Sind Frauen die besseren Unternehmerinnen, Frau Diem-Puello?
Frauen in Vorständen – das ist immer noch selten in Deutschland. Auch Start-up-Gründer sind mehrheitlich Männer. Woran liegt das? Geht es doch nicht ohne Quote? Jedenfalls das Netzwerken haben Frauen gelernt: Im Verband deutscher Unternehmerinnen haben sich 1800 Frauen zusammengeschlossen. Die neue Präsidentin, Christina Diem-Puello, im Gespräch mit Helene Bubrowski.
Die NATO-Mitglieder haben zum vielleicht letzten Mal Milliardenhilfen für die Ukraine beschlossen. In der Abschlusserklärung wird der NATO-Beitritt der Ukraine als „unumkehrbar“ bezeichnet. Michael Bröcker berichtet direkt aus Washington vom NATO-Gipfel.
Wie groß ist die Gefahr durch KI? Wie stark sollten KI und mit ihr die großen Digital-Player reguliert werden? Meredith Whittaker, KI-Forscherin und Präsidentin der amerikanischen Signal-Foundation, bezieht klar Position.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Herzlich willkommen. Wir gehen gleich als erstes natürlich nach Washington zum NATO-Gipfel und zu Michael Bröker.
Sprecher 3: Ja, und die NATO-Mitgliedstaaten haben hier wirklich einiges beschlossen für die Ukraine. Vielleicht zum letzten Mal, denn Donald Trump steht ja vor der Tür.
Sprecher 2: Außerdem gehen wir ins Bundespräsidialamt, wo zwei KI-Expertinnen mit dem Bundespräsidenten diskutiert haben, was die Chancen und auch vor allem, was die Risiken dieser Technologie sind.
Sprecher 3: Ja, Helene, und du sprichst mit Christina Diem-Puello. Sie ist Chefin des Verbandes der deutschen Unternehmerinnen und sie sagt, warum Frauen in den Führungsetagen nicht nur gut fürs Unternehmensklima sind, sondern auch für die Renditen.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch haben wir noch eine Nachricht an alle, die denken, sie müssen vor dem Sommer noch abnehmen. Es ist Quatsch. Essen Sie gerade dann, wenn es heiß ist, mehr Fettes. Heute ist Donnerstag, der 11. Juli und es ist gut, dass Sie dabei sind. Michael, du bist sechs Stunden zurück und gerade hat die NATO ihr Abschlusskommuniqué veröffentlicht, in dem es um die Hilfe für die Ukraine geht. Ist das ein letztes Aufbäumen für die Ukraine, bevor dann im November möglicherweise Trump gewählt wird?
Sprecher 3: Ja, Helene, so kann man das sagen. Die Mitgliedstaaten, es sind ja inzwischen 32, Finnland und Schweden waren erstmals dabei, haben sich in Anwesenheit vom ukrainischen Präsidenten Zelensky nochmal zu einem großen Militärpaket aufraffen können. Es gibt ja nicht nur die 50 Milliarden Dollar Kredite, die schon die G7 bereitgegeben haben, sondern es gibt jetzt neue Luftverteidigungssysteme. Das Abschreckungspotenzial in Europa soll erhöht werden. Langstreckenwaffen sollen in Deutschland stationiert werden, neue Langstreckenwaffen von den USA. Ja, und wie gesagt, es gibt mehr Geld und mehr Waffen für die Ukraine. Und all das soll dieses Jahr möglichst noch fließen und geliefert werden, damit ein neuer Präsident Donald Trump vielleicht im Januar dann das nicht wieder abwickeln kann.
Sprecher 2: Ja, Michael, du bist in der Delegation des Kanzlers und reist mit ihm. Was sagt er zu dieser Idee, Langstreckenwaffen in Deutschland zu positionieren? Da könnte es ja sein, dass es aus seiner Partei durchaus den einen oder anderen gibt, der es kritisch sieht, oder? Nimmt der Kanzler darauf Rücksicht?
Sprecher 3: Nein, das tut er nicht. Der Kanzler ist, was das Thema Abschreckung in Europa und die Partnerschaft mit den USA betrifft, ein echter Transatlantiker geworden. Er versteht sich ja nicht nur persönlich sehr gut mit. Joe Biden, sondern man spürt bei Olaf Scholz auch förmlich, dass er Angst davor hat, diese transatlantischen Beziehungen unter einem möglichen Präsidenten Trump zu verlieren. Denn die Verteidigungsausgaben, sie müssten dann in Europa dramatisch steigen. Die Abschreckungswaffen, sie sind ja nicht vorhanden. Frankreich und Großbritannien als Atommächte, Deutschland hat diese Waffen nicht. Wir sind auf die Amerikaner angewiesen. Olaf Scholz hat jetzt gerade mit beiden zusammen nochmal diese Ankündigung gemacht, dass stärkere, größere Waffen in Deutschland stationiert werden, bevor vielleicht eben dann ein Donald Trump, und so ist das hier in allen Medien zu hören, sich schrittweise aus der NATO und vor allem aus der Finanzierung der europäischen Staaten zurückziehen will.
Sprecher 2: Ja, es gibt mehr Geld für die Ukraine und insgesamt hat ja jetzt auch Deutschland versprochen, das 2-Prozent-Ziel der NATO zu erreichen, das 2014 beschlossen wurde. Doch nicht allen NATO-Mitgliedstaaten reicht das. Wilhelmine Preussen, unsere Kollegin vom Security Table, hat mit dem estnischen Verteidigungsminister Hanno Pefkur gesprochen und der wünscht sich mehr Geld pro Land ab dem nächsten Gipfeltreffen. Hören wir mal rein.
Sprecher 4: We have to invest more into defense, so 2% is not enough. But probably we will not get the wording still this time that it will be 2.5, what we are advocating for, or even more. But we are saying that maybe for the next Hague summit, we have a consensus that we need to move forward with the defense spending. The main thing is that...
Sprecher 2: Michael, du warst ja nicht nur im Kongresszentrum des NATO-Gipfels, sondern auch bei einem vertraulichen Meeting der amerikanischen Konservativen, auch der durchaus der Trump-Freunde. Was hast du da erfahren? Was haben die vor, sollte Trump im November nochmal gewählt werden?
Sprecher 3: Ja, das war ein Treffen von Wahlkämpfern, Kongresskandidaten, Kampagnenmachern und auch dem einen oder anderen Lobbyisten, der Konservativen, der Republikaner und alles Trump-Fans. Was dort geplant wird, das ist für Europa und gerade auch für das transatlantische Verhältnis durchaus eine völlig neue Betonung. Und das ist durchaus Gift für alle Transatlantiker, denn dort geht es wirklich nur um nationale Innenpolitik. Es geht um dramatische Steuersenkungen. Es geht um Pro-Life-Politik, also gegen Abtreibung. Es geht um eine harte Migrationspolitik und Grenzkontrollen. Und das Wort Ukraine, das Wort NATO kommt in einem 16-seitigen Regierungsprogramm, das kommende Woche in Milwaukee bei der Republican Convention vorgestellt werden soll. Und in dem, dass wir jetzt schon reingucken konnten, das kommt dort gar nicht vor. Trump wird in der zweiten Amtszeit, so ist es wirklich zu verstehen, mehr denn je auf das eigene Land, auf die eigene Wirtschaftspolitik im eigenen Land schauen.
Sprecher 2: Naja, wenn es denn so kommt. Michael, die Wahl ist ja noch nicht gelaufen. sollten auch ein Ergebnis nicht herbeireden. Joe Biden ist noch nicht aus dem Rennen. Was hörst du über seinen gesundheitlichen Zustand? Hat sich die Debatte über das TV-Duell ein bisschen abgekühlt?
Sprecher 3: Ja, Helene, das Gegenteil ist eigentlich der Fall. Denn während Joe Biden gerade den NATO-Gipfel eröffnete, tagten die Demokraten hinter verschlossenen Türen auch nur wenige hundert Meter entfernt und besprachen diese Kandidatur. In allen Nachrichtenmedien wird der Gesundheitszustand thematisiert, dass er angeblich beim G7-Gipfel in Elmau früher ins Bett gegangen ist und das Abendessen abgesagt hat, ist hier neuerdings Thema. Es werden jetzt diverse Auftritte von ihm quasi in Zeitlupe seziert. Und jetzt hat sogar George Clooney, einer der größten Unterstützer der Demokraten, öffentlich dazu aufgerufen, dass Joe Biden doch bitte den Platz räumen soll. Und bei dem republikanischen Treffen dieser Trump-Unterstützer, Helene, das ist ganz interessant, gab es schon die ersten kleinen Kampagnenvorschläge, wie man gegen Kamala Harris gewinnen könnte. Also das Thema ist hier noch lange nicht durch.
Sprecher 2: Okay, Michael, danke für deine Einschätzung. Komm gut zurück in der Kanzlermaschine. Wir sehen uns morgen in Berlin. Und noch ein zweites Thema bewegt in diesen Tagen nicht nur Berlin, sondern die ganze Welt. Die Frage, welche Gefahr geht von der künstlichen Intelligenz aus, von wenigen globalen Tech-Companies, die ihre eigenen Regeln setzen und so viel Macht haben, dass demokratische Staaten ihnen kaum etwas entgegensetzen können. Der Bundespräsident hat eingeladen, um dieses Thema zu diskutieren. Zusammen mit der Zeitstiftung Bucerius hat er zu einem Forum Bellevue eingeladen zum Thema Digitale Öffentlichkeit brauchen wir eine neue Aufklärung. Zwei Frauen sind gekommen. Einerseits Meredith Whittaker. Sie hat lange für Google gearbeitet und ist heute die Präsidentin von Signal, dem einzigen Messenger-Dienst, der Non-Profit arbeitet. Und sie ist eine starke Kritikerin der großen amerikanischen Tech-Konzerne. Sie sieht darin eine echte Gefahr für die Demokratie. Und vor allem steht sie auf dem Standpunkt, dass der Begriff Artificial Intelligence, also künstliche Intelligenz, zu einer unnötigen Mystifizierung führt. Also, dass da ein Mythos gebaut wird, eine Blackbox, in die niemand reinschauen kann, außer die großen Tech-Riesen, die die Öffentlichkeit ausschließt. Und sie will einen Beitrag leisten zur Entmystifizierung. These ist, das können wir alle verstehen, denn es handelt sich gar nicht um Intelligenz, sondern in Wahrheit handelt es sich um eine reine Technologie. Auf dem Podium außerdem die philippinische Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa, die eine provokante These aufstellt, nämlich, dass Facebook-Gründer Mark Zuckerberg der größere Diktator ist als der philippinische Ex-Präsident Duterte, auf dessen Konto tausende Menschenleben gehen. Aber es ging in dieser Veranstaltung, die ich moderieren durfte, nicht nur um die Gefahren für die Demokratie, sondern es ging auch um Wege, wie man mit dieser Gefahr umgeht, ob es nicht auch Wege gibt, unsere demokratische Verfasstheit in Einklang zu bringen mit dem technologischen Fortschritt, der ja zum Beispiel in der Medizin durchaus seinen großen Nutzen haben kann, auch für das Gemeinwohl. Es ging also um Regulierung und da haben die beiden Frauen gesagt, dass die Europäische Union mit der DSGVO, also der Datenschutz-Grundverordnung, aber auch mit dem AI-Act, der jetzt kürzlich beschlossen wurde, durchaus auf einem guten Weg sei, Vorbild sei für alle anderen Länder, dass wenn Europa das nicht tun würde, die Welt und insbesondere die Datensicherheit noch deutlich schlechter wäre. Wir hören jetzt mal rein, was Meredith Whittaker, die Präsidentin von Signal und viel gefragte Expertin für KI-Themen, gesagt hat. Ich habe sie erst gefragt, warum KI eine Bedrohung für unsere Demokratien sein könnte.
Sprecher 5: Well, I think it's a threat to democracy in its current form, in this current bigger is better paradigm that requires huge amounts of data and huge amounts of computational infrastructure that are pooled in the hands of just a few companies based in the U.S. And China. And this is a threat because power asymmetries of this variety are constitutively anti-democratic. When you have the ability to shape the definition of intelligence, the ability to create the core infrastructures for government, for core social institutions in the hands of for-profit companies that are shielded from democratic scrutiny by trade secrecy and corporate secrecy, you have an anti-democratic paradigm. So this is just the beginning of that analysis. But I think that you have to recognize AI as a product of concentrated power, as a technology that is based on this surveillance business model that is at the heart of the toxic tech industry we have today, and reject the current AI paradigm in service of more democratic alternatives, in service of democratic data creation and governance structures, in service of more democratic technological infrastructures, and in service of dismantling the toxic concentrated...
Sprecher 2: Und dann habe ich sie nach der Regulierung in Europa gefragt, die ja durchaus auch dafür kritisiert wird, dass sie angeblich Fortschritt verhindere, dass wir ein bisschen die Party-Pooper seien und deswegen international gar nicht mithalten könnten. Sie sieht das vollkommen anders. Hören wir mal rein.
Sprecher 5: I think EU regulation is certainly necessary. It's one of the few bulwarks we can imagine against this concentrated and largely unchecked power. And I think going back to the basics will get us very far in the context of regulating AI. For example, implementing or enforcing the GDPR to ban surveillance advertising, for example, would do a huge amount to cut off the data streams and the control that the handful of companies that have these resources have established over the AI ecosystem.
Sprecher 2: Chefin in Unternehmen. Es ist nach wie vor so, es gibt sie, aber eben deutlich seltener als Chefs. Von den rund 3,8 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland werden nur 16 Prozent von Frauen geführt. Und der Anteil ist in den Vorständen der 160 deutschen Börsenunternehmen kaum höher. Dort sind es 17 Prozent. Es geht nur ganz langsam nach oben. Und deshalb muss es Menschen und Organisationen geben, die sagen, so kann es nicht bleiben. Eine haben wir heute zu Gast, Christina Diem-Puello. Sie ist seit kurzem Präsidentin des Verbands Deutscher Unternehmerinnen und Mitbegründerin des Deutschen Dienstrats. Hallo Christina Di Mpuelo.
Sprecher 6: Vielen, vielen Dank, dass ich heute hier zu Gast sein darf.
Sprecher 2: Ja, sag mal, wir haben jetzt gerade 75 Jahre Grundgesetz gefeiert und damit 75 Jahre Gleichstellung von Männern und Frauen. Warum braucht es einen eigenen Verband für Unternehmerinnen in Deutschland?
Sprecher 6: Ja, also ich denke, 75 Jahre Grundgesetz, 70 Jahre Verband Deutscher Unternehmerinnen und Kette Allmann prägte einmal einen Satz, hieß unsere Gründungsmutter. Ich möchte nicht, dass mir ein Mann einen Platz in der S-Bahn frei hält, sondern ich möchte, dass er ihn mir im Aufsichtsrat frei macht. Und wir haben schon viel bewegt. Ich glaube aber, da ist noch ganz, ganz viel Potenzial und Luft nach oben. Gerade was das Thema Unterstützung, Mentoring, Vorbilder schaffen für Frauen in diesem Land. Land in der Wirtschaft anbelangt. Und dafür stehen wir, Gleichstellungs- und Wirtschaftspolitik.
Sprecher 2: Über die Wirtschaftspolitik wollen wir gleich noch sprechen, aber bleiben wir noch kurz beim Thema Frauen in der Wirtschaft. Sie sind ja immer noch unterrepräsentiert in Vorständen. Sowieso in Aufsichtsräten ist es etwas besser geworden. Aber insbesondere bei den Gründerinnen gibt es sehr wenig Frauen. Du hast selber gegründet. Woran liegt es, dass Frauen diesen Schritt seltener gehen als Männer?
Sprecher 6: Tatsächlich ist das auch einer der Gründe, weshalb ich mich sehr stark ehrenamtlich im Verband Deutscher Unternehmerinnen engagiert habe. Weil ich bin in einem Selbstverständnis mit einer Mutter 40 Jahre an der Spitze unseres Unternehmens aufgewachsen. Und dann habe ich selber gegründet und auf einmal ist meine Bubble geplatzt. Und ich habe verstanden, ja, wir brauchen noch ein bisschen mehr Push für die Gründerinnen und ein bisschen mehr Support in den GründerInnen-Netzwerken in Deutschland. Alleine begonnen bei der Kapitalbeschaffung. Also ich glaube, ich bin bei allen Banken ein- und ausgegangen. Bis dann tatsächlich eine Bank mich auch für eine relevante Gründerin gehalten hat, was in mir gesehen hat. Grundsätzlich haben aber auch die Bankengespräche entweder mit meinem Mann oder mit unserem CFO stattgefunden. Ich war ein nettes Beiwerk. Gleiches hat sich dann tatsächlich in der Gründung auch in unserem Vertrieb niedergespiegelt. Also bei unseren ersten Großkundengesprächen und Kundengesprächen, in denen ich eigentlich den Vertriebspitch gemacht habe, weil mein Ressort ist Vertrieb und Marketing. Und wer mich ein bisschen kennt, meine Seele brennt Vertrieb. Ich sage immer, Vertrieb heilt alle Wunden. Da war ich einfach fasziniert. davon zu sehen, dass ich im Grunde gar nicht relevant und in dem Raum existent war. Und das ist mir dann in meiner eigenen Gründung so bewusst geworden, weshalb ich gesagt habe, nein, wir können das besser und ich möchte mich auch ehrenamtlich dafür engagieren und als Mentorin und als Vorbild vorangehen. Und vor allem möchte ich Frauen unterstützen. Ich möchte ihnen die Stärke geben, das Rückgrat geben, auch in Vertriebssituationen, in Verhandlungssituationen wirklich auch stehen zu bleiben und sich einfach nicht, in Franken würde man sagen, unter den Scheffel stellen lassen.
Sprecher 2: Ja, die Männer können wir nicht über Nacht ändern. Man kann nur an seinem eigenen Auftreten arbeiten. Das ist sicherlich richtig. Bist du vor dem Hintergrund dieser Beobachtung schlicht nicht ernst genommen zu werden, obwohl du schon so erfolgreich bist und ja auch warst zu dem Zeitpunkt? Bist du für die Quote?
Sprecher 6: Tatsächlich hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, bevor ich tiefer in dieses Gesamtthema eingestiegen bin, nein, Quote brauchen wir keine. Also man glaubt ja erstmal grundsätzlich an das sehr Gute und wir sehen ja auch, dass sich was bewegt. Ein paar Jahre später, muss ich sagen, gerade in dem Umfeld von Corporate, hat die Quote schon Gutes bewirkt. Und wenn man sich das jetzt im Umfeld der Familienunternehmer anschaut, gerade was Nachfolgerinnen anbelangt, da gibt es noch keine Quote und tut sich auch irgendwie weniger. Und deshalb bin ich heute pro Quote. Da hat sich wirklich meine Meinung auch dahingehend geändert, weil ich gesehen habe, ohne Quote scheint es irgendwie nicht zu gehen.
Sprecher 2: Also sprich, die Tatsache, dass Frauen da sind, durch die Quote zieht dann auch andere Frauen an, macht anderen Frauen Mut. Das ist die Idee. Es gibt ja dann immer noch das Vorurteil, die Quote würde schlechte Frauen in Anführungszeichen nach oben ziehen. Gibt es irgendeinen empirischen Beleg dafür, dass das so ist?
Sprecher 6: Also einen empirischen Beleg gibt es nicht. Es gibt natürlich sehr, sehr viele Diskussionen darüber. Ich glaube jetzt, je mehr Frauen in der Spitze heute vielleicht durch eine Quote auch sind, desto mehr gute qualifizierte Frauen ziehen sie nach. Und das ist eigentlich, wo wir hin müssen, weil jede Frau zieht die nächste. Und da müssen wir hin. Und das sehe ich auch in meinem eigenen Unternehmen. Wir haben mittlerweile 52 Prozent Frauen, weil ich bin für eine diverse Unternehmung. Also es geht auch nur im Tandem. Aber ich sehe, dass dort, wo gute Frauen sind, auch eine nächste gute Frau neben ihnen erwachsen kann, die absolut genauso, wenn nicht sogar teilweise besser qualifiziert ist als vielleicht manch ein Mann.
Sprecher 2: Ja, außerdem gilt ja der alte Satz, die Frauenemanzipation ist erst dann verwirklicht, wenn mittelmäßige Frauen genauso weit kommen wie mittelmäßige Männer. Und die kommen relativ weit, ist jedenfalls meine Beobachtung. Guter Punkt. In den Verbänden ansonsten, jetzt abgesehen vom Verband Deutsche Unternehmerinnen, in den Wirtschaftsverbänden sitzen ja zum allergrößten Teil Männer, also BDA, BDI sowieso, aber auch in anderen Wirtschaftsverbänden. Wie schwer ist es, in diese Interessenvertretungen vorzubringen als Frau?
Sprecher 6: Ja, also wir bekommen immer, immer mehr Gehör. Ich muss sagen, auch unser Verband ist ein stark wachsender. Verband, wir sind auf dem Weg zum Top-Verband. Was natürlich unser großes Asset ist, dass wir über 2000 Frauen oder 1800 100 Frauen, bald 2000 Frauen aus allen Branchen, allen Größen, in allen Generationen in unserem Verband ansiedeln und somit ein tolles, flächendeckendes Bild, ein wirkliches gesellschaftsrelevantes Bild einer UnternehmerInnenlandschaft in Deutschland zeigen und dadurch eine immer relevantere Stimme werden. Zum Beispiel sitzen wir auch im BDA mitvertreten und werden auch hier immer deutlicher gehört. Die Stunde der Frau ist natürlich auch die Stunde der Sichtbarkeit. Und eins haben wir, glaube ich, die letzten Jahre gelernt. Wir werden immer sichtbarer. Und diese Sichtbarkeit erhöht natürlich die Stimme, erhöht auch die Relevanz unserer Stimme. Dadurch, dass wir sehr konstruktiv und positiv auch die Dialoge suchen in der Politik, in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, werden wir auch immer häufiger gehört und eingeladen, wie zum Beispiel heute bei euch bei Table Media. Und das ist einfach das, was wir uns jetzt die nächsten Jahre peu à peu immer weiter erarbeiten müssen.
Sprecher 2: Wenn Frauen sich vernetzen, haben sie ja manchmal das Problem, dass sie sehr stark über die eigene Diskriminierungserfahrung sprechen, sich austauschen über die eigene Betroffenheit und manchmal dann gar nicht über die Themen hinauskommen, wie Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und in die echte Interessenvertretung gar nicht reinkommen, weil sie sich am Ende mit den Frauenthemen beschäftigen und Männer das ja wunderbar nutzen können, um sie dann wieder zu stigmatisieren. Euer Verband hat sich vorgenommen, es anders zu machen. Ihr habt wirtschaftspolitische Forderungen. Sag sie mal, was sind sie?
Sprecher 6: Also grundsätzlich stehen wir natürlich auch für das Thema Gleichstellungspolitik. Das ist einer unserer... unsere ganz großen USPs und auch Merkmale. Allerdings ganz klar immer im Einklang mit der Wirtschaftspolitik. Und wir sind die weibliche Stimme der deutschen Wirtschaft, nenne ich uns immer so liebevoll, weil wir alles GestalterInnen, ZukunftsmacherInnen und UnternehmerInnen sind. Und das ist eigentlich dieses Thema, dass wir viele, viele ähnliche Forderungen auch zu anderen unternehmerisch oder wirtschaftlich geprägten Verbänden haben. Legen aber immer noch ein bisschen die weibliche Sichtweise darüber. Und das ist natürlich bei uns ganz klar Entbürokratisierung, Offensive für Digitalisierung, aber auch das Thema Bildung. Und wenn man es jetzt auf die Gleichstellungspolitik runterbricht, ist es absolut klar, flächendeckende Einführung von Kinderbetreuung, Abschaffung von steuerlichen Fehlanreizen, was natürlich auch wieder mehr Frauen in Zeiten von Fachkräftemangel vielleicht motiviert, an den Arbeitsmarkt zu kommen. Und das ist auch etwas Fachkräftemangel. Wir Frauen können ein toller weiterer Teil dessen sein, wenn wir es eben schaffen, Kinderbetreuung, bessere steuerliche Anreize zu schaffen, dass wir auch die Frauen länger in den Berufen halten, früher in die Berufe zurückholen. Das ist eigentlich so das große Problem.
Sprecher 2: Ja, jetzt sagst du weibliche Wirtschaftspolitik und Entbürokratisierung und Digitalisierung. Ich habe das durchaus auch schon aus Männermund gehört. Gibt es da einen weiblichen Engel? Was ist das Spezifische, was euch unterscheidet in der Forderung von den anderen Menschen, die das äußern?
Sprecher 6: Im Grunde sind wir alles Unternehmerin. prallen in all unseren Branchen natürlich die gleichen Bürokratiemonster da nieder. Und wir haben im Grunde da diese ähnlichen Forderungen. Wenn ich jetzt so ein ganz konkretes Beispiel mal zum Thema Bürokratisierung nennen darf, tatsächlich gibt es in Deutschland... Ganz viele Unternehmerinnen oder Nachfolgerinnen, die würden sofort Kindertagesstätten oder Kindergärten bei sich in den Firmen installieren. Jetzt haben wir aber natürlich ganz viele Firmen, gerade im Maschinenbau, im Produktionsgewerbe, die in Industriestandorten und Industriegebieten liegen. Es dürfen keine Kindertagesstätten und Kindergärten in Industriegebieten eröffnet werden. Und das ist so ein ganz kleines, konkretes Beispiel, wo ich sage, wofür brauchen wir diese Regelung, wenn wir tolle Unternehmerinnen haben, die sagen, ich würde morgen sofort einen Kindergarten hier eröffnen, aber ich darf nicht, weil Behördengänge, XY, zigtausend Auflagen, also alleine diese Dinge zu vereinfachen, würden morgen wesentlich mehr Kindergärten und Kinderbetreuungsstätten aus der Unternehmerlandschaft heraus entstehen.
Sprecher 2: Wir müssen nochmal sprechen über die Verantwortung von Frauen für den Kampf auch um Gleichstellung. Weil, ich habe es gerade gesagt, Frauen... Teilweise jedenfalls dazu neigen, sich auch mit der Frage zu beschäftigen, woher kommt diese ganze Diskriminierung und weniger darauf schauen, was sie selber tun können. Ist das auch deine Beobachtung? Hast du das Gefühl, Frauen sind manchmal vielleicht nicht die Unternehmerinnen in deinem Verband, aber vielleicht die, die noch nicht in deinem Verband sind, sind auch selber zu zögerlich, um die Rechte, die sie haben, einzufordern, auch noch im Jahr 2024?
Sprecher 6: Ja. Ja, und das ist das, wofür ich auch stehe. Ich sage immer, fordert das ein, Netzwerk, seid laut, werdet sichtbar und habt keine Angst, um Hilfe zu fragen. Und ich sage immer, hasseln. Wenn ihr vorne durch die Vordereingangstür nicht reinkommt, dann nutzt das Badfenster, traut euch. Und dafür braucht es Vorbilder, dafür braucht es Mutmacherinnen, die junge Frauen mit auf den Weg nehmen und sagen, ihr dürft auch Forderungen stellen. Fordert eure Wünsche ein, fordert das ein, was ihr euch vorstellt und seid dabei auch stark, bleibt auf euren Standpunkten stehen. Was es natürlich vielen Frauen heute leichter machen kann, gerade jungen Frauen, gerade Gründerinnen, dass es heute mittlerweile ganz tolle Business Angel und Investorinnen-Netzwerke gibt. Auch wir im Verband arbeiten mit einigen zusammen. Ich persönlich setze mich als Investorin und Business Angel ein für ganz spezifische Frauenthemen und Frauengründungen, weil da ist es dann schon einfacher, auch für eine Gründerin sich dem zu öffnen und einfach auch gehört zu finden.
Sprecher 2: Also schließen wir mit dem gemeinsamen Appell, Frauen traut euch.
Sprecher 6: Ja, werdet laut, werdet sichtbar, steht vor eure Dinge ein und wenn ihr nicht durch die Eingangstür reinkommt, dann geht durchs Badfenster rein. So, das haben wir verstanden.
Sprecher 2: Vielen Dank, dass du heute da warst, Christina.
Sprecher 6: Vielen, vielen Dank, dass ich da sein durfte. Danke.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch gibt es diesmal einen kulinarischen Tipp. Essen Sie an heißen Tagen, wie heute zum Beispiel in Berlin, doch mal eine schöne Portion Pommes. Das empfiehlt Thomas Küpper, er ist Reisemediziner am Uniklinikum der RWTH Aachen. Pommes sind nämlich nicht nur lecker, sondern sie helfen uns auch heiße Tage besser zu überstehen. Das liegt leider nicht so sehr am Fett, sondern vor allem am Salz. Denn wenn es warm ist, schwitzen wir stärker und verlieren dadurch mehr Elektrolyte als sonst. Und da kommen dann die salzigen Pommes ins Spiel. Die helfen dann, den Elektrolyte-Haushalt wieder auszugleichen. Ein kleines Aber gibt es aber dann doch. Die Pommes sollten nicht zu fettig sein, denn das ist auch nicht so wirklich gesund. Das Ganze lässt uns an Kindheit denken, an lange Stunden im Wasser und auf der Wasserrutsche und dann den echten Hunger auf Pommes. Ein schönes Gefühl. Vergessen Sie vor allem nicht, was zu trinken. Es muss ja keine Cola sein wie früher. Es hilft auch einfach ein Sprudelwasser. Das war es schon wieder an diesem Donnerstag. Morgen sind wir wieder für Sie da. Ich freue mich drauf. Kommen Sie gut durch den Tag. Machen Sie es gut. Ihre Helene Bubrowski.
Sprecher 7: Nobody on the road, nobody on the beach. I feel it in the air, the summer's out of reach. Empty lake, empty streets, the sun goes down alone. I'm grabbing by your house. Oh, no, you're not hurting me. But I can see you. Your blood's getting shimmered in the sun. You got your hair curled back and sunglasses on, baby. I can tell you my love for you will still be strong. Oh, dear, the boys are so young. Never will forget those nights. I wonder if it was a dream. Remember how you made me crazy? Remember how I made you scream? And I... I don't understand what happened to our love. But babe, I'm gonna get you back. I'm gonna show you what I'm made of. I see you walking real slow. It's like whatever you want. I can tell you my love will still be strong. After the boys are summer over. Out on the road today, I saw a deadhead sticker on a Cadillac. A little voice inside my head said, don't look back, you can never look back. I thought I knew what love was, but did I know?
Sprecher 8: Indeed statt Ausreden. In meiner Baufirma macht jetzt eine Maurerin die IT. Bin gespannt auf ihre Firewall.
Sprecher 9: Mitarbeitenden und sichert dir 75 Euro Startguthaben. Auf indeed.com slash Guthaben. Es gelten die AGB.