Ist die Autoindustrie noch zu retten, Frau Müller?
Dauer: 26:19

Ist die Autoindustrie noch zu retten, Frau Müller?

Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, fordert einen Maßnahmenplan der EU zur Stabilisierung der europäischen Automobilwirtschaft. „Wir müssen an die Standortkosten ran, das ist die zentrale Frage“, sagt Müller im Gespräch mit Michael Bröcker. Bei allen relevanten Faktoren – Energiekosten, Bürokratie, Steuern und Abgaben – sei Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig, so Müller. „Es ist immer weniger rentabel, in Deutschland Autos zu produzieren.“ Laut einer VDA-Studie seien bis 2035 140.000 Jobs in der Branche in Gefahr – das ist fast jeder fünfte Arbeitsplatz.


Die frühere Staatsministerin im Kanzleramt kritisierte die einseitige politische Fixierung auf die Elektromobilität. Die Hybrid-Technologie sei vernachlässigt worden.

Dennoch müsse die Politik nun schnell an die Strompreise heran, die in Deutschland drei- bis viermal so hoch seien wie bei Wettbewerbern.

In der EU müsse auf neue Technologien gesetzt werden, etwa auf die Halbleiter- und Batterieforschung. Diese Priorität könne sie bei der neuen EU-Kommission noch nicht erkennen, so Müller.


Bei seinem Besuch in Kenia hat Robert Habeck deutsche Unternehmen aufgefordert, sich stärker auf dem Kontinent zu engagieren.

Habeck strebt eine Kooperation zwischen Deutschland und Kenia im Bereich der erneuerbaren Energien an. Zudem hat er für sogenannte „Education-Hubs“ in Kenia geworben. Deutsche Unternehmen sollten nach seinen Vorstellungen in die Ausbildung in Kenia investieren, um so auch Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen.


Das Bündnis Sahra Wagenknecht verändert das politische Gefüge in Deutschland. Nach den Koalitionen in zwei Bundesländern wird es auch auf Bundesebene zu Verschiebungen kommen. Welche Folgen hat das für die etablierten Parteien?


Table.Briefings - For better informed decisions.

  

Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.  

Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/registrierung.


Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlman@table.media


Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Die neue Gretchenfrage der deutschen Politik. Wie umgehen mit dem BSW? Wir analysieren die Strategien der Parteien.

Sprecher 3: Wir brauchen eine neue Afrika-Politik, die diesen Kontinent als Partner ansieht. Und deswegen gibt es bei uns den Africa Table. Unser Kollege David Renke ist gerade vor Ort beim German African Business Summit. Dazu gleich mehr.

Sprecher 2: Wie geht es weiter mit der schwer angeschlagenen Autoindustrie? Die einstige Herzkammer unseres Wohlstands steckt in einer schweren Krise, vielleicht der schwersten, die sie je hatte. Wir haben mit der Präsidentin des VDA, des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, darüber gesprochen, was getan werden muss, um zehntausende Jobs zu retten und der Industrie wieder auf die Beine zu helfen.

Sprecher 3: Wir öffnen natürlich auch heute wieder das nächste Türchen unseres musikalisch-politischen Adventskalenders. Und dahinter finden wir heute eine christliche Botschaft, den Musikwunsch von Anne Gideon. Sie ist Prälatin der evangelischen Kirche. Und welche Botschaft sie uns mit auf den Weg geben möchte, hören Sie gleich.

Sprecher 2: So sieht es aus, unser Programm für diesen Mittwoch, den 4. Dezember. Los geht's. In Thüringen und Brandenburg kommen jetzt außergewöhnliche Koalitionen auf uns zu. Beide haben die Farbe der Brombeere, wenn auch etwas unterschiedlich schattiert. In Thüringen SPD, CDU und BSW, dieser neue Spieler auf der politischen Bühne. In Brandenburg ist es nur die SPD mit dem BSW. Und die Frage, die sich unmittelbar daraus ergibt, lautet, wie gehen wir mit diesem BSW um? Bis vor kurzem noch Paria der Politik und jetzt mittendrin.

Sprecher 3: Ja, die neue Gretchenfrage, vor allem für die CDU ist das aus meiner Sicht. Denn der Unvereinbarkeitsbeschluss von der damaligen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer beim Parteitag durchgesetzt, heißt ja bloß nicht mit den Linken, selbst wenn sie sehr pragmatisch, sehr bürgerlich Nachwendegeborene sind. Aber mit dem BSW, das geht jetzt schon. Das finde ich ein bisschen komisch. Man könnte auch sagen Twitter-mäßig.

Sprecher 2: Ja, das ist ein Dilemma, aus dem die CDU nur dann rauskommt, wenn die Linke schnell stirbt. Und das ist genau das Kalkül, das dahinter steckt. Die Linke wird sich irgendwie von selbst erledigen. Deswegen wird dieser Teil des Unvereinbarkeitsbeschlusses obsolet. Und deswegen kann man mit dem BSW, wenn auch unter Schmerzen, koalieren.

Sprecher 3: Und deswegen gilt die Botschaft bei zum Beispiel Mario Vogt oder Michael Kretschmer natürlich Land first, Bundespolitik ganz weit weg. Wie hat es Mario Vogt bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags gesagt? Das sei ein guter Tag für Thüringen. Es gehe um Thüringen, um die Heimat, um das Leben der Menschen in Thüringen. Thüringen, also ganz wenig Sarah Wagenknecht und ganz viel Lokal- und Kommunalpolitik, scheint der Weg zu sein, um der CDU-Klientel dieses BSW erträglicher zu machen.

Sprecher 2: Es stimmt natürlich auch, dass wir es hier mit einer sehr heterogenen Partei zu tun haben. Eine Katja Wolf, Oberbürgermeisterin von Eisenach, langjährig und Mitglied der pragmatischen Linken in Thüringen, ist natürlich anders als Sarah Wagenknecht, Seewim Dardelin und anderen, die auf Bundesebene jetzt den Wahlkampf planen. Und trotzdem handelt es sich am Ende um eine Partei, die nach einer Person benannt ist. Diese Person, Sarah Wagenknecht, hat ziemlich krasse Durchgriffsrechte auf ihre Landesverbände. Das hat sie ja schon angedroht, auch in Thüringen. Also am Ende, und das ist natürlich auch die Frage, mit der Friedrich Merz es zu tun hat, am Ende existieren diese Landesverbände nicht im luftleeren Raum, sondern unter dem Zugriff von Sarah Wagenknecht.

Sprecher 3: Und natürlich hat CDU-Chef Friedrich Merz in seinem Wahlkampf ein Problem, wenn sowohl AfD, scharf rechtskonservativ, Wähler abgrast, als auch jetzt neuerdings die Linken, ganz Linken, ihm konservative Klientel abgreifen, nämlich diejenigen, die bei der Ukraine-Politik einen anderen Akzent setzen und trotzdem in der Migration sehr hart sind. Also das BSW und die AfD sind von beiden Rändern sehr schwierig für Friedrich Merz.

Sprecher 2: Und Friedrich Merz versucht es mit der Strategie der Abgrenzung. Hören wir mal rein, was er in der vergangenen Woche im Deutschlandfunk gesagt hat.

Sprecher 4: Wenn dieses Argument richtig wäre, dass wir Angst davor haben müssten, im nächsten Deutschen Bundestag eine Zweidrittelmehrheit zur Änderung zu eröffnen, des Grundgesetzes nicht mehr zu haben, weil hier rechtsradikale und linksradikale Parteien wie AfD und BSW in den Bundestag kommen und hier möglicherweise mehr als ein Drittel der Stimmen haben. Dann haben wir ganz andere Probleme und dann müssten wir hier eine ganze Serie von Grundgesetzänderungen noch machen.

Sprecher 2: Ja, interessante Gleichsetzung, linksradikal, rechtsradikal, AfD und BSW. Da kommt es dann doch wieder durch, Michael, das alte Hufeisen, das aber eben doch eine Schlagseite hat, das so symmetrisch dann eben auch aus Sicht der CDU doch nicht besteht. Aber reden wir über die anderen Parteien?

Sprecher 3: Also für die SPD ist es sicherlich am schmerzhaftesten, denn natürlich gräbt die Wagenknecht-Partei genau das Klientel im Ruhrgebiet zum Beispiel im Osten ab, was früher mal sozialdemokratisch gewählt hat, aber bei der Migrationspolitik die Zähne nicht mehr sieht, die die SPD und vor allem der Kanzler versprochen hat. Also für die SPD ist es sicherlich nach der CDU das größte Problem, dass das BSW jetzt so relevant auf dem politischen Feld steht.

Sprecher 2: Ja genau und gleichzeitig ist es für einige auch Landesverbände im Osten so schwer auch wieder nicht, weil die schon auch insbesondere den Kurs von Boris Pistorius, aber auch den von Scholz, selbst diesen Wackelkurs von Scholz in der Ukraine-Politik kritisch gesehen haben. Dietmar Woidke, der brandenburgische Ministerpräsident, gehört dazu. Ich glaube, am Ende war der Schritt, den er auf das BSW zumachen musste, auch in den Fragen von Krieg und Frieden, nicht übermäßig groß.

Sprecher 3: Aber generell hat Friedrich Merz recht und das betrifft dann wieder die Grünen und die Gelben. Das politische System ist fragmentiert. Ich glaube auch nicht, Helene, dass es wieder zurückkommt zu Dreier oder Vierer. Partei, Bundestagen, sondern wir werden damit leben müssen, dass es sich ausdifferenziert. Und das betrifft natürlich immer dann auch die kleineren Parteien.

Sprecher 2: Wobei FDP und Grüne sehr klar sind, dass sie mit Sarah Wagenknecht gerade wegen der Außenpolitik keine Schnittmengen haben.

Sprecher 3: Helene, wir haben in diesem Podcast viel zu selten über Afrika, den großen Chancen- und Wachstumskontinent gesprochen. Und ich zitiere mal Henning Mankell, der hat gesagt, wenn wir uns am Bild der Massenmedien orientieren würden, lernen wir heute alles darüber, wie Afrikaner sterben, aber nichts darüber, wie sie leben. Und ich finde, das sollten wir uns auch anziehen. Und deswegen haben wir den Africa Table gegründet, der das genau anders macht.

Sprecher 2: Dabei ist dieser Kontinent relevanter, denn je was man schon daran sieht, wie die großen Mächte dieser Welt um Einfluss auf dem Kontinent ringen. Da geht es um Interessen, die natürlich China hat an Rohstoffen und an seltenen Erden. Aber die Amerikaner wollen auch daran teilhaben. Und auch wir, Michael, schauen auf Afrika nicht zuletzt wegen der Fachkräfte, die es von dort braucht, die eben hier fehlen. Wirtschaftlich hat dieser Kontinent einiges zu bieten und natürlich nicht zuletzt auch als Absatzmarkt.

Sprecher 3: Für alle Themen, die bei uns den Wohlstand dieser Nation hier oder auch Europas Wohlstand in den nächsten Jahren ausmacht, brauchen wir irgendwie Afrika nicht nur bei den Rohstoffen, sondern auch bei den seltenen Erden, muss man sagen, bei den erneuerbaren Energien. Ohne Partnerschaften mit Afrika geht es gar nicht. Und man fragt sich, Helene, wie ist eigentlich... Im Nachhinein, wie unsäglich der Rücktritt von Horst Köhler war, diesem großen Afrika-Kenner, der ja lediglich gesagt hatte auf einem Weg nach Afrika, wir müssen unsere Interessen auch artikulieren. Eine Binse heute, die Amerikaner machen es, die Chinesen machen es. Und eine aktuelle Zahl aus unserem Afrika-Table, die Kolleginnen und Kollegen sind natürlich jeden Tag im Moment gerade dabei, über die Afrika-Politik zu schreiben. Sie besagt, Deutschland liegt derzeit bei den Investitionen in Afrika mit 13 Milliarden US-Dollar nur auf Platz 9. Das heißt Niederlande, Frankreich, USA, Großbritannien, natürlich auch China investieren viel mehr in diesen Chancenkontinent und das kann vielleicht irgendwann auch mal uns schaden.

Sprecher 2: Die Aufregung über Horst Köhler zeigt natürlich auch die Verlogenheit der deutschen Afrika-Politik, wahrscheinlich der deutschen Entwicklungshilfepolitik insgesamt, wo man fast schon mit einem patriarchal-hegemonialen Anspruch auf die Länder blickt und sagt, ihr braucht unsere Hilfe und das hatte so etwas Bevormundendes, anstatt auf Augenhöhe zu sagen, jeder hat Interessen, wir sind Partner, wir machen etwas zusammen. Also da hat sich die Lage weiterentwickelt. Das haben auch trotz der Entwicklungshilfe, die natürlich auch zu Recht bezahlt wird von Deutschland, hat sich da zum Glück was verändert und deswegen ist Robert Habeck jetzt auch in Kenia.

Sprecher 5: In the delegation that are coming from the energy business. Maybe we can build a true partnership where you can benefit from what we are doing and they find new opportunities for investments and business opportunities. The second field where our economies fit very well together is the labor market. We need to find education hubs here in Kenya.

Sprecher 3: Und David Renke, unser Redaktionsleiter des Africa Table, hat ihn begleitet. Und nicht nur das. Wir sind Medienpartner beim German African Business Summit, einem der wichtigsten Wirtschaftskonferenzen gerade auf dem Kontinent. Bei Table Briefings können Sie das nachlesen. Ich empfehle dringend table.media.afrika. Schauen Sie mal rein in unser Briefing von dort. Da wird alles das beschrieben, was in Zukunft für uns hier sehr relevant werden könnte.

Sprecher 2: Und jetzt hören Sie den Chef des Afrika-Table, David Renke, auch nochmal hier. Wir haben ihn gefragt, was eigentlich sein Fazit ist von dem Afrika-Summit, den er selbst begleitet hat. Was eigentlich die Chancen für Europa und Deutschland sind auf dem afrikanischen Kontinent.

Sprecher 6: Es gibt ganz verschiedene Gründe, warum wir uns künftig stärker für Afrika interessieren sollten. Robert Habeck hat auf seiner Reise hier in Kenia auch immer wieder das Potenzial der afrikanischen Länder angesprochen. Und die Zahlen geben ihm dabei durchaus recht. Einige der am schnellst wachsenden Volkswirtschaften weltweit liegen in Afrika. Und angesichts der weltwirtschaftlichen Lage, wenn man an die USA denkt mit Trump und China, die sich zuletzt auch eher weiter abgeschottet haben, ist Deutschland auf weitere Handelspartner angewiesen. Insbesondere, da wir uns ja als Exportnation verstehen. Und Afrika hat da gute Angebote zu machen. Zum einen liegen hier in Afrika wichtige Rohstoffe, die wir für die Energiewende brauchen. Und zum anderen gibt es hier eine stark wachsende junge Bevölkerung, die auf den Arbeitsmarkt drängt. Davon profitiert Afrika, aber natürlich auch Europa, die wir ja die gut ausgebildeten Fachkräfte brauchen. Und ein wichtiger weiterer Aspekt ist natürlich grüne Energie, die vor allem aus Nordafrika kommen könnte, beziehungsweise aus bestimmten Ländern auch grüner Wasserstoff. Da ist zum Beispiel natürlich Namibia zu nennen.

Sprecher 2: Die Automobilindustrie in Deutschland ist nach wie vor riesig groß. 2023 hat die Branche einen Umsatz von etwa 564 Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist fast so viel wie unser gesamter Haushalt. Knapp 780.000 Menschen arbeiten in der Autoindustrie und mehrere Millionen Arbeitsplätze sind indirekt davon abhängig. Allein bei Volkswagen stehen nun zehntausende Jobs auf der Kippe. Sogar Werkschließungen sind nicht ausgeschlossen. Und auch die anderen, die Konkurrenten in Deutschland, haben Schwierigkeiten. Woran liegt das, dass unsere Autobauer nicht mehr so gefragt sind? Ist es die Überregulierung, zu hohe Transportkosten? Und was hat die E-Mobilität damit zu tun? Das wollten wir von der Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, VDA, Hildegard Müller, wissen. Michael Bröker hat mit ihr über die aktuellen Herausforderungen und die möglichen Auswege aus der Krise gesprochen.

Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Frau Müller.

Sprecher 7: Ich freue mich, hier zu sein. Vielen Dank, Herr Brücker.

Sprecher 3: Insolvente Autozulieferer, Jobabbau bei den großen Herstellern. Ist es eigentlich noch rentabel, in Deutschland Autos herzustellen?

Sprecher 8: Es wird immer schwieriger und die Zahlen sind eindeutig und sprechen Wände. Das gilt für die großen Hersteller, aber auch insbesondere für den industriellen Mittelstand. Die Analyse ist da eigentlich klar herausgearbeitet, liegt der Politik auch in Berlin und in Brüssel vor, aber es gibt leider ein Handlungsdefizit.

Sprecher 3: Es gibt so Autohersteller wie Toyota, die mehr und mehr Autos verkaufen, die in Hybrid vorne sind. Warum haben andere, ich will eben noch gar nicht auf China kommen, warum haben es andere Autohersteller geschafft und warum sind wir so ins Hintertreffen geraten?

Sprecher 8: Hybrid ist schon ein gutes Beispiel. Andere Länder beschränken Technologien nicht so, wie wir das tun. Aber das nur am Rande.

Sprecher 3: Aber Hybrid ist doch hier auch erlaubt.

Sprecher 8: Ja, aber soll bis 2035 ja auch vom Markt verschwinden. Ist aber eine Überbrückungstechnologie für ganz viele Regionen der Welt, wo zum Beispiel das Stromnetz nicht mehr hätte und anderes mehr. Aber ich will auf das eigentliche Thema kommen. Man kann den einen oder anderen teuren Faktor ausgleichen, wenn das Energie ist oder wenn das Arbeitskosten oder anderes sind. Aber in Deutschland sind alle relevanten Faktoren zu teuer. Das heißt, die Energie ist zu teuer, die Bürokratie erstickt und lähmt und fordert Milliardenkosten von der Wirtschaft in ihrem Erfüllungsaufwand. Das Steuernabgabensystem ist international nicht wettbewerbsfähig und die Arbeitskosten sind zu hoch und so kann ich weitermachen. Das heißt, die Wirtschaft hat über Jahre auch durch Diversifizierung viel ausgleichen können, dadurch, dass sie bestimmte Bereiche auch in anderen Ländern produziert hat. Aber der Standort Deutschland als solches wird immer weniger wettbewerbsfähig.

Sprecher 3: Wir reden gleich über die externen politischen Faktoren, aber jetzt muss Frau Müller auch mal selbstkritisch sagen, wo hat denn die Automobilindustrie... Industrie, Technologien, Trends verschlafen.

Sprecher 8: Also ich glaube, dass niemand sagen kann, dass er frei von Fehlern ist, auch wir nicht. Aber ich kann nur sagen, was unser Lieferversprechen ist. Wir bieten zum Beispiel heute schon über 130 rein elektrische Autos weltweit an. Wir investieren von 2024 bis 2028 280 Milliarden. Das ist mehr als andere Branchen zusammen, Maschinenbau, Elektroindustrie, Kommunikation und andere Bereiche. Wir investieren zusätzlich 130 Milliarden Euro in den Werksumbau. Und nach wie vor ist es, dass unsere Produkte auch top sind. Also das verschlafft mir.

Sprecher 3: Aber der Grunde kauft kein deutsches Elektroauto und in den Top Ten ist keins.

Sprecher 8: Sieben von zehn Elektroautos in Deutschland sind von deutschen Herstellern. Wir können gerne in den Faktenwettel in dieser Frage einstellen, neigen also ein bisschen dazu, uns schlecht zu reden. Ich würde mir auch wünschen, dass wir auch in Europa eine Regulatorik ist, die zum Beispiel viel offener ist für technologische Innovationen, auch im Bereich der Digitalisierung und andere mehr, wenn ich an den EU-AI-Act oder anderes denke. Da sorgt man für Verlangsamung, während andere Länder für Beschleunigung sorgen. Und deshalb sind wir durchaus in Forschung und Entwicklung dabei, aber leider auch manchmal nicht in Deutschland oder in Europa.

Sprecher 3: Wir sind ja ein Exportland und die Automobile sollen weltweit verkauft werden. Und bei den weltweiten Zulassungszahlen haben uns bei der Elektromobilität andere überholt. Und gerade die Chinesen holen dramatisch auf. Können wir diesen Wettbewerb überhaupt weltweit gewinnen?

Sprecher 8: Also ich will ein bisschen auch dafür werben, dass ein Land mit 1,4 Milliarden Menschen auch seine eigenen Wettbewerber entwickelt und aufstellt. Das haben wir in der Vergangenheit ausgetan. Es werden Giganten entstehen, auch Wettbewerber, die wir ernst nehmen in China. Für uns muss immer der Anspruch sein, wir werden es. Wir sind vorne in Technologie. Da ist dann nicht nur Digitales zu nennen, da ist auch Sicherheit zu nennen, da ist Elektronik zu nennen und viele, viele andere Bereiche, die ein gutes Auto auch ausmachen. Das zweite Punkt ist die Marktdynamik, die in China ist. 1,4 Milliarden Menschen, von denen viele das erste Auto kaufen. Der chinesische Markt ist deshalb stärker als zum Beispiel der amerikanische und der europäische zusammen im Bereich Elektro. Weil natürlich dieser riesen Nachholbedarf auch dort ist. Und dass man da auch selbstbewusst zu eigenen Marken greift, das verstehe ich.

Sprecher 3: Naja, aber Sie haben jahrzehntelang deutsche Marken gekauft. Vielleicht haben wir einfach den kleinen, günstigen, schnellen Elektrowagen einfach nicht hergestellt.

Sprecher 8: Damals gab es auch noch keine eigenen chinesischen Marken, die dann jetzt bewusst strategisch mit Industriepolitik auch aufgebaut werden. Das muss man sehen. Andere Länder bauen Industrien auf. Wir kritisieren eigentlich Industrien in Deutschland, in Europa. Die Frage, wie wir zu unseren Industrien stehen, ist ja auch eine, die wir als Gesellschaft mal diskutieren sollen. Wir profitieren von den Arbeitsplätzen und den Steuern, aber irgendwie haben wir kein gutes Verhältnis zur Wirtschaft in Deutschland. Aber zu China nochmal, da erfolgt jetzt eine strategische Entwicklung, strategische Aufrüstung. Man hat das auch mit Energiepolitik, mit Rohstoffen, mit Batterien, mit Halbleitern, alle sehr strategisch angegangen. Europa hat lange Zeit in der Welt alles irgendwie beschaffen können. Jetzt reden wir über die Risking und auf einmal stellen wir fest, wenn wir keine Handelsabkommen schaffen, wenn wir keine Rohstoffabkommen, dann kann man über die Risking reden, aber de facto erreicht man nichts.

Sprecher 3: Die Risking ist eigentlich eine Gefahr für die deutsche Autoindustrie, wenn wir mal ganz ehrlich sind.

Sprecher 8: Der Risky muss keiner sein. Wir stellen uns ja klug auch international auf. Wir wollen uns auch diversifizieren. Und zu dem De-Risking gehört natürlich die Frage dazu, habe ich eine europäische, zumindest prozentuale Halbleiter- und Batterieindustrie? Da kann ich aber dann nicht nur drüber reden. Da muss ich überlegen, warum sind in Europa die Energiepreise so hoch, dass sich diese Industrien hier nicht ansiedeln? Oder warum mache ich keine strategische Rohstoffpolitik mit Afrika, sondern warum gehen die Abkommen nach China? Wir schließen ja viele Handelsabkommen. Ich habe in diesen Tagen ganz intensiv Mercosur diskutiert mit Lateinamerika. Ganz wichtig für uns. Wird seit über 20 Jahren diskutiert und wir schaffen es nicht, das abzuschließen.

Sprecher 3: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will die Automobilindustrie und auch die Wirtschaftspolitik in dem Bereich zur Chefsache machen. Ist das jetzt besorgniserregend oder freuen Sie sich drauf?

Sprecher 8: Nach den sogenannten Mission Letters, die Aufträge, die sie an die Kommissare vergibt, kann ich das noch nicht erkennen. Ich glaube, man hat da nach wie vor in Europa noch nicht erkannt, dass man auch signifikant in einigen Bereichen umsteuern muss. Ich erinnere an den Report von Mario Draghi, der ja zum Beispiel gesagt hat, das Konzept der überbordenden Regulierung in Europa ist gescheitert. Also was muss man jetzt konsequent angehen? Für diesen Dialog finde ich erst einmal wichtig, dass er richtig zusammengesetzt wird. Wer wird dort eingeladen? Wir schauen zum Beispiel oft nur auf große Unternehmen, Hersteller, Zulieferer. Deutschland lebt vom industriellen Mittelstand. Aus dem kommt ganz viel Wertschöpfung, aus dem kommt viel Wachstum, Stabilität und Arbeitsplätze in Regionen. Und die haben einen signifikanten Umbau vor sich. Die brauchen auch eine Stimme und ich kann nur hoffen, dass die auch in diesem Dialog dann auch entsprechend gehört werden.

Sprecher 3: Kann es sein, dass ein Szenario am Ende dieser Periode 2045, Klimaneutralität steht, wo Deutschlands Automobilhersteller Nische produzieren. Premium, hochpreisig, aber eben nicht mehr den Massenmarkt.

Sprecher 8: Meine Sorge ist nicht diese. Ich glaube, dass wir auch den Massenmarkt bedienen werden. Ich glaube nur, dass wir die Frage stellen müssen, werden diese Autos in Deutschland und Europa produziert? Wir werden sie produzieren, wir können sie technisch, wir sind in den Entwicklungen auch mit dabei. Aber wenn wir nicht signifikant an diesen Standortkosten etwas ändern, dann werden wir sie nicht international wettbewerbsfähig, sprich billig hier bauen können. Und das wird die zentrale Frage sein. Und deshalb ist meine Sorge eher, dass die Politik nicht ernst genug nimmt.

Sprecher 3: Was wird denn dann hier noch gemacht? Schon heute bauen wir ja, glaube ich, so viele Autos in den USA, wie wir in die USA exportieren. Und das wird nach Trump ja eher mehr sein, wenn wir dort Geschäft machen wollen, oder?

Sprecher 8: Es sind 70 Prozent der Arbeitsplätze hängen am Export. Wir haben allerdings immer weniger Unterstützung schon in Europa, weil immer mehr Länder Importländer werden. Zum Beispiel die französische Autoindustrie ist nicht so exportstark. Vieles in der europäischen Autopolitik, wie die Zölle von China und so weiter, sind von diesem Abschottungsgedanken geprägt. Das ist schon mal ein grundsätzlich falscher Ansatz. Wir brauchen offene Märkte, wir brauchen den Austausch von Technologien und die Möglichkeiten auch zu interagieren, um Arbeitsplätze hier zu halten. Wenn das alles nicht erfolgt, wenn an den Standortkosten nicht erfolgt, dann werden immer mehr Investitionen ins Ausland gehen. Wir haben Zahlen und Umfragen, die belegen das eindeutig. Die liegen der Politik auch in Berlin und Brüssel vor. Es gibt also kein Erkenntnisthema, sondern ein Handlungsproblem. Ich weiß nicht, ob man das nicht ernst genug nimmt oder den Handlungsbedarf nicht hoch genug anbietet. ansetzt, aber wir müssen ja jetzt investieren, weil wir uns den Klimaschutzzielen verpflichten, weil wir klimaneutrale Mobilität auch anstreben, bis 2040 die Pariser Klimaschutzziele auch erreichen wollen und anderes mehr.

Sprecher 3: Und gleichzeitig wollen Sie erstmal die Flottengrenzwerte verschieben.

Sprecher 8: Können wir gleich darüber sprechen, aber ich will nur sagen, wenn wir diese Ziele nicht mehr hier erreichen können, dann müssen wir woanders hingehen und woanders bauen. Und am Ende des Tages sichern wir Arbeitsplätze in Deutschland, weil wir woanders produzieren. Früher war es halt so, dass diese Exportstärke hier alleine die Arbeitsplätze gesichert hat. Das ändert sich. Mit den Flottengrenzwerten, die 2019 diskutiert wurden, da wurde so getan, als ob die Autoindustrie ein verantwortlicher Faktor dafür ist, dass die Flottengrenzwerte erfüllt werden. Wir lernen aber jetzt, dass natürlich immer mehr auch Einfluss auf die Erfüllung haben. Sprich, haben die Verbraucherinnen und Verbraucher das Vertrauen in die neue Mobilität? Wir bieten rund 130 Elektroautos an weltweit, arbeiten täglich daran, dass neue Modelle auf den Markt kommen. Aber wir haben signifikante Themen beim Thema Ladesäulen, Netzversorgung dieser Ladesäulen. Wir haben serienreife LKWs vom kleinen Transporter bis zum Heavy Truck sozusagen. Die können zurzeit nicht in den Markt gebracht werden, weil wir keine Ladestationen an den Autobahnen herren, weil Spediteure von ihrem Netzbetreiber oftmals hören, das dauert sechs bis acht Jahre, bis so ein Betriebshof angeschlossen wird und anderes mehr. Und für uns laufen die Strafzahlungen los. Ich finde, die Strafzahlung muss nur sein Ökosystem. Wer hat welche Verantwortlichkeit? Berücksichtigen. Deshalb wollen wir dringend, dass wir Transparenz in die Prozesse bekommen. Und fordern deshalb, dass die sogenannten Reviews, wo man einfach schauen will, wie weit ist man, vorgezogen werden, um schnellstmöglich herauszuarbeiten, wer muss was tun. Was muss die Autoindustrie tun? Was muss aber auch die Politik tun? Das heißt, die Geschwindigkeit, die man von uns verlangt, die wird von der Politik selber nicht vorgelebt. Und das ist ein ernstes Problem in Transformationen.

Sprecher 3: Sie haben es angesprochen, wir brauchen sehr, sehr viel Energie, sehr viel Strom. Schaffen wir das?

Sprecher 8: Nur mit einer anderen Energiepolitik. Wir brauchen wettbewerbsfähige Strompreise. Die sind bis zu drei, viermal so hoch wie in relevanten Wettbewerbsländern, die wir haben.

Sprecher 3: Was kann eine neue Bundesregierung schnell tun, Ihrer Meinung nach?

Sprecher 8: Was kann man schnell tun? Ich glaube, die Reservekraftwerksverordnung ist nun lange in der Diskussion. Wir müssen Elemente hier haben. Das heißt, wir müssen echt mehr Kapazitäten haben. Und ich kann nur raten, dass wir Energieabkommen schließen. Es gibt viele Länder und Regionen, die Energie anbieten. Afrika, Lateinamerika, der Nahe Osten. Für erneuerbare Plätze, meinen Sie? Da werden weltweit gerade Flächen verteilt und Deutschland, Europa ist viel zu wenig dabei.

Sprecher 3: Rufen Mittelständler an und sagen, wir sind in der Insolvenz oder wir sind kurz vor der Insolvenz?

Sprecher 8: Ja, die Lage ist so schwierig, wie ich sie noch nie erlebt habe, auch nicht in anderen Wirtschaftsbereichen, in denen ich bisher tätig gewesen bin. Das ist sehr bedrückend. Das sind oftmals gerade die, die auch in neue Technologien gerade investiert haben. Der Hochlauf der Elektromobilität, die Angebote, die von den Kundinnen und Kunden nicht angenommen werden, führen dazu, dass der Hochlauf jetzt stockt.

Sprecher 3: Wir haben den effizientesten Verbrenner der Welt erfunden und vermarktet und verkauft. Kann uns das nicht auch bei der Batteriezelle gelingen?

Sprecher 8: Es mangelt oft nicht an Forschung und Entwicklung. Ich darf Senatsvorsitzende bei Fraunhofer sein. Mal wieder beeindruckt, was aus der deutschen Forschung kommt, was in Kooperation mit der Wirtschaft Großartiges entsteht, zum Beispiel auch bei Batteriezellen. Warum kürzt die Bundesregierung die Gelder für Batterieforschung? Das ist so ein klassisches Beispiel von dem, wo ich sagte, man fordert viel und handelt dann total kontraproduktiv in bestimmten Bereichen. Im autonomen Fahren sind wir vorne. Wir sind auch in vielen digitalen Entwicklungen vorne. Wir können sie nur hier in Deutschland, in Europa oftmals nicht bringen, weil über den EI-Act oder anderes eher restriktiv gearbeitet wird, während in anderen Regionen darüber nachgedacht wird, wie ermöglichen wir. Deutschland, Europa beschränken oft und ermöglichen zu wenig.

Sprecher 3: Mit diesem zuversichtlichen Blick in das Forschungsland Deutschland wollen wir es bewenden lassen. Vielen Dank, Frau Müller.

Sprecher 8: Sehr gerne.

Sprecher 2: Und auch heute öffnen wir ein Türchen unseres Adventskalenders. Und diesmal kommt der Wunsch von Dr. Anne Gideon, Prälatin der Evangelischen Kirche in Deutschland und Bevollmächtigte der Kirche hier in Berlin. Es ist das Lied Die Nacht ist vorgedrungen, der Text von Jochen Klepper, Melodie von Johannes Petzold. Wer es selber mitsingen will, Evangelisches Gesangbuch 16.

Sprecher 9: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern.

Sprecher 2: Für eine Gideon, das hat sie uns geschrieben, ist es ein Hoffnungslied, gerade in dieser Zeit. Katastrophen und harte Zeiten sind aus ihrer Sicht eben keine gottfernen Zeiten, ganz im Gegenteil. Das wusste Jochen Klepper, schreibt Anne Gideon, und das berührt sie zutiefst. Michael, was verbindest du mit dieser Hoffnungsbotschaft?

Sprecher 3: Es ist auch eine ökumenische Botschaft. Ich bin ja katholischer Rheinländer und damit in der Herzenskammer der Katholiken aufgewachsen. Aber ich muss sagen, das evangelische Liedgut, das hat durchaus was für sich.

Sprecher 2: Das können wir wirklich besser. Ihr könnt auch manches besser, aber schönere Lieder haben wir.

Sprecher 3: Und es ist sehr zuversichtlich. Es ist wirklich eine frohe Botschaft und deswegen freue ich mich sehr über diesen Beitrag.

Sprecher 2: Und deswegen enden wir heute ganz versöhnlich. Bis morgen, wir freuen uns auf Sie. Tschüss.

Sprecher 3: Auf Wiederhören.

Sprecher 9: Schon im Schwinden macht euch zum Stahle auf. Ihr sollt das Heil dort finden, das aller Zeiten lacht. Von Anfang an verkündet, seid eure Schuld geschah. Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah. Noch manche Nacht wird fallen. Auf Menschenleid und Schuld. Doch wandert nun mit allem der Stern der Gottes Huld. Beglänzt von seinen Lichte hält euch kein Dunkel mehr. Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her. Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhält. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt. der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht.