Leben Juden in Deutschland sicher, Herr Mendel?
Donald Trump hat am heute früh gegen 04:30 seine erste Rede auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Milwaukee gehalten. Erste Auszüge aus der Rede in dieser Episode.
An diesem Samstag gedenken Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas bei einer Zeremonie im Innenhof des Verteidigungsministeriums der Gruppe des 20. Juli, der Widerstandsbewegung gegen das Nazi-Regime. Vor 80 Jahren versuchte eine kleine Gruppe von Persönlichkeiten aus Adel, Wehrmacht und Verwaltung den Umsturz gegen Hitler – und scheiterte.
80 Jahre später ist der Antisemitismus nach wie vor in den Köpfen. Er kommt von Neonazis und linksextremen Antiimperialisten, arabisch-stämmigen Migranten und weiteren vermeintlich oder tatsächlich propalästinensischen Gruppen. Meron Mendel, deutsch-israelischer Publizist und Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, berichtet vom Alltag der Juden in Deutschland, von verbalen Beleidigungen bis hin zu körperlicher Gewalt.
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Transkript
Sprecher 1: As Americans, we are bound together by a single fate and a shared destiny. We rise together or we fall apart. I am running to be president for all of America, not half of America, because there is no victory in winning for half of America. So tonight, with faith and devotion, I proudly accept your nomination for President of the United States. Thank you.
Sprecher 2: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubarski.
Sprecher 3: Herzlich willkommen zum America First Podcast. Heute natürlich auch wieder mit sehr spannenden Einblicken von Milwaukee hier für Sie in Deutschland.
Sprecher 4: Happy birthday, Michael Broker.
Sprecher 3: Thank you very much, Helene.
Sprecher 4: Wir haben schon einen Sekt getrunken, deswegen sind wir so gut drauf. Und weil die Sommerferien direkt vor der Tür stehen, jedenfalls für mich. Und wir reden darüber, warum es gut ist, auch einfach mal abzuschalten.
Sprecher 3: Zum Nachtisch gibt es von mir einen Wunsch an meinem Geburtstag an Sie da draußen, nämlich, wie Sie diesen Podcast vielleicht noch größer machen können.
Sprecher 4: Im Tischgespräch begrüßen wir Meron Mendel, den Leiter der Bildungsstätte Anne Frank und wir sprechen darüber, wie man Antisemitismus im Alltag begegnen soll.
Sprecher 1: Our resolve is unbroken and our purpose is unchanged to deliver a government that serves the American people better than ever before. Nothing will stop me in this mission because our vision is righteous and our cause is pure. No matter what obstacle comes our way, we will not break, we will not bend. We will not back down. And I will never stop fighting for you, your family, and our magnificent country. And everything I have to give with all of the energy and fight in my heart and soul, I pledge to our nation tonight. Thank you very much. I pledge that to our nation. In an age when our politics too often divide us, now is the time to remember that we are all fellow citizens. We are one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all. I will end the illegal immigration crisis by closing our border and finishing the wall, most of which I've already built. And I think everybody as a Republican, as a patriot in this room, and most Democrats, we want people to come into our country, but they have to come into our country legally. We have to stop the invasion into our country that's killing hundreds of thousands of people a year. We're not going to let that happen. I will end every single international crisis that the current administration has created, including the horrible war with Russia and Ukraine, which would have never happened if I was president, and the war caused by the attack on Israel. Which would have never happened if I was president. Iran was broke. Iran had no money. Now Iran has $250 billion. They made it all over the last two and a half years. They were broke.
Sprecher 3: Donald Trump hat gesprochen, die Massen sind begeistert. Der Präsident in Spee, muss man ja fast sagen, wenn man sich die Umfragen anschaut, in Milwaukee war er auf der Bühne und es war teilweise versöhnlich, Helene.
Sprecher 1: As long as our energies are spent fighting each other, our destiny will remain out of reach. And that's not acceptable. We must instead take that energy and use it to realize our country's true potential and write our own thrilling chapter of the American story. We can do it together. We will unite. We are going to come together. And success will bring us together. Together, we will save this country. We will restore the republic. And we will usher in the rich and wonderful tomorrows that our people so truly deserve. America's future will be bigger, better, bolder, brighter, happier, stronger.
Sprecher 5: Freer, greater, and more united than ever before. We will very quickly make America great again. Thank you very much. Thank you very much, Wisconsin. God bless you.
Sprecher 4: Ja, seit Tag beobachten wir ja, dass Donald Trump einen neuen Ton ansteckt, offensichtlich versucht eben auch neue Wählerschichten da zu erreichen, der auf einmal der Versöhner der Republik zu sein. Und er nutzt natürlich ganz schamlos aus die Schwäche von Joe Biden.
Sprecher 3: Ja, Joe must go, Joe must go, das skandierten die Republikaner. Also die Attacken auch auf Joe Biden, die konnte er sich natürlich nicht verkneifen.
Sprecher 1: What this administration, the damage that this administration has done, and I say it often, if you took the 10 worst presidents in the history of the United States, think of it, the 10 worst, added them up, they will not have done the damage that... Biden has done. Only going to use the term once. Biden. I'm not going to use the name anymore. Just one time. The damage that he's done to this country is unthinkable. It's unthinkable.
Sprecher 4: Ja, für Joe Biden kommt es jetzt wirklich sehr dicke. Nach dem verhunzten TV-Duell und einer schlechten Pressekonferenz, wo er wieder Zelensky und Putin verwechselte, kommt nun auch noch eine Corona-Infektion hinzu. Ein Mann, der geschwächt dasteht, wo dann die Virilität und Vitalität eines Trump nochmal... stärker rüberkommt.
Sprecher 3: Ja, im Internet posten die Republikaner natürlich die Gegenüberstellung von Donald Trump, der nach einem Attentatsversuch, nach einem Schuss die Faust reckt und kämpfen ruft. Und Joe Biden, der versucht, die Treppe hochzulaufen zur Air Force One und sehr gebärchlich wirkt. Diese Gegenüberstellung ist natürlich fies für den amerikanischen Präsidenten. Sie lenken komplett von seiner innenpolitischen Agenda, von seiner Bilanz ab und gehen auf die Gesundheitszustand. Aber die Medienberichte, Helene, sind ja auch besorgniserregend. Es wird sogar spekuliert, dass diese Corona-Infektion jetzt als Vorwand genommen werden könnte, dass sie besonders dramatisch sei und besonders ihn angegriffen habe, um ihn dann doch aus dem Rennen zu ziehen. Es sind immer mehr, auch namentlich jetzt Kongressabgeordnete, die seinen Rückzug fordern.
Sprecher 4: Ja, da ist jetzt eine Dynamik zu erkennen tatsächlich in Amerika und es wird gesucht nach einer gesichtswahrenden Lösung. Covid könnte sie sein. Der Präsident hat ja auch das TV-Duell damit begründet, dass er gesundheitlich angeschlagen war. Möglicherweise ist das jetzt der Weg raus, weil nach dem, was wir hören, eben auch die finanziellen Unterstützer, die Sponsoren des Wahlkampfs immer mehr Fragen stellen.
Sprecher 3: Es bleibt dabei, Europa muss alleine laufen lernen, muss sich warm anziehen, egal wer da kommt. Und deswegen vielleicht eine gute Überleitung. Wir müssen ja auch noch über Ursula von der Leyen reden.
Sprecher 4: Ursula von der Leyen ist gewählt mit 401 Stimmen. Herzlichen Glückwunsch, sagen wir an dieser Stelle. Aber wer hat nicht für sie gestimmt? Die FDP, Marie-Agnes Strack-Zimmermann und ihre Gruppe hat nicht für die deutsche Kommissionspräsidentin gestimmt. Vielleicht auch wegen Christian Lindners Wording. Die CDU in Europa hat einen Vornamen, nämlich Ursula. Da wurde ordentlich Stimmung gemacht im Wahlkampf und auch nach der Wahl bleibt es jetzt dabei. Die FDP unterstützt sie nicht.
Sprecher 3: Was man noch sagen sollte, ist, das Ergebnis ist sogar besser ausgefallen als vor fünf Jahren. Sie brauchte mindestens 361 Stimmen und hat jetzt eben 401. Und dass ausgerechnet Volker Wissing ja nun profitiert von ihrer neuen Agenda, nämlich dass E-Fuels doch vielleicht möglicherweise in einem Verbrenner irgendwann weiter zugelassen werden sollen und die FDP-Abgeordneten dann trotzdem nicht zustimmen, ist schon ein kleiner Fauxpas oder Skandal, wie Sie es sehen wollen. Aber wir wollen uns ja jetzt kurz vor der Sommerpause eigentlich nicht mehr über die politischen Affären und Skandale aufregen, oder?
Sprecher 4: Wir wollen vor allem nicht zur Skandalisierung beitragen, deswegen lassen wir das jetzt einfach mal so stehen. Genauso wie wir uns auch noch über den Haushalt aufregen könnten, der ist jetzt im Kabinett beschlossen seit zwei Tagen.
Sprecher 3: Luftbuchungen, aber wir reden jetzt ja nicht drüber.
Sprecher 4: Viele offene Fragen, viele ungedeckte Shakes, viel, was noch eingespart werden muss und niemand weiß wo. Aber Michael, machen wir jetzt für uns jedenfalls mal den Deckel drauf und sagen, diese Konflikte kommen früher wieder hoch, als uns lieb ist.
Sprecher 3: Wir machen es jetzt wie Rolf Mützenich, liebe Helene, der ja zu Recht in seinem Brief an die Fraktion gesagt hat, ja, eigentlich müssten wir jetzt in einer Sondersitzung diesen Haushalt noch diskutieren, aber wisst ihr, wir lassen es. Und dann schreibt er in seinem Brief, tankt Kraft und Zuversicht für die Herausforderungen, die in der zweiten Jahreshälfte zweifellos auf uns zukommen werden. Helene, musst du auch Kraft tanken und Zuversicht?
Sprecher 4: Ich habe ja so einen kräftigen, gut gelaunten Mann an meiner Seite, Michael. Da bin ich jeden. Da bin ich ja wirklich so gut gelaunt, dass der Urlaub fast nicht nötig ist. Jetzt steht er trotzdem an.
Sprecher 3: Nimm ihn halt mit. Nimm ihn halt mit.
Sprecher 4: Ich werde ihn einfach mitnehmen.
Sprecher 3: Ich halte hier die Stellung, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer. Sie werden jetzt zwei Wochen lang auf Helene Bubrowski verzichten müssen. Nur, dass Sie es schon mal auch gedanklich vorbereiten. Das ist nicht leicht, auch für mich nicht. Aber ich verspreche Ihnen, danach kriegen Sie drei Wochen nur noch Helene Bubrowski. Also... Auch nicht schlecht.
Sprecher 4: Die Frage ist, warum du eigentlich eine Woche Urlaub länger hast als ich.
Sprecher 3: Weil meine Kinder älter sind.
Sprecher 4: Ah, weil ich deine Stellvertreterin bin. Und deswegen einfach immer das... Also bitte seien Sie auch bei mir im August, wenn es hier wahrscheinlich brütend heiß wird. Michael Broker irgendwo in der Welt unterwegs ist. In Sachsen oder Thüringen. Ja, ist sehr schön. Übrigens wichtige Orte. Das heißt, du machst auch gar nicht richtig Urlaub, sondern du bist unterwegs und recherchierst hoffentlich schon mal über den Wahlkampf.
Sprecher 3: Das Letzte, was meine Familie will und meine Tochter erinnert mich täglich daran. Papa, nimm das Handy weg. Wir machen jetzt Urlaub. Papa, wir kuscheln. Papa, wir gucken noch einen Film. Tu das Handy weg. Also sie ist wirklich scharf und hart. Schöne Grüße an Ellen an dieser Stelle. Nein, ich muss wirklich Urlaub machen. Helene, es tut mir leid.
Sprecher 4: Herr Michael, ich bin auf Sylt.
Sprecher 3: Mit Günther Jauch, mit Johannes Bekerner.
Sprecher 4: So ungefähr wie jedenfalls jedes Jahr. Und auch ich werde natürlich mal schauen, ob ich das ein oder andere Hitlerbärtchen von gut angezogenen Jugendlichen in Barberjacken treffe. Ich werde auf jeden Fall mal im Pony vorbeischauen und gucken, was da jetzt eigentlich so abgeht.
Sprecher 3: Also liebe Zuhörer und Zuhörer, auch das ist eine kleine Empfehlung hier von Ihrem Lieblingspodcast. Deutschlandreise ist das Motto in diesem Sommer. Vergessen Sie diese großen Strände in viel zu überhitzten griechischen Regionen oder spanischen. Machen Sie da einfach mal Urlaub vor der Haustür.
Sprecher 4: Denke ich an Deutschland, denke ich an dich.
Sprecher 3: Helene, das vertiefen wir jetzt nicht. Ich wünsche dir schöne Urlaubszeit. Erhol dich. Ja, komm frisch und gut gelaunt wieder. Ich halte dir die Stellung und bis dann.
Sprecher 4: Tschüss, ich werde euch alle und Sie da draußen natürlich auch sehr vermissen. Wir hören uns im August wieder.
Sprecher 3: Miron Mendel ist ein israelisch-deutscher Pädagoge, Publizist und er ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Er ist ein Mann, der also weiß, was es heißt, Antisemitismus selbst zu erleben und mit vielen seiner Freundinnen und Freunde aus der jüdischen Gemeinde hier in Deutschland spricht er natürlich täglich darüber. Wir wollten wissen, wenige Tage vor dem Gedenken an die Gruppe 20. Juli, die Widerstandsgruppe im Nazireich, die es leider nicht geschafft hat, den Umsturz damals hinzubekommen. Aber wir dachten, es ist ein guter Anlass, um über den neuen und den alten Antisemitismus zu reden, den wir in diesem Land erleben, nicht zuletzt seitdem der Gaza-Krieg eskaliert und zu einem neuen anwachsenden Antisemitismus geführt hat. Vera Weidenbach hat mit Meron Mendel hier gesprochen bei uns am Tisch über Antisemitismus und vor allem, wie man ihm begegnen kann.
Sprecher 6: Lieber Mende, schön, dass Sie bei uns im Podcast dabei sind.
Sprecher 4: Schön, bei euch zu sein.
Sprecher 6: Können Sie uns einen Eindruck geben, in welcher Situation sich Jüdinnen und Juden in Deutschland gerade befinden und wie sich das entwickelt hat, auch seit dem 7. Oktober.
Sprecher 7: Gut, inzwischen haben wir auch die Statistik, die Recherche- und Informationsstelle an Semitismus dokumentiert die antisemitische Vorfälle in Deutschland. Und sie berichten, dass seit dem 7. Oktober durchschnittlich eine Verdreifachung der antisemitischen Vorfälle stattfindet. Es sind mehr als 6000 antisemitische Vorfälle hier passiert. Das spürt fast jeder. Das beginnt mit der Bedrohungslage von jüdischen Einrichtungen, Schulen, Kindergärten, Synagogen, bis zu verbalen Angriffen und bis hin zu körperlicher Gewalt. Wir hatten seitdem mehrere Vorfälle, wo Juden physisch angegriffen wurden.
Sprecher 6: Tut die deutsche Regierung genug, um Jüdinnen und Juden zu schützen?
Sprecher 7: Ich denke, wir sind uneinig, was sind die richtigen Maßnahmen. Also abgesehen von... Von Sonntagspredigen zu sagen, Antisemitismus hat keinen Platz, übrigens auch Rassismus und Frauenfeindlichkeit und so weiter und so fort. Was das dann konkret bedeutet, es gibt eine Diskussion, was kann man die öffentliche Debatte dann tolerieren. Für mich, und das ist jetzt wirklich meine persönliche Perspektive, ich spreche für keine jüdische Kollektiv oder Organisation, hilft nicht, wenn man dann versucht, hier den öffentlichen Diskurs zu säubern, sauber zu machen, dass wir hier... Nirgendwo hören. dass das Existenzrecht Israel geleugnet wird, weil de facto gibt es diese Ideologie. Der versucht dann im Namen der Bekämpfung zu Antisemitismus die öffentliche Diskussion zu kontrollieren, ist leider zum Scheitern verurteilt.
Sprecher 6: Das heißt, Sie würden sagen, diese Grenzen des Sagbaren, von denen wir ja häufig sprechen, die sind eher hinderlich, um... Zusammenzufinden vielleicht auch?
Sprecher 7: Was ich immer wieder auch in Gesprächen mit Pro-Palästina-Aktivisten dann mitbekomme, ist sehr stark, sozusagen Opferinszenierung oder Opfergefühl. Opfergefühl, ich will es gar nicht so bewerten. Wir müssen diese Debatten über Israel und Palästina führen. Wohl bewusst, dass ein Semitismus auch in dieser Lage vorhanden ist. Übrigens nicht alleine unter den Pro-Palästina-Demonstranten gibt es einen Semitismus, sondern auch in vielen anderen Teilen der Gesellschaft. Aber dieser spezifische israelbezogene Semitismus, also dieser Vernichtungswunsch des Staates Israel, die in Anführungszeichen die Verwechslung zwischen Juden und Israelis, die immer wieder in Teilen der pro-palästinensischen Solidarität stattfindet, kann aus meiner Sicht nicht mit Verboten begegnet werden, sondern die kann nur mit Gegenargumenten, mit Aufklärung begegnet werden. Gerade bin ich sehr oft in Kontakt mit Menschen, die sich als Pro-Palästina definieren oder solidarisieren sich mit den Palästinensern. um mit ihnen dann versuchen, nicht einen Konsens über die Bewertung der Lage in Gaza zu finden, sondern vielmehr einen Konsens, mit welchen Kategorien sprechen wir.
Sprecher 6: Okay. Wenn Sie mit diesen Leuten sprechen, was sagen Sie denen dann?
Sprecher 7: Mit allen Menschen, mit denen ich rede, wofür ich plädiere, ist gemeinsam nachzudenken, welche Realität ist für alle 14 Millionen Menschen, die von der River to the Sea leben, die beste Realität ist. Wie kann man ein Kollektiv von sieben Millionen Juden und ein Kollektiv von sieben Millionen Palästinenser in diesem Gebiet in eine Würde und in Frieden leben. Und die beiden Kollektiven beharren darauf, dass ihre nationale Solidarität berücksichtigt Geltung finden sollte. Das heißt, bleibt uns eigentlich nicht übrig, als zu sagen, eine territoriale... Einigung, Überteilung dieses Gebiet zwischen den beiden Kollektiven ist die einzige nachhaltige Lösung für die Menschen vor Ort. Und da einigen sich die pro-Palästina und die pro-israelische Interessen. Weil wenn ein Kollektiv schlecht geht, wird zwangsläufig in so engem Raum auch dem anderen Kollektiv schlecht gehen.
Sprecher 6: Würden Sie sagen, Israel wird missverstanden in dieser Community oder auch innerhalb der pro-Palästina-Bewegung?
Sprecher 7: Ich weiß nicht, ob es missverstanden der richtige Begriff ist, aber auf jeden Fall wird... Ich versuche mich immer, wenn ich an den Konflikt blicke, mich hineinzuversetzen. Wie geht es jetzt einer Person in Gaza oder in Westbank? Natürlich ist es total schwierig, weil ich bin in einem viel privilegierten und geschützten Raum. Ich habe nicht zu fürchten, dass morgen eine Bombe auf meine Wohnung oder auf mein Zelt fällt. Aber trotzdem, ich versuche dann diese Perspektive, soweit ich kann, nachzuvollziehen. Und das passiert wenig, wenn es über Israelis geredet wird. Die werden als nur eine militärische Macht gesehen. Mit Atomwaffen und so weiter. Es wird übersehen, dass die Israelis gerade existenzielle Angst haben. Es ist sehr schwierig, übrigens nicht nur für Pro-Palästinenser, sondern für jemanden, der in Europa lebt, nachzuvollziehen, wie geht das vor diesen sieben Millionen Juden, die an diese kleine... Fleck am Nahosten leben und so viele Feinde um sich herum sind. Das bedeutet aber nicht, dass Israelis Ja und Amen sagen. Also ich kann gerade aus meiner privilegierten Position meine israelische Familie, meine israelischen Freunde sagen, hör mal zu, ich kann es verstehen, dass ihr traumatisiert seid, ich kann es verstehen, dass ihr Angst habt. Ich muss euch aber auch sagen, dieser Weg, was die israelische Regierung seit dem 7. Oktober und noch vorher geschlagen hat, ist der absolute falsche Weg.
Sprecher 6: Ich wollte mit Ihnen in die Zukunft schauen zum Ende des Interviews. Wie erwarten Sie denn, dass es weitergeht?
Sprecher 7: Regierung, genau wie andere Regierungen, rechtsextremistische Natur, die wir gerade sehen, weltweit an die Macht kommen, wie leider, wie es aussieht, demnächst in den USA, in Ungarn, in der Türkei und in vielen anderen Ländern. Wenn es das in Israel weitergeht, ist es nicht nur... Eine friedliche Zukunft vor Israel abhanden gekommen, sondern sogar die israelische Demokratie wird in relativ abschaubarer Zeit untergeht. Die positive Alternative, worauf ich hoffe und viele von den Menschen, mit denen ich in Israel in Kontakt bin, hoffen, dass gerade diese Protestbewegung tatsächlich schafft, Netanyahu zum Absturz zu bringen. Mit Netanyahu, mit dieser Regierung hat Israel keine Zukunft und die Hoffnung, dass es ein neues Bundes entsteht von Mitte links. Inklusive der arabischen palästinensischen Partei in der Knesset, wie es in der vorherigen Regierung war. Und das wäre eine Chance. Wir sind in einem Tiefpunkt gelandet und manchmal gerade solche Tiefpunkte, die sind auch die Chance von neuem Anfang. Nachdem sowohl die Palästinenser als auch die Israelis einfach erschöpft sind, Von der Eskalation vielleicht sind es auch die Kräfte, die bereit sind, Kompromisse abzuschließen und neue Wege in die Zukunft zu zeigen. Das hoffe ich wirklich. Jede Nacht, bevor ich schlafen gehe, dann bete ich, dass es tatsächlich so klappt und dass wir vielleicht in den nächsten Wochen und Monaten eine... Eine neue Entwicklung Richtung neue Politik in Israel und Richtung Frieden.
Sprecher 6: Wir enden mit diesem hoffnungsvollen Schlusssatz. Vielen, vielen Dank.
Sprecher 7: Gerne.
Sprecher 3: Zum Nachtisch ausnahmsweise nur ein kleiner Geburtstagswunsch von mir an Sie da draußen. Empfehlen Sie unseren Podcast doch weiter. Natürlich nur, wenn er Ihnen gefällt. Allein kleine SMS oder ein kleiner Post in Ihre Lieblings-WhatsApp-Gruppe. Wir würden uns freuen. Sie können natürlich auch in den Podcast-Kanal in Ihrer Wahl mal auf Like drücken oder auf Folgen. Dann kriegen Sie auf Ihr Smartphone immer die aktuellste Folge. Wir senden im Sommer durch. Das wissen Sie ja. Es erwarten Sie spannende Gäste. Es muss ja nicht immer die aktuelle Politik sein. Seien Sie also gespannt auf das, was hier kommt. Demnächst erstmal ohne Helene Bubrowski. Aber auch das werden wir überstehen, wie so vieles in diesem wahnsinnigen Jahr. Ich freue mich, wenn Sie am Montag wieder dabei sind. Bis dahin ein schönes, sonniges Wochenende wünsche ich Ihnen. Ihr Michael Bröker.
Sprecher 2: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.