Wann dürfen wir neu wählen?
Bundeskanzler Scholz schließt nicht aus, noch vor Weihnachten die Vertrauensfrage zu stellen.
Falls sich die beiden Fraktionschefs Merz (CDU/CSU) und Mützenich (SPD) auf einen Termin verständigen, sei er dazu bereit, sagte Scholz am Abend in der ARD.
CDU und CSU verlangen, dass der Termin für Neuwahlen früher stattfinden muss als Ende März, wie es der Kanzler bisher anvisiert hat. „Zuerst die Vertrauensfrage, dann kann es auch im Parlamentsbetrieb weitergehen“, sagte der Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), Table.Briefings. Er kritisierte die Weigerung von Scholz, die Vertrauensfrage diese Woche zu stellen. Ein Terminproblem gebe es nicht. „Die von der Rest-Ampel gestreuten Fristprobleme sind Unsinn. Der Gesetzgeber hat hierfür extra Vorkehrungen getroffen.“
Die Staatssekretärin und Sonderbeauftragte für Klimaschutz im Auswärtigen Amt, Jennifer Morgan, hat sich vor der Klimakonferenz COP 29 diese Woche in Baku optimistisch geäußert. „Wir haben die Chance eine gute COP zu kriegen“, sagte Morgen im Podcast von Table.Briefings. „Es gibt eine Bereitschaft von allen Ländern, Lösungen zu finden und miteinander zu reden.“ Es brauche einen neuen Ansatz für die Klimafinanzierung auf der Welt. „Wir brauchen vor allem mehr Gelder aus dem Privatsektor, um die Verdreifachung der Produktion der erneuerbaren Energien zu schaffen“, so Morgan.
Deutschland ist das Land der Denker und Tüftler, aber das Business machen andere. Dies war eines der Themen, die am vergangenen Wochenende bei der Falling Walls Konferenz der weltweit klügsten Forscher und Wissenschaftler thematisiert wurden.
Viele Innovationen sind in Deutschland erfunden worden, aber vermarktet haben es andere.
Zu Gast ist der Gründer und Präsidenten der UnternehmerTUM und Vizepräsident für Entrepreneurship der Technischen Universität München, Helmut Schönenberger. Er fordert ein Umdenken an deutschen Hochschulen, um die Ergebnisse der Forschung in deutsche Startups einzubringen. Schönenberger macht in München vor, wie geniale Ideen auch zu einem wirtschaftlichen Erfolg geführt werden können.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Neuwahlen im März oder doch im Februar oder wann auch immer. Der Kanzler zögert, die Opposition drängt, der Wahlleiterin fehlt Papier. Wir analysieren.
Sprecher 3: Made in Germany. Das gilt immer noch für viele bahnbrechende Ideen und Forschungserfolge, aber das Geld machen damit oft andere. Der Austausch von Wissenschaft und Wirtschaft, der funktioniert nicht so gut wie in vielen anderen Ländern. Darum geht es heute und zu Gast ist der wirtschaftlich wohl erfolgreichste Hochschulchef Helmut Schönenberger, der Gründer der Unternehmertum und Vizepräsident für Entrepreneurship der Technischen Universität München.
Sprecher 2: Zum 29. Mal setzen sich die Staaten der Welt wieder zusammen, um im Kampf gegen die Klimakrise voranzukommen. Wir reden vor der COP in Baku mit der deutschen Chefverhandlerin Jennifer Morgan.
Sprecher 3: Wir starten in eine Woche, man kann sagen in die fünfte Jahreszeit. Das hätte wahrscheinlich eigentlich Michael sagen sollen. Nee, was ist das Schöne?
Sprecher 2: Gar nicht schlecht, Helene, gar nicht schlecht.
Sprecher 3: Ja, ich gebe mir Mühe als alte Wahlkölnerin. Was ist das schön? Braucht man ja irgendwie in diesen Zeiten besonders. Es ist Montag, der 11.11.
Sprecher 4: Bei Wahlen, wo es ein Fest der Demokratie ist, dass die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, wie es weitergehen soll. Weder die Demoskopen noch die ganzen Wissenschaftler, die immer im Fernsehen auftreten, noch alle anderen, die sich so äußern, sondern echt die Bürgerinnen und Bürger. Da wäre das gut, wenn man... hinkriegt, dass zum Beispiel Rolf Mützenich und Friedrich Merz, der Fraktionsvorsitzende der größten Regierungspartei und der Oppositionsführer, sagen, da wollen wir es haben und da wird der Kanzler das möglich machen, trotz der Regeln der Verfassung. Dass ich noch vor Weihnachten die Vertrauensfrage stelle, Wenn das alle gemeinsam so sehen, ist für mich überhaupt kein Problem.
Sprecher 3: Das war Olaf Scholz gestern Abend bei Karin Mioska. Also so viel ist klar, es gibt Neuwahlen, aber wann es sie gibt, das steht immer noch nicht fest. Ein wirklich unwürdiges Gezerre, das wir dieser Tage beobachten. Man hat es kaum glauben können, die Ampel ist unwürdig zu Ende gegangen und jetzt ist es fast noch schlimmer.
Sprecher 2: Ja, und eigentlich müsste der Olaf Scholz vielleicht wenigstens im Abgang, in der Trennung mal Größe und Respekt zeigen und sagen, natürlich, ich habe die Ampel jetzt am Ende nicht mehr gut zu Ende gebracht, also gibt es Neuwahlen und zwar so schnell wie möglich. Aber das will er ja leider nicht.
Sprecher 3: Nein, er will am 15.01. Festhalten, beziehungsweise um das vorzuverlegen, stellt er Bedingungen an die Opposition, ihn bei bestimmten Projekten zu unterstützen. Die Opposition wiederum sagt, diese Unterstützung kommt überhaupt nur dann in Betracht, wenn er die Vertrauensfrage schon in dieser Woche stellt. Also es ist wirklich ein Gezerre, das man kaum anschauen kann. Und die SPD muss sich den Vorwurf gefallen. lassen, hier wirklich taktisch zu agieren, Zeit zu schinden, damit der Kanzler noch ein bisschen beliebter wird. Danach sieht es doch aus. Und die Union vorzuführen, ihr die staatspolitische Verantwortung abzusprechen, wenn sie die Projekte der Ampel jetzt nicht mitträgt.
Sprecher 2: Ich finde es wirklich außergewöhnlich skurril, dass jetzt die Opposition unter Druck gesetzt wird mit den Parlamentsgesetzen, die man alle doch wunderbar bequem in den drei Jahren ihrer Mehrheit hätte beschließen können. Jetzt, wo die eigene Ampel gescheitert ist, sollen doch bitte die Opposition unbedingt diese Gesetze mittragen. Und alles andere ist natürlich dann keine staatspolitische Verantwortung. Ich meine, so dämlich sind die Menschen da draußen nicht, dass sie merken, dass Scholz Zeit schinden will. Natürlich will er das, um irgendwie aus dem Umfrage-Minus wieder rauszukommen. Und ganz zufällig wären dann die Neuwahlen auch erst nach der Hamburg-Wahl seine Heimat, da wo die SPD wirklich immer gut abschneidet. Und mit diesem möglichen Erfolg in Hamburg könnte er dann in die Neuwahlen des Bundes gehen. Dass das keine Rolle spielt, das glaubt kein Mensch mit einem IQ jenseits von 30.
Sprecher 3: Am 2. März wird in Hamburg gewählt und in der Tat sieht alles danach aus, dass Olaf Scholz später als in Hamburg die Bundestagswahl abhalten will. Für ihn allerdings, das muss man sagen, spricht die Bundeswahlleiterin Ruth Brandt, heißt sie, und sie hat am Freitag einen Brandbrief, guter Wortwitz, nein, sie hat am Freitag einen Brief geschrieben und gemahnt, dass man das Ganze nicht übereilen sollte und auch einige Gründe dafür angeführt und hat gesagt, niemand hat am Ende etwas. Es davon, wenn diese Wahlen nicht ordnungsgemäß ablaufen. Das ist natürlich richtig. Und ich sage jetzt direkt vorab, weil ich schon ahne, Michael, was du sagen wirst. Ich sage direkt vorab, dass Personen oder Behörden, Institutionen ohne konkreten Hinweis darauf, dass es eine politische Einflussnahme gegeben wird, diskreditiert werden und man ihnen unterstellt, dass sie nicht neutral handeln. Da bin ich strikt dagegen. Also man muss das durchaus erstmal ernst nehmen, was sie sagt.
Sprecher 2: Richtig, Helene, und ich bin weit weg, diese Behördenschiffen irgendwie zu diskreditieren. Aber Indizien darf man schon zusammentragen und Fragen stellen. Zum Beispiel, warum der Sprecher dieser Statistikamtbehörde, die die Wahlen in Deutschland durchführt, am Donnerstag sagt, kein Problem, Neuwahlen lassen sich selbstverständlich organisieren. Übrigens sieht es das Grundgesetz einfach vor. Nach 60 Tagen nach der Vertrauensfrage müssen spätestens die Wahlen organisiert werden. Aber natürlich darf man auch die Fristen verkürzen. Auch das steht im Grundgesetz. Das hat der Sprecher der Behörde gesagt. Am Freitag, einen Tag später, kommt der Brandbrief mit teilweise doch skurrilen Argumenten, wie zum Beispiel die Papierproduktion oder die Drucker müssten ja alle noch irgendwie angeschafft werden. Und natürlich, die Kommunen und Gemeinden müssen die Wahlen organisiert bekommen. Einen Tag später, nun hat das Kanzleramt gegenüber der Bild-Zeitung auch noch bestätigt, dass es Kontakt zur Wahlleiterin gab. Naja, wenn da die Opposition dann zufällig von möglicherweise Einflussnahme vor diesem Brief redet, dann ist das nicht völlig von der Hand zu weisen.
Sprecher 3: Ist richtig, trotzdem bleibe ich dabei, wenn einmal das Vertrauen in diese Institution der Bundeswahlleiterin, kaputt gegangen ist, denn die ist ja auch zuständig zum Beispiel für das amtliche Endergebnis, dann können wir uns wirklich im Grunde genommen das Wählen schenken. Dann haben wir Verhältnisse, die wir in Amerika befürchtet haben, dass man nämlich Ergebnisse nicht mehr akzeptiert. Deswegen wäre ich hier sehr, sehr vorsichtig. In der Tat, das mutet irgendwie merkwürdig an, was sie sagt. Andererseits, man weiß es nicht, dass Papier teuer geworden ist, das wissen wir auch, dass es vielleicht auch nicht verfügbar ist, mag auch sein. Dass es schon, siehe Berlin, Probleme gegeben hat bei der Organisation der Wahl, auch das wissen wir. Die Grünen jedenfalls wollen das Ganze jetzt aufklären und die Bundeswahlleiterin zu einer Sondersitzung in den Wahlprüfungsausschuss einladen und all diesen Fragen nochmal nachgehen. Das ist sicherlich keine schlechte Idee.
Sprecher 2: Ich zitiere Angela Merkel, wir haben so vieles geschafft, wir schaffen das. Die deutsche Papierindustrie hat immerhin schon mal verlauten lassen, dass sie 55 Minuten benötigt, um die Menge Papier herzustellen, die für eine Bundestagswahl notwendig sind. Das sind ungefähr 440 Tonnen. Also 0,014 Prozent ist in Deutschland so pro Jahr ungefähr hergestellten bedruckbaren Papiers. Also ich glaube, das Argument ist es nicht.
Sprecher 3: Es geht doch was in Deutschland, das können wir festhalten. Ist doch schön.
Sprecher 2: Aber Helene, die neue Argumentation ist ja auch eine andere von Wolfgang Schmidt, gestern bei X verbreitet. Jetzt ist der Tenor gar nicht das Papier oder die Wahlleiterin, sondern wollen wir wirklich jetzt immer wieder über Weihnachten einen Bundestagswahlkampf haben? Das ist ein neuster Move. Und daraufhin haben dann einige geantwortet, dass es erstens nicht alle vier Jahre dann immer wieder so sein muss. Man kann natürlich innerhalb einer gewissen Frist den Bundestagswahlkampf, Wahltermin neu ansetzen, sodass der sich auch wieder zurückentwickelt zu Herbst. Aber man sieht daran, es wird jetzt an sehr vielen Narrativen gestrickt, damit bloß diese Vertrauensfrage nicht...
Sprecher 3: Michael, mit diesem Narrativ hat Wolfgang Schmidt sich mit Sicherheit geschadet. Jedenfalls kann man das fast hoffen. Denn es ist wirklich, das spricht von einer derartigen Distanz zu vielen, vielen Menschen in diesem Land, die selbstverständlich alle Weihnachten und in der Vorweihnachtszeit hart arbeiten müssen. Die Ärzte, die Krankenschwestern, die Soldaten in Ausland einsetzen und viele, viele mehr. Ich meine, zu sagen, oh Gott, jetzt haben wir diesen stressigen Wahlkampf auch noch in der Weihnachtszeit, das wird niemanden überzeugen. Mich jedenfalls nicht.
Sprecher 2: Mich auch nicht, liebe Helena, sind wir uns einig. Die Opposition bleibt klar. Sowohl Alexander Dobin als auch Friedrich Merz haben mitteilen lassen, dass sie keinerlei Gespräche über mögliche Gesetze führen werden, wenn nicht die Vertrauensfrage früher gestellt wird. Und zwar irgendwann jetzt im November noch. Wir werden sehen, schon am Dienstag soll es erste Gespräche zwischen den Fraktionsführungen der Ampel und der Opposition geben. Der Restampel, muss man sagen. Und dann schauen wir mal, was dabei rumkommt.
Sprecher 3: Die Grünen haben auch signalisiert, dass sie an dem 15. Januar für die Vertrauensfrage überhaupt nicht kleben. Im Gegenteil, auch Omid Nouripour hat klar gesagt, wir können auch mit einem früheren Termin leben. Er sagt, wir sind vorbereitet. Ich habe da am Wochenende anderes gehört. Es sind tatsächlich viele Stellen in der grünen Parteizentrale noch unbesetzt. Die Sprecherin hört jetzt auf. Das heißt, die Grünen sind auch pressemäßig nicht gut aufgestellt für das, was jetzt kommt. Außerdem im Wahlkampfstab sind noch viele Stellen offen. Einige sind gegangen. Also Unruhe. der Parteizentrale kurz vor dem Parteitag. Insofern bei dem Vorbereitet muss man ein Fragezeichen machen. Aber umso mehr kann man es auch mit Noripo anrechnen zu sagen, also jedenfalls taktische Spielchen, so viel ist klar, wollen die Grünen nicht spielen.
Sprecher 2: Ja, Helene, da gibst du mir direkt das Stichwort zu meinem Thema. Die taktischen Spielchen, die gab es auf der Falling Walls Konferenz nicht. Eine wirklich sehr, sehr interessante Wissenschaftskonferenz. Internationale Denker, Tüftler, Forscher, Wissenschaftler kommen dort zwei bis drei Tage zusammen und reden über das, was Politik gar nicht ausmacht, nämlich wirkliche Innovation.
Sprecher 3: In Deutschland wurde ja einiges erfunden, auf das wir durchaus stolz sein können. Vom Walkman über die LCD-Technik bis zum mRNA-Wirkstoff. Vermarktet haben es aber dann andere. Da war der Deutsche, wenn man so will, der Dumme. Und das soll sich jetzt ändern. Dafür steht der Name Helmut Schönenberger. Er ist der Präsident von Unternehmertum und Vizepräsident für Entrepreneurship der Technischen Universität München. Im Research Table können Sie alles, was Sie wissen müssen, darüber nochmal genauer nachlesen. Und Michael Bröker hat mit Helmut Schönberger gesprochen, als seine Stimme noch nicht ganz so angeschlagen war.
Sprecher 2: Einen wunderschönen guten Tag, Herr Schönberger.
Sprecher 4: Hallo, Herr Brücker.
Sprecher 2: Deutschland hat ein Problem, lieber Herr Schönberger, das ich mit Ihnen unbedingt mal besprechen muss. Wir haben zwar ganz viele Tüftler und Forscher und Denker und Wissenschaftler, aber unter den 20, Weltweit wertvollsten Unternehmen ist genau ein deutsches. Wie kommt's?
Sprecher 5: Wir müssen zukünftig mehr unseren Fokus darauf richten, wie wir halt diese tollen Erfindungen wirklich zu wachstumsstarken Firmen machen. Da waren wir bis jetzt blind und von daher braucht es eine neue Zeit, in der wir wirklich mal sehr konsequent den Fokus darauf legen.
Sprecher 2: Ihre Unternehmertum, die müssen Sie uns nochmal näher erläutern, ist ja auch inzwischen eines der größten Gründungszentren hier in Europa geworden. Erklären Sie mal unseren Hörerinnen und Hörern, wie Ihre Organisation, Ihre Institution an der normalen TU München angedockt ist.
Sprecher 5: Wir sind akademisch ein Teil der TU München, können aber uns ganz unternehmerisch frei bewegen, da wir eine gemeinnützige GmbH sind. Und Sie können sich das vorstellen wie so eine Start-up-Fabrik. Also wir haben rund 500 Mitarbeitende, die eben unseren 50.000 Studierenden und 10.000 wissenschaftlichen Mitarbeitern ermöglichen, dass sie ganz professionell Firmen ausgründen. Und so laufen jede Woche eine coole, neue, wachstumsstarke Firma vom Stapel. Und im Jahr sind es weit über 50 und die sind auch richtig was wert. Also die sammeln durchschnittlich so zwei bis drei Milliarden Euro an Risikokapital ein, schaffen tausende von Jobs und sind der Wirtschaftsmotor für die ganze Region und selbst für ganz Deutschland. Deutschland, also jedes dritte Hightech-Unternehmen Deutschlands kommt aus unserem Umfeld.
Sprecher 2: Die größten und weltweit wertvollsten Unternehmen sind digitale, datenbasierte Unternehmen. Da haben wir unsere Probleme, das ist ja bekannt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach, Herr Schönberger? Gibt es da noch auf einem Teilbereich, in einem Teilsegment einen möglichen Aufholprozess für Deutschland oder Europa? Oder ist diese Messe eigentlich zwischen Amerika und China gelesen?
Sprecher 5: Nein, wir müssen weiter Gas geben. Und es gibt ja auch tolle Beispiele. Also Celonis ist eine B2B-Firma im Bereich Data Mining. Die Firma ist rund 13 Milliarden aktuell wert, wurde von TU-Studierenden auch gegründet vor rund zehn Jahren. Personio ist ein anderes Beispiel. Personalsoftware, auch von Studierenden der Uni gegründet. Also wir können große Unicorns, also Firmen, die im Milliardenbereich bewertet sind, hier aufbauen. Und das Spiel fängt halt jeden Tag von Neuem an. Nur wir müssen dieses Spiel spielen und dürfen halt nicht einschlafen. Und da mache ich mir halt Sorgen, dass einfach der Drive und der Zug zum Tor fehlt.
Sprecher 2: Der Zug zum Tor fehlt. Demnächst könnte es einen neuen Trainer geben, nämlich einen neuen Bundeskanzler. Was wären Ihre zentralen Forderungen zum Abschluss vielleicht an die Politik, wie man diesen Wissenstransfer in die Unternehmen verbessern kann? Vielleicht auch an die Länder, Kultus- und Wissenschaftsminister.
Sprecher 5: Wir müssen anfangen, professionell dieses Spiel zu spielen. Und so wie wir es im Fußball ja auch machen, auch da haben wir professionelle Clubs, die wissen, wie man das macht, wo genug Ressourcen, genug Aufmerksamkeit drauf liegt. Das muss gemacht werden. Aber wenn wir in diesem ganzen Innovations- und Hochschulsystem weniger als ein Prozent unserer Aufmerksamkeit, unserer Ressourcen auf diese Wertschöpfung, auf die Kommerzialisierung, auf den Aufbau von Unternehmen lenken, also weniger mit ein Prozent, werden wir nicht weltweit spielen können. Und das heißt, wir müssen ganz anders konsequent die Kräfte bündeln und wirklich langfristig spielen und denken.
Sprecher 2: Auch eine andere Mentalität in den Hochschulleitungen, was den Umgang mit der Wirtschaft betrifft?
Sprecher 5: Absolut. Wir haben an der TU München ja einen eigenen Vizepräsident für Entrepreneurship, das bin ich. Wir haben einen Vizepräsident für Innovation. Wir haben einen Präsidenten, der sich persönlich um dieses Thema kümmert. Und wir haben jeden Montag um 8 Uhr einen Showfix, um die Probleme zu lösen und die TU München voranzutreiben. Und das ist unser Geheimnis, warum wir die bestgerankte Universität der Europäischen Union sind und warum wir eine der führenden unternehmerischen Universitäten dieser Welt sind, weil wir unsere Hausaufgaben machen.
Sprecher 2: Wir hoffen, dass der ein oder andere in der Hochschulleitung heute zugehört hat in diesem Podcast. Herr Schönberger, vielen Dank und weiterhin. Viel Erfolg für Ihre Universität, für Ihre unternehmerischen Aktivitäten in München. Vielen Dank. Vielen lieben Dank, Herr Bröker. Heute beginnt die 29. Internationale UN-Klimakonferenz. Ja, liebe Zuhörer und Zuhörer, dieses wichtige Thema gibt es ja auch noch. Diesmal findet sie in Baku statt, in Aserbaidschan. Aber ist das Thema überhaupt noch auf den Prioritäten der internationalen Politik? Angesichts der Debatten über Kriege, Migration und dem weltweiten Siegeszug der Klimaskeptiker. Jede COP ist immer wieder ein neuer Versuch, das in Paris 2015 geschmiedete Klimaabkommen mit Leben zu füllen und die globale Erderwärmung in Schach zu halten. Diesmal soll es also ausgerechnet in Aserbaidschan funktionieren. Übrigens, 50 Prozent der Staatseinnahmen kommen durch Öl. Aber gut, wie laufen denn die Maßnahmen gegen den Klimawandel in der internationalen Community? Nach der Präsidentschaftswahl in den USA und dem Erfolg von Donald Trump sind sich die Klimaschutzpolitiker weltweit jedenfalls einig, es wird nicht leichter. Einer dieser engagierten Klimaschützerinnen ist Jennifer Morgan, Klimastaatssekretärin im Auswärtigen Amt, internationale Sonderbeauftragte für Deutschland in Sachen Klimaschutz. Bernhard Pötter, unser Redaktionsleiter des Climate Table, hat mit ihr über die Erwartungen an die COP gesprochen.
Sprecher 6: Jennifer Morgan, herzlich willkommen. Schön, dass Sie da sind.
Sprecher 7: Sehr schön, hier zu sein. Danke.
Sprecher 6: Was braucht es, damit eine COP erfolgreich ist?
Sprecher 7: Man braucht eine gute Präsidentschaft, würde ich sagen, der bereit ist zu pushen. Man braucht auch eine Bereitschaft und klare Mandate für Länder, dass sie hingehen. Können und verhandeln können. Man braucht auch, glaube ich, eine Umgebung, wo Leute bereit sind, zusammenzuarbeiten und wo die Hauptverständnis da ist.
Sprecher 6: Sehen Sie das alles gerade? Kriegen wir eine gute COP?
Sprecher 7: Wir haben die Chance, eine gute COP zu kriegen. Ich sehe von der Pre-COP, es gibt jedes Jahr eine Ministerrunde vor der COP. Das war vor ein paar Wochen in Baku und da sah ich und habe ich erlebt eine Bereitschaft von allen Ländern miteinander zu sprechen, Lösungen zu finden. Ich finde, heutzutage ist das sehr wertvoll.
Sprecher 6: Eines der zentralen Sachen wird ja das Geld sein, weil es muss ein neues Finanzziel geben. Bisher sind es die 100 Milliarden, die die Industrieländer den ärmeren Ländern versprochen haben. Und jetzt muss es, soll es mehr sein. Wo werden wir denn landen von den 100 Milliarden?
Sprecher 7: Wir arbeiten dran, eigentlich einen neuen Ansatz für Klimafinanzierung zu schaffen. Ja, diese 100 Milliarden ist und war sehr wichtig, aber es reicht nicht aus. Wir sind eigentlich in einer Situation, wo wir verschiedene Finanzierungen brauchen für verschiedene... Aufgaben. Zum Beispiel, wir brauchen auch mehr Privatsektorgelder, um erneuerbare Energien voranzutreiben und zu sehen, okay, wie können wir diese Verdreifachung von erneuerbaren Energien, was wir letztes Jahr uns entschieden haben, wie schaffen wir das? Und wir brauchen auch, glaube ich, ein sehr klares Investitionsziel. Wir müssen das so schaffen, dass viel mehr Gelder in Entwicklungsländer investiert sein werden, weil im Moment 90 Prozent sind in Industrieländer oder in China investiert. Und dann kommt die Frage, okay, wer soll zahlen? Wer soll zahlen?
Sprecher 6: Und Sie sagen, die Industrie-Länder sagen, es sollen auch andere zahlen, nicht immer nur die üblichen Verdächtigen, nicht immer nur wir.
Sprecher 7: Genau, weil wir haben jetzt 2024, die Welt ist ganz anders jetzt. Also die Länder, die in 1992 eigentlich die Verpflichtung hatten, eigentlich sind ein kleinerer Teil der globalen Weltwirtschaft und auch ein kleinerer Teil der Emissionen, historische Emissionen. Und wir denken, dass es jetzt fair ist, weil wir auch mehr Gelder für Entwicklungsländer brauchen, dass diese anderen Länder auch einen Beitrag leisten.
Sprecher 6: Aber die Länder können sich ja nur freiwillig dazu verpflichten. Also was sind die Argumente zu sagen, beteiligt euch? Oder der Druck, was sind die Druckmittel?
Sprecher 7: Ja, ich glaube, es gibt schon eine Erwartung, dass Länder, die eine große Rolle auf die globale Bühne, sage ich mal so, spielen möchten oder spielen, dass damit kommt auch Erwartungen. Dass wenn ein Land dann jetzt, sehr profitabel ist und sehr erfolgreich war, dass eigentlich, dass sie was jetzt an die ärmere Länder geben. Ich finde, das wirkt schon viel. Es gibt auch eine Entscheidung in der Pariser Abkommen, der sagt, okay, ja, die Industrieländer sollen weiter leiten, aber als Teil eine globale Aufgabe. Und diese globale Aufgabe ist mit anderen Ländern. Das heißt, es gibt auch eine Entscheidung aus Basis, für was wir jetzt verhandeln.
Sprecher 6: Und all das vor dem Hintergrund, dass im Augenblick Klimapolitik national, aber auch international in der Defensive ist. Also es gab schon mal Zeiten, da wollten eigentlich alle Klima machen. Jetzt ist es auch national und in Europa und auch weltweit eher so, dass die Leute sagen, wir haben andere Sorgen. Wie sehr schlägt so eine Stimmung durch auf eine Konferenz?
Sprecher 7: Die Regierungen wissen, was jetzt in der Welt passiert. Jedes Land fühlt jetzt, was es bedeutet, eine Klima-Auswirkung zu haben. Also wir gucken alle im Moment nach Spanien. Diese grundsätzliche wissenschaftliche Verstehen und auch diese Erfahrung jetzt, was das bedeutet, das bringen Länder mit zu einem Kopf. Es ist nicht mehr nur Inselstaaten, die das fühlen. Das sind auch große andere Länder, Brasilien zum Beispiel. Auch was wir sehen weltweit ist, obwohl Klima vielleicht nicht die Top-Thema in den Medien ist, dass die Umfrage... Viele Umfragen zeigen, es gibt immer noch Interesse und es gibt immer noch Unterstützung für Klimaschutz. Und jetzt sind wir in einer neuen Phase, wo erneuerbare Energien so billig sind, dass es macht es möglich für Länder, die nie gedacht haben, dass sie ihren Energiezugang durch Erneuerbare schaffen können, dass das jetzt möglich ist.
Sprecher 6: Aber die Zahlen in der Realität sind immer noch schlecht. Also wir hatten gerade die Berichte, immer noch steigende Emissionen, immer noch steigende Temperaturen. Also wo nehmen Sie die Hoffnung her, dass es da eine Trendumkehr geben kann?
Sprecher 7: Weil wir sehen auch, dass... 85 Prozent aller neue Kraftwerken erneuerbar sind. Wir hören von der Internationalen Energieagentur, dass es bald so einen Höhepunkt von Fossilen geben wird. Weil wir sehen die verschiedene Politik und Maßnahmen, ich war neulich in Südafrika, was da passiert für einen gerechten Übergang zu erneuerbar weg von Kohle. Das ist alles nicht schnell genug und nicht groß genug, aber die Richtung stimmt. Und was wir bei dieses Jahr bei dieser COP machen müssen, ist eigentlich die Geschwindigkeit erhöhen. Wir brauchen eine Beschleunigung davon. Und ich finde, letztes Jahr hatten wir 150 Länder, die bereit waren, so einen Ausstieg aus fossilen Energien zu schaffen. Diese Länder sind immer noch fest überzeugt, dass wir was zusammen machen müssen und mehr auch.
Sprecher 6: Wir brauchen nur noch 50 andere und dann ist man bei... Der Gesamtzeit.
Sprecher 7: Genau, was wir auch letztes Jahr letztendlich, wir haben eine Abkehr von fossilen Energien geschafft letztes Jahr. Und dieses Jahr geht es um das Umzusetzen. Zum Beispiel, wir sollen keine neuen Kohlekraftwerken bauen weltweit.
Sprecher 6: Das ist jetzt die COP29. Wie viele COPs wird es noch geben, wenn wir bis zum Jahr 2200 Klimakonferenzen haben?
Sprecher 7: Wahrscheinlich ja. Also wir alle hoffen und nicht nur hoffen, wir arbeiten dafür, dass das Schritt für Schritt, dass wir diese Klimastabilität schaffen, dass die Emissionen schnell runterkommen. Letztes Jahr, apropos, die EU hat Emissionen 8% reduziert von erneuerbaren Energien. Es ist möglich. Aber wir sehen auch, wie wichtig das ist, die Resilienz von verschiedenen Ländern und Sektoren aufzubauen. Das ist auch eine Aufgabe für internationalen Klimaschutz. Wie schaffen wir Landwirtschaft, die klimaresilient ist? Wie schaffen wir Infrastruktur, Brücken, die gegen solche Flüte und Stürme überleben können?
Sprecher 6: Also die Arbeit geht nicht aus.
Sprecher 7: Nee.
Sprecher 6: Und es geht immer weiter.
Sprecher 7: Es geht immer weiter.
Sprecher 6: Herzlichen Dank, Jennifer Morgen, dass Sie hier waren. Vielen Dank.
Sprecher 7: Gerne.
Sprecher 2: Helene, es war turbulent, politisch wirklich hoch anstrengend und wenig konstruktiv in den letzten Tagen. Da muss ich am 11.11. Mal mit was Positivem kommen.
Sprecher 3: Michael, das ist immer nötig und jetzt besonders dringend. Also schieß los.
Sprecher 2: Die Deutschen, Helene, sie sind wieder glücklicher geworden. Also in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr. Das sagt zumindest der Glücksatlas. Und laut der Studie, Helene, Achtung, leben die glücklichsten Deutschen in deiner Heimat Hamburg. Gefolgt von Bayern und Schleswig-Holstein. Nennen wir mal einen Grund eigentlich, warum wir Hamburg?
Sprecher 3: Schönste Stadt, Hamburg meine Perle, Alster Wasser.
Sprecher 2: Regen.
Sprecher 3: Und Menschen wie mich.
Sprecher 2: Regen.
Sprecher 3: Nein, völlig zu Unrecht. Es sind immer die Leute, die nie in Hamburg waren oder viel zu selten hinfallen, die behaupten, dass es dort regnet. Das Gegenteil ist der Fall.
Sprecher 2: Jedenfalls laut Studie ist die Zufriedenheit auch dort so hoch, weil die hohe Wirtschaftskraft, eine gute Gesundheitsversorgung, gute Schulen, gute Betreuungseinrichtungen. Naja, immerhin. Und rate mal, wie das hier so in Berlin ist.
Sprecher 3: Berlin wahrscheinlich schlechte Laune, wobei ich auch das finde, dass das nicht immer stimmt.
Sprecher 2: Bei uns nicht.
Sprecher 3: Bei uns nicht, aber auch ansonsten. Bei Taxifahrern manchmal schon. Ich treffe hier schon auch viele gut gelaunte Leute. Vielleicht ist auch einfach der alte Satz, wie man in den Wald hineinruft. Aber das mit den guten Schulen ist ein wirklich interessanter Punkt für mich, weil ich ja mein Leben lang mit gesenktem Hauptop meines Hamburger Abiturs rumlief. Und jetzt offenbar klingt das jetzt ganz anders da. Hamburg, gute Schulen, wie schön.
Sprecher 2: Es ist ja alles gut gegangen bei dir, Lene. Insgesamt positive Botschaft Jugendliche und Singles. Auch geht es insgesamt wieder besser als noch in den letzten Jahren. Ist das nicht schön versöhnlich heute?
Sprecher 3: Das ist wirklich sehr, sehr schön. Vor allem für die Jugendlichen freut es mich und für die Singles auch.
Sprecher 2: So, das war unser erfreulicher Start, nicht nur für Singles, sondern auch für Paare hier in diesem Tag. Schön, dass Sie dabei waren. Morgen geht es weiter, Dienstag, 6 Uhr, richtig, Helene?
Sprecher 3: Da bist du dann in Lissabon, worum ich dich übrigens auch sehr beneide. Ich hoffe, du bringst gutes Wetter mit.
Sprecher 2: Ich bringe auf jeden Fall eine kleine Idee mit, wie sich der Vizekanzler auf seiner allerersten Auslandsreise auch als Kanzlerkandidat schlägt. Ich hoffe, wir telefonieren dann auch, liebe Helene.
Sprecher 3: Ich werde dich auf jeden Fall anrufen, denn ohne dich, Michael, macht das alles nur halb so viel Spaß.
Sprecher 2: Bis dahin, auf Wiederhören, liebe Zuhörer und Zuhörer. Ciao, ciao.
Sprecher 3: Tschüss.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.