Was ist heute konservativ, Herr Hagel?
In Frankreich hat überraschend das Linksbündnis „Nouveau Front Populaire“ die meisten Stimmen geholt. Das Lager von Präsident Macron hat Platz zwei erreicht. Das Rassemblement National landete nur auf dem dritten Platz. Premierminister Attal hat seinen Rücktritt eingereicht.
Gemeinsam mit Dr. Yann Wernert vom Jacques Delors Centre analysieren wir den Wahlausgang in Frankreich.
Der Vorsitzende der CDU in Baden-Württemberg, Manuel Hagel, hat nach mehreren Messerangriffen von Zuwanderern eine Strafverschärfung und schnellere Abschiebungen gefordert. „Die Wahrheit ist: Die Messerkriminalität ist männlich, jung und migrantisch“, sagt Hagel im Gespräch mit Michael Bröcker. Diese Fakten müsse man nüchtern betrachten und ohne Schaum vor dem Mund diskutieren. „Wir müssen das Strafrecht in der Frage nachschärfen“, so Hagel. Auch die sicheren Herkunftsstaaten müssten ausgeweitet werden, um Rückführungen möglich zu machen. Wer alle Freiheitsrechte und Möglichkeiten im Land bekomme, aber dann immer wieder straffällig werde, müsse das Land verlassen, sagt Hagel.
Der Wolfsgruß türkischer Fußballfans hat auch am Wochenende wieder Diskussionen ausgelöst. In der Türkei gibt es Kritik an der Bundesregierung.
Michael Horeni und Florian Fischer schauen auf die Zukunft der deutschen Fußballnationalmannschaft und auch auf die beiden Halbfinalspiele der Europameisterschaft.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Es ist gerade nochmal gut gegangen. Die Franzosen haben wieder das getan, was sie in den vergangenen Jahren immer getan haben. Sie haben den Durchmarsch der Rechtspopulisten verhindert. Die linke Volksfront hat gewonnen.
Sprecher 3: Alle diskutieren über den Wolfsgruß der türkischen Fans und was dieses Zeichen wirklich aussagt und wie überhaupt eigentlich unser Umgang mit den Deutsch-Türken ist. Darüber auch gleich hier bei uns eine kleine Debatte.
Sprecher 2: Seit nunmehr 13 Jahren stellt die CDU in Baden-Württemberg nicht mehr den Regierungschef. Das soll dieser Mann nun ändern. Der 36 Jahre alte Manuel Hagel ist der neue Hoffnungskandidat der CDU und spricht mit uns darüber, was konservativ heute bedeutet.
Sprecher 3: Diese Niederlage der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Viertelfinale, sie könnte noch segensreich sein. Das zumindest ist die These von unserem EM-Kolumnisten Michael Horini, der zum Abschluss dieser EM zumindest für uns Deutsche nochmal mit Florian Fischer analysiert. Gleich geht's los.
Sprecher 2: Heute ist Montag, der 8. Juli. Herzlich willkommen zu einer neuen Woche.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: C'est le nouveau Front populaire qui aurait le groupe le plus important à l'Assemblée, entre 175, et vous le voyez à droite de cet hémicycle, le Rassemblement national, entre 115 et 150 sièges, qui serait donc troisième groupe dans cet hémicycle. Encore une fois, surprise colossale.
Sprecher 6: Fidèle à la tradition républicaine et conformément à mes principes, Je remettrai demain matin ma démission au président de la République.
Sprecher 2: Vergangene Woche hatte Marine Le Pen mit ihrem Rassemblement National über 30 Prozent errungen, war auf Platz 1 gelandet. Jetzt ist sie abgerutscht auf Platz 3. Das Linksbündnis liegt vorne und auf Platz 2 Macron. Also alles gut in Frankreich?
Sprecher 3: Ja, ein starkes Linksbündnis mit den Grünen und teilweise eben bei den Kandidatenwahlen auch ein Zusammenschluss mit Macrons Parteigruppierung haben den Rechtsruck verhindert. Sehr überraschend, wie ich finde, Helene. Die Linken wachen wieder auf in Europa. Nach dem Erfolg in Großbritannien jetzt ein Erfolg der Linken in Frankreich. Das ist überraschend.
Sprecher 2: Ja, wobei man das nicht ganz vergleichen kann, glaube ich. In Großbritannien kann man ja sagen, herrschen traditionell klare Verhältnisse bis heute, entweder die einen oder die anderen, die Konservativen oder Labour. In Frankreich ist es weitaus komplizierter, aber auch hier gibt es eine gewisse Kontinuität. Der sogenannte Bloc Républicain hat gehalten, also alle verbünden sich gegen die Rechten und verhindern eine Mehrheit. Tatsächlich haben mehr als 200 Kandidaten der Linken und des Regierungslagers Ensemble sich vor der Stichwahl aus taktischen Gründen zurückgezogen und eine Wahlempfehlung für den jeweils anderen abgegeben, sodass es eben eine Mehrheit gab gegen viele der Kandidaten vom Rassemblement National. Aber gestern Abend hörte ich einen Frankreich-Experten, der mir sagte, das ist auch das letzte Mal, dass das funktioniert hat. Denn es bestärkt natürlich die Rechtspopulisten in ihrem Opfermythos und in der Darstellung, dass sie tatsächlich die einzige Alternative sind, weil alle anderen sich gegen sie verbünden.
Sprecher 3: Ja, eine Überraschungssieg der Linken. Neue Volksfront heißt ja dieses Bündnis und daran erinnern die Sozialisten, Grünen und Kommunisten natürlich an 36, 37, 1936 und 37, als die echte Volksfront damals etwas verklärt in der kollektiven Erinnerung sich gegen die Rechten verbündet hat. Ein sehr linker Gemischtwarenladen, Helene, der jetzt ja gegen Macron und gegen die Rechten da aufschlägt. Und die Äußerungen des Parteichefs der Linken haben ja gestern schon klar gemacht, sie wollen mit Macron keine Koalition bilden.
Sprecher 7: La défaite du président de la République et de sa coalition est clairement confirmée. Le président doit s'incliner et admettre cette défaite sans tenter de la contourner de quelque façon que ce soit.
Sprecher 2: Ja, das wollen wir jetzt nochmal vertiefen mit Dr. Jan Wernert. Er ist Senior Policy Fellow für deutsch-französische Beziehungen am Jacques Delors Center der Hertie School. Hallo Herr Wernert.
Sprecher 8: Hallo, guten Abend.
Sprecher 2: Ja, danke, dass Sie Zeit für uns haben nach diesem turbulenten Wahlabend, der ja für viele überraschend war. Sagen Sie uns mal, ist das Kalkül von Emmanuel Macron aufgegangen, dass ein Blockrepublikan den Durchmarsch der Rechtspopulisten verhindert?
Sprecher 8: Naja, das war nicht wirklich sein Plan. Ich meine, seine Partei liegt in Scherben und wird voraussichtlich um die 100 Abgeordnete verlieren. Vielleicht sind es ein bisschen weniger, aber jedenfalls wird er in keiner besseren Position sein, als die, in der er vor der Wahl war. Was sein Umschwenken in der allerletzten Wahlkampfwoche noch bewirkt hat, dieser republikanischen Front beizutreten, also dass man sich einigt, dass man gegen den RN alles tut und Kandidierende zurückzieht, das ist besser aufgegangen als gedacht. Da war seine Partei allerdings reichlich spät dabei, dieser Front beizutreten.
Sprecher 2: Der Premierminister der Franzosen wird ja nun nach aller Voraussicht kein Mann Macrons mehr sein, sondern er wird jemanden nominieren müssen, der Volksfront. Sie schon, wer sich da anbietet, auf wen es hinauslaufen wird?
Sprecher 8: Das ist die große Frage. Also verfassungsrechtlich kann er ernennen, wen auch immer er will, aber es wäre schon sozusagen naheliegend, jemanden von der Volksfront, den die Volksfront selbst auch ausgesucht hat, zu ernennen. Und da ist sich die Volksfront allerdings sehr uneinig gewesen, wen sie denn an dieser Stelle nominieren sollte. Und das wird sicher auch ein bisschen davon abhängen, welche Formation innerhalb der Volksfront die meisten Abgeordneten stellt. Wahrscheinlich wird das La France Assumie sein, wie bisher. Es muss es aber nicht.
Sprecher 2: Also unsichere Zeiten für die Franzosen. Weil ja auch das Ensemble, also das Bündnis Macrons, mit der Volksfront eigentlich politisch wenig zu tun hat, oder?
Sprecher 8: Ja, das wird das Grundproblem sein. Dieser Legislaturperiode, die wahrscheinlich deswegen auch sehr kurz sein wird, weil eigentlich diese drei Blöcke sich gegeneinander gebildet haben und wirklich bei... Sehr vielen Fragen diametral unterschiedliche Meinungen haben und eigentlich nicht miteinander zusammenarbeiten möchten und jetzt voraussichtlich dazu gezwungen sind, das zumindest für ein Jahr zu machen. In einem Jahr kann die Nationalversammlung wieder aufgelöst werden, wenn der Präsident das will. Die Nationalversammlung kann es nicht selbst machen. Und wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, in der Hoffnung auf klarere Mehrheiten. Und ein großes Problem wird nicht nur sein, wer die Regierungsspitze übernimmt, sondern auch, was man mit dem laufenden Haushalt macht. Da klafft noch ein riesiges Loch von über 10 Milliarden Euro. Und das wird keine einfache Entscheidung sein, wie dieses Loch gestopft werden soll.
Sprecher 2: Das haben wir gerade in Deutschland gesehen, wie schwierig das ist. Selbst ohne eine jedenfalls derzeit große rechtspopulistische Macht, die etwas zu sagen hat. Sagen Sie uns nochmal, was machen denn jetzt die Rechtspopulisten um Marine Le Pen? Werden Sie Ihren Opfermythos noch verstärken? Nehmen Sie neuen Anlauf jetzt für die Präsidentenwahl 2027? Was erwarten Sie?
Sprecher 8: Ja, die Wahl 2027 haben sie fest im Blick. Wenn schon, dann möchten sie natürlich die ganze Macht haben, also das Präsidentenamt und eine Mehrheit in der Nationalversammlung. Sie werden sicher sehr enttäuscht gewesen sein von diesem Abend, der ihnen mehr versprochen hat, als er letztendlich geliefert hat, wenn man den Hochrechnungen Glauben schenken darf. Allerdings werden sie mehr Abgeordnete stellen als bisher, wenn auch viel weniger als erwartet. Sie haben kein Geldproblem mehr, was sie davor hatten. Ihr Wahlergebnis von der Europawahl bleibt bestehen. Das heißt, sie werden sich vorbereiten auf die voraussichtliche Wahl nächstes Jahr, wenn die Nationalversammlung wieder aufgelöst wird. Und vielleicht haben wir dann dieselbe Situation, die wir jetzt gerade hatten, in der Form wieder. Und auf jeden Fall werden sie schauen, dass sie diese Niederlage dadurch erklären, dass das Wahlrecht gegen sie in diesem Fall war.
Sprecher 2: Ja, letzte Frage, Herr Bernhard. Wie bewerten Sie denn das? Verhalten der Wähler, die im ersten Wahlgang Rassemblement National gewählt haben und im zweiten nicht mehr. War das also doch in der vergangenen Woche nur eine Drohung, eine Art von Denkzettel oder wäre das eine Überbewertung?
Sprecher 8: Das wäre, denke ich, eine Überbewertung. Es gibt einige strukturelle Entwicklungen in Frankreich, die darauf hinauslaufen, dass die rechtsextremen Kräfte stärker werden. Und so sehr dieses Wahlrecht, das wir gerade erwähnt haben, dem Rassemblement National bisher geholfen hätte in dem Fall, wo es stärkste Kraft geworden wäre, so sehr schadet es ihm jetzt, wo vor allem die Französinnen und Franzosen entschieden haben, dass sie keine rechtsextreme Regierung wollen. Und das ist vor allem das, was man aus diesem Wahlergebnis mitnehmen kann und alles andere bleibt schwierig und sagt wenig über die Zukunft aus.
Sprecher 2: Dr. Jan Wernert vom Jacques Delors Center, vielen Dank für Ihre Zeit.
Sprecher 8: Dankeschön.
Sprecher 3: Ja, Helene, und lass uns noch kurz über das Thema des vergangenen Wochenendes reden, den Wolfsgruß der tausenden türkischen Fans im Stadion und wie sehr eigentlich die Deutsch-Türken in diesem Land, ja in diesem Land eigentlich angekommen sind. Also mich haben diese Signale und dieses Symbol wirklich sehr überrascht.
Sprecher 2: Ja, wie viele von denen wirklich Deutsch-Türken waren und wie viele türkische Fans aus der Türkei eingereist sind, das ist schwer zu sagen. Aber tatsächlich war der Wolfsgruß vielfach zu sehen, allerdings nicht auf den offiziellen Bildern der UEFA. Darüber haben sich auch Türken jetzt auf Twitter schon beschwert, dass die UEFA ziemlich harte Regie geführt hat und verboten hat tatsächlich, dass der Wolfsgruß gefilmt wird. Genauso wenig wie Bilder des türkischen Präsidenten Erdogan zu sehen waren, der ja neben dem deutschen Nationalspieler, dem ehemaligen deutschen Nationalspieler Mesut Özil saß. Also ich finde eigentlich eine sehr richtige Entscheidung der UEFA, an der auch die Bundesregierung übrigens beteiligt war. Aber natürlich führt es zu Ärger bei den türkischen Fans, die ja ohnehin der Meinung sind, dass sich Deutschland so über den Wolfsgruß aufregt, liege vor allem daran, dass das wieder ein weiterer Versuch sei, die Türken abzuwerten, zu diskriminieren.
Sprecher 3: Ja, danke, liebe UEFA, muss ich jetzt endlich mal sagen. Wer hätte das gedacht, dass sie nicht auch noch dieser Propagandashow von Erdogan und seinen... Leuten da irgendwie eine Bilderflut geben. Das hat mich sehr gefreut. Und die Wahrheit ist ja auch, in der türkischen Community wird es ja auch kritisch gesehen. Es sind ja jetzt nicht wir Nicht-Türken, die darüber reden. Es sind auch Türken wie zum Beispiel die Bundestagsabgeordnete Serap Güler, die klar sagt, die Innenministerin muss diesen Wolfsgruß eigentlich verbieten. Die grauen Wölfe müssen verboten werden, denn es hat eben nichts mit dem türkischen oder der türkischen Identität zu tun, wie es jetzt Erdogan wie immer umdefiniert in eine Art antityrkischen Rassismus. Genau darum geht es jetzt eben nicht.
Sprecher 2: Auch der Verfassungsschutz hat eine sehr klare Haltung zu den grauen Wölfen, die auf türkisch Ülküçü-Bewegung genannt werden. Und der Verfassungsschutz sagt nicht nur, es handelt sich ganz klar um eine rechtsextremistische Bestrebung, sondern spricht auch von, im Verfassungsschutzbericht, von Überlegenheitsvorstellungen durch die Herabwürdigung verschiedener vermeintlicher Gegner des Türkentums. Dazu gehören Armenier, Griechen, Juden, Kurden und die USA. Antisemitismus sei, so ist es in dem Bericht zu lesen, überhaupt eines der prägendsten Elemente der Grauen Wölfe. Also innerhalb der Bewegung hat die Judenfeindschaft einen besonderen Stellenwert. Und auch das Personenpotenzial ist ziemlich beeindruckend. Der Verfassungsschutz geht von rund 12.000 Personen in Deutschland aus, die dieser Ideologie klar zuzuordnen sind. In den Stadien waren natürlich noch deutlich mehr, die aus dem Ausland für die Spiele reingekommen sind.
Sprecher 3: Ja, Helene, dahinter steckt doch ein Nationalismus, den wir eben nicht nur in der Türkei haben. erleben, sondern bei der AfD in Großbritannien, in Frankreich, der irgendwie doch Einhalt geboten werden muss. Warum ist diese Ausgrenzungsfantasie, alles was nicht zu einer selbst und zu einem eigenen Kultur- oder Sozialisierungskreis gehört, wird irgendwie ausgegrenzt oder nicht gewünscht? Also es wird wirklich schlimm und ich bin da fast bei Julian Nagelsmann, der gesagt hat, wir brauchen dringend wieder Momente des Wir-Gefühls. Im Berliner Olympiastadion waren sie jedenfalls nicht zu sehen. Nicht zuletzt durch das Pfeifkonzert auch noch gegen die Niederländer. Es ist im Moment wirklich schwer zu ertragen, sich manches anzugucken.
Sprecher 2: Ja, aber an dieser Stelle nochmal ein Lob an die Polizei von Bund und auch vom Land Berlin, die dieses ganze Spektakel am Samstagabend in Berlin wirklich sehr gut gemanagt haben. Es gab ganz vereinzelt mal Gewaltübergriffe, zum Beispiel auf der Fanmeile eine Schlägerei zwischen türkischen und niederländischen Fangruppen. Aber insgesamt blieb es doch weitgehend ruhig und, so war am Samstagabend zu vernehmen, eine große Erleichterung in den Sicherheitsbehörden, dass die Türken ausgeschieden sind, dass sich eine solche angespannte Sicherheitslage, die natürlich durch die Anreise von Erdogan sich nochmal deutlich verschärft hatte, sich jetzt im Halbfinale und im Finale nicht wiederholt. Er ist 36 Jahre alt, Bankbetriebswirt, passionierter Jäger und der wahrscheinliche Spitzenkandidat der CDU bei der nächsten Landtagswahl in Baden-Württemberg. Manuel Hagel ist sein Name, der Hoffnungsschimmer der CDU in dem Land, das nun aus Sicht der CDU viel zu lange schon von den Grünen regiert wird. Schon jetzt positioniert sich... Der Partei- und Fraktionschef Manuel Hagel im Ländler als smarter Konservativer. Mein Kollege Michael Bröke hat mit dem Mann gesprochen und da verrät Manuel Hagel auch, wen er sich als Kanzlerkandidaten wünscht.
Sprecher 3: Einen wunderschönen guten Tag, Manuel Hagel.
Sprecher 9: Guten Tag.
Sprecher 3: Ich muss Sie erstmal unseren Zuhörerinnen und Zuhörern vorstellen. Und dann machen Sie es doch mal einfach. Manuel Hagel in drei Sätzen.
Sprecher 9: Manuel Hagel, 36 Jahre alt. Ich hoffe, Sie hören es aus Oberschwaben kommend. Wohnen in einem Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung. Bin verheiratet, habe drei Kinder. Mitglied vom VfB Stuttgart. Ach, siehst du das? An mir ist... Eigentlich gar nichts Besonderes, sondern alles ganz normal. Also glaube ich zumindest selber.
Sprecher 3: Das Wort konservativ fehlt dir jetzt.
Sprecher 9: Ja, weil ich Christdemokrat bin.
Sprecher 3: Achso, ich dachte, Sie sind auch einer der Konservativen innerhalb der Christdemokratie.
Sprecher 9: Ja, aber der Christdemokrat an sich ist nie nur konservativ. Er ist immer genauso liberal und christlich-sozial.
Sprecher 3: Also machen wir es mal. Wo sind Sie richtig liberal?
Sprecher 9: Die Frage der Gesellschaftspolitik. in der Frage der Wirtschaftspolitik, in der Frage, was heute der moderne Begriff von Freiheit bedeutet, immer da, wo wir als moderne Partei einfach sagen, uns ist mal völlig wurscht, woher jemand kommt, was Papa oder Mama verdient, welche Hautfarbe jemand hat. Uns ist völlig wurscht, welche Startchancen jemand hat. Uns geht es darum, dass jeder in diesem Land das Beste aus sich machen kann. Und das meint Freiheit. Freiheit meint, dass wir den Menschen sagen, du bist total okay, so wie du bist. Mit all deinen Talenten, mit all deinen Stärken, aber eben auch mit... All deinen Fehlern und all deinen Schwächen. Und daraus erwächst ein ganz konkretes politisches Sinnbild, weil wir die Menschen nicht gleich machen wollen, sondern uns geht es immer um die Chancengleichheit am Start, aber nicht um die Ergebnisgleichheit am Ziel. Und das unterscheidet uns von Rot und Grün.
Sprecher 3: Wo sind Sie ganz konservativ?
Sprecher 9: Frage der Migrationspolitik, in der Frage der Sicherheitspolitik, auch in der Frage der Zukunftskompetenz, weil der moderne Konservative ist da, wo sich alle einig sind in der Frage des Wandels, da und schreit mal laut Stopp und sagt, ist das besser, was wir machen? Und wenn es dann besser ist, dann machen wir es. Und der moderne Konservative bewahrt nicht nur, was er vorfindet, sondern er schafft jetzt Neues, das es dann in Zukunft auch wert ist, bewahrt zu werden.
Sprecher 3: Machen wir es konkret. Müssen wir Zuwanderung begrenzen und wenn ja, wie?
Sprecher 9: Ja klar. Also ich treffe niemanden in diesem Land, der wach auf die... Menschen schaut und auf die Herausforderung, der das bestreitet. Es gibt manche von Grünen, die sagen, wir bekommen Menschen geschenkt. Es gibt Saskia Esken von der SPD, die sagt, unsere Kommunen müssen sich einfach mehr anstrengen. Das ist völlig realitätsfern. Es liegt nicht daran, dass sich die Menschen nicht genug anstrengen, sondern es liegt daran, dass unsere Ressourcen einfach begrenzt sind. Der Bundespräsident Gauck hat es mal schön formuliert, indem er gesagt hat, unsere Herzen sind weit, aber unsere Möglichkeiten begrenzt. Und genau so ist es. Und egal, wo ich hinkomme in Baden-Württemberg, erlebe ich Kommunen, erlebe ich Ehrenamtliche, die seit Jahren inzwischen übermenschliches leisten. Aber jetzt völlig über dem Limit sind. Und natürlich müssen wir Zuwanderung steuern und begrenzen. Und ich sage mal, wenn die Zuwanderung illegal ist, dann geht es nicht darum, illegale Zuwanderung abzuschwächen. Sondern wenn es illegal ist, dann brauchen wir das gar nicht. Aber zur Wahrheit gehört auch, Wir brauchen Migration in Zukunft. Aber wir brauchen Migration in unseren Arbeitsmarkt. Und was wir im Moment erleben, ist Migration in unsere Sozialsysteme. Und die brauchen wir nicht.
Sprecher 3: Und in die Straffälligkeit, wenn man sich jüngste Kriminalitätsstatistiken anschaut. Bei Ihnen in Baden-Württemberg auch ein Phänomen?
Sprecher 9: Fakten kann man nicht anschreien. Ich bin ein großer Fan davon, dass wir das einfach nüchtern betrachten, ohne Schaum vorm Mund. Und ich bin auch sehr dafür, dass wir jeden, der diese Fakten anspricht, nicht sofort reflexartig in irgendeine rechte Ecke stellen. Wenn die Menschen den Eindruck haben, denen all diese Effekte, die kommen sofort drauf, im Alltag begegnen, wenn sie sich dann, aussprechen, sofort zu Rechtsradikalen erklärt werden, dann werden die Menschen auch dorthin gehen, weil sie den Eindruck haben, dass ihre Probleme im Alltag nur dort adressiert und diskutiert werden. Und deshalb wage ich die Prognose, wenn die politische Mitte nicht die Kraft findet, diese Probleme zu erledigen, haben diese Probleme die Kraft, die politische Mitte in dem Land zu erledigen. Die Gewalttaten in Baden-Württemberg, 50 Prozent Menschen ohne deutscher Pass, Ausländer. Bei der Messerkriminalität deutlich mehr. Weil man sagen kann, die Messerkriminalität, sie ist männlich, sie ist jung und sie ist migrantisch. Deshalb müssen wir da liefern.
Sprecher 3: Was heißt konkret? Diese Menschen sind ja da.
Sprecher 9: Wir müssen das Strafrecht in der Frage nachschärfen. Ich warbe sehr dafür, dass wir Sonderdezernate bei den Gerichten für diese Fragen einrichten, weil diese Menschen müssen spüren, die Strafe folgt auf dem Fuß. Oder um es mal einfach auszudrücken, die müssen wissen, Samstags Radar, Montags der Bau. Und wir müssen vor allen Dingen auch zeigen, wer hierher zu uns kommt. Alle Freiheitsrechte, alle Möglichkeiten in unserem wunderbaren Land von uns bekommt, aber dann das Strafgesetzbuch für sich wieder und wieder entdeckt, dass der herausfliegt. Und in dieser Frage dürfen wir auch nicht lamentieren, sondern das muss sofort auch geschehen.
Sprecher 3: Der Innenminister in Baden-Württemberg ist ein CDU-Politiker, ihr könnt es doch alles machen.
Sprecher 9: Ist ein guter Mann. Thomas Strobl stärkt unsere Polizei, wo er kann. Aber die Dinge, die Sie ansprechen, sind Bundesrecht. Die Ausweitung von mehr sicheren Herkunftsländern würde uns sehr helfen. Ich höre davon, dass die Bundesregierung sagt, sie will es tun. Sie macht es aber nicht. Der Kanzler hat eine Abschiebeoffensive angekündigt. Ganz groß auf einer großen deutschen Wochenzeit. Und passiert ist nichts.
Sprecher 3: 36 Prozent mehr als im Vorjahr.
Sprecher 9: Er hat jetzt davon gesprochen, dass wir nach Mannheim in der Frage Abschiebung von Straftätern schneller werden. Nichts ist passiert.
Sprecher 3: Bei den sicheren Herkunftsstaaten könnte man bei einem Messerangreifer, der ein Messer aus seiner Küchenzeile nimmt und damit auf einen öffentlichen Platz läuft und einen deutschen Pass hat, da kannst du schlecht den danach ausweisen.
Sprecher 9: Ist ja eine Frage des Strafrechts und der Strafverfolgung. Auch da könnte man es schnell ändern.
Sprecher 3: Ein Kern jedenfalls der Landespolitik ist die Bildungspolitik. Und da war das Ländle Baden-Württemberg doch mal führend, Herr Hagel. Da wart ihr mal die Nummer 1 Branchenprimus, wie es so schön heißt. Jetzt inzwischen Platz 5 oder 6 im Bildungsmonitor, sogar hinter einem Stadtstaat Hamburg. Was ist eigentlich da passiert in der Bildung?
Sprecher 9: Wir waren immer auf Platz 1, 2 oder 3 bis 2011. Wir sind jetzt abgeschifft ins untere Mittelfeld. Das ist für unser Land peinlich. Und inzwischen hat sich so eine Stimmung breit gemacht, dass wir schon froh sind, wenn es nicht noch schlechter wird. Das passt überhaupt nicht zu uns in Baden-Württemberg. Und da brauchen wir die Ambition zurück zu sagen, wir sind nicht schon dann glücklich, wenn es noch nicht schlechter wird, sondern wir wollen wieder zurück aufs Treppchen. Und wenn heute Kultuspolitik... aus Baden-Württemberg nach Hamburg fahren, um sich anzuschauen, wie Bildung funktioniert, dann wünsche ich mir, dass das wieder anders wird, dass die Hamburger zu uns kommen und sich dann anschauen, wie moderne Bildungspolitik funktioniert.
Sprecher 3: Was würden Sie konkret anders machen, wenn die CDU wieder von vorne regiert, vielleicht nach 2026 und den Ministerpräsidenten stellt?
Sprecher 9: Alle Studienlagen sagen uns, unser Problem beginnt im Grunde in der frühkindlichen Bildung. Deshalb legen wir jetzt den absoluten Fokus auf rückgängliche Bildung. Auf Kernkompetenzen wie Lesen, Rechnen, Schreiben, auf die deutsche Sprache. Wir lehnen einen absoluten Fokus auf die Frage der Konzentrationsfähigkeit, weil wir sehen durch YouTube-Kids, Netflix-Kids und so vieles mehr, dass die Konzentrationsfähigkeit von Kindern bei uns in Klasse 1 dramatisch abgenommen hat. Und ehrlicherweise erleben wir auch, dass die Bildungspartnerschaft Eltern auf der einen Seite, Bildungseinrichtungen auf der anderen Seite, krasse Schieflage erlitten hat. Und das ist schon auch eine Diskussion, wo ich...
Sprecher 3: Sie meinen, die Helikoptereltern haben Überhand genommen?
Sprecher 9: Die Helikoptereltern ist eine. Ich habe jetzt aber vor wenigen Tagen gelernt, dass es auch die Juraeltern gibt. Ich habe mich dann erkundigt, was das eigentlich ist. Jetzt kenne ich Jura, die kennen Eltern, die kennen aber keine Juraeltern. Dann hat mir die Erzieherin erklärt, ja, sie hat Hagel, wir haben regelmäßig Eltern, die kommen gleich mit dem Rechtsanwalt. Das finde ich schon auch. Also das geht halt auch nicht.
Sprecher 3: Was würdet ihr konkret in den Reformen machen, in den Strukturen? Frühkindliche Bildung habe ich verstanden, Fokus muss da drauf. Muss es kostenloses Kindergartenjahr geben, auch in Baden-Württemberg?
Sprecher 9: Wir sehen, dass bei uns ein Großteil der Kinder in Klasse 1 auf Grüßen, Und der deutschen Sprache dem Lehrer nicht folgen kann. Deshalb bin ich sehr dafür, dass wir über ein verpflichtendes letztes Kindergartenjahr sprechen, wo wir genau den Fokus legen aufs schulreife Kind. Und wenn wir das verpflichtend machen, dann muss es logischerweise auch kostenlos sein. Durch sehr hohe Kita- und Kindergartenbeiträge werden oftmals Kinder auch von der Kita mit einer krassen Hürde abgehalten. Denen es allzu oft vielleicht für ihre spätere Bildungskarriere helfen würden. Wir haben in Baden-Württemberg mit über 40 Prozent den zweithöchsten Anteil an Migranten nach NRW. Diese Fragen müssen wir uns stellen und beantworten. Davor haben wir uns lange gedrückt, auch wir als CDU.
Sprecher 3: 2026 sind die nächsten Landtagswahlen. Sind Sie da eigentlich schon 40, Herr Hagel?
Sprecher 9: Nö.
Sprecher 3: Das muss man aber offenbar dann auch nicht, um Ministerpräsident zu werden im Land.
Sprecher 9: Lothar Späth war unter 40, als er MP geworden ist und er ist ein guter Ministerpräsident für dieses Land gewesen.
Sprecher 3: Also die Spitzenkandidatenfrage ist schon geklärt, entnehme ich Ihren Worten, aber die andere Spitzenkandidatur innerhalb der CDU in Deutschland, die ist noch nicht ganz geklärt, die Kanzlerkandidatenfrage. Immerhin ein halbes Jahr bevor im Ländle gewählt wird, wird im Bund gewählt, ist für Sie ja eine wichtige Frage, wie die CDU in der Bundestagswahl abschneidet und wie sie dann auch regiert, weil das könnte ja auch entscheiden für die erste Landtagswahl danach sein. Also wen wünschen Sie sich?
Sprecher 9: Geht es zuallererst mal um Deutschland und nicht um die CDU.
Sprecher 3: Wen wünschen Sie sich für Deutschland?
Sprecher 9: Und deshalb ist es für dieses Land besser, wenn die CDU eine Regierung anführt. Ich bin ja schon mal froh an Ihrer Frage. Weil normal fragen mich ja alle Journalisten, so die Treffer, Hagel war die Spitzenkandidat. Und wenn mir jeder Journalist eine halbe Bier bezahlen würde, der mir diese Frage stellt, möchte sich keine Brauerei in Baden-Württemberg mehr Sorgen machen um ihren Umsatz.
Sprecher 3: Liegt halt nahe die Frage.
Sprecher 9: Und ich antworte auf die Frage, die Sie mir nicht gestellt haben in Baden-Württemberg, immer so. Dass ich sage, das Erstzugriffsrecht für eine Spitzenkandidatur liegt immer beim Partei- und Fraktionsvorsitzenden.
Sprecher 3: Das gilt für Manuel Hagel genau wie für Friedrich Merz.
Sprecher 9: Und das gilt auch in Berlin.
Sprecher 3: Aber wäre es auch eine gute Lösung?
Sprecher 9: Ja klar, Friedrich Merz soll... Und muss unser Spitzenkandidat werden. Er hat die richtigen Antworten auf die Fragen der Zeit. Er packt an. Und genau darum, wo es jetzt geht, um unsere Rolle in der Welt, um die Wettbewerbsfähigkeit und die Standardsicherung für unsere Wirtschaft, um gute Arbeitsplätze der Zukunft und um die Lösung unseres Migrationsproblems und die Stärkung der inneren Sicherheit, ist Friedrich Merz der richtige Mann.
Sprecher 3: Und muss er, bevor er nach Nürnberg fährt, um ein Weißwurstfrühstück mit Herrn Söder einzunehmen, muss er vorher die CDU-Landeschefs zum Beispiel im zweitgrößten Mitgliederverband anrufen und das mit denen klären? Oder soll es eine Gesitzung geben? Wie läuft dieses Verfahren ganz genau? Wenn es nach Ihnen geht.
Sprecher 9: Zuerst bin ich super froh, dass Friedrich Merz und Markus Söder sehr gut miteinander auskommen und diesen Prozess nach den Landtagswahlen im Osten gemeinsam miteinander beantworten.
Sprecher 3: Möglichst schnell nach den Landtagswahlen, Ihrer Meinung nach?
Sprecher 9: Das ist gut und richtig so. Weil die Union ist bärenstark. Wenn sie geschlossen ist, sie wird aber immer scheitern, wenn sie streitet. Habe ich im Übrigen auch bei der letzten Bundestagswahl gelernt. Dass uns das jetzt nicht mehr passiert, darüber bin ich super froh. Zweiter Punkt, die CDU Deutschlands ist genauso wie unser Land föderal aufgebaut, mit starken Landesverbänden. Friedrich Merz hat genau dieses Verständnis, dass das nicht top-down gemacht wird, sondern bottom-up. Und deshalb ist es bei uns in der Partei eine Selbstverständlichkeit, dass wir das gemeinsam besprechen. Die Landesvorsitzenden mit Bundesvorsitzenden, die Fraktionsvorsitzendenkonferenz, die CDU-CSU-Bundestagsfraktion. Von daher ist in der Frage kein Muss oder Fordern. Es ist unser Selbstverständnis, das so zu tun.
Sprecher 3: Gibt es eigentlich eine Charaktereigenschaft, die nur der Oberschwabe hat und sonst keiner im Ländle?
Sprecher 9: Baden-Württemberg ist ja ein kleiner Vielvölkerstaat. Aber jetzt glaube ich, dass der Oberschwabe auch durch unsere Vergangenheit, wir waren ja lange vor der Österreich, glaube ich, die positive Eigenschaft des Schwaben hat, sehr verlässlich, akribisch, sparsam zu sein. Ich habe gut, dass das kommt, darum sage ich lieber mal sparsam zu sein. Und aber auch die Eigenschaft des Partners, Lebensfreude, Gelassenheit miteinander verbindet. Und deshalb vereint sich im Oberschwaben immer... Beste aus diesem Land.
Sprecher 3: Dass sie genießen und feiern können, das haben wir vergangene Woche bei einem Stallwächterparty in baden-württembergischen Landesvertretung erlebt. Vielen Dank für dieses Gespräch, lieber Herr Hagel.
Sprecher 9: Thank you, Nensil.
Sprecher 2: Die Katerstimmung im Land ist immer noch groß. Das Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vom Freitagabend erschien doch vielen nicht nur als unfair und tragisch, sondern auch als überaus unglücklich. Aber eine gute Sache hatte es doch. Unser Nationaltrainer Julian Nagelsmann hat die richtigen Worte gefunden. Er hat appelliert an den Zusammenhalt im Land, hat gesagt, es gibt auch viel wichtigere Dinge als den Fußball. Aber das, was für den Fußball gilt, gilt doch in den anderen Bereichen auch. Lasst uns gemeinsam die Anstrengungen meistern. Lasst uns zusammenhalten und lasst uns nicht immer alles so schlecht reden in diesem Land. Damit sprach mir Julian Nagelsmann absolut aus der Seele. Und wenn er nicht so ein fantastischer Bundestrainer wäre, könnte man sagen, er könnte auch in Deutschland zumindest mal die Abteilung Heimat im Bundesinnenministerium leiten. Meine Empfehlung. Aber nun haben wir zwei Fußballexperten, die Sie schon kennen. Florian Fischer. Und Michael Horeni und Sie schauen zurück auf das Spiel vom Freitagabend und was es für die Nationalmannschaft bedeutet. Vielleicht ja auch etwas Gutes, das ja manchmal im Schlechten.
Sprecher 10: Der EM-Table. Alle Infos rund um die Europameisterschaft zu Hause.
Sprecher 11: Ja, die Viertelfinals sind gespielt, die Halbfinalspiele stehen fest. Was auch auf jeden Fall schon sicher ist, ist die deutsche Mannschaft ist nicht dabei. Da haben wir ja schon drüber gesprochen. Michael, trotzdem lass uns einmal ganz kurz auf die deutsche Mannschaft gucken. Wie wird es jetzt nach diesem doch bitteren Ausscheiden für die Mannschaft weitergehen? Kann man da schon was absehen?
Sprecher 12: Was man mit Sicherheit absehen kann, ist, dass sich die gesamte Stimmung rund um die Nationalmannschaft komplett gedreht hat, komplett verändert hat. Und dass sich auch der Geist der Nationalmannschaft und auch die Fähigkeiten, Widerstände zu überwinden, auch mit altdeutschen Tugenden wie Kampfkraft und Widerstandskraft wieder am Start zu sein, dass das jetzt vorhanden ist. Das ist die dauerhafte Veränderung, dass wir einen Trainer haben, der in der Lage ist, auch gut zu coachen, was in der Vergangenheit oft nicht der Fall war. Und dann sicher die Frage, Toni Kroos wird nicht mehr dabei sein. Da wird man, denke ich, auf mittlere Sicht vielleicht dann hoffen, Spieler wie Pavlovic in so eine ähnliche Rolle zu bekommen. Aber da das gesamte Gerüst jetzt stabiler ist, das Selbstbewusstsein gestiegen ist, wird das sicher eine leichtere Aufgabe sein, als das der Fall gewesen wäre, vor einem halben Jahr eine Mannschaft so zu verändern. Die Frage sein, was ist mit den verdienten älteren Spielern oder alten Spielern, muss man ja im Sportjargon schon sagen. Manuel Neuer, 38, Thomas Müller, die verdienten Weltmeister dazu, Ilkay Gündogan. Da denke ich, das wird sich nicht von heute auf morgen entscheiden. Da wird der Bundestrainer sicher mit dem... Den Spielern die Zeit geben, dass die sich darüber im Klaren werden, was sie noch wollen. Aber da kann ich mir gut vorstellen, dass wir Manuel Neuer und Thomas Müller in zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft nicht mehr sehen werden. Bei Ilka Gündogan, da würde ich sagen, ist das eine offene Sache. Vielleicht wird es da auch so eine Lösung am Ende geben. Da wird es immer eine Leistungsfrage sein und dann wird am Ende entschieden werden, ob es da vielleicht eine Möglichkeit gibt, wieder für ihn dabei zu sein oder nicht. Aber das wird man sehen. Aber ich glaube, das sind jetzt nicht mehr die ganz, ganz großen Fragen, die für die Leistungsfähigkeit der deutschen Mannschaft von entscheidender Bedeutung sein werden, der Kern der Mannschaft steht.
Sprecher 11: Vor allen Dingen die jungen Wilden haben sich ja gut eingebracht. Das ist auf jeden Fall etwas, worauf man in Zukunft aufbauen kann. Aber wie gesagt, in dieser EM werden wir nicht mehr sehen, wohin das alles noch führt. Was wir aber sehen werden, ist, wie sich die anderen vier Mannschaften, die noch dabei sind, schlagen. Wir haben die Halbfinalpaarung, die aus meiner Sicht sehr spannende, Spanien gegen Frankreich. Was erwartest du da für ein Spiel? Wird es ein Offensivfeuerwerk oder halten die Franzosen an ihrer bis jetzigen Taktik fest und sagen, naja, wir verteidigen erstmal so lange wie es geht und dann reicht uns eigentlich eine große Chance.
Sprecher 12: Ich denke, du sagst das. Also, dass die Franzosen ihre Herangehensweise, die sie auch in den letzten Turnieren schon an den Tag gelegt haben, jetzt ändern werden. Damit ist überhaupt nicht zu rechnen. Das Einzige, was passieren kann, ist, dass ein frühes Tor die Situation ändert. Aber ansonsten wird Frankreich mit einem Gegentor bisher im Turnier genau auf diese Stärke weitersetzen. In der Defensive sicher zu stehen und das ein oder andere Tor, dass sie in der Lage sind zu schießen, auch wenn Mbappé bei diesem Turnier überhaupt nicht in der Form ist, in der er sein könnte. Sicher, die Verletzung spielt da eine größere Rolle, war ja jetzt auch wieder noch ein Schlag oder ein Ball nochmal ins Gesicht bekommen, dann folgte ja auch die Auswechslung. Aber trotzdem ist die Mannschaft immer noch individuell so gut besetzt, dass ich davon ausgehe, dass sie den entscheidenden Treffer auch in der regulären Spielzeit im Halbfinale erzielen können. Und ihre Qualitäten beim Elfmeterschießen, das gilt ja sowohl für beide Mannschaften, die Franzosen, aber auch die Engländer, haben beide in den Elfmeterschießen individuell ihre absoluten Stärken gezeigt, ihre Qualität gezeigt. Da war jeder Elfmeter hervorragend geschossen. Das war kein Glück, sondern das war Ausdruck von individueller Klasse und Druckresistenz.
Sprecher 11: Was glaubst du, wer setzt sich dann in diesem Halbfinale durch, Spanien oder Frankreich?
Sprecher 12: Ich tippe in diesem Halbfinale im Ersten, dass sich Frankreich durchsetzen wird. Ich denke auch, dass die Spanier sehr viel Energie gelassen haben im Viertelfinale gegen uns. Und ich glaube, dass sich im anderen... im anderen Halbfinale die Engländer durchsetzen werden. Da aber vielleicht eben, wie gesagt, auch erst im Elfmeterschießen, da traue ich es Ihnen nicht unbedingt zu, aus dem Spielverlauf heraus in den ersten 120 oder den ersten 90 Minuten eine Entscheidung gegen die Holländer zu erzielen. Insgesamt würde ich sagen, dass die Holländer für mich, das waren die vier Mannschaften, die man auch im Halbfinale bzw. Mit den Deutschen erwarten konnte. Ich glaube, dass die Holländer bei dem Spiel gegen die Türkei doch gezeigt haben, dass sie anfälliger sind als die anderen Mannschaften. Von daher glaube ich, dass wir im Finale dann sehen werden, England gegen Frankreich.
Sprecher 11: Und wahrscheinlich dann dein Tipp, dass wir einen französischen Europameister sehen.
Sprecher 12: Das muss man mal sehen, ob es durch irgendwelche gelben Karten, roten Karten vielleicht dann nochmal Veränderungen gibt. Aber Stand heute würde ich sagen, ist Frankreich für mich der Favorit, absolut, ja.
Sprecher 11: Ja, dann sind wir mal gespannt, ob du mit deinem Tipp richtig liegst. Ich würde ja auf die Spanier tippen, die uns sehr aus dem Turnier geworfen haben. Dann kann man hinterher immer noch behaupten, wir haben gegen den Europameister verloren. Dann ist das alles wieder nur halb so schlimm. Wir werden das auf jeden Fall weiterhin sehr intensiv verfolgen. So lange geht diese EM ja leider nicht mehr. Michael, danke dir erstmal an dieser Stelle für diese Einschätzung der Halbfinalpartien.
Sprecher 12: Ja, und ich habe natürlich absolute Sympathie dafür, dass die Spanier gewinnen, weil ich finde, das ist tatsächlich bisher die spielstärkste Mannschaft gewesen. Und von daher gibt es da immer die Sympathie, dass sie da weiterkommen. Aber wie gesagt, ich fürchte, es wird im Halbfinale eben nicht reichen. Aber wir werden uns freuen.
Sprecher 1: Das sprechen.
Sprecher 2: Vor uns liegt noch eine ganze Fußballwoche bis zum nächsten Sonntag. Wenn auch ohne deutsche Beteiligung, ist es natürlich spannend, denn im eigenen Land ist was los. Begeisterte Fans aus anderen Ländern. Deutschland ein beliebter Gastgeber. Das ist doch eine gute Nachricht. Kommen Sie gut durch diese Woche. Erstmal kommen Sie gut durch diesen Montag. Wenn Sie Lust haben, sind wir morgen um sechs wieder für Sie da. Macht es gut bis dahin, Ihre Helene Poprowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.