Droht ein Aufstand nach der US-Wahl, Frau Haber?
Emily Haber, die frühere deutsche Botschafterin in den USA, befürchtet, dass viele Bürger das Wahlergebnis nicht akzeptieren werden, wenn Donald Trump nicht gewinnt. Das Narrativ der „gestohlenen Wahl“ sei tief in die amerikanische Gesellschaft eingesickert, sagt Haber im Gespräch mit Helene Bubrowski. Viele Amerikaner fühlten sich durch die Verfassung berufen, ihr Land gegen den Staat verteidigen zu dürfen.
2025 drohen steigende Rentenbeiträge. Damit könnten die gesamten Sozialversicherungsbeiträge ausgerechnet im Bundestagswahljahr die bisherige Rekordmarke von 42 Prozent aus dem Krisenjahr 2003 erreichen. Das erfuhr Table.Media aus Regierungskreisen mit Bezug auf den Rentenversicherungsbericht, der in der kommenden Woche fertiggestellt werden soll. Aufgrund gestiegener demografischer Kosten und sinkender Rücklagen müssten die Rentenbeiträge wohl von aktuell 18,6 Prozent auf mindestens 18,7 Prozent steigen, hieß es.
Ein Schwerpunktthema des EU-Gipfels heute und morgen ist die Migration. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat einen Zehn-Punkte-Plan vorgelegt, der unter anderem schärfere Abschieberegeln vorsieht. Umstritten sind Abschiebezentren in Drittländern, wie Italien sie in Albanien eingerichtet hat.
Table.Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/registrierung.
Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlman@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Das Leben in Deutschland, es wird auch im kommenden Jahr wohl noch wieder einmal teurer. Denn die Sozialabgaben, also das, was Sie für die Pflege, für die Krankenversicherung, für die Rente, für die Arbeitslosenversicherung alles bezahlen müssen und vom Lohn abgeht, die könnten im nächsten Jahr auf den vielleicht Rekordwert von 42 Prozent des Bruttolohns steigen. Wir analysieren, warum es dazu kommen könnte.
Sprecher 3: Der Ton in der Migrationspolitik der EU wird rauer. Immer mehr Mitgliedstaaten wollen härtere Asylregeln und jetzt schaltet sich Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein. Sie hat einen Zehn-Punkte-Plan verschickt. Wir analysieren ihre Vorschläge.
Sprecher 2: In 19 Tagen ist es endlich vorbei. Diese US-Präsidentschaftswahlen werden dann entschieden sein, die wahrscheinlich so polarisierend waren wie nie zuvor. Kamala Harris oder Donald Trump, wir werden es dann wissen. Aber was ist danach? Bis ein Sieger feststeht, drohen vielleicht wieder Ausschreitungen oder doch nicht. All das hat Helene Bubrowski mit Emily Haber, der früheren deutschen Botschafterin in den USA, besprochen.
Sprecher 3: Wieder eine Menge los. Heute ist es Donnerstag, der 17.10. Noch ein Tag bis zu den Herbstferien. Auf geht's!
Sprecher 2: Weniger Netto vom Brutto, das ist mein Thema heute und es ist vielleicht eines der unterschätzten und explosivsten Themen, die im Bundestagswahlkampf aufploppen könnten. Denn Sie erinnern sich vielleicht an Gerhard Schröders Regierungsjahre und das große Wirtschaftsdesaster im Jahre 2003. Damals hatten wir nicht nur eine sehr hohe Arbeitslosigkeit, wir hatten vor allem auch eine Rekordbeitragsquote, nämlich bei 42 Prozent lagen die Sozialversicherungsbeiträge. Und das ist natürlich, jeder weiß es, die Verteuerung des Faktors Arbeit bedeutet für die Unternehmen, sie stellen weniger Menschen ein. Und dahin, in diese Richtung könnte es nun wieder gehen, denn die Krankenversicherungsbeiträge, sie steigen. Wir haben hier immer wieder darüber berichtet, die Pflegebeitragssätze sollen steigen, eventuell um 0,2 oder 0,3 Prozent. Und so wie wir hören, könnte nächste Woche im Rentenversicherungsbericht auch ein klitzekleiner Anstieg des Rentenversicherungsbeitrags von aktuell 18,6 Prozent auf 18,7 Prozent drinstehen. Und damit wären wir dann bei fast 42 Prozent. Und das ist der bisherige Rekordwerk in der Bundesrepublik Deutschland. Und die Ampel, sie hätte ein erneutes Problem. Denn wir können alle unsere Sozialleistungen, den Sozialstaat, nicht immer wieder und immer neu auf den Faktor Arbeit setzen. Das bremst die Wirtschaft, das verhindert vor allem neue Jobs. Neue, gute und gut bezahlte Jobs. Es wird einen großen Maßnahmenplan zur Reduzierung der Lohnnebenkosten in diesem Land geben müssen. Und ich verspreche Ihnen, im Bundestagswahlkampf wird die Debatte darüber eröffnet. Es hat allerdings auch noch einen kleinen Nebenaspekt, der diese Ampel jetzt schon betrifft. Denn das Rentenpaket 2, es ist strittig, weil die SPD dort... Die Rentenniveau-Fixierung von 48 Prozent als unverhandelbar über den Kabinettstisch längst hat laufen lassen und die FDP dies nur schluckt, wenn zugleich die Kapitaldeckung in der Rente nach oben geschraubt wird. Also könnte es durch solche neuen Rentenmeldungen nochmal zu einem Eklat in der ohnehin sehr fragilen Rentenfrage kommen. Wenn Sie jetzt schon wissen wollen, was bei den Sozialversicherungen los ist, empfehle ich Ihnen den Berlin-Table von gestern Abend. Table.media slash Berlin, unser kostenloser Hauptstadt-Newsletter. Einfach jetzt bestellen und durchlesen. Dieses Thema, Sie werden es auch an dieser Stelle hier noch öfter hören.
Sprecher 4: Herr Bundeskanzler, als Nummer 1 auf der Tagesordnung des Europäischen Rates morgen steht die Migrationskrise in Europa. Zu diesem Thema haben Sie in Ihrer fast halbstündigen Regierungserklärung zum Tagesordnungspunkt 1 kein einziges Wort gesagt.
Sprecher 5: Kein einziges Wort gesagt.
Sprecher 3: Michael, mein Thema ist die Migrationspolitik und diesmal nicht die deutsche, sondern die in der EU. Die Staats- und Regierungschefs der EU sitzen heute und morgen zusammen, um über dieses wichtige Thema und natürlich auch andere wichtige Themen, aber vor allem über dieses wichtige Thema zu sprechen. Und Ursula von der Leyen ist jetzt zur zentralen Akteurin in diesem Bereich mutiert. Sie hat einen sechs Seiten langen Brief verschickt. Sie lobt, wenig überraschend, die neue Asylreform GEAS, aber sie schlägt auch zehn weitere Maßnahmen vor.
Sprecher 2: Endlich, endlich wacht auch Frau von der Leyen mal auf, denn das Thema muss dringend auf EU-Ebene jetzt mal ernsthaft angegangen werden. Und ich bin überrascht, aber positiv überrascht, dass sie jetzt auch Asyl- und Abschiebezentrum in Drittstaaten außerhalb Europas zumindest diskutieren will. Die Italiener haben bereits angefangen, Migranten, Zuwanderer, Flüchtlinge nach Albanien zu schicken, um dort die Asylverfahren zu machen. Es ist laut... Verschiedenen Migrationsforschern natürlich auch ein Signal für die Flüchtlinge da draußen. Damit wird klar, dass es Asylverfahren auch außerhalb von EU-Staaten geben darf. Und Frau von der Leyen hat sich jetzt an die Spitze dieser Bewegung gestellt, vielleicht auch nach dem Frühstück mit Friedrich Merz die Unionsposition dort übernommen.
Sprecher 3: Ja, das ist jedenfalls offenbar so, dass Friedrich Merz sich wünscht von Ursula von der Leyen, dass sie hin und wieder auch mal eine CDU-Position stärker vertritt. Und in diesem Punkt, das ist ja eines der Hauptpunkte der Union in der Migrationspolitik, Asylverfahren in Drittstaaten, kommt sie... Der Union kann man sagen, entgegen und setzt die Ampel damit ja unter Druck.
Sprecher 2: Es gebe ja bereits klare Kooperationspflichten für Migranten, die Europa verlassen müssen, schreibt sie in dem Brief. Also die Tonlage ist schon ziemlich eindeutig und sie nennt eine Zahl, nämlich nur 20 Prozent jener Migranten, die gehen müssten, werden bisher tatsächlich aus europäischen Ländern abgeschoben. Also der Druck steigt. Viktor Orban und Frau Meloni dürften sich freuen.
Sprecher 3: Ja, und nicht nur die. Man muss ja sagen, insgesamt hat sich in der Migrationspolitik nicht nur in Deutschland, sondern in Europa einiges geändert. Die Polen, und zwar nicht eine PiS-Regierung, sondern unser Freund Donald Tusk, über dessen Wahlsieg wir uns alle in Deutschland sehr gefreut haben, oder viele jedenfalls sich sehr gefreut haben, will das Asylrecht für eine gewisse Zeit komplett außer Kraft setzen. Und auch die Franzosen stehen für einen strengeren Kurs in der Migrationspolitik, die Niederländer sowieso. Und auch Deutschland will nun, dass das GEAS in der Umsetzung vorgezogen wird.
Sprecher 2: Und ich erinnere an Joachim Stamp hier in diesem Podcast, der als Rückführungsbeauftragter der Bundesregierung ja klar gemacht hat, dass gerade diese eingeschleusten Flüchtlingswege über Belarus, die Putin auch gezielt nutzt, um Europa zu destabilisieren, dass man diese Flüchtlinge doch wenigstens über Drittstaatsverfahren vielleicht regeln lassen sollte, um auch ein Signal an Putin und Herrn Lukaschenko zu senden. Also da gibt es jetzt neue Bewegungen. Und Helene, interessant, ausgerechnet Melonis Flüchtlingslager in Albanien gilt für Frau von der Leyen und damit für eine Mitte-Politikerin Europa jetzt als... Beispielhaft, als Benchmark. Wir reden über Frau Meloni. So hat sich die Debatte auch gedreht.
Sprecher 3: Einen letzten Punkt, Michael, noch. Es war ein großer Erfolg, dass es tatsächlich den Europäern gelungen ist, in der vergangenen Legislaturperiode das GEAS noch zu beschließen. Es war lange unsicher. Sie haben es geschafft und haben gesagt, jetzt zeigt sich Europa handlungsfähig in der Migrationspolitik. Man kriegt doch irgendwas zustande. Und jetzt auf diesem Gipfel, so würde ich meine steile These heute Morgen formulieren, wird sich zeigen, ist Europa wirklich handlungsfähig oder lassen sie sich wieder auseinander dividieren und die autoritären Staaten dieser Welt reiben sich die Hände und sagen, guckt mal, ihr kriegt es doch nicht hin.
Sprecher 2: Und was passieren könnte, Helene, und auch das, finde ich, wäre sehr positiv zu bewerten, dass das GEAS vorgezogen wird, nämlich das eigentlich ja erst 2027 in Kraft treten sollte oder 2026 in Teilen, vielleicht schon nächstes Jahr auf nationaler Ebene umgesetzt werden könnte. Frau Dröge hat ja neulich bei Markus Lanz gesagt, die Flughafen-Asylverfahren könnten bereits in nationales Gesetz umgesetzt werden. Ich muss sagen, das ist, glaube ich, das am wenigsten relevante Element der GEAS, denn kaum ein Flüchtling kommt, glaube ich, über das Flugzeug hier rein. Aber egal, jedenfalls wird GEAS schneller kommen müssen.
Sprecher 3: Das jedenfalls wäre ein Signal der Handlungsfähigkeit und auch das Signal, dass Migrationspolitik, und ich habe es schon so oft gesagt, auch Kommunikationspolitik ist.
Sprecher 2: Die Wahl in den USA, sie wird eindeutig ausgehen. Kamala Harris wird gewinnen. Das sagt zumindest der berühmte amerikanische Filmemacher Michael Moore. Nun ist er bekanntlich ohnehin ein Fan der Demokraten, aber seine These, Frauen, sie würden zu den Wahlurnen strömen, weil das nationale Recht auf Abtreibung durch den obersten Gerichtshof gekippt worden ist.
Sprecher 6: Well, I honestly think we're going to have one of our largest turnouts ever. I don't think that many people are going to stay home. I certainly hope not because of everything that's at stake. Democrats, they're such a frightened group of people. I mean, people, they still think that Trump is going to win. This is kind of shocking to me. Like, don't you live?
Sprecher 2: Auf der anderen Seite gibt es durchaus auch Meldungen aus amerikanischen Medien, die einen Swing in Richtung Donald Trump sehen, der in den letzten Tagen und Wochen in den Umfragen aufgeholt hat, weil er bei den Wirts... Schaftsthemen punktet. Also ich sage Ihnen, am Ende ist es 50-50. Wir fragen uns heute an diesem Morgen, wie schätzt eigentlich Emily Haber die Situation ein? Sie ist eine der renommiertesten Diplomatinnen, die wir im deutschen Staatsdienst haben. Sie war Staatssekretärin im Auswärtigen Amt von 2011 bis 2013 und dann nochmal von 2014 bis 2018 im Bundesministerium des Innern. Aber vor allem war sie in den letzten fünf Jahren Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in den USA. Mit ihr hat jetzt Helene Bubrowski gesprochen. Los geht's.
Sprecher 7: Grüß Sie, Frau Bukowski.
Sprecher 3: Ja, ich hoffe, Frau Haber, Sie haben Ihre Glaskugel dabei, denn natürlich werde ich Sie fragen, wer wird am 5. November in Amerika gewinnen? Kamala Harris oder nochmal Donald Trump?
Sprecher 7: Einer von beiden.
Sprecher 3: Das ist die Antwort einer Diplomatin. Derzeit liegt ja Harris immer noch leicht vorne, jedenfalls in den bundesweiten Umfragen, die ja, wie wir wissen, nicht relevant sind. Am Ende geht es um das Electoral College. Meinen Sie, dass das jetzt nach Ihrer Erfahrung von der Beobachtung amerikanischer Wahlkämpfe, sind es ja noch immerhin drei Wochen. Kann man sowas über die Ziellinie bringen oder sind da noch Disruptionen zu erwarten?
Sprecher 7: Immer weniger Disruptionen zu erwarten, weil bis zum Wahltag, das sagen die Berechnungen heute, etwa 60 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben haben wird. Es macht also das, was man Oktober Surprises nennt, relativ unwahrscheinlich. Aber der Trend ist schon klar. Erstens ist es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zweitens sind die... Rischen, unglaublich klein, waren sie auch das letzte Mal. Alle Berechnungen zeigen, wir sind mitten innerhalb der Fehlermargen.
Sprecher 3: Wahrscheinlich werden wir am 6. Morgens noch nicht wissen, wie es ausgeht. Wahrscheinlich wird die Auszählung dauern. Es ist aber auch zu erwarten, dass eben aufgrund der wahrscheinlich sehr knappen Ergebnisse in einigen Staaten, das Ganze vor die Gerichte gebracht wird. Wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen, das glauben Sie?
Sprecher 7: Ganz gewiss nicht am 6. Darauf würde ich meine Hand verwetten. Also es ist so, dass es zwei Sorten von Verfahren gibt. Das erste ist die lange Latte von Verfahren vor den eigentlichen Wahlen. Da geht es um den Zugang zu Wahlurnen, um Absentee-Ballots, da geht es um Prozeduren, um Auszählungsrichtlinien und so weiter. Die Wirkung dieser Verfahren ist, ein Klima der Unsicherheit und auch der Illegitimität zu schaffen. Und dann gibt es die Verfahren, mit denen wir rechnen müssen nach dem Wahltag. Da wird es dann um Auszählungen gehen, dann wird es um Stichtage gehen, da wird es um Unregelmäßigkeiten gehen, da wird es möglicherweise darum gehen, dass einzelne Wahlkommissionen sich weigern zu zertifizieren, weil sie Zweifel haben. Das eigentliche Stichdatum ist in diesem Jahr bei diesen Wahlen der 17. Dezember, 41 Tage nach dem Wahltag. Bis dahin müssen die Elektoren für das Wahlpersonengremium bestimmt sein. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering. dass wenn es konkurrierende Verfahren gibt und eine Unklarheit über Ungleichbehandlung, dass der oberste Gerichtshof eingeschaltet werden wird.
Sprecher 3: Und die Frage ist ja auch, inwiefern Politik auf die Gerichte Einfluss nimmt. Wir erinnern uns alle daran, als Trump das letzte Mal dem Gouverneur von Georgia gesagt hat, find those 20.000 votes oder was auch immer die Größenordnung war, was ihm ja in seiner Wählerschaft nicht geschadet hat. Was meinen Sie, wird es das wiedergeben, also dieser große Druck, den dann der mögliche Wahlverlierer oder auch Gewinner, vermeintliche Gewinner, Trump ausübt, um das Ergebnis noch nachher zu korrigieren?
Sprecher 7: Der große Unterschied zum Jahr 2020 ist, dass damals die, wenn Sie so wollen, Kampagne gegen die Legitimität der Wahl von ganz oben kam. Jetzt sind beide Seiten im Übrigen sehr viel stärker vorbereitet auf eine solche Entwicklung und auf republikanischer Seite vorbereitet, die Legitimität der Wahlen zu hinterfragen. In West Virginia zum Beispiel hat der Deutsche Kongress gerade eine Resolution angenommen, wonach die Zertifizierung der Wahl nicht erfolgen kann, wenn die Republikaner nicht gewonnen haben und substanzieller Zweifel an dem Wahlergebnis bestehen kann. Nun, in West Virginia werden die Republikaner sowieso gewinnen, deswegen ist es nicht relevant, aber es zeigt den Geist und es zeigt, wie stark in der Breite die Politik der Illegitimität von Wahlen angekommen ist.
Sprecher 3: Das heißt, wir müssen Riots und auch... Aufstände befürchten wie am 6. Januar 2021?
Sprecher 7: Also es gibt auch eine Gegenbewegung und zwar eine massive Gegenbewegung, organisiert von der Zivilgesellschaft, organisiert auch sozusagen durch Heerscharen von Anwälten, die sich in einzelnen Risikos bewusst sind. Also es gibt eine Gegenbewegung und es gibt auch Guardrails. Aber ja, das Narrativ von gestohlenen Wahlen ist jetzt Teil der amerikanischen Erzählung geworden. Und dazu gehört auch die Vorstellung, dass wenn Wahlbetrug vorliegt, wenn Illegitimität vorliegt, dass dann auch ein Recht gegeben ist, sich dem zu widersetzen. Und das ist eng verknüpft mit der Tradition eines amerikanischen Freiheitsbegriffes, der nicht nur individuelle Freiheiten umfasst, sondern auch die Freiheit von. Das heißt also, das Recht, sich gegen Übergriffigkeit und Machtmissbrauch zu widersetzen. Bei dem Sturm auf das Kapitol 2021 konnten Sie zum Beispiel über die Fahnen sehen, 1776. Das war gewissermaßen eine Neuinszenierung einer amerikanischen Rebellion zum Schutz von Demokratie. Für uns klingt das grotesk, aber es ist sozusagen ein Teil und ein Echo der amerikanischen Selbsterzählung.
Sprecher 3: Ich wollte noch kurz Sie fragen nach den Republikanern, nach der Republikanischen Partei. Wie viele, ich sage mal, Anständige gibt es noch bei den Republikanern? Und was haben Sie noch zu sagen?
Sprecher 7: Also richtig ist, dass spätestens seit 2010, seit dem Entstehen der Tea Party, wir sukzessive die Übernahme der Partei durch die Bewegung verfolgen konnten. Es ist interessant zu sehen, dass 2012 nach der verlorenen Wahl durch Romney damals ein Postmortem angestellt worden ist und die Republikanische Partei kam zum Ergebnis, dass sie sich für sehr viele diversere Wählergruppen öffnet müsse angesichts der demografischen Veränderungen in Amerika. Und das Gegenteil ist geschehen im Jahr 2016. Im Übrigen muss ich Ihnen sagen, ganz egal wer diese Wahl gewinnt, die Parteien sind ungefähr gleich groß. Beide Parteien bestimmen den politischen Diskurs und deswegen ist der Kontakt und der Umgang mit beiden Parteien für uns, für unser Land zentral. Und im Übrigen würde ich auch sagen, dass sich, sollte Trump tatsächlich gewählt werden, von der Stunde eins an die politische Dynamik in der republikanischen Partei verändern wird, weil er das letzte Mal gewählt werden wird.
Sprecher 3: Also es wird noch schlimmer werden.
Sprecher 7: Das habe ich nicht gesagt, aber ich glaube, man kann konstatieren, dass er Verhalten normalisiert hat, dass Hürden und Hindernisse, die 2017 noch eine Rolle spielten, heute geschrumpft sind oder sich verringert haben, dass eine zweite Trump-Administration wesentlich besser vorbereitet wäre, insbesondere personell, als die erste Trump-Administration.
Sprecher 3: Ja, wir müssen noch kurz darüber sprechen. Aber was das Ergebnis für Deutschland bedeutet, es gibt ja durchaus Stimmen in der deutschen Politik, unter anderem Bundesfinanzminister Christian Lindner, die mahnen, wir sollten uns mal nicht zu sicher sein, dass mit Harris alles gut werde, dass sie europäischen Interessen verpflichtet sei, dass sie eine starke Präsidentin wird. Was ist Ihr Blick auf Kamala Harris?
Sprecher 7: Ich glaube, eine Äußerung ist richtig, dass die Annahme, dass eine Trump-2-Administration genau das gleiche sein werde wie die Trump-1-Administration, nur eben mit geringeren Restriktionen und dass eine Harris-Administration nur eine Fortsetzung der Biden-Administration sein werde, übersieht, dass es Konstanten für beide gibt. Und zu den Konstanten gehört der sich verschiebende Fokus von Europa weg auf Asien, auf China, wo die Amerikaner die größte Gegenwartsherausforderung für ihr eigenes Land sehen. Dazu gehört der, ich nenne es jetzt einmal, wirtschaftliche Nationalismus, der heute der neue Washingtoner Konsens ist. Keiner spricht in Washington mehr von. Freihandel oder von Effizienz von Lieferketten oder Kostengünstigkeit. Und das sind Konstanten. Und die werden relevant sein, ganz egal, wer im Weißen Haus einzieht. Und dann möchte ich noch einen Punkt sagen, weil der bisher vermutlich etwas untergegangen ist. Natürlich gibt es Guardrails, natürlich gibt es Korrektive.
Sprecher 3: Checks and Balances.
Sprecher 7: Checks and Balances. Sie mögen dysfunktionaler geworden sein oder geringer. geworden sein. Aber es gibt die Bundesstaaten, es gibt die Gouverneure, es gibt den Kongress. Es wird wahrscheinlich ein Divided Government geben, womit ich meine, vermutlich wird das Haus demokratisch werden und der Senat von den Republikanern übernommen werden. Und das grenzt natürlich auch die Handlungsmöglichkeiten. Es gibt die Zivilgesellschaft, die ungeheuer ausdifferenziert und mächtig ist. Es gibt die Medien, es gibt die Märkte, die immer eine große Rolle gespielt haben, jedenfalls für den früheren Präsidenten Trump. Deswegen wäre ich etwas vorsichtiger bei den allzu dramatischen Szenarien, über die sich manche Gedanken machen.
Sprecher 3: Was raten Sie der Bundesregierung, egal für welches Szenario, aber vor dem Hintergrund der neuen Fokussierung, die ja so neu gar nicht ist, auf Asien, auf China, der Rückzug mehr und mehr aus Europa? Welche Rolle muss da die Bundesregierung und Deutschland künftig einnehmen?
Sprecher 7: Ich habe immer gefunden, dass wir eines Tages im Rückblick auf die erste Trump-Administration zum Ergebnis kommen würden, dass diese vier Jahre uns aus der Komfortzone herausgedrängt haben und uns dazu gebracht haben, das zu tun, was wir ohnehin tun müssen, nämlich massiv zu investieren in unsere eigene Handlungsfähigkeit, unsere Resilienz, unsere Sicherheit. Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass das geschehen wird. Muss und geschehen hätte müssen. Ich bin mir nicht sicher, ob sich der europäische Mindset in den letzten vier Jahren
Sprecher 8: tatsächlich in diese Richtung entwickelt hat. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, Emily Haber. Dankeschön.
Sprecher 2: Nachdem wir hier gestern einen Ausflug in Helenes Lieblingsthemenwelten hatten, nämlich chinesische Sextoys, ist heute mal wieder ein Toy von uns Männern dran. Lieber Florian Fischer ist heute dafür bei uns im Podcaststudio mal wieder on air, nämlich es geht um unser Toy Fußball. Hallo Florian.
Sprecher 9: Hi, schön, dass ich bei diesem Thema immer mal wieder eingeladen werde.
Sprecher 2: Selbstverständlich, als Fußballexperte bist du bei uns herzlich willkommen. Und es gibt Neuigkeiten, es gibt Nachrichten von Thomas Tuchel, der unser Land verlässt.
Sprecher 9: Ja, richtig. Er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deutscher sich zumindest in zwei Jahren Weltmeister nennen darf. Er ist neuer Nationaltrainer der englischen Fußballmannschaft geworden. Und ich sage es mal so, so wirklich Jubelstürme brechen in England jetzt einfach nicht aus.
Sprecher 2: Ja, dass sie sich über eine German Crowd nicht immer so freuen auf der Insel, das glaube ich sofort. Aber was schreiben denn zum Beispiel die Medien?
Sprecher 9: Also Tuchel ist ja grundsätzlich nicht als Captain Simpatico bekannt. In seinen letzten Stationen hat er sich immer mit Fans und auch Vereinsintern angelegt. Aber die Daily Mail beispielsweise, die formuliert es am deutlichsten, die schreiben, wir brauchen keinen Thomas Tuchel, sondern einen Patrioten, für den das Land an erster, zweiter und dritter Stelle steht.
Sprecher 10: What would your message be, though, to those fans who would have preferred the England team to be managed by an English coach? And do you understand? That position.
Sprecher 2: Und ist er ein guter Trainer, Florian? Ja oder nein?
Sprecher 9: Also er scheint was zu können, sonst wäre er nicht so lange im Geschäft gewesen, hätte so große Vereine trainiert. Mit Champions League Sieger hat er auch auf jeden Fall schon mal einen Titel geholt. Das haben auch nicht viele vor ihm geschafft. Aber ich persönlich bin jetzt kein großer Fan von ihm.
Sprecher 2: Ja, Florian, ich sehe es ähnlich. Thomas Tuchel ist ja, da gibt es ein interessantes Video, das sollten Sie sich mal bei YouTube anschauen, wie er mal einen Mitspieler angeschrien hat im Training, weil der nicht den richtigen Pass gespielt hat.
Sprecher 11: Du kommst ins Training und du machst nur, was du willst. Es ist kein einziger Ball dabei für unser Spiel. Es ist nur dein eigenes Spiel. Hier noch ein Trick, da noch ein Trick und hier noch eine Idee. Und keine einzige klappt davon. Mir steht's hier oben, ehrlich.
Sprecher 2: Jedenfalls ist er von der Personality, glaube ich, keiner der umgänglichsten. Und ein gewisser Hans-Joachim Watzke hat mir in einem Interview vor vielen Jahren mal gesagt, der wird jetzt zu Bayern gehen, der wird da zwei Jahre alles gewinnen, aber danach hat er es sich mit allen überworfen. Gut, alles gewonnen hat Thomas Tuchel nicht, aber sich mit vielen überworfen hat er.
Sprecher 9: Auf jeden Fall. Auch das scheint noch tiefe Wunden hinterlassen zu haben. Uli Hoeneß hat ja jetzt auch nochmal die ein oder andere Spitze in den letzten Tagen gegen ihn geschossen. Also da ist viel, viel kaputt gegangen damals.
Sprecher 2: Wir freuen uns jedenfalls, dass unser Exportschlager deutscher Fußball jetzt auch für die Trainer gilt und Jürgen Kloppo. hat gezeigt, dass man auf der Insel Erfolg haben kann. Wir wünschen ihm Erfolg, leider allerdings dann die Finalniederlage im Finale bei der WM 2026 gegen Deutschland. Auf jeden Fall. Vielen Dank, Florian Fischer, für deinen Gastauftritt hier. Das war schön. Wir sind morgen früh am Freitag, den 18. Oktober, wieder ab 6 Uhr für Sie da mit exzellentem Programm, kann ich hier schon versprechen. Starten Sie schön in diesen Donnerstag. Alles Gute, bis morgen. Auf Wiederhören.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.