Deep Tech: Wer investiert in die Zukunft, Herr Pollok?
Die Schlüssel zum wirtschaftlichen Wiederaufstieg Deutschlands sind Innovationen und Ideen. Das sagt Sebastian Pollok, Investor, Unternehmer und Mitglied im Vorstand des Startup-Verbands, in unserer Podcast-Reihe „Innovationsagenda 2030“. Der Chef des Wagniskapitalgebers Visionaries Club betont, dass Deutschland in den kommenden Jahren etwa bei Green-Tech-Themen eine Führungsrolle einnehmen könnte, und verweist darauf, dass mehr als die Hälfte der global führenden Forschungsinstitute in Europa angesiedelt sind. Pollok sieht im Wahlsieg Donald Trumps sogar eine Chance für Europa.
Wie hart und unfair wird der Wahlkampf? Werden auch bei uns in Deutschland Fake News den Ausgang beeinflussen. Sechs Parteien machen sich Sorgen und haben ein Fairnessabkommen unterzeichnet - das BSW und die AfD sind nicht dabei.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today Spezial. Die Innovationsagenda 2030. In Kooperation mit der Deutschen Börse und dem Startup-Verwandt.
Sprecher 2: Helene und ich sind wieder vereint. Es wurde auch Zeit. Trotzdem müssen wir auch noch über etwas anderes reden. Unter anderem über diesen kurzen und vielleicht auch harten Wahlkampf.
Sprecher 3: Ja, wie hart darf er denn eigentlich sein? Wie sachlich muss er sein? Und was hilft es, dass sich sechs Parteien nun gegenseitig versichert haben, fair miteinander umzugehen? Darüber wollen wir sprechen. Außerdem über den Einfluss, den das Ausland auf diese Wahl haben könnte.
Sprecher 2: Auch im neuen Jahr, der möglicherweise dritten Rezession hintereinander, es wäre ein Rekord, müssen wir natürlich darüber reden, wie kriegen wir die Wirtschaft wieder ins Laufen. Und da gibt es zum Glück unsere Kooperation mit der Deutschen Börse und dem Startup-Verband, die Innovationsagenda 2030. Stellen wir hier jeden ersten Freitag im Monat vor. Heute mit dem Investor und Unternehmer Sebastian Pollock.
Sprecher 3: Ja, es wird kurz und knackig an diesem Freitag, den 3. Januar 2025. Und wir freuen uns, dass wir wieder vereint sind und dass Sie wieder dabei sind.
Sprecher 4: Alle in der SPD wissen, dass Olaf Scholz ein Arschloch ist.
Sprecher 3: Das war Paula Pichotter, Grünen-Abgeordnete aus Sachsen. Doch überraschend für Grüne, die doch eigentlich immer sagen, when they go low, we go high. Das Wording von Michelle Obama. Und nun sind sie selbst angekommen beim Arschloch. Michael, reg dich das auf.
Sprecher 2: Nein, ich fand es eigentlich fast ein bisschen lustig, weil ich durchaus den ein oder anderen SMS-Kontakt mit Sozialdemokraten, die sagten, so ganz falsch liegt es hier eigentlich nicht. Also der beliebteste Sozialdemokrat ist Olaf Scholz bekanntlich in seiner Partei ja nicht.
Sprecher 3: Das ist bestimmt richtig und die andere Frage ist natürlich, muss man trotzdem öffentlich als ehemalige Koalitionspartnerin von Arschloch sprechen? Ich finde nein. Aber was natürlich auch wieder wahr ist, ist, dass die öffentliche Empörung darüber Gefahr läuft, abzulenken von den anderen Dingen. Und ich finde es wichtig, über diese B-Note zu sprechen im Wahlkampf. Ich finde es wichtig, all diese Fragen, was wir jetzt beobachten, die gegenseitige Herabwürdigung, das ist alles überhaupt nicht schön. Aber wenn ich an den Wahlkampf 2021 denke, dann fällt mir ein, wir haben vor allem über Nebensächlichkeiten geredet, über ein Lachen im Flutgebiet, um irgendwelche Fehler in Lebensläufen und anderes. Und um die Sache ging es leider viel zu wenig. Und das wäre schön, wenn es jetzt mal anders wäre.
Sprecher 2: Helene, ich bin wieder mal bei dir und die Themen Glaskinn und Glashaus, die fallen mir da sofort ein. Der ein oder andere Politiker, der ja selber gerne mal geholzt hat, zum Beispiel gegen frühere amerikanische Präsidenten, regt sich hier. Jetzt tierisch darüber auf, dass ein verrückter amerikanischer Milliardär Steinmeier als antidemokratischen Tyrann bezeichnet hat. Natürlich ist das unsäglich, aber wenn wir jetzt auf jeden Wahnsinnstweet von Elon Musk eingehen und gleich neue Fairnessabkommen beschließen müssen, dann wird es auch ein bisschen peinlich.
Sprecher 3: Zumal einige Sozialdemokraten ja selber nicht scheuen, mal tief in die Schublade zu greifen. Gerade wenn es um den amerikanischen Präsidenten Trump geht, den alten und auch wieder neuen. So hat Fraktionschef Ralf Mietze nicht ihn mal als Ego-Mane bezeichnet. Karl Lauterbach, Gesundheitsminister, als gefährlichen Psychopathen. Also, den ist es selbst nicht fremd. Insofern, Glaskind trifft es. Aber Michael, Fairnessabkommen ist das Stichwort. Darauf haben sich die Parteien jetzt verständigt. Sie wollen nicht nur fair im Wahlkampf miteinander umgehen, sondern sie wollen auch andere Dinge nicht machen. Ist das sehr hilflos oder ist das von der Sache her doch auch richtig?
Sprecher 2: Bei dem Thema, was wir gerade haben, ist es eben ein bisschen fadenscheinig eigentlich, weil natürlich holzen alle in irgendeiner Form. Du hast noch Steinmeier selbst vergessen, der ja als SPD-Mitglied und Bundespräsident immerhin den Trump als Präsidenten auch schon mal Hassprediger genannt hat. Vom ungehobelten, primitiven Trottel, Ralf Stegner gar nicht zu sprechen. Also dieser Punkt, persönliche Attacken sein zu lassen im Fernesabkommen, der ist ja sehr weit definierbar. Natürlich ist eine Attacke gegen einen Wirtschaftsminister Habeck immer auch persönlich, weil es um seine Bilanz geht. Also wer soll da den Schiedsrichter spielen? Einfach so die gute Kinderstube, der Maßstab für alle Beteiligten. Und dann hat man es eigentlich, oder?
Sprecher 3: Auf Twitter Kommunikation in 280 Zeichen führt auch dazu, dass alle stärker noch zuspitzen und zuspitzen. Ich will nichts in Schutz nehmen und schon gar nicht öffentliche Beleidigungen. Man sollte jetzt auch nicht so naiv sein und glauben, dass ein Wahlkampf, zumal ein so kurzer Wahlkampf, völlig ohne persönliche Attacken auskommt.
Sprecher 2: Das meine ich ja nur, Helene. Und Generalsekretär der SPD ist ja Matthias Mürsch. Der hat das Fairness-Abkommen bei uns im Podcast mal erläutert. Vielleicht hören wir noch mal ganz kurz rein, was er damit eigentlich bezwecken wollte.
Sprecher 5: Da geht es vor allen Dingen um die Frage eben auch der persönlichen Attacken, wenngleich natürlich man immer wieder aufpassen muss, wie kriegt man das justiziabel hin, beziehungsweise für den einen oder anderen ist das eine in Ordnung, das andere nicht. Aber es geht vor allen Dingen um die Frage von Fake News, um die Frage von Quellen, die man im Zweifel verwendet, wenn man mit Zitaten arbeitet und, und, und. Und es geht um ein Clearing-Verfahren, sodass wir unter allen Parteien ein Gremium haben, wo alle Generalsekretäre bzw. Parteien vertreten sind, wo wir binnen 24 Stunden zum Beispiel Dinge, die uns jetzt widerfahren sind, bei dieser Kampagne auch klären können untereinander, indem man sagt, plant ihr da sowas oder ist da nichts dran? Und solche Geschichten, glaube ich, sind elementar in diesen Zeiten.
Sprecher 3: Die wichtigen Teile sind eigentlich die, die mit Fake News zu tun haben. Und da wissen wir ja spätestens seit 2016, seit dem Brexit, aber auch der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016, dass gezielte Desinformation in sozialen Medien tatsächlich... den Ausgang von Wahlen und Klebesiten beeinflusst und dass es damals in hohem Maße Fake News gab und nichts dagegen unternommen wurde. In freiheitlichen Gesellschaften ist es eben nicht verboten, Lügen zu verbreiten. Jedenfalls mal so generell ist es nicht verboten. Deswegen ist es schon wichtig, dass sich jedenfalls mal die Parteien der Mitte verpflichten, nicht mit diesen Methoden zu arbeiten.
Sprecher 2: Absolut. Also keine gezielten Desinformationen. Quellen prüfen, so wie wir Journalisten das ja auch machen müssen. Und als Beispiel wird natürlich immer die Brexit-Kampagne genannt. Du hast es erwähnt. 350 Millionen Pfund sollte angeblich Großbritannien jede Woche an die EU überweisen, war eines der zentralen Brexit-Schlager von Boris Johnson. Und die Menschen in Großbritannien haben das geglaubt, obwohl es schlicht nicht stimmte. Und ähnlich natürlich das, was Trump so in seinem Wahlkampf 2016 oder auch jetzt wieder verbreitet hat. Da gibt es eine interessante Studie, dass Pro-Trump-Fakes viermal häufiger verbreitet wurden als Pro-Clinton-Fakes aus dem Wahlkampf 2016. Und so etwas kann dann natürlich einen Impact haben über Social Media.
Sprecher 3: In dem Fairness-Abkommen, an dem sich übrigens das Bündnis Sarah Wagenknecht nicht beteiligen wollte und die AfD gar nicht gefragt wurde, ist auch eine Regelung zum Verbot physischer Gewalt, also keine Gewalt im Wahlkampf, Schutz von Wahlkämpfern, so heißt es, habe oberste Priorität. Es gibt die Strafgesetze, in denen physische Gewalt, Körperverletzung, verboten ist, unter Strafe steht, dass wir so weit gekommen sind, dass man sowas noch aufschreiben muss und sich das gegenseitig versichern muss. ist sicherlich kein gutes Zeichen, trotzdem natürlich in der Sache nicht falsch.
Sprecher 2: Und das gilt natürlich auch bei Angriffen auf AfD-Abgeordnete. Die machen es auch nicht besser, nur weil es die AfD ist. Da wundert man sich manchmal schon, warum da das politisch linke Lager dann bei solchen Attacken eigentlich dann nicht aufschreit. Ich finde, da darf es keinerlei Parteinahme geben. So etwas darf es nicht geben. Da muss der Rechtsstaat natürlich rein. Und dass man es aufschreiben muss, ist dann schon ein bisschen peinlich.
Sprecher 3: Zur künstlichen Intelligenz steht auch was drin in dieser Vereinbarung. Woher kommen eigentlich die Inhalte in den sozialen Medien? Wer hat die generiert? Waren das noch echte Menschen? Sind das Trolle, die irgendwo sitzen? Welche Rolle spielt das Ausland? Also Trollfarmen, die von Russland finanziert irgendwo in Rumänien oder sonst wo sitzen. Auch das hat es alles schon gegeben. Aber dann gibt es auch die Einflussnahme, die gar nicht verdeckt durch Trolle oder KI funktioniert, sondern ganz öffentlich. Stichwort Wahlwerbung durch Elon Musk in der Welt.
Sprecher 2: Ja, das ist natürlich eine pure Werbung gewesen für die AfD, die so dann auch eigentlich nicht erscheinen darf. Da haben wir ja auch schon drüber gesprochen. Ich fand es auch unnötig und zumal man gerade auch als Journalist, glaube ich schon, diese Einordnung, diese Analysefähigkeit, auch das Fact-Checking immer mitbedenken muss, wenn wir veröffentlichen. Man kann natürlich sagen, der Mann hat irgendwie 250 Millionen Follower bei X und er hat ja da seine Wahlwerbung eigentlich schon veröffentlicht. Warum soll man dann noch in einem Medium, das irgendwie 100.000 Abonnenten hat, warum soll man das eigentlich überhaupt noch machen? Ich glaube, es ist einfach so, wir haben jetzt eine Verantwortung, sechs Wochen, dass wir wenigstens ruhiger, angemessen, sachlich, ruhig, analytisch, klar und von allen Seiten auf einen Vorfall schauend publizieren, weil in Social Media ist der Rest ja eben von solchen Mechanismen der Korrektur eben nicht versehen.
Sprecher 3: Es gab ja auch innerhalb der Weltredaktion eine heftige Debatte über die Frage, ob man diesen Text veröffentlicht oder nicht. Der Kompromiss war dann, dass der neue Chefredakteur der Welt, Jan Philipp Burgert, eine Entgegnung schreibt, wobei die so scharf dann auch nicht war. Ich sage nur Stichwort, auch ein Genie kann irren. Er hat natürlich den einen oder anderen Zahn versucht zu ziehen, vor allem die These, dass die AfD eine wirtschaftsfreundliche Partei sei. Denn tatsächlich ist sie ja das Gegenteil. Sie will aus der EU austreten. Auch ansonsten ist es ein kompletter Protektionismus und hält wenig vom internationalen Handel, der Deutschland am Ende reich gemacht hat. Es geht nicht darum, dass man Elon Musk nicht zu Wort kommen lassen sollte. Also herzliche Einladung in unseren Podcast, lieber Herr Musk. Wir würden uns natürlich sofort mit Ihnen unterhalten. Wir würden aber auch sehr, sehr kritische Fragen stellen. Und der Gastbeitrag ist eben insofern ein bisschen schwierig, weil man jemandem die Plattform gibt, seine Inhalte zu verbreiten, ohne dass man kritisch nachfragen kann.
Sprecher 2: So ist es.
Sprecher 3: Deswegen gilt da, so würde ich das sagen, eine erhöhte Verantwortung an die Journalisten, die das Ganze kuratieren, dass zum Beispiel Fake News nicht verbreitet werden, denn presserechtlich haftet sowieso auch am Ende die Zeitung dafür. Man muss. nicht alles drucken. Man kann auch Elon Musk sagen, was würde er denn wirtschaftspolitisch für Deutschland zum Beispiel empfehlen. Aber eine Wahlwerbung von einem so einflussreichen Mann aus dem Ausland, also das finde ich tatsächlich falsch.
Sprecher 2: Und interessanterweise, wenn ich so zurückblicke, in meinem journalistischen Leben waren es oftmals die Länder mit, sagen wir mal, autokratischen Zügen. Auch Aserbaidschan war da mal drunter oder die Türkei oder auch China, die gerne ihre Vertreter ihres Landes nur als Gastbeitrag bitte zu Wort kommen lassen wollten. Bitte nicht als Interview, erst recht nicht unautorisiert. Und man ahnt dann schon, warum das so ist. Und da darf man auch mal einen Gastbeitrag ablehnen. Aber gut, das Thema haben wir. Die Frage ist, Selene, was machen wir jetzt sechs Wochen? Ich glaube, wir bleiben bei Table bei unserem Profil, das wir haben und unserem Ziel, nämlich tief und ruhig und sachlich zu analysieren. Aber wir müssen uns auch ein bisschen Gelassenheit antrainieren, dass wir jetzt nicht bei jeder Twittersau, die da durchs Dorf gejagt wird, sofort in Alarmbereitschaft verfallen.
Sprecher 3: Vor allem, wenn man sich anschauen will, was zum Beispiel die Kollegen des Climate Table tun. Was haben denn eigentlich die Parteien klimapolitisch so vor? Ist das zu finanzieren? Wie ist das technologisch? Wie ist das finanziell? Und all diese Geschichten. Wenn man dann aber immer nur über Arschloch hin oder her redet, hat man für diese Themen keine Zeit. Und genau das wollen wir hier ja tun. Bisschen weniger aufregend. Das wird alles noch aufregend genug.
Sprecher 2: Deswegen hier die Idee für Sie da draußen. Geht immer weg von X. Gehen Sie einfach mal auf table.media und lesen Sie sich mal das eine oder andere unserer neuen Fachbriefings durch. Sie werden über... Errascht sein, wie ruhig man argumentieren kann. Künstliche Intelligenz ist eine Schlüsseltechnologie und wird als solche Ausgangspunkt für zahlreiche Entwicklungen, Innovationen und Produkte sein. Das ist kein Satz von mir oder von Helene, sondern so steht es auf der Seite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und zwar seit 2018. Damals wurde eine KI-Strategie beschlossen, mit der Deutschland führend werden soll bei dieser Technologie. Naja, das ist nicht ganz der Fall. Die großen KI-Player sind wieder einmal in den USA oder in China zu finden, teilweise inzwischen auch in Frankreich. Wir müssen aufholen und das gilt insgesamt in der Wirtschaft ohnehin. Und deswegen ist es gut, dass wir immer am ersten Freitag Vorschläge machen, die 100 kluge Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in der Innovationsagenda 2030 aufgeschrieben haben. Wie kommt Deutschland wieder zurück an die Weltspitze? Darüber reden wir heute mit dem Unternehmer, Investor und Gründungspartner von Visionaries Tomorrow, Sebastian Pollock. Und er sagt uns auch, wo wir vielleicht bald schon wieder führend sein können. Schön, dass du heute bei uns bist. Hallo Sebastian.
Sprecher 6: Hallo, freue mich hier zu sein.
Sprecher 2: Lieber Sebastian, du bist Investor und deswegen wollen wir jetzt erstmal mit einer positiven Nachricht beginnen. Welche wirtschaftliche Nachricht der letzten Wochen, Monate hat dich begeistert?
Sprecher 6: Jetzt darfst du nicht erschrecken. Die Wahl Donald Trumps kann auch etwas Positives haben. Die Regierung Trump tritt ja unter anderem an mit diesem Slogan Drill, Baby, Drill. Also die wollen jetzt ganz stark wieder in Richtung... Gas fördern. Aus meiner Sicht kann Europa ein Safe Harbor, also ein sicherer Hafen für Klimafounder werden, die in den nächsten vier Jahren in den USA nicht so gerne gesehen sein werden. Und gerade auch über das Thema Deep Tech, über das wir heute sprechen, können wir über die nächsten vier Jahre wirklich... Auf Englisch würde man sagen Leapfrogging. Also wir können ganz nach vorne kommen, was das Thema Innovation gerade auch in diesem Clean Tech und Climate Bereich anbelangt.
Sprecher 2: Okay, Sebastian, dann erklär uns mal, wie kann man in Europa das Thema, was eigentlich gerade hinten dran ist, nämlich Green Industrial Transition, würde ich jetzt mal so sagen, wie kann man das wieder nach vorne bringen? Wo gibt es dort Chancen, die für Wachstum, für Wohlstand, auch für Potenzial stehen? Weil ich habe nicht das Gefühl, dass die Menschen das gerade glauben.
Sprecher 6: Ich kann es mal so plakativ nennen, für Europa so ein bisschen unser Google zu bauen. Also das, wo die USA wahnsinnig stark sind, am laufenden Band große neue Firmen bauen. Sind wir da leider, wie du schon gesagt hast, als Europa ein bisschen hinterher. Und das müssten wir aber eigentlich gar nicht sein. Wenn man sich die Zahlen anschaut, Dann wird man feststellen, über 50 Prozent der global führenden Forschungsinstitute sitzen in Europa. Deutschland ist Nummer zwei bei Patentanmeldungen. In 2023 haben wir 14 Prozent der globalen Patentanmeldungen hier in Deutschland getätigt.
Sprecher 2: Aber wir schwinden relativ gegenüber den anderen großen Nationen. Die holen auf.
Sprecher 6: Leider ist es so, dass nur drei der Top 100 größten Deep Tech Firmen in Deutschland sitzen. Irgendwas funktioniert da noch nicht. Deshalb haben wir in der Innovationsagenda 2030 ein paar Themen beschrieben, die wir anders machen wollen. Aber gleichzeitig sind wir sehr optimistisch und positiv. Das kann wirklich, das war das, was ich eben meinte, das kann unser Google werden.
Sprecher 2: Was genau wäre dieses Google? Machen wir konkret. Wie verbinden wir industrielle Kompetenz mit tiefer Technologie?
Sprecher 6: Wir haben zum Beispiel bei einer Firma investiert, die aus München kommt, die heißt Proxima Fusion. Und die kümmern sich um die eine große... Frage der Menschheit, wie bekommen wir eigentlich Energie? Und zwar sicher, so viel wie wir wollen, günstig und grün. Und diese Firma Proxima Fusion, die nutzt das Prinzip, was auch in der Sonne jeden Tag passiert, und zwar Fusion. Also da werden nicht Atome gespalten, sondern sie werden miteinander verbunden. Dabei entsteht ganz viel Energie. Und diese Energie wollen wir nutzbar machen. Und da hat Deutschland zum Beispiel jetzt schon über die letzten zehn Jahre viel Geld schon investiert. Über eine Milliarde ist da reingegangen. Über das Max-Planck-Institut, um diese Fusionsenergie, um der den... Weg zu ebnen. Und was ist dadurch passiert, wenn wir jetzt vorspulen, heute, wo stehen wir? Wir sind da, was diese Art der Fusionsenergie anbelangt, sind wir weltweit führend. Also wir haben einen Reaktor, der steht in Greifswald, der kann das besser als andere Reaktoren global. Und aus unserer Sicht ist das eigentlich genau das, was wir machen müssen. Wir müssen die Spitzenforschung, die aus Deutschland kommt, auch jetzt schon kommt, müssen wir viel näher ranbringen an die Industrie, also an die Kommerzialisierung und ans Unternehmertum.
Sprecher 2: Wir haben gelernt in verschiedenen Wettbewerbsfähigkeitsrankings, dass wir in der Forschung stark sind, aber daraus viel zu wenig, da sind wir sogar Platz 20 weltweit, echte wirtschaftliche Praxis machen. Also so eine Company wie Google, die Marketing-Power hat, die zum Monopolisten am Ende sogar wird. Wo siehst du den Ansatzpunkt, um daraus auch wirklich wirtschaftliche Kraft zu machen?
Sprecher 6: Für mich sind die größten Themen, die uns als Menschheit bewegen, Gesundheit, Energie, Defense, AI, Computing, vielleicht sogar auch der Weltraum. Vielleicht ist das auch nur meine persönliche große Passion schon seit Kindertagen.
Sprecher 2: Markus Söders Passion ist es auch.
Sprecher 6: Das stimmt. Und hinter all diese Bereiche können wir jetzt schon Namen schreiben. Also bei Gesundheit, Biontech. Weltraum, Isar Aerospace, eine ganz spannende Firma, die versucht, das, was SpaceX in den USA macht, auch für Europa zu erschließen. Dann Energie. Ich habe über Proxima Fusion gesprochen. Es gibt Marvel Fusion und noch einige weitere. Thema AI gibt es DeepL. Fans, Helsing, auch eine ganz tolle Firma. Und all das passiert, weil wir hier in Europa Spitzenforschung haben, weil wir hier die tollen Talente haben, weil wir uns Dinge auch mal trauen. Wir fangen an, sie auch finanziert zu bekommen. Also grundsätzlich können wir das. Aus unserer Sicht, aus der Startup-Verband-Sicht, müssen wir neben der Finanzierungsschraube aber auch noch drehen an der universitären Ausgründungsschraube, an der regulatorischen Schraube. Der Staat kann als Einkäufer noch viel mehr machen. Also all das sind Themen, über die wir in der Innovationsagenda gesprochen haben, über die wir geschrieben haben und über die wir natürlich auch gerne hier heute sprechen können.
Sprecher 2: Dann nehme ich ein Thema mal raus, die Startup-Factories, die Gründungsmentalität in den Universitäten. Ihr wird immer wieder auf Papieren gewünscht, gefordert, beschrieben und dann findet es doch zu wenig statt. Woran liegt das?
Sprecher 6: Du hast jetzt das Thema Mentalität angesprochen. Das ist sehr schwer zu drehen. Aus meiner Sicht ist das etwas, wo Vorbilder extrem helfen können. Das kann man nicht verordnen. Ich habe lange auch im Silicon Valley gearbeitet als Investor. Ich habe das da selber gesehen. In der Sekunde, wo sich dieses Schwungrad, sage ich jetzt mal, selbst anfängt zu drehen. Also wo erfolgreiche Gründerinnen... Investoren werden, wenn die zurückgehen an ihre Universität. Und aus meiner Sicht wäre es toll, wenn das auch auf der Deep Tech Seite noch mehr passieren würde. Also wenn die, wir haben diese ganzen tollen Gründerinnen, wenn die nochmal ein bisschen mehr Vorbilder werden. Das ist das eine auf der Mentalität.
Sprecher 2: Die Person dieser Unternehmen, die du da gerade genannt hast, man kennt sie kaum.
Sprecher 6: Man kennt sie kaum. Und ich finde, wir müssen die viel mehr feiern.
Sprecher 2: Außer Biontech, das ist schon durchaus jetzt ein bekannter Mann und auch seine Frau, die Forscherin, die hinter Uschai entsteht.
Sprecher 6: Und das ist genau, das ist super. Ihr gebt denen auch hier ein Format. Ich fände es toll, wenn es noch viel mehr von diesen Formaten geben würde. Hülle der Löwen für Deep Tech. Ich weiß nicht, ob da schon jemand dran arbeitet, aber sowas in die Richtung. Ich glaube, das wäre super, wenn wir einfach Unternehmertum noch mehr feiern. Und gerade das, also mich persönlich begeistert diese Form des Unternehmertums am meisten, wo am meisten schiefgehen kann. Ich liebe das.
Sprecher 2: Ja, nur kannst du das ja keinem injizieren wie so eine Impfung von Biontech, dass er Unternehmertum und auch Mut und Gestaltungswille in sich trägt. Man kann in den Schulen allerdings anfangen und die Themen, die es dazu führen könnten, stärker betonen. Wir reden über Biologie gerade, wir reden über Technik, über Mathematik, über IT. Du hast ja selber als Zwölfjähriger so eine Art Mini-Greenpeace gegründet mit einigen Schülern und damals sogar Jürgen Trittin-Kengelen. Erzähl mal kurz, was das war und warum du damals schon Lust hattest, da zu gestalten, was dich dazu getrieben hat. Hattest du Vorbilder?
Sprecher 6: Wahrscheinlich waren es meine Eltern, Apotheker. Ich hatte mein kleines Chemielabor im Keller. Mich persönlich hat das damals schon angefixt. Also ich fand das schon immer spannend und ich saß dann tatsächlich, 1997 saß ich dann neben Jürgen Trittin im Umweltministerium. Ich hatte schulfrei bekommen, habe dem 120.000 Unterschriften für die Änderung des Richtwerts für bodennahes Ozon von 360 auf 180 Mikrogramm pro Kubikmeter übergeben. Die hatten wir mit vielen anderen Kindern aus dem ganzen Bundesgebiet eingesammelt. Das lag irgendwo in mir drin. Also mir wurde das auch... nicht einindiziert, sondern das kam aus mir selber raus und wahrscheinlich auch aus dem Vorbild, das mir meine Eltern gegeben haben. Insofern auch ein Appell an alle Eltern da draußen. Ich bin selber auch Vater und lese sehr gerne, es gibt dieses eine tolle Buch, Quantenphysik für Babys. Verschenken wir auch sehr gerne, ist kindgerecht und elterngerecht. Kann ich nur zu ermuntern.
Sprecher 2: Du personifizierst ja eigentlich genau das, was dieses Land braucht, nämlich eine intrinsische Motivation, grün zu werden, den Planeten zu retten und gleichzeitig Geld zu machen. Also daraus ein wirtschaftliches Modell zu machen. Ist das, glaubst du daran, dass es dieses grüne Wirtschaftswunder für Deutschland wirklich geben kann als Volkswirtschaft? Nicht du als Person, als Volkswirtschaft.
Sprecher 6: Wenn wir uns den Standort Deutschland anschauen und die Industrien, die wir hier über Jahrhunderte sehr erfolgreich aufgebaut haben, dann sieht man sehr schnell, dass Tech-Stacks, also so würde man das in meiner Welt nennen, also die Technologien, auf die alles aufgebaut ist, dass die sehr fossilintensiv sind, zum einen, aber auch teilweise, dass sie gar nicht mehr kosteneffizient sind. Und das ist das, was ich spannend finde. Es gibt neue Technologie, die sowohl der stereotypische Mr. Burns von den Simpsons, also der schlimmste Manchester-Kapitalist, den du dir vorstellen kannst, dem der Planet relativ egal ist, Technologie, die für den spannend ist, weil sie gut sind für seine... Für seine Gewinn- und Verlustrechnung und die aber gleichzeitig auch gut sind für den Planeten. Und das ist das, was ich spannend finde. Und da gibt es eben ganz viel. Ich habe ja einige Beispiele vorhin auch genannt. Das ist das, wo ich glaube, wo wir drauf setzen sollten.
Sprecher 2: Dual Use in einer neuen Definition. Also was mir selbst hilft, um meine Tasche mit ein bisschen mehr Geld zu füllen und trotzdem den Planeten rettet.
Sprecher 6: Genau das ist es. Es ist aus meiner Sicht utopisch, dass wir Verhalten ändern, dass wir mehr zahlen. Das funktioniert nicht. Wir brauchen Technologie, die einfach besser ist. Und wir haben die. Und gerade in Deutschland und in Europa entwickeln wir die auch. Und wenn das gerade in den USA dann auch ein bisschen weniger passiert über die nächsten vier Jahre, dann ist das eine Riesenchance für uns als Europäer und für uns als Deutsche.
Sprecher 2: Mehr Technologie, mehr grüne Technologie führt das Wirtschaftswunder in Deutschland. Was dort in dieser Innovationsagenda alles noch an Vorschlägen steht, können Sie da draußen nachlesen. Auf startupverband.de, die Innovationsagenda 2030. Ein kleiner Einblick in die Deep-Tech-Welt. Vielen Dank, lieber Sebastian Pollock.
Sprecher 6: Vielen Dank.
Sprecher 3: Heute ist Freitag und diese Woche war ziemlich kurz, jedenfalls für die meisten von uns. Das Wochenende steht schon wieder vor der Tür und damit noch zwei weitere hoffentlich entspannte Tage, in denen Sie nochmal unter oder vor Ihrem Baum sitzen können.
Sprecher 2: Wir empfehlen Ihnen natürlich auch an diesem Wochenende wieder einen Table-Spezial-Podcast. Es ist der dritte und letzte Teil unserer kleinen Podcast-Reihe über Friedrich Merz. Ich habe mir den Aufstieg und vor allem den Wiederaufstieg von Friedrich Merz in den letzten vier Jahren nochmal genauer angeschaut und mit überraschenden Gesprächspartnern, Gegnern und Kritikern, aber auch Unterstützern der letzten Jahre gesprochen. Wie hat er das geschafft? Was hat er eigentlich mit dem Land vor? Wer ist dieser Friedrich Merz? Die letzte Folge hören Sie morgen hier ab 6 Uhr bei uns bei Table im Podcast-Kanal Ihres Vertrauens.
Sprecher 3: Nicht, dass Sie denken, das sei hier ein Friedrich-März-Festival. Wir haben auch die anderen Kandidaten für Sie. Ein bisschen hat der vorgezogene Wahltermin jetzt auch unsere Podcast-Pläne durchkreuzt. Deswegen haben wir keine mehrteiligen Folgen zu den anderen Kandidaten, aber sehr wohl Gespräche mit Ihnen und über Sie, vor allem über die aussichtsreichsten Kandidaten, natürlich Olaf Scholz und Robert Habeck. An dieser Stelle nochmal herzliche Einladung, mal an die beiden auch zu uns ins Studio zu kommen.
Sprecher 2: Es ist die 277. Podcast-Folge übrigens schon von Helene und mir. Wir danken wirklich für unfassbar. Tolles Feedback und dass Sie so lange schon bei uns sind. Es wird dieses Jahr natürlich noch mal spannender. Und wir wollen auch zum Schluss wieder nach dem wunderbaren Erfolg unseres kleinen Audio-Adventskalenders, glaube ich, mit einer musikalischen Botschaft ins Jahr starten. Ich finde, Helene, deinen Wunsch, den hätte ich jetzt eigentlich gerne noch mal gehört.
Sprecher 3: Heute mein Songwunsch. Strange Game von Mick Jagger. Es ist der Titelsong der wirklich tollen Serie Slow Horses. Und ich habe es ausgewählt vor allem wegen der einen Zeile in dem Lied. Und die lautet... There's always a hope on the slippery slope. Wir sind wahrscheinlich irgendwie auf einem Art Slippery Slope. Wahrscheinlich im Leben insgesamt und im Wahlkampf nochmal ganz besonders. Und deswegen, there's always a hope. Und dann geht es übrigens weiter mit somewhere a ghost of a chance to get back in that game and burn off your shame and dance with the big boys again.
Sprecher 2: Ich finde es sehr gut, Helene. Ich dachte schon, du nimmst die Textzeile Surrounded by Losers, aber die würde ja nun gar nicht zu uns passen. Wunderbarer Songtitel. Was für ein Ausstieg und Einstieg in diesen letzten Freitag dieser Woche und dann ins Wochenende. Tschüss, auf Wiederhören und bis bald.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 7: Yes, I strive. You pile up the copses, exhausted your sources, living right under. The odds are against you. The gods have blessed you. You better get back on the rails. Drip down on the data. Keep pushing the paper. The dam's dripping down on the wall. It's a million to one. There's a place in the sun to dance with the big boys again.
Sprecher 8: Such a strange, strange guy.
Sprecher 7: You don't even know my real name. It's a strange game. You've got to carry the flame in this strange, strange game. You're out on a limb, trying hard to get in. It's a strange game.