Die Trump-Show - live aus Milwaukee
Am frühen Morgen unserer Zeit hat Vizepräsident J. D. Vance seine Rede gehalten. Diese Rede analysieren wird heute früh.
Der Parteitag der Republikaner in Milwaukee steuert seinem Höhepunkt entgegen: Donald Trump wird am Donnerstag seine mit Spannung erwartete Rede halten.
So groß wie selten zuvor ist die Zahl der Abgeordneten, die den Bundestag im nächsten Jahr freiwillig verlassen wollen. Einige von ihnen wie Peter Ramsauer (CSU), Renate Künast (Grüne) oder Bernd Westphal (SPD) scheiden altershalber aus. Für auffällig viele der Abgangswilligen ist die Altersversorgung aber noch in weiter Ferne. Staatssekretäre wie Niels Annen (SPD, 52), CDU-Vize-Fraktionschefin Nadine Schön (41) oder Thomas Hitschler (SPD, 42) springen quasi auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ab. Aber auch Abgeordnete wie Claudia Raffelhüschen (FDP), erst 2021 in den Bundestag eingezogen, werfen hin.
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Transkript
Sprecher 1: It is my great privilege to introduce my husband and the next vice president of the United States, J.D. Vance.
Sprecher 2: My friends, tonight is a night of hope, a celebration of what America once was, and with God's grace, what it will soon be again.
Sprecher 3: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 4: Live aus Milwaukee, live von der Donald Trump Show heute. Wir reden mit dem Journalisten Paul Ronsheim über das, was in Milwaukee passiert.
Sprecher 5: Brain Drain im Bundestag. Wichtige Abgeordnete, man kann sagen Stützen des Parlaments, sind nicht mehr dabei und wir fragen warum.
Sprecher 4: Zum Abschluss dieses Podcasts gibt es eine ungewöhnliche Nachricht aus unserem Climate Table. Denn der Klimaschutz und der Klimawandel haben neuerdings sogar Auswirkungen auf das Tempo, wie sich unsere Erde dreht. Los geht's, es ist Donnerstag, der 18. Juli und nur noch einen Tag bis zu meinem Geburtstag.
Sprecher 5: Yoo-hoo. Michael, ich bin in Sorge um den Deutschen Bundestag. Nun gibt es wirklich etliche Parlamentarier, die nicht mehr antreten, die ganz wichtig waren. Zum Beispiel Renate Künast ist nicht mehr dabei, Nils Annen von der SPD, CDU-Fraktionsvize Nadine Schön, Thomas Hitchler und jetzt auch noch Tobias Lindner, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ebenfalls von den Grünen. Was ist da los?
Sprecher 4: Fachkräftemangel im Deutschen Bundestag. Ja, ich glaube, die Unterschiede sind schon vorhanden, warum jemand die Politik wieder verlässt. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten. Irgendwie ist alles härter, unerbittlicher, schärfer geworden, oder?
Sprecher 5: Ja, jedenfalls auffällig ist, dass vor allem Politiker der Ampelfraktionen betroffen sind, sage ich mal. Abgesehen jetzt mal von Nadine Schön sind es wirklich vor allem Grüne und SPD-Politiker, die gesagt haben, für den kommenden Bundestag kandidiere ich nicht. Jetzt sortieren sich ja die Listen, jetzt melden sich ja diejenigen, die in einem Wahlkreis antreten wollen. Und tatsächlich scheint nicht nur der Journalismus und die Menschen im Land frustriert zu sein von der Ampelpolitik. Da gab es jetzt ja gerade auch die Forsa-Umfrage, die der Bundesregierung wirklich ein verheerendes Zeugnis ausstellte, sondern auch die Politiker selbst, die sagen, darauf habe ich möglicherweise keine Lust mehr. Während bei der Union ja immerhin noch die Hoffnung besteht, dass sie 2025 ans Ruder kommt und dann mitgestalten darf.
Sprecher 4: Ja, nehmen wir mal das Beispiel Nadine Schön, Fraktionsvize seit zehn Jahren. Eigentlich eine der kommenden Ministerinnen, Digitalpolitikerin, Bildungspolitikerin, aber sie hat auch irgendwie die Lust an diesen Dauerbetrieb, an dieser 24-7-Politik-Welt verloren. Sie will die Familie wiedersehen, sie will was anderes machen und irgendwie ist das auch nachvollziehbar. Ich finde es ja toll, wenn diese Suchtpolitik, der wir ja auch so ein bisschen verfallen sind, Helene, wenn die eigentlich auch mal dazu führt, dass man sagt, es muss nur was anderes in meinem Leben geben.
Sprecher 5: Ja, Politik ist sicherlich eine Sucht, eine Droge, sagen manche. Und Michael, wir müssen sicherlich auch auf uns aufpassen. Wir müssen aber uns nicht zur Wahl stellen. Vielleicht hören die Leute weniger oder mehr unseren Podcast, aber wir stehen nicht da am Stand und die Leute gehen vorbei. Die Leute beschimpfen uns, die Leute sagen, wir wollen mit euch nichts zu tun haben oder sonst irgendwas. Das erleben wir nicht. Insofern manchmal erfasst mich auch tatsächlich Mitleid mit Politikern, was ja bekanntermaßen in der Politik das Schlimmste ist, was einem passieren kann.
Sprecher 4: Ja, Helene, ich finde, das ist der wichtigste Punkt. Wir müssen und dürfen den Respekt vor Bundestagsabgeordneten bei aller Kritik über mögliche Pension und Karrieregeilheit und was man ihnen immer wieder alles unterstellt und Opportunismus. Der Respekt darf nicht verloren gehen. Die Häme nimmt überhand in den sozialen Medien. Sie darf es nicht auch noch im politischen Journalismus tun, weil dann hat man einfach irgendwann keine Lust mehr. Irgendwann kriegen wir gar keinen mehr, der in der Politik sich eigentlich noch auf die Bühne stellen will. Und das wäre fatal.
Sprecher 5: Absolut, das ist ein Riesenproblem. Das andere Problem ist natürlich auch, dass die Frustration daher rührt, dass viele, gerade jüngere Politiker mit einer ganz schönen Portion Idealismus in den Bundestag kommen. viel verändern wollen, tolle Ideen haben und dann feststellen, wie schwerfällig das alles ist, wie bürokratisch, wie auch top-down die Fraktionen organisiert sind, dass vorgegeben wird, wie man abzustimmen hat, dass es wenig Gestaltungsspielraum gibt. Das zum Beispiel hat die Freiburger Ökonomin Claudia Raffelhüschen von der FDP, unseren Kollegen vom Berlin Table, Max Dascheit und Horan Knaup gesagt. Sie hat gesagt, Veränderungen durchzusetzen ist äußerst schwierig. Oft fehlt es an Mut und Reformbereitschaft. Also auch daraus spricht natürlich eine Frustration und auch das ist keine Werbung für den Beruf des Politikers.
Sprecher 4: Michael Roth hat ja erstaunlich offen darüber gesprochen, der Staatsminister im Auswärtigen Amt, wie ihn auch dieser Druck in der Politik allmählich körperlich oder auch psychisch zusetzt. Sönke Rix geht, Dietmar Nitan geht, zwei sehr bekannte Sozialdemokraten, aber auch Thomas Hitschler, ich glaube, du hast ihn erwähnt. Also es sind schon nicht nur die Alten, die nach 20 Jahren im Bundestag mal sagen, es sollen andere ran. Es ist schon eine erstaunliche Welle, die da gerade vielleicht auch aufgrund dieses Drucks von außen auf den Bundestag zurollt.
Sprecher 5: Und wer sich mit diesen Härten in der Politik noch mal intensiver beschäftigen will, dem lege ich das Buch von unserem Kollegen Horand Knaup sehr ans Herz. Es hat den wirklich dramatischen Titel Alleiner kannst du gar nicht sein. Mit Peter Dausen zusammen hat er es geschrieben, bei DTV veröffentlicht im Jahr 2021. Und es wirft wirklich ein düsteres Bild auf das Leben von Politikern. Und man denkt eigentlich während der Lektüre die ganze Zeit, ich möchte nicht tauschen. Und gleichzeitig, wie gut, dass es Leute gibt, die bereit sind, sind ihr gesamtes Leben, Privatleben und alles andere, auch ihre Gesundheit, in den Dienst zu stellen der Allgemeinheit. Natürlich tun sie es auch für sich selber, angetrieben oft ja von großem Ehrgeiz, vielleicht sogar von Profilneurose. Aber gesund ist das sicherlich alles nicht.
Sprecher 4: Elina, an diesem Morgen ein Blick nach Milwaukee. Der Republican Convention, der republikanische Parteitag, läuft. Und lustigerweise hat er begonnen mit einem Video, wie Donald Trump in verschiedenen Motiven tanzt und sich freut. Und dann sind reihenweise Republikaner auf die Bühne getreten, die übrigens alle mal irgendwie Trump-kritisch waren und plötzlich alle hinter ihm stehen. Macht, macht begehrlich, oder?
Sprecher 5: Unbedingt. Opportunismus kann man auch sagen, aber ein insbesondere in den USA bewährtes Modell, natürlich auch damit das Spektrum der Menschen, die man erreichen kann, zu erweitern, indem man sagt, ich stehe dafür, ich stehe dafür und am Ende sind wir alles eins. Also es scheint ja auch aufzugehen, wenn man auf die aktuellen Umfragen schaut. Donald Trump ist vorne, er wirkt plötzlich ganz vital, befreit und er kommt immer wieder mit seiner Versöhnungsbotschaft rüber. Ich glaube, wir dürfen alle miteinander nicht naiv sein, aber von der Performance her, wenn man alleine auf die B-Note guckt, muss man sagen, er macht es schon ziemlich gut.
Sprecher 4: Ja, wir wollen mal hören, wie es vor Ort ist für diejenigen, die in der Halle sind, in der Kongresshalle in Milwaukee, Wisconsin. Wir haben den Journalisten Paul Ronsheimer, stellvertretender Chef. Redakteur der Bild-Zeitung angerufen, der seit zwei Tagen in Milwaukee ist und mit dem ein oder anderen Republikaner gesprochen hat. Erste Frage lautete, was treibt die Leute in diesem Saal eigentlich gerade an? Was ein eigentlich alle Trump-Fans?
Sprecher 6: Gegner von Trump eint, dass eine Gegnerschaft gegen Donald Trump momentan zumindest in der republikanischen Partei keine Chance hat und sie damit auch keinerlei Karrierechancen mehr hätten, wenn sie weiter gegen Trump wettern würden. Also man darf in Abrede stellen, dass sie plötzlich mit allem zufrieden sind, was Donald Trump inhaltlich will, wen er in Position bringt. Aber sie wissen, rein taktisch gesehen, können sie es völlig vergessen, jetzt irgendwie versuchen, ihren alten Kurs beizubehalten. Stattdessen machen sie gute Miene zum bösen Spiel. Trump hat ja auch einige eingebunden und hat sie sprechen lassen dort. Und das ist etwas, was sie gerade eint. Sie wissen, dass Donald Trump gewinnen wird und hoffen noch irgendwie da dabei sein zu können.
Sprecher 5: Ja, und dann haben wir Paul Ronsheimer noch gefragt, ob er hört aus den Reihen der Republikaner, ob es einen Strategiewechsel gibt. Hat das Team um Trump einerseits nach dem TV-Duell, das für beiden so desaströs war, und andererseits nach dem Attentat jetzt eine neue Taktik, eine neue Strategie, um die Wahl zu gewinnen?
Sprecher 6: Ich habe in den ersten Tagen gedacht, dass es tatsächlich einen Strategiewechsel gibt. Gerade wenn man sich Donald Trump angehört hat, angeschaut hat. wenn man mit Republikanern gesprochen hat. Aber gerade heute gab es dann in den sozialen Medien wieder eine Antwort von Donald Trump, wo er das Bild benutzt, wo er die Faust nach dem Attentat in die Luft streckt, wo man diese heroische Pose sieht. Und das hat er gegengeschnitten gegen Joe Biden, der verzweifelt versucht, die Air Force One zu besteigen und da rein humpelt. Also, dass es jetzt völlig anders wird, da glaube ich nicht wirklich dran. Ich nehme an, dass in den nächsten Wochen wir wieder eine ähnliche Aggressivität auch im Wahlkampf erleben können.
Sprecher 2: My friends, tonight is a night of hope, a celebration of what America once was, and with God's grace, what it will soon be again. And it is a reminder of the sacred duty we have to preserve the American experiment, to choose a new path for our children and grandchildren. But as we meet tonight, we cannot forget that this evening could have been so much different. Consider the lies they told you about Donald Trump and then look at that photo of him, defiant, fist in the air. When Donald Trump rose to his feet in that Pennsylvania field, all of America stood with him. And what did he call us to do for our country? To fight. To fight for America. Even in his most perilous moment, we were on his mind. His instinct was for us, for our country. To call us to something higher, to something greater. To once again be citizens who ask what our country needs of us. President Trump's vision is so simple and yet so powerful. We're done, ladies and gentlemen, catering to Wall Street. We'll commit to the working man. We're done importing foreign labor. We're going to fight for American citizens and their good jobs and their good wages. Together, we will make sure our allies share in the burden of securing world peace. No more free rides for nations that betray the generosity of the American taxpayer.
Sprecher 4: Ja, der Kandidat für das Vizepräsidentenamt, J.D. Vance, hat soeben in Milwaukee gesprochen, in der Kongresshalle bei der Republican Convention. Und ich bin jetzt verbunden mit Florian Hahn, Bundestagsabgeordneter der CSU, seit 2009 im Parlament, verteidigungspolitischer Sprecher. Und er ist live vor Ort in Milwaukee. Einen schönen guten Morgen. Hallo, Florian Hahn.
Sprecher 7: Hallo Michael Brücker, servus.
Sprecher 4: Guten Tag Herr Hahn. Ihr erster Eindruck von der Rede des Vizepräsidenten und der Stimmung im Saal?
Sprecher 7: Also das ist eine Fortsetzung dessen, was wir im Grunde seit der Öffnung der Conventions erleben, nämlich Auftritte von Republikanern, die Geschichten erzählen, Geschichten von Menschen erzählen, aus ihrem Land Geschichten von ihren eigenen Familien erzählen und im Grunde immer zur selben Lösung kommen, nämlich dass all die Dinge, die falsch laufen, mit Joe Biden und seiner Vizepräsidentin zu tun haben und es deswegen nur eine Lösung gibt und die heißt Don. Und auch das hat J.D. Vance in seiner Rede gerade nochmal deutlich gemacht.
Sprecher 4: Ja, erstaunlich, wie sehr J.D. Vance, der einstig leidenschaftliche Kritiker des ehemaligen Präsidenten, ihn gehuldigt hat in den ersten Minuten seiner Rede. Er ist aufgerechnet auf den Begriff Hope gegangen von Barack Obama und hat ihn dann ja fast gottgleich als jemand, der alles hinter sich lässt, der alles überstehen kann, weil er dem Land dienen will, dargestellt. Ja, dieser Pathos ist ja nicht unüblich in den USA. J.D. Vance verweist ja darauf, dass es fast eine gottähnliche Figur ist, die Donald Trump darstellt, weil er alles übersteht, um seinem Land zu dienen. Es ist trotzdem überraschend groß, wie man Donald Trump macht und sich zugleich bescheiden gibt. Das war für mich so ein bisschen das Verwunderliche. Also man versucht auch bei den Republikanern offenbar, diese Attentatsversuche darzustellen als Schock oder als Weckruf, das Land zu vereinen, richtig?
Sprecher 7: Ich glaube, das wird natürlich vordergründig so gesagt. Gleichzeitig wird natürlich auch gerne darauf hingewiesen, dass es am Ende ein Plan Gottes war, dass Donald Trump so knapp diesem Attentat entgangen ist. Und das wird natürlich auch zur Politik gemacht. Und die Frage ist, ob sie wirklich wollen, dass es hier Einheit gibt, Einheit zwischen den politischen Kräften in Amerika. Denn es wird ja auch gerne gleichzeitig darauf hingewiesen, dass die Rede... Rhetorik von Biden mit Hinweis darauf, man müsste, einer der letzten Reden vor wenigen Tagen, als Biden gesagt hat, man müsste Trump mehr ins Fadenkreuz nehmen. Da wird gerne so unterschwellig suggeriert, das hätte vielleicht dazu geführt, dass sich der Attentäter entsprechend motiviert gefühlt hätte. Also hier wird mit allen Mitteln gekämpft, das ist ganz klar. Aber eins ist wirklich, muss man sagen und feststellen, die Republikaner sind absolut geeint. Hier gibt es keine negativen Vibrations. Alle sind gekommen, um tatsächlich abzuknien und zu sagen, Donald Trump wird der nächste Präsident.
Sprecher 4: Herr Hahn, Sie sind jetzt seit ein paar Tagen vor Ort. Was beobachten die Republikaner, sprechen mit den Republikanern? Wie hat Donald Trump das geschafft von einem, der lügt, der in seiner Rhetorik Minderheiten ausgrenzt, der Frauen wirklich übelst behandelt hat? Wie konnte dieser Mann, der so das Gegenteil eines anständigen Republikaners in der Urversion, die dort gerne auf der Bühne erzählt wurde, der so wenig von diesen charakterlichen Eigenschaften in seinem Leben gezeigt hat, wie konnte der der Held dieser Bewegung sein?
Sprecher 7: Ich glaube, es ist einfach das, dass Donald Trump einfach ein Symbol der Stärke ist. Ein Symbol eines Amerikaners, der sich nicht unterkriegen lässt. Und das wurde natürlich nochmal tatsächlich durch dieses Attentat bestätigt. Allein die Symbolik, allein wie er da aufgestanden ist und nochmal die Fähigkeit, Faust hochgereckt hat mit blutverschmiertem Gesicht und gestrien hat, fight, fight, fight. Das hat die Amerikaner unglaublich beeindruckt. Und das wird hier auch ständig wiederholt. Es ist manchmal ein bisschen skurril, gerade wie als Deutsche zuzusehen, wenn Massen die Arme hochreißen und etwas schweigen. Aber es kommt hier an. Und mir scheint, dass natürlich die Alternative, nämlich Joe Biden, an den die Demokraten ja selber nicht mehr glauben, natürlich auch genau das Gegenteil symbolisiert, nämlich Schwäche. Und da sind die Amerikaner empfindlich. Sie wollen stark sein.
Sprecher 4: Ja, die ersten sehr prominenten Abgeordneten aus dem Repräsentantenhaus fordern jetzt offiziell Adam Schiff zum Beispiel den Rückzug von Joe Biden, während Donald Trump eigentlich sich zumindest als gemäßigter Republikaner geben muss, weil die größte Gefahr für ihn kann ja nur sein, dass er jetzt nochmal diese Schärfe in den Wahlkampf bringt. Ist das ein gefühlter Strategiewechsel mit der Forderung auch der Republikaner, das Land zu ein oder glauben die wirklich daran?
Sprecher 7: Ich glaube nicht, dass er tatsächlich jetzt taktisch versucht, milder zu wirken. Wir werden es sehen. Die Rede von Donald Trump kommt ja noch. Aber allein, dass er J.D. Vance ausgesucht hat, deutet ja nicht darauf hin, dass er hier sozusagen einen milderen Kurs einschlagen wird. Ich glaube, Donald Trump ist extrem selbstbewusst, gerade jetzt nach den vergangenen Tagen und wird ein Kabinett auch präsentieren am Ende, das eins zeigt, nämlich Donald Trump pur, keine Kompromisse. Seine Linie weiterführen, so wie er es in der ersten Legislatur schon gemacht hat.
Sprecher 4: Ein Schwerpunkt der Rede von J.D. Vance war der Außenhandel, die Trade Deals. Er kritisierte NAFTA, das Handelsabkommen. Er kritisierte auch das China-Abkommen, das Joe Biden getroffen hatte. Ist mit J.D. Vance ein echter Handelskrieg zu erwarten, auch mit Donald Trump und J.D. Vance? Weil der Inbegriff alles ökonomisch schlechten scheint ja in deren Logik die Welthandelspolitik zu sein.
Sprecher 7: In der Tat sind das die Signale, die wir nicht nur aus den Reden ablesen können, die J.D. Vance und andere gehalten haben, sondern das ist auch das, was wir hören in den Gesprächen im Hintergrund, in den Veranstaltungen, den Side-Events, den sogenannten jetzt die Tage. Die Amerikaner sagen hier, das Internationale, das bringt uns nicht weiter. Wir werden hier nur ausgenutzt. Wir setzen auf national und wir wollen uns hier entsprechend absichern. Das heißt Zöllerau und das ist eine schlechte Nachricht an Europa. Wir müssen uns, denke ich, wirklich warm anziehen. Wir müssen versuchen, aus einer Position der Stärke dann tatsächlich, tatsächlich mit den Amerikanern zu verhandeln. Darauf sollten wir uns vorbereiten.
Sprecher 4: Viel zu tun also für Europa. Eine persönliche Frage zum Abschluss, Herr Hahn. Sie sind jetzt mit einer Handvoll Abgeordneten aus Deutschland da bei den Republican Conventions. Natürlich ist das sicherlich vom Stil und von der Inszenierung eine völlig andere Logik auf diesem Parteideck. Aber was nimmt man mit? Was nimmt man mit von diesen Tagen, auch von den Gesprächen mit Republikanern? Was ist Ihr Fazit jetzt schon?
Sprecher 7: Wir müssen mitnehmen, dass die Amerikaner ganz besonders auf Deutschland schauen und dass die Republikaner sehr kritisch mit Deutschland umgehen. Sie sagen zwar ja, wir sehen, dass sie jetzt etwas mehr macht als damals in der letzten Legislatur von Trump, was das Thema Verteidigung beispielsweise angeht. Aber wir sind damit noch nicht zufrieden. Denn es geht hier nicht nur darum, Zahlen zu erreichen, sondern Amerika sagt, unser Hauptgegner, unser Rivale ist China. Wir können uns nicht mehr um Europa kümmern. Ihr müsst euch selbst um Europa kümmern. Und das ist etwas, ehrlich gesagt, was ja nicht nur Trump sagt, sondern auch die Demokraten. Nur die sagen es ein bisschen freundlicher. Ich glaube, wir müssen uns wirklich darauf einstellen, dass die Amerikaner nicht mehr bereit sind, absolut 1000 Prozent an unserer Seite zu stehen. Und deswegen müssen wir bei manchen Themen tatsächlich umlenken. Ich sage nur Hinweis auf den nächsten Haushalt der Bundesrepublik Deutschland, Verteidigungsetat, nur 2%. knapp anzukratzen und zu erreichen, reicht nicht. Wir müssen tatsächlich verteidigungsfähiger werden. Hier muss unbedingt nachgebessert werden.
Sprecher 4: Florian, ich wünsche eine gute Rückreise und noch viel Erfolg bei den Gesprächen und bedanke mich für dieses Gespräch an diesem frühen Morgen. Vielen Dank, lieber Herr Hahn.
Sprecher 7: Sehr gerne, Herr Brücker. Ciao.
Sprecher 4: Zum Abschluss dieses Podcasts eine ungewöhnliche Nachricht aus dem Bereich der Klimapolitik nachzulesen. Übrigens bei uns im Climate Table, unserem wunderbaren Briefing für die Klimapolitik. Denn das ist doch etwas ungewöhnlich, weil durch den Klimawandel, der das Eis schmilzt, was wir bekanntlich wissen, verteilt sich allerdings auch die Masse auf der Erde anders. Und das hat wiederum Auswirkungen auf die Geschwindigkeit, mit der sich unsere Erde dreht. Die Rotation wird gebremst, ist zu lesen in einer Studie und die Tage werden dadurch länger. Minimal zwar nur, aber immerhin, man kann es messen. Dieser Effekt jedenfalls, der könnte bald größer sein, so heißt es von den Forschern, als durch den Einfluss des Mondes. Diese Nachricht wollte ich Ihnen nicht vorenthalten. Was der menschengemachte Klimawandel für Auswirkungen hat, lesen Sie bei uns im Climate Table. Schauen Sie einfach mal rein. Table.media slash climate ist die Registrierungswebsite Ihrer Wahl dafür. Ich wünsche Ihnen jetzt einen wohltemperierten Start in diesen Donnerstag. Morgen sind wir an dieser Stelle wieder für Sie da. Bis dahin, Ihr Michael Bröker.
Sprecher 3: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.