Müssen jetzt auch die Öffentlich-Rechtlichen sparen, Herr Liminski?
Die Ministerpräsidenten sind in ihren Beratungen über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks offenbar auf einem guten Weg. „Wir haben schon einen großen Teil der Strecke geschafft“, sagt Nathanael Liminski, Chef der NRW-Staatskanzlei und Medienminister, im Gespräch mit Helene Bubrowski. Es gehe darum, „den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukunftsfähig zu machen, sodass er dauerhaft Akzeptanz findet. Dafür muss zum einen das Produkt stimmen, aber zum anderen auch der Preis.“
Der Minister verteidigt die Pläne, 16 ARD-Hörfunkkanäle und die Hälfte der zehn Spartensender von ARD und ZDF zu streichen. „Mir ist zunächst wichtig, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag vor allem in den Hauptprogrammen umgesetzt und erfüllt wird, also in ARD, ZDF An seiner grundsätzlichen Unterstützung lässt Liminski keinen Zweifel: „Wenn es keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gäbe, müsste man ihn erfinden.“
Der Asien-Pazifik-Raum gilt bereits jetzt als einer der wichtigsten Handelspartner für Deutschland und wird in Zukunft noch wichtiger werden. Zum einen, weil wir unabhängiger von China werden wollen, zum anderen, weil Länder wie Indien, Bangladesch oder die Philippinen immer stärker wachsen. Wir berichten von der Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft in Neu-Delhi.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Mit welchen Ländern dieser Welt können deutsche Unternehmen eigentlich noch verlässlich und vertrauensvoll zusammenarbeiten? Um diese Frage geht es derzeit auf der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Neu-Delhi. Der Bundeskanzler ist dort auch der Vizekanzler Robert Habeck und mit dabei meine Kollegin Julia Fiedler vom China Table. Und sie wird uns erzählen, was bisher passiert ist und was sie von der Konferenz und der Zusammenarbeit mit Indien erwartet. 75 Prozent der Deutschen finden, dass die Rundfunkbeiträge viel zu hoch sind und nun sollen sie noch weiter steigen. Der Streit geht um 58 Cent. Außerdem sollen ARD und ZDF einige Spartenprogramme und Rundfunksender streichen. Das Programm verschlanken. Über all das spreche ich gleich mit Nathanael Leminski, dem Chef der Staatskanzlei von Nordrhein-Westfalen und Minister für Medien. Er ist in Leipzig auf der Ministerpräsidentenkonferenz, wo genau über diese Themen gesprochen wird. Es ist Freitag, der 25. Oktober. Die Woche ist fast geschafft und diesen Tag, das verspreche ich Ihnen hier an dieser Stelle, kriegen wir auch noch hin.
Sprecher 3: The German federal government's de-risking approach aims to create a supportive environment for businesses to operate internationally and pursue innovative approaches. De-risking does not mean decoupling. It is rather the opposite. Where decoupling takes something away, de-risking leads to diversification and adds something. Germany recognizes the importance of and commands technological innovation in the Indo-Pacific. We have therefore developed initiatives to promote research and development partnerships. The same holds true for our outreach to the Indo-Pacific when it comes to the further harmonization and integration of standards and regulations.
Sprecher 2: Der Asien-Pazifik-Raum entwickelt sich unglaublich dynamisch und ist daher von größtem Interesse für die deutsche Wirtschaft. Da geht es natürlich auch immer darum, weniger abhängig zu sein von China. Insofern eine gute Idee, die Beziehungen zum Asien-Pazifik-Raum zu stärken. Genau deshalb gibt es jetzt dort eine Konferenz der deutschen Wirtschaft in Neu-Delhi. Robert Habeck, der Wirtschaftsminister, ist mit einer ganzen Delegation hingeflogen und mit dabei auch meine Kollegin Julia Fiedler vom China Table. Hallo Julia.
Sprecher 3: Hallo Helena.
Sprecher 2: Ja, sag mal, du mit Olaf Scholz, Hubertus Heil, Annalena Baerbock, Boris Bistorius und Robert Habeck in Neu-Delhi. Was macht ihr da?
Sprecher 4: Ja, was machen wir hier? Hier ist die Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft. Das ist wirklich so das Who-is-who der großen Unternehmen des Mittelstandes. Hier sind wirklich 800 Mitglieder von großen und kleineren Unternehmen. BASF ist da, die Deutsche Bank, Siemens, SAP, also wirklich sehr, sehr große Namen. Ja, und es geht bei der APK um die Themen Nachhaltigkeit, De-Risking, KI, also wirklich ganz viele Zukunftsthemen. Und De-Risking, das ist eigentlich so das Hauptschlagwort. Also es geht darum, kann Indien ein guter Partner sein, um das China-Risiko ein bisschen zu senken. Also können hier möglicherweise die Unternehmen eine Produktion aufbauen, wo sie dann ein bisschen diversifizieren können.
Sprecher 2: Also eine Konferenz in Abgrenzung zu China, Indien als Ersatz zu China, ist das so richtig verstanden?
Sprecher 4: Nee, also in Abgrenzung von China wollen es und die Unternehmen jetzt nicht unbedingt verstanden wissen. Viele der Unternehmen, die hier sind, sind ja auch in China sehr, sehr aktiv. Aber natürlich schauen die sich auch um und gucken, an welchen anderen asiatischen Ländern finden sie gute Standortbedingungen vor. Da ist eben Indien ein sehr interessanter Partner. Das Land hat sich in den letzten Jahren wirklich sehr stark entwickelt. Die Wirtschaft wächst sehr stark. Dieses Jahr rechnet man mit ungefähr sieben Prozent Wachstum. Und auch beim Aufbau der Infrastruktur hat sich viel getan. Und was noch dazu kommt, hier gibt es eben auch sehr, sehr viele Fachkräfte. Die haben hier wirklich eine gute Ausbildung, die Leute. Also es ist ein attraktiver Standort.
Sprecher 2: Wirtschaftlich ohne Zweifel, ja auch du hast das Wirtschaftswachstum erwähnt, fast 8 Prozent, da können wir Deutschen ja nur von träumen. Und trotzdem ist ja Indien die größte Demokratie der Welt einerseits und trotzdem andererseits politisch kein ganz einfacher Partner. Was man schon daran sehen kann, dass der Regierungschef Narendra Modi gerade auf dem BRICS-Gipfel war und dort mit Chinas Staatschef Xi und Russlands Präsident Putin in dieselbe Kamera gelächelt hat. Inwiefern ist der denn nun eigentlich bereit für diese Öffnung nach Westen?
Sprecher 4: Naja, Indien hat natürlich auch ein großes Interesse an dieser Öffnung nach Westen. Indien hat einige große Probleme, obwohl es sich wirtschaftlich so positiv entwickelt. Also hier werden im Durchschnitt, sagt man, pro Monat eine Million Akademiker fertig mit ihrem Studium und kommen auf den Arbeitsmarkt. Also ungefähr zwölf Millionen im Jahr. Da gibt es ein bisschen unterschiedliche Zahlen, aber so viele sind es ungefähr. Die haben nicht ansatzweise genug Jobs, um diese ganzen Menschen aufzufangen. Das ist ein riesengroßes Thema hier. Deswegen will Indien einerseits gerne ausländische Direktinvestitionen haben. Die wollen produzierendes Gewerbe anlocken, versprechen sich davon, dass damit viele Arbeitsplätze geschaffen werden. Und gleichzeitig ist natürlich das Angebot sehr interessant, was auch Hubertus Heil hier machen wird oder auch macht, Möglichkeiten zu finden, wie man indische Fachkräfte nach Deutschland holen kann, weil das ist nämlich eine absolute Win-Win-Situation.
Sprecher 2: Neben Hubertus Heil, der ja wegen der Fachkräfte unter anderem dort ist, habe ich gesagt, der Kanzler ist auch da, die Außenministerin, der Verteidigungsminister. Es gibt Regierungskonsultationen. Was hat das eigentlich für...
Sprecher 4: Ja, in der Tat. Es ist wirklich ein Riesenkabinett, was hier auffährt. Und das ist eigentlich ganz lustig, wenn man mit dem Auto durch Neu-Delhi fährt, hängen hier überall große Plakate mit Olaf Scholz drauf oder mit Scholz und Modi, wo steht herzlich willkommen, Bundeskanzler Scholz. Also es ist tatsächlich, das wird ja auch wirklich sehr positiv antizipiert, dieser Besuch. Deutschland setzt so ein bisschen drauf, auch vor allem diesen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien einen Schubs zu versetzen. Das stockt ja wirklich seit Jahren. Ich glaube, da wird seit ungefähr 20 Jahren darüber verhandelt und das liegt teilweise dann jahrelang wieder still. Da gibt es sehr, sehr viele Differenzen. Aber Deutschland will da eben so einige Drähte legen und einige Kompromisse finden. Und das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema hier.
Sprecher 2: Ja, interessant, auch insbesondere für die Grünen, die ja ehemals heftige Gegner waren von Freihandelsabkommen. Jetzt ist Robert Habeck zu einem Fürsprecher geworden, macht sich auch für dieses Abkommen stark. Aber in der Tat, die Geschichte ist frustrierend. Seit Jahren geht nichts voran. Julia, du wirst für uns beobachten, ob diese Regierungskonsultationen den Durchbruch bringen. Danke, dass du heute bei uns warst.
Sprecher 4: Danke, Helena. Tschüss.
Sprecher 2: Bei uns am Tisch sitzt jetzt zumindest virtuell Nathanael Leminski. Er ist in Wahrheit in Leipzig bei der Ministerpräsidentenkonferenz. Sie kennen ihn sicherlich als Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei. Er ist aber auch Minister für Medien und darüber wollen wir heute sprechen, nämlich über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Hallo Herr Leminski.
Sprecher 5: Guten Morgen, Frau Boboski.
Sprecher 2: Ja, schön, dass Sie da sind und sich Zeit nehmen. Es geht um die Pläne der Rundfunkkommission, die ja vorgeschlagen hat, einige Spartenkanäle, und zwar insgesamt zehn, von AND und ZDF zu streichen. Außerdem geht es um Finanzierung. Da hat die KEF, die Finanzkommission, empfohlen, schon im Februar den Beitrag zum 01.01. Um 58 Cent zu heben. Über beide Punkte gibt es Streit. Erzählen Sie uns doch erstmal, sind die Ministerpräsidenten in Leipzig zu einer Einigung schon gekommen oder müssen die heute den ganzen Tag noch weiter verhandeln?
Sprecher 5: Bisher gibt es keine Verständigung innerhalb des Länderkreises unter den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten. Allerdings haben wir schon einen großen Teil der Strecke geschafft. Wir sind als Länder entschlossen, einen Reformstaatsvertrag ins Werk zu setzen. Und ich glaube, das, was wir zusammengetragen haben an Maßnahmen, verdient auch den Namen Reformstaatsvertrag, weil es dazu angetan ist, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dahingehend zukunftsfähig zu machen, dass er dauerhaft Akzeptanz findet. Und dafür muss zum einen das Produkt stimmen, aber zum anderen auch der Preis. Und darum geht es uns bei diesem großen Reformstaatsvertrag.
Sprecher 2: Ja, lassen Sie uns das mal ein bisschen aufdröseln. Der Beitrag soll nach der Empfehlung der KF auf 18,94 Euro pro Monat steigen zum 1.1. Das sind 58 Cent mehr. Man kann jetzt sagen, das ist immer noch weniger, als ein DAZN-Abo kostet im Monat. Und da kann man nur ein paar Fußballspiele angucken. Und trotzdem sorgt diese Beitragssteigerung für Unmut, auch unter den Ministerpräsidenten. Wie ist denn da Ihre Meinung und wie ist das Meinungsbild unter den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten? Denn, Sie haben es gesagt, es muss ja Einigkeit herrschen. Ansonsten kommt der Vertrag nicht zustande. Wie sehen Sie das? Sind 58 Cent gerechtfertigt?
Sprecher 5: In der Tat brauchen wir am Ende die Zustimmung von 16 Landtagen für diesen Staatsvertrag. Und wir haben in der Vergangenheit erlebt, wenn das in einem Land nicht geht, dann kommt es nicht dazu und dann muss Karlsruhe entscheiden. Und 58 Cent für sich genommen hören sich natürlich erst einmal nicht viel an. Es handelt sich hier um einen Pflichtbeitrag. Anders als das Abo von der Sohn, was Sie angesprochen haben, oder Netflix oder andere, kann ich hier als Kunde nicht selber entscheiden, ob ich das kaufen will oder nicht, sondern alle Haushalte sind dazu verpflichtet, eine solche Pflichtabgabe, einen solchen Pflichtbeitrag zu leisten. Und insofern unterliegt... Das natürlich besonderen Rechtfertigungspflichten, das muss man einfach anerkennen. Und man muss auch anerkennen, dass die Haltung gegenüber einem solchen öffentlich-rechtlichen Rundfunk deutschlandweit sehr stark variiert. Es gibt Länder, da ist das gar keine Diskussion. Da wird das gar nicht erst groß wahrgenommen in den Landtagen, dass man hier an der Stelle sozusagen die Käf-Empfehlung umsetzt. Und es gibt andere Länder, gerade auch in den neuen Bundesländern, wo das ein echtes Politikum darstellt, wo auch in Wahlkämpfen nach Migration, Sicherheit, der öffentlich-rechtliche Rundfunk eines der prominenten Themen ist, das die Menschen umtreibt. Und das alles muss einfließen in die gemeinsame Entscheidung der Ministerpräsidenten. Und ich werbe immer dafür, sich da nicht gegenseitig mit Vorwürfen zu überziehen, sondern anzuerkennen, dass hier letztlich alle versuchen, ihrer jeweiligen Verantwortung gerecht zu werden. Ziel muss natürlich sein, dass wir neben Festlegungen zur Struktur mit Blick auf die sachlichen Reformen auch eine Entscheidung als Länder fällen für eine verlässliche Finanzierungsperspektive für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Denn wenn man sich diese Zeit anschaut und anschaut, welche Rolle Medien in dieser Zeit spielen und auch Medienvielfalt, dann glaube ich, sollte alle Demokraten ein, wenn es keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gäbe, man müsste ihn erfinden. Und insofern gehört es auch zur Pflicht der Länder, hier an der Stelle jetzt auch für Klarheit zu sorgen.
Sprecher 2: Sie können jetzt natürlich noch nicht sagen, wie die Abstimmung ausgeht. Ich höre zwischen den Zeilen durch, dass jedenfalls Nordrhein-Westfalen sich die Zeit... 58 Cent wohl nicht versperren würde. Kommen wir nochmal auf die Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu sprechen. Die kommt ja nicht nur aus rechtspopulistischen Lagern, sondern auch von Wirtschaftsverbänden ist zu hören. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk teilweise tendenziös sei, dass zum Beispiel die Wirtschaft immer sehr kritisch beäugt werde und dass eben das auch ein Problem für die Akzeptanz und am Ende auch für die Gebührenerhöhung ist, weil man mit dem inhaltlichen Angebot nicht so zufrieden ist. Wie beurteilen Sie das?
Sprecher 5: Es ist in der Tat ein Problem, dass die Fehlerkultur im öffentlich-rechtlichen Rundfunk über viele Jahre und Jahrzehnte nicht besonders ausgeprägt war. Und je mehr er sozusagen infrage gestellt worden ist von bestimmten Parteien oder gesellschaftlichen Kräften, desto mehr ist zu beobachten, dass es so einen gewissen Wagenburg-Effekt gibt. Und manche meinen, es sei die letzte Bastion der Demokratie. Das ist es nicht, aber es ist eine wichtige Säule dieses demokratischen Gemeinwesens. Und deswegen werbe ich dafür, dass wir wie selbstverständlich davon ausgehen, dass auch in einem solchen Mediensystem Fehler stattfinden, dass diese auch beim Namen genannt werden müssen und dass sie auch korrigiert werden müssen. Ja, auch, dass man sich dafür entschuldigen muss. Das ist ganz wichtig. Mir ist wichtig, dass gerade ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk seine Akzeptanz auch darüber herleitet, dass er eine Binnenpluralität in seinen Redaktionen sicherstellt, also unterschiedlichste Perspektiven der Gesellschaft auf Themen, Stellung zulässt. Und da darf es sozusagen nicht so einen Rudel-Effekt geben oder auch kein Bias in der Perspektive, etwa dadurch, dass Redaktionen nur noch bestimmte Themen sehr prioritär behandeln. Das ist eine Führungsaufgabe, die muss im redaktionellen Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wahrgenommen werden. Da gibt es natürlich auch Fehler und insofern muss daran gearbeitet werden. Das ist ein Kritikpunkt, den man gelten lassen muss.
Sprecher 2: Kommen wir mal zu den Plänen der Rundfunkkommission, Herr Leminski. Und die sehen ja vor, dass 16 ARD-Hörfunkkanäle und die Hälfte der 10 Fernsehspartensender von ARD und ZDF wegfallen sollen. Jetzt kann man sagen, einerseits in allen auch großen Zeitungsverlagen wird derzeit kräftig entgespart, teilweise werden Stellen gestrichen, also warum nicht auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Geht es natürlich gerade um das Angebot, das der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich leisten kann, eben also auch Spartensender, gerade im Kulturbereich geht es ja um die sehr umstrittene Zusammenlegung von Dreisat und Arte. Haben Sie nicht Sorge, dass auch ein Stück Medienvielfalt verloren geht?
Sprecher 5: Mir ist erst einmal wichtig, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag vor allen Dingen in den Hauptprogrammen umgesetzt und erfüllt wird. Also ARD, ZDF, Deutschlandradio und auch in den Dritten. Und dass nicht dieser Auftrag sozusagen auf Spatenkanäle abgeschoben wird. Die Spatenkanäle sind eine wichtige Ergänzung. um sozusagen zusätzlich sichtbar zu machen, wofür es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk braucht, als gesellschaftliches Angebot. Und uns ist dabei wichtig, dass wir die Kernbestandteile des öffentlich-rechtlichen Auftrags künftig auch in Spatenkanälen zum Ausspiel bringen. Das wird im Bereich Kultur möglich sein, das wird im Bereich Information, Bildung, Dokumentation möglich sein und das wird auch im dritten Bereich möglich sein, wenn es darum geht, bestimmte jüngere Zielgruppen zu erreichen. Allerdings muss man sagen, dass sich durch die Digitalisierung, durch die Einführung von Mediatheken, durch das veränderte Mediennutzungsverhalten die Realität natürlich auch rasant gewandelt hat. Wenn ich also früher, nachdem etwas im Hauptprogramm gezeigt worden ist, die Spatenkanäle auch dafür brauchte, damit es noch einmal gezeigt werden kann, dann ist das eine Fragestellung, die sich in Zeiten von Mediatheken überhaupt nicht mehr stellt. Und insofern muss auch hier die Struktur mit der Zeit gehen. Und uns ist wichtig, dass das im Rahmen einer Fokussierung auch vorgenommen wird. Sonst sind damit natürlich immer auch Kosten verbunden. Erst recht mit einer terrestrischen Ausstrahlung. Und deswegen ist es wichtig, dass hier Zukunftsfähigkeit auch dadurch umgesetzt wird, dass es zu einer Fokussierung kommt. Das ist bei den Spatenkanälen aus meiner Sicht gelungen in dem jetzigen Entwurf des Reformstaatsvertrags.
Sprecher 2: Auch da werden wir sehen, ob der einem nicht nur Mehrheit, sondern eine Einstimmigkeit findet. Eine letzte Frage noch, Herr Leminski, und die treibt Menschen wie mich um, die bei privaten Zeitungsverlagen arbeiten. Und man dann sieht, dass zum Beispiel tagesschau.de oder andere Websites von öffentlich-rechtlichem Rundfunk, dass dort Texte publiziert werden, die gebührenfinanziert sind, während wir versuchen müssen, mit unserem Text auf dem freien Markt Leser zu finden, die dafür zu bezahlen. Das wird als Ungerechtigkeit empfunden. Und ist ja auch ein Thema, mit dem sich die MPK beschäftigt, oder?
Sprecher 5: Ja, wir aus Nordrhein-Westfalen als Heimat vieler Medien, sowohl eines starken öffentlich-rechtlichen Senders des WDR, aber auch starker Verlage und auch starker Privatrundfunkanstalten, haben eingeführt in die Verhandlungen, dass wir bei einem großen Reformstaatsvertrag auch die Mitbewerber im Blick haben müssen. Und zwar sowohl im Bereich Privatrundfunk als auch im Bereich der Verlage. Mit Blick auf die Presseähnlichkeit heißt das, wir reden hier über einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Das heißt, der Schwerpunkt muss auf Audio- und Bewegtbildangeboten liegen. Sonst haben Verlage nicht die nötige Luft zum Atmen, um ihr Angebot, für das man ja extra nochmal zahlen muss, an den Mann, an die Frau zu bringen. Natürlich wird es auch künftig Texte auf öffentlich-rechtlichen Telemedienangeboten geben, wenn es um Aktualität geht, um Schlagzeilen, um Hintergrundinformationen. Aber eben in dem Rahmen, der zusätzlich notwendig ist, aber eben nicht ausufernd. Und deswegen ist das auch unter Fernes Gesichtspunkt. Ein ganz wichtiger Beitrag aus diesem Rundfunkstaatsvertrag.
Sprecher 2: Einen allerletzten Punkt müssen wir doch noch klären, Herr Leminski, und der betrifft die Frage, ob eigentlich das Vorurteil stimmt, dass in den Rundfunkanstalten, insbesondere auf Ebene der Intendanten, immer noch in Saus und Braus gelebt wird. Patricia Schlesinger ist das Schlagwort, das vor kurzem für Frohre sorgte und das Bild entstehen ließ, dass dort mit dem Geld der Menschen jetzt 58 Cent mehr wirklich gearst wird. Sie sind viel näher dran als Medienminister. Wie ist da Ihre Einschätzung?
Sprecher 5: Ich glaube, dass der RBB-Skandal eine tatsächliche Entgleisung war. Er war der Ausgangspunkt für viele der Reformüberlegungen, die jetzt zum Tragen kommen, weil es ein Exzess war, eindeutig. Und deshalb ist es wichtig, dass wir an der Stelle jetzt auch in diesem Reformstaatsvertrag einführen, dass sich Gehälter durch alle Ebenen hindurch bis hinauf zur Führung am öffentlichen Sektor zu orientieren haben. Das ist wichtig, dass wir für die Führungsposition gute Leute im Wettbewerb bekommen. Aber man muss auch einsehen, es ist ein Unterschied, ob ich in der Privatwirtschaft ein Unternehmen verantworten muss, mit allen Risiken, die damit verbunden sind, oder ob ich einen öffentlich-rechtlichen Sender führe, dessen Finanzierung erst einmal gesichert ist. Und deswegen, glaube ich, haben wir hier jetzt einen Maßstab eingeführt, der dafür sorgt, dass das ordentliche Gehälter sind, aber eben keine Exzesse.
Sprecher 2: Vielen Dank, Herr Leminski, für diese Einschätzung. Sie eilen jetzt wieder zur MPK. Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben, trotz der Hektik dieser Tage. Und insbesondere danke, dass Sie, und das kommt wirklich nicht sehr oft vor, in einer laufenden MPK noch bevor die Beschlüsse stehen, mit uns gesprochen haben. Die allermeisten warten ab, bis die Pressemitteilung draußen ist und reden erst dann. Dafür gilt Ihnen mein ganz besonderer Dank.
Sprecher 1: Dankeschön.
Sprecher 2: Zum Schluss ein kleiner Reminder für Sie. In der Nacht zum Sonntag werden die Uhren wieder umgestellt. Wenn Sie so wollen, haben wir also eine Stunde länger Wochenende. Dafür ist es dann am Montag um 18 Uhr schon wieder zappenduster, beziehungsweise eigentlich schon am Sonntag. Aber am Sonntag merkt man es immer nicht so doll. Ich finde, es ist dann immer ein kleiner Schock, wenn man nach Hause geht und es ist stockdunkel. Und ich finde, das ist ein zu hoher Preis, den man zahlt für diese eine Stunde länger schlafen an einem einzigen Tag. Denn das ist ja dann irgendwie auch schon wieder aufgefressen. Naja, ich bin gar kein so großer Gegner der Zeitumstellung, weil ich es im Sommer dann immer so schön finde, wenn es abends plötzlich wieder so lange hell ist. Aber eigentlich sollte die Zeitumstellung ja längst abgeschafft sein. Vielleicht erinnern Sie sich, die EU hat sich im Jahre 2018 schon darauf geeinigt. Mit Ausnahme von Griechenland und Zypern waren damals alle Mitgliedstaaten dafür. Und warum stellen wir dann eigentlich immer noch die Zeit um? Ganz einfach. Einfach und ziemlich kurios, weil sich die EU bisher einfach nicht einigen konnte, welche Zeit denn nun gelten soll. Die Sommerzeit oder die Winterzeit. Und deswegen stellen wir alle halbe Jahre um und eben auch das eine Mal am letzten Oktoberwochenende. Aber auch das werden wir noch schaffen. Und jetzt haben wir eine ganze Woche gemeinsam geschafft ohne Michael Bröker. Am Montag, das ist die gute Nachricht, ist er wieder da und dann werde ich für ein paar Tage Urlaub machen. Ich freue mich jetzt schon drauf, dass ich am Montag in einer Woche wieder hier an diesem Mikrofon sitzen darf. Machen Sie es gut bis dahin, bleiben Sie vor allem gesund und munter. Ihre Helene Bobrowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.