Ist DAS die Wahl?
Bei den Wahlen in drei Sachsen, Thüringen und Brandenburg steht die AfD davor, stärkste Kraft zu werden. In den aktuellen Umfragen steht darüber hinaus das Bündnis Sahra Wagenknecht im zweistelligen Prozentbereich.
Haben etablierte Parteien überhaupt noch die Chance, Wählerinnen und Wähler zu erreichen?
Wie wichtig war der Auftritt von Barack Obama beim Parteitag der US-Demokraten? Die Rede sei sehr bedeutend gewesen, sagt Thomas Kleine-Brockhoff. Nun habe endgültig eine neue Ära für die US-Demokraten begonnen. Darüber und über die Chancen von Kamala Harris sprechen wir mit dem neuen Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Einen schönen guten Morgen an diesem Donnerstag, an dem wir uns seelisch und moralisch schon mal auf die anstehenden Landtagswahlen im Osten einstellen. Wir stellen die Frage, lässt sich die AfD noch irgendwie aufhalten? Zu Gast bei uns ist heute der neue Chef der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Thomas Kleine-Brockhoff. Wir sprechen mit ihm über den Demokratischen Parteitag in Chicago und die Frage, ob und inwieweit Kamala Harris eigentlich Projektionsfläche für jegliche politische Wünsche ist. Außerdem hören wir rein in die Rede von Tim Walls, ihrem Running Mate, der gerade eben gesprochen hat. Und dann haben wir noch Zahlen für Sie vom Statistischen Bundesamt zur Lebenserwartung in Deutschland. Also seien Sie gespannt. Heute ist der 22. August. Los geht's.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 2: Der Wahlkampf im Osten ist in den letzten Zügen. In Sachsen und Thüringen entscheiden die Menschen am übernächsten Sonntag, also in einer guten Woche, darüber, wer in den Landtagen vertreten sein soll. Und Brandenburg zieht dann drei Wochen später am 22. September nach. Wir wollen es mal positiv formulieren, in keinem der drei Bundesländer hat die AfD eine Chance auf die absolute Mehrheit. Jedenfalls sieht es derzeit so aus. Also eine absolute Mehrheit der Menschen im Osten wählt nicht rechtsextrem. Leider war es das aber schon mit den guten Nachrichten. Beruhigend ist das nicht, insbesondere für die Parteien der Mitte, für die es wirklich schlecht aussieht. SPD, Grüne, FDP müssen zum Teil um den Einzug in den Landtag bangen. Das Bündnis Sarah Wagenknecht dagegen steht in den Umfragen wirklich gut da, zweistellig, dabei sind sie doch gerade erst gegründet worden. Und das führt auch dazu, dass Sarah Wagenknecht die Namensgeberin und Gründerin dieses Bündnisses schon fast größenwahnsinnig wird. Sie war Anfang der Woche auf einer Wahlkampfveranstaltung in Eisenach und hat dort die Gründung des BSW mit der Reformationsbewegung in Eisenach verglichen und somit sich selbst indirekt mit Martin Luther. Und eben dieses BSW wird bei der Suche nach künftigen Koalitionen ein Wort mitzureden haben. Denn obwohl diese Partei inhaltlich auf Abwegen und Irrwegen ist, will niemand so richtig ein Bündnis ausschließen, auch weil die Koalitionsbildung ansonsten wahrscheinlich unmöglich ist. Abwege ist noch ein Euphemismus für das, was Björn Höcke von der AfD da in Thüringen treibt. Sein Auftritt kürzlich bei der MDR-Wahlarena hat sogar in AfD-Kreisen die Leute erschreckt und dazu geführt, dass sie sich kritisch geäußert haben. Ich würde ja sagen, so einen Menschen wird man noch nicht mal zum Vorstand eines Kleingartenvereins wählen oder überhaupt in Erwägung ziehen. Aber in Thüringen liegt die AfD in Umfragen bei 30 Prozent und das nicht trotz, sondern wegen Höcke. So wird man es jedenfalls in vielen Fällen sagen müssen. Was ist da los im Osten? Können die demokratischen Parteien die Wähler irgendwie noch erreichen oder ist der Zug abgefahren? Darüber möchte ich jetzt reden mit dem Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hilje. Er ist bei uns. Hallo Herr Hilje.
Sprecher 4: Hallo Frau Proprowski.
Sprecher 2: Ja, sagen Sie uns mal, wie erreicht man Menschen im Osten, die bisher fest entschlossen waren, rechtsextrem zu wählen? Haben Sie einen Tipp für die Parteien?
Sprecher 4: Naja, Menschen, die fest entschlossen sind, rechtsextrem zu wählen, die wird man davon nur insofern abbringen können, also allerhöchstens, dass sie gar nicht wählen. Also man kann, das klingt sozusagen aus einer demokratieethischen Perspektive jetzt ein bisschen frustrierend, aber man wird sie kaum für eine andere Partei, also kaum für eine demokratische Partei gewinnen können. Man wird sie höchstens dazu bewegen können, gar nicht wählen zu gehen, das heißt zu demobilisieren. Das ist eigentlich das, was wir so aus Studien und Befragungen wissen. Diese Menschen wählen entweder AfD oder gar nicht. Und ein Argument, warum sie gar nicht wählen würden eventuell, wobei man sagen muss, die AfD-Wählerschaft ist höchst mobilisiert in den ostdeutschen Bundesländern, weil überall in Brandenburg, Thüringen und auch in Sachsen besteht die Chance, Nummer eins zu werden. Das ist etwas, was die Wählerinnen und Wähler aktiviert. Und das Einzige, was sie vielleicht noch bewegen könnte, dann doch nicht hinzugehen, ist, wenn ganz klar ist, es gibt keine Perspektive auf Regierungsbeteiligung. Und da sehen wir ja auch... In Thüringen unter anderem schon ein paar andere Parteien, die da etwas ambivalente Signale mindestens senden, wo nicht ganz klar ist, ob es nicht doch zu irgendeiner Form der Zusammenarbeit, also Tolerierung beispielsweise, kommen könnte. Also wenn es eine Aussicht gibt auf Null-Macht-Perspektive, dann könnte das Wählerinnen und Wähler der AfD noch demotivieren und nicht zur Wahl bewegen.
Sprecher 2: Ja, wobei es da natürlich auch die Gegenbewegung gibt. Jetzt erst recht und dann mit dem Ziel absolute Mehrheit. Davon sind wir zum Glück noch weit entfernt. Reden wir über die, die nicht fest entschlossen sind, rechtsextrem zu wählen, sondern vielleicht doch noch zögern. Wie kann ein Wahlkampf in den letzten Tagen vor der Wahl aussehen, um solche Wähler zu überzeugen?
Sprecher 4: Naja, man muss diesen Wählerinnen und Wählern wirklich klar machen, was für sie persönlich auf dem Spiel steht. Es gab ja zur Europawahl diesen Versuch mit Botschaften, wie jetzt geht es darum, die Demokratie zu verteidigen. Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Das hat, würde ich sagen, nur so mittelmäßig geklappt. Die AfD hat gut abgeschnitten. Die Wahlbeteiligung war so mehr oder weniger konstant. Ich glaube, bei der Europawahl war das zentrale Problem, die Leute haben diese Botschaft nicht gefühlt. Sie hatten nicht das Gefühl, jetzt bei dieser Europawahl steht die Demokratie auf dem Spiel. Das Europaparlament könnte die Demokratie abschaffen, kann sie ja eben auch nicht. Und sie haben sozusagen diese unmittelbare Bedrohung nicht gemerkt. Ich glaube, was wichtig ist, und das haben wir auch in anderen Wahlkämpfen, beispielsweise in Polen ja gesehen, wenn Menschen verstehen, dass durch eine rechtspopulistische oder sogar rechtsextreme Regierung ihre eigenen Rechte und Freiheiten bedroht sind. In Polen war das ganz stark eben das Thema Abtreibung, Recht auf Abtreibung und es hat viele Frauen mobilisiert. Dann ist auf einmal diese Frage Demokratie ja oder nein, Verteidigung der Demokratie für ihr persönliches Leben, für ihre Lebensrealität relevant. Und so muss man es runterbrechen, damit Wählerinnen und Wähler das spüren, dass es hier um was geht, für sie persönlich auch.
Sprecher 2: Man hört ja von vielen Ostdeutschen, dass sie sagen, die Parteien der Mitte, die demokratischen Parteien lassen sich hier überhaupt nicht blicken. Bei Feuerwehrfesten, bei Dorffesten und anderem sind dann oft nur die Vertreter der AfD vor Ort. Das sieht dann kurz vor den Wahlen anders aus. Da kommt dann Politprominenz aus Berlin angereist zu großen Wahlkampfabschlüssen. Ist so ein Vorgehen. Überhaupt sinnvoll kann man so Menschen motivieren, die Partei zu wählen.
Sprecher 4: Nein, also so ein Ansatz ist zum Scheitern verurteilt, wenn man sich erst kurz vor Wahlen zeigt. Das wird im schlimmsten Fall das Misstrauen noch verstärken, weil Menschen das natürlich merken. Jetzt kommen diese Parteien, diese Kandidaten nur, um meine Stimme abzuholen. Und das ist aber tatsächlich ja ein wirklich mittlerweile verbreitetes Phänomen in Ostdeutschland. Wir haben dort Regionen, die zu regelrechten Parteiwüsten verkommen sind, wo etablierte Parteien kaum mehr präsent sind, es auch nur eine sehr kleine Mitgliederbasis gibt. Und da gibt es ja auch einen gewissen Teufelskreis. Also schlechte Wahlergebnisse führen zu weniger Ressourcen und dann in der Folge leider oftmals auch zu weniger Präsenz in bestimmten Regionen. Da müssten meines Erachtens auch die Bundesparteien dann dafür sorgen, dass diese Parteien dort weiter Strukturen aufrecht erhalten können, weil sonst wird man da kein Vertrauen zurückgewinnen. Denn die AfD nutzt ja auch diese Lücken strategisch aus. Also sie hat im Grunde so ein System der Satellitenbüros in Ostdeutschland entwickelt. Sie ist dort mit vielen kleinen Büros präsent, wo andere Parteien nicht mehr präsent sind. Sie praktiziert so etwas wie eine Selbstverharmlosung von unten, also ist mit vielen Veranstaltungen vor Ort in Dorfkrügen, Gaststätten, Mitbürgerdialogen, Sie haben es gerade gesagt, bei Freiwilligen Feuerwehren, um über den persönlichen Kontakt ein Stück weit dieses mediale Image der Rechtsextremen zu übertrumpfen, dass die Leute am Ende denken, ach so. Wie es in den Medien immer heißt, ist diese Partei ja gar nicht. Sie ist immerhin hier und sie spricht ja auch eigentlich so, dass das ein Stück weit meinen Interessen entspricht.
Sprecher 2: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Hilje.
Sprecher 4: Sehr gerne.
Sprecher 2: Wir haben heute einen Thinktanker zu Gast. Thinktank, ein interessantes Wort. Denkpanzer. Das Wort stammt aus Großbritannien und wurde während des Zweiten Weltkrieges verwendet und meinte damals Militärs, die Strategien entwickeln. Auch heute natürlich wichtig. Und zu den ältesten Thinktanks der Bundesrepublik gehört die DGAP, die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Und diese traditionsreiche Gesellschaft hat seit einer Woche einen neuen Chef, nämlich Thomas Kleine-Brockhoff. Er hat schon das Berliner Büro des German Marshall Fund geleitet. Er war im Bundespräsidialamt tätig und jetzt ist er am Tisch mit Nana Brink, meiner Kollegin vom Security Table. Und natürlich reden die beiden über den Demokratenparteitag in Chicago. Thomas Kleine-Brockhoff, seit knapp einer Woche im Amt bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik als Direktor. Es ist ja Deutschlands älteste außenpolitische Institution. Jetzt sind Sie hier bei uns im Podcast. Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen. Hallo.
Sprecher 5: Hallo und danke, dass Sie mich eingeladen haben.
Sprecher 2: Sehr gerne. Sie kennen die USA, haben dort lange gelebt. Wären Sie jetzt gerne in Chicago in dieser Halle?
Sprecher 6: Ja, wo man ja bei dem Auftritt der Obamas gemerkt hat, die Halle kocht.
Sprecher 7: Ja, natürlich. Da will doch jeder sein. Das ist doch ein Moment, den man als politisch tickende Person gar nicht verpassen will. Ich habe diverse Conventions miterlebt, republikanische und demokratische. Und da pulsiert es, da passiert es. So was kennen wir nicht. Das ist total irre.
Sprecher 6: Das ist total amerikanisch und natürlich sprechen wir noch über den eigentlichen Star, über Kamala Harris, die ja dann ganz offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt wird. Aber ich würde gerne einfach nochmal bei den Obamas bleiben. Das sind ja Lichtgestalten für die Demokraten, immer noch, in einer perfekt inszenierten Show. Wie haben Sie es wahrgenommen?
Sprecher 7: Ja, genau so. Sie haben versucht, die Brücke zu schlagen zwischen ihrer Ära und der Ära Harris. Und dazwischen war noch Joe Biden ein bisschen. Aber der wirkliche Anknüpfungspunkt ist natürlich die Vorstellung des Yes, she can.
Sprecher 3: Yes, she can.
Sprecher 7: Das war der große Satz dieser Präsentation. Was mir auch aufgefallen ist, ist natürlich, dass die, besonders bei Obama, der auch seine Zusammenführungsrhetorik modernisiert hat auf die zweite, die versuchte zweite Trump-Ära. Das heißt also, wir haben fast die Vereinnahmung von Kamala Harris von und für die Obamas. Er lebt aber gleichzeitig auch den Versuch, die Regenbogenkoalition der Obamas hinein zu begründen in Kamala Harris.
Sprecher 6: Ich fand das sehr faszinierend. Also nicht nur, wie die aufgenommen worden sind, wie frenetisch sie gefeiert worden sind, vor allen Dingen ja auch Michelle, obwohl Barack Obama eigentlich auch. Und diesen Satz, der ist mir so haften geblieben. Ich weiß nicht, ob es Ihnen auch so ging. Is making a comeback. Und Hope war ja eigentlich das Buzzword von Barack Obamas Kampagne.
Sprecher 7: Ich finde, dass das nicht nur auf die Obamas zutrifft, sondern auf die gesamte Veranstaltung, wenn auch natürlich durch die Obamas besonders gut verkörpert. Dass hier nicht nur der Auftritt einer demokratischen Partei stattfindet, die die Sorge vor der Demokratie eint und die sich darin zusammenfindet, sondern dem negativen Gesellschaftsentwurf, den die andere Seite präsentiert, also ein Amerika im Niedergang, die dunklen Farben, die helle, die Zukunft, die Zuversicht. Fun, Spaß und diese Kombination aus Spaß und Decency, also Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, das ist irgendwie auch total geschickt, weil Demokratie, die man erretten müsse, ist ja doch ein abstrakter Terminus. Während hier an menschliche Grundgefühle appelliert wird und an dieses urpositive amerikanische Positive.
Sprecher 6: Ich habe mich immer gefragt, wie lange diese Begeisterung anhalten kann, dieser Hype, der ja ausgebrochen ist und der uns ja auch alle hier ein bisschen überrascht hat.
Sprecher 7: Ja, das ist fast die entscheidende Frage, denn im Moment ist Kamala Harris nicht eine Person, sondern eine Projektion. Wir wissen doch eigentlich ganz wenig über sie und die amerikanische Wahlbevölkerung weiß noch nicht, was sie wissen müsste, um das Kreuz für einen Präsidentschaftskandidaten zu machen. Sondern warum es doch hier geht, ist die Begeisterung über die Möglichkeit auszubrechen aus der alten Politik durch neue Gestalten und durch den Generationswechsel. Ja, sie ist 59, auch nicht ganz taufrisch, aber wenn man so sagt, alt ist immer 15 Jahre mehr als man selber, ist natürlich das ein dramatischer Generationenwechsel. Was passiert, wenn sie als Person sichtbar wird, mit Ecken und Kanten, mit einem politischen Programm, das man im Detail... vielleicht gar nicht so gut findet. Wenn sie dadurch angreifbar wird, wenn sie dann angegriffen wird, wenn sie dann Fehler macht, das wissen wir alles noch nicht. Deswegen, diese Begeisterung ist gut und die Tatsache, dass sie keine Interviews gibt, dass sie keine Sit-down-Interviews, keine Fernsehinterviews, das zeigt, die reitet auf dieser Welle und versucht, die Welle so lange wie möglich wie so ein Surfer auszugleiten. Und dann wissen wir, kommt nur die nächste Phase in diesen 77 Tagen.
Sprecher 6: Wir wissen ja alle, der Ausgang der Wahl ist unglaublich knapp, wird in den Swing States entschieden, also von gemäßigten Republikanern, von republikanisch gesinnten Frauen, von Minderheiten, zum Beispiel auch arabischstämmigen Wählern. Was für ein Drahtseilakt muss sie eigentlich vollführen?
Sprecher 7: Ja, das ist die Kunst des großen Zeltes, das eine Politik erfordert, die eine Mehrheitspolitik ist. Also wer zuerst durch Ziel gekommen hat, gewonnen. Das bedeutet ja, anders als bei uns, wo wir für jedes Bedürfnis eine eigene Partei kreieren, nun schon welche mit dem Namen einer Person, muss man dort groß Zelte bauen. Und das heißt, die Schwierigkeit, eine innere Koalition unter einer so großen Zeltplane zu bringen, ist das, was auch Kamala Harris jetzt gelingen muss. Und das wird ihr noch große Schwierigkeiten machen, wenn sie nämlich sichtbarer wird mit politischen Präferenzen. Sinkt potenziell das Einfall. Andererseits muss sie sich auch kenntlich machen, weil nur mit dem generischen Portfolio demokratischer Präferenzen, also von Waffenkontrolle über Abtreibungsrechte, über Klimaschutz, über Collegegebühren, wird man keine Wahl gewinnen können. Dazu muss der Ansatz breiter sein. Dazu braucht es ein ökonomisches Programm. Und wie das bestellt sein muss, damit man die Kernwählerschaft der Demokraten anspricht und die anderen zumindest nicht verschreckt, das hat sie in der Woche vor der Democratic Convention versucht. Und man kann nicht auf den ersten Blick sagen, dass dieser Versuch besonders erfolgreich gewesen ist.
Sprecher 6: Also Sie sprechen an die explodierenden Lebensmittelpreise und die Kontrolle der Konzerne.
Sprecher 7: Ja, also das ist etwas, was nicht jedem Amerikaner gefällt, dass man also sozusagen Lebensmittelhilfen da ausreichen will und die Konzerne in typisch demokratischer Manier kujonieren möchte. Also das ist so eine typische Antwort, die... Opposition hervorrufen wird. Und je mehr sie sich kenntlich macht, je mehr macht sie sich angreifbar. Und diesen Gegenwind wird es in den 77 Tagen geben.
Sprecher 6: Muss nicht auch sowas wie Migration, wo sie ja eigentlich mal verantwortlich war als Vizepräsidentin. Bayern hat sie ja an die Grenze geschickt und da ist ja nicht wirklich was draus entstanden. Das ist ja auch ein drängendes Problem, was gerade von den Republikanern ja auch gerne besetzt und benutzt wird.
Sprecher 7: Ja, darauf, finde ich, hat man eine sehr... sehr gute Antwort gefunden. Die erste Antwort ist schwach und vorläufig und das würde jeder sagen, also sie war eigentlich gar nicht dafür verantwortlich und die Taskforce, der sie vorgestanden hat, war auch nicht mit der Lösung, sondern mit mehr philosophischen Fragen beschäftigt. Die aggressivere und auch meiner Ansicht nach nachhaltigere, bessere Antwort ist zu sagen, dass die Lösung nach 30 Jahren Blockade im Kongress auf der Hand lag, die von konservativen und zwar sehr konservativen Republikanern getragen, mitgetragen, teilweise vorgeschlagen worden waren, die eine Mehrheit im Kongress hatte in beiden Kammern, aber durch Anrufe von Donald Trump, dem Kandidaten, verhindert worden ist, weil er keine Lösung für dieses Problem haben wollte, sondern es im Wahlkampf offen haben wollte. Also das ist das Kernargument, das demokratische Kernargument. Und das funktioniert ganz gut, indem sie eigentlich die Verantwortung zurückweisen an Donald Trump. Es gibt ein weiteres Argument, das benutzt Kamala Harris. Die sagt, ich bin Anklägerin gewesen, ich weiß, was Drug Cartels und was Schlepperbanden sind und ich bin dagegen vorgegangen und das ist der Mindset, mit dem ich dort operiere. Auch ein relativ gutes Argument gegen etwas, was ansonsten schwer in die Karten der Republikaner spielen würde.
Sprecher 6: Ein letztes Wort noch zu Donald Trump. Interessant, dass er plötzlich auch auftauchte, auch in den Reden von Michelle und Barack Obama angegriffen worden ist. haben die sich ja immer vornehm zurückgehalten. Jetzt haben sie ihn öffentlich attackiert. Ist er jetzt plötzlich der grumpy old man, der es mit einer schwarzen, asiatischstämmigen Frau zu tun hat, die ihn, tja, auslacht?
Sprecher 7: Ja, sie lacht ihn ja nicht aus. Sie lacht, sie ist einfach guter Dinge. Das kann er schon nicht ertragen. Das kann er bei Frauen schon gar nicht ertragen. Man müsste ja mal gucken auf der Weltbühne, mit welcher Frau in Verantwortung er überhaupt ausgekommen ist. Theresa May war es nicht, Angela Merkel war es nicht. Es war eigentlich niemand. Also, dass ihn das stört, ist ja klar, durch Erfahrung und Charakter beschrieben. Aber er ist natürlich auf dem linken Fuß erwischt. Er ist noch nicht aus dem Quark gekommen, um es mal ganz platt zu sagen. Seine gesamte Strategie ist über den Haufen geworfen. Er ist durch den Wechsel, durch den generationellen Wechsel, durch den Geschlechterwechsel, durch den Temperamentwechsel völlig aus der Kurve geraten. Und er muss nun Zeit aufholen, die er in den letzten drei, vier Wochen verloren hat. Ich will nicht behaupten, dass das nicht gelingen kann. Und das kann gelingen. Niemand, auch wenn die Zahlen und die Umfragen sich jetzt zu den Demokraten hin neigen, wenn auch knapp, aber sie neigen sich. Bedeutet das nicht, dass Trump nicht eine Chance hätte? Und seine größte Chance ist die Debatte Anfang September. Das ist sein großer Moment, wo er diese... Dynamik, die jetzt praktisch wie ein großer Strom sich über das Land zu ergießen scheint, wo er diesen brechen kann. Das ist sein Moment.
Sprecher 2: Vielen Dank, Thomas Kleine-Brockhoff, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Und ich glaube, wir beide wären jetzt gerne in Chicago und dann auch noch Kamala Harris zu hören. Vielen Dank, dass Sie bei uns waren.
Sprecher 7: Das wären wir. Danke.
Sprecher 2: Bleiben wir noch einen Moment beim Parteitag der Demokraten in Chicago und hören wir rein in das, was Tim Walz auf der Bühne gesagt hat heute Nacht. Ein ganz frischer O-Ton von eben gerade der Mann, von dem viele amerikanische Kinder sagen, sie hätten ihn so gerne als Daddy. Er kommt so nett rüber, so offen, so zugewandt, so hilfsbereit und so modern, muss ich sagen. Und dabei ist er nicht etwa Mitte 30, sondern 60 Jahre alt. Aber was ist schon das Alter? Hier kommt Tim Walz.
Sprecher 8: If you're a middle-class family or a family trying to get into the middle class, Kamala Harris is going to cut your taxes. If you're getting squeezed by prescription drug prices, Kamala Harris is going to take on Big Pharma. If you're hoping to buy a home, Kamala Harris is going to help make it more affordable. And no matter who you are, Kamala Harris is going to stand up and fight for your freedom to live the life that you want to lead. Because that's what we want for ourselves, and it's what we want for our neighbors. You know, you might not know it, but I haven't given a lot of big speeches like this. But I have given a lot of pep talks. Our job for everyone watching is to get in the trenches and do the blocking and tackling. One inch at a time. One yard at a time. One phone call at a time. One door knock at a time. One $5 donation at a time. We got 76 days. That's nothing. There'll be time to sleep when you're dead. We're going to leave it on the field. That's how we'll turn the page on Donald Trump. That's how we'll build a country where workers come first. Health care and housing are human rights. And the government stays the hell out of your bedroom. That's how we make America a place where no child is left hungry, where no community is left behind, where nobody gets told they don't belong. That's how we're going to fight.
Sprecher 9: As the next president of the United States always says, when we fight, we win. When we fight, we win. When we fight, we win. Thank you. God bless.
Sprecher 2: Nach den neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes müsste ich mitten in einer dicken Midlife-Crisis stecken, denn nach diesen Zahlen habe ich die Mitte meines Lebens ungefähr erreicht. Die Lebenserwartung bei Frauen liegt mittlerweile wieder bei 83,3 Jahren, bei Männern etwas niedriger wie immer bei 78,6. Das Interessante ist, die Lebenserwartung ist im vergangenen Jahr um 0,4 Jahre gestiegen. Das sind ungefähr fünf Monate. Damit liegt sie wieder ungefähr auf dem Niveau von 2019, denn in den Jahren dazwischen, zwischen 2020 und 2022, ist die Lebenserwartung in Deutschland um 0,6 Jahre, also um ein gutes halbes Jahr, gesunken. Das waren die Jahre der Corona-Pandemie. Also, wir leben länger, das ist natürlich schön. Viel wichtiger noch, machen wir das Beste draus. Und damit verabschiede ich mich von Ihnen. Das war es schon wieder von mir von dieser Woche. Morgen haben wir wieder Sommerspezial. Die Kollegen von den Fachtables sind dran, sitzen hier an den Mietern. Darauf können Sie sich freuen. Und Trommelwirbel, Trommelwirbel. Am Montag ist er wieder da. Michael Bröker, ich freue mich auf ihn. Wenn er dann wirklich kommt, ich kann es ja noch gar nicht so richtig glauben, Dann werden wir wieder hier diskutieren, hoffentlich auch ein bisschen zusammen lachen und, wie ich gerade gesagt habe, das Beste draus machen. Alles Gute für Sie, Ihre Helene Poprowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 3: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.