Kann Merz Kanzler?
Dauer: 24:19

Kann Merz Kanzler?

Helene Bubrowski und Michael Bröcker analysieren die Nominierung Merz’ zum Kanzlerkandidaten. 

Dazu sprechen wir mit CDU-Vize Karin Prien, Ex-CSU-Chef Horst Seehofer, der Grünen-Vorsitzenden Ricarda Lang und dem Merz-Vertrauten und Unternehmer aus dem Sauerland, Arndt G. Kirchhoff. 


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Transkript

Sprecher 1: Um es kurz zu machen, die K-Frage ist entschieden. Friedrich Merz macht's.

Sprecher 2: Merz macht's. Friedrich Merz ist der Kanzlerkandidat der CDU. Was viele schon ahnen, ist jetzt offiziell ausgerechnet. In der bayerischen Landesvertretung hat Markus Söder ihn gekürt. Ich bin fein damit, hat er gesagt. Was sind die Stärken und Schwächen des Kandidaten und wie reagieren eigentlich die anderen? Darüber reden wir heute in diesem Spezial-Podcast.

Sprecher 3: Und ist es überhaupt glaubhaft, was Markus Söder da sagt? Wir sprechen mit jemandem, der Markus Söder durchaus schon mal die ein oder andere Schmutzelei attestiert hat. Horst Seehofer bei uns zu Gast.

Sprecher 2: Und nicht nur Horst Seehofer da, auch die CDU-Vizin Karin Prien, Grünen-Chefin Ricarda Lang und der langjährige Merz-Freund aus dem Sauerland, der Unternehmer Arne Kirchhoff. Diese Personen analysieren mit uns zusammen die Kandidatur von Friedrich Merz.

Sprecher 3: Heute ist Mittwoch, der 18. September. Es gibt eine Menge zu besprechen. Los geht's.

Sprecher 4: Wir sind aufgestellt, personell, politisch, organisatorisch. CDU und CSU können ab sofort in einen Bundestagswahlkampf gehen.

Sprecher 1: Wir beide sind uns komplett einig. Wir haben nur ein Ziel, die Ampel abzulösen und Deutschland endlich wieder auf Vordermann zu bringen. Dem muss... Und wird sich alles weitere unterordnen.

Sprecher 4: Und ich will mich noch einmal wirklich sehr herzlich bedanken für die freundschaftliche und gute persönliche Zusammenarbeit, die wir beide haben. Wir sind unterschiedlich, aber genau das macht ja auch den Reiz einer großen Union aus.

Sprecher 1: Nur einer der beiden Parteivorsitzenden kommt in der Regel als Kandidat in Frage. Die CSU akzeptiert es, ich akzeptiere das. Und zwar nicht zähneknirschend, sondern, ich sage das ausdrücklich, hat man eine volle Rückendeckung. Und zwar, das ist wichtig, mit einer sehr hohen persönlichen Wertschätzung verbunden.

Sprecher 2: Ausgerechnet Markus Söder gibt hier den Dienenden. Und nominiert den neuen Kanzlerkandidaten der Union. Das war schmerzhaft, das spürte man bei Marco Söder auf der Bühne. Und der eine oder andere soll ihm in den letzten Tagen, unter anderem Theo Weigel, auch dringend geraten haben, endlich März zu nominieren.

Sprecher 3: Ja, es lief alles auf März zu. Wir haben hier schon ein paar Mal drüber gesprochen und trotzdem gab es noch den einen oder anderen, der sagte, naja, wenn März wieder mal durchdreht, wenn er die Nerven verliert, wenn er mal wieder eine Schwäche hat und wenn es dann einen... Momentum gibt, dass Wüst doch kommen könnte, hätte er kommen können. So ist es nicht gekommen. Friedrich Merz hat die Sache ausgesessen und war relativ ruhig und sehr professionell in den vergangenen Monaten. Und nun steht die Union hinter ihm. Das Stichwort ist nun.

Sprecher 2: Helene, und ich muss mich korrigieren hier in unserem Fehler-Podcast. Ich hatte ja mal Politik-Defizite bei Merz attestiert. Man muss sagen, das hat er sehr taktisch klug gemacht. Am Ende sind sie alle aufgelaufen, wie Teflon an ihm abgeprallt, die Kandidaten. Und am vergangenen Wochenende, so haben wir es erfahren, soll Söder dann zu Merz gesagt haben, er möchte Fakten schaffen vor der Klausurtagung der CSU im Kloster Banz an diesem Mittwoch und deswegen den Dienstag selbst ins Gespräch gebracht haben. Und davon hat wiederum Henrik Wüst erfahren, der dann seine Landesvorstandssitzung nutzte, um Friedrich Merz zu nominieren. Am Ende ging es also darum, wer ist der schnellere und bessere Königsmacher? Das hätte man auch vor einem Jahr nicht erwartet.

Sprecher 3: Es ist doch immer wieder ein Ränkespiel unter diesen ehrgeizigen Männern. Wer ist der erste, schnellste, beste? Wer ist, wenn er schon nicht der erste ist, also der Kanzlerkandidat, zumindest der, der den ersten kürt? Ich finde es ja irgendwie persönlich zwar ganz amüsant, aber auch ein bisschen peinlich für Männer dieses Formats, oder?

Sprecher 2: Ja, es geht irgendwie immer um Gesichtswahrung und wer spielt wann noch welche machtpolitische Rolle. Eins ist klar, Friedrich Merz ist jetzt umzingelt von Freunden. Aus München, aus Nürnberg und aus Düsseldorf.

Sprecher 3: Ja, gute Freunde in der Politik, da gilt das alte Wort Freund, Feind, Parteifreund. Für die Unionsschwestern gilt das noch umso mehr. Mit Markus Söder haben ja manche CSU-Politiker so ihre Erfahrungen gemacht. Und übrigens auch Politiker mancher anderer Parteien. Mit einem besonderen Freund von Markus Söder haben wir gesprochen. Er wohnt in Ingolstadt und Sie ahnen schon, wer es ist. Der ehemalige CSU-Vorsitzende Horst Seehofer. Die Union hat sich jetzt für Friedrich Merz entschieden. Was halten Sie davon?

Sprecher 5: Ich bin sehr froh, dass die Kandidatenfrage jetzt geklärt ist. Denn jetzt kann man sich wieder der eigentlichen Politik zuwenden.

Sprecher 3: Glauben Sie, dass Herr Söder sich ein Jahr lang beruhigen kann und in einer dienenden Rolle tätig sein kann für die Union?

Sprecher 5: Ja, er hat es ja versprochen und ich hoffe, dass dies auch gilt. Die Einigkeit der Union wird ja von der Bevölkerung nur dann ernst genommen, wenn sie auch jede Woche gelebt wird. Und wir stehen jetzt gut da. Aber die nächsten Monate werden für die Union noch ganz, ganz schwierig.

Sprecher 3: Was meinen Sie damit?

Sprecher 5: Ja, weil Deutschland inmitten großer Herausforderungen steht. Und auch eine Opposition muss ja der Bevölkerung erklären, wie sie die verschiedenen Aufgaben lösen würde. Denn nur mit Lösungen, die die Menschen überzeugen, kriegen sie auch Vertrauen. Ich habe bei der letzten Bundestag... Er lebt wie Scholz aus einer aussichtslosen Lage plötzlich Bundeskanzler war. Also man muss die nächste Zeit sehr, sehr ernst nehmen.

Sprecher 3: Nochmal zurück zu Markus Söder. Sie haben ihm mal Schmutzeleien attestiert. Was erwarten Sie jetzt in der Zukunft, in den künftigen Monaten von Ihrem Parteifreund?

Sprecher 5: Ich erwarte, dass er das, was er heute vor der Öffentlichkeit erklärt hat, übrigens im Grundsatz auch schon auf dem letzten CDU-Parteitag, dass dies einfach jeden Tag gelebt wird. Die Menschen werden ihn daran messen.

Sprecher 3: Glauben Sie, dass es irgendwann mal einen CSU-Kanzlerkandidaten geben wird, der dann auch erfolgreich ist?

Sprecher 5: Ja, ein Kanzlerkandidat der CSU kann durchaus erfolgreich sein. Zuletzt hat es ja Edmund Stoiber. bewiesen, der nur knapp die Kanzlerschaft verfehlt hat. Aber jetzt zu spekulieren, wann sich wieder eine Chance eröffnet für die CSU, wäre jetzt vermessen. Das würden die Leute ja auch gar nicht verstehen. Jetzt haben wir gerade sehr frisch einen Kanzlerkandidaten, der ja von den Parteigremien noch bestätigt werden muss. Und wir sollten uns jetzt darauf konzentrieren, den Friedrich Merz total zu unterstützen. Und ihm zu helfen, das ist eine Herkulesaufgabe, die auch in den nächsten Monaten auf Friedrich Merz wartet. Und nur dann, wenn wir das gemeinsam, vor allem die aktiven Politiker, ich bin ja Rentner, wenn die aktiven Politiker das positiv gestalten, werden wir auch bei der Bundestagswahl das Vertrauen der Menschen bekommen.

Sprecher 3: Herr Siufer, Sie haben immer gesagt, in Ihrer Amtszeit vergesst mir die kleinen Leute nicht. Und Friedrich Merz ist nun einer, der mehrere Flugzeuge besitzt und sich als gehobenen Mittelstand bezeichnet. Trauen Sie ihm das zu, dass er diesen Spagat schafft und auch die kleinen Leute mit einbezieht in die Politik der Union?

Sprecher 5: Ja, ich habe ja in verschiedenen Interviews, nicht in sehr vielen, aber doch den einen oder anderen schon seit einigen Monaten zum Ausdruck gebracht, dass ich den Friedrich Merz für absolut geeignet halte. Ich bilde mir ein Urteil aus der Zusammenarbeit mit ihm. Ich war ja auch Stellvertreter von ihm in der Bundestagsfraktion. Ich kenne sein Denken, seine Grundüberzeugungen und habe auch erlebt, dass er durchaus die sozialen Fragen unserer Zeit so beantwortet und löst, wie ich mir das auch für die kleinen Leute vorstelle. Er ist keiner, der nur die Wirtschaftspolitik im Blick hat und alles andere um sich herum vergisst. Nein, er sucht passend zu einer Volkspartei immer den Ausgleich zwischen den wirtschaftlichen Notwendigkeiten und auch der sozialen Balance in unserem Land. Also gerecht. mit Friedrich Merz zu realisieren, dürfte nach meiner Überzeugung kein Problem darstellen.

Sprecher 3: Sagt Horst Seehofer. Vielen Dank, lieber Herr Seehofer und Grüße nach Ingolstadt.

Sprecher 5: Ja, danke.

Sprecher 2: Das große Versprechen von Markus Söder, also ein Jahr lang stillhalten und im Wahlkampf nicht Friedrich Merz von der Seite aus attackieren. Mal schauen, ob das gelingt. Das große Problem, wenn es gelingt von Friedrich Merz, ist dann wohl nur noch Friedrich Merz selbst. Und der hat, da gibt es eine spannende Umfrage von Forsa, zum Beispiel bei den Frauen ein echtes Problem. Helene Bobrowski, da musst du mir helfen. Nur 9 Prozent, 9 Prozent der jungen Frauen würden Merz zum Kanzler wählen.

Sprecher 3: Eine Zahl, die der CDU zu denken geben muss, denn die Hälfte der Wähler in Deutschland sind nun mal Frauen. Friedrich Merz ist aber durchaus anpassungsfähig. Das heißt, er spricht auch oft so, wie das Publikum es gerne hören möchte. Und zum Beispiel der Witz über Annegret Kramp-Karrenbauer, den er mal gemacht hat, den viele geschmacklos und chauvinistisch fanden, als er Annegret Kramp-Karrenbauer als ein Sturmtief bezeichnet hat, das hat er nicht zufällig vor dem Forum Mittelstand in Berlin gemacht, wo fast nur Männer saßen. Und umgekehrt kann ich berichten aus einer Hintergrundrunde, in der ich mal saß, in der ausschließlich Frauen sind. Ich darf da über Inhalte natürlich nicht sprechen, aber ich kann sagen, Friedrich Merz war da und war ein total charmanter, freundlicher Mensch, der sehr zugewandt war und kein bisschen showy war. Also er passt sich an, aber das ist für jemanden, der wie ein Kanzler oder zumindest ein Kanzlerkandidat immer im Rampenlicht steht, durchaus auch ein Risiko, weil man denkt, Moment mal, ist das eigentlich derselbe Mensch, der mal so ist und mal so? Also Problem, die Glaubwürdigkeit erhöht das nicht.

Sprecher 2: Wie immer hilft Differenzierung. Der Mann ist sicherlich nicht so ein konservativer Show wie ihn Anneliege zeichnen. Denn es gibt auch Frauen in der CDU, die ihr Bild über Friedrich Merz verändert haben, die zu den schärfsten Gegnern einst gehörten und jetzt sich ins Team Merz eingereiht haben. Das ist zum Beispiel Karin Prien. Sie ist stellvertretende Vorsitzende, kommt aus Schleswig-Holstein, einem sehr liberalen, linksliberalen Bundesland zumindest innerhalb der CDU. Und sie war durchaus bei Annegret Kramp-Karrenbau und auch bei Armin Laschet immer auf der Seite der Gegner von Friedrich Merz. Mit ihr habe ich gestern mal darüber gesprochen, was sie zur Kandidatur sagt und zu dem vermeintlichen Problem von Friedrich Merz bei Frauen. Frau Brin, Friedrich Merz ist nominiert, zumindest von Markus Söder. Wie laut waren jetzt die Sektkorken, die da oben in Schleswig-Holstein geknallt haben?

Sprecher 3: Wir haben tatsächlich heute beim Meta-Essen ein Gläschen Wein getrunken, was ja ein bisschen ungewöhnlich ist. Aber wir hatten ja gemeinsame Kabinettssitzungen mit den Nordrhein-Westfalen. Hendrik Wüst war ja unser Gast heute und die Stimmung ist gut, kann ich Ihnen sagen.

Sprecher 2: Nun waren ja Henrik Wüst und Daniel Günther nie die allerengsten Fans einer Kanzlerkandidatur von Friedrich Merz. Ist das jetzt alles nur runtergeschluckt und die Faust wird in der Tasche geballt? Oder hat es auch wirklich einen Mentalitätswandel gegeben?

Sprecher 3: Also wir sind uns alle...

Sprecher 6: Einig wie nie zuvor, dass wir einen Regierungswechsel brauchen in Deutschland, dass diese Regierung wirklich abgelöst werden muss und abgewirtschaftet hat. Und dahinter stellen, glaube ich, alle jetzt auch irgendwie Befindlichkeiten zurück. Und Friedrich Merz hat, finde ich, gerade auch noch mal in den letzten Wochen in dieser Entscheidung um die Kanzlerkandidatur ja gezeigt, dass er ein echter Profi ist. Das hat er wirklich top gemacht aus meiner Sicht. Und so sehen das, glaube ich, auch alle hier. Und ja, die inhaltliche Neuaufstellung hat er gut hinbekommen. Die Fraktion hat er zu einer richtig guten Oppositionsfraktion gemacht. Und natürlich werden wir jetzt nochmal ringen um den einen oder anderen Punkt. Aber insgesamt steht die CDU so geschlossen da wie lange nicht mehr.

Sprecher 2: In Deutschland sehen das nicht alle Bevölkerungsgruppen so wie die CDU in Schleswig-Holstein. Zum Beispiel nur 9% der jungen Frauen würden Merz zum Kanzler wählen. Was ist denn da los?

Sprecher 6: Ja, ich meine, das ist natürlich ein Stück weit eine Generationenfrage. Aber ich glaube, er ist der richtige Mann. Zur richtigen Zeit und da wird noch Überzeugungsarbeit zu leisten sein. Und außerdem sind wir ja auch in der CDU ein breites Team. Und ich glaube, wir haben auch ein gutes personelles Angebot über Friedrich Merz hinaus.

Sprecher 2: Es gab durchaus auch Frauen in der CDU, die gesagt haben, der Mann, der ist mir manchmal ein wenig zu chauvinistisch unterwegs. Ich denke da an Äußerungen über Annegret Kramp-Karrenbauer mal bei einem Mittelstandsforum in Berlin. Sind diese... Momentaufnahmen passé, weil er sich wirklich verändert hat? Oder haben wir Medien das immer schon übertrieben?

Sprecher 6: Also ich glaube schon, dass man bei Merz in interessierten Kreisen, damit meine ich jetzt gar nicht mal die Medien, aber die auch ja jedes Wort auf die Goldwaage legt. Und ich kann sagen, ich habe ihn jedenfalls so nicht erlebt. Und wenn er mal über die Stränge schlägt, dann sage ich ihm das auch. Und da wird er auch darauf achten müssen, dass er da auch wirklich breite Kreise anspricht. Und Frauen sind ein wichtiges Wählerpotenzial. In der liberalen Demokratie haben die Frauen am meisten zu verlieren.

Sprecher 2: Ist das eine Frage der Ansprache oder eine Frage der Themen?

Sprecher 6: Ich glaube, in erster Linie der Ansprache. Bei den Themen sind Männer und Frauen ja gar nicht so weit auseinander. Es geht in unserem Land in erster Linie darum, den Wohlstand zu erhalten und da wirklich eine Wende zu schaffen in der Wirtschaftspolitik. Wir brauchen eine Staats- und Verwaltungsreform. Wir müssen in Sachen Verteidigung mehr tun, aber auch beim Klimaschutz. Und da gibt es sicherlich Nuancen zwischen Männern und Frauen, aber alles in allem glaube ich, dass auch die Themen Sicherheit und Migration, das ist auch was, was für Frauen wichtig ist.

Sprecher 2: Der Bundestagswahlkampf, SPD-Politiker und Influencer haben es bereits kommuniziert, soll zum Richtungswahlkampf werden. Die Merkel-CDU werde mit der Kandidatur von Friedrich Merz abgewickelt. So die Botschaft der SPD. Ist das so?

Sprecher 6: Das ist vollkommener Unsinn. Das sehe ich überhaupt nicht so. Und was ich halt befürchte, ist, dass die SPD hier jetzt versucht, einen schmutzigen Wahlkampf zu machen und auch Atomhinnen-Wahlkampf zu machen. Ich hoffe, das ist gut. dass die sich das verkneifen, denn die Bürgerinnen und Bürger wollen Lösungen für die offensichtlichen großen Probleme in unserem Land. Darauf sollte sich auch die SPD besinnen.

Sprecher 2: Frau Prien, vielen Dank und einen schönen Gruß nach Schleswig-Holstein. Bis zum nächsten Mal.

Sprecher 6: Ich danke Ihnen.

Sprecher 3: Die Union hat zuletzt vor allem auf das Thema Migration gesetzt. Ein Thema, mit dem sie schon lange Wahlkampf macht, wo sie sich auch deutlich abgrenzen kann von der Ampel. Alte Forderungen kamen wieder hoch. Nicht nur von Obergrenze war wieder die Rede, sondern auch von Zurückweisungen an der Grenze. Und ganz an der Spitze der Bewegung stand Friedrich Merz mit ziemlich harten Ansagen.

Sprecher 2: Ja, und Helene, ich weiß, wir sind da vielleicht nicht ganz einer Meinung, aber aus meiner Sicht hat er das Thema richtig und auch scharf richtig besetzt. Selbst wenn seine Forderungen am Ende nicht Politik werden, nämlich vollständige Zurückweisungen aller Asylbewerber in die jeweiligen EU-Länder, muss man eins sagen, es gibt eine sehr spannende interne Umfrage des Bundespresseamts, die nicht veröffentlicht wurde. Und dort sagen 60, 60 Prozent der Männer in Deutschland, die Einwanderung hat in den letzten Jahrzehnten auf Deutschland einen eher negativen Einfluss gehabt. Und selbst bei den Frauen sagen es 55 Prozent. Dieses Thema, die Ängste vor... Einer schwierigen Zuwanderung, die entweder in die Sozialsysteme oder in die Strafstatistik führt, die spielt eine Rolle und das Thema hat er aufgegriffen. Und man muss sagen, Nancy Faeser folgt in ganz vielen Vorschlägen der Union.

Sprecher 3: Kann man jetzt sagen, folgt man? kann sagen, sie ist getrieben. Aber sie macht es. Man muss sich natürlich Gedanken über die Frage machen, was ist gute Politik? Ist gute Politik eine Politik, die sich an solchen Umfragen orientiert, Angst vor Überfremdung, ja ernst nehmen, aber muss sich Politik wirklich daran ausrichten und diese Ängste sogar noch bestärken? Was ich Friedrich Merz und der Union in diesem Punkt vorwerfe, ist, dass diese Schwesterparteien, die eigentlich dem europäischen Geist sich verschrieben haben, die wie keine andere für die Einheit nicht nur Deutschlands, sondern auch Europas stehen, in diesem Punkt wirklich sehr nicht nur unsolidarisch, sondern geradezu antieuropäisch handeln, nämlich national gedacht unsere Grenzen schützen und dann einen Dominoeffekt bis hin zu den Mittelmeeranreinern schaffen. Und dann funktioniert das ganze europäische Asylsystem nicht mehr, das wir in Europa gerade gemeinsam verabschiedet haben. Also wir, ich meine die uns vertretenen Institutionen. Das war schwierig genug und nun soll sich alles auseinander dividieren und Rücküberstellung und all das wird nicht mehr funktionieren. Ich finde das für die Parteien, die eigentlich für den europäischen Geist stehen, nicht richtig.

Sprecher 2: Gute Politik ist für mich, Helene, und da muss ich leider entschieden widersprechen, wenn Vertrauen in politische, demokratische Institutionen gestärkt wird und wenn der Rechtsstaat nicht in der Lage ist, Recht anzuwenden, nämlich zum Beispiel abgelehnte Asylbewerber irgendwie dann doch auch aus dem Land zu bringen, dann stärkt das nicht diese Demokratie.

Sprecher 3: Wobei das eine andere Baustelle ist. Nein, eben nicht, Helene.

Sprecher 2: Nein, eben nicht. Also wenn du ein Problem hast, nein, das ist für mich intellektuell, muss ich sagen. Ich sage, das eine musst du machen.

Sprecher 3: Intellektuelle Disziplin.

Sprecher 2: Genau, intellektuelle Disziplin. Das eine musst du anmachen und das andere darfst du nicht lassen. Wenn du die Leute nicht rausbekommst aufgrund dieser rechtlichen Schwierigkeiten, dann musst du eine Lösung an den Grenzen finden. Wenn wir sie nicht an den europäischen Außengrenzen finden, müssen wir an den deutschen Grenzen etwas machen, das vielleicht am Ende dazu führt, dass die EU-Außengrenzen doch schon vorher geschützt werden, bevor diese super tolle GEAS irgendwann mal in Kraft kommt.

Sprecher 3: Also Rücküberstellungen funktionieren nur dann, wenn man zusammenarbeitet. Und Rücküberstellung und Zurückweisung an der Grenze sind zwei unterschiedliche Ansätze in der Migrationspolitik, die beide ihre Berechtigung haben. Soweit sind wir zusammen. Zweitens, wir haben gerade ein GEAS verabschiedet. Und Michael, für die europäische Wirtschaft sind offene Grenzen wichtig.

Sprecher 2: Sehr gute Überleitung zur Wirtschaft, weil da gibt es zumindest in der Öffentlichkeit keinen Vertun. Friedrich Merz gilt als Wirtschaftsmann. Ihm wird eine hohe Kompetenz in Wirtschaftsfragen zugeschrieben. Aber ist das eigentlich auch richtig so? Das wollte ich mal von einem Mann wissen, der ihn seit 30 Jahren kennt, weil er auch aus dem Sauerland kommt, weil er ein Unternehmer ist. Und er ist auch der Chef der Arbeitgebervereinigung in Nordrhein-Westfalen. Arm Kirchhoff sein Name, einer der größten Autozulieferer im Land. Ich habe ihn gestern auf der IAA in Hannover telefonisch erreicht. Einen schönen guten Tag, lieber Herr Kirchhoff.

Sprecher 7: Guten Tag, Herr Bröcker.

Sprecher 2: Friedrich Merz ist der Kanzlerkandidat der Union. Was sagt der Unternehmer NRW-Chef dazu?

Sprecher 7: Ja, ich bin zunächst mal zufrieden, dass die Personaldiskussion sich schneller gelöst hat, als ich erwartet habe. Wir haben genug Unruhe in der Gesellschaft, in der Politik auch. Und dann bin ich immer... froh, wenn dann Klarheit herrscht. Und das scheint ja wohl so zu sein.

Sprecher 2: Sie kennen den Mann lange, wie lange eigentlich?

Sprecher 7: 30 Jahre, weil wir leben, seitdem ich aus dem Ruhrgebiet nach Südwestfalen gezogen bin, leben wir in der schönen Region des Sauerlandes.

Sprecher 2: Ein Sauerländer. Was ist sein Kompass, Friedrich Merz Kompass, was würden Sie sagen?

Sprecher 7: Also er ist ein sehr realistischer Mann, der durchaus die Entwicklung in der Gesellschaft spürt und natürlich auch eine Menge politische Erfahrung hat, aber eben auch Erfahrung in der Wirtschaft hat, sodass er dort eben dann diesen Realitätssinn, den wir oft vermissen, bisher nicht verloren hat. Und ich muss sagen, er hat auch sehr gute Arbeit geleistet im Zusammenhang mit dem Grundsatzprogramm der Union, was ja eine längere, zwei Jahre, glaube ich, Arbeit war. Da muss man natürlich alle Glieder hindurch dann auch diskutieren. Und ich fand das gut, dass dort die Reihen wieder geschlossen sind. Und ich glaube, man sieht das ja auch in den Umfragen.

Sprecher 2: Von der Wirtschaftskompetenz ist immer wieder die Rede. Der Mann ist Anwalt, er saß in vielen Aufsichtsräten, hat für BlackRock das Deutschlandgeschäft mal gemacht. Aber was ist eigentlich genau diese Wirtschaftskompetenz, die Sie da vermuten oder sehen bei ihm?

Sprecher 7: Also in allererster Linie ist das die Situation des Mittelstandes, denn die Region in Südwestfalen hat die meisten Hidden Champions, wenn wir diesen Ausdruck mal nehmen. Und das sind alles Mittelständler, die meisten davon Familienunternehmen und erkennt sehr genau die Situation. Ja, und die sind dann eben so. Die stehen im Sturm zurzeit. Und insofern weiß er und hat auch genügend Ansprechpartner dort, wie eigentlich die Situation an der Basis ist. Denn 99 Prozent der Unternehmen in Deutschland, also die Wirtschaft, ist eigentlich mittelständisch.

Sprecher 2: Herr Kirchhoff, vielen Dank. Weiterhin gute Geschäfte dort in Hannover. Und vielen Dank für diese spontane Bereitschaft.

Sprecher 7: Sehr gerne, Herr Wolker. Bis dann.

Sprecher 3: Michael, jetzt haben wir die Schwächen und Stärken von Friedrich Merz hier bearbeitet. Jetzt wollen wir mal sehen, was sagen eigentlich die potenziellen Koalitionspartner, wobei die Grünen ja wirklich nicht der Lieblingspartner von Friedrich Merz sind. Aber Ricarda Lang, die Parteivorsitzende, soll ein gar nicht so schlechtes Verhältnis zu Merz haben. Hören wir doch mal, was ihre Grußbotschaft ist zum neu gekürten Kanzlerkandidaten.

Sprecher 8: Die Entscheidung der Union für Friedrich Merz ist natürlich nicht überraschend, aber es ist gut, dass an dieser Stelle jetzt Klarheit herrscht. Mit Friedrich Merz verbindet mich ein faires und kollegiales Verhältnis. Aber es ist auch klar, dass die Union sich mit dieser Entscheidung endgültig von der Ära Merkel verabschiedet. Die Lücke, die Angela Merkel hinterlassen hat, bleibt offen. Und nächstes Jahr wird es darum gehen, wer wir als Land eigentlich sein wollen. Ich persönlich freue mich auf einen sportlichen Wahlkampf um die besten Ideen für dieses Land, und zwar für seine Zukunft und hoffentlich nicht für seine Vergangenheit.

Sprecher 2: Bleibt eigentlich nur noch der Kanzler. Auch der hat sich auf seiner Fernreise natürlich äußern müssen zur Kanzlerkandidatur von Friedrich Merz. Und er hat das gesagt, was er schon mal gesagt hat, nämlich, dass er sich eigentlich auf einen... Gegner Friedrich Merz freut.

Sprecher 9: Ansonsten ist es so, dass ich ja schon seit langer Zeit gesagt habe, es ist mir recht, wenn Herr Merz der Kanzlerkandidat der Union ist.

Sprecher 2: Die Strategie der SPD ist klar, sie werden einen Richtungswahlkampf gegen Merz führen wollen und stecken ihn in die Ecke, in der er vielleicht auch manchmal ist, vielleicht aber auch nicht ganz, nämlich die Anti-Merkel-CDU. Steffen Mayer, der Büroleiter des Bundesvorsitzenden Lars Klingbeil, hat direkt schon getwittert. Die Merkel-CDU sei nun abgewickelt.

Sprecher 3: Ja, genau darum geht es jetzt, das Erbe von Angela Merkel, die 16 Jahre lang Kanzlerin war, die viermal gewonnen hat und die es geschafft hat, in der Mitte die Wahlen zu gewinnen. Also, und die Mitte ist natürlich... Theoretisch groß genug, aber man muss eben mehr ranziehen als die Mitglieder der CDU. Die Frage ist, schafft Friedrich Merz das, kriegt er auch aus dem linksliberalen Spektrum genügend Leute, ohne rechts zu verlieren? Ein schmaler Grat, denn es gibt nun auch noch andere, die das Erbe Angela Merkels beanspruchen. Nicht zuletzt Olaf Scholz, der jetzige Kanzler, der sich ja auch zuweilen mal inszeniert als Merkel 2.0 und Robert Habeck. Der kürzlich in einem Rolling Stone Aufsatz ganz interessant gesagt hat, der Nachfolger, der legitime Erbe Angela Merkels bin doch eigentlich ich.

Sprecher 2: Es wird jedenfalls ein spannender Bundestagswahlkampf und vielleicht machen wir dann doch noch die eine oder andere Sonder-Podcast-Folge auch zu diesen Themen. Helene, wir haben aber noch ein Thema vergessen und lass uns an dieser Stelle Werbung machen. Dafür nämlich. Nicht nur der Kanzlerkandidat wurde dominiert, sondern auch die 27 wichtigsten Politiker Europas. Wir können nicht über alle EU-Kommissare reden, aber wir können einen Hinweis geben. Der Europe Table, unser Fachbriefing für die Europapolitik, er porträtiert an diesem Morgen für Sie ausführlich, welcher Kommissar zu welchem Themengebiet welche Relevanz auch vielleicht für Sie in Ihrem beruflichen Umfeld erzeugt. Schauen Sie einfach mal rein. Table.media slash Europe.

Sprecher 3: Das war es schon für heute. Danke, dass Sie bei uns waren in dieser beschwingten Sendung. Machen Sie es gut. Wir freuen uns, wenn Sie morgen wieder dabei sind. Ihre Helene Bubrowski und...

Sprecher 2: Michael Bröker ist auch wieder dabei. Bis dahin. Tschüss.

Sprecher 10: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.