"Friedrich Merz ist der Richtige."
Die ehemalige CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat Friedrich Merz als „den richtigen Kandidaten für die CDU und auch für die Union insgesamt“ bezeichnet. In einer Zeit der Verunsicherung und der wirtschaftlichen Krise brauche es einen, der „klare Vorstellungen hat und nach außen deutlich macht, dass er bereit ist zu entscheiden und zu führen“, sagt Kramp-Karrenbauer im Gespräch mit Michael Bröcker. „Da hat Friedrich Merz einen großen Vorteil gegenüber Olaf Scholz.“
Im Podcast distanziert sich die saarländische Ex-Ministerpräsidentin von Merkels Migrationspolitik. „Vielleicht wird sie es heute auch anders beurteilen“, sagte Kramp-Karrenbauer.
Das Sicherheitspaket ruft den Kanzler auf den Plan. Thema in der SPD-Fraktionssitzung war das Sicherheitspaket, über das am Freitag im Bundestag abgestimmt werden soll.
Olaf Scholz begründete den Gesetzentwurf aus seiner Sicht. Er sprach von Vertrauen, von einem handlungsfähigen Staat und von Erwartungen in punkto Konsequenz, die gerade auch Sozialdemokraten hätten. Und er sprach wohl auch davon, wie es der Spiegel vermeldete, dass die Ampel eine eigene Mehrheit benötige, „sonst muss ich von meinen Möglichkeiten Gebrauch machen“.
In der Ampel-Koalition ist neuer Streit über eigentlich gemeinsam geplante Vorhaben ausgebrochen. Es geht um die Frage, bis zu welcher Einkommenshöhe künftig Beiträge für die Kranken- und Sozialversicherung fällig werden - und um die Anpassung von Steuertarifen an die Inflation und das Existenzminimum.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Während Helene hier gerade noch fettes Brot zum Besten gab, die gebürtige Hamburgerin, versuche ich wieder die Themen des Tages für Sie da draußen zu ordnen. Also, sollen die Jüngeren für die Fehler der Vergangenheit zahlen? Hubertus Heil will die Rentengarantie, dafür sollen die Beiträge steigen. Viele wollen das nicht, vor allem die FDP. Darüber reden wir gleich.
Sprecher 3: Und ich bin auch wieder ernst geworden, denn es ist ernst, insbesondere wenn es um die Sicherheit geht. Das Sicherheitspaket der Bundesregierung landet heute im Innenausschuss des Bundestages und soll diese Woche noch im Bundestag verabschiedet werden. Aber ist es vielleicht nur noch ein Minipäckchen, das da übrig geblieben ist?
Sprecher 2: Seit ihrem Rückzug als Parteichefin hat sie kein Podcast-Interview mehr gegeben. Heute ist sie exklusiv bei uns. Anne-Grethe Kramp-Karrenbauer, die ehemalige CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin, spricht mit uns über ihr Verhältnis zum Kanzlerkandidaten Friedrich Merz, aber auch über ihr Verhältnis zu Angela Merkel.
Sprecher 3: Ganz schön was los wieder an diesem Mittwoch, den 16.10. Michael hat noch zwei Tage bis zu seinem Urlaub. Er freut sich drauf. Ich bin jetzt schon traurig. Los geht's.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Helene, mein Thema ist die Rente. Ich bin ja deutlich näher an der Rente als du.
Sprecher 3: Richtig.
Sprecher 5: Wenige Jahre, aber gut.
Sprecher 2: Wer weiß, wer weiß. Du kannst auch in Frührente gehen.
Sprecher 3: Oder du mal lieber. Wann ist dein Renteneintrittsdatum?
Sprecher 5: Gute Frage.
Sprecher 3: Meins ist 2046.
Sprecher 2: Ja, irgendwie so Mitte 40er.
Sprecher 3: Wahrscheinlich ist meins am Ende 2076.
Sprecher 2: Jedenfalls ist die Rente ein Thema, das in der aktuellen Politik wieder einmal und zu Recht auf dem Tisch liegt. Und es ist umstritten, denn das Rentenpaket 2 von Hubertus Heil, es sieht vor allem eine Rentengarantie vor. Niemals mehr soll das Rentenniveau unter die Marke von 48 Prozent sinken. So will es die SPD, so will es Hubertus Heil. Das Rentenniveau ist das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Und diese Standardrente erhält man, wenn man 45 Jahre lang immer den aktuellen Durchschnittslohn verdient hat. Aber um das zu finanzieren, müssen die Rentenbeiträge rauf. Das ist das große Problem.
Sprecher 3: Oder wir brauchen mehr Kinder. In den 60er Jahren waren es noch sechs Beitragszahler pro Rentner. Heute müssen zwei Beitragszahler, also zwei junge Menschen, zum Beispiel Michael und ich, einen Rentner finanzieren. Und gerade für die jüngeren Generationen ist das auf Dauer nicht stemmbar, denn die Geburtenraten gehen eben zurück und die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, die sogenannten Boomer.
Sprecher 2: Ja, und Herr Dossail hat immerhin ehrlicherweise eingeräumt, ja, die Rentenbeiträge müssten bis 2035 dann auf 22,3 Prozent von heute 18,6 steigen. Es gibt andere Berechnungen, die sehen eine Beitragslast von 50 Prozent insgesamt bei den Sozialversicherungen bis in die 40er Jahre hinein. Die Sozialversicherungsbeiträge übersteigen allmählich das Belastbare für Unternehmen in Deutschland. Und deswegen hat sich die FDP jetzt erneut im Bundestag quergestellt und will dieses Rentenpaket nicht einfach so durchwinken.
Sprecher 3: Denn wir haben gestern darüber gesprochen, die SPD will die Steuern für 95 Prozent der Arbeitnehmer senken. Und wenn aber die Beitragslast natürlich hoch geht, dann wird so eine Steuersenkung auch sofort aufgefressen, weil es ja am Ende entscheidend ist, was netto in der Tasche ist. Und wenn dann eben so wenig vom Brutto übrig bleibt, dann haben wir ein Problem.
Sprecher 2: Also Stabilisierung der Rente geht nicht über immer weiter steigende Beiträge. Das ist der Duktus der FDP und deswegen will sie mehr Kapitaldeckung. Sie will die Aktienrente stärken. Also mehr Geld soll aus unserem Vermögen, aus unserem Angesparten in einen Fonds, in eine Art Staatsfonds oder zumindest in einen aktienbasierten, vom Staat gesteuerten Fonds eingezahlt werden, um die Rente künftig sicherer zu machen. Das ist das, was auf dem Verhandlungstisch liegt. Und Johannes Vogel, der Vize-Chef der FDP, ist da der Chefverhandler. Und er positioniert sich da sehr hart gerade, auch ein bisschen vielleicht in eigener Sache.
Sprecher 3: Ja, interessant. Johannes Vogel hat ja wahrscheinlich noch einiges vor sich, so ist zu vermuten. Er ist ein bisschen das soziale Gewissen der FDP. So hat er eine ziemliche Aversion dagegen, wenn man ihn als Linken bezeichnet, der er wahrscheinlich aufs Ganze gesehen auch einfach nicht ist. Aber er besetzt. dieses Thema innerhalb seiner Partei wie kein anderer. Aber sagen Sie mir doch nochmal, wie ist denn da jetzt der Stand? Die Bundesregierung, das Kabinett hatte ja die Eckpunkte schon vor einiger Zeit beschlossen. Wann passiert denn dieses Gesetz im Bundestag?
Sprecher 2: Ja, die SPD hatte erst ein Ultimatum gestellt. Diese Woche soll es schon passieren. Jetzt ist von Ende November die Rede, zumindest Ende des Herbstes. Johannes Vogel hat klar gemacht, erstmal sind die Fachpolitischen, die Berichterstatter, die für die Rente zuständig sind, für den Arbeitsmarkt und Sozialetat dran. Dann wird es nach oben eskaliert, also erreicht es die Fraktionsführung und damit auch erst Johannes Vogel, vielleicht erst in der zweiten oder dritten Woche. Jedenfalls ist eins klar. Die FDP positioniert sich jetzt hier als Anwalt der jungen Generation. Und liebe Helene, man muss sagen, es ist bei den Ökonomen wirklich übergreifend. Selbst die ja aus anderen Gründen fast verfeindeten Ökonomen im Sachverständigenrat, Veronika Grimm und Monika Schnitzer, lehnen beide das Rentenpaket ab. Auch Moritz Schulerig sagt, das Rentenpaket verhöhnt die junge Generation. Also ich glaube, die FDP hat da in der Wissenschaft sehr viele Unterstützer ihrer Position gerade.
Sprecher 3: Und natürlich muss man auch sagen, die Wähler, die die FDP überhaupt noch hat, darunter sind einige Junge. So war es jedenfalls bei der Bundestagswahl. Darauf hofft diese Partei vielleicht auch im kommenden Jahr.
Sprecher 2: Ja, mein Problem ist eher, dass die SPD immer auf die Beiträge guckt, die automatisch natürlich steigen müssen, wenn man keine andere Verbreiterung zum Beispiel der Beitragszahler hinbekäme. Und das wäre ja auch denkbar, dass wir endlich an die Beamten rangehen. Wir mehr Zahler ins System bekommen oder eine höhere Frauenerwerbstätigkeit, mehr Zuwanderung, qualifizierte Zuwanderung. All das würde das Rentensystem ja auch stabilisieren. Und darüber wird zu wenig diskutiert.
Sprecher 6: Die Bundesregierung hat deshalb ein Sicherheitspaket geschnürt. Es ist ein innenpolitischer Meilenstein.
Sprecher 3: Das war Nancy Faeser, die Bundesinnenministerin. In der vergangenen Woche in der Regierungsbefragung hat sie das Sicherheitspaket der Bundesregierung verteidigt vor dem Parlament. Und diese Woche soll es nun beschlossen werden. Heute ist es im Innenausschuss und in dieser Woche noch will der Bundestag sein Platzett geben. Die Ampelfraktionen haben sich nach vielem Hin und Her geeinigt. In der nächsten Woche schon soll es im Bundesrat sein. Aber die Frage ist, Michael, reicht das, was die Bundesregierung da macht?
Sprecher 2: Es gibt jetzt eine Gesichtserkennung, also mehr Befugnisse für die Ermittlungen. Es gibt Klarstellungen bei den Geflüchteten, die nach den Dublin-Regeln in einem anderen EU-Staat eigentlich ihre Asylverfahren durchleben müssten. Sie bekommen jetzt nur noch zwei Wochen lang Überbrückungsleistungen. Und es soll mehr Messerverbote in Bussen und Bahnen geben. Und da ist natürlich die Kritik sofort da. Wer soll das wie kontrollieren und reicht das?
Sprecher 3: Ja, reicht das ist eben die Frage. Da sagt der Richterbund zum Beispiel, das Ganze sei zu einem Minipäckchen zusammengeschrumpft und alles nicht wirkungsvoll. Friedrich Merz übt auch Kritik, insbesondere an den Grünen, die das Paket abgeschwächt hätten. Zentraler Punkt der Union ist natürlich, das Wesentliche stecke nicht drin, nämlich einerseits die Forderung nach Zurückweisung an den Grenzen, was die Ampel nicht möchte. Andererseits die IP-Adressenspeicherung, die aus Sicht des BKAs und anderer Ermittlungsbehörden ganz wichtig ist, um den Täter zu finden und zu überführen.
Sprecher 2: Ja, und da bin ich ja längst der Meinung, da müssen wir hin. Das müssen wir einfach machen. Die Täter, die organisierte Kriminalität überhaupt, sie sind uns digital und unseren Ermittlern und Strafbehörden immer wieder voraus. Aber siehst du das als Juristin eigentlich genauso, dass die IP-Adressen zur Kriminalitätsbekämpfung gespeichert werden sollten?
Sprecher 3: Ja, ich sehe es absolut genauso und finde, dass das, was das Bundesjustizministerium da jetzt vorgeschlagen hat, das sogenannte Quick-Freeze, also wo die Daten eingefroren und nur dann, wenn sie benutzt, wenn sie gebraucht werden, aufgetaut werden, überhaupt nicht wirksam ist. Denn das Einfrieren kann ja erst dann greifen, wenn es den Verdacht einer Straftat gibt. Und das ist eben häufig viel zu spät, denn diese IP-Adressen sind dynamisch und werden eben sofort geändert. Das heißt, sie sind möglicherweise gar nicht mehr vorhanden, wenn man sie nicht sofort speichert. Das heißt, und da sind sich im Grunde auch alle Ermittlungsbehörden einig, Quick-Freeze ist keine wirksame, keine effektive Ermittlungsmethode, sondern es braucht die IP-Adressenspeicherung. Da schreit natürlich sofort der Grüne und der Liberale, das ist Massenüberwachung. Aber wir halten mal fest, die IP-Adressen, Speicherung IP-Adressen sind Nummern, wo man zurückverfolgen kann, wer sich wann eingeloggt hat. Aber da werden natürlich keine Inhaltsdaten. gespeichert.
Sprecher 2: Mein Thema bei einem Sicherheitspaket, ich denke da manchmal an Otto Schilly, von dem ich gerne ein bisschen mehr bei Nancy Faeser wiederfinden würde, aber gut, wären eigentlich auch die Vollzugsthemen, Helene, die sind wahrscheinlich eher bei Herrn Buschmann angesiedelt, aber wir haben einfach ein Problem, dass Strafe auf dem Fuße folgen muss und wir haben zu oft erlebt, dass viele Täter nach diversen Delikten immer noch auf freiem Fuß sind und wir sie einfach nicht wirklich mal hinter Schloss und Riegel bekommen, wenn sie dorthin gehören. Also ich glaube, es geht gar nicht um die Gesetze, sondern es geht um den Vollzug.
Sprecher 3: Das ist natürlich nur indirekt bei Marco Buschmann, denn die Justiz ist Landessache. Und am Ende sind es nicht so sehr die Justizminister, die bremsen, sondern die Finanzminister. Denn da geht es um Ausstattung der Justiz, der Gerichte, die Anzahl der Richterstellen. Da gab es mal einen Pakt für den Rechtsstaat, der geschnürt wurde, der übrigens auch im Koalitionsvertrag drinsteht, der aber jetzt nicht so ausgeführt wird, wie sich eigentlich die Bundestagsfraktionen das gedacht haben. Buschmann sagt, dafür gibt es von uns kein Geld für die Länder. Eine große Enttäuschung, so sieht es auch der Richterbund.
Sprecher 2: Ich will mal einmal ein paar Zahlen nennen, Helene, weil sie einfach unglaublich sind. Alleine die Entwicklung zwischen 2022 und 2023 in Berlin. Rohheitsdelikte wie Körperverletzungen plus 12 Prozent. Gewalttaten im häuslichen Bereich 10 Prozent mehr. In Flüchtlingsunterkünften 50 Prozent mehr. Wohnungseinbrüche 36 Prozent plus. Jugendgruppengewalt 25 Prozent plus. Und so weiter und so weiter. Und die Frage ist, wer führt diese Ermittlungen? Wer schreibt die Anklagen? Wir haben ja viel zu wenig. Personal, die da eigentlich einsteigen können. Ich glaube, das wäre ein großes Justizpaket wert.
Sprecher 3: Ja, das wäre es wert. Und wie gesagt, so steht es ja auch schon im Koalitionsvertrag. Auch da haben wir wahrscheinlich ein Umsetzungsdefizit. So kann man es nennen.
Sprecher 7: Abgegebene Stimmen 999. Die erforderliche Mehrheit beträgt somit 500. Auf Friedrich Merz empfehlen 482 Stimmen. Und auf Annegret Kramp-Karrenbauer empfiehlen 517 Stimmen. Das sind 51,75 Prozent. Damit ist sie zu neuen Parteivorsitzenden der CDU gewählt.
Sprecher 2: Es war im Dezember 2018, setzte sich Annegret Kramp-Karrenbauer im zweiten Wahlgang hauchdünn gegen Friedrich Merz bei der Wahl um den neuen oder die neue CDU-Vorsitzende durch. Doch nur eineinhalb Jahre später war schon wieder Schluss.
Sprecher 8: Und deswegen werde ich so lange Parteivorsitzende bleiben, bis die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur getroffen ist.
Sprecher 2: AKK, wie sie genannt wird, musste nach einer etwas missraten gemanagten Thüringen-Krise zurücktreten. Auch ihr Verhältnis zu Angela Merkel galt nicht als ideal. Sie verzichtete 2021 auf ihren Platz im Bundestag. In ihrer Amtszeit, und das kommt meines Erachtens manchmal zu kurz, gab es allerdings durchaus einige gute Weichenstellungen für die CDU und die war deutlich besser als es im Jahr 2020 war. Nachhinein vielleicht manchmal wirkt. Jedenfalls ist sie seitdem raus aus dem aktiven politischen Gestehen. Ich konnte sie trotzdem überreden, bei uns das erste Podcast-Interview seit 2021 zu führen. Es geht natürlich um ihr Verhältnis zum neuen CDU-Chef und Kanzlerkandidaten Friedrich Merz, aber auch ein ganz bisschen um Angela Merkel. Los geht's. Einen schönen guten Tag ins Saarland. Hallo, liebe Frau Kramm-Karrenbauer.
Sprecher 8: Hallo Chrissy.
Sprecher 2: Wie geht es Ihnen eigentlich?
Sprecher 8: Mir persönlich geht es sehr, sehr gut und ansonsten sind die Zeiten, wie sie sind.
Sprecher 2: Das klingt ein wenig skeptisch. Wenn Sie heute auf die Berliner Republik schauen, sind Sie froh, dass Sie nicht mehr im Epizentrum sind oder sind Sie manchmal auch so ein bisschen nostalgisch und sagen, jetzt würde ich aber gerne nochmal mitmischen?
Sprecher 8: Ich bin natürlich froh, dass ich das ein oder andere an Begleiterscheinung des Politikbetriebs nicht mehr habe. Das geht, glaube ich, jedem so. Was meinen Sie? Wer aus dem Politikbetrieb mal ausgestiegen ist, der Termindruck, die wenige persönliche Herrschaft über seinen eigenen Terminkalender und anderes, was man hat. Aber ich bin natürlich nach wie vor ein politischer Mensch und insofern beschäftigt mich die Situation sowohl im nationalen, aber auch im internationalen Umfeld nach wie vor sehr.
Sprecher 2: Vor sechs Jahren, oder es ist etwas fast sechs Jahre her, dass Sie Parteivorsitzende wurden, Frau Kramp-Karrenbauer. Ich erinnere mich, dass Sie damals direkt auch das Thema Migration zu einem Ihrer Themen machten. Fühlen Sie sich heute so ein bisschen bestätigt in den... Eine Schwerpunktsetzung, die Sie damals als Parteichefin auch vorgenommen haben?
Sprecher 8: Es war damals ein Thema, so wie es heute auch ein Thema ist. Und vor allen Dingen hatten wir damals die Situation, dass innerhalb der CDU und auch in dem Verhältnis zwischen CDU und CSU sozusagen der Umgang mit dem Thema sehr verkrampft einfach war durch die Vergangenheit. Und das berühmte Werkstattgespräch von damals war eigentlich auch der Ansatz, diese Verkrampftheit zu lösen. Ich glaube, gemessen an der Tatsache, dass es danach eigentlich in der CDU und auch zwischen den beiden Unionsschwestern keine große Rolle mehr gespielt hat, dass das damals durchaus auch gelungen ist.
Sprecher 2: Nur die Kanzlerin fand es überflüssig.
Sprecher 8: Naja, das ist natürlich eine ganz persönliche Situation für sie auch gewesen. Vielleicht wird sie es heute auch anders beurteilen, aber damals war es so, wie es war.
Sprecher 2: Ihr Umgang mit dem Mann, der jetzt Kanzlerkandidat und CDU-Chef der CDU ist, war durchaus besser, als es viele erwartet hatten. Sie haben ihn ja in einem harten Wahlkampf, wenn man so sagen will, 2018 in Hamburg niedergerungen, knapp gewonnen und danach aber einen Draht zu ihm entwickelt. Gebe ich das richtig wieder?
Sprecher 8: Ja, also der Draht war durchaus auch vorher schon da, weil wir sozusagen eine zwar nicht sehr persönlich elaborierte, aber trotzdem vorhandene saarländische Geschichte, einen saarländischen Faden haben. Der Wahlkampf damals um den Parteivorsitz. mit Friedrich Merz, auch mit Jens Spahn, der war spannend. Das war auch eine harte Auseinandersetzung, aber es war eine faire Auseinandersetzung. Es war sozusagen auch immer ein sehr offener und fairer Umgang zwischen Friedrich Merz und mir, auch nach der gewonnenen Wahl. Und insofern gab es da gleich auch Gesprächsfäden und die gibt es auch bis heute noch.
Sprecher 2: Wir haben ja damals auch mal darüber gesprochen, ob Sie eigentlich am Ende persönlich die Schuld dafür tragen, dass es mit dem Vorsitz nicht geklappt hat oder ob es auch externe Umstände waren. Sie nehmen immer irgendwie die Schuld komplett auf sich, oder?
Sprecher 8: Ja, weil ich sage, andere, die sozusagen dann interagieren, können nur in den Raum hineinstoßen, der frei wird, wenn man selbst Fehler macht. Und ich habe Fehler gemacht und insofern bin ich auch jemand, der sagt, ich trage am Ende auch die Verantwortung und nicht irgendwer sonst.
Sprecher 2: So etwas entscheidet man ganz alleine für sich, weil einem eigentlich keiner dabei helfen kann?
Sprecher 8: Ja, natürlich guckt man auch auf sein Umfeld, führt auch Gespräche, aber am Ende ist es die eigene Entscheidung. Also man ringt mit sich selbst. Die Kanzlerschaft ist in Deutschland das politisch wichtigste Amt, das man erringen kann, einflussreichste Amt, das man erringen kann. Das in einer der größten Volkswirtschaften der Welt, also das hat ein enormes Gewicht. Und wenn man so nah sozusagen an dieses Ziel gekommen ist, dann zu entscheiden, das ist sozusagen nicht das Ziel für mich und ich gebe das auf, das ist keine einfache Entscheidung. persönliche Entscheidungen. Das ist wirklich ein langes und schweres und hartes Ringen mit sich selbst.
Sprecher 2: Damals soll ja Wolfgang Schäuble, der Kanzlerin 2017 geraten haben, unbedingt nochmal wieder anzutreten in schwierigen Fahrwassern, auch international. Gab es solche Gespräche oder christdemokratische Parteifreundinnen, die gesagt haben, jetzt nicht wegen dieser einen Sache, du musst das durchhalten?
Sprecher 8: Ja, es gab hin und wieder so den Hinweis, aber es gab eben auch, das muss man ganz offen sagen, auch mit Blick auf die Fehler, die ich gemacht hatte, eben auch durchaus Zweifel, ob ich die richtige Person bin. Und das alles nimmt man wahr, das alles nimmt man vielleicht in einer solchen Situation auch mal sehr intensiver wahr oder viel intensiver wahr. Als in etwas entspannteren Situationen. Also kann man heute viel darüber diskutieren, aber es ist damals eine Entscheidung gewesen, die sich für mich richtig angefühlt hat, die am Ende über einige Irrungen und Wirrungen eben heute auch zu einem Kanzlerkandidaten Friedrich Merz geführt hat, von dem ich der Überzeugung bin, dass er in der Situation jetzt auch der richtige Kandidat für die CDU und auch für die Union insgesamt ist.
Sprecher 2: Warum passt ausgerechnet Friedrich Merz, dem viele ja vorwerfen, gerade im politischen linken Lager, er sei ein Mann von gestern, warum sollte er ausgerechnet in diese Zeit passen?
Sprecher 8: Weil wir in einer Zeit sehr starker Verunsicherung leben. Die Welt verändert sich im Moment. Wir sehen die Bedrohungen. Wir sehen das auch mit Blick auf die Situation der deutschen Wirtschaft. unseres Wohlstandes, der Frage unserer Sozialsysteme, Infrastruktur, kann man alles benennen. Aber wir haben so das Gefühl, so das sehr erfolgreiche deutsche Modell über all die Jahrzehnte kommt im Moment so ins Kippen und es muss sozusagen was Neues kommen. Und dazu braucht man eben auch jemanden, der klare Vorstellungen hat, der vor allen Dingen auch nach außen deutlich macht, er ist in der Lage und bereit zu entscheiden und auch zu führen. Und Olaf Scholz hat, ich formuliere das mal höflich, einen sehr eigenen Führungsstil. Ich kann mich oft auch an den Satz erinnern, den er mir als Kabinettskollegin gesagt hat, Frau Kollegin, das muss ich erst in Ruhe durchdenken, bevor ich das entscheiden kann.
Sprecher 2: Das ist doch schon mal ein guter Ansatz eigentlich. Das galt für Angela Merkel doch auch.
Sprecher 8: Das ist sicherlich auch wichtig, wenn man nachdenkt. Aber im Moment, glaube ich, ist eben auch Führung in Form von nicht den Mittelweg zu suchen, sondern Entscheidungen zu treffen, auch klar zu kommunizieren. Und ich glaube, da hat Friedrich Merz einen großen Vorteil gegenüber Olaf Scholz.
Sprecher 2: Weil er führungsstark ist, woher nehmen Sie das? Woher wissen Sie das, dass er so führungsstark ist, wie er manchmal beschrieben wird oder er sich vielleicht auch selbst hält?
Sprecher 8: Zum Ersten gehört schon einiges dazu, nach so vielen Jahren, so vielen Niederlagen, sich immer wieder durchgebissen zu haben. Nicht zu sagen, ich werfe jetzt das Handtuch und mache was ganz anderes. Das sagt viel über sozusagen auch die Resilienz. Jens eines Friedrich Merz aus. Zum Zweiten weiß ich, dass Friedrich Merz vielleicht entgegen des Bildes, das man von außen nach ihm hat, jemand ist, der sehr interessiert ist, der mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen, Expertinnen, Experten in Kontakt steht, sich sehr viel anhört, sehr viel lernt, um sich ein eigenes Bild zu machen. Aber wenn er dann eben für sich auch Ideen hat und Punkte hat, wo er sagt, so und so kann das gehen, auch die, die vielleicht schwierig sind, dann ist er jemand, der das auch klar kommuniziert und auch nach außen durchsetzen will. Manche nennen das klare Kante und ich habe im Moment einfach den Eindruck, dass es viele gibt, die sich nach einer solchen klaren Kante auch sehen.
Sprecher 2: Was wären die aus Ihrer Sicht wichtigsten zwei, drei Themen, die Friedrich Merz und die Union im Bundestagswahlkampf adressieren muss?
Sprecher 8: Also ich bin sicherlich weit davon entfernt, Friedrich Merz Ratschläge für den Wahlkampf zu geben. Mein persönlicher Eindruck ist nur, dass wir in einer Situation sind, wo es nicht mehr reicht zu sagen, wir machen einen Koalitionsvertrag von 300 Seiten, wir verändern ein bisschen was nach links oder nach rechts, sondern wo wir sagen müssen, unser Geschäftsmodell, die Grundlage für unseren Wohlstand, für die Art und Weise, wie wir leben, sind herausgefordert. Wenn Sie so wollen, so ein bisschen wie die Situation, nachdem die CDU unter Helmut Kohl nochmal die Regierung so von Helmut Schmidt und der sozialliberalen Koalition übernommen hat. Vielleicht auch so ein bisschen die Situation, wie sie Gerhard Schröder hatte mit der Agenda 2010 damals. Also insofern glaube ich wirklich sehr grundlegende Punkte und die müssen, glaube ich, in den Mittelpunkt des Wahlkampfes. Und nicht das ein oder andere Thema, über das man sich gerne laut streitet, das aber eigentlich von der politischen Bedeutung im Moment in den Hintergrund tritt.
Sprecher 2: Wir haben mit dem Saarland begonnen, wir enden mit dem Saarland. Dort ist ja nicht nur Oskar Lafontaine zu Hause, sondern eben immer wieder auch mal seine Frau Sarah Wagenknecht, die derzeit das politische Spektrum in Deutschland ein wenig durcheinanderwirbelt. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Umgang mit dem BSW, der für die Union erträglich ist?
Sprecher 8: Natürlich ist so ein erster Impuls, ein erstes Bauchgefühl zu sagen, verbindet uns ganz wenig und lassen wir die Finger davon, was aber in der Konsequenz bedeuten würde, zu sagen in Thüringen, in Sachsen oder in Brandenburg, wir überlassen die Regierungsbildung der AfD und dem BSW und das kann auch keine Lösung sein. Was ich bisher so aus den ersten Gesprächen auf den Landesebenen mitbekomme, ist, dass es durchaus eine Reihe von Punkten gibt, landespolitisch gesehen, wo man sich verständigen kann. Wo die CDU, glaube ich, ganz klar sein muss, ist, dass über Landespolitik keine nationale Sicherheitspolitik, keine Geopolitik und schon gar keine Politik im Sinne und im Interesse von Wladimir Putin gemacht werden. Und das ist aber auch etwas, was innerhalb des BSW sozusagen die Verantwortlichen vor Ort mit ihrer Chefin klären müssen.
Sprecher 2: Frau Kamm-Karrenbauer, in wenigen Wochen erscheinen die Erinnerungen, die Memoiren von Angela Merkel. Da gibt es sicherlich auch ein Kapitelchen, das sich mit Ihnen und der Zusammenarbeit mit Ihnen befasst. Haben Sie es schon gelesen?
Sprecher 8: Nein, das Buch ist noch nicht veröffentlicht, ich habe es noch nicht gelesen. Und wie man im Saarland oder im angrenzenden Frankreich so schön sagt, on verra.
Sprecher 2: Gibt es etwas, was man da aufarbeiten muss oder sind Sie im Reinen mit Angela Merkel?
Sprecher 8: Ich bin im Reinen mit mir und mit Angela Merkel.
Sprecher 2: Vielen Dank, liebe Frau Kramm-Karrenbauer. Ich wünsche einen schönen Tag im Saarland.
Sprecher 8: Schönen Tag zurück.
Sprecher 2: Ich habe mich gegen dieses Thema verwehrt, aber Helene wollte es unbedingt jetzt hier in diesen Nachtisch hineinbringen.
Sprecher 3: Ich war in unserer Konferenz gestern elektrisiert von der chinesischen Sextoy-Industrie. Und zwar, weil man zum einen das gar nicht wusste, was für ein wachsender Zweig das in China ist. Ich wusste es jedenfalls nicht. Die Chinesen setzen auf Sextoys und insbesondere auf Sextoys für Frauen. Also eine feministische Strömung.
Sprecher 2: Wie sieht denn ein Sexteufelmann aus?
Sprecher 3: I don't know, Michael, dein Business.
Sprecher 2: Achso, das wären wahrscheinlich Gummipuppen. Alleine, um dann doch mal darauf einzugehen, ich meine, wie... Grude muss eigentlich eine männliche Fantasie sein, dass man eine Gummipuppe für erotisch hält. Also ich sage mal nichts jetzt weiter. Ist für mich nicht so richtig mein Thema. Helene, ist nicht mein Thema.
Sprecher 3: Ja, Michael, da sind die Geschmäcker und die Fetische unterschiedlich. Jeden Tierchen sein Pläsierchen, so heißt es doch, glaube ich. Jedenfalls die Chinesen haben... Insbesondere für die Chinesinnen, jetzt Spielzeuge entwickelt, die teilweise sogar so hübsch aussehen, dass sie als Designobjekte in der Wohnung stehen können und nicht mehr in der Sockenschublade oder sonst wo versteckt werden können, wo sie niemand finden soll, sondern es ist erst die wunderschöne... Die wunderschöne Skulptur am Fensterbrett und dann abends im Bett jede Menge Spaß und gute Laune.
Sprecher 2: Sie sehen, wer glaubt, dass Deep Journalism dröge und nüchtern daherkommt, der ist hier heute widerlegt worden. Und ich empfehle, traut. Trotz dieses Themas, das ich eigentlich gar nicht haben wollte. Immer aber den China-Table, unseren China-Newsletter, table.media.china. Da können Sie das alles nochmal ganz genau nachlesen, was Helene gerade eben so wundervoll, kunstvoll hier vorgetragen hat.
Sprecher 3: 70 Prozent aller Produkte werden nämlich in China hergestellt. Vielleicht ja auch das, was Sie in Ihrer Sockenschublade so haben.
Sprecher 2: Jetzt wissen Sie das auch. Morgen früh ab 6 Uhr verspreche ich Ihnen ein anderes Nachtischthema, mit dem Sie dann in den Tag starten.
Sprecher 3: Aber Michael, seit wann bist du denn so prüde? Ich bin ja gar nicht prüde, du.
Sprecher 2: Aber ich denke mir nur so, okay, ist das jetzt das Thema, mit dem man in diesen Tag starten will?
Sprecher 3: Sex am Morgen sollte niemand...
Sprecher 2: Versorgen, besorgen. Besorgen, ja, wie auch immer. Jetzt wird es schwierig.
Sprecher 3: Jetzt wird es schwierig. Wir hören an dieser Stelle deshalb auf. Schön, dass Sie dabei waren. Bis morgen.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.