Wie fair sind die Olympischen Spiele?
Das IOC und die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) greifen bei Dopingvorwürfen nicht immer durch, beobachtet ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt. Ein Beispiel: 2021 wurden 23 chinesische Schwimmer bei einem nationalen Wettkampf positiv auf ein Herzmittel getestet, ohne dass Sanktionen folgten. Die WADA akzeptierte auch die fragwürdige Erklärung der Chinesen, dass die Schwimmer in einem Restaurant Fleisch aus Australien und Neuseeland gegessen hätten, das mit dem Mittel verunreinigt gewesen sei. Belege für ihre Behauptung hat die chinesische Anti-Doping-Agentur bis heute nicht vorgelegt.
Einige dieser Athleten haben auch bei diesen Olympischen Spielen in Paris wieder Medaillen gewonnen. Laut Seppelt ist dem IOC der Schutz von Image und Reputation der Sportverbände wichtiger als eine konsequente Dopingbekämpfung.
Bundesfamilienministerin Lisa Paus will im sogenannten Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz auf bundesweit einheitliche Standards für Kitas verzichten. Das zeigt der Referentenentwurf ihres Ministeriums, der sich derzeit in der Verbändeanhörung befindet und Table.Briefings vorliegt. Damit bricht die Familienministerin mit einer Vereinbarung aus dem Koalitionsvertrag, in dem sich SPD, Grüne und FDP darauf verständigt hatten, ein „Qualitätsentwicklungsgesetz mit bundesweiten Standards“ einzuführen.
In der SPD sorgt der Entwurf für scharfe Kritik.
Elon Musks Plattform X hat Klage gegen bedeutende Werbekunden eingereicht, darunter der Konsumgüterkonzern Unilever und der Lebensmittelhersteller Mars, weil sie ihre Werbung auf X eingestellt haben. X wirft ihnen einen koordinierten Boykott und Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht vor. Es wird behauptet, dass Dutzende Mitglieder einer internationalen Werbeorganisation sich verschworen haben, um der Plattform „Milliarden Dollar“ vorzuenthalten.
Mitten im Winter zeigt die Antarktis ungewöhnlich milde Temperaturen, die mehr als sechs Grad über dem Durchschnitt liegen. Forscher befürchten nun, dass das Meereis schneller schmilzt als bisher angenommen. Die Polregionen gehören zu den weltweit am schnellsten erwärmenden Gebieten.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Herzlich willkommen zu Table Today an diesem Donnerstag, den 8. August. Wir sind noch mitten in der Sommerpause, haben aber trotzdem ein volles Programm für Sie heute. Schön, dass Sie dabei sind. Reden wir erstmal über Olympia. Die Jugend aus aller Welt versammelt sich alle vier Jahre und es geht um Höchstleistungen. Und wir gucken alle gerne zu. Ich habe auch wirklich im Urlaub begeistert Olympia geschaut, surfen auf Tahiti, Bodentouren, sogar Dressurreiten und war zuweilen wirklich zu Tränen gerührt. Und dann, wenn wir nicht zugucken in den Jahren zwischen den Spielen, da macht die Jugend dieser Welt was anderes. Da wirft sie teilweise jedenfalls Chemikalien ein und das nicht immer freiwillig. Das Doping, Sie ahnen es. Und dazu haben wir Hajo Seppel zu Gast, sozusagen der Chef-Rearcher in Sachen Doping. Einen anderen Gast, den kennen Sie schon, es ist Max Dascheit, Redakteur im Bildungstable. Er kennt sich aus mit Kitas und sagt uns, wie Lisa Pauster die Qualität verbessern will und warum die meisten den Weg, den sie einschlägt, natürlich nicht das Ziel, falsch finden. Und dann haben wir noch einen weiteren Table-Kollegen am Tisch, nämlich Bernhard Pötter, der Redaktionsleiter des Climate Table. Und mit ihm spreche ich über das Wetter am Südpol. Außerdem gibt es noch Nachrichten von Elon Musk. der einer der Menschen ist, die immer vermuten, dass andere schuld sind, wenn irgendwas nicht so richtig läuft. Und jetzt geht er vor Gericht. Der Name Lisa Paus, also unserer Bundesfamilienministerin, ist vor allem mit der Kindergrundsicherung verbunden und mit nicht besonders großen Erfolgen, die sie da vorzuweisen hat. Jetzt hat sie aber in einem anderen Bereich etwas vorgelegt und zwar bei den Kitas. Dort will sie die Qualität verbessern. Mein Kollege Maximilian Stascheit hat den Entwurf aus dem Ministerium exklusiv erhalten und berichtet im Bildungstable darüber. Jetzt ist er bei uns im Studio. Hallo, toll, dass du da bist, Max.
Sprecher 3: Hallo Helene.
Sprecher 2: Ja, Lisa Paus legt mitten in der Sommerpause einen Gesetzentwurf vor. Warum sucht sie sich diesen eigentlich nicht besonders geeigneten Moment denn dafür aus?
Sprecher 3: Ja, weil Olaf Scholz, Robert Habeck und Christian Lindner im Zuge ihrer Haushaltseinigung zwar die Kindergrundsicherung mehr oder weniger beerdigt haben, zumindest aus finanzieller Sicht, aber dafür ein sogenanntes Kinderpaket geschnürt haben, in dem 4 Milliarden Euro drinstecken, die für die Qualitätsverbesserung von Kitas investiert werden sollen. Das ist aufgeteilt, jeweils 2 Milliarden Euro für 2025 und dann nochmal 2026. Es ist also nur noch ein halbes Jahr Zeit bis dahin. Gesetzgebungsverfahren, die dauern ziemlich lange. In diesem Fall muss, weil die Länder betroffen sind, auch noch der Bundesrat zustimmen. Und jetzt muss Paus also schnell regeln, was mit diesem Geld passieren soll.
Sprecher 2: Ja, das Thema Qualität. Qualitätssicherung oder Qualitätsverbesserung an Kitas ist ja wirklich nicht neu. Da gab es doch in der Vergangenheit schon Gesetze. Was soll sich denn jetzt ändern?
Sprecher 3: Ja genau, es ist nicht neu und dieses Gesetz ist auch nicht komplett neu. Genauer gesagt, es ist eigentlich die dritte Version eines Gesetzes, das es schon ziemlich lange gibt. 2019 ist das gestartet mit dem Gute-Kita-Gesetz. Das ist dann nochmal weiterentwickelt worden zum Kita-Qualitätsgesetz. Und so muss man ehrlicherweise auch die jeweils zwei Milliarden Euro sehen, die jetzt für die nächsten beiden Jahre bereitgestellt worden sind. Die steckten in diesem Gesetz nämlich für die vergangenen Jahre auch immer schon drin. Mit genauem Blick ist es also eher eine Verstetigung der Mittel, die es in den letzten Jahren auch immer schon für das Thema gab, als neues Geld.
Sprecher 2: Also ist es eine Art von Mogelpackung, jetzt von Kita-Qualitätsgesetz zu sprechen?
Sprecher 3: Ja, eine Mogelpackung ist es vielleicht nicht unbedingt, denn es gibt natürlich Geld, was auch weiter in Projekte investiert werden kann, die es sonst nicht gegeben hätte. Es werden ganz viele verschiedene Sachen aus diesem Gesetz finanziert. Das können zusätzliches Personal sein, das kann Ausstattung in Räumlichkeiten sein. Das kann aber bisher auch Geld sein, was für Beitragsentlastungen der Eltern verwendet wird. Und das ist jetzt genau die größte Neuerung, die Paus eigentlich vorgenommen hat. Sie sagt nämlich, dass das Geld wirklich in Sachen investiert werden soll, die die Qualität der Kitas verbessern, aber nicht die... Eltern finanziell entlasten. Da ist Mecklenburg-Vorpommern das beste Beispiel für. Die haben Kitas komplett beitragsfrei gemacht. Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin, verkauft das auch immer als den größten sozialpolitischen Erfolg ihrer Regierung, hat dafür aber das Geld genommen, was sie eben vom Bund bekommen hat. Und wirklich verbessern tut das die Kitas qualitativ natürlich nicht.
Sprecher 2: Und trotzdem sind natürlich auch die Verstetigung von Mitteln, insgesamt die Qualität von Kitas im Auge zu behalten, wirklich nichts Schlechtes. Wie kommt es dann, dass es so viel Kritik an diesem Gesetz gibt, und zwar nicht nur aus der Opposition, sondern auch von den Ampelpartnern selbst?
Sprecher 3: Weil im Koalitionsvertrag was anderes und noch mehr vereinbart worden ist. Da hat die Ampel nämlich schon festgelegt, wir wollen dieses Qualitätsgesetz weiterentwickeln und sie aber mit bundesweiten Standards verbinden. Und diese bundesweiten Standards, die fehlen jetzt komplett in diesem Gesetz. Deswegen ist die SPD und auch Teile der FDP jetzt enttäuscht und werfen paus vor, sich nicht an den Koalitionsvertrag gehalten zu haben.
Sprecher 2: Was ist denn an den Qualitätsstandards so wichtig?
Sprecher 3: Ja, einerseits geht es dabei um gleichwertige Lebensverhältnisse, also einfach, dass Kitas in allen Bundesländern gleich gut sein sollen. Bundesweite Standards, das würde heißen, man legt zum Beispiel fest, wie viele Erzieherinnen und Erzieher mindestens auf ein Kind kommen sollen oder wie groß die Räume mindestens sein müssen oder auch zu welchem Zeitpunkt es Sprachtests gibt, mit denen man dann individuell weiter fördern kann. Und viele Experten sagen eben, wir investieren aktuell eine Menge Geld in Kitas, was in verschiedene Programme und Projekte fließt, mit denen wir glauben, die Qualität zu verbessern. zu verbessern. Wir wissen aber nicht wirklich, ob das so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Wir evaluieren das also nicht richtig und können dementsprechend auch nicht auf die Probleme, die es gibt, reagieren. In Schulen zum Beispiel ist das anders. Da gibt es neben den großen Bildungstests wie PISA auch engmaschiger, kleiner, zum Beispiel regelmäßige Lernstandserhebungen, wo die Schulen und Lehrer dann genau sehen können, hier haben wir gerade Probleme und da müssen wir vielleicht nochmal ansetzen oder auch umsteuern. Das gibt es in Kitas so gut wie gar nicht.
Sprecher 2: Warum um alles in der Welt führt Lisa Paus diese Qualitätsstandards dann nicht ein?
Sprecher 3: Ja, das Familienministerium sagt, dass die Lage in den Bundesländern aktuell einfach noch zu unterschiedlich ist und dass der Fachkräftebegraf gerade im Westen besonders hoch ist und man da erst ansetzen müsste. Das kann man einerseits sagen, andererseits geht Paus natürlich damit auch Konflikten mit den Ländern aus dem Weg, weil die sind natürlich immer erstmal nicht amused, wenn der Bund sagt, was sie machen sollen und ihnen da genauere Vorgaben macht. Die wollen da lieber alles für sich machen. Man könnte aber auch sagen, dieser Paus hat eine Menge Geld in der Hand und dafür könnte der Bund auch ein paar Vorgaben machen, was die Länder denn damit machen sollen. Kritiker sagen zudem auch, dass PAUS dieses ganze Thema Kitas viel zu sehr vernachlässigt hat, schon in der ganzen Legislaturperiode und sich vielleicht zu sehr auf das Thema Kindergrundsicherung eingeschossen und fokussiert hat und andere Projekte deswegen hinten liegen geblieben sind. Man hätte also viel früher schon ansetzen können. können das vorbereiten, damit man jetzt hätte Qualitätsstandards einführen können.
Sprecher 2: Ja, Max, selbst wenn das nicht das einzige Argument ist, ist es natürlich trotzdem ein trauriger Befund, dass Qualitätsstandards schon deshalb nicht gehen, weil sie schlicht nicht einzuhalten sind. Wenn Sie das Ganze nochmal nachlesen wollen, dann schauen Sie doch bei uns in den Bildungstable, den es im Test natürlich auch kostenlos gibt. Vielen Dank, dass du bei uns warst, Max.
Sprecher 3: Sehr gerne.
Sprecher 2: Ja, bis Sonntag können wir noch die Olympioniken in Paris und ja auch an anderen Orten in Tahiti, in Marseille und so weiter bewundern. Übrigens, da bewährt es sich doch, dass Frankreich diese wunderbaren Dom-Toms hat. Aber das ist leider nicht das Einzige, diese schönen Bilder, sondern wir wissen eben auch, dass diesmal die Spiele nicht komplett fair waren. Doping gehört offenbar zu Olympia dazu, wie zur Tour de France, jedenfalls früher und wer weiß, vielleicht auch noch heute. Der neueste Skandal hat mit dem chinesischen Schwimmerteam zu tun. 23 Sportlerinnen und Sportler wurden positiv auf Anabolika getestet und elf davon sind in Paris dabei. Keiner bekam wegen des Dopings eine Strafe.
Sprecher 4: Mit in der Mannschaft, die, die positiv getestet wurde und vor drei Jahren in Tokio Olympiasiegerin wurde. Tang Muhan. Hatte sie oder wurde sie gedopt? Oder ist sie unschuldig? Informationen haben chinesische Offizielle behauptet, in Peking seien in einem Restaurant, in der Gaststätte Blue Frog, die Schwimmer quasi positiv gemacht worden, weil sie Burger gegessen hätten, die Spuren des Dopingmittels Methandienon enthielten. Das wurde angeblich auch in der Rindermast eingesetzt. Das Fleisch im Burger stamme angeblich von einem australischen Zulieferer. Einen Beweis für all das lieferten die Chinesen nicht. Stattdessen behaupteten sie, auf Straßenmärkten und Supermärkten in China verseuchtes Fleisch entdeckt zu haben, das aus Australien und Neuseeland stamme. Auch dafür konnte kein Beweis vorgelegt werden. Und selbst wenn. Sollte aus Ozeanien importiertes Fleisch Methandienon-Spuren aufweisen, müsste es demnach ja auch positive Dopingtests bei neuseeländischen oder australischen Sportlern darauf schon gegeben haben. Selbst ein von der WADA beauftragter Forscher glaubte der chinesischen Theorie nicht, wie die ARD-Doping-Redaktion jetzt erfuhr. Und dennoch erhob die WADA keine Einwände gegen die Freisprüche der chinesischen Schwimmer. Das war seltsam.
Sprecher 2: Darüber müssen wir dringend sprechen mit einem Experten, der sich damit auskennt. Wer könnte es anders sein als Hajo Seppelt? Er ist Teil der ARD-Doping-Redaktion. Toll, dass es sowas gibt und kennt sich mit der Problematik bestens aus. Nicola Kurt, die Chefin des Research Table, hat mit ihm gesprochen.
Sprecher 5: Das Thema Doping ist auch bei Olympia ein Thema. Paris ein großes. Das würden Sie wahrscheinlich so bestätigen, oder?
Sprecher 4: Das würde ich nur teilweise bestätigen. Also es ist insofern ein großes, dass der Schatten der chinesischen Verdachtsfälle über diesen Spielen hängt. Aber wenn es um Doping bei Olympia selber geht, hat sich bisher ja noch gar nicht so viel ereignet. Also es gibt einige Dopingfälle, die aus der Zeit kurz vor den Spielen oder während der Spiele resultieren. Aber das sind ganz häufig auch Athleten aus der zweiten Reihe. Es gibt Leute, die behaupten, wer bei Olympia selbst dobt, der muss ziemlich naiv sein. Das ist ungefähr so, als wenn man... Wo einem Polizeirevier besoffen im Auto entlangfährt. Das macht man einfach nicht, wenn man weiß, dass das Kontrollnetz halt engmaschiger ist. Doping bei Olympia macht gar nicht so viel Sinn, sondern Doping vor Olympia macht Sinn. In der Trainingsphase, Wochen, Monate, sogar Jahre zuvor, das Training mit Doping für die Verbesserung der Ausdauer und die Verbesserung der Kraftausdauer zu benutzen, das ist effektiv. Und davon profitiert man halt auch bei Olympischen Spielen. Das ist übrigens genau auch der Vorwurf, der den Chinesen gemacht wird, dass sie nämlich lange vor Großereignissen zu unerlaubten Mitteln gegriffen haben. Und diese Geschichte, um es mal ganz salopp zu sagen, stinkt zum Himmel. Das ist aus meiner Sicht eine Räuberpistole, dass Athleten in China durch verunreinigte Lebensmittel, wo sie sich dann Anabolika drin befunden haben oder gar ein Herzmedikament, plötzlich alle positiv waren.
Sprecher 5: Sie enthüllen hier auch einen Fall nach dem nächsten. Dennoch passiert nichts. Wie erklären Sie das?
Sprecher 4: Weil der Sport gar kein großes Interesse daran hat, die Dinge aufzuklären. Es gibt einige versprengte Leute, die tatsächlich es ernst meinen im Kampf gegen Doping. Aber am Ende geht es immer um den Schutz der, wie soll ich sagen, der vermeintlichen Sauberkeit, also des Images, der Reputation von Sportverbänden. Und es liegt ja auf der Hand, dass es ein klassischer Interessenkonflikt ist. Das Thema Doping ist ein Schmuddelthema. Das möchte man nicht haben. Das möchte man aus der öffentlichen Diskussion raushalten. Das ist geschäftsschädigend. Das führt dazu, dass sich womöglich Sponsoren abwenden, dass Verbände darunter leiden, dass sie nicht mehr so viel finanzielle Unterstützung bekommen. Das führt dazu, dass Manager, wenn dann positive Fälle herauskommen, nicht mehr so viel Provisionen bekommen, Athleten bekommen keine Medaillen oder werden disqualifiziert, gesperrt, haben keine Sponsorenverträge mehr. Wenn das alles rauskommt und wenn es nicht rauskommt, dann ist der schöne Schein gewahrt. Das war schon immer so und wenn man sich die Geschichte der Olympischen Spiele, nicht nur der Spiele, sondern auch anderer Großereignisse anschaut, stellt man fest, dass es häufig mehr darum ging, nicht über das Thema zu reden, als dass es wirklich energisch anzugehen.
Sprecher 5: Bisschen konkreter gefasst, warum verhält sich das IOC im Blick auch auf das, was über das chinesische Doping bekannt ist, so zurückhaltend?
Sprecher 4: Naja, weil man natürlich die WADA schützen will, die Welt-Anti-Doping-Agentur. Da ist das IOC ja 50-prozentiger Finanzierer. Das meiste Geld kommt aus der Olympischen Bewegung. Es gibt viel Lobbyismus in der WADA aus den Reihen des Internationalen Olympischen Komitees. Man will den Global Body, quasi den weltweiten Regulator im Kampf gegen Doping, den will man unangetastet lassen. Und da müssen dann halt auch ein paar Verdachtsfälle dann offensichtlich so behandelt werden, dass es nicht zum Schaden der WADA gerät. Es ist ja offenkundig, was hier passiert. Und dadurch, dass das IOC nach meinem Dafürhalten über den Aufsichtsrat, das sogenannte Foundation Board der WADA, diese Organisation eben stückweit auch kontrollieren kann, passiert genau das, was hier in diesem Fall China passiert ist. Es gibt auch andere vergleichbare Fälle. Auch im Russland-Doping-Skandal, den wir 2014 öffentlich gemacht haben, hatte ja die WADA auch jahrelang geschwiegen. Es ist nichts passiert, bis dann die ARD eine Doku veröffentlicht hat, die den Stein ins Rollen gebracht hat. Das ist halt ganz häufig so. Hier geht es am Ende ja um zwei Fragen. Es geht einerseits um die Frage, will man sich... Energisch mit den Vorwürfen gegen China, die auf der Hand liegen, beschäftigen. Oder will man, weil die WADA vor ein paar Jahren nach meinem Eindruck völlig falsch gehandelt hat, will man hier versuchen, die WADA zu schützen, damit nicht noch mehr Porzellan zerschlagen wird.
Sprecher 5: Das heißt, man vermeidet den Schlag gegen China, weil man Sorge hat, sonst auch Putin zu stärken.
Sprecher 4: Nein, ich glaube das gar nicht so sehr. So weit würde ich nicht gehen. Vielleicht ist das am Ende der Kette der Logik auch ein Punkt, den man berücksichtigen muss. Aber es geht vor allem darum, erstens den Eindruck nach... Außen zu bewahren, dass die WADE eine strenge und straffe und gut geführte Organisation ist, die man nicht schwächen möchte. Man hat sie eben auch teilweise nach meinem Eindruck in der Hand. Auch wenn man immer erzählt, dass sie so unabhängig sei, das ist aus meiner Sicht völliger Quatsch. Und es geht vielleicht auch darum, das ist der zweite Punkt, den man sehen muss, auch China zu schützen. China ist inzwischen... Oder auch schon lange ein Global Player im internationalen Sport, Es ist ja offenkundig, dass sich auch die Sponsoren, die früher meistens aus westlichen Ländern gekommen sind, dass sich da alles ein bisschen weiter in Richtung Osten verschoben hat. Vielleicht liegt es auch daran, dass man versucht, sich ein bisschen aus dieser Umklammerung der Vereinigten Staaten zu befreien. Das ist zwar sehr schwer und wird auch noch lange so bleiben, weil NBC... Der TV-Gigant aus den USA halt Milliarden reinpumpt in das Olympia-Business, weil es immer noch eine hohe Zahl von US-amerikanischen Sponsoren gibt, die eben auch am Ende unter dem Strich Milliarden investieren. Aber es ist auch da spürbar, dass man sich ein Stück weit versucht, glaube ich, aus dieser Umklammerung zu befreien. Dass man den Blick nach Osten richtet, nach China beispielsweise. Das merkt man, das ist ja nicht nur im Sport so, das ist ja auch sonst in der Weltwirtschaft so. Und dann gibt es eine chinesische Vizepräsidentin in Nevada. Dann gibt es enge Bande zwischen dem IOC und Peking. Die Winterspiele 2022 fanden dort statt. Und in dieser Gesamtsituation, in dieser Gesamtlage, dann auch noch China und die war da öffentlich so zu diskutieren. Kreditieren, wie es die Enthüllungen unter anderem eben auch von uns deutlich gemacht haben, das ist nicht das Ziel des IOC. Es ist eben eine politische Organisation, da kann man sich noch so dagegen wehren, aber am Ende spielen dort auch geopolitische, strategische Fragen eine Rolle.
Sprecher 5: Was bedeutet das für Ihre Arbeit auch in der Zukunft? Verzweifelt man da nicht manchmal, weil man, ich sage mal, einen Fall nach dem nächsten aufdeckt, aber relativ wenig passiert?
Sprecher 4: Naja, die Frage mich noch in der Zukunft, das war ja in der Vergangenheit auch nicht anders. Ich mache den Job ja nun schon doch einige Jahre und was ich da erlebe, das sieht ja manchmal durch die Schuhe aus. Aber es ist ja nicht mein Job, Dinge zu verändern. Es ist mein Job, darauf aufmerksam zu machen. Aber natürlich haben Sie recht, manchmal ist es schon frustrierend zu sehen, wenn sich eigentlich die gleichen Schablonen, die gleichen Muster immer wieder wiederholen. Und wenn ich das auch mal sagen darf, auch jetzt hier in einem Podcast, der ja auch von Journalisten betrieben wird, ich finde, es ist eben auch ein Problem des Journalismus. Es gibt halt im Sportjournalismus zu viele, die sich mit solchen Dingen nicht beschäftigen, sondern die einfach nur Sport übertragen. Das ist auch richtig so und gut so und muss auch so sein. Aber es fehlt halt nach meinem Eindruck an einer kritischeren, distanzierteren Haltung gegenüber dem, was im Sport passiert. Es geht eben nicht nur um 1 zu 0, es geht nicht um Gold, Silber und Bronze. Das ist wichtig und soll auch so sein. Ich will das gar nicht kleinreden. Aber es geht genauso darum, dass man sich mit diesen Dingen beschäftigt. Und ich kann Ihnen das ganz ehrlich sagen, es gibt in der ganzen Welt eine Handvoll von Journalisten, die sich mit solchen Dingen beschäftigen. solchen Dingen beschäftigen. Wir in der ARD zum Glück haben die ARD-Doping-Redaktion und auch sonst Journalisten und nicht nur TV-Journalisten, sondern es gibt natürlich Leute auch bei einigen Zeitungen, Süddeutsche FAZ beispielsweise, aber das sind eben nur wenige. In der Welt gibt es dann ab und zu mal einen Bericht von der New York Times oder Gelegentlich berichten dann auch mal spanische Medien. Aber das ist halt alles nur die Ausnahme. Wenn der Ball rollt, sage ich immer, interessiert sich niemand mehr für das, was in den Kulissen passiert. Glücklicherweise haben wir in der ARD die Doping-Redaktion inzwischen seit 2007. Das war aus meiner Sicht eine sehr, sehr gute Entscheidung der ARD, die eben die Schattenseiten des Sports quasi dauerhaft, regelmäßig abbildet. Wir sind bei so weit die einzige Redaktion weltweit, egal ob Fernsehen, Radio oder Zeitung oder online, die sowas macht. Und wenn man sieht, was wir in den letzten Jahren dadurch, weil wir eben unterstützt werden, alles machen konnten, Ich bin sicher, andere Kollegen könnten das genauso, wenn die Ressourcen da wären. Und ich würde mir wirklich wünschen, dass Sportjournalismus eben nicht nur, wie soll ich sagen, betrieben wird von Menschen, die das reine Sportereignis betrachten, sondern auch den gesamtgesellschaftlichen, politischen, medizinischen, juristischen, pharmakologischen Zusammenhang sehen. Da gibt es viel mehr zu erzählen und ich sage Ihnen auch ganz ehrlich, ich bin fest davon überzeugt, gäbe es mehr Journalisten, die sich mit solchen Dingen beschäftigen würden weltweit, würde das Kartenhaus der Illusionen, und der Lügen und der Korruption, die gibt es nicht überall, aber immer wieder in vielen verschiedenen Facetten, dieses Kartenhaus würde völlig in sich zusammenbrechen.
Sprecher 5: Herr Seppelt, vielen Dank, vor allen Dingen für den Appell am Ende für einen kritischen Sportjournalismus. Vielen Dank.
Sprecher 4: Bitte gerne. Tschüss.
Sprecher 2: Ja, und jetzt sitzt Bernhard Pötter bei uns am Tisch, der Chef unseres Climate Table. Bernhard, und wir müssen ganz dringend mal über das Wetter sprechen.
Sprecher 6: Ja, Wetter können wir machen, aber wir reden jetzt über Klima, Helene. Das ist was anderes.
Sprecher 2: Ja, sorry, Bernhard, ich wollte dich nicht provozieren. Natürlich geht es nicht ums schöne Berliner Augustwetter, sondern um die Klimakrise und die ist ziemlich ernst. Es werden nämlich Temperaturrekorde in den Polgebieten gemessen. Bernhard, erzähl uns mal, was ist da los?
Sprecher 6: Ja, es gibt neue und schlechte Nachrichten, muss man sagen, vom Südpol, also von der Antarktis. Temperaturrekorde, Rekord ist ja immer so ein schwieriges Wort, weil wir das immer mit etwas Positivem verbinden.
Sprecher 2: Wir haben gerade über Olympia gesprochen, da wäre es schön, ein paar mehr Rekorde zu haben.
Sprecher 6: Da sind Rekorde gut, beim Wetter sind Rekorde eher schlecht, Ausschläge nach oben. In der Antarktis ist jetzt ja tiefer Winter und normalerweise ist es sehr kalt und es ist immer noch kalt, aber es ist deutlich wärmer, also deutlich weniger kalt, als es eigentlich im durchschnittlichen Mittel ist. Also normalerweise reden wir von Temperaturen so um die minus 40, 45. Grad und jetzt gibt es eine sogenannte Hitzewelle. Das heißt, es ist im Schnitt 6 bis 10 Grad, an manchen Stellen sogar 28 Grad Celsius wärmer als normal. Und das klingt erstmal nicht so viel, ist ja immer noch kalt. Aber weil das eine der Wetterküchen der Welt ist, die Antarktis, Und weil es darauf hindeutet, dass da sehr viel ins Rutschen geraten ist, ist das ein großes Problem.
Sprecher 2: Also ins Rutschen geraten wahrscheinlich insbesondere die Gletscher. Aber was hat das weltweit für Auswirkungen?
Sprecher 6: Das weiß man noch nicht genau. Man weiß nur, dass es sehr viel schneller geht, als es von allen eigentlich erwartet wurde. Und man sieht auch, dass gerade beide Polgebiete, der Norden und der Süden, deutlich stärker vom Klimawandel beeinflusst sind. Also die Erwärmung als der Rest des Planeten, die Erwärmung in der Arktis, also rund um den Nordpol, geht drei bis viermal so schnell wie im Rest der Welt. Und gerade die Antarktis ist sehr wichtig, weil sie einen riesen Eisblock hat. Also sie ist ja Land, aber auf ihr liegt Eis. Und weil diese Gletscher, jedenfalls an einem Teil der Antarktis, instabil werden, anfangen zu schmelzen, ins Meer zu rutschen. Das sind langfristige Probleme, aber kurzfristig heißt das, dass vor allem die Wetter- und Klima- und Windmuster in den Gegenden durchaus durcheinander geraten. Und das wiederum hat globale Einflüsse auf die ganze Welt.
Sprecher 2: Fürbelschirme und ähnliches. Und ist das überhaupt noch aufzuhalten? Also selbst wenn wir jetzt auf den 1,5 Grad Fahrt, von dem wir auch noch entfernt sind, kommen oder ist da eigentlich schon das Urteil besiegelt?
Sprecher 6: Es gibt manche Sachen, die sind durch. Da sind die Kipppunkte überschritten und der eisfreie Nordpol zum Beispiel ist wohl einer von denen. Also das heißt, wir werden uns damit befassen müssen, dass in einigen Jahren bis Jahrzehnten Fläche um den Nordpol eisfrei sein wird im Sommer. Andere Sachen wie das Schmelzen in der Antarktis, da sind die Wissenschaftler nicht klar. Wie gesagt, es gibt auch großregionale Unterschiede, Ost- und Westantarktis. Und wenn, wie in Grönland, dauert, wir reden ja über Zeiträume von Hunderten von Jahren, bis es ganz passiert. Aber dass der Kipppunkt erreicht ist, wo das nicht mehr aufzuhalten ist, zumindest sind wir sehr nah an diesen Kipppunkten dran. Was kann man tun? Natürlich radikalen Klimaschutz, radikal runter mit den Emissionen und versuchen, das CO2 wieder aus der Luft zu holen.
Sprecher 2: Ja, mahnende Worte von Bernhard Pötter. Vielen Dank, Bernhard. Das können Sie natürlich alles nachlesen im Climate Table, der heute zeitgleich um 6 Uhr erscheint. Danke, dass du bei uns warst, Bernhard.
Sprecher 6: Immer gerne.
Sprecher 2: Und ganz zum Ende dieser Sendung haben wir noch eine kuriose Nachricht aus der Social-Media-Welt. Elon Musk, dem auch Tesla und die Firma X, ehemals Twitter, gehört, sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Es gibt große Unternehmen, unter anderem Mars, Sie wissen, der Hersteller des leckeren Schokoriegels, die keine Werbung mehr bei X schalten wollen. Und das findet Musk absolut ungerecht. Er vermutet einen gegen ihn geplanten Boykott und zieht nun dagegen vor Gericht. Er will Schadensersatz und argumentiert, es gehe nicht, dass die Werbekunden ihm Milliarden Dollar vorenthalten. Zuletzt hat er einen anderen Weg gewählt, um abtrünnige Werbekunden zur Ordnung zu rufen. Damit war er allerdings nicht wirklich erfolgreich. Und ich finde außerdem, der Weg zum Gericht ist doch die elegantere Lösung. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass er mit seiner Klage erfolgreich ist, ist nicht allzu groß. Und damit verabschiede ich mich für diese Woche schon von Ihnen. Sie kennen das schon, am Freitag ist immer unser Sommerspezial. Da kommen unsere Fachtables ganz groß raus und morgen ist es der Research Table. Tim Gabel, Redakteur im Research Table, spricht mit dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Patrick Kramer, über die Zukunft der Wissenschaft. Vielen Dank, dass Sie heute zugehört haben. Alles Gute, Ihre Helene Bobrowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.