USA-Spezial: Joe Biden gibt auf
Dauer: 23:12

USA-Spezial: Joe Biden gibt auf

Die Entscheidung war von vielen Demokraten herbeigesehnt worden. Und nun gibt einige Fragen, die möglichst schnell geklärt werden müssen:

Soll Kamala Harris ins Rennen gehen? Die Demokraten sind sich nicht einig. Unter anderem schlägt Ex-Präsident Obama vor, eine Art Mini-Vorwahlkampf mit mehreren Kandidaten zu organisieren. Passieren muss das alles innerhalb weniger Tage oder Wochen.

Für den 19. August ist der Nominierungsparteitag geplant.

Bis dahin muss auch klar sein, wer Vize-Präsidentschaftskandidat werden soll. 

Das Lager von Donald Trump muss die Wahlkampfstrategie überdenken - bislang hatte man dort vor allem darauf gesetzt, mit Biden einen schwachen und gebrechlichen Gegenkandidaten zu haben.

Michael Bröcker diskutiert die „Bombshell-News“ dieses Wahlkampfes mit Gudrun Engel, Leiterin des ARD-Studios in Washington.

Außerdem zu Gast ist der Ökonom Rüdiger Bachmann. Bachmann lebt seit Jahrzehnten in den USA und ist einer der genauesten Beobachter von Gesellschaft und Politik in den Vereinigten Staaten.



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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: This is an ABC News special report.

Sprecher 3: We are coming on the air at this hour with breaking news. President Biden has just announced that he is ending his re-election bid.

Sprecher 4: Einen schönen guten Morgen aus Berlin, guten Morgen nach Washington DC, denn wir müssen heute natürlich nochmal in die amerikanische Hauptstadt gehen, denn da gab es gestern Abend dramatische, von vielen Demokraten allerdings auch erhoffte Nachrichten. Joe Biden, der Präsident, steigt aus dem Rennen aus. Was das bedeutet und ob Kamala Harris jetzt nun automatisch die neue demokratische Präsidentschaftskandidatin ist, das bespreche ich gleich mit der ARD-Studioleiterin in Washington, Gudrun Engel. Außerdem kommt Rüdiger Bachmann zu Wort, ein deutscher Ökonom, der seit fast 20 Jahren in den USA lebt. Und nicht nur in den USA, sondern in einem dieser berühmten Swing States. Er lebt in Michigan. Schön, dass Sie dabei sind an diesem 22. Juli. Auf geht's!

Sprecher 5: Hey, kennst du schon den Podcast Ton? Das größte Charity-Event der Welt ermöglicht durch Podcasts. Jeden März geben tausende Podcasterinnen und Podcaster gemeinnützigen Organisationen eine Stimme und gemeinsam entsteht eine riesige Welle inspirierender Geschichten. Kein Fundraising, kein Druck, nur die Kraft des Podcasts. Im Einsatz von Projekten und Initiativen, die mehr Sichtbarkeit verdienen. Besuche jetzt podcasthoen.org und sei dabei. Podcast HON.org

Sprecher 6: We have breaking news here. President Biden has announced he will stand down from the race. I'm going to read the statement here. Over the past, my fellow Americans, over the past three and a half years, we have made great progress as a nation. Today, America has the strongest economy in the world. We've made historic investments in rebuilding our nation.

Sprecher 7: It has been the greatest honor of my life to serve as your president. Just moments ago, President Biden answered a question that many of us have been asking, and that was whether he would endorse his vice president to take his place. And in a statement on social media, he now has. Here's what he says. He says, my very first decision as the party nominee in 2020 was to pick Kamala Harris as my vice president. And it's been the best decision I've made. Today, I want to offer my full support and endorsement for Kamala to be the nominee of our party this year. Democrats, it's time to come together and beat Trump.

Sprecher 8: The first public statement from Vice President Kamala Harris in the aftermath of President Biden dropping out of the 2024 race. She says that she was honored to have received President Biden's endorsement and intends to earn and win the nomination for the presidency.

Sprecher 9: News that I think a good portion of us expected, but still a massive shock.

Sprecher 4: Ein historischer Tag für die USA mit Aus. Wirkungen auf die ganze Welt. Ausgerechnet aus der Corona-Isolation kommt die Nachricht eines in den letzten Tagen und Wochen zusehends einsamen amerikanischen Präsidenten. Joe Biden gibt auf. Der Druck war zu groß geworden. Es war die größte Ehre meines Lebens, als ihr Präsident zu dienen, schrieb Joe Biden gestern Abend in einer Erklärung, die er auf den sozialen Kanälen verbreitete. Und auch wenn es meine Absicht war, so zitiere ich ihn weiter, die Wiederwahl anzustreben, glaube ich, dass es im besten Interesse meiner Partei und des Landes ist, beiseite zu treten. So ist es nun also gekommen. Joe Biden hört auf, jetzt brauchen die Demokraten einen neuen Kandidaten oder eine neue Kandidatin, um Donald Trump zu schlagen. Ich spreche darüber jetzt mit Gudrun Engel. Sie ist seit 2022 Leiterin des ARD-Studios in Washington. Sie war vorher Korrespondentin in Paris, New York und Brüssel. Einen schönen guten Morgen nach Washington. Hallo, liebe Gudrun.

Sprecher 10: Allô?

Sprecher 4: Joe Biden ist raus, aber ist Kamala Harris schon sicher drin?

Sprecher 10: Das kommt ein bisschen darauf an, wen man fragt. Sie selber sagt, sie steht bereit, sie weiß genau, worum es geht. Sie ist dankbar, dass Joe Biden sie aufgestellt hat und sie ist parat, um, wie sie selber sagt, dem extremen Kurs von Donald Trump 2025 entgegenzutreten. Na klar muss sie machen, wenn sie jetzt auch noch einen Stich haben will. Es gibt einige, die haben gesagt, sie soll es machen. Die Clintons zum Beispiel sagen auch, Kamala Harris soll es jetzt machen. Aber es gibt auch noch ein paar prominente Köpfe, die sagen, nee, nee, nee, nee, mal langsam machen. Wir wollen eigentlich nicht direkt auf Harris umsatteln. Wir wollen eigentlich lieber, dass wir nochmal drüber reden, wen wir noch so im Stall haben.

Sprecher 4: Was sagen denn die Kritiker, die jetzt Kamala Harris nicht sofort aufs Schild heben wollen? Wo sind ihre Schwächen?

Sprecher 10: Es geht da, glaube ich, gar nicht so sehr um die Schwächen von Kamala Harris, sondern es geht vielmehr darum, dass man eben zeigen will, wir sind eine Partei und dann hat man eine demokratische Wahl. Und wenn man jetzt direkt eine Person gegen die andere austauscht, dann hat man eben keine Wahl. Das ist auch die Kritik, die direkt von den Republikanern gekommen ist, nämlich schaut her, ihr sagt immer, ihr seid zu demokratisch, aber dabei habt ihr gar keine Wahl. Ihr habt euch alle für Joe Biden entschieden in den Vorwahlen, in den Primaries, im Korkus. Und jetzt ist der nicht mehr da und jetzt sollt ihr jemanden anderen einfach absegnen. Das ist nicht besonders demokratisch. Und deswegen gibt es bei den Demokraten in der Partei, besonders rund um Barack Obama, eine Bewegung, die fordert eine Blitz-Primary. Also die fordert quasi Auswahl bis zum Parteitag Mitte August in Chicago, Illinois. Und die sagen, da erst wollen wir einen Kandidaten wählen. Wir wollen niemanden vor die Nase gesetzt kriegen.

Sprecher 4: Das sind ja nur noch wenige Wochen. Braucht man nicht die Kampagne, die Strukturen, die Spender, die Organisation? Oder ist das tatsächlich alles innerhalb weniger Wochen sogar mit einem neuen Kandidaten noch machbar?

Sprecher 10: Naja, also auf jeden Fall ist jetzt da ordentlich Musik drin, weil natürlich die Einzige, die bundesweit... bekannt ist, hier ist Kamala Harris, weil sie eben die Vizepräsidentin ist, weil sie viel Wahlkampf gemacht hat, weil sie überall unterwegs war. Deswegen ist sie bekannt. Alle anderen, die da jetzt noch kommen, da werden ja viele Gouverneure und Senatoren als mögliche Gegenkandidaten genannt, die sind zwar total beliebt in ihren jeweiligen Bundesstaaten, aber darüber hinaus kennt die halt einfach keiner. Das heißt, für die ist es tatsächlich jetzt ein bisschen knapp. Das heißt, die müssen sich genau überlegen, ob sie gegen Kamala Harris antreten wollen. Und dann bleibt ihnen tatsächlich wenig Zeit. Es gibt da halt so ein Papier aus der Partei, das wir haben. Da heißt es, es gibt natürlich Szenarien. Man könnte jetzt mit jedem von denen noch ein Fernsehduell machen in den Wochen bis dahin. Man könnte noch so Townhalls machen. Aber ist ganz klar, wer jetzt noch was reißen will gegen Kamala Harris, der muss jetzt viele Klinken putzen, der muss in die Bundesstaaten fahren, wo viele Wahlmänner sitzen, viele Delegierte sitzen, also Texas, Kalifornien. Da wird es schwierig, weil da kommt Kamala Harris selber her. New York. Also wer sich jetzt noch überlegt, gegen Kamala Harris anzutreten, der braucht auf jeden Fall einen eisernen Willen, viel Zeit, viel Geld und muss jetzt viel aufholen.

Sprecher 4: Dann bleiben wir doch noch eine Sekunde bei Kamala Harris. Was sind denn Ihre Weak Points aus Sicht der Republikaner? Wo werden Sie sie angreifen wollen?

Sprecher 10: Also für die Republikaner ist das... Das Worst-Case-Szenario, was jetzt eingetreten ist. Sie sagen zwar, oder Donald Trump hat sich auch gemeldet, hat gesagt, ja, easy, Kamala Harris, die putzt sich noch leichter weg als Joe Biden. Aber das ist natürlich Säbelgerassel, weil so einfach ist es nicht. Die komplette Kampagne der Republikaner ist zugeschnitten darauf. dass Joe Biden alt und gebrechlich ist und nicht in der Lage, dieses Land zu führen. So, jetzt ist der weg, jetzt müssen die sich was anderes überlegen und sie müssen natürlich... Einen Angriffspunkt finden. Das wird bei Kamala Harris schwierig, weil was will man ihr vorwerfen? Dass sie schwarz ist, kann man nicht machen. Dass sie eine Frau ist, kann man auch nicht machen. Das heißt, dieser komplette persönliche Wahlkampf, der es bislang gab, der fällt schon mal aus. Die Republikaner haben jetzt vermutlich genauso Schweiß auf der Stirn wie die Demokraten, weil sie auch nicht so richtig wissen, wie sie jetzt vorgehen sollen.

Sprecher 4: Wenn man sich die Republikaner oder zumindest ihre Vorfeldorganisationen anguckt, dann geht es eher in Richtung, dass sie besonders links ist und besonders bei den Themen konträr steht zu dem, was die Republikaner als sinnvoll erachten.

Sprecher 10: Das wäre ja mal eine Neuerung, dass wir hier einen Wahlkampf erleben, der sich mit Inhalten und Themen befasst. Das wäre ja wohltuend für uns Journalisten, weil im Moment geht es ja eigentlich immer nur um Persönlichkeiten und persönliche Showdowns. Natürlich könnte man sich damit auseinandersetzen. Kamala Harris war viel im Wahlkampf unterwegs in den vergangenen Wochen und Tagen. Und sie besetzt natürlich vor allem die Themen Abtreibung. Da stehen die beiden Parteien ja konträr zueinander. Sie redet viel über Frauengesundheit. Da hat sie eine neue Initiative gegründet, gemeinsam mit Jill Biden und Maria Shriver. Und es geht ja auch immer um Teilhabe von jungen Menschen und um die Studentenkredite. Das war ja hier auch ein sehr umstrittenes Thema. Also in den Themen ist sie auf jeden Fall drin. Die besetzt sie. Und jetzt besetzt sie eben auch noch das Thema Demokratie, indem sie sagt, wir müssen die Demokratie retten vor Donald Trump.

Sprecher 4: Biden hat in seinem Statement klargemacht, dass für ihn die logische Kandidatin Kamala Harris ist. Die Obamas haben das noch nicht getan. Gibt es da eine Differenz, eine Diskrepanz zwischen Obama und Harris, die wir vielleicht noch gar nicht kennen hier in Deutschland?

Sprecher 10: Da muss man jetzt auf jeden Fall ganz genau hingucken. Ja, denn die Obamas sind eben die, die sich in dieser Gruppe befinden, die sagen, wir brauchen eine Blitz-Primary, wir brauchen eine Auswahl an Kandidaten. Sie haben sich nicht direkt hinter Harris gestellt. Da ist tatsächlich so ein bisschen die Frage, woran könnte das liegen? Ist es tatsächlich eine persönliche Animosität, von der wir noch nichts wissen? Oder geht es ihnen tatsächlich darum zu sagen, naja, wir müssen die demokratische Partei auch als demokratischen Prozess aufstellen und deswegen brauchen wir mehr Auswahl. Da müssen wir tatsächlich noch ein bisschen bohren, um da noch ein bisschen was rauszufinden.

Sprecher 4: Gudrun Engel, seit Juli 2022 Leiterin des ARD-Studios in Washington. Wir wissen, dass du sehr viel zu tun haben wirst in den nächsten Monaten. Vielen Dank, dass du kurz auch Zeit für uns hattest.

Sprecher 10: Sehr, sehr gerne.

Sprecher 4: Ja, Amerika ist gespalten. Auch die Demokraten sind sich offenbar noch nicht ganz einig, ob es Kamala Harris wirklich machen soll. Es steht ein spannendes Rennen an. Donald Trump muss seine Kampagne überdenken und die Demokraten müssen sich einigen. Rüdiger Bachmann lehrt seit 2014 an der University Notre Dame in Indiana. Er war zuvor unter anderem in Yale, in Harvard und an der Universität in Michigan. Dort in Michigan lebt der Mann. In einem der berühmten Swing States, die am Ende den Ausschlag geben können, wer ins Oval Office einzieht. In der Corona-Krise beriet Bachmann übrigens den damaligen Finanzminister namens Olaf Scholz. Wie sieht er die Entscheidung im amerikanischen Wahlkampf? Ich habe mit ihm in Michigan geredet. Einen schönen guten Tag nach Ann Arbor in Michigan. Hallo, lieber Herr Bachmann.

Sprecher 11: Hallo.

Sprecher 4: Herr Bachmann, wie haben Sie die Nachricht aufgenommen? Überrascht oder überfällig?

Sprecher 11: Ja, seit Ende letzter Woche war mir klar, dass es passieren wird, dass die ganzen Sachen mit der Covid-Geschichte, also nicht, dass sie jetzt irgendwie strategisch Covid bekommen hat, aber die Kommunikation darum. Und ich bin ja Sozialwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler, wie Sie wissen. Irgendwann gibt es dann soziale Dynamiken, wo ein bestimmtes Ergebnis dann einfach unvermeidbar ist. Und das, glaube ich, haben wir hier gesehen. Ich habe also... damit gerechnet, dass es nach dem Republikanischen Parteitag irgendwann übers Wochenende oder spätestens Montag passieren wird.

Sprecher 4: Ja, der Trend war nicht mehr zu drehen und jetzt haben sich führende Demokraten ja dann doch auch unter eins, wie es hier bei uns in Deutschland heißt, also on the record gezeigt und ihn zum Rückzug aufgefordert. Vor allem ja auch Nancy Pelosi und also wirklich für Charles Schumer führende Demokraten. Aber wie geht es jetzt weiter? Was ist, was ist ihr, was glauben Sie? Er hat öffentlich ja Kamala Harris nach vorne gestellt, aber wird sie es deswegen auch?

Sprecher 11: Ja, ich denke schon. Das war eben das große Manko der Situation, in der die Demokraten waren, weil es eben diesen Streit gab, sind wir jetzt für Biden oder nicht? Und das ist jetzt weg. Und jetzt da noch weiter rum zu diskutieren, wer das wird, also das wäre dann in der Tat politischer Selbstmord, sondern ich erwarte eigentlich und kann eigentlich auch nur sagen, hoffe, dass man sich jetzt hinter Kamala Harris vereint. Es gibt ja noch eine wichtige Entscheidung zu treffen, nämlich die des Running Mates, des Vizepräsidentenkandidaten, die durchaus auch wichtig ist und dass man das jetzt aber sehr schnell erledigt, damit man jetzt tatsächlich mit einer Geschlossenheit dann in den Wahlkampf gehen kann.

Sprecher 4: Ja, da wird schon von Josh Shapiro gesprochen, dem ehemaligen Staatsanwalt in Pennsylvania, der jetzt Gouverneur von Pennsylvania ist. Und es scheint ja auch so zu sein, dass man beim Vice President Pick, wenn man selbst nicht aus einem dieser Swing States kommt, eigentlich jemanden nimmt, der in diesen Battleground States irgendwie aktiv ist, um diese entscheidenden Wähler zu kriegen, richtig?

Sprecher 11: Absolut. Shapiro ist für mich ein sehr heißer Kandidat. Jemand aus dem Mittleren Westen ganz generell. Muss jetzt vielleicht gar nicht mal der eigene Staat sein, aber Josh Shapiro hat eben beides. Er kommt aus dem Mittleren Westen und dann eben noch aus diesem Battleground State Pennsylvania, der ganz wichtig ist. Eine andere Kandidatin, die da offensichtlich wäre, wäre Gretchen Widmer. Da könnte man vielleicht sagen, können wir Amerika schon zwei Frauen zumuten. Das ist ja, das letzte Mal ist ja Hillary Clinton auch aus Sexismus nicht gewählt worden. Es gibt den aktuellen Gouverneur von Kentucky, Andy Beja, der in einem republikanischen Staat es geschafft hat, als Demokrat gewählt zu werden in das Gouverneursamt, der also auch den Mittleren Westen versteht, sozusagen die Flyover-States versteht. Was man jetzt relativ sicher sagen kann, ist, dass jemand wie Gavin Newsom, also der aktuelle Gouverneur von Kalifornien, der ja durchaus auch gehandelt wurde, dass der jetzt erstmal sozusagen nach hinten gestellt wird. Dessen Machtambitionen, die lassen sich jetzt erstmal nicht befriedigen. Es sei denn, er lässt darauf ankommen und zündelt und tritt gegen Kamala Harris in dem Wahlparteitag auf. Wie gesagt, ich kann mir das nicht vorstellen, aber man muss mal abwarten, was die nächsten Tage bringen.

Sprecher 4: Kamala Harris, ehemalige auch Staatsanwältin von Kalifornien, District Attorney heißt das dort und dann eben Vizepräsidentin unter Joe Biden. Aber ihre Bilanz ist umstritten. Sie sollte eigentlich Migration. Sie sollten Migrationsabkommen schließen, sie sollten Migration zurückdrängen. Da hat sie nicht so viel gemacht. Sie ist vor allem auch eine sehr linke Kandidatin. Also das Trump-Lager dürfte sich freuen. Sie war für den Green New Deal. Sie ist für Finanzierung von Abtreibung durch die Krankenversicherung. Also alles Positionen, sogar für Schulpflicht, die in Amerika anders gesehen wird als bei uns, wo viele Eltern ihre Kinder zu Hause selber beschulen wollen. Was als Teil des Freiheitsgedankens gilt. Also sie ist die linkeste Kandidatin, die die Demokraten haben, oder?

Sprecher 11: Ja, wobei der Effekt ist jetzt erstmal größer, dass die Republikaner jetzt im Grunde genommen ihrer Wahlkampfstrategie beraubt sind. Also diese Idee jetzt, dass man gegen diesen alten Mann antreten kann und das sozusagen als einziges Thema haben kann, das ist ihnen jetzt genommen worden.

Sprecher 4: Harris hatte im August 2017 sogar mit Bernie Sanders gestimmt bei der staatlichen Krankenversicherung. Also das sind Themen, die bisher gar nicht vorkommen im Wahlkampf. Sie glauben, es bleibt bei dieser sehr polemischen, oberflächlichen Attacken auf die jeweiligen Persönlichkeiten in diesem Wahlkampf?

Sprecher 11: Ich befürchte es, sagen wir mal so. Und ich glaube halt auch, dass on policy grounds die Republikaner sowieso verlieren würden. Also ich weiß nicht, ob die sozusagen wirklich Argumente haben. Und Trump ist ja zu dieser Art von Wahlkampf eine wirkliche Politikdiskussion zu machen. Mental oder psychologisch gar nicht in der Lage. Und wenn man dann halt alles auf einen Personenwahlkampf macht oder darauf, zuschneidet und das war ja die Strategie der Republikaner, sowohl mit der Wahl des eigenen als auch mit der Kontrastelle gegen Biden, da steht man jetzt erstmal mit deren Händen da.

Sprecher 4: Ja, Herr Bachmann, Sie leben selbst ja seit 2007 in Michigan und damit in einem klassischen Swing State. Mich würde interessieren, wie Sie im Privatleben oder auch im beruflichen Umfeld diese Spaltung erleben, diese Polarisierung zwischen den Lagern. Ist das schlimmer denn je? Ist das doch nicht so schlimm, wie es die Medien zeichnen?

Sprecher 11: Ja, also da muss ich da zunächst mal dazu sagen, ich lebe zwar in einem Swing State, allerdings lebe ich, da ich in einer Universitätsstadt lebe, in Abba, das ist die University of Michigan, nicht mein Arbeitgeber, aber eben lebe ich da. Die Stadt selber ist zu 90 Prozent links. Also da gibt es gar keine Republikaner. Im Stadtrat treten da sozusagen zwei... Sich auch nicht so grün sehende Fraktionen und der Fraktion der Demokraten gegeneinander an. Also so muss man sich das vorstellen. Es gibt faktisch keine Republikaner in der Kommunalpolitik hier bei mir. Auf der anderen Seite ist es schon so, sobald ich, naja, zwei, drei Meilen nach draußen fahre, sehe ich die Trump-Signs überall. Also auch bei mir sehe ich tatsächlich wirklich, und das vielleicht wirklich anders als an der Ostküste, diesen Stadt-Land, das ist es ja letztlich, das Stadt-Land-Gefälle. Das sieht man gnadenlos. Michigan ist ja auch bekannt für seine Milizia, für seine Waffennarren, die es überall hat auf dem breiten Land. Und ja, also natürlich kriegt man das mit. Und insofern, ich habe mal erlebt, einen Sonntag, wie hier die Mega-Crowd mit ihren großen SUVs zu einer Demo eingefallen ist. Und das war schon, also da habe ich mich an andere Zeiten, die ich aus Deutschland Gott sei Dank nur aus den Geschichtsbüchern erkenne, erinnert gefühlt, ehrlich gesagt. Also ich will nicht weiter mit Details gehen. Aber ja, das ist zum Teil wirklich so unversöhnlich. Ich meine, Sie müssen sich vorstellen, Das hat mit dieser Kulthaftigkeit, die die Republikaner oder die Trumpisten diese Partei umgepolt haben, da geht es eben nicht mehr um rationalen Politikdiskurs, sondern es geht um diese rohen Emotionen, die man ja auch beim Republikanischen Parteitag gesehen hat. Nun ist es immer so gewesen, es war schon immer gut amerikanische Tradition, dass Wahlen auf einer emotionalen Ebene basieren. Aber wenn man da den Hulk gesehen hat und da diese brüllenden Rocker und ich meine, das ist natürlich rohe, ja und zum Teil, da muss man echt sagen, rein, so archaische, männliche Überschussemotionen, die da zu sehen war. Und das ist die Republikanische Partei. So einfach ist das. Und die Demokraten sind die Partei der... Nach wie vor der Deliberation. Also jedenfalls versuchen sie das. Es wird zunehmend schwieriger, weil es natürlich auch von links eine gewisse Emotionalisierung gibt. Stichwort Wokism. Und so weiter und so fort.

Sprecher 4: Wir werden es beobachten, lieber Herr Bachmann, und sicherlich nicht zum letzten Mal miteinander gesprochen haben. Vielen Dank für Ihre Einblicke direkt aus den USA und ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Montag.

Sprecher 11: Ja, wünsche ich Ihnen auch. Freut mich. Tschüss.

Sprecher 4: Donald Trump, ja was macht er jetzt, was machen seine Berater, seine Kampagne? Sie wird natürlich jetzt umgestellt. Er hatte sich vollends auf den vermeintlich greisen Joe Biden eingestellt. Nun muss er eine neue Strategie fahren und sie war in den letzten Tagen schon angeklungen. Denn Donald Trump hatte sich in seinem Wahlkampfauftritt auch schon ein wenig auf Kamala Harris eingeschossen.

Sprecher 12: We take back the White House from crooked Joe Biden and Kamala. I call her laughing Kamala. You ever watch her laugh? She's crazy. You know, you can tell a lot by a laugh. No, she's crazy. She's nuts. She's not as crazy as Nancy Pelosi, crazy Nancy.

Sprecher 4: Und auch sein Vize, J.D. Vance, konnte die Vizepräsidentin nicht unerwähnt lassen.

Sprecher 13: Kamala Harris said something to the effect that I have no loyalty to this country. What has she done other than collect a check from her political offices? And we have to give her credit.

Sprecher 4: Das alles ist jetzt noch keine Strategie des Trump-Lagers, aber man kann oder besser könnte doch herauslesen, wohin die Reise gehen könnte. Erstens, Trump wird versuchen, sie bei der Migrationsfrage zu verknüpfen. Es ist ohnehin ein Thema, was seine Wähler am meisten umtreibt. Und zweitens, wie es Vize J.D. Vance ja längst angedeutet hat, man wird Harris verunglimpfen wollen als Dienerin des Staates, den die Republikaner ja sowieso schon als übergriffig empfinden. Harris hat durchaus linke Positionen, wenn es um Krankenversicherung, Abtreibung oder Waffenrecht geht. Das werden die Republikaner dankend aufgreifen. Auf der anderen Seite haben sie jetzt eine vitale, eine jüngere, eine sehr selbstbewusste Kandidatin mit. Ausländischen Wurzeln gegenüberstehen, die durchaus bei Frauen, bei Latinos, bei den Schwarzen in dem Land gewinnen und punkten kann. Also es dürfte ein spannendes Duell sein und nichts ist gelaufen. Gucken wir doch mal schnell, wie die Reaktionen ausgefallen sind. Kurz nach Bekanntgabe des Rückzugs hat es eine Flut von Spenden für die Demokraten gegeben. Das alleine zeigt, da glaubt ein Lager jetzt wieder an einen Sieg. Mehr als 30 Millionen Dollar sind online innerhalb weniger Stunden zustande gekommen. New York Times hat diese Daten ausgewertet. Es sei die gewaltigste Summe seit der Wahl vor vier Jahren, die innerhalb so kurzer Zeit zusammengekommen ist. Ja, und Bundeskanzler Scholz, ja, der hat auch reagiert. Er hatte ein besonders enges, vertrauensvolles Verhältnis mit Joe Biden. Er verliert so oder so einen Verbündeten. Auf X hat Scholz das hier geschrieben, auf Deutsch und Englisch. Mein Freund Joe Biden hat viel erreicht. Für sein Land, für Europa, die Welt. Dank ihm ist die transatlantische Zusammenarbeit eng, die NATO stark, die USA ein guter und verlässlicher Partner für uns. Sein Entschluss, nicht noch einmal zu kandidieren, verdient Anerkennung. Zitat Ende. Es ist also doch noch einmal alles anders geworden, nur innerhalb weniger Stunden. Dieser amerikanische Wahlkampf mit diesen Wendungen, wie wir sie noch nie erlebt haben, Er ist schon jetzt ein historischer Wahlkampf. Und vieles, da müssen wir uns keine Sorgen machen, wird noch anstehen. Denn die heiße Phase, die beginnt ja gerade erst. Das war unser USA-Spezial an diesem Montag. Sommerloch ist also nicht zu sehen. Der spannendste Wahlkampf erstet uns vor der Tür, zumindest in den USA. Wir werden noch das eine oder andere Mal hinüberschalten in das Land der unbegrenzten politischen Möglichkeiten. Morgen geht es hier aber auch wieder um Europa und um die Olympischen Spiele in Paris. Freuen Sie sich darauf. Bis dahin, Ihr Michael Bröker.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 14: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.