Macht der Wahlkampf Weihnachten kaputt, Frau Gidion?
Die Weihnachtszeit sollte eine ruhige und besinnliche Zeit mit der Familie und Freunden sein. Die Realität sieht oft anders aus: Stress beim Geschenkekaufen, beim Organisieren von Familienbesuchen – und in diesem Jahr kommt auch noch ein Wahlkampf dazu. Hat Weihnachten an Bedeutung verloren? Darüber hat Helene Bubrowski mit der Theologin Anne Gidion, der Bevollmächtigten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, gesprochen.
Auch wenn die AfD Michael Kretschmer vermutlich keine Stimme gegeben hat, hat sie doch seine Wiederwahl entscheidend beeinflusst. Dazu trugen zwei Gegenkandidaten bei. Zudem sorgte ein Antrag der Grünen für ein anderes Wahlverfahren dafür, dass sich die Reihen hinter Kretschmer schlossen. Beides räumten sächsische Spitzen-CDUler ein, berichtet Table-Redakteurin Franziska Klemenz aus Sachsen.
Table.Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/registrierung.
Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlman@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Wir sprechen heute mal über Sachsen, denn dort gibt es eine neue Regierung. Über 15 Wochen nach der Wahl steht Michael Kretschmer als alter und neuer Ministerpräsident fest. Damit geht eine politische Hängepartie zu Ende, die bis zur letzten Sekunde spannend war. Wir fassen für Sie den Weg der Regierungsfindung zusammen und sagen Ihnen, was das Ergebnis für Risiken birgt.
Sprecher 3: Und natürlich haben wir auch dafür eine Expertin, nämlich unsere inoffizielle Sachsen-Korrespondentin Franziska Clemens. Die hören Sie gleich hier. Aber unser Hauptinterview, das hat mit Weihnachten zu tun.
Sprecher 2: Weihnachten soll ja eigentlich eine ruhige und besinnliche Zeit sein mit Familien und Freunden. Und die Realität sieht völlig anders aus. Der riesige Stress beim Geschenkekaufen, das Organisieren von Familienbesuchen. Und in diesem Jahr kommt auch noch der Wahlkampf dazu. Hat Weihnachten an Bedeutung verloren? Das wollten wir von der Prälatin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Dr. Anne Gideon, wissen.
Sprecher 3: Und danach machen wir natürlich wieder für Sie und für uns selbst auch ein bisschen den Adventskalender, den musikalischen auf. Diesmal kommt er von einem echten High-Level-Professional aus dem Auswärtigen Amt.
Sprecher 2: Wir sind guter Dinge im Podcaststudio, aber auch wir sind ein kleines bisschen weihnachtssehnsüchtig. Auf geht's an diesem Donnerstag, den 19. Dezember.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: Auf Michael Kretschmer in vielen 69 Stimmen.
Sprecher 3: Helene, das Wahlergebnis, das Michael Kretschmer im sächsischen Landtag jetzt bei der Wahl zum Ministerpräsidenten bekommen hat, das kann fast gar nicht besser sein. 61 Stimmen hätten für die Mehrheit gereicht, 69 hat er bekommen. Also mehr als aus seiner eigenen Kretschmer-Koalition aus CDU und SPD eigentlich notwendig war.
Sprecher 5: Ich frage Sie, sehr geehrter Herr Kretschmer, nehmen Sie die Wahl an.
Sprecher 3: Herr Präsident, ich nehme die Wahl an. Ich gratuliere.
Sprecher 2: Man muss eine ungewöhnliche Koalition anführen und hat die Mehrheit bekommen mit Hilfe der Linken.
Sprecher 3: Ja, die einst große ostdeutsche Volkspartei, sie ist ein bisschen zusammengeschrumpft zum, man kann fast sagen, Mehrheitsbeschaffer für die Union.
Sprecher 2: Interessanterweise trotz des Unvereinbarkeitsbeschlusses, der ja eigentlich nicht nur besagt, man darf nicht koalieren, sondern auch nicht zusammenarbeiten.
Sprecher 3: Die propagierte Brandmauer zur SED-Nachfolgepartei, sie ist eigentlich längst zusammengebrochen, aber alle gegen die AfD scheint das Motto im Osten zu sein.
Sprecher 2: Naja, und eben auch willkommen in der Realität. Also diese Brandmauer war in dieser Form gegenüber der Linkspartei, die ja deutlich weniger radikal ist als das BSW. Nicht mehr zeitgemäß und mit den Mehrheitsverhältnissen schlicht nicht mehr vereinbar. Insofern ist es jetzt rein realpolitisch gesehen natürlich der einzig gangbare Weg.
Sprecher 3: Ja, manches muss so ein CDU-Politiker im Osten. über sich ergehen lassen, um regieren zu dürfen. Unter anderem hat Sabine Zimmermann, die BSW-Chefin im Landtag, ihm ein Wagenknecht-Buch überreicht. Eine Biografie über Sarah Wagenknecht. Also so ist es schon gekommen. Wer als CDU-Mann im Osten in die Spitze will, der muss mit irgendeinem dieser Linken irgendwie zusammenarbeiten.
Sprecher 2: Man kann es auch positiver formulieren und das ist genau die Wahl von Michael Kretschmer gewesen.
Sprecher 6: Und es gibt sehr, sehr viele verantwortungsbewusste Kolleginnen und Kollegen, auch Fraktionen, die dazu beigetragen haben, dass wir heute nicht in einem Chaos versinken, sondern dass wir uns jetzt heute gemeinsam auf den Weg machen können. Und deswegen ist diese Wahl heute. Auch ein Stück weit ein Signal, was in den nächsten Jahren möglich ist. Wir können für Sachsen gestalten. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Diese anstrengende Zeit des Wahlkampfes ist zu Ende. Jetzt geht es darum, diesem Land eine gute Zukunft zu geben. Arbeiten Sie alle mit. Glück auf.
Sprecher 2: Wir sind es ja seit einigen Jahren gewohnt, dass die Regierungsbildung im Osten schwierig ist. Die Zeiten von Kurt Biedenkopf, der zwölf Jahre regierte und meistens mit absoluter Mehrheit, die sind wahrlich vorbei. Aber vor vier Jahren, da war das sogenannte Kenia-Bündnis schon eine Besonderheit. Man wunderte sich damals noch darüber, dass die Große Koalition, die sogenannte Große Koalition, muss man ja sagen, keine Mehrheit mehr alleine zustande bringt. Und so kamen die in Sachsen von der CDU so ungeliebten Grünen dazu. Aber jetzt sind die Herausforderungen um ein Vielfaches größer. Größer über diesen steinigen Weg zur Regierungsbildung reden wir mit unserer inoffiziellen Sachsen-Korrespondentin Franziska Clemens. Hallo Franziska.
Sprecher 7: Hallo Helene.
Sprecher 2: Ja, sag mal, es sah ja erst gar nicht so aus, als würde Michael Kretschmer überhaupt eine Mehrheit bekommen. Das BSW ist zwischenzeitlich ausgestiegen in den Koalitionsverhandlungen. Erinnere uns doch nochmal kurz dran, wie dieser schwierige Weg eigentlich gewesen ist.
Sprecher 7: Erstmal sah es ja so aus, als könnte in Sachsen die Bromberg-Koalition besonders wahrscheinlich sein. Kretschmer hat ja durchaus auch einige Übereinstimmungen mit dem BSW, wenn es um Russland geht. Dann kam das aber nicht zustande. Es ist geplatzt und das große Ringen ging los. Teile der CDU haben darauf gepocht, doch jetzt bitte alleine in die Minderheit zu gehen. Es gab dann auch Gespräche von CDUlern mit AfDlern über eine von der AfD tolerierte CDU-Minderheitsregierung. Dann hat man sich doch aber dazu entschieden, für Kretschmer war auch direkt klar, auf gar keinen Fall irgendwas mit der AfD. Man macht gemeinsam mit der SPD eine Minderheitsregierung. Das bedeutet, man stellt damit 51 von 120 Landtagsabgeordneten. So, das Ganze hat auch schon Koalitionsvertrag. Man hat ja auch schon miteinander koaliert. Also das ist alles halbwegs einvernehmlich. Das Problem dabei ist aber, Kretschmer muss im ersten Wahlgang 61 von 120 Stimmen bekommen, im zweiten immer noch mehr Ja- als Nein-Stimmen. Er hat aber ordentlich Leute vergrault. Die Grünen haben gesagt, nein, so nicht. Erstens mal ist er im Wahlkampf furchtbar mit uns umgegangen. Zweitens mal hat er auch... immer wieder in Richtung rechts geblinkt, das können wir nicht unterstützen. Das BSW war vergrault, weil die Sondierungen geplatzt sind. Und die AfD hat sich abgestoßen gefühlt, weil die CDU jetzt doch mit der SPD koaliert hat. Deswegen gab es jetzt wochenlang ein wildes Suchen nach, wie kriegen wir diese Mehrheit zusammen oder zumindest mehr Zustimmung als Ablehnung. Bis gestern war auch wirklich nicht klar, ob Gretchen mal das gelingen wird.
Sprecher 2: Beschreib doch mal, wer hat jetzt zugestimmt und warum?
Sprecher 7: Also es ist zwar eine geheime Wahl, aber man kann da schon mehr als Mutmaßungen anstellen. Im ersten Wahlgang hat Kretschmer erstmal nur 55 bekommen, was nicht genügt. Aber es dürfte ihm geholfen haben, dass es zwei Kampfkandidaturen gab. Einmal von AfD-Landeschef Jörg Urban und einmal von einem fraktionslosen Matthias Berger, Ex-Bürgermeister von Grimma. Mir haben CDU-Spitzenpolitiker im Hintergrund gesagt, dass sie auch selber einräumen, ja, das hat Kretschmer geholfen. Zum einen war dann bei manchen doch irgendwie dieses Schreckensszenario zu groß, dass man einen AfD oder zumindest von der AfD unterstützten MP in Sachsen haben könnte. Und außerdem gab es diese Drohkulisse, wenn Kretschmer nicht MP wird und die Frist verstreicht, dann gibt es Neuwahlen. Und in Sachsen herrscht einhellig die Meinung, davon kann eigentlich nur die AfD profitieren. Die Linke würde wahrscheinlich aus dem Landtag fliegen. Die hat vorher schon angekündigt, ihre sechs Stimmen Kretschmer zu geben. Dann sind wir aber immer noch bei 51 plus 6, 57. Sind also noch zwölf Stimmen mehr und nachdem die Grünen ganz Klar gesagt haben, nein, von uns nicht und die AfD auch nicht, ist davon auszugehen, dass das BSW noch einige Stimmen abgegeben hat. Die AfD hat es mal wieder mit einem Coup versucht. Im ersten Wahlgang haben die 40 Stimmen, was ihrer Fraktionsstärke entspricht, ihrem eigenen Kandidaten Jörg Urban gegeben. Im zweiten Wahlgang, und Urban hat mir auch bestätigt, dass es genauso abgesprochen war, gab es auf einmal 39 Stimmen für den Fraktionslosen, weil die AfD darauf gehofft hat, dass wenn sie das vorher nicht ankündigt, dass BSW auch für den stimmt und am Ende sie dann so doch noch einen anderen MP bekommen. Das hat sich aber vielleicht auch beim BSW dann doch ein bisschen rumgesprochen und auch das könnte am Ende Kretschmer geholfen haben. Also ohne dass die AfD das möchte, könnte sie sogar am Ende Kretschmer entscheidend für die Wiederwahl beeinflusst haben. Oder die Abgeordneten besser gesagt.
Sprecher 2: Michael Kretschmer hat eine Mehrheit bekommen, regiert aber mit einer Minderheitsregierung. Wie stabil ist die?
Sprecher 7: Man möchte im sogenannten Konsultationsverfahren ja immer wieder verschiedene Fraktionen gewinnen für die Pläne, die man vorhat. Es gibt verschiedene Einstellungen zur Frage, wie stabil das ist. Die Sachsen, die vertrauen im Ganzen nicht so. Mehr als die Hälfte der Leute sagt, sie glaubt nicht, dass das hält. Man hat sich aber durchaus vorher beispielsweise mit dem BSW zu bestimmten Punkten abgesprochen, dass es bei manchen Programmen keine Kürzungen geben darf oder sowas. Manche hoffen auch, dass es mit der AfD in einzelnen Punkten Absprachen geben wird, aber da ist Kretschmann wirklich vehement dagegen. Und auch die Grünen sagen, naja, wir sind jetzt nicht grundsätzlich gegen jegliche Kooperationen. Das heißt, es wird schon irgendwie zu manchen Entscheidungen kommen können, aber es wird natürlich nochmal viel anstrengender, als es sowieso mit fünf Jahren Kenia schon war.
Sprecher 2: Vielen Dank für deine Einschätzung, Franziska.
Sprecher 7: Sehr gerne.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Es ist traurig, aber wahr. Weniger als die Hälfte der Deutschen sind inzwischen nur noch Mitglieder der christlichen Kirchen. Und sie erleben in diesem Jahr ein etwas anderes Weihnachtsfest. Denn während die Familien zusammenkommen und feiern, tobt gleichzeitig der Wahlkampf in Deutschland. Inklusive Beschimpfungen, Unterstellungen und vielleicht sogar, wir wollen es natürlich nicht hoffen, Drohungen. Kann man in solchen Zeiten eigentlich noch entspannt und besinnlich Weihnachten feiern oder macht der Wahlkampf die Feiertage kaputt? Darüber habe ich mit der Prälatin Dr. Anne Gideon, die die Evangelische Kirche gegenüber der Bundesregierung und der Europäischen Union vertritt, gesprochen. Hallo Frau Gideon.
Sprecher 8: Halle, Frau Bobrowski.
Sprecher 2: Ja, die Woche zwischen dem dritten und dem vierten Advent, da wünscht man sich gemeinhin besinnliche Feiertage, schöne Feiertage und gleichzeitig reden alle von dem Wahnsinnsweihnachtsstress mit den letzten Feiern, den Geschenken, den anderen Vorbereitungen und irgendwie denke ich, jedes Jahr ist es immer das Gleiche und es war auch schon immer so. Was sagen Sie dazu als Theologin?
Sprecher 8: Ich glaube, dass das zwar schon lange so war, aber nicht unbedingt so sein muss. Was ich immer suche, für mich selber und auch für andere, sind so kleine Inseln, in denen man so einen kleinen Moment begründet auf der Stelle tritt und einfach sagt, ich... Ich behaupte jetzt nicht, alles ist harmonisch oder alles ist gut, aber ich mache einen ganz kleinen Moment nichts oder ich gucke jemand anders an oder ich versuche, wie gestern in unserer Adventsfeier für unser Team, in der Gemeinschaft zusammen zu sein, wo es nicht darauf ankommt, perfekt zu sein, sondern zu sagen, wir sind zusammen, wir singen die alten Lieder, jeder hat was zu essen mitgebracht. Also so kleine, klare, schlichte Formen zu finden, das hilft gegen den Stress.
Sprecher 2: Also Inseln der Besinnlichkeit. In der allgemeinen Hektik, die ja in diesem Jahr politisch gesehen noch mal größer ist als sonst. Wir haben jetzt Wahlkampf, gerade vorgestern hat Olaf Scholz die Vertrauensfrage gestellt. Ist das symptomatisch für diese Zeit, dass wir jetzt auch noch Wahlkampf über Weihnachten haben?
Sprecher 8: Ach, symptomatisch ist mir ein bisschen viel. Vieles ist jetzt einfach so. Ich habe das Gefühl, das ist uns eher so passiert. Und die Nerven sind unglaublich dünn und wacht gar nicht wieder auf aus der ganzen Fülle von Ereignissen, über die man hinterher sagen wird, die waren historisch. Gipfelt jetzt eben darum, dass man gleichzeitig Adventszeit und Wahlkampf hat. Ich finde das... Nicht schön so und gleichzeitig denke ich, dafür ist ja Liturgie da, also Liturgie im Sinne von Worte, Texte, Lieder, die wir uns nicht selber ausgedacht haben, sondern die uns so geschenkt sind durch die Zeit und von denen ich das Glück finde, dass man sie nicht selber sich ausdenken muss. Also ich finde gerade, wenn man das Gefühl hat, diese politischen Ereignisse trubeln so auf einen ein und hämmern so auf der Seele, dann ist es gut, was zu machen, was schon vor mir da war.
Sprecher 2: Ich habe jetzt gerade einfach mal die These aufgestellt, dass der Wahlkampf die Weihnachtspause überschatten wird. Ich weiß gar nicht, ob das stimmt. Es gibt ja durchaus auch hier in Berlin Polit-Experten, die sagen, die allermeisten Leute, die nicht solche Politik-Junkies sind wie wir, die denken unter dem Weihnachtsbaum an völlig andere Dinge. Und im Januar beginnt ein völlig neues Spiel mit neuen Themen. Wie schätzen Sie das ein? Kann unsere Gesellschaft überhaupt noch zur Ruhe kommen und wirklich abschalten?
Sprecher 8: Also im Politikbetrieb läuft der Wahlkampf ja schon. Das sieht man im Bundestag, das sieht man... bei jedem Gespräch, der ist von den Leuten, die professionell Politik machen oder sie begleiten, ist das jetzt nicht mehr wegzudenken. Ich glaube, dass diese Vorstellung unter den Weihnachtsbäumen müsse es so ganz idyllisch sein, dass die auch noch nie gestimmt hat. Sicherlich wahr. Und es gibt immer Aufreger. Und dadurch, dass das medial natürlich auch so stark verstärkt ist und man das Gefühl hat, man will irgendwie auch so mitreden. Finden diese Dinge natürlich auch unterm Weihnachtsbaum statt. Mir geht es eher um die Frage, in welchem Gestus macht man das? Oder in welchem Geist? Also ist es möglich, die Evangelische Kirche und die Diakonie haben gerade so eine Kampagne, die heißt Hashtag Verständigungsorte. Also ist es möglich, dass auch unterm Baum oder bei der Gans oder auch in einer Bahnhofsmission beim Aushelfen am Heiligen Abend, so was wie Verständigung stattfindet? Das bedeutet so ein Minimum an Ausreden lassen oder ein Minimum, dass es sein könnte, dass du mir was sagst, was ich tatsächlich hören will. Das für sich selber zu sagen, das will ich auch unterm Baum. Das wäre, finde ich, in diesem Jahr nicht weniger anspruchsvoll als immer.
Sprecher 2: Manche glauben ja, Politiker sind Vorbilder oder sollten zumindest Vorbilder sein. Und wie die das jetzt im Bundestag vorgemacht haben, Anfang der Woche, mit einem ja wirklich heftigen Schlagabtausch, gegenseitigen Vorwürfen und nicht existenter Selbstreflexion, muss man ja sagen. So sollte man es unterm Baum jedenfalls nicht machen. Waren Sie erschüttert über die Schärfe des Tons?
Sprecher 8: Ich fand es... auch vor zwei Wochen schon relativ heftig, einfach zu spüren in diesem Bundestag, in dem es keine funktionierenden Mehrheiten mehr gibt, ist es sehr schwer, überhaupt noch über Sachfragen zu reden. Und das, was ich mitgekriegt habe, hat mich auch insofern berührt, weil ich dachte, kann nicht einer mal sagen, ich habe auch was falsch gemacht. Oder kann ich einmal mal sagen, sorry, ich respektiere dich als Mensch, aber ich finde es in der Sache unerträglich. Also irgendwie so diese Differenz zwischen jemandem als Person und jemandem als Meinung, das würde ich mir einfach wünschen. Und ich glaube auch nicht, dass man damit gewinnt. Ich glaube, diese Sorte Verbalschlacht kennt nur Verlierer.
Sprecher 2: Manche sagen ja, es fehlt die Demut. Und da kommen wir jetzt zur Frage der Rolle von Religion in der Politik, die ja, so würde ich das sagen, widersprechen Sie mir, wenn es nicht stimmt, insgesamt doch rapide gesunken ist. Es wird gemeinhin festgemacht daran, wer die Gottesformel bei der Vereidigung benutzt und wer nicht. Und das war in der Ampelkoalition ausschließlich der FDP-Teil. Alle anderen haben darauf verzichtet. Ist das jetzt für Sie aus Sicht der Kirche ein Alarmsignal?
Sprecher 8: Ich halte das mit der Bedeutung der Gottesformel für die persönliche Frömmigkeit oder für die Relevanz von Kirche ein bisschen für überschätzt. Aber die Frage, welche Themen wichtig sind, das ist uns ja mindestens so wichtig. Also wo sind die Themenallianzen für Menschenrechte, für das Gemeinwesen, für den Zusammenhalt in der Gesellschaft, für ein... nachhaltiges und verantwortliches Wirtschaften und da in guter Weise eine kirchliche Stimme einzuzeichnen. Dafür habe ich durchaus viele offene Ohren gefunden, auch in der Ampelkoalition. Und das hängt eben nicht zwingend an der Frage, was mir Kirche als Institution bedeutet.
Sprecher 2: Jetzt trudeln ja dieser Tage überall die Weihnachtskarten ein und da ist ganz oft nicht mehr frohe Weihnachten oder besinnliche Weihnachten, wie ich es vorhin gesagt habe, steht da nicht mehr drauf, sondern Seasons Greetings, frohe Festtage. Das Ganze ist ja gut gemeint, sage ich mal, mit dem Hintergrund Achtsamkeit, andere Religionen. Wir wollen das niemandem aufdrücken und ihm unterstellen, dass er Weihnachten feiert. Ist das achtsam oder ist das auch ein Verrat der Tradition?
Sprecher 8: Ich glaube, dass es nicht so einen kleinsten gemeinsamen Nenner gibt, sondern dass es eher darum geht, die jeweiligen religiösen Traditionen selbstbewusst zu zeigen. Ich finde dann schöner, wenn es von anderen Religionsgemeinschaften Grüße oder Einladungen zum Chanukka oder zum Fastenbrechen oder so gibt, die dann für die eigene Tradition stehen, als so eine Art religiöse Mitteltemperatur.
Sprecher 2: Jetzt leben wir aber in einem Deutschland, in dem mittlerweile mehr als die Hälfte der Menschen weder Mitglied der katholischen noch der evangelischen Kirche sind. Ich habe jetzt gehört, dass teilweise in Ostdeutschland zu Weihnachten Gottesdienste veranstaltet werden, in denen... Gott gar nicht mehr. mehr genannt wird, sondern man eine Art von Seasons Greetings Feier macht und die Kirche sinngemäß sagt, besser es kommt überhaupt noch jemand aus Tradition an Weihnachten in die Kirche als gar nicht mehr und dann wird die Kirche vollends marginalisiert. Gibt es da noch so eine Art Missionierungsidee, die Leute ranzuziehen oder muss man einfach damit leben, dass... Ja, das Selbstverständnis ein anderes ist.
Sprecher 8: Was ich erlebe, ist, dass Musik da eigentlich die stärkste Kraft ist, die nicht danach fragt, ob man etwas auswendig kann oder ob man etwas... Jetzt bekennen will, sondern die einen so mit hinein nimmt und die Arten und Weisen, wie Konzerte ausgebucht sind oder wie Leute das Weihnachtsoratorium hören wollen oder auch Weihnachtslieder mitsingen, ist für mich so eine tiefe religiöse Grundierung, die in Leuten so mitschwingt. Ich glaube, dass das etwas ist, was Menschen... Tröstet und trägt, genauso auch neuere Musikformen, die das weiterentwickeln, moderne Oratorien oder auch modernere Musiksprache und dass man einfach schauen muss, dass Religion ein Resonanzphänomen ist, also dass es etwas ist, was ins Schwingen kommen muss und was nicht fordert, Zugehörigkeit ja oder nein, sondern was anspricht. Und in dem Sinne wäre auch für mich Mission zu verstehen. Also Mission bedeutet nicht, ich oktroyiere jemandem anderen meine Lebens- und Weltform, sondern Mission bedeutet, ich bin zu jemandem in einem Schwingungsverhältnis und wenn da etwas schwingt, dann gelingt es.
Sprecher 2: Zumal wir ja auch sehen, dass die Leute dann, wenn einmal die Rush-Hour irgendwo durchbrochen wird, durch Krankheit, durch den Todesfall, durch andere Dinge, dass dann auf einmal das Verhältnis zur Kirche sich auch ändern kann, wo man ansonsten denkt, alles läuft gut, ich brauche das gar nicht.
Sprecher 8: Also am Anfang und am Ende des Lebens oder auch an den Übergängen. In Hamburg gibt es so eine ganz wunderbare Agentur, die heißt Sankt Moment und ist eine Kasualagentur, also die macht sozusagen Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Konfirmationen, Sachen und feiert den Moment. Dieses Bedürfnis wird es immer geben und manche der klassischen Formen passen für manche Lebensentwürfe nicht. Aber dieses Feiere mit mir meinen Moment, das ist ein ganz starkes Bedürfnis.
Sprecher 2: Vielen Dank, dass Sie hier waren heute, Frau Gideon.
Sprecher 8: Sehr gerne, danke für das Gespräch.
Sprecher 3: Zum Abschluss mal wieder ein Audio-Wunsch. Diesmal haben wir einen Musikwunsch und der geht an eine Artistin aus einer wunderbaren amerikanischen Stadt, in der ich mal kurz leben durfte, nämlich New Orleans. Traumhaft wunderbare Musik, eine Gospelsängerin, Mahalia Jackson mit Joy to the World. Und von wem kommt dieser Wunsch in unseren Audio-Adventskalender?
Sprecher 2: Er kommt von Michael Scharfschwert. Er ist Leiter des Leitungsstabes im Auswärtigen Amt. Und was verbindet Herr Scharfschwert mit diesem Lied, das 1962 für das Weihnachtsalbum von Mahalia Jackson aufgenommen wurde? Er schreibt, das Lied verkörpert auf berührende Art und Weise die Hoffnung, die in Weihnachten steckt und die auch im Jahr 2024 nichts von ihrer Kraft verloren hat. Das wünschen wir doch uns allen, aber ein bisschen Zeit ist ja noch bis Weihnachten. Am Freitagmorgen um sechs sind wir zum Beispiel wieder für Sie da und freuen uns schon jetzt drauf.
Sprecher 3: Kraft haben wir auch noch. Bis dahin. Tschüss und auf Wiederhören.
Sprecher 2: Tschüss.
Sprecher 9: Let every heart prepare him room And heaven and nature sing And heaven and nature sing And heaven and heaven our nature sing Joy to the world, the Savior reigns. Let men their souls implore. Wild fields and flowers, rocks, hills and plains. Repeat the sound and joy. Repeat the sound and joy. Repeat, repeat the sound and joy. With truth and grace. The nation Just now. And one of the stories of love.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.