Müssten Reiche mehr Steuern zahlen, Frau Friedrichs?
3.300 Deutsche besitzen 23 Prozent des gesamten Finanzvermögens im Land – ist das gerecht? Müssen sich die Wohlhabenden stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen? Diese Fragen dürften im Bundestagswahlkampf 2025 eine Rolle spielen. Im Gespräch mit Michael Bröcker berichtet die Autorin und Journalistin Julia Friedrichs über ihr neues Buch, eine Recherche in der Welt der Megareichen. Sie analysiert, welche Politikkonzepte diskutiert werden, um die Vermögenden stärker an der Finanzierung öffentlicher Aufgaben zu beteiligen.
Unbeirrt von der Absage des Ramstein-Formats am Samstag reist Wolodymyr Selenskyj zu den wichtigsten europäischen NATO-Partnern. Was konkret in seinem „Siegesplan“ steht, den er am Donnerstag in London, Paris und Rom vorstellen wollte, ist geheim. Am Freitag erläutert Selenskyj Olaf Scholz die Details in Berlin. Nach einem Zeitungsbericht soll Selenskyj zu Friedensverhandlungen bereit sein.
Eine Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen durch einen Untersuchungsausschuss des Bundestages wird es nicht geben. Damit wird eine Chance vertan, die damals beschlossenen Maßnahmen rückblickend zu bewerten – auch, was ihre Langzeitfolgen angeht. Doch mehr noch: Die Politik geht nicht auf die Menschen zu, die mit den Corona-Maßnahmen große Probleme hatten.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Aus Fehlern lernt man. Das gilt aber anscheinend nicht für die Ampel. Jedenfalls nicht, was die Corona-Maßnahmen angeht. Es wird nämlich keine Aufarbeitung geben. Und wir verraten Ihnen, warum vor allem FDP und SPD sich mal wieder nicht einigen konnten.
Sprecher 3: Ja, und mit Fehlerkultur, da kennt sich eine gewisse Helene Bubrowski sehr gut aus. Googeln Sie doch einfach mal diesen Zusammenhang. Aber egal, wir reden heute auch über den Frieden in der Ukraine, den möglichen. Denn Volodymyr Zelensky, der Präsident, hat erstmals eine Art Waffenstillstandsandeutung gemacht. Wir analysieren, was das für die Ukraine heißen könnte, ob es wirklich zu einem Frieden noch in diesem Winter führt und was die Konsequenzen wären.
Sprecher 2: Nur gut 3000 Deutsche besitzen ungefähr ein Viertel des gesamten Vermögens in diesem Land. Ist das gerecht? Und müssen sich die Wohlhabenden stärker an der Finanzierung des Gemeinwohls beteiligen? Wir sprechen darüber mit Julia Friedrichs, Autorin, Journalistin und Reichenforscherin.
Sprecher 3: Eine hochpolitische Woche geht zu Ende. Es ist Freitag, der 11. Oktober und den schaffen wir jetzt auch noch.
Sprecher 4: Theater, Opern, Konzerthäuser und ähnliche Einrichtungen, Messe, Kinos, Freizeitparks, Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, werden untersagt. Gastronomiebetriebe, Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen und der Betrieb von Kantinen.
Sprecher 3: Die Pandemie, sie war eine Zäsur, Helene, für uns sowieso, aber für vor allem Millionen Menschen da draußen, die weder Geschäfte aufmachen durften, noch in die Schulen gehen durften, noch irgendwelche Freunde, Verwandte sehen durften. Bis heute entzweit das, was damals passiert ist, viele in unserem Land. Und eigentlich müsste es doch die oberste Pflicht der verantwortlichen Politiker sein, zu sagen, komm, das arbeiten wir nochmal auf. Was ist damals eigentlich gut gelaufen? Was haben wir übertrieben? Das wäre ein schöner Schlusspunkt, aber dazu kommt es jetzt leider nicht.
Sprecher 2: Ja, ich glaube sowieso, dass Aufarbeitungsprozesse in diesem Land insgesamt viel zu kurz kommen. Diese Kurzatmigkeit, in der Politik irgendwie Probleme löst oder vermeintlich Probleme löst und dann sofort zum Nächsten springt. Das ist natürlich auch manchmal der Natur der Sache gegeben, dass eben Krise auf Krise folgt. Aber dass man auch mal zurückschaut und sagt, was ist da eigentlich passiert? Einen Versöhnungsprozess in Gang setzt, der, glaube ich, bitter nötig ist. Denn wo man am Anfang doch jedenfalls zu ganz großen Teilen zusammenstand in der Pandemie, war das schon nach einem Jahr vorbei. Angefangen von den sogenannten Hygienedemos, wie sie hießen, gab es immer mehr Menschen. Die die Maßnahmen völlig übertrieben. Fanden und auch Gerichte haben sie irgendwann ja für unverhältnismäßig oder einige davon für unverhältnismäßig erachtet.
Sprecher 3: Ja, und wenn man daran denkt, wie mit denen umgegangen wurde, auch öffentlich, auch von Politikern, von gewählten Politikern, die sich nicht impfen lassen wollen, das war schon hart. Jedenfalls wäre es gerechtfertigt gewesen, das parteiübergreifend, sachlich, auch mit mehreren Experten verschiedener Fachrichtungen nochmal aufzuarbeiten. Doch vor allem SPD und FDP sollen sich in der Ampel gar nicht geeinigt haben. Die FDP wollte unbedingt ein Gremium, ein Bundestagsgremium, einen Untersuchungsausschuss oder die mildere Variante eine Enquete-Kommission. Doch die SPD wollte da ihre Länder nicht mit einbeziehen, die ehemaligen Ministerpräsidenten, die dann automatisch mit im Boot gewesen wären und nur einen Bürgerrat bilden, in dem dann mal gesprochen wird.
Sprecher 2: Ja, ein Untersuchungsausschuss wäre meines Erachtens schon gut gewesen, wenn man das Instrument des Untersuchungsausschusses ein bisschen anders verstehen würde, als es meistens verstanden wird, nämlich als Bühne für einen öffentlichen Schlagabtausch von Regierung und Opposition, ein gegenseitiges öffentliches mit dem Finger aufeinander zeigen, eine reine Show. Eigentlich ist der Untersuchungsausschuss ein wichtiges Instrument eben genau dafür, zur gemeinsamen Rückschau, zur Aufarbeitung von bestimmten Prozessen, die eben nicht juristisch relevant sind, sondern politisches Versagen, politische Fehleinschätzung sollen aufgearbeitet werden. Und man muss leider sagen, dass es fast nie hat es funktioniert, mit Ausnahme, würde ich sagen, des NSU-Untersuchungsausschusses, wo es anders war. Insofern wäre es auch wahrscheinlich hier zu befürchten, gewesen, dass alle für sich in diesen schwierigen Zeiten für ihre Parteien das Beste rausholen wollten und rechthaberisch sagen, ich hatte ja immer schon recht. Insofern muss man sagen, vielleicht, weil das alles so auf den Hund gekommen ist, ist es sogar ganz gut, dass das nicht stattfindet.
Sprecher 3: Aber Helene, ich bin der Meinung, manchmal selbst wenn nichts dabei rauskommt, zeigt man wenigstens den Wählern, der Bevölkerung und den Bürgern, dass man nichts zu verbergen hat, dass man aufarbeiten will. Karl Lauterbach, der Gesundheitsminister, hat gesagt, eigentlich müssten wir es machen. Die Grünen waren der Meinung, egal in welchem Gremium, bitte lasst uns das machen. Und auch die Union, erstaunlicherweise, das hat zumindest mir gestern Abend Philipp Amthor versichert, wäre bereit gewesen, sowohl die große Variante Untersuchungsausschuss als auch die kleine Variante Bürgerrat zu machen. Jetzt kommt gar nichts und das nährt natürlich den Unmut in der Bevölkerung. Am Ende haben sie da doch irgendwas zu verbergen und wollen sich nicht selbstkritisch durchleuchten.
Sprecher 2: Und es sind natürlich auch tatsächlich Fehler gemacht worden. In meinen Augen sind die Belange von Familien, von Kindern viel zu wenig berücksichtigt worden. Irgendwann, als rauskam, wie groß heute noch der Schaden, insbesondere der psychische, bei vielen Kindern und Jugendlichen ist, sagte Lauterbach so ziemlich lapidar, naja, wir haben das damals nach bestem Wissen und Gewissen und dem Stand der Wissenschaft entschieden. So ist es halt. Das war natürlich für diejenigen, die jetzt heute noch darunter leiden, ein ziemlicher Schlag ins Gesicht. Und insgesamt bleiben natürlich bestimmte Worte hängen. Die Tyrannei der Ungeimpften, wie das der Weltärztepräsident Montgomery sagte, das war schon eine ziemlich harte Ansage, die viele getroffen hat. Und ich erinnere daran, wie es ein Breit... einen Konsens gab für die Impfpflicht in Deutschland. Ich war übrigens nie dafür, aber sei es drum, es soll jetzt nicht rechthaberisch klingen, aber daran will sich jetzt auch niemand mehr erinnern, von denen, der Kanzler hat extra Annalena Baerbock zurückgeordert aus Brüssel, damit sie noch für die Impfpflicht stimmen kann. Also all diese Dinge sind jetzt irgendwie Vergangenheit und man geht zur Tagesordnung über. Michael, da bin ich ganz bei dir, das kann nicht sein.
Sprecher 3: Ja, Helene, da hast du recht. Lauterbach war ja sogar ein Befürworter einer allgemeinen Impfpflicht. Ich fand, das war ein unglaublicher Vorschluss. Aber gut, jetzt ist die Sache erledigt und es wird Bücher geben. Immerhin Bücher von Wissenschaftlern, von Politikern, von Journalisten, die sich mit diesem Thema nochmal auseinandersetzen. So viel wissen wir. Eine offizielle Bundestagsaufarbeitung wird es nun nicht mehr geben.
Sprecher 2: Michael, lass uns mal über den Frieden sprechen in Europa. Dafür müssen wir natürlich erstmal über den Krieg sprechen in der Ukraine. Und jetzt soll es eine Initiative geben, wo Volodymyr Zelensky ist unterwegs in Brüssel, in Paris, in Berlin. Eigentlich wollte er nach Rammstein weiterreisen, das funktioniert jetzt nicht. Aber erstmals, und das ist die Nachricht des Tages, spricht Volodymyr Zelensky von einem Waffenstillstand.
Sprecher 3: Ja, ziemlich überraschend, denn es war ja gerade immer der Präsident der Ukraine, der gesagt hat, die territoriale Integrität der Ukraine, sie muss wiederhergestellt werden, bevor hier irgendetwas zu verhandeln ist. Oton aus dem September 2022. Wir werden keine Zugeständnisse machen, die unsere territoriale Integrität verletzen. Der Frieden muss bedeuten, dass die russischen Truppen unser Land verlassen. Das war bisher die ganz klare Linie.
Sprecher 2: Und das bezog sich eben auch auf die Krim, die ja schon seit 2014 besetzt ist. Und da hat er eben auch noch gesagt im September 2024, also gerade jetzt hat er noch gesagt, die Krim wird befreit, so wie alle anderen Territorien der Ukraine, die sich derzeit unter russischer Besatzung befinden.
Sprecher 3: Auf der anderen Seite wissen wir, Helene und er weiß es natürlich auch, irgendwie wird es am Ende eine Verhandlungslösung geben, selbst wenn dieser Krieg noch Monate oder Jahre weitergehen würde. Am Ende muss man an einem Tisch sitzen und vielleicht ist es ja auch der nahende Winter. Zwei Drittel der Infrastruktur, der kritischen Infrastruktur sind zerstört in der Ukraine. Die Not der Verhältnisse. Selenskyj lässt jetzt offenbar diese Signale aussenden.
Sprecher 2: Die kleinen Geländegewinne, die die Ukraine in Russland gemacht hat, sollen eine Art Pfand sein, um sie einzutauschen. Das verbessert natürlich seine Verhandlungsmöglichkeiten ein bisschen. Aber was ist denn jetzt die Idee von diesem Friedensplan, von der Hoffnung auf einen Waffenstillstand?
Sprecher 3: Ja, Helena, am Ende könnte es ja nur bedeuten, dass wenn es jetzt einen Waffenstillstand gibt, dass dieser Frozen-Konflikt dann am Ende auch die Konfliktlinien, die Grenzlinien sein könnten, dann würde Zelensky natürlich auf einen Teil seines Territoriums verzichten müssen und vielleicht aber im Gegenzug die Restukraine in die EU einbringen können.
Sprecher 2: Und in jedem Fall wird die Ukraine, und das deutete Zelensky auch schon an, Sicherheitsgarantien fordern vom Westen, insbesondere von Amerika, mit wem auch immer dann im Weißen Haus. Denn auf sowas wie das Budapester Memorandum von 1994 wird sich die Ukraine sicherlich nicht nochmal einlassen. Dort gaben sie ihre eigenen Atomwaffen ab. Und Russland garantierte die Souveränität der Ukraine. Und wir wissen nun, es hat keine 20 Jahre gedauert, dieses Versprechen. Es wird die Forderung an den Westen geben, auch an der Seite der Ukraine zu bleiben.
Sprecher 3: Ja, Helene, und das ist die entscheidende Frage. Egal wer welches Territorium da, welchen Kilometer vielleicht am Ende genau bekommt. Die Frage ist, was ist die Sicherheitsstruktur, in der die Ukraine danach frei leben kann? Wenn es die NATO nicht ist, was... Ja, selbst NATO-Regierungschefs sagen, dass das schwierig wäre. Dann muss es eine neue Art von Sicherheit geben. Architektur geben, vielleicht auch unter Beteiligung von Ländern wie China, wie Brasilien, die jetzt am Frieden ja unbedingt mitwirken soll. Die Friedenskonferenz, deren Datum ja immer noch aussteht, sie könnte der Durchbruch sein.
Sprecher 2: Wahrscheinlich aber erst nach dem 5. November, wenn wir wissen, wer im Weißen Haus sitzt. 249 Milliardäre gibt es in Deutschland. Leider keiner von uns am Tisch gehört dazu. Aber sei es drum, es sind Menschen mit mehr als 1000 Millionen Euro Vermögen. Kaum vorstellbar. Gleichzeitig sind es aber auch 17,7 Millionen Menschen in Deutschland, die in Armut leben und von sozialer Ausgrenzung bedroht sind. Nach dem berühmten Gini-Koeffizient wären wir bei 0 bei totaler Gleichheit und bei 1 bei ziemlicher Ungleichheit. In Deutschland liegt er bei 0,3. Also insofern ist das Vermögen gar nicht so schlecht verteilt, wenn man mal denkt, dass in den USA dieser Gini-Koeffizient bei 0,42 liegt. Was hat es eigentlich mit der Debatte um die sogenannten Reichen und die Reichensteuer auf sich? Ist das der typisch deutsche Neid, dass wir es einfach den anderen nicht gönnen können? Darüber hat Michael Bröker mit der Journalistin und Autorin Julia Friedrichs gesprochen. In ihrem neuen Buch Crazy Rich. Wie viel Ungleichheit verträgt die Republik? Hat sie sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie viel Verantwortung Reiche für die Gesellschaft haben?
Sprecher 3: Einen schönen guten Tag, Frau Friedrich.
Sprecher 5: Hallo.
Sprecher 3: Ihr Buch über die Reichen und das Geld, da drängt es natürlich die erste Frage sofort. Macht Geld jetzt nun glücklich oder beruhigt es doch nur?
Sprecher 5: Geld macht glücklich, vor allem wenn man nichts hatte und dann was hat. Also ich glaube, die ersten fünf Millionen sind sehr, sehr glücksmehrend. Das ist auch was, was man in der Forschung sieht. Am Anfang macht Geld sehr glücklich. Ich hatte bei meinen Recherchen den Eindruck, ob man jetzt eine Milliarde oder 1,5 Milliarden hat, mehrt das Glück nicht mehr zwingend.
Sprecher 3: Können Sie bei Ihren jahrelangen Recherchen ja schon zu der Geldelite in diesem Land eigentlich den Faktor Neid ganz ausklammern?
Sprecher 5: Nee, das kann ich nicht. Natürlich gibt es Dinge, die man sieht und wo man denkt, ach toll, eine Privatjet-Reise ist eine Form der Mobilität, die was sehr Überzeugendes hat, wenn man das Klima mal ausblenden würde. Niemand steht gerne in den demütigenden Flughafenschlangen und nimmt da den Gürtel ab. Natürlich finde ich das erstrebenswert zu sagen, ach toll, so kann man reisen. Ich habe ein großes Faible für teure Hotels und denke auch, ach prima. Aber die Neidfrage ist auch eine, die mich wirklich ein bisschen nervt und langweilt, weil sie ist so das Totschlagargument für jede Debatte über Vermögensverteilung. Und der Kern der Debatte ist natürlich kein Neid, sondern der Kern der Debatte ist, wie viel Ungleichheit wollen wir? Die Ungleichheit von Vermögen ist ja der Punkt, wo wir in Deutschland immer noch spitze sind. Kaum Land ist da so ungleich wie wir. Und der Kern der Frage ist eben, passt das zu uns, zu dem Land, was wir sein wollen? Passt das zu uns? Zu einer Demokratie.
Sprecher 3: Ist das denn so in Ihren Recherchen, dass wir in Deutschland diese Debatte rund um Thema Reiche und Neid anders führen als andere europäische Gesellschaften oder in den USA?
Sprecher 5: Absolut. Das liegt aber vor allem auch an unseren Reichen. Also man merkt, dass in Deutschland dieser Grundsatz über Geld spricht man nicht, dass das so ein ehrenes Gesetz ist. Und ich finde es falsch. Ich finde, wir müssen über Geld sprechen. Wir müssen viel über Geld sprechen und wir müssen besser und präziser über Geld sprechen.
Sprecher 3: Lassen Sie uns mal die beiden Gegenargumente auseinanderklamüsern, die von den Reichen selbst auch in ihrem Buch immer wieder kommen. Das eine ist die berühmte Trickle-Down-Ökonomie, also dass wenn dort oben Menschen viel Geld haben, die auch Ideen haben, die im Zweifel Familienunternehmen haben, die unternehmerisch tätig sind, dass dort dann das Geld so investiert wird, dass es auch unten den breiten Bevölkerungsschichten ankommt. Also Einkommenszuwächse oben, sickern nach unten durch. Das ist das Trickle-Down-Argument, das Sie auch mehrfach gehört haben, richtig?
Sprecher 5: Ja, immer wieder.
Sprecher 3: Warum ist das falsch?
Sprecher 5: Es ist einfach empirisch widerlegt inzwischen. Wir haben das ganz lange geglaubt und es wäre ja auch schön gewesen. Aber in den USA ist man da sehr viel weiter. Joe Biden hat mehrmals gesagt, trickle down is wrong. Also es klappt halt leider nicht, weil der Vermögenszuwachs am oberen Ende nicht im gleichen Maße an Löhnen etc. Weitergegeben wird. Das hat auch mit dem Druck der Globalisierung und so weiter zu tun. Ich würde tatsächlich gerade was Deutschland angeht das Gegenargument aufmachen und sagen, es wäre für Deutschland gut, wenn das Kapital breiter verteilt wäre, weil was uns in Deutschland... total fehlt, sind Gründer, sind Unternehmer, sind Leute, die selber was bewegen wollen. Und da weiß man eben, dass ein gewisses Ausgangskapital dafür sehr, sehr nützlich ist. Also ich würde sogar für Deutschland sagen, sehen wir da eine gegenteilige Entwicklung.
Sprecher 3: Aber viele von den Reichen, da einige zumindest, sind es ja nicht qua Erbe, darüber reden wir gleich auch noch, sondern sind es tatsächlich selber geworden, weil, und das habe ich im Volkswirtschaftsstudium gelernt, weil das Streben nach Gewinn, nach Geld, wenn Sie am Ende so wollen, nach Rendite, auch natürlich ein zentraler Treiber ist von Wachstum, von Innovation, von Vorwärtskommen und am Ende dadurch auch Beschäftigung und Einkommen für viele gesichert wird, wenn es nicht diese Unternehmerfiguren gäbe.
Sprecher 5: Total. Ich finde, das ist ja der Zauber des Kapitalismus, dem ich auch sehr entschieden anhänge. Der hat uns tolle Produkte gebracht, tolle Innovationen gebracht. Und wenn wir nur an die Biontech-Gründer denken, das sind ja in den deutschen Reichtumslisten so die auffälligsten Selfmade-Leute der letzten Jahre, ist natürlich genau das das, was passieren soll. Jemand hat eine Idee, jemand arbeitet mit Inbrunst an einem Produkt, was für alle sehr, sehr nützlich und sehr, sehr hilfreich ist. Und sie haben natürlich das Kapital noch gehabt von Thomas Strüngmann, für den ich ja auch für mein Buch gesprochen habe. Jemand, der sagt, ich investiere da mit Risiko ganz, ganz früh. Also da ist alles gut gegangen. Aber wir sehen eben, dass es viel zu selten passiert in Deutschland, was ja schon zeigt, dass wir uns diese Biontech-Geschichte am Lagerfeuer quasi immer wieder erzählen. müssen, weil es eben so selten passiert. Das heißt, wir haben das Problem in Deutschland, dass diese Vermögen, die wir haben, zu zementiert sind, zu betoniert sind, zu wenig in Bewegung sind und zu selten das tun, was sie sein sollen, Treibstoff für Ideen zu sein.
Sprecher 3: Adam, lassen Sie uns bei Herrn Strüngmann bleiben, den Sie intensiv gesprochen haben und der natürlich durch seinen Wunsch zum Beispiel Krebs zu besiegen und auf diese Gründer traf, die dann Biontech ja auch gegründet haben, also eine sehr intrinsische Motivation, sein Geld gut zu investieren, ohne diese hunderte Millionen Euro, die er dort gegeben hat, wäre es vielleicht nie zu einem Biontech-Impfstoff gekommen. Das ist auch offensichtlich und Eigentum verpflichtet einerseits, ja, aber Eigentum ist auch ein Recht. Also Strüngmann und Co., diese Investoren müssen auch das machen dürfen, was sie wollen mit ihrem Geld oder etwa nicht. Ich kann denen ja nicht politisch lenken, wohin das Geld am besten fließt.
Sprecher 5: Absolut. Und ich würde niemals dafür argumentieren, dass man Menschen ihr Vermögen wegnimmt. Was ich mich frage, ist nur, wie groß muss dieses Ausmaß der Ungleichheit sein? Hätte Herr Strüngmann nicht auch, wenn er nur 500 Millionen Kapital gehabt hätte, genau das tun können, was er getan hat? Und so wie ich ihn kennengelernt habe, hätte er das sicher getan, weil er getrieben ist von dieser Idee. Und ist es wirklich eine kluge Entscheidung, die, die wir getroffen haben, dass wir sagen, wir finanzieren eben unseren Staat hauptsächlich durch Abgaben von denen, die arbeiten, von denen, die was bewegen und die ganz großen Vermögen. Lassen wir da friedlich weiter wachsen. Die Besteuerungsmodelle, die ich für plausibel halte, da geht es ja nur darum, den Zuwachs der ganz großen Vermögen zu begrenzen. Da geht es nicht darum, quasi zu sagen, wir nehmen das jetzt alles weg. Das ist völliger Quatsch, wenn Sie sich die neue Reichenliste angucken. Sieben von zehn haben ihren Reichtum im Wesentlichen erstmal geerbt. Da frage ich mich halt, ist das das Land, was wir sein wollen? Ist das das Land, wo die Geburt so sehr entscheidet und eben nicht der Wunsch, Krebs zu heilen oder der Wunsch, was Neues zu gründen?
Sprecher 3: Frau Friedrich, Sie würden ja beides sagen. Unser Wohlstand in diesem Land ist gegründet auch auf ganz vielen Familienunternehmen, die aufgrund von Gründergeschichten und Investitionen dahin gekommen sind, wo sie heute sind. 60 Prozent des Finanzvermögens in Deutschland ist im Betrieb gebunden. Das heißt, dieser Betrieb entsteht durch ein hohes Erbe, aber er könnte weitergeführt werden. Er ist Teil unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Wo wollen Sie dann da bei der Steuerlast anlegen, ohne dass Sie Betriebe und die Substanz besteuern? Das ist ja die große Debatte dahinter.
Sprecher 5: Genau, das ist das, was immer vorgebracht wird. Die Erbschaftssteuer, die deutsche...
Sprecher 3: Das muss ja nicht falsch sein, deswegen.
Sprecher 5: Ja, ich glaube, dass das falsch ist. Die Erbschaftssteuer war mehrmals vor dem Verfassungsgericht. Das Verfassungsgericht hat gesagt, es gab auch, als eine Erbschaftssteuer in Deutschland noch breiter erhoben wurde, kein Unternehmen, das daran pleite gegangen ist. Wenn Sie ein profitables Unternehmen führen und Ihre Kinder das profitabel weiterführen, dann können Sie natürlich eine gestundete... Steuer, also das Finanzamt würde die ja nicht auf einmal wollen, sondern das würde über Jahre quasi abgestottert. Das können sie zahlen, genauso wie jemand, der gründet, der dafür einen Kredit aufnehmen muss, der muss ja auch die Zinsen bedienen. Das ist ja ein ähnliches Prinzip und mir ist nicht ersichtlich, warum wir bei Erben sagen, wenn die das machen, wäre das quasi der Untergang des Unternehmertums von Gründern, aber verlangen wir das ganz, ganz selbstverständlich. Und das führt eben dazu, dass wir in Deutschland den Fall haben, dass fast alles Betriebsvermögen in den Händen einer sehr, sehr kleinen Gruppe ist.
Sprecher 3: Ihr Modell eines, dass man Flat-Tax auch bei Erbschaftssteuern einführt, um möglichst alle zu erreichen, die aber dann Stunden kann für Unternehmen, also eben zeitlich entflechtet, sodass es eben beim Betriebsübergang nicht zu einer Substanzbesteuerung kommt?
Sprecher 5: Ich bin Reporterin und keine Politikberaterin und hüte mich davor, hier jetzt zu sagen, das Steuermodell ist ein gutes und das Steuermodell ist ein schlechtes. Aber in der Tat finde ich, dass Modelle, die in Richtung Vereinfachung gehen und in Richtung einer Entschlackung unseres absurd komplizierten Steuersystems, Gerechtigkeitsdefizite auf jeden Fall aufbrechen können.
Sprecher 3: Letzte Frage, Frau Friedrichs. Gibt es irgendwo ein Modell, ein Land, wo Sie sagen würden, die Balance zwischen innovativen, anreizorientierter marktwirtschaftlicher Systematik für... Auch Kapitalisten, wie Sie sie ja selber bezeichnen, und trotzdem. In einer fairen Verteilung von Vermögen, die das möglichst gut hinkriegen?
Sprecher 5: Es gibt kaum Länder, die Arbeit so stark besteuern und Vermögen so wenig wie wir. Also ich finde, wir sind da so ein bisschen der Worst Case. Und wenn ich mir zum Beispiel Länder anschaue wie die Schweiz, wo ja etliche Kantone durchaus eine Vermögenssteuer haben, Aber auch Länder wie Großbritannien besteuern Vermögen sehr viel stärker als wir. Und das ist ja auch was urliberal ist. Also die Idee, dass jeder aufs Neue durch seine Arbeit wieder was aufbauen soll, ist ja eine kernliberale Idee. Und deshalb finde ich es so schade, dass diese Form der liberalen Freiheit bei uns so unterrepräsentiert ist.
Sprecher 3: Frau Friedrich, Sie sind Journalistin, Autorin, Filmemacherin, Millionärin, werden Sie damit aber nicht, richtig?
Sprecher 5: Nee, wahrscheinlich nicht. Aber mir geht es sehr gut und ab und an kann ich mir zwar kein Privatjet, aber durchaus auch ein gutes Hotel leisten.
Sprecher 3: Dann freut mich für Sie. Ich bedanke mich für dieses Gespräch und wünsche viel Erfolg mit dem sehr lesenswerten Buch Crazy Rich. Vielen Dank, Frau Friedrichs.
Sprecher 5: Sehr gerne.
Sprecher 3: Apropos superreiche, Helene, das ist natürlich auch Barack Obama, wobei niemand genau weiß, wie viel Vermögen die Obamas haben. Aber was man weiß, ein Auftritt des Ex-Präsidenten kostet ungefähr eine Million Euro. Vielleicht ist das was für unsere Weihnachtsfeier, Helene.
Sprecher 2: Eine gute Idee. Wir können uns vielleicht aber auch nur Michelle leisten. Die kriegt nämlich 700.000 Euro, also ein echter Gender Pay Gap. Auch an dieser Stelle ein Drittel weniger als ihr Mann. Sauerei.
Sprecher 3: Immerhin geht es den beiden gut. Ich glaube, das können wir hier festhalten. Und nur eine einzige Frau, die hat jetzt Barack Obama ganz umsonst bekommt, natürlich Kamala Harris. Die erste offizielle Rallye von Barack Obama für seine demokratische Präsidentschaftskandidatin hat es in der vergangenen Nacht gegeben. In Pennsylvania ist Obama aufgetreten, einem der wichtigsten Swing States. Immer 19 Wählerstimmen im Electoral College sind in Pennsylvania zu verteilen.
Sprecher 6: When Donald Trump lies or cheats or shows utter disregard for our Constitution, people make excuses for it. I'm sorry, gentlemen. I've noticed this especially with the men. Who seem to think Trump's behavior, the bullying and the putting people down, is a sign of strength.
Sprecher 7: And I am here to tell you that is not what real strength is. It never has been. Real strength is about working hard and carrying a heavy load without complaining. Real strength is about taking responsibility for your actions and telling the truth even when it's inconvenient. Real strength is about helping people who need it and standing up for those who can't always stand up for themselves. That is what we should want for our daughters and for our sons. And that is what I want to see in a president of the United States of America. So whether this election is making you feel excited or scared or hopeful or frustrated or anything in between, do not just sit back and hope for the best. Get off your couch and vote. Put down your phone and vote. Grab your friends and family and vote.
Sprecher 2: Ein exzellenter Redner, einfach perfekt zum Wochenende, wenn Sie diesen Podcast fertig gehört haben. Und das wird gleich der Fall sein, das sage ich schon. Dann können Sie einfach bei Obama nochmal reinschalten. Vorher haben wir aber noch was für Sie, nämlich Obamas Lieblingssongs.
Sprecher 3: Ja, ich finde, man muss ihn erst mal selber singen lassen, Helene. Du erinnerst dich vielleicht an seinen grandiosen Auftritt bei der Beerdigung für den ehemaligen Senator Clementa Pinckney in South Carolina. Da hat er mal eben Amazing Grace gesungen. Man wünschte sich einen Politiker, der so singen kann.
Sprecher 7: Amazing Grace.
Sprecher 2: Ja, es ging so unter die Haut. Wahnsinn. Ja, ist einfach auch noch wieder ein toller Mann. Warum haben wir so unfassbar viele super tolle Männer in dieser Sendung?
Sprecher 3: Helene, deswegen sollten wir auf jeden Fall mit einer tollen Frau diesen Podcast beenden. Nicht nur mit dir, sondern mit Beyoncé, die nämlich auch auf der Playlist von Obama ist, mit Texas Hold'em. Es war wunderschön, mit dir diesen Podcast zu machen. Ich hoffe, du hast ein angenehmes Wochenende.
Sprecher 2: Das wünsche ich dir auch. Ja, mein Lieber, das wünsche ich dir auch. Und das wünsche ich natürlich allen unseren Hörerinnen und Hörern. Machen Sie es gut. Am Montagmorgen sind wir wieder für Sie da. Tschüss.
Sprecher 8: One step to the right. We headed to the dive bar we always thought was nice. Ooh, you run to the left. Just with me in the middle, boy. I can read your mind. This ain't Texas. Ain't no holding. Lay your cards down, down, down, down. Oh, no. Pocket lights. Hey. Throw your keys up. Hey. Stick around, around, around, around, around. Stick around. And I'll be damned if I cannot dance with you. Come pour some sugar on me, honey, too. It's a real live boogie and a real live hoedown. Don't be a bitch, come take it to the floor. I'll be damned if I cannot dance with you. Come pour some liquor on me, honey, too. It's a real live boogie and a real live hoedown. Don't be a, come take it to the floor now.
Sprecher 9: Take it to the flow now. Ooh.
Sprecher 8: Oops. Spice. Oops.
Sprecher 9: To the flow now. Ooh.
Sprecher 8: Ooh. Ooh. Oops.
Sprecher 9: Come take it to the floor now.
Sprecher 8: And I'll be damned if I cannot dance with you. Baby, pour that sugar and liquor on me too. Spurs, spurs, boots. Solagenic, porogenic, shoot.