Was müssen die Grünen ändern, Herr Trittin?
Jürgen Trittin ist eine Ikone der Grünen und seit fünf Monaten Polit-Rentner: Der 70-jährige frühere Grünen-Minister, Parteichef und Bundestagsabgeordnete Jürgen Trittin gibt im Podcast von Table.Briefings Auskunft, wie sein Leben ohne Mandat aussieht – und was er seiner Partei rät, um im Bundestagswahlkampf wieder über die 20 Prozent zu kommen.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, wird 2025 zum letzten Mal die renommierte Konferenz leiten. Wie Politico am Donnerstag exklusiv berichtete, soll der scheidende Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ab 2026 die Konferenz übernehmen. Damit wird einer der angesehensten Politiker der transatlantischen Community neuer Chef der Sicherheitskonferenz, zu der jedes Jahr rund 100 Staats- und Regierungschefs, Verteidigungs- und Außenminister aus der ganzen Welt kommen.
Freiwillig geht Heusgen allerdings nicht. Der ehemalige Merkel-Berater und frühere UN-Vorsitzende sei mit einigen Thesen und Interviews „angeeckt“ und „einigen Leuten auf die Nerven gegangen“, hieß es in MSC-Kreisen.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Diese Meldung des Kollegen Gordon Repinski elektrisiert die Sicherheitscommunity. Wir haben die Hintergründe.
Sprecher 3: Und bei uns sitzt eine Legende am Tisch. Kein Fußballer, aber ein Handballer. So sage ich es mal. Er ist außer dem grünen Politiker, nämlich Jürgen Trittin. Seit 1980 ist er Mitglied dieser Partei, war Chef der Grünen, Bundesumweltminister, saß 25 Jahre lang im Bundestag, hat die Grünen verändert und hat mit den Grünen vielleicht auch dieses Land verändert. Er sagt uns, wie die Zukunft aussieht.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch eine besorgniserregende Nachricht aus Afrika, aus unserem Afrika-Table. Denn die Jugend in Afrika vertraut Russland wesentlich mehr als Europa.
Sprecher 3: Wir haben Freitag, den 13. September. Aber keine Sorge, das ist eine gute Nachricht, denn diese sehr ereignisreiche Woche ist fast geschafft. Also halten wir uns ran.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Helene, nur zwei, dann am Ende nur drei Sicherheitskonferenzen werden dem ehemaligen Merkel-Berater Christoph Heusken ermöglicht. Dann muss er gehen. Jens Stoltenberg übernimmt diese Nachricht des geschätzten Kollegen Gordon Repinski von Politico. Gestern hat durchaus die Sicherheitsbranche überrascht.
Sprecher 3: Ja, in der Tat eine überraschende Nachricht. Ich schätze ja Christoph Heusgen sehr, aber er ist einer, der immer mal wieder aneckt und offenbar ein paar Leuten zu viel auf die Füße getreten ist.
Sprecher 2: Ja, es ist eben eine transatlantische Wehrkundetagung, die diese Münchner Sicherheitskonferenz im Kern ist. Und die Transatlantiker, aber auch im Kanzleramt gab es durchaus Menschen, denen Christoph Heusgen mit seiner Nahostpolitik, aber auch seiner Kritik an der Bundesregierung vielleicht etwas zu sehr auf die Nerven gegangen ist.
Sprecher 3: Ja, und dann gibt es natürlich noch das Thema Israel. Da war ja Israels Botschafter in Deutschland mal sehr empört über Aussagen von Christoph Heusgen. Im Fernsehen hatte Christoph Heusgen im vergangenen Oktober Generalsekretär Guterres Recht gegeben, der durchaus Israel scharf kritisiert hatte, von einer erdrückenden Besatzung gesprochen hatte.
Sprecher 5: Ja, Guterres ist ein sehr besonnener Mann und man wirft ihm oft vor, dass er nicht klar genug sich äußert. Und wenn er gesagt hat, wenn er einerseits verurteilt hat, aufs Schärfste, die Hamas-Aktion ist das richtig. Und gleichzeitig hat er auch recht, wenn er sagt, dass das nicht in einem Vakuum stattgefunden hat. Und wenn er auf die Besatzung, 56 Jahre Besatzung der Palästinensergebiete hinweist, dann ist genau das, was ihm geltende. Völkerrecht in UNO-Resolutionen genauso drinsteht. Die letzte Resolution sagt, dass die Besatzung eine flagrante Verletzung des Völkerrechts ist. Und dann muss man verhindern, dass es einen Flächenbrand gibt, also keinen Einmarsch der israelischen Truppen im Gazastreifen. Und dann muss man wieder zurückkehren zu einer diplomatischen Lösung. Man muss zurückkehren zur Zwei-Staaten-Lösung, die geltend ist. Und da muss Israel auch mitmachen. Das kann man sich derzeit nicht vorstellen, aber das ist der einzige Ausweg.
Sprecher 6: Habe ich Sie da gerade richtig verstanden? Sie sagen, Israel sollte besser auf die Bodenoffensive verzichten?
Sprecher 5: Auf jeden Fall, das sagen alle, das sagen auch diejenigen, die jetzt mit der Geiselbefreiung zu tun haben.
Sprecher 3: Das ist dem einen oder anderen übel aufgestoßen, denn wir dürfen ja nicht vergessen, Staatsräson und dieses Wort kommt von Angela Merkel, also Heusgens ehemaliger Chefin, ist das Existenzrecht Israels.
Sprecher 2: Ja, diese Rhetorik war sicherlich überschießend und damit nicht im Sinne der Transatlantiker, auch nicht des Bundeskanzler, der das wahrscheinlich auch nicht gerade gut fand. Was man wissen muss und was wir wissen ist, fünf im Stiftungsrat der Münchner Sicherheitskonferenz, dem wichtigsten Gremium, eine Art Beirat oder Aufsichtsrat, haben sich fünf dafür ausgesprochen, Jens Stoltenberg zu nominieren, den sehr geschätzten, bei Staatschefs sehr akzeptierten ehemaligen NATO-Generalsekretär. Und nur Helga Schmidt, die Freundin von Christoph Reusken aus UN-Zeiten, hat sich für ihn ausgesprochen. Und man muss sagen, Wolfgang Ischinger, der Mann im Hintergrund, der diesen Personalkuh... hinbekommen hat, der hatte im Juli die erste Idee dazu, weil Stoltenberg jetzt Ende September rausgeht aus dem Amt als NATO-Generalsekretär und Lust hatte, sich bei der MSC stärker zu engagieren. Und da muss man sagen, wenn du Stoltenberg kriegen kannst für die wichtigste Sicherheitskonferenz Europas, dann musst du wahrscheinlich zugreifen.
Sprecher 3: Ja, Stichwort Europa ist wirklich interessant, dass die Sicherheitskonferenz natürlich dadurch deutlich internationaler wird. Das ist eben nichts deutsches, bayerisches, bayerischer Hof, sondern eine transatlantische, ja eine internationale Konferenz, was durch diese neue Führung dann natürlich auch nochmal deutlich sichtbarer wird.
Sprecher 2: Rückhalt gab es auch nicht vom Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt. Der hat sich auch für Jens Stoltenberg ausgesprochen. Und man muss sagen, Christoph Heusgen, einer der engsten Berater von Angela Merkel, hat nicht die Unterstützung von Friedrich Merz, mit dem diese Personal ja auch besprochen wurde, dem CDU-Chef. Insofern bleibt Heusgen ein Unvollendeter an der MSC-Spitze, muss man sagen. Ja, die MSC ist jünger und weiblicher geworden. Der globale Süden hat eine große Rolle gespielt. Immerhin Kamala Harris hat er geholt nach München. Aber der Abgang ist nicht ganz geglückt.
Sprecher 3: Trotzdem mahne ich doch insgesamt immer ein bisschen zur Demut. Wer so viel erreicht hat wie Christoph Heusgen, so lange in Top-Position war im Kanzleramt, bei den Vereinten Nationen, zuletzt in der Sicherheitskonferenz, der kann doch auf ein erfülltes Leben zurückblicken, an dem er in vielen Weichenstellungen dabei war. Insofern, ich würde sagen, Schulter nicht hängen lassen, lieber Herr Heusgen.
Sprecher 2: Der Doje in dieser Sicherheitskonferenz bleibt Wolfgang Ischinger. Er bleibt im Beirat. Und auch der Stiftungsratsvorsitzende. Das Advisory Council soll ihm angeboten worden sein, Christoph Häusken. Er hat abgelehnt, das heißt, er wird dann ganz rausgehen aus der MSC-Umgebung. Wir im Security Table bleiben drin in der MSC-Umgebung. Alle Hintergründe, alle Details lesen Sie natürlich auch bei uns im Security Newsletter Security Table. Und den finden Sie auf der Internetseite unter table.media. Wer den Begriff Ikone mit den Grünen in Verbindung bringen möchte, der kommt an diesem Namen nicht vorbei. Jürgen Trittin, er saß 25 Jahre im Bundestag, war der erste grüne Umweltminister im Kabinett Gerhard Schröder, mit dem er bis heute ein durchaus akzeptables Verhältnis unterhält. Seit dem 5. Januar ist Jürgen Trittin Politrentner, aber natürlich eine politische Persönlichkeit geblieben. Mit viel Witz, mit Charme, manchmal auch mit einer gewissen Härte. Jedenfalls hat er in einem Buch seine Sicht auf die Dinge und die vergangenen Jahre wiedergegeben. Helene Bubrowski, unsere grünen Expertin hier bei Table Briefings, hat mit ihm über das Buch und sein Leben gesprochen und vor allem auch die Frage beantwortet, welche Grünen braucht es im Bundestagswahlkampf, um wieder nach oben zu kommen. Viel Spaß dabei.
Sprecher 3: Hallo Herr Trittin. Hallo Frau Bubowski. Ja, sagen Sie mal, Sie haben geschrieben in diesem Buch, alles muss anders bleiben. Auch Sie selber wollen anders bleiben und haben beschrieben, wie Sie es sehen. verändert haben in den ungefähr 50 Jahren, in denen Sie jetzt politisch aktiv sind. Können Sie uns sagen, mal als Einstieg, als persönliche Frage, wie Sie sich selber verändert haben von dem jungen, aktiven Schüler, der Sie waren in Bremen, zum heutigen ehemaligen Bundestagsabgeordneten?
Sprecher 7: Ich bin vielleicht eins verwechsamt, die Arbeiten an diesem Buch habe ich schon begonnen. Da war ich noch Mitglied des Deutschen Bundestages. Da habe ich mich noch gar nicht entschieden gehabt aufzuhören. Insofern ist ein Teil der Arbeit, die ich gemacht habe, noch in der Zeit passiert, wo ich Abgeordneter war. Es war mir aber wichtig, in vier Aufsätzen zu den Themen Demokratie, Gerechtigkeit, Ökologie und internationale Lage, diese Themen mal zu reflektieren durch die Brille der eigenen Biografie. Insofern ist das keine chronologische Aufzählung, wie ich das geworden bin, was ich war. Und ja, ich habe in zwei, drei Stellen ja nochmal sehr deutlich gemacht, dass zum Beispiel Dinge, die wir damals gar nicht bedacht haben, von existenzieller Bedeutung sein können. Etwa die Frage, will man in einer Gesellschaft nicht nur das Gute, sondern sorgt man auch dafür, dass es eine funktionierende Gewaltenteilung gibt und dass diejenigen, die das Gute wollen, im Zweifelsfall auch abgewählt werden können. Das ist ja gerade in den Passagen, wo ich mich auseinandersetze mit der Solidarität, die die Nach-68er mit vielen Befreiungs... Bewegung hatten, habe ich das, glaube ich, sehr deutlich gemacht, dass nämlich überall dort, wo diejenigen, die im Befreiungskrieg militärisch gesiegt haben, wenn die die Regierung übernommen haben, ist das immer schiefgegangen. Eritrea, Zimbabwe, man muss eigentlich inzwischen Nicaragua hinzufügen. Während in Gesellschaften, die mehr durch den Aufstand der Zivilgesellschaft, wo es auch natürlich bewaffnete Anteile gegeben hat, gestürzt worden sind, die Demokratien relativ resilient und widerständig geworden sind. Südafrika, Brasilien sind hier zu nennen.
Sprecher 3: Also der Traum von der großen Revolution ist ein bisschen in eine realistischere... Einschätzung umgeschwenkt, würden Sie sagen?
Sprecher 7: Ich weiß gar nicht, ob realistisch der richtige Begriff ist. Ich glaube, man muss eine Vorstellung von Gesellschaft haben. Als junger Mensch hat man die Vorstellung, man will das Gute und Wahre und das will man so umsetzen. Und die Selbsterkenntnis, dass Menschen, dass politische Parteien, dass Bewegung Fehler machen, Und Gesellschaften so konstruiert sein müssen, dass solche Fehler vertragen und im Zweifelsfall auch korrigiert werden. Das ist das Entscheidende und das macht den Unterschied zwischen demokratischen Gesellschaften und Autokratien aus.
Sprecher 3: Sie haben gerade über Korrektur von Fehlern gesprochen und da haben Sie ja einen anderen Punkt in Ihrem Buch ausdrücklich benannt. Und zwar, Sie sagen, die Lernkurve der Grünen sei nicht steil genug gewesen bei der Frage, ob man in Konflikten auch selber Waffen einsetzen muss und sich nicht einfach nicht vornehm zurückhalten darf. Wenn man jetzt zurückschaut auf die Monate und Jahre vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, würden Sie sagen, es war ein Fehler, dass Sie damals dagegen waren, der Ukraine Waffen zu liefern?
Sprecher 7: Wir haben, und das war ein breiter Konsens, glaube ich, zwischen sehr vielen Parteien, geglaubt, dass diese ökonomische Abschreckung... Nämlich, dass wir hier den Preis für eine solche Intervention so hochgeschraubt haben, dass diese Politik eben nicht ausreichend gewesen ist. Und das hat mit einer Fehleinschätzung, glaube ich, auch des politischen Systems in Russland zu tun gehabt. Wir haben die an den Maßstäben gemessen. An denen man kapitalistische Demokratien misst. Und da spielt die Frage der Ökonomie eine zentrale Rolle. It's Economy Stupid von Bill Clinton gilt für diese Gesellschaften. Das gilt nicht für Autokratien, die sozusagen dem Primat, des Machterhaltes, also eines politischen Movens da ist, und das haben wir Grünen ebenso unterschätzt wie, glaube ich, alle anderen, Man muss eigentlich sagen, selbst wir Grünen haben das so unterschätzt. Wir waren ja immer diejenigen, die nie geglaubt haben, dass Putin ein Faktor der Stabilität war. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass er durch den Ausnahmezustand an die Macht gekommen ist. Wir haben immer darauf hingewiesen, dass er sich mit Mord... Anna Politkovskaya, Boris Nemtsov an der Macht hielt mit Mord und Krieg. Und damit haben wir uns ja lange Zeit unbeliebt gemacht und wurden dann antirussisch genannt und ähnliches. Ich halte davon nicht viel, aber wir haben uns auch geirrt. Wir haben das unterschätzt.
Sprecher 3: Robert Habeck hat ja im Mai 2021, also ein Dreivierteljahr vor Beginn des Krieges, gefordert, der Ukraine auch militärisch zu helfen. Und dann hat seine Partei, auch sie, ihn damals dafür scharf kritisiert. Würden Sie sagen, das war rückblickend ein Fehler?
Sprecher 7: Weil wir die Einschätzung, die falsche Einschätzung von Putin hatten, ja.
Sprecher 3: Angela Merkel hat sie verabschiedet, hat eine Laudatio auf sie gehalten bei der Feier, die es gab im Deutschen Bundestag. Wie ist Ihr Blick auf Angela Merkel heute, auf ihre 16 Jahre?
Sprecher 7: Der ist offensichtlich... Obwohl ich 16 Jahre zu ihr in Opposition gestanden habe, sie hat sieben Jahre in Opposition zu mir gestanden. Ich habe von ihr das Amt des Bundesumweltministers übernommen. Nicht so verächtlich wie in der Union, in Teilen der Union muss man richtigerweise sagen. Ich habe die Haltung, die Sie in vielen Stellen im Bereich der Austeritätspolitik die sie Europa aufgeherrscht hat, immer scharf kritisiert. Dennoch hat Frau Merkel immer versucht, diese Gesellschaft, und das waren ja auch die Koalitionen, wo sie prägender war, das war nicht die Überzeugungskoalition zwischen 2009 und 2013, schwarz-gelb, also der Traum von CDU und FDP, endlich könnte man mal so eine richtig rechte Mehrheit praktizieren. Sondern sie hat am Ende immer Koalitionen der Mitte geführt. Und dieses Grundverständnis, das ist eigentlich ein Verständnis, was die CDU von Adenauer über Kohl bis heute geprägt hat. Und das mir ihr nun ausgerechnet von der CDU und der CSU vorwerfen zu lassen, das finde ich geschichtsvergessen.
Sprecher 3: Herr Trittin, Sie haben schon länger kein bedeutendes Amt bei den Grünen und waren dennoch einflussreicher als viele andere, die solche Ämter inne hatten. Insbesondere im linken Flügel galten Sie bis zuletzt als der Strippenzieher, derjenige, an dem sich gerade die jüngeren Abgeordneten orientieren. Was raten Sie Ihrer Partei? Was geben Sie ihr mit auf den Weg, wie es jetzt künftig weitergeht? Und wer wird sie im linken Flügel eigentlich beerben?
Sprecher 7: Ich glaube, dass wir da bei den Grünen und auch bei den linken Grünen keine Nachwuchsprobleme haben. Wir haben sehr viele, sehr gute Leute. Manche verabschieden sich früh. Ich habe sehr bedauert, dass wenn Christian Kinter, unser Haushaltspolitiker, einer der besten Haushaltspolitiker des Deutschen Bundestages entschieden hat. Er will noch was anderes in seinem Leben als Politik machen, so sehr ich das verstehen kann, mit Anfang 40. Aber wir sind auf diesem Weg. Ich glaube, die Grundorientierung, und das ist das, wo ich ja auch dieses Buch drauf zugeschrieben habe, Es war für die nach 68er Neue Linke, die hat immer geglaubt, Politik sei es, Ungerechtigkeiten anzuprangern, zu enthüllen und ähnliche Dinge. Das ist ein Teil von Politik, aber Politik beginnt, wenn man anfängt, das in Gesellschaften zu verändern. Und deswegen hat diese nach 68er neue Linke, ist eigentlich erst politisch geworden, als sie mit den Teilen, die diesen Weg gefunden haben, zu den Grünen gegangen sind, in die Parlamente gegangen sind, in Regierungen das umgesetzt haben, anzufangen, wofür sie vorher auf der Straße demonstriert haben. Und dieser Grundprozess der Politisierung der... Nach 68er Linken in den Grünen, das ist das, was, glaube ich, das Entscheidende ist. Und deswegen die meisten Grünen, auch gerade zur Linken, würden den Satz von Franz Müntefering, Opposition ist Mist, zumindest mit der Einschränkung unterscheiden. Es braucht Opposition, aber es ist besser zu regieren.
Sprecher 3: nicht die Botschaft der vergangenen Monate auch, dass den Menschen der Veränderungswille der Grünen viel zu weit geht, dass sie da den Menschen zu viel abverlangen und die Ängste, die damit verbunden sind, nicht ernst nehmen.
Sprecher 7: Alles muss anders bleiben, heißt ja, Es ist ein Element des Bleibens da drin. Und wenn es ein Stück weit unser Leben so bleiben soll, wie wir es gewohnt sind und auch in der Gewissheit, dann muss sich relativ viel ändern. Das ist die Grundbotschaft. Und ich glaube, wir müssen immer die Balance hinbekommen, die strukturellen Veränderungen, die wir haben, mit... Klarer Rahmensetzung für Sicherheit zu verknüpfen. Und das ist einer der Gründe, warum beispielsweise der Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland trotz 16 Jahre feindlicher Regierung am Ende doch funktioniert hat, weil zu viele Menschen etwas davon hatten. Das ist eigentlich die Botschaft auch, vielleicht in Richtung meiner eigenen Partei, dafür Sorge zu tragen, dass aus der Transformation sichtbare, erfahrbare, reale Vorteile entstehen und sie nicht nur darauf zu begründen, dass man eine Katastrophe an die Wand malt oder dass man es moralisch einklagt. Das führt nicht in die richtige Richtung. Es führt in die richtige Richtung reale Veränderung, wo die Menschen erkennen, da haben wir einen Vorteil von. Es nützt nichts, das Auto zu verteufeln, aber wenn überall... Menschen feststellen, es ist doch viel schöner, wie in Kopenhagen mit dem Fahrrad in die Innenstadt zu fahren, dann ist das ein praktischer Vorteil, da muss man sich nicht so viel ideologisch streiten.
Sprecher 3: Was muss an der Ampelkoalition nicht anders bleiben, sondern anders werden für das verbleibende Jahr?
Sprecher 7: Die Ampelparteien müssen sich auf ihren gesunden... Egoismus konzentrieren. Weder die FDP noch die SPD noch die Grünen wollen mit diesen Umfrageergebnissen aus einer Bundestagswahl herausgehen. Wenn sie mit besseren Ergebnissen rausgehen wollen, müssen sie mehr und bessere Governance, wie das so schön heißt, betreiben. Und das ist die Notwendigkeit, vor der sie stehen. Wenn sie so weitermachen wie bisher, und das haben Sie vielleicht festgestellt, die Grünen waren in letzter Zeit sehr ruhig in solchen Konflikten.
Sprecher 3: Wobei das Stichwort Übergangsregierung ganz so ruhig waren sie ja gerade nicht mehr.
Sprecher 7: Ja, ich würde einem Parteivorsitzenden immer raten, man muss nicht immer die Wahrheit sagen.
Sprecher 3: Ah, interessanter Punkt.
Sprecher 7: Aber, ja, das habe ich von Adenauer. Ich sage immer die Wahrheit, aber nicht die ganze. Aber im Kern mit einem solchen Konzept, dass man meint, sich als Opposition in der Regierung zu profilieren, da wird man keine guten Wahlergebnisse erzielen. Das gilt für alle drei Parteien, sage ich ausdrücklich. Und es wäre vom Vorteil, wenn man sich dieser Lehre beherzigt. Deswegen sage ich, konzentriert euch auf euren Egoismus. möchte wieder in den Bundestag. Die Grünen möchten ihr letztes Ergebnis verbessern und die SPD will vielleicht mal wieder zur CDU aufschauen.
Sprecher 3: Interessant. Ich hatte jetzt gedacht, was zu viel ist, ist der Egoismus. Aber wenn man es so herleitet wie Sie, bessere Wahlergebnisse für sich selber zu bekommen, dann gibt es in der Tat deutlichen Veränderungsbedarf. Da muss mehr anders werden, als anders bleiben. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns waren, Herr Trittin.
Sprecher 7: Schönen Dank.
Sprecher 2: Zum Nachtisch eine überraschende und eine weniger überraschende Nachricht einer Umfrage unter Jugendlichen in Afrika. Es ist eine der größten Studien, die es in den vergangenen Jahren gegeben hat. Und natürlich auch die jungen Leute in Afrika sagen, die Korruption ist eines ihrer größten Probleme. Allerdings sagen sie auch, der Westen sei schuld an dem Krieg in der Ukraine. Die Russlandfreundlichkeit, sie ist weit verbreitet und unser Africa Table hat diese Studie für die insgesamt 5604 Personen zwischen 18 und 24 Jahren aus 16 unterschiedlichen Ländern befragt wurden, ausgewertet. Der Einfluss Russlands auf viele Länder Afrikas wird durchaus positiv bewertet von diesen jungen Menschen. Trotzdem gibt es auch eine andere Sichtweise. Immerhin mehr als zwei Drittel der Befragten finden die Demokratie die beste Staatsform, die man auf diesem Planeten finden kann. Auch die Amerikaner sind durchaus wohlgesonnen und nach... Europa wollen viele dieser jungen Menschen auch am liebsten gehen. Also eine sehr interessante Studie, die ich Ihnen ans Herz legen möchte. Schauen Sie doch mal beim Africa Table vorbei, unserem Afrika-Newsletter. Table.media slash Afrika ist die Adresse Ihrer Wahl. Und dann können Sie einfach mal vier Wochen kostenlos dieses Briefing konsumieren. Viel Spaß dabei. Das war es schon wieder für heute von mir und von uns, aber wir sind noch nicht ganz durch mit dieser Woche. Also denken Sie daran, morgen ein Spätsommerspezial, muss man sagen, denn wir haben eine weitere Folge unserer Sommerausgaben. Diesmal geht es um die Zukunft unserer Sicherheit und die findet zusehends im Weltraum statt. Cyber Security und Weltraum, das ist unser Thema morgen ab 6 Uhr hier auf diesem Kanal. Die Kolleginnen und Kollegen vom Security Table übernehmen den Podcast. Hören Sie unbedingt mal rein. Am besten Sie abonnieren in Ihrem Podcast-Kanal diesen... Table Today Podcast einfach so, dass Sie immer automatisch eine Nachricht bekommen, wenn wir wieder loslegen. Am Montag sind Helene und ich dann wieder für Sie da, aber ganz kurz, bevor wir aufhören, noch ein herzlichen Glückwunsch an meine Kollegin Helene Bubrowski, denn sie hat vor wenigen Tagen zu Recht, wie ich finde, den Theodor-Wolf-Preis bekommen, den renommiertesten Journalistenpreis, den es in diesem Land gibt, für einen Text, den sie noch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung verfasst hat. Und er ist nicht nur wunderbar geschrieben, konstruktiv, klug und intellektuell, so wie Helene halt ist, sondern es ist auch ein wunderbares Motto für dieses Wochenende. Warum es mehr gute Laune braucht, heißt der T. Sie können ihn bei faz.net lesen. Ich freue mich, dass Sie ihn gewundert. Glückwunsch an dieser Stelle. Und da Helene gar nicht mehr im Studio ist, kann ich mir natürlich jetzt auch den Gute-Laune-Song wünschen, mit dem ich ihr gratuliere. Und das kann nur sein. Pharrell Williams, Happy. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Erholen Sie sich gut. Bis Montag. Hier Michael Bröker.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.