Wer regiert Amerika? Trump vs. Harris
Dauer: 25:16

Wer regiert Amerika? Trump vs. Harris

In dieser Woche wird sich entscheiden, ob die Ampel noch die Kurve kriegt. Und bei den Grünen will Robert Habeck seine Kanzlerkandidatur offiziell erklären. Damit beginnt für den Vizekanzler endgültig ein Weg, den man angesichts der Lage als „Mission Impossible“ bezeichnen kann.


In den USA öffnen in der kommenden Nacht die Wahllokale.

US-Korrespondent Julian Heißler berichtet im Gespräch mit Michael Bröcker über die Stimmung im Land so kurz vor den entscheidenden Stunden. In der kommenden Nacht werden die ersten Ergebnisse erwartet.


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Robert Habeck startet die Mission Impossible. Am Donnerstag will er sich als Kanzlerkandidat vorstellen, aber wird ihm die Partei folgen? Und was ist eigentlich mit den Bürgern, die ihn ja wählen sollen?

Sprecher 3: Und kommt es überhaupt noch dazu? Toten Glöckchen oder Wake-up-Call? Wie geht es weiter überhaupt mit der Ampel? Wem nützt ein mögliches Aus? Und warum auch die CDU in einem Dilemma steckt, gleich bei uns.

Sprecher 2: Ja, wir analysieren, was die Ampelana und Ampelinen so tun. Aber noch wichtiger sind die letzten Stunden Wahlkampf in den USA. Heute entscheiden die Amerikaner, wer ins Weiße Haus einzieht. Welche Bundesstaaten sind besonders interessant? Wie groß ist die Gefahr von Wahlbetrug? Und wann können wir mit einem Ergebnis rechnen? All das besprechen wir mit unserem US-Korrespondenten Julian Heisler.

Sprecher 3: Es ist erst Dienstag, der 5. November und es ist schon unglaublich viel los diese Woche. Also packt und fieser.

Sprecher 4: Was die Situation in Deutschland betrifft, bestehe ich darauf, dass die Regierung ihre Arbeit zu machen hat und dass Pragmatismus dabei die richtige Maßgabe ist. Wir haben dafür eine Grundlage, das ist der Koalitionsvertrag, der ist verhandelt. Wir haben einen Haushaltsentwurf im Sommer auf den Weg gebracht. Jetzt geht es darum, die notwendigen Entscheidungen zu treffen angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung. Also Aufgaben, die gelöst werden müssen und die gelöst werden können. Und dazu muss man seriös arbeiten. Das ist das, was ich von allen erwarte.

Sprecher 2: Da spricht Olaf Scholz Klartext. Er besteht darauf, dass die Regierung ihre Arbeit macht. Ein Mann, der auf jeden Fall noch bis September Kanzler sein will. So viel ist klar. Jetzt treffen sich die Ampelspitzen schon wieder täglich im Kanzleramt und versuchen wieder die restlichen Milliarden zu finden, um die Haushaltslöcher zu stopfen. Nächste Woche muss der Haushalt fertig sein, aber ist dann auch die Ampel fertig?

Sprecher 3: Ja, und Olaf Scholz hat eine klare Strategie. Er will es Christian Lindner maximal schwer machen, das Bündnis zu verlassen. Angeblich sind Steuersenkungen schon im Gespräch, Investitionsprämien könnten auch diskutiert werden, neue Abschreibungen. Olaf Scholz legt viel auf den Tisch, damit Lindner nicht gehen kann und kein Narrativ findet, um auszusteigen. Aber was ist eigentlich mit Robert Habeck, Jelena?

Sprecher 2: Ja, Robert Habeck fehlt eine ganz ähnliche Strategie. So hat er gestern verkündet in einem kurzen Statement im Bundeswirtschaftsministerium, dass die 10 Milliarden Euro... Intel-Förderung, die eigentlich in den KTF, also in seinen Klima- und Transformationsfonds zurückfließen müssen, jetzt bereitgestellt werden für die Haushaltskonsolidierung. Das hat er beschrieben als ein Sprung über den Schatten und hat auch die anderen gefordert, es ihm gleich zu tun. Er hat wirklich gemahnt und quasi gefläht, dass diese Ampel doch bitte ihre Arbeit macht. Das Bittere an der Sache ist, wir hören dieses Bitten und Flehen und diese Appelle von allen Seiten seit über zwei Jahren. Nie haben sie verfangen, warum gerade jetzt. Man weiß es nicht und ehrlich gesagt glaubt man auch nicht mehr dran.

Sprecher 3: Also derjenige mit dem größten Interesse ist Olaf Scholz. Er könnte sonst seine Kanzlerschaft sofort in Geschichtsbüchern abschreiben als der Kurzfrist-Kanzler par excellence. Und die Grünen, naja, sie geben sich staatspolitisch. Für die FDP jedenfalls werden die Erinnerungen an 1982 wirklich immer wieder wach. Denn damals war es Autograf Lambsdorff, der ein ähnlich substanzielles oder wirtschaftspolitisch klares Konzept aufgeschrieben hat, um den Ausstieg aus dem Bündnis möglich zu machen. Allerdings gab es auch eine Alternative mit der Union. Und deswegen konnte man den Kanzler Helmut Schmidt reizen, der übrigens damals im Bundestag vor der Wahl von Helmut Kohl Dinge gesagt hat, die man heute eins zu eins wiederholen könnte.

Sprecher 5: Seit dem August des vorigen Jahres ist der Vorsitzende der FDP zielstrebig und schrittweise von allen früheren Erklärungen abgerückt. An diesem 9. September habe ich ihn von dieser Stelle aus zu einer klaren Antwort aufgefordert. Es hätte zu der Antwort nur eines einzigen Satzes bedurft, aber dieser Satz, wir stehen fest zur sozialliberalen Koalition, wurde absichtsvoll vermieden. Stattdessen hat die FDP acht Tage später sehr fadenscheinige Erklärungen vorgetragen. Über viele Jahre, Herr Kollege Genscher, werden die Bürger dieses Verhalten nicht vergessen.

Sprecher 2: Für die FDP hat sich dieses Manöver nicht ausgezahlt. Bei den Landtagswahlen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein haben sie nach diesem Manöver jeweils ungefähr die Hälfte der Stimmen verloren. Trotzdem für die FDP war es dann doch eine Erfolgsgeschichte. Es reichte bei den vorgezogenen Wahlen 1983 für Schwarz-Gelb. Jetzt hat die FDP gerade wieder drei Landtagswahlen verloren bei bundesweiten Umfragen. Knabbern sie an der 5%-Hürde, liegen teilweise drunter. Sie kämpfen um nichts weniger als das eigene politische Überleben.

Sprecher 3: Ja, für die FDP ist es inzwischen noch schlimmer als Pest oder Cholera. Es ist ein bisschen so, als würde man in einem Auto auf einer abschüssigen Straße geradewegs auf eine dicke, fette Betonmauer zurasen und die Bremsen sind kaputt. Da bleibt nur noch entweder voll drauf auf die Mauer oder vorher aus dem Auto springen und sich vielleicht aber auch verletzen. Und es scheint so zu sein, dass die Mehrheit der FDP-Abgeordneten... Ordner nun Mitglieder sagt, dann lieber aus dem Auto rausspringen.

Sprecher 2: Es gibt ja jetzt irre Narrative schon in Berlin. Angeblich, dass der Kanzler überlegt, Christian Lindner aus der Koalition rauszuschmeißen und Johannes Vogel an seine Stelle zu setzen. Denn es gibt ja die FDPler, allen voran Volker Wissing, die sehr gerne in der Koalition bleiben würden. Ich halte von diesen Spekulationen rein gar nichts. Christian Lindner ist trotz allem der unangefochtene Mann an der Spitze.

Sprecher 3: Ja, und ich war gestern mit Johannes Vogel bei einer Buchvorstellung in Berlin mit auf der Bühne. Und es gibt keinerlei Anzeichen, dass er ein Putschist sein könnte. Lindner ist und bleibt der Mann, der die Fäden in der Hand hat in der FDP. Insofern geht es entweder nur mit ihm in der Koalition weiter oder mit ihm außerhalb dieser Koalition.

Sprecher 2: Apropos Mann an der Spitze. Michael, wir müssen sprechen über Robert Habeck. Der hat diese Woche nämlich was vor. Am Donnerstag will er seine Kanzlerkandidatur verkünden. So ist es jedenfalls in Berlin zu hören. Das ausgerechnet in einer Woche, in der sonst noch ganz schön viel anderes los ist. Koalitionsausschuss, US-Wahl und so weiter. Man könnte denken, da geht diese Nachricht unter. Aber vielleicht ist das Robert Habeck gar nicht so unlieb. Denn eine Partei, die zwischen 9 und 11 Prozent steht, ist das mit der Kanzlerkandidatur nicht ganz so offensichtlich. Und deswegen machte es auch anders als Annalena Baerbock 2021, wo es eine riesige Veranstaltung gab mit allem Pomp und Drumherum, hat sie ihre Kanzlerkandidatur verkündet. Hören wir mal rein, was Robert Habeck damals gesagt hat.

Sprecher 6: Das heißt natürlich nicht, dass sie den Wahlkampf alleine machen wird. Ich selbst werde mich mit allem, was ich kann, mit voller Kraft in diesen Wahlkampf werfen. Wir werden ihn versuchen, gemeinsam zu führen. Aber natürlich ist Politik dynamisch. Und eine Dynamik bedeutet, dass sich Rollen immer wieder neu justieren werden. Ich selbst werde in den nächsten Phasen noch stärker als zuvor meine Regierungserfahrung und die Erfahrung von mehrfach erfolgreich abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen nutzen, um die Partei auf die Regierungsübernahme vorzubereiten. Davor allerdings steht ein harter Wahlkampf. Liebe Annalena, bitte, die Bühne gehört dir.

Sprecher 3: Ja, Habeck war damals richtig angefressen, hat sich in einem Zeitinterview auch nochmal da später zu geäußert, wie schwierig dieser Tag für ihn war. Jetzt hat er das, was er wollte. Er will eigentlich Deutschland zeigen, dass eine grüne Partei pragmatisch, wirtschaftsnah und auch mehrheitsfähig sein kann. 20, 25 Prozent, das ist eigentlich sein Ziel. Und jetzt, muss man sagen, Helene, ist die Lage der Grünen-Partei so schwierig und so desaströs, dass sie eigentlich keine andere Chance haben, als sich maximal hinter Robert Habeck zu versammeln.

Sprecher 2: Ja, man möchte es Ihnen raten, aber dennoch gibt es wenig Anzeichen dafür. Jetzt gerade in der Programmatik ist die Partei, was die Anträge für den Parteitag geht, so gar nicht auf Robert Habecks Kurs. Die Mitglieder haben sich vor allem für einen Antrag ausgesprochen, nämlich die Vermögenssteuer einzuführen. Ein Thema, mit dem die Grünen schon oft schlechte Erfahrungen gemacht haben. Auch nicht wirklich ein Thema, für das Robert Habeck steht. Abgesehen von den Personalk querelen, die es gibt. Es war wirklich ein quälender Prozess, bis dieser Bundesvorstand besetzt werden konnte. Streng nach Flügelerithmetik, Realos hier, Linke dort, Frauen und Männer, alles im Proport. Und am Ende ist eine Mischung rausgekommen, mit der niemand so richtig glücklich ist. Und Robert Habeck, der doch immer gesagt hat, er brauche Beinfreiheit, hat kein Machtwort gesprochen. Also das hat sich noch nicht so richtig zurechtgeruckelt, würde ich sagen.

Sprecher 3: Deswegen hat Robert Habeck doch eigentlich kein Interesse an vorgezogenen Neuwahlen. So hat er die Partei ja noch gar nicht hinter sich. Die inhaltlichen Streitfragen sind noch nicht maximal geklärt. Die Aufstellung in der grünen Parteizentrale ist noch nicht endgültig. Insofern könnte ihm eigentlich doch ein längerer Wahlkampf im nächsten Jahr recht sein, oder?

Sprecher 2: So ist es. Er muss ordentlich aufholen. Er muss irgendwie dieses Heizungsgesetz vergessen machen. Er muss die Partei dazu bringen, hinter ihm zu stehen. Die große Hoffnung ist, dass es bis zum Parteitag unruhig ist und nach dem Parteitag jeder genau weiß, wo er steht und was er zu tun hat. Ob das gelingt, ein großes Fragezeichen. Denn die Grünen feiern ihre Streitkultur und haben ein gewisses Misstrauen gegen erfolgreiche Politiker, so paradox das klingen mag. Wer in der Breite der Bevölkerung gut ankommt, bei dem sagen die Grünen immer, vielleicht hält er sich dann doch nicht zu 100 Prozent an das Parteiprogramm. Cem Özdemir und auch Winfried Kretschmann haben diese Erfahrung schon gemacht. Robert Habeck blüht das auch. Da remmeln sie doch noch ein kleines bisschen mit der Macht.

Sprecher 3: Aber Helene, für mich die größte Achillesferne. Also ist für Habeck sein Amt. Er ist Wirtschaftsminister eines Landes, das tief in der Wirtschaftskrise ist. Das heißt, sein Wahlkampf kann eigentlich auch nur mit seinem Amt verbunden werden. Da wird die Bilanz gefragt. Die Wirtschaftsvertreter, die gestern alle bei Christian Lindners Wirtschaftsgipfel waren, die haben Lindners Papier abgefeiert. 20, 25 Wirtschaftsvertreter waren da. Sie haben nahezu alles unterschrieben, was Lindner da reingeschrieben hat. Sie sind nicht der Meinung, dass Robert Habecks Wirtschaftspolitik diesem Land gerade hilft. Die wird er überzeugen müssen, noch bevor er die Mehrheit der Deutschen irgendwie wieder an die Wahluhren für die Grünen kriegen kann.

Sprecher 2: Das stimmt und gleichzeitig ist das Interessante, dass diese Wirtschaftsvertreter, wenn sie bei Robert Habeck sind, auch ein kleines bisschen anders reden, als wenn sie bei Christian Lindner sind. Also man darf solchen Beifallsbekundungen an der einen Stelle auch nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Am Ende gucken sie, mit welchen Politikern sie was erreichen können.

Sprecher 3: Entscheidend für Robert Habeck ist, er will den Platz zwei in Deutschland einnehmen in der politischen Arithmetik. Er will eigentlich die SPD und Olaf Scholz angreifen. Er darf auf keinen Fall zulassen, dass es eine Zuspitzung Scholz gegen Merz gibt. Und deswegen muss er in die Mitte rücken. Er muss die Fachkräfte, die Arbeitnehmer, die wirtschaftspolitisch denkenden Menschen erreichen mit der Grünen-Partei, um Platz zwei zu werden, um dann am Ende Schwarz-Grün möglich machen zu können. Das kann am Ende doch nur sein Zwiel sein, oder Helene?

Sprecher 2: Ja, es ist total richtig. Bei den Landtagswahlkämpfen hat man gesehen, wenn es am Ende eine Polarisierung gibt, oft war. Was da mit der AfD auf Bundesebene droht, das zum Glück nicht. Aber wenn es am Ende ein Wettrennen zwischen zwei Parteien gibt, dann fallen die Dritten, Vierten, sind dann weit abgeschlagen zurück. Und das ist natürlich die große Angst der Grünen, wenn SPD und CDU, also Friedrich Merz und Olaf Scholz, sich streiten, dass dann niemand über Habeck redet. Das heißt, er muss sich proaktiv ins Gespräch bringen und das wird er an diesem... Donnerstag tun und dann in der nächsten Woche will er sich beim Parteitag in Wiesbaden bestätigen lassen. Er will, so heißt es, die Rede seines Lebens halten. Das soll dann eine große Game Changer sein. Der Harris-Moment allerdings. Apropos, wir wissen ja noch gar nicht, ob die Sache für Harris aufgeht.

Sprecher 3: Jedenfalls hat er seine Bühne für den Donnerstag auch schon reserviert. Er wird bei Markus Lanz am Abend sitzen und seine Vision für eine Mitte. Grüne Partei dort kommunizieren. Aber ein Satz zur CDU muss ich noch sagen, Helene, bevor wir zu Kamala Harris und Donald Trump kommen. Denn die CDU hat durchaus auch Sorgen. Man könnte meinen, sie sitzt da draußen und schaut sich an, wie die Ampel sich zerpflückt. Aber die Sorge vor einer rot-grünen Minderheitsregierung, die dann munter Anträge im Bundestag einbringt und auch die CDU dazu zwingen könnte, ihre Position einzubringen, hat durchaus gerade Potenzial bei der CDU. Denn wenn die CDU Anträge einbringt gegen eine rot-grüne Minderheitsregierung und die AfD mitstimmt, dann wird Deutschland über die Brandmauer zur AfD diskutieren. Also die CDU hat deswegen überhaupt kein Interesse, dass die FDP-Minister rausgeworfen werden oder sich zurückziehen. Die CDU muss so schnell wie möglich auf. Neuwahlen dringend.

Sprecher 7: Across the nation, in red states and blue states and swing states, voters are delivering their verdict.

Sprecher 8: We have a projection right now.

Sprecher 3: Ja, so hört es sich bei CNN an, wenn wieder einmal ein Bundesstaat ausgezählt ist. Und wir werden darauf an diesem Abend, besser an dieser Nacht warten. Welcher Bundesstaat ist der erste, der Trump oder Harris ausgezählt hat? Es wird dann in langer Nacht, es wird hochspannend.

Sprecher 2: Was wir jetzt schon sagen können ist, es ist der ereignisreichste Wahlkampf überhaupt. Ein Kandidatenwechsel Biden auf Harris. Zwei Attentatversuche, ein rappender Ex-Präsident, Trump bei McDonalds und in einem Müllwagen. Es war wirklich alles Mögliche, aber langweilig war es nie.

Sprecher 3: Absolut. Und es ist trotzdem am Ende, trotz aller Versuche, trotz Desinformationskriege im Netz und aller möglichen Inszenierungen, immer noch offenbar völlig offen, wer es wird. Kein amerikanisches Medium traut sich wirklich eine Vorhersage, eine Prognose. Also es wird spannend. Sie müssen sich die Nacht aber nicht um die Ohren hauen. Wir machen das für Sie.

Sprecher 2: Wir sind für Sie vor Ort bei der Election Night hier in Berlin mit lauter Persönlichkeiten aus der deutsch-amerikanischen Bubble. Wir schalten zu unseren Korrespondenten und Kollegen nach Amerika. Mit einem von ihnen haben wir schon gesprochen, Julian Heisler, Korrespondent der Wirtschaftswoche. Auch bei uns hat er in den letzten Wochen immer wieder sehr interessant geschrieben. Und von ihm wollten wir wissen, wie die Stimmung vor Ort ist. Wo Ort ist, was passiert, wenn Trump das Ergebnis nicht anerkennt. Michael, du hast mit ihm gesprochen.

Sprecher 3: Einen schönen guten Abend, muss ich ja sagen. Julian Heisler, unser Mann vor Ort in den USA. Wenige Stunden bevor die Wahllokale öffnen. Hallo, schönen guten Tag, Julian.

Sprecher 9: Hallo, vielen Dank, dass ihr mich habt.

Sprecher 3: Die wichtigste Frage vorab natürlich, was ist dein Eindruck, wer liegt vorne?

Sprecher 9: Tja, wenn wir in die Zahlen gucken, Bottom Line ist, wir wissen es nicht. Die Umfragen sind offensichtlich sehr ausgeglichen. Aber der Search der letzten Tage ging schon eher in die Richtung Harris. Wenn man so ein bisschen in die Swing State schaut, scheint sie da eine etwas bessere Infrastruktur zu haben. Was bedeutet, dass man die Leute an die Urne tatsächlich auch bekommt und nicht nur an einem Poster sagen, dass sie wählen. Also wenn ich jetzt eine Knarre im Kopf habe und mich entscheiden muss, sage ich, Harris hat eine bessere Ausgangsposition. Aber wenn es im falschen Swing State regnet, kann das alles hinfällig sein.

Sprecher 3: Es geht also um die Swing States. Gibt es da einen besonderen? Alle reden über Pennsylvania. Wer den gewinnt, gewinnt am Ende alles?

Sprecher 9: Höchstwahrscheinlich. Also Pennsylvania hat 19 Stimmen im Electoral College, das am Ende über das Staatsoberhaupt entscheidet. Ist relativ gleichmäßig gespalten, hat ein paar Städte drin, die sehr demokratisch sind, Vorstädte mittlerweile auch mit demokratisch, aber auch große Strecken, die tiefrot sind, also stark zu den Republikanern tendieren. Welches dieser beiden Lager jetzt wirklich an die Urnen geht, wird entscheiden, wer dieses Ding gewinnt. Denn wer diese 19 Stimmen im Electoral College nicht hat, der wird es schwer haben, sie in anderen Staaten zu gewinnen. auszugleichen.

Sprecher 3: Was sind die Mobilisierungsthemen für die jeweiligen Kampagnen in den letzten Tagen gewesen?

Sprecher 9: Die Harris-Kampagne setzt seit Wochen, wenn nicht Monaten mittlerweile auf das Thema Abtreibung sehr viel stärker, als es noch als Joe Biden da war. Das funktioniert für die Demokraten, seitdem der oberste Gerichtshof das Abtreibungsrecht kassiert hat, sehr, sehr gut. Sie überperformen normalerweise bei Wahlen, wenn es um das Thema geht. Die Trump-Kampagne setzt vor allem auf Dinge wie die Situation an der Südgrenze, also Einwanderung und natürlich auf die gestiegenen Preise, also der Inflationsschock, den das Land hier hinter sich hat. Der ist für viele noch spürbar. Das merkt man jedes Mal, wenn man einkaufen geht und damit sind die Leute unzufrieden. Allerdings ist es Harris gelungen, beim Thema Wirtschaftskompetenz zu Trump aufzuschließen. Ich glaube, in den letzten Umfragen hat sie ihn da nicht überholt, aber zumindest ist sie jetzt so auf Augenhöhe und das ist ein Indikator dafür, dass es für sie gerade besser läuft als noch vor zwei, drei Wochen.

Sprecher 3: Gilt der alte Spruch noch, it's the economy, stupid?

Sprecher 9: Das gilt ein Stück weit. Allerdings, wenn man sich die Topline-Nummern der US-Wirtschaft anschaut, dann geht es den USA hervorragend. Der Economist hat, glaube ich, letzte Woche einen Titel gemacht, dass die amerikanische Wirtschaft the envy of the world sei, also dass sich die ganze Welt neiden würde. Stark Wachstumszahlen, niedrige Arbeitslosigkeit, Inflation ist mittlerweile wieder bei 2, irgendwas Prozent. Das heißt, die Sachen sehen ganz gut aus, aber die Leute spüren es noch nicht so ganz. Für mich immer die entscheidende Zahl, um hier die Situation im Land zu verstehen, ist, die Löhne sind unter Joe Biden um... Ich glaube, 19,5 Prozent gestiegen seit seinem Antritt. Das ist ordentlich. Unter Trump in seinen vier Jahren waren es nur 15,5 Prozent. Aber die Preise sind halt um 19,3 Prozent gestiegen. Während bei Trump waren es, glaube ich, 7, 8 Prozent. Also deutlich weniger. Das heißt, nach vier Jahren Trump hatte man das Gefühl, es geht mir besser als vorher. Nach vier Jahren Biden hat man bestenfalls im Durchschnitt das Gefühl, ich trete auf der Stelle.

Sprecher 3: Julian, erzähl uns mal, wie wird die Wahlnacht genau ablaufen? Welcher Start beginnt? Wann ist ungefähr mit einem Ergebnis zu rechnen?

Sprecher 9: Wenn die Umfragen korrekt sind und es so knapp wird, wie es gerade aussieht, dann kann sich das bis zum Wochenende hinziehen, bis wir ein Ergebnis haben. Wir gucken auf die Swing States und die zählen unterschiedlich schnell aus. Georgia beispielsweise wird sehr schnell fertig sein. Das kann einem schon einen gewissen Indikator geben, wo die Reise hingeht. Denn wenn Harris Georgia gewinnt, dann wird sie vermutlich Präsidentin. Gleiches gilt für North Carolina. Der zählt wohl auch eher schneller aus. Pennsylvania, wie gesagt, der entscheidende Staat. Das kann sich lange hinziehen. Die haben etwas andere Regeln, wann man anfangen kann, die Briefwahlstimmen auszuzählen. In anderen Staaten wie Nevada kann es lange dauern, bis die letzten Briefwahlunterlagen überhaupt eingegangen sind, bis man sie auszählen kann. Das heißt, wenn es knapp wird, kann das Tage dauern. Aber wenn wir uns jetzt die Umfrage anschauen und es wie gesagt gerade 50-50 steht, wenn es einen systematischen Polling-Error gibt, wie das hier heißt, also wenn die Umfragen eine oder andere Richtung um 1, 2, 3 Punkte unterschätzen, dann kann es sehr schnell gehen. Dann kann einer der beiden Kandidaten, also entweder Harris oder Trump, könnte alle Swing States gewinnen, theoretisch. Und das würde sich früh am Abend abzeichnen. Das heißt, ich sage mal, ab dem frühen Morgen deutscher Zeit ist es realistisch. wenn es halt so eine Dynamik gibt. Aber wenn es wirklich so knapp bleibt, wie die Umfragen gerade befürchten oder einen befürchten lassen, dann kann das Tage dauern.

Sprecher 3: Es gibt wieder einmal Vorwürfe, vor allem von den Republikanern, die über Wahlbetrug schon jetzt reden und da das Thema Voter-ID immer in den Vordergrund stellen. Also man muss registriert sein in den USA, um zu wählen, aber offenbar keinen Personalausweis oder so mitnehmen. Ist irgendwas an diesen Vorwürfen dran? Worum geht es da genau?

Sprecher 9: Also an diesen Vorwürfen ist im Großen und Ganzen nichts dran. Es gibt immer wieder einzelne Fälle, wo Leute gefunden werden, die wählen, die nicht hätten wählen dürfen. Aber das Brennan Center for Justice hat das mal systematisch aufgearbeitet. Da reden wir über, ich glaube, eine zweistellige Zahl über Jahrzehnte. Also wirklich nichts, was einen Wahlausgang beeinflusst. Man muss das System hier ein bisschen in seinem Kontext sehen. Es gibt in den USA keine Ausweispflicht. Niemand hier braucht einen Personalausweis. Den gibt es überhaupt nicht. Das einzige Dokument, das quasi eine ähnliche Funktion hat, ist der Führerschein. Und ein nicht geringer Bevölkerungsanteil hat nun mal keinen Führerschein, weil sie nicht Auto fahren, weil sie zu alt sind, um nicht mehr Auto zu fahren, weil sie einfach nie diese Prüfung gemacht haben. Deshalb gibt es in unterschiedlichen Staaten unterschiedliche Regeln, wie man sich quasi an den Polls im Wahllokal ausweist oder eben nicht ausweist. Eigentlich bei der Registrierung, du hast es gesagt, man ist hier nicht automatisch registriert wie in Deutschland. Quasi den Schritt gehen und sich als Wähler ins Wählerverzeichnis eintragen lassen. Wenn man das tut, muss man mit einer eidesstattlichen Versicherung, dass man Staatsbürger ist. Wenn man das nicht tut oder wenn man das fälschlicherweise tut, dann droht Gefängnis und das kriegt man dann auch, wenn man bei sowas erwischt wird. Die Republikaner, die sich sehr beschweren in letzter Zeit darüber, in den letzten Jahren schon, dass es keine Voter-ID gibt, sind aufgrund ihrer etwas tiefer verankerten Staatsskepsis, haben die auch kein Interesse daran, dass ein landesweiter Personalausweis wie in Deutschland eingeführt würde. Deshalb stehen wir dann so ein bisschen am Impasse. Die Bevölkerung unterstützt Voter-ID-Laws und es ist auch... In vielen Staaten kein großes Problem. Also es gibt Leute, die sich im Studentenausweis ausweisen. In Texas kann man es mit der Gun License machen und sowas. Also es gibt Wege, trotzdem sich auszuwählen zu tun, aber es gibt keine flächendeckende Pflicht und es gibt viele Staaten, in denen es auch überhaupt nicht notwendig ist.

Sprecher 3: Rund 170 Millionen Amerikaner sind registrierte Wähler ungefähr. Die große Sorge ist trotzdem, dass es ein Ergebnis gibt, zum Beispiel vor allem, wenn Harris gewählt werden könnte, dass Donald Trump und seine Kampagne nicht passt und es zu Unruhen führen könnte. Gibt es da bei den Bundesstaaten oder den lokalen Behörden schon entsprechende Maßnahmen oder ist das bisher nur ein Worst-Case-Szenario?

Sprecher 9: Es gibt entsprechende Maßnahmen, also gerade in Staaten wie Arizona, seit neuestem Swing State, der 1996 das letzte Mal vor 2020 für den Demokraten gestimmt hat. Da werden die Voting Center bewacht. Ich war jetzt in den letzten Wochen nicht mehr unten, aber ich höre, dass es da tatsächlich Pläne gibt, die Nationalgarde in Zweifel davor zu mobilisieren. Solche Sachen. Das kommt immer so ein bisschen darauf an. In Wisconsin sieht das alles ein bisschen anders aus als in... Georgia und wiederum in North Carolina, weil das Bedrohungspotenzial in unterschiedlichen Staaten unterschiedlich ist. Was wir nicht haben, ist, vor vier Jahren hatten wir so eine gewisse Unsicherheit, wie die örtlichen Offiziellen auf die Vorstöße der damaligen Trump-Campaign reagieren würden. Quasi etwas mit der Auszählung zu machen oder wenn da Demonstranten vor der Tür auftauchen, wie man damit umgehen soll. Vor vier Jahren haben alle diese Staaten neue Gouverneure und Secretaries of States, die das Ganze überblicken, gewählt. Und überall sitzen Leute, die in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie quasi die Sanctity of the Vote, wie es hier heißt, also die Unantastbarkeit des Wahlrechts. Der Stimmabgabe respektieren und achten. Das heißt, dass es da eine staatliche Einmischung gibt, kann ich mir nicht vorstellen. Und was ich mir auch nicht vorstellen kann, ist, dass irgendjemand überrascht wird, weil, wie gesagt, vor vier Jahren haben wir gesehen, was passieren kann. Und seitdem sind die Offiziellen in den Staaten darauf vorbereitet, dass sowas sich nicht wiederholt.

Sprecher 3: Julian Heisler, danke für deine Einschätzung, Analysen und auch Texte, die Sie da draußen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer bei table.media, alle noch nachlesen können. Danke für deine Einschätzung an diesem Morgen. Und wir hören uns in den nächsten Tagen, wenn hoffentlich endlich das Ergebnis feststeht. Vielen Dank, Julian. Vielen Dank nach Washington.

Sprecher 9: Sehr gerne, bis bald.

Sprecher 3: Helene, ob die Ampel zerbricht, Trump Präsident wird, das ist alles wichtig. Aber richtig wichtig ist die Konferenz, die am Ende dieser Woche in Berlin stattfindet, Falling Walls.

Sprecher 2: Ja, Michael, gewählt, kommen und gehen, wenn Sie jedenfalls das Ergebnis anerkennen, was wir doch hoffen. Aber die Errungenschaften der Wissenschaft, die bleiben. Der Falling Walls Summit vom 7. Bis zum 9. November, da versammeln sich die Wissenschaftler aus der ganzen Welt hier in Berlin, um ihre größten Durchbrüche zu zeigen.

Sprecher 3: Und wenn Sie wirklich die klügsten Köpfe mal live erleben wollen, Menschen, die Nobelpreise bekommen, dann schauen Sie doch einfach mal vorbei. Früher als Eintageskonferenz gestartet, inzwischen zu drei Tagen ausgewachsen. Es ist die Wissenschaftskonferenz in Deutschland und unter anderem ist der französische Physiker Alain Esberda, der 2022 den Nobelpreis bekommen hat in Quantenphysik. Und wenn Sie die Zukunftstechnologie mal näher kennenlernen wollen, dann lohnt sich eine Teilnahme bei Falling Walls.

Sprecher 2: Oder die Lektüre unseres Research Table, denn die Kolleginnen und Kollegen sind die ganze Zeit dabei und covern diese Konferenz. Und alles, was da rauskommt, werden sie für Sie aufbereiten. Schauen Sie doch mal rein unter table.media.com.

Sprecher 3: Sie hören uns hier am Mittwochmorgen in der Früh natürlich wieder. Helene und ich werden dann dicke Augenringe haben, aber das können Sie ja zum Glück nicht sehen hier bei Audio. Und deswegen seien Sie gespannt. Die US-Wahlen bei uns hier live im Podcast morgen früh ab 6 Uhr.

Sprecher 2: Und mittags bekommen Sie dann, wenn Sie möchten, von uns ein US-Wahl-Special als Berlin-Table, der dann US-Table heißt mit allen Informationen, die wir dann schon wissen. Wir sind schon ganz aufgeregt, Michael, 24 Stunden noch.

Sprecher 3: See you tomorrow here by Table Today. Wir freuen uns auf Sie. Ihr Michael Bröker.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.