Merz nicht nur vom Rücktritt abhält, sondern ihn auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurückführt. Ihm fehle halt diese innere Gelassenheit und Souveränität, sagt ein früherer enger Mitarbeiter von Merz und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. Illoyalität, sie ist für Merz eben diese eine unverzeihliche Sünde. In der ZDF-Dokumentation Menschschmerz beschreibt die Studioleiterin des ZDF das Aufbrausende des Vorsitzenden der CDU so.
Sprecher 20: Seine Impulskontrolle lässt zu ihm Wünschen übrig und das ist natürlich ein Schwachpunkt. Wir haben es eben schon mehrfach erlebt, dass er sich in Rage redet, dass er Bemerkungen macht, die er... Entweder zurücknehmen muss oder aber für die er fürchterlich Haue aus seiner eigenen Partei bekommt und aus der Öffentlichkeit.
Sprecher 3: Für die Meinungsforscher sind diese verbalen Ausfälle auch der zentrale Grund, warum Merz gerade bei Frauen so schlecht ankommt. Eine Forsa-Umfrage beispielsweise ergab im vergangenen Jahr, dass nur 9% der jüngeren Frauen unter 35 sich überhaupt vorstellen könnten, Friedrich Merz zu wählen. Doch Merz kennt und weiß um seine Schwächen. Nach dem Eklat mit Henrik Wüst sind es auch die Gespräche mit Wolfgang Schäuble, die zu einer echten Trendwende bei ihm führen. In mehreren Vier-Augen-Gesprächen soll Schäuble Merz das gesagt haben, was der im Dezember 2023 verstorbene CDU-Politiker in seinem Buch als zentrale Erkenntnis für Spitzenpolitiker beschrieben hat. Ich zitiere, man muss den Menschen das Vertrauen vermitteln, das Land auch unter den schwierigsten Bedingungen zu lenken. Schäubles Botschaft an seinen Freund, wüterische Erzeugen dieses Vertrauen nicht. Auch Roland Koch und dessen Intimus, der Kommunikationsberater Dirk Metz, spielen in dieser schwierigen Zeit für Merz eine wichtige Rolle. Sie raten ihm auch personell, ein Zeichen für den Neuanfang zu setzen und den glücklosen Generalsekretär Tschaya loszuwerden. Im Sommer 2023 ist es auch soweit. Das Gespräch mit Schaya ist kurz und bündig. Eine tief agierende Begründung liefert Friedrich Merz nicht. Der in der Partei beliebte und angesehene Carsten Linnemann, langjähriger Chef des Wirtschaftsflügels, kommt ins Adenauer Haus. Er ist ein politischer Zwilling von Friedrich Merz, denkt und redet ähnlich. Merz kann sich fordern, auf die großen Kanzlerdebatten im Bundestag konzentrieren, die Außenpolitik, seine Leidenschaft für Europa und immer wieder die klare Unterstützung für die Ukraine. Punkte, wo die Ampel und Bundeskanzler... Scholz so angreifbar sind. Linnemann überlässt er dafür die kleinteiligen Attacken gegen die politischen Gegner und der Mann im Adenauer Haus funktioniert sofort. Zusammen mit dem hochloyalen und emsigen Fraktionsgeschäftsführer Thorsten Frey entwickelt sich Linnemann zur wichtigsten Stütze. Die beiden mausern sich zu einer Art Prätorianergarde für den Parteichef und werfen sich in jede Schlacht, die ansteht. In einer Phase, in der auch aus den Ländern immer wieder kritische Distanz zu März-Auftritten zu spüren ist, ist diese Neuaufstellung in Berlin der Befreiungsschlag. Mit seinem Vertrauten und Chefstrategen Philipp Birkenmeier als neuen Bundesgeschäftsführer der CDU steuert Generalsekretär Linnemann den Grundsatzprogrammprozess sauber durch und baut zugleich die parteizentrale Kampagnenfähig aus. Als erste Partei ist es schließlich die CDU, die im Herbst 24 ihr Regierungsprogramm fertig geschrieben hat, ihre Kandidaten ausgestattet und mit dem Connect-Team in Kürze auch ein schlagkräftiges Social-Media-Team installiert. Rund 27 Millionen Euro stehen der CDU jetzt für den Bundestagswahlkampf zur Verfügung. Mehr Geld als alle anderen Parteien zur Verfügung haben. Auch für die Stimmung in der Parteizentrale tun Linnemann und Birkenmeier einiges. Jeden Freitagmittag laden die Chefs neuerdings zur Disco-Pause. Drei Lieder ausgesucht von Abteilungen aus dem Badenauer Haus legt dann DJ BGF Birkenmeier auf. Es wird gegroovt und getanzt und erst dann wieder gearbeitet. Eine kleine Idee, die Birkenmeier mit dem Personalrat der Parteizentrale entwickelt. Aber auch sie zeigt den neuen Stil im Haus. Der personelle Adalas jedenfalls, der die CDU bis dahin mehr als eine halbe Million Euro an Abfindung gekostet hat, wird gestoppt. Inzwischen steht also das Friedrich-Merz-Team fest. Und vielleicht ist es ja auch so, wie Roland Koch, der enge Vertraute von Merz und Freund von Merz, uns im Interview im Herbst 2024 gesagt hat. Typen wie Merz, sie können nicht ohne Disruption und Rückschläge ihre Mannschaft finden.
Sprecher 21: Nicht austauschbare Persönlichkeiten müssen gelegentlich ihr Team so lange austauschen, bis es passt. Die einzige Frage ist dabei, und die ist nicht unspannend, ob der Beteiligte ein monolithisches Team von Leuten, die jawohl, Herr Vorsitzender, sagen haben will, oder ein Team, das eigene Kreativitätspotenzial mitbringt und das auch weiß, dass der Auftrag ist, selbst zu denken und zu arbeiten.
Sprecher 3: Merz'Führungsstil ist eben gewöhnungsbedürftig. Abgeordnete und Vorstandsmitglieder loben einerseits die neue Struktur und die Klarheit in den Sitzungen, es werde wieder diskutiert und endlich auch entschieden, heißt es. Und zudem lege Merz viel Wert auf Pünktlichkeit, auf ordentliches Auftreten, auf absolute Vertraulichkeit, sagen die Teilnehmer dieser Sitzungen. So kommt es schon mal vor, dass der Vorsitzende in der Präsidiumssitzung einem stellvertretenden Parteivorsitzenden und gestandenen Landesminister ermahnt, doch bitte das Handy wegzulegen. Aber der Unmut in den Reigen der Ministerpräsidenten, wie Merz mit ihnen umgeht, er ist auch immer wieder spürbar. Er behandle sie wie Abteilungsleiter seines Unternehmens, kritisiert etwa Hessens Ministerpräsident Boris Rhein in einer vertraulichen Runde. Und auch Michael Kretschmer echauffiert sich gelegentlich über den belehrenden Umgangston und lässt gerne mal eine Parteisitzung sausen. Dass er den Laden allerdings im Griff hat, das gestehen Merz auch die größten Kritiker zu. Seine Körpergröße von fast zwei Metern befördert den Eindruck des gestrengen Polypädagogen Friedrich Merz. Er fühlt sich oft nicht nur überlegen in den Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, er ist es körperlich ja auch. Im Sommer 2024 trifft beispielsweise der CDU-Vorsitzende beim Chemie-Summit im Berliner Hotel Maritim auf den ebenfalls 1,98 Meter großen SPD-Regierungschef in Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer. Nur halb im Scherz entgegnet Merz zu ihm, endlich mal einer auf Augenhöhe. Günter Oettinger, ehemaliger EU-Kommissar und Ministerpräsident Baden-Württemberg, ist ein langjähriger Freund von Friedrich Merz. Auch diese beiden kennen sich bereits vom Andenpakt.
Sprecher 22: Ich habe ihn näher kennengelernt, als er junger Fraktionsvorsitzender war. Und wir sind Freunde, ich schätze ihn, er ist jetzt nicht der Liebling der Nation, aber die Lage ist derart schwierig, dass sein Sachverstand, seine klare Analyse gebraucht wird.
Sprecher 3: Er weiß, dass die körperliche Statur nicht gerade... der hilfreich ist beim Sammeln von Sympathiepocken. Das sagte er uns im Table-Podcast im vergangenen September.
Sprecher 22: Er wirkt zu streng, er ist körperlich lang, deswegen von oben herab, wenn er spricht, er ist nicht von oben herab, er ist nicht arrogant, aber er sieht so aus.
Sprecher 3: Aber es gibt auch diese andere Seite des Friedrich Merz, die warmherzige und einfühlsame. Es sind ausgerechnet Politikerinnen, die davon berichten. Ricarda Lange etwa, die ehemalige Grünen-Vorsitzende. Sie schwärmt von dem gentleman-like Auftreten von Merz, von der Anständigkeit und von dessen Glückwunschbrief zu ihrer Hochzeit. Es seien die schönsten Zeilen gewesen, die sie aus der Politik zu diesem tollen Tag für sie erhalten habe, sagte sie neulich zu Parteifreunden. Menschen, die Merz seit vielen, vielen Jahren privat kennen, wundern sich ohnehin über sein öffentliches Image. Hans-Jachim Watzke etwa, der Chef von Borussia Dortmund und langjährige junge Union-Kumpel aus dem Sauerland, kennt Merz seit mehr als 40 Jahren. Er hält die Vorwürfe für eine Fehlwahrnehmung. Je näher man mehr als komme, desto weniger bleibe doch davon übrig, sagt er.
Sprecher 23: Was er meint ist Wohnständigkeit, gegenseitigen Respekt, starkes Miteinander von Unternehmern und Arbeitnehmern. Und da meine ich vor allen Dingen auch die Unternehmer, denn im Sauerland fühlen sich die Unternehmer. auch verantwortlich für die Arbeitnehmer. Der Sauerländer hat immer das Motto, etwas weniger Schein als Sein und nicht umgekehrt. Friedrich hat immer etwas gesagt, was ich teilweise auch ein bisschen belächelt habe, was ich aber im Nachhinein ganz interessant fand. Friedrich hat mir schon vor 20 Jahren gesagt, Konservativ zu sein, bedeutet anständig zu sein.
Sprecher 3: In vielen vertraulichen Vier-Augen-Gesprächen und Telefonaten versuchte Merz zum Jahreswechsel 23-24 seine Kritiker von diesem anderen Merz zu überzeugen. Er schafft es durchaus, einige einstige Gegner auf seine Seite zu ziehen. Vielleicht ist genau das der wichtigste Baustein für seine Comeback-Story. Merz zügelt sein Temperament, er hört jetzt öfter zu, ruft spontan auch mal Führungsmitglieder an, um einfach nach ihrer Meinung zu fragen. Das zahlt sich aus. Karen Prien war einst eine Gegnerin von Friedrich Merz. Die schleswig-holsteinische Kultusministerin ist eine Botschafterin des liberalen Merkel-Flügels. Eine enge Vertraute von Ministerpräsident Daniel Günther, dem Anti-Merz, der auch schon mal eine Öffnung zur Linkspartei ins Spiel brachte. Heute outet sich die stellvertretende CDU-Vorsitzende Priem als Merz-Fan. So wie bei uns im Table-Podcast im vergangenen Jahr.
Sprecher 24: Ich glaube, er ist der richtige Mann zur richtigen Zeit und da wird noch Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Und außerdem sind wir ja auch in der CDU ein breites Team. Und ich glaube, wir haben auch ein gutes personelles Angebot über Friedrich Merz hinaus. Da geht auch noch was.
Sprecher 1: Richtung 40 Prozent.
Sprecher 3: Auch Jens Spahn hat inzwischen ein belastbares, vertrauensvolles Verhältnis zu Merz entwickelt, den er 2018 und 2021 noch so vehement abgelehnt hatte. Die beiden Alphatiere haben ihre persönlichen Animositäten beiseite gelegt und auch das zentrale Thema geklärt, das so lange zwischen ihnen stand. Friedrich Merz hatte im parteiinternen Wahlkampf 2018 in einem Bildinterview auf die Frage nach einem möglichen homosexuellen Kanzler zwar geantwortet, dies sei kein Problem für ihn, aber dann doch etwas zu schnell ergänzt, solange es nicht Kinder betrifft.
Sprecher 25: Hätten Sie Vorbehalte, wenn heute ein schwuler Bundeskanzler würde?
Sprecher 11: Nein.
Sprecher 25: Wäre für Sie völlig normal?
Sprecher 11: Also ich sage mal so, über die Frage der sexuellen Orientierung, das geht die Öffentlichkeit nichts an, solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft. An der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht. Ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion?
Sprecher 25: Aber schwuler Bundeskanzler? Kein Tabu.
Sprecher 11: Überhaupt kein Thema für mich.
Sprecher 3: Eine Aussage, die die LGBTQ-Community und auch Jens Spahn persönlich entsetzte. Es ist dann Roland Koch, der die beiden Männer an einen Tisch holt, zur Aussprache. Und Jens Spahn merkt, dass er inhaltlich und strategisch auf Linie mit Merz ist, dass man verlässlich und gut miteinander arbeiten kann. Und Friedrich Merz merkt, dass er einen Talkshow-tauglichen konservativen Raufbold wie Jens Spahn an seiner Seite durchaus gebrauchen kann. Nicht ausgeschlossen also, dass ausgerechnet Jens Spahn unter einem Kanzler Merz wieder Minister werden könnte. So kommt es, dass am Ende des Jahres 2024 die Partei ihrem Kanzlerkandidaten zwar nicht euphorisch zu Füßen liegt, Aber sie steht doch ehrlich zu ihm. Merz'Wendefähigkeit, auch in eigener Sache, sichert ihm diesen Erfolg. So gewinnt Merz ja auch den Kampf gegen die möglichen Kanzlerkandidaten Markus Söder und Henrik Wüst, die in allen Umfragen bis zuletzt vor ihm standen. Mit Ruhe und Geduld. In mehreren Vier-Augen-Gesprächen über den Sommer vergangenen Jahres hatte Merz seinen Rivalen den Anspruch klar gemacht. Er wolle das Zugriffsrecht reklamieren. Er wolle Kanzlerkandidat werden. Das offene Visier, das beherrscht er. Man wusste immer, woran man war, betonen heute Unisono, Wüst und Söder. Am Ende muss Friedrich Merz nur warten. Seine Rivalen erkennen, dass sie nur in einer offenen Feldschlag gegen Merz die Kandidatur bekommen könnten. Und das will nach den Erfahrungen von 2021 in der Union keiner mehr.
Sprecher 26: Meine sehr verehrten Damen und Herren, guten Tag hier im Saal und wahrscheinlich auch draußen an den Bildschirmen. Um es kurz zu machen, die K-Frage ist entschieden. Friedrich Merz macht's. Ich bin damit fein und ich unterstütze dies ausdrücklich.
Sprecher 3: So steht am 17. September 2024 ein lächelnder CDU-Vorsitzender neben Markus Söder in der Bayerischen Landesvertretung und hört, wie der CSU-Chef diese historischen Sätze...
Sprecher 26: Historisch gesehen ist es aber so, dass die CDU als größere Schwester auch klar das erste Zugriffsrecht hat. Auch das ist ein natürliches Recht. Friedrich Merz als Parteivorsitzender nimmt von diesem Anrecht Gebrauch. Die CSU akzeptiert es, ich akzeptiere das. Und zwar nicht zähneknirschend, sondern, ich sage das ausdrücklich, hat man eine volle Rückendeckung. Und zwar, das ist wichtig, mit einer sehr hohen persönlichen Wertschätzung verbunden.
Sprecher 3: Öffentlich hat Merz seine Rolle gefunden. Auch weil er einem weiteren zentralen Rat aus dem Beraterumfeld gefolgt ist. In einer dieser kleinen, vertraulichen Runden soll Merz den Hinweis bekommen haben, sich öffentlich zurückzunehmen. Vielleicht nur noch einmal pro Woche ein Interview zu geben. Präsidialer wirken, keine Experimente mehr zulassen, keine Angriffsfläche bieten. Auch inhaltlich nicht. Merz bleibt bei den Themen, die ihm Allensbach-Chefin Renate Köcher die Haus- und Hofdemoskopin als zentrale Gewinner-Themen für die Union genannt hatte. Wirtschaft und Migration. Übers Ziel hinaus schießt er nicht mehr. Zwar hatte er 2022 bei einem politischen Abend eines Wirtschaftsverbands noch getönt, er müsse und wolle die CDU um 180 Grad drehen. Doch die Wahrheit zwei Jahre später ist, die konservative Revolution unter Merz bleibt aus. Die Sozialdemokraten, die Friedrich Merz so gerne als abgehobenen Millionär, der die kleinen Leute verachtet, framen wollen, sie finden im Regierungsprogramm der Union die Axt nicht, die die CDU angeblich an den Sozialstaat anlegen will. Lob gibt es dafür sogar vom einstigen Sozialminister und langjährigen CSU-Chef Horst Seehofer.
Sprecher 27: Er sagte uns im vergangenen Jahr im Table-Interview, Ich habe ja in verschiedenen Interviews, nicht in sehr vielen, aber doch in einem oder anderen, seit einigen Monaten zum Ausdruck gebracht, dass ich den für die Schmerz für absolut geeignet halte. Ich kenne sein Denken, seine Grundüberzeugungen und habe auch erlebt, dass er durchaus die sozialen Fragen unserer Zeit so beantwortet und löst, wie ich mir das auch für die kleinen Leute vorstelle. Er ist keiner, der nur die Wirtschaftspolitik im Blick hat und alles andere um sich herum vergisst. Nein, er sucht passend zu einer Volkspartei immer den Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Notwendigkeiten und auch der sozialen Balance in unserem Land.
Sprecher 3: Selbst das außenpolitische Reizwort Taurus hat Merz auf Wunsch seiner Ostministerpräsidenten, die das Thema als politisches Gassengift im Osten identifiziert haben, vorerst aus seinem Wortschatz getilgt. Merzkampagne ist klar. Keine Fehler mehr. Am 10. Januar will er mit der CDU in Hamburg eine Agenda 2030 präsentieren. Ein wirtschaftspolitisches Grundsatzpapier. Anfang Februar soll schließlich der Parteitag ein Sofortprogramm beschließen, in dem neben einem Entlastungspaket für die Wirtschaft auch Maßnahmen zur Begrenzung der Migration stehen sollen. Nur ein Thema lässt Merz nicht los. Er will es nicht loslassen. Auch wenn es historisch bei Bundestagswahlen nie wirklich entscheidend war. Die Europapolitik. Es ist für den Mann, der seine politische Karriere im Europaparlament begonnen hat, eine Herzensangelegenheit. Mitte Januar lädt er 13 Staats- und Regierungschefs nach Berlin ein, um mit ihnen ein Manifest zur Wettbewerbsfähigkeit für die EU zu unterschreiben. Eine schnellere, dynamischere und marktwirtschaftlichere Europäische Union, sie ist für Merz auch der Schlüssel zu mehr Wohlstand in Deutschland. Netter Nebeneffekt, die außenpolitische Expertise, die die SPD ihm, dem unerfahrenen Mann, gerne absprechen möchte, die kann er nicht nur mit diesen Treffen, sondern auch mit seinen Reisen nach Warschau, Paris und vielleicht bald nach London konterkarieren.
Sprecher 11: Ich habe Kinder und Enkelkinder. Und ich möchte denen in zehn Jahren... sagen, wir haben uns nach Kräften darum bemüht, für Deutschland und für Europa das Richtige zu tun. Und deswegen wollen wir die Bundestagswahl gewinnen. Es geht um unser Land, es geht um die Freiheit, es geht um den Frieden auf diesem Kontinent, es geht um die Freiheit. Um unsere Demokratie.
Sprecher 3: Friedrich Merz, der Europäer. Friedrich Merz, der sanfte Reformer. So soll das Bild aussehen, das ihn ins Kanzleramt führen soll. Nur ganz hinten in der dunklen Ecke der CDU-Hinterzimmer wird noch das Undenkbare erwogen. Sollten die Umfragen der Union doch noch unter die magische 30-Prozent-Marke fallen oder die SPD rankommen, dann könnte es den formellen Ausschluss von Schwarz-Grün als maximale Mobilisierungsmaßnahme geben. Ein Veto gegen das Bündnis, das in der Kernklientel der Bürgerlichen so unbeliebt ist. Es wäre ein später Erfolg Söders, der nichts anderes seit Wochen thematisiert. Aber März könnte es egal sein, wenn es funktioniert. Wir sprachen ja schon über die Wendefähigkeit. Die Comeback-Story des Friedrich Merz. Sie ist eine Ironie der Geschichte. Denn der Friedrich Merz des Jahres 2025 hat ganz schön viel von der Frau gelernt, die ihm vor mehr als 20 Jahren die größte politische Niederlage beibrachte. Angela Merkel. Für die Bürger bedeutet das, der mögliche zehnte Bundeskanzler der Bundesrepublik würde auch nicht alles anders machen, aber vielleicht manches besser. Ob er die Chance dazu bekommt? Am 23. Februar, 18 Uhr, haben wir die Antwort.
Sprecher 11: Lassen Sie uns gemeinsam dafür kämpfen, dass für das, was wir in 75 Jahren... Bundesrepublik Deutschland gemeinsam geschafft haben. Ein Land im Frieden, ein Land in der Freiheit. Ein Land mit Wachstum und Beschäftigung und großem sozialem Wohlstand. Lassen Sie uns gemeinsam dafür kämpfen, dass wir das für unsere Kinder und für unsere Enkelkinder erhalten. Herzlichen Dank.
Sprecher 9: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.