Das Hamas-Massaker- 1 Jahr danach
Ein Jahr nach dem Massaker der Terrororganisation Hamas gedenkt Israel heute der Opfer des schwersten Angriffs seit der Staatsgründung. Präsident Herzog bricht am Morgen mit trauernden Familien zu einer dreitägigen Gedenkreise auf, bei der sie gemeinsam die Orte der Terroranschläge besuchen werden.
Das erste Ziel der Reise ist das Gelände des Musikfestivals, das vor genau einem Jahr von den Terroristen angegriffen wurde.
In Berlin wird Bundespräsident Steinmeier an der zentralen Gedenkveranstaltung der Jüdischen Gemeinde teilnehmen.
Sahra Wagenknecht und ihre neue Partei sind der politische Shooting Star des Jahres. Bundesweit liegt die Partei bei 7 bis 8 Prozent, in Brandenburg könnte das BSW bald regieren. Was hat Sahra Wagenknecht wirklich vor mit ihrer Partei und wer folgt ihr? Im ZDF ist die sehenswerte Dokumentation „Inside Bündnis Wagenknecht“ zu sehen, wir haben mit der Autorin Andrea Maurer gesprochen.
Table.Briefings - For better informed decisions.
Sie entscheiden besser, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir verschaffen Ihnen mit jedem Professional Briefing, mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil. Table.Briefings bietet „Deep Journalism“, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.
Professional Briefings kostenlos kennenlernen: table.media/registrierung.
Audio-Werbung Table.Today: jan.puhlman@table.media
Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Vor einem Jahr überfielen hunderte Hamas-Terroristen Israel und töteten in wenigen Stunden mehr als 1400 Israelis. Vor allem feiernde junge Menschen, Familien, Frauen, Alte. Es war das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust. Ein Jahr danach tobt der Krieg im Nahen Osten weiter und nichts scheint sich mehr zu beruhigen. Oder vielleicht doch? Ein paar Lichtstreifen gibt es, dazu gleich mehr. Im Interview an unserem Podcast-Tisch ist heute die Wagenknecht-Erklärerin und ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer. Sie hat eine bemerkenswerte Doku über den Rising Star der deutschen Politik verfasst und blickt hinter die Kulissen des Bündnisses Sarah Wagenknecht. Helene Bubrowski spricht gleich mit ihr. Zum Schluss werfe ich noch einen kurzen Blick auf den ersten Staatsbesuch eines US-Präsidenten seit 1985 und warum das keinen wirklich aufrüttelt. Los geht's, es ist Montag, der 7. Oktober. Heute ausnahmsweise mal ohne Helene Bubrowski, aber dafür mit mir. Los geht's.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft Extradatenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Es gibt keinen Film in meinem Leben, der grausamer war als diese 45 Minuten, die in der israelischen Botschaft vor einem halben Jahr gezeigt wurden. Es ist der Film, der die Gräueltaten der Hamas vom 7. Oktober zeigt. 45 Minuten blanker Horror. Über Morde, Tötungen und jubelnde Hamas-Terroristen, die ihre Gräueltaten feiern. So als hätten sie gerade einen erfolgreichen Fallschirmsprung hinter sich gebracht. Man sieht die Hamas-Kämpfer, wie sie über die Dörfer, durch die Kibbutze und über die Militärbasen regelrecht nach Menschen fahnden. Sie überfallen, sie töten, sie brutal erniedrigen. Und wenn sie sie so am Leben lassen, auf ihren Lastwagen zurück in den Gazastreifen bringen. Bei all dem haben sie sich gefilmt mit diesen berühmten Kameras auf dem Kopf, die eigentlich nur Extremsportler nutzen. In einer Szene, ich erinnere mich sehr genau, es werden zwei kleine Jungs offenbar von einer Überwachungskamera der israelischen Eltern aufgenommen, wie sie miteinander darüber reden, wo die Eltern sind. Sie haben sich versteckt. Der eine fragt seinen Bruder offenbar, seinen Bruder, wo denn die Eltern sind und ob sie noch leben. In der nächsten Szene sieht man, wie ein Terrorist die Granate in einen Verschlag wirft, wo die Eltern sich gerade hineingeflüchtet hatten. Die Unmenschlichkeit als Heldentat, so hat alles begonnen vor einem Jahr. Und wenn wir heute über den unerbittlichen Mehrfrontenkrieg Netanjahu... gegen die Hamas und gegen die Hisbollah reden, diskutieren, zu Recht auch streiten, dann müssen wir immer wieder daran erinnern, wie alles angefangen hat. Gerechtfertigt ist er das, dieser Verteidigungskrieg Netanyahus? Sicherlich, aber verhältnismäßig wahrscheinlich nicht. Aber wer über Israel redet, der muss das eben vor der Folie des 7. Oktober 2023 sehen. Und es ist traurig zu sehen, dass heute wieder einmal mehr Menschen gegen Israel auf die Straßen gehen in diesem Land, als in dem Gedenken an die Opfer der Hamas. Doch der Frieden, er ist eigentlich näher zu greifen, als man vielleicht denken könnte. Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist, hat schon David Ben-Gurion gesagt, der Gründer des Staates Israel, der erste Ministerpräsident. Dieses Wunder könnte gelingen, wenn man die Realpolitik und den gnadenlosen Pragmatismus, den es in diesen Kriegen und Konflikten immer wieder geben kann, wenn man ihn anwendet. Es geht ja jetzt um Stabilität, Waffenstillstand, kleine erste Schritte zur Ruhe. Und gerade die amerikanischen Präsidentschaftswahlen der 5. November könnten hilfreich dabei sein. Denn der neue US-Präsident, egal ob er Kamala Harris oder Donald Trump heißt, er muss zwingend eine Lösung für diesen Konflikt vorlegen. Und man hat das Gefühl, dass Netanyahus Aggressivität in den letzten Tagen und Wochen gerade diesen 5. November im Blick hat. Er will, bevor Amerika mit einem gewählten neuen Präsidenten sich diesem Krieg wieder widmet, Fakten schaffen. Auf der anderen Seite liest man neue Friedensinitiativen. Ehud Olmert, der ehemalige Premier Israels und Nasser Al-Khudwa, der ehemalige Außenminister der PLO, haben einen interessanten Friedensplan zusammengefasst und aufgeschrieben für verschiedene europäische Zeitungen, in dem es gerade darum geht, worum es immer gehen muss, ganz schmerzhafte Kompromisse von beiden Seiten. Es geht um eine internationale Schutzzone im Gaza. Es geht um mehrere Gebiete, sowohl von den Israelis als auch den Palästinensern, die jeweils dem vermeintlichen Feind überlassen werden sollten, um Frieden in der Region hinzubekommen. Und es geht, auch das wird in diesen Tagen viel diskutiert, um die arabischen Partner, die interne Konflikte und Probleme haben, die wirtschaftliche Probleme haben und ein hohes Interesse an Stabilität in der Region. Es geht um die Abraham Accords Partner, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, aber auch Saudi-Arabien, das eine neue Rolle auf der Weltbühne sucht und den Konflikt zwischen den Palästinensern und den Israelis gar nicht gebrochen kann. Es könnte also ein Neustart für den Frieden geben nach diesem 5.11. In den USA. Und auch nach den Gräueltaten und dem Horror, den wir seit einem Jahr erleben. Ausgerechnet der israelische Friedensaktivist David Grossmann hat es gerade so gesagt. Wir mussten anscheinend erst durch die Hölle gehen, um an den Punkt zu gelangen, von dem aus man an einem besonders klaren Tag den äußersten Zipfel des Paradieses sieht. In den nächsten Wochen geht es genau um diesen Zipfel. Sarah Wagenknecht ist die Politikerin der Stunde. In bundesweiten Umfragen liegt ihr Bündnis Sarah Wagenknecht inzwischen bei 7 bis 8 Prozent. Im Osten könnte das BSW zum Beispiel in Brandenburg demnächst sogar Regierungspartei werden. Wie hat die einstige Frontfrau der KPD das eigentlich geschafft? Wer ist diese Sarah Wagenknecht und wer sind das? Diese Anhänger eines Bündnisses, das vor einem Jahr auf der politischen Bühne noch gar keine Rolle spielte. In einer sehenswerten ZDF-Dokumentation geht Andrea Maurer und ihr Team genau diesen Fragen nach. Helene Bubrowski hat vor ein paar Tagen mit ihr über den Film und über Sarah Wagenknecht gesprochen. Los geht's.
Sprecher 4: Hallo, schön, dass du da bist, Andrea.
Sprecher 5: Hallo Helene, danke für die Einladung.
Sprecher 4: Ja, wir wollen sprechen über das Bündnis Sarah Wagenknecht und über deinen Film. Sarah Wagenknecht wirkt ja von außen betrachtet sehr unnahbar. Es gibt Leute, die sagen, die Temperatur sinkt um drei Grad, wenn sie den Raum betritt. Du hast sie jetzt über Monate sehr eng begleitet mit einem Kamerateam. Wie hast du sie erlebt? Bist du hinter die Fassade gekommen?
Sprecher 5: Also hinter die Fassade von Sarah Wagenknecht zu kommen, das ist, würde ich sagen, als jemand, der nicht zu dem Kreis ihrer engeren Menschen gehört, nicht möglich. Muss ja auch nicht sein. Was wir allerdings... über ein Jahr gemacht haben, ist eine Beobachtung, also eine filmische Beobachtung. Und in dieser Zeit passiert es natürlich, dass jemand, der eigentlich medial viel unter Kontrolle hat, sie ist ja ein sehr kontrollierter Mensch, dass dem natürlich auch Dinge passieren, die ungewöhnlich sind. Oder dass sie sich auch mal voller Euphorie zeigt am Wahlabend und fast schon aufgekratzt wirkt.
Sprecher 6: Haben wir ja tatsächlich zumindest im Osten mal die Verhältnisse verändert. Und machen damit auch schon Bundespolitik. Undenkbar. Undenkbar, dass wir jetzt heute hier stehen. Ich bin immer noch irgendwie ganz ungedacht.
Sprecher 5: Oder dass es eben Situationen gibt, wo man merkt, sie führt dieses Gespräch, ohne sich wirklich bewusst zu sein, dass die Kamera dabei ist. Und man auch da mal sieht, wie sie im Umgang auch mit anderen Menschen aus ihrer Partei ist. Und das war schon spannend zu sehen. Und ich würde schon sagen, dass man ein paar Momente hat in dieser Serie, wo sich eine Sarah Wagenknecht zeigt, die man so vielleicht jetzt nicht unbedingt dauernd erlebt oder sieht.
Sprecher 4: Und was macht diese andere Sarah Wagenknecht aus, die nicht so kontrolliert ist?
Sprecher 5: Also ich glaube, dass sie natürlich in diesen Talkshows eine Person ist, die das schafft, eben mit dieser fast schon Maskenhaftigkeit auch die Anwürfe auszuhalten, denen sie da teilweise ausgesetzt ist, auch die Kritik auszuhalten. Das finde ich ja auch immer erstaunlich, wie ruhig sie bleibt, auch bei der schärfsten Kritik. Und die Wagenknecht, die wir eben manchmal erlebt haben, ist natürlich eine im Umgang mit anderen Personen, die natürlich dann auch mit Menschen zu tun hat. wo sie sich wohlfühlt, wo sie keiner Kritik ausgesetzt ist. Und dann hatten wir ja einmal diese Situation, wo sie bei einem Italiener sitzt. Da war die Parteigründung noch gar nicht offiziell und sie mit Klaus Ernst und Christian Laie ein paar Dinge bespricht. Und die drei so unfassbar lästern über die Bayerische Linkspartei, die einen sagenhaft schlechten Wahlkampf gemacht hat und einen langhaarigen Menschen auf ein Plakat gedruckt hat mit Hero-Gender-In. Und wie die drei darüber reden, das fand ich auch schon bemerkenswert. Und dass sie so lästern kann.
Sprecher 4: Es gab ja Zweifel daran, ob Sarah Wagenknecht wirklich eine Partei gründet. Sie hatte ja mal die Bewegung Aufstehen initiiert, die dann aber sehr schnell gescheitert ist. Und viele sagen, Sarah Wagenknecht kann eigentlich gar nicht gut organisieren. Außerdem ist sie gar nicht so belastbar, auch körperlich nicht so belastbar. Wie schätzt du das ein nach den Monaten, die du an ihrer Seite warst?
Sprecher 5: Das ist ja was, was sie selber auch immer wieder sagt, dass sie auch Grenzen ihrer Kräfte manchmal spürt. Am Wahlabend in Brandenburg war sie ja auch krank und konnte nicht teilnehmen. Ich glaube, dass sie das nicht gemacht hätte, wenn sie sich nicht bewusst gewesen wäre, dass es beispielsweise einen Christian Laie gibt oder eine Amira Mohamed Ali, die da mitmachen. Wenn sie auch tatsächlich, muss man sagen, nicht ihren Mann als Ratgeber im Hintergrund gehabt hätte. Dass sie aber jetzt, finde ich, seit der Parteigründung, sagen wir mal, acht Monate auch gesundheitlich ziemlich durchgehalten hat. Das war, glaube ich, auch dem Erfolg geschuldet, den sie da gespürt hat. Da war sie, glaube ich, auch von der Aufmerksamkeit. Getragen und hat da ganz gut durchgehalten.
Sprecher 4: Welche Rolle spielt denn Ihr Mann, der ja immer mal wieder an Ihrer Seite auftaucht, aber ja kein wichtiges Amt in der Partei inne hat?
Sprecher 5: Ja, sie selber sagt ja, er ist ihr wichtigster Ratgeber und ich glaube, das kann man ihr glauben.
Sprecher 6: Ob ich es ohne ihn gemacht hätte, er ist ein wichtiger Ratgeber für mich. Und was war sein wichtigster Rat? Einmal die Auswahl der Menschen, die jetzt wirklich im engsten Team sind, dass dort Menschen drin sind, die miteinander können, die miteinander gut auskommen, die auch nicht irgendwelche Rivalitätsgefühle haben. Der untereinander noch mir gegenüber, das ist ja sehr, sehr wichtig.
Sprecher 5: Die beiden sind ja ein erstaunliches politisches Paar in Deutschland. Ich glaube, kein anderes Paar hat den linken Rand der Bundesrepublik so verändert wie die beiden, teilweise ja auch zerstört. Und Oskar Lafontaine ist ja auch eine tragische Figur, hat ja mindestens genauso viel aufgebaut wie zerstört. Saarländischer Ministerpräsident, später SPD-Parteichef, SPD-Finanzminister, vier Monate lang bis er hin geworfen hat und die SPD auch verlassen hat. Später dann war er dabei, als WSG und PDS zur Linkspartei fusioniert sind, um später natürlich auch die Linkspartei zu verlassen. Und dieses Zerstörerische, was er sicher auch hatte, das ist ja auch das, was man auch bei seiner Frau vermuten darf. Also auch sie hat ja der Linkspartei, muss man ja sagen, den Todesstoß versetzt. Und es wird spannend sein zu sehen, wie die beiden nun mit der Partei umgehen, die den Namen von Sarah Wagenknecht trägt, also ihre Partei ist. wie weit da eben das Bekenntnis zu dieser Partei geht.
Sprecher 4: Ja, reden wir nochmal über das Bündnis, das ihren Namen trägt. Du hast schon einige Personen gesagt, die da auch eine Rolle spielen. Die Co-Vorsitzende Almira Mohamed Ali, die auch im Bundestag sitzt. Aber welche Rolle spielt Sarah Wagenknecht? Dreht es sich wirklich alles um sie? Tritt sie da autoritär auf? Oder gibt es auch Menschen in der Partei, die ihr tatsächlich Kontra geben, die sich auch gegen sie behaupten? Und wenn ja, hält sie das aus?
Sprecher 5: Also in der Parteispitze, würde ich sagen, sind Vertraute, die sich ihr verschrieben haben, die sich dieser Partei verschrieben haben. Und da würde ich davon ausgehen, dass es wenig Widerworte gibt. Eine Person, bei der man vielleicht vermuten kann, dass es in Zukunft auch zu Reibungen zwischen ihr und Sarah Wagenknecht kommt, ist ja Katja Wolf, die Thüringer Spitzenkandidatin. Eine ziemlich pragmatische Frau, die durch die Kommunalpolitik mit allen Wassern der Politik, würde ich sagen, gewaschen ist und die von sich selber auch sagt, sie ist ein ganz anderer Typ als Sarah Wagenknecht. Sie ist selbstbewusst, sie hat einen Wahlerfolg in Thüringen eingefahren und jetzt ist die Frage, Katja Wolf will regieren und sie möchte Verantwortung übernehmen für Thüringen. Und die Frage ist, ob Sarah Wagenknecht das eigentlich auch will. Das ist ja noch gar nicht so klar, ob sie das möchte, dass ihre Partei in drei ostdeutschen Bundesländern tatsächlich jetzt schon Verantwortung übernimmt, weil ihr großes Ziel ist es ja, Spitzenkandidatin bei der Bundestagswahl zu werden.
Sprecher 4: Also das heißt, die Sorge von Sarah Wagenknecht ist, dass durch die Regierungsbeteiligung, Man dann irgendwie auch Teil des Establishments wird und dass man dann nicht mehr so gut gegen die da oben, gegen die Regierenden wettern kann?
Sprecher 5: Also ich finde es erstaunlich, dass sie mit absoluten Maximalforderungen auch schon in die Sondierungen geht und ja auch klar macht, dass sie den Wählerauftrag gar nicht so sehr spürt mitzuregieren, sondern sie sagt, am Ende kann ihr Wählerauftrag auch Opposition heißen und sie will da keinen Wählerbetrug machen. Was für mich darauf hindeutet, dass sie schon vorbereitet, dass es vielleicht in Teilen nicht möglich wird. Zweite Frage ist natürlich, sind die überhaupt in der Lage, Verantwortung zu übernehmen? Also das BSW in Brandenburg hat 40 Mitglieder. Wie wollen die aus dem Stand heraus eine Koalition eingehen? Und da ist schon klar, dass es schwierig wird zu liefern. Und ich würde sagen, dass es durchaus auch Überlegungen gibt, dass es besser wäre, dass der Kelch da an den BSW vorüber geht.
Sprecher 4: Sprechen wir mal über das Verhältnis zur AfD. Man kann ja sagen, die Parteien haben jedenfalls in ihrer Wählerschaft schon gewisse Überschneidungen. Auch die Mittel, mit denen sie Politik machen, sind nicht ganz unähnlich. Und im Saarland insbesondere, das zeigt ihr auch im Film, gibt es eine Vorsitzende, die gar keine Abgrenzung von der AfD so scharf wollte. Also wie glaubwürdig ist das? Wie glaubwürdig ist auch Sarah Wagenknecht, die ja immer nur davon spricht, dass es in der AfD Nazis, aber auch andere gäbe?
Sprecher 5: Also ich glaube, das Verhältnis zur AfD ist einfach deswegen so offen gehalten an vielen Stellen, weil es eben inhaltliche Überschneidungen gibt. Das heißt, wenn man sagt, natürlich müssen wir uns inhaltlich mit dieser Partei auseinandersetzen, dann... gehen die natürlich davon aus, dass es Themen gibt wie Corona, Migration, keine Waffenlieferung, bei denen sie die AfD gar nicht angehen können, ohne selbst unglaubwürdig zu sein. Und das ist, glaube ich, die Strategie. Also man grenzt sich inhaltlich nicht ab, aber sagt natürlich, es gibt einen Teil in der AfD, Björn Höcke, das sind Nazis. Aber Frau Weidel, die ist ja kein Nazi. Und das ist auch natürlich nochmal eine Strategie, um Wähler rüberzuholen. Also sprich, ich beschimpfe euch nicht, kommt rüber zu mir. Ich bin nicht die, die jetzt hier euch alle als rechtsradikal beschimpft, sondern ihr könnt auch in unserer Partei nochmal eine Partei finden, der ihr euer Kreuz gibt.
Sprecher 6: Also ich glaube nicht, dass ich radikal bin. Radikal heißt ja irgendwie, man will alles ganz neu machen, wie es noch nie war. Menschen lesen halt nicht Parteiprogramme als erstes. Bei mir wissen, denke ich, schon die Menschen, wofür ich stehe. Und sie können damit auch sehen, und darauf achten wir ja auch, dass die Partei auch für das steht, was ich verkörpere. Und deswegen wissen sie, ob sie das wählen wollen oder nicht. Das ist natürlich schon ein großer Vorteil.
Sprecher 4: Sarah Wagenknecht möchte bei der Bundestagswahl 2025 als Spitzenkandidatin antreten. Wie ist deine Prognose? Welche Kraft entfaltet das BSW im Westen?
Sprecher 5: Bisher ist es auf jeden Fall eine Ostpartei, weil einfach auch die Wahlkampfthemen und auch das, was den Erfolg in Ostdeutschland, in diesen drei ostdeutschen Bundesländern gebracht hat, das waren Themen, die eben im Osten auch besonders gut funktioniert haben.
Sprecher 4: Und auf Bundesebene nochmal das Verhältnis zur CDU, die sich ja jetzt ein bisschen aus der Affäre zieht, indem sie sagt, das ist alles total heterogene Partei und in den Ländern, was, so sagt Friedrich Merz, was die da zur Abfallwirtschaft sagen, das weiß ich nicht, das müssen die vor Ort entscheiden. Aber auf Bundesebene gibt es ja derzeit keinen Unvereinbarkeitsbeschluss, aber trotzdem eine Art Ausschluss der Zusammenarbeit. Wie nachhaltig ist das, was glaubst du?
Sprecher 5: Ja, also es ist auf jeden Fall ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil natürlich der Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei wegen Personen wie Sarah Wagenknecht getroffen wurde. Jetzt kann man sagen, es ist ein Glück für die CDU, dass sie den mit dem... BSW noch nicht haben, weil es ihnen die Möglichkeit in diesen drei ostdeutschen Bundesländern gibt. Aber die Frage ist natürlich, an der viel hängt, wird es da jetzt zu Koalitionen kommen? Und das wird dann natürlich auch ein Prüfstein sein für die Bundes-CDU, würde ich sagen, wie weit man eben mit einer Wagenknecht-Partei regieren kann.
Sprecher 4: Vielen Dank, du Kennerin des BSW. Ich empfehle natürlich, diese Serie zu schauen. Fünf Teile sind es, gut 30 Minuten. Ich sage mal, schaut es weg wie eine Netflix-Serie. Wahnsinnig spannend und gleichzeitig unterhaltsam. Man lernt sehr viel und ich bewundere euch, wie nah ihr drangekommen seid an dieses Bündnis, das ja für andere Hauptstadtjournalisten wie mich irgendwie sehr, sehr weit weg ist und man kein Gefühl dafür kriegt, jetzt habe ich eins bekommen. Insofern danke, dass du heute hier warst und über deinen Film gesprochen hast.
Sprecher 5: Ja, danke, dass ich dem tollen Podcast sein konnte, Helene.
Sprecher 2: Schloss Bellevue, Gästebuch, militärische Ehren, Gang durch das Brandenburger Tor und natürlich ein Gespräch im Kanzleramt. Es wirkt alles sehr routiniert und dabei ist es doch historisch, was am Ende dieser Woche in Berlin passiert. Denn seit 1985 ist es der erste Staatsbesuch eines US-Präsidenten. Joe Biden kommt nach Berlin, aber irgendwie fühlt sich das Protokoll ebenso an, wie man es für eine lame duck gebaut hat. Ja, natürlich hat Olaf Scholz ein paar mehr Ideen für den Besuch gehabt. So will er Emmanuel Macron und den britischen Premier Keir Starmer zu dem Treffen einladen. Und der Bundespräsident hat sich die Sonderstufe des Bundesverdienstkreuzes ausgesucht, die er dem amerikanischen Präsidenten überhängen will. Aber ein Staatspaket am Mittag, das wirkt dann doch etwas seltsam. Aber Joe Biden will schon wieder weiter zum Rammstein-Gipfel für die Ukraine-Unterstützer. Naja, und irgendwie ist die Aufregung in der Hauptstadt auch gedämpft. Da kommt einer, der in wenigen Monaten nicht mehr Präsident sein wird. Es ist auch eine Art Dankesbesuch an Olaf Scholz, mit dem er eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet hat. Aber die Augen, sie richten sich längst nach Washington. Und zu den Präsidentschaftswahlen, wo in wenigen Wochen klar sein wird, ob Donald Trump oder Kamala Harris die neue oder der neue US-Präsident werden. Der Besuch von... Joe Biden, so ist er am Ende ein fast tragisches, jedenfalls etwas stiller Abschied einer so bedeutsamen transatlantischen Politiker-Karriere. Und für Olaf Scholz, der sich diese Woche sicherlich wieder vielen Vergleichen stellen muss, ob er eine ähnliche lame duck ist angesichts der miesen Umfragewerte wie Joe Biden, da bleibt immerhin die Aussicht auf Donald Trump. Denn sollte der Mann Präsident werden und doch noch nach Deutschland kommen vor der Bundestagswahl, dann wirkt Olaf Scholz dagegen wie ein quicklebendiger Demokrat der Mitte. In diesem Sinne freuen wir uns natürlich auf Joe Biden und ich hoffe, Sie freuen sich auf den nächsten Podcast von Table Today morgen, dann am 8. Oktober, Dienstag ab 6 Uhr im Podcast-Channel Ihres Vertrauens. Ich freue mich, wenn Sie wieder dabei sind. Bis dahin, Ihr Michael Bröker.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.