Brauchen wir eine Aktienkultur, Herr Book?
Dauer: 25:06

Brauchen wir eine Aktienkultur, Herr Book?

100 Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben sich Gedanken darüber gemacht, wie Deutschlands Wirtschaft wieder innovativer und dynamischer werden kann und Wachstum gelingt. Jeden ersten Freitag im Monat greifen wir im Podcast Table.Today mit den Autoren der Innovationsagenda 2030 und dem Bundesverband Start-ups die wichtigsten Thesen und Themen auf. 


Diesmal geht es um die mangelnde Aktienkultur in Deutschland und ihre Auswirkungen auf das Rentensystem sowie auf junge, wachstumsstarke Unternehmen. Thomas Book, Vorstandsmitglied der Deutschen Börse, erklärt, wie ein besseres Zusammenspiel von Risiko und Rendite die Kapitalmärkte stärken und der Gesellschaft zugutekommen könnte.



EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ist zum Gipfel der Mercosur-Staaten nach Montevideo gereist, um die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen abzuschließen. Die Ziellinie sei „in Sicht“, schrieb  von der Leyen auf X. Sie setzte sich damit über die ausdrückliche Ablehnung Macrons hinweg. Ende Oktober hatte die CDU-Politikerin bereits Bundeskanzler Olaf Scholz in die Schranken gewiesen, als sie gegen dessen Widerstand Zölle auf E-Autos aus China in Kraft setzte. Von der Leyen besetzt die Leerstelle, die die innenpolitische Lähmung der beiden traditionellen Führungsmächte in der EU eröffnet. Zugleich geht sie dabei aber erheblich ins Risiko. In Paris entsteht der Eindruck, dass die Kommissionspräsidentin das Machtvakuum nach dem Sturz von Premier Michel Barnier nutzt. 


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Transkript

Sprecher 1: Table Today Spezial. Die Innovationsagenda 2030. In Kooperation mit der Deutschen Börse und dem Startup-Verwandt.

Sprecher 2: Ursula von der Leyen will das Freihandelsabkommen mit Südamerika, das sogenannte Mercosur, jetzt über die Ziellinie bringen. Damit würde man einen gemeinsamen Markt für ca. 700 Millionen Menschen schaffen. Dafür ist sie gestern zum Mercosur-Gipfel nach Uruguay geflogen. In Frankreich findet man das gar nicht witzig, in Berlin dagegen ganz gut. Wir fassen die Stimmung in der EU zum Abkommen für Sie zusammen.

Sprecher 3: Mehr Freihandel für die exportorientierte deutsche Wirtschaft, das ist ein der Maßnahmen, um diesen Standort wieder nach oben zu bringen. 100 kluge Frauen und Männer haben sich Gedanken gemacht, wie kann Deutschland wieder wettbewerbsfähiger werden. Daraus ist entstanden die Innovationsagenda 2030. Sie kennen sie schon. Jeden ersten Freitag im Monat stellen wir hier kluge Köpfe mit klugen Thesen vor. Heute ist Thomas Burg da, der Vorstand der Deutschen Börse. Wir sprechen mit ihm über Aktienkultur, unter anderem.

Sprecher 2: Zum Nikolaus gibt es von uns keine Süßigkeiten in den Stiefel, sondern Musik auf die Ohren. Diesmal mit einem Song, den sich gleich zwei von Ihnen bei uns gewünscht haben. Auf keiner guten 80er-Party, also meine Geburtsdekade, leider nicht deine, Michael, wird dieser Hit fehlen und Sie können sich jetzt schon darauf freuen.

Sprecher 3: Was für ein musikalisch launiger Start in diesen 6. Dezember. Es ist Freitag, auf geht's.

Sprecher 2: Michael, wir sehen es sehr deutlich. Zwischen Amerika und China bahnt sich ein Handelskrieg an. Tariff is the most beautiful word, so hat es Donald Trump neulich mal gesagt. Und wir sitzen zwischen allen Stühlen, oder?

Sprecher 3: Dabei ist Free Trade the most beautiful word eigentlich. Und deswegen freue ich mich sehr, dass Ursula von der Leyen endlich gemerkt hat, wo die Prioritäten für Europa liegen müssen.

Sprecher 2: Also mehr Souveränität in Europa, mehr Selbstständigkeit, mehr eigenes Agieren und nicht zum Spielball werden zwischen zwei Blöcken. Darum muss es gehen und das ist die Idee von dem Freihandelsabkommen Mercosur, an dem ganze 25 Jahre gebastelt wurde.

Sprecher 3: Ja, Helene, und jetzt kommen natürlich wieder diese Probleme Europas auf uns zu, nämlich das eine Land möchte aber lieber die Schweineproduktion hier nicht importieren, die anderen möchten gerne Textilien nicht und was auch immer. Entweder Freihandelsabkommen mit der ganzen EU und dann muss jeder auf seine Interessen auch ein wenig verzichten oder wir gehen irgendwann alleine als Europa unter und haben dann nur noch diesen Binnenmarkt. Man muss sich entscheiden.

Sprecher 2: Also Deutschland hat dazugelernt, beziehungsweise man muss natürlich sagen, Deutschland hat immer schon Abkommen mit der ganzen Welt geschlossen. Und irgendwann vor wenigen Jahren, als wir nämlich nach dem Wattenfall-Prozess selber mal zur Kasse gebeten wurden, da hat sich die Stimmung in Deutschland geändert. Schlagworte wie TTIP und CETA damals wirklich verpönt. Da haben auch die Grünen übrigens dazugelernt und der grüne Wirtschaftsminister Habeck. Ist jetzt ein... Unterstützer vom Freihandelsabkommen Mercosur, ganz anders als in Frankreich, das sehr, sehr kritisch ist, ebenso wie Belgien, Österreich und Irland.

Sprecher 3: Mehrere Milliarden Euro an Zöllen können der europäischen Wirtschaft erspart werden durch dieses Abkommen, das sagt Ursula von der Leyen. Und das soll am heutigen Tage am Rande des Gipfels dann endgültig geeint werden. Ich kann nur hoffen, dass da jetzt keiner mehr in letzter Sekunde einen Stein in den Weg schmeißt.

Sprecher 2: Interessant ist ja wirklich zu sehen, wie frei Ursula von der Leyen jetzt aufspielt. Frankreich, ich habe es gerade schon gesagt, massiver Kritiker dieses Abkommens, befürchtet unlauteren Wettbewerb durch Fleischproduzenten aus Brasilien und Argentinien, argumentiert, dass die eben nicht die EU-Standards für Umwelt und Gesundheit einhalten. Ursula von der Leyen lässt sich nicht beeindrucken und fliegt einfach hin. Kritiker sagen jetzt, sie nutzt die Krise in Frankreich. Wir haben es vorgestern gesehen. Erstmals haben die Linken mit den Rechtspopulisten gemeinsame Sache gemacht. Der berühmte Block Republikan, den gibt es nicht mehr. Macron sind die Hände gebunden, es ist alles ganz schwierig. Andererseits ist es so, dass Ursula von der Leyen diese Reise schon länger geplant hat. Insofern nutzt sie da nicht nur eine Krise aus, sondern handelt aus voller Überzeugung, aber macht sich unabhängig von dem, was die Mitgliedstaaten so murren und knurren.

Sprecher 3: Es ist oft so mit der letzten Amtszeit, liebe Helene, dass dann die Politikerinnen und Politiker endlich das machen, was eigentlich auch gegen Widerstände nur gemacht werden kann. Sie spielt frei auf.

Sprecher 2: Ebenso wie es ihr ziemlich egal war, dass die deutsche Bundesregierung... Jedenfalls mal das Kanzleramt gegen die Zölle auf chinesische E-Autos waren. Auch da hat sie gesagt, das wird trotzdem gemacht. Am Ende gab es in der EU auch eine Mehrheit. Deutschland wurde überstimmt. Also Ursula von der Leyen in der zweiten Amtszeit nicht mehr so abhängig von den Gnaden aus Berlin und Paris, sondern macht ihr eigenes Ding, geht allerdings auch ins Risiko. Denn am Ende ist es so, dass die Kommission nicht so viel machen kann, wenn die Mitgliedstaaten oder jedenfalls die Mehrheit der Mitgliedstaaten nicht mitzieht.

Sprecher 3: Ja, ich wünsche mir diese Härte und Konsequenz, Helene, allerdings auch beim Bürokratieabbau. Sie hat versprochen, 25 Prozent aller Berichtspflichten für Firmen in Europa zu streichen. Wenn sie das ansatzweise nur durchsetzen würde, dann wird sie auch meine Kommissionspräsidentin.

Sprecher 2: Das wird sie jetzt bestimmt hören und beherzigen, Michael. Nur eins, weil ich vorgestern bei einem Kongress von VZDI und VDE war. Das sagen alle diese Verbände, die die Mikroelektronik vertreten. Die sagen, Europa muss mit einer Stimme sprechen. Wir dürfen nicht zum Spielball werden zwischen den Amerikanern, die jetzt drohen mit Secondary Sanctions und den Chinesen, die sowieso ihr eigenes Ding betreiben, sondern selbstbewusst auftreten. Das geht aber nur, wenn man geschlossen ist. Das war die ganz eindringliche Mahnung an die deutsche Politik. Und die kann man hier nur weitergeben und sagen, ja, genau so ist es. Am Ende kann Europa nur gemeinsam stark sein. Und das immerhin macht Ursula von der Leyen. Bäm, der DAX liegt über 20.000 Punkte. Diese magische Schwelle hat er jetzt vor wenigen Tagen überschritten. Und man fragt sich eigentlich ein bisschen, warum. Weil die deutsche Wirtschaft ja bekanntermaßen auf dem Weg in die Rezession ist. Kompliziert sei es drum, die Deutschen haben trotz alledem wenig Vertrauen in Aktien. Für viele ist es eine Art Glücksspiel. Man sieht es daran, dass die Aktienrente durchaus umstritten ist, weil man sagt, wenn es hart auf hart kommt, dann nehmen wir doch das Sparkonto, auch wenn es da 0,01% Zinsen gibt. Eine fatale Fehlentscheidung. So finde ich, hätten die Deutschen statt auf Tagesgeld und Sparkonten ihr Geld zwischen 2011 und 2024 in Aktien gesteckt, würde das Gesamtvermögen der Deutschen, halten Sie sich fest, 715 Milliarden Euro höher liegen. Das hat eine Modellrechnung der DZ Bank ergeben. Wenn man zum Beispiel also die Rente stabilisieren will, dann müsse man auf kapitalgedeckte Vorsorge setzen. Das sagt Thomas Bog. Er ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Börse und Mitunterstützer der Innovationsagenda 2030. Wie Sie vielleicht schon wissen, stellen wir diese Initiative hier exklusiv jeden ersten Freitag im Monat vor. Außerdem ist der Bundesverband Deutsche Startups Partner und Michael Bröker hat mit Thomas Bog gesprochen.

Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Herr Bruck. Freue mich, hier zu sein. Hallo. Schön, dass Sie da sind. Klären Sie mich mal. Mit einem Klischee auf, das ich in den letzten Wochen, Monaten immer wieder aus der Wirtschaft höre, nämlich dass Investoren einen Bogen um Deutschland machen, weil hier alles so schlimm ist. Ist das wirklich so?

Sprecher 4: Im Moment ist die Lage durchaus schwierig, das kann man sagen, was die wirtschaftliche Situation angeht, was das Wachstum angeht. An der Börse werden ja die zukünftigen Gewinnerwartungen gehandelt. Insofern ist es tatsächlich so, dass die Lage schlimm ist. Andererseits sieht man ja, wir haben schon, ich glaube, über 30 DAX-Rekorde in diesem Jahr gehabt. Insofern die Aktienmärkte sind stabil und zuversichtlich.

Sprecher 3: Das Fieberthermometer für die deutsche Wirtschaft, das ist die Börse. Was ist Ihr Ausblick ins nächste Jahr?

Sprecher 4: Also wir werden politischen Wandel haben. Der wird sicherlich die gesamte Wirtschaft prägen. Wir haben weiter geopolitisch sehr unsichere Rahmenbedingungen. Ich persönlich denke, wir haben Rahmenbedingungen, die Transformation beschleunigen und das ist eigentlich positiv. Es gibt sehr, sehr großen Druck auf Veränderung in den verschiedenen Bereichen, in der Wirtschaft, in der Bürokratie und ich hoffe auch, dass wir einen positiven Ausblick haben auf mehr Kapitalmarkt in Deutschland.

Sprecher 3: Da kommen wir gleich zu, aber das klingt nicht so, als würden Sie sich Sorgen um den Standort Deutschland machen.

Sprecher 4: Ich glaube, die Probleme, die sind benannt und die Sorgen sind ja verbreitet. Aber es ist wichtig, dass wir positiv Veränderungen herbeiführen und dass wir die Stärken, die wir haben in diesem Land, und wir sind sehr stark aufgestellt, dass wir die nutzen zu positiven Veränderungen. Und da ist eigentlich das Umfeld. Die Selbsterkenntnis, wir müssen was tun, ein guter Nährboden.

Sprecher 3: Dann lassen Sie uns darüber reden, was uns fehlt. Wir haben kluge Köpfe, wir haben industrielle Produktion, wir haben Technik und Technologie. Aber was uns fehlt, ist Geld und Kapital. Zumindest sagen das die jungen, dynamischen Unternehmen, wenn sie in die zweite, dritte Finanzierungsrunde kommen. In den 50er und 60er Jahren, als wir das Wirtschaftswunder begründeten, gab es ein Finanzierungsvolumen für diese Wirtschaft von etwa 4% des BIP. Heute wären das ungefähr 100 Milliarden Euro pro Jahr von dieser Wachstumsfinanzierung. Warum kriegen wir dieses Geld nicht erneut in die Unternehmen?

Sprecher 4: Wir brauchen viel stärkere Aktivierung privaten Kapitals, sowohl was die Einzelanleger angeht, als auch was institutionelle Anleger angeht. Das ist notorisch schwach. Wenn wir die Aktienquoten anschauen, zum Beispiel bei den Haushalten in Deutschland, die liegt in Deutschland bei 17 Prozent, in Schweden um 50 Prozent, in den USA über 50 Prozent.

Sprecher 3: Sind wir damit Schlusslicht in Europa?

Sprecher 4: Damit gehören wir zu den Schlusslichtern. Es gibt weitere, die so schwach sind, aber das ist natürlich alles Kapital, was Unternehmen nicht zur Verfügung steht und es ist leider auch nicht besser, wenn man sich institutionelle... Anlageverwalter oder Vermögen anschaut in Deutschland, auch da sind die Aktienquoten 10 bis 15 Prozent. Und das ist wirklich Potenzial, das wir heben müssen und das wir auch in ganz Europa heben müssen.

Sprecher 3: Wie können wir das tun? Ich habe in der Innovationsagenda, die Sie ja dankenswerterweise unterstützen, gelesen, dass alleine die deutschen Versicherungen über ein verwaltetes Kapital von zwei Billionen Euro verfügen. Die Pensionskassen. Zum Beispiel auch unser Presseversorgungswerk der Journalisten sind es insgesamt 700 Milliarden Euro. Wenn man da nur ganz wenige Prozente aktivieren könnte, hätten wir da gar keine Probleme mehr im Land.

Sprecher 4: Genau, und deshalb, wir müssen Anreize, wir müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit mehr Kapital in junge Unternehmen fließt. Das ist uns wichtig, das sind die Champions und die hoffentlich gelisteten Unternehmen der Zukunft, die Startups. Aber wir müssen auch mehr Kapital in die Aktienmärkte bringen und aktivieren. Ich glaube, ein sehr großer Hebel wird sein, dass wir die Altersvorsorge reformieren. Das ist dringend nötig.

Sprecher 3: Die berühmte kapitalgedeckte dritte Säule.

Sprecher 4: Wir liegen weit hinter anderen Ländern und wir haben die Beispiele, wie in Schweden oder auch in Japan, die genau das gemacht haben und die da Anreize schaffen, zum Beispiel Konten der steuerfreien Altersvorsorge in Aktien. Und wir brauchen natürlich auch die Rahmenbedingungen für institutionelle Investoren, stärker in Aktien zu investieren. Man muss aber sagen, neben den Rahmenbedingungen ist ein Thema sehr, sehr wichtig und auch uns als Börse sehr wichtig. Wir brauchen die richtige Finanzbildung und auch den Ton from the top, dass wir unser Kapital besser investieren müssen und auch in die Zukunft investieren müssen. Das hat uns in den letzten 10 oder 20 Jahren massiv gefehlt.

Sprecher 3: Schauen wir erstmal auf den Privatbereich, also zum Beispiel so ein Altersvorsorge-Depot, wie es die Ampel eigentlich noch umsetzen wollte. Die FDP hatte es vorgeschlagen. Ein bestimmter Prozentsatz des Einkommens geht automatisch verwaltet, abgesichert durch den Staat in Aktienfonds. Ist das ein richtiger Weg?

Sprecher 4: Das ist absolut ein richtiger Weg und da muss man ja auch bei aller Kritik an der jetzigen Bundesregierung sagen, das sind Schritte, die wir in den letzten 10 oder 15 Jahren überhaupt nicht gesehen haben, überhaupt noch gar nicht gesehen haben. Die ersten Schritte in eine Kapitalmarktgedeckte Altersvorsorge, das ist absolut gut. Leider jetzt erstmal stecken geblieben, aber wir hoffen, dass es dann in der neuen Legislaturperiode schnell kommt. Das ist genau das Richtige. Wir brauchen das, was in anderen Ländern schon längst da ist, ein Altersvorsorgedepot, was Steuerbegünstigt, Aktienanlage ermöglicht.

Sprecher 3: Wie nimmt man den Deutschen die Angst vor diesen Aktien? Engagements.

Sprecher 4: Also ich persönlich bin da so zuversichtlich, weil wir sehen, dass eine neue Generation an die Aktienmärkte tritt, die stärker Kapital...

Sprecher 3: Sie meinen die jungen Traden auf ihren Apps?

Sprecher 4: Also das sind nicht nur Leute, die jetzt spekulativ Krypto oder sonstiges machen. Es sind auch sehr, sehr viele, die Sparpläne machen, die in ETFs investieren. Also man sieht einen Generationswechsel, der so langsam zu Vorschein kommt und wir brauchen weiter Finanzbildung. Aber wir brauchen auch ganz klar die Anreize. Wir werden immer sehr dafür eintreten, dass wir steuerlich bessere Rahmenbedingungen haben für die Vorsorge in Aktien, also Abschaffung einer Abgeltungssteuer für langfristige Aktienanlage. Diese Themen sind wichtig.

Sprecher 3: Genau das Konkrete, was ich jetzt von Ihnen wissen wollte. Alle reden über die Rahmenbedingungen und dann weiß man nicht, was meint er genau. Also Sie sagen, Abkeltungssteuer ist ein Bereich. Wie aktiviere ich dieses Geld, was bei Versicherungen und Kassen liegt? Warum investieren die nicht auch aus sich heraus schon ein bisschen stärker in wachsende Unternehmen?

Sprecher 4: Also es gibt da unterschiedliche Faktoren, die das heute bremsen. Es sind sicherlich Anlageverordnungen für die öffentlichen Pensionskassen, die das Ganze behindern. Es sind Themen wie Solvency II, die das behindern. Aber auch heute schon in den Rahmenbedingungen ginge natürlich sehr viel mehr. Und das erfordert auch den Willen und auch den politischen Impetus. Wir hatten vor einiger Zeit vorgestellt, hier im September, die sogenannte Wind-Initiative.

Sprecher 3: Nach dem Vorbild von Macron, der das schon viel früher gemacht hat?

Sprecher 4: Nach dem, das muss man sagen, nach dem Vorbild der Franzosen, wo über 10 Milliarden Kapital beigetragen wurden, also wo sich Pensionskassen, wo sich institutionelle Investoren, Banken verpflichtet haben, in Late Startup Funding zu investieren bis 2030. Also es geht auch heute in den Rahmenbedingungen mehr, wenn der Wille da ist.

Sprecher 3: Kriegt aber nicht den Tropfen auf den Heißen Stein, 10 Milliarden, wenn ich mir überlege, was andere in den USA, in China investieren in ihre digitale Wirtschaft.

Sprecher 4: Wie das chinesische Sprichwort sagt, die lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Aber es ist zumindest ein Anfang und es ist schon ein Anfang. der wesentlich ist, weil er fördert einfach das Bewusstsein. Das ist schon Kapital, das relevant ist für die Unternehmen, die wir sehen, die auch in Deutschland auf dem Weg sind zu wachsen. Insofern ist das schon eine relevante Größe.

Sprecher 3: Also Ihr Vorschlag wäre, an der WIN-Initiative nochmal draufzusatteln, aber in der Struktur zu bleiben, jetzt zum Beispiel für eine neue Bundesregierung. Was sollte die tun?

Sprecher 4: Die sollte auf jeden Fall Anreize schaffen und da gibt es viele, die ja auch zum Teil in der Innovationsagenda des Startup-Verbandes sehr gut dargestellt sind. Sie sollte Anreize schaffen, dass Kapital in Late-Stage-Funding von Unternehmen gehen kann. Also ganz klar für Pensionskassen, für Institutionelle, für Versicherungen. Die eine Seite ist ja die Sicht der Unternehmen auf Finanzierung. Die andere Seite ist natürlich die der Rendite für diese Anlagen. Uns entgeht eine große Rendite seit Jahrzehnten, weil wir so wenig investieren in die Aktienmärkte, sowohl aus Sicht der Privatanleger als auch aus Sicht der institutionellen Anleger. Wenn man betrachtet den deutschen Aktienindex, seit dem wir ihn aufgesetzt haben vor 30 Jahren, hat er eine jährliche Rendite von mehr als 8% erreicht. Wenn man das vergleicht mit Anlage in Sparkonten, in Sparbüchern, dann wird einem erst bewusst, wie viel Wohlstand wir als Deutschland dadurch verlieren.

Sprecher 3: Die EU-Kommission ist vergangene Woche bestätigt worden. Frau von der Leyen geht in ihre zweite Amtszeit. Die Frage ist an Sie, was braucht es aus Europa? Wann kommt diese Kapitalmarktunion, von der alle... seit Jahren reden und was braucht es dafür, damit sie wirklich effizient wirkt?

Sprecher 4: Ja, ich muss sagen, man schaut mit gewisser Trübnis auf das, was in den letzten 10 oder 15 Jahren an Regulierung in Europa passiert ist, auch was die Aktienmärkte angeht. Wir stehen heute in einer Situation, wo die Aktienmärkte in Europa massiv fragmentiert sind, wo der Anteil an Aktienhandel außerhalb der transparenten Orderbücher massiv gewachsen ist. Über 50 Prozent der Umsätze werden außerhalb von Börsen mittlerweile gehandelt. Es braucht da ein Umdenken. Wir brauchen Reduktion von Fragmentierung in Europa, einfach damit wir mehr Liquidität haben für Unternehmen, auch für IPOs. Deshalb, wir wünschen uns sehr, dass es beherzte Schritte vorangeht, was die Kapitalmarktunion angeht. Wir dürfen nicht vergessen, wir haben einen riesigen Binnenmarkt, 450 Millionen Menschen in Europa. Wir müssen insofern das Kapital besser nutzen, was wir haben und dafür wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen schaffen, was die Regulierung angeht. Was ist das?

Sprecher 3: Standards? Regulierung nach unten, einheitliche Aktienregularien in allen europäischen Ländern. Was ist das ganz konkret, diese Kapitalmarktunion?

Sprecher 4: Aus unserer Sicht braucht es in Europa vor allen Dingen, dass wir die Aktienmärkte stärken durch mehr transparenten Handel und weniger Fragmentierung. stärken, dass es Research gibt, wieder zu den Firmen und dass es auch höhere Retail-Quoten gibt, was Aktieninvestoren Auch das ist ein wesentliches Thema, also der Ansatz, ein europäisches Pensionsprodukt zu schaffen, nach einem Vorbild wie in den USA, 401k, auch der ist ein Vorschlag, der diskutiert wird und den wir sehr unterstützen.

Sprecher 3: Das nimmt die neue Regierung sicherlich gerne mit. Friedrich Merz, der mögliche neue Bundeskanzler, müsste Ihnen doch gefallen. Der hat sich in der Zeit seines Lebens für eine andere, neue Aktienkultur eingesetzt.

Sprecher 4: Er ist sehr nah dem Kapitalmarkt und das ist, glaube ich, das, was Deutschland sehr gut tun würde. Jemand, der natürlich den Kapitalmarkt auch aus der Praxis kennt, auch die Wirtschaft aus der Praxis kennt. Ich hatte eben schon gesagt, ich glaube, es ist wirklich wichtig, den Ton from the top, dass wir erkennen, wir brauchen mehr Investitionen in unsere Zukunft, in Zukunftsunternehmen. Denn wir haben hier das Know-how, uns fehlt nur tatsächlich, dass wir Unternehmen schaffen, die auch in Deutschland zu Weltmarktführern wachsen.

Sprecher 3: Haben wir wirklich das Know-how? Zum Abschluss, Herr Burg, nochmal eine Einschätzung. 60 der 100 weltweit wertvollsten Firmen kommen aus den USA. Technologie, vor allem datengetrieben, Tech-Geschäftsmodelle, die dort propagiert werden. Wenn wir uns unseren DAX anschauen, sind da viele traditionelle Branchen, sicherlich divers, aber Technologie, die neuen Tech, die KI, die datengetriebenen Unternehmensmodelle kommen nicht aus Deutschland. Erwarten Sie da Bewegung in den nächsten ein, zwei, drei Jahren im DAX? Einen Überraschungskandidaten, der aufsteigt, den wir heute noch nicht kennen?

Sprecher 4: Wir haben in Deutschland mehr als... 30 sogenannte Unicorns, Einhörner, die heute schon mit mehr als einer Milliarde bewertet sind. Wir haben diese Zukunftsunternehmen, die müssen wir halten, denen müssen wir die Rahmenbedingungen geben, dass sie tatsächlich zu Weltmarktführern werden können. Wenn Sie den DAX anschauen, dann ist die Situation natürlich so, Heute ist der DAX niedriger bewertet als das größte Unternehmen in den USA. Das spricht eine deutliche Sprache. Aber ich glaube, wir brauchen uns in Deutschland nicht zu verstecken. Wir haben viele Unternehmen, die großes Potenzial haben. Wenn wir eine Kapitalmarktrahmenbedingung schaffen, die tatsächlich Wachstum ermöglichen, dann werden wir auch in Zukunft solche Champions in Europa sehen und in Deutschland.

Sprecher 3: Wir hoffen, dass Sie recht behalten und werden das weiter verfolgen. Vielen Dank für Ihren Besuch hier heute bei uns, Thomas Buch.

Sprecher 4: Hat mich sehr gefreut.

Sprecher 3: Dankeschön.

Sprecher 5: Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt.

Sprecher 3: Immer noch eines der schönsten deutschen Wörter, Bruttosozialprodukt. Ich finde es herrlich, wenn das Ausländer beim Deutschlernen dann als erstes aussprechen müssen.

Sprecher 2: Das gibt es ja leider nicht mehr. Wir sagen ja nur noch BIP.

Sprecher 3: BIP, wir sagen nur noch BIP. Das ist so schade. Und das ist das Bruttoinlandsprodukt, meine Liebe. Weil sonst wäre es ja BSP.

Sprecher 2: Ja, aber über das Bruttosozialprodukt sprechen wir viel zu wenig. Deswegen müssen wir darüber singen.

Sprecher 3: Genau so ist es. Heute an diesem Nikolaustag erfüllen wir natürlich wieder einen musikalisch-politischen Adventskalenderwunsch. Diesmal mit zwei Musikwünschen auf einmal, denn es waren gleich zwei Hörer und Hörerinnen. Das waren zwei Hörerinnen, die sich den neue deutsche Welle Kracher gewünscht haben.

Sprecher 2: Katharina Vormittag aus Böblingen bei Stuttgart. Sie ist Mama von zwei Jungs, gerade in Elternzeit. Und sie hört unseren Podcast beim Kinderwagenschieben und sagt, ja, Politik muss endlich liefern, aber es liegt an uns, an jedem Einzelnen, dass unser Land wieder vorankommt. Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. So schreibt uns Katharina Vormittag. Das findet bestimmt auch Herr Burg gut. Jedenfalls, wir finden das toll und bedanken uns herzlich für diese Nachricht. Außerdem Daniela Ovaesch aus Michael Deintörf, Königsdorf, Rechen.

Sprecher 3: Königsdorf, Rechen im wunderbaren Rheinland. Sie findet diese fröhliche Melodie, hebt auch bei ihr die Stimmung und dieser Text vermittelt, dass Arbeit auch etwas Sinnstiftendes und Positives sein kann. Wenn nicht wir, wer wüsste es, dass das wahr ist. Diese positive Haltung fehlt zurzeit im Land, sagt sie. Und deswegen hat sie sich diesen Song gewünscht. Und wir erfüllen diesen Wunsch.

Sprecher 1: Und natürlich gerne.

Sprecher 2: Sehr gerne.

Sprecher 5: Die Gabentische werden immer bunter und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder und sagt, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wenn früh am Morgen die Werksirene dröhnt. Und die Stecher beim Stechen lustvoll strömen. Dann hat einer nach dem anderen die Arbeit gut gepackt. Und jetzt singen sie zusammen im Arbeit. Tak, tak, tak, tak, tak, tak, tak. Ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt. Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt.

Sprecher 2: Sie denken vielleicht, wir gehen in eine ruhige Vorweihnachtszeit, aber auch bei uns ist wirklich Unruhe pur. Und zwar nicht wegen Geschenke packen, sondern weil wir einfach einen wahnsinnigen Andrang im Podcast haben von interessanten Menschen. Deswegen senden wir durch.

Sprecher 3: Staatschefs, ehemalige, aktuelle und Ministerpräsidenten, CEOs. Es wird richtig spannend. Und morgen kommt die laut Wikipedia einflussreichste Persönlichkeit im deutschen Fußball. Helene, wer ist das?

Sprecher 2: Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer des Vereins meiner Herzen, wobei meine Familie immer lacht und sagt, am Ende weiß ich für einen selbsternannten Dortmund-Fan viel zu wenig über diese Mannschaft, was stimmt.

Sprecher 3: Wer ist denn Trainer bei Dortmund, Helene?

Sprecher 2: I don't know. I don't know.

Sprecher 3: Ich liebe diese Fußballfans. Aber wie viele Spieler sind auf dem Fußballfeld?

Sprecher 2: Elf. Aber 22. Ich bin nur Dortmund-Fan aus Tradition, weil mein Vater Dortmund-Fan ist und ich deswegen da reingewachsen bin. Aber tatsächlich über die aktuellen. Ich bin noch auf dem Stand von Jürgen Klopp. So, das ist der Trainer meiner Herzen für immer.

Sprecher 3: Zu Recht. Und seitdem hat Dortmund übrigens keinen Trainer mehr gehabt, der es länger als zwei Jahre ausgehalten hat.

Sprecher 2: Tufel habe ich auch noch mitgekriegt. Danach bin ich mental ausgestiegen und nur noch mit dem Herzen dabei.

Sprecher 3: Wir sprechen mit Aki Watzke natürlich über die Taktik seines Vereins und die sportlichen Erfolge. Aber vor allem ist er ein enger Vertrauter und Freund von Friedrich Merz. Er war in der gleichen jungen Union im Kreisverband Hochsauerland. Wir reden mit ihm also über Politik, über den Standort Deutschland und natürlich auch über Fußball.

Sprecher 2: Aki Watzke bildet aber in Wahrheit nur die Rampe für eine ganz andere Frau, die am Sonntag kommt. Und da ist das Stichwort auch Friedrich Merz. Denn Friedrich Merz ist möglicherweise der Koalitionspartner von den Grünen, von diesen Grünen, muss man ja richtigerweise sagen. Es geht um die neue Grünen-Chefin Franziska Brandner. Sie sitzt dann mit mir in der ständigen Vertretung und Sie können sich auf das Gespräch schon jetzt freuen, das wir am Sonntag senden.

Sprecher 3: Am besten, Sie stellen in Ihrem Podcast-Kanal Ihres Vertrauens einfach Table Today als Abo ein. Und dann kriegen Sie immer eine Mitteilung, wenn Helene mal wieder mit einer Parteichefin redet.

Sprecher 2: Ja, ich freue mich auch sehr auf dieses Wochenende und fast noch mehr auf die nächste Woche, wo ich übrigens Urlaub habe.

Sprecher 3: Ich zitiere Angela Merkel, es sei dir gegönnt.

Sprecher 2: Das ist schön, wir haben schon so viel geschafft. Michael, du schaffst auch das.

Sprecher 6: Table Today. Mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.