Hört die Politik der Wirtschaft zu, Frau Ostermann?
Dauer: 23:01

Hört die Politik der Wirtschaft zu, Frau Ostermann?

Die Opposition sieht Deutschland auf dem Weg in die Deindustrialisierung. Auch Marie-Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands ‘Die Familienunternehmer’ und geschäftsführende Gesellschafterin von Rullko Großeinkauf, treibt die Sorge um, dass Wirtschaftsunternehmen abwandern. Sie fordert den Abbau von Subventionen nach der Rasenmäher-Methode. Im Gespräch mit Helene Bubrowski wird klar, dass Ostermann im Grunde einen kompletten Mentalitätswechsel in der Wirtschaftspolitik fordert.


In den USA haben in der Nacht die wichtigsten demokratischen Gouverneure betont, dass sie hinter Joe Biden stehen. Die Formulierung, auf die man sich mit dem Weißen Haus geeinigt hat, lautet: „He’s in it to win it.“ Die Zweifel an Joe Biden sind damit aber nicht ausgeräumt. Wir sprechen mit Martin Biesel in Washington. Er leitet das Regionalbüro Nordamerika der Friedrich-Naumann-Stiftung.


Schon morgen, am Freitag, soll der Haushaltskompromiss der Ampel stehen. Der Kanzler will gleich morgens die SPD-Frakton informieren. Wie könnte der Kompromiss aussehen?


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Transkript

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.

Sprecher 2: Zum Rapport. Der US-Präsident Joe Biden trifft demokratische Gouverneure und soll so Zweifel an seiner Amtseignung ausräumen. Ganz Amerika redet über den Gesundheitszustand des Präsidenten.

Sprecher 3: Zusammenhalt. Der Kanzler verspricht im Bundestag eine Einigung im Haushalt und wir sagen erste kleine Details.

Sprecher 2: Zu Tisch. Familienunternehmerin Marie-Christine Ostermann und ihr Blick auf die Lage des deutschen Mittelstands.

Sprecher 3: Zum Nachtisch kommt ein Europameister und ein Weltmeister zu uns in den Podcasts und sagt uns, ob Deutschland eine Show gegen Spanien hat.

Sprecher 2: Los geht es an einem hoffentlich schönen Tag. Es ist Donnerstag, Independence Day, 4th of July.

Sprecher 4: Berlin. Die Bundesregierung berät über weitere Entlastungen für die Wirtschaft und hat dafür einen Ausschuss gebildet.

Sprecher 5: Schluss mit Schneckentempo in Berlin und Brüssel. Jetzt wirksame Entlastungen und Reformen voranbringen. Damit die Chemie- und Pharmaindustrie wettbewerbsfähig bleibt.

Sprecher 6: Wenn die Bundesregierung jetzt auf den letzten Metern berät über den Haushalt, den sie diesem Parlament vorschlägt für das nächste Jahr, auch das sind dann die klaren Kriterien, um die das geht. Sicherheit, Wachstum und Zusammenhalt für die Zukunft. Ich bin überzeugt, dass uns das auch gelingen wird und dass wir deshalb eine entsprechende Perspektive für unser Land entwickeln können. Ansonsten freue ich mich auf Ihre Fragen.

Sprecher 3: Ja, der Bundeskanzler hat sich nun festgelegt, die Haushaltseinigung kommt. Schon am Freitag soll es eine Sondersitzung der SPD-Fraktion geben. Offenbar sind dort schmerzhafte Beschlüsse zu verkaufen. Helene, die Ampel, sie regiert doch noch.

Sprecher 2: Um 7 Uhr morgens sollen die Sozialdemokraten schon zusammenkommen und sollen dann informiert werden über das Ergebnis für den Haushalt 2025. Allerdings gibt es durchaus Zweifel. Ich habe mit Grünen gesprochen, die gesagt haben, naja, wir glauben es auch wirklich erst dann, wenn es soweit ist. Die FDP sei so hoch auf den Baum geklettert, so heißt es wieder, dass die Frage ist, sind sie wirklich bis Freitag um 7 Uhr morgens runtergestiegen?

Sprecher 3: Also zwei oder drei Themen, wir sprachen ja bereits darüber, zeichnen sich ab und die könnten gerade für Sozialdemokraten durchaus schmerzhaft werden, denn es soll Änderungen am Bürgergeld geben. Konkret geht es um den sogenannten Selbstbehalt bei der Aufnahme oder bei der Ausweitung eines Jobs. Und da sollen die Menschen, die aus dem Bürgergeld rausgehen, die sollen mehr behalten dürfen. Also durch zusätzliches Einkommen raus aus dem Bürgergeld. und weniger davon verrechnen lassen mit dem Bürgergeld. Das sind die berühmten Arbeitsanreize, über die jetzt ja schon Wochen diskutiert wurden. Und da wird es Änderungen geben, zumal auch der Bedarf für die Bürgergeldempfänger verändert werden soll. Also es soll nicht 2025 nochmal zu einer 12-prozentigen Erhöhung kommen.

Sprecher 2: Ja, und das ist dann in der Tat eine Frage, wie die Sozialdemokratie das aufnimmt, weil der Kanzler ja mehrfach gesagt hat, die rote Linie sei keine Abstriche beim Sozialstaat. Dann ist das eine Frage der Definition. Was ist eigentlich der Sozialstaat und was gehört dazu? Die SPD war ja besonders stolz auf das Bürgergeld und darauf, dass sie damit das Trauma Hartz IV endlich überwinden konnten. Ja, Michael, was droht da am Freitag morgens um sieben?

Sprecher 3: Ja, ich glaube, die SPD kann das gut verkaufen. Gerade Hubertus Heil hat immer gesagt, Aufstieg durch Arbeit und die Partei, du hast ja gestern mit Carsten Schneider darüber gesprochen, die SPD versteht sich als Partei der Arbeiter, nicht als Partei der Arbeitslosen. Jetzt kommt es zum Schwur. Jetzt kann sie mal beweisen, dass sie wirklich die Arbeitsanreize für Bürgergeldempfänger erheblich ausweiten will, vielleicht sogar nochmal an der Sanktionsschraube dreht. Und zugleich, das hat der Kanzler ja sogar öffentlich jetzt gemacht, soll es auch Steuererleichterungen geben für Ausgaben, für Forschung und Entwicklung. Also auch da passiert nochmal was, was die Unternehmen entlastet. Denn dieses Dynamisierungspaket, Helene, es wird auf jeden Fall mit den Haushaltsbeschlüssen zusammen vorgestellt.

Sprecher 2: Ja, wobei das Dynamisierungspaket natürlich erstmal vor allem ein schönes Wort ist.

Sprecher 3: Stimmt.

Sprecher 2: Ebenso wie Wachstumschancengesetz. Was steckt dann drin? Was bewirkt es wirklich? Ist es wieder nur ein homöopathischer Tropfen oder diesmal wirklich mehr? Ja, aber am Ende gehört natürlich zu einer Einigung, dass alle etwas geben. Auch die Grünen werden bluten müssen. Es wird mutmaßlich weniger Geld da sein für die Transformation der Wirtschaft zur Klimaneutralität. Der KTF wird nicht so aufgefüllt sein, wie die Grünen das gerne hätten und Robert Habeck das gerne hätte. Aber so ist Politik. Kompromiss. Jeder macht Abstriche.

Sprecher 3: Der Wachstumsturbo kommt und wir werden analysieren, ob er auch wirklich zündet.

Sprecher 6: Und will Ihnen deshalb sagen, genau daran arbeitet die Regierung in diesem Moment. Und zusammen mit dem Haushalt wollen wir genau einen solchen Wachstumsturbo auch vorstellen.

Sprecher 2: Ja, der Wachstumsturbo kommt dein Wort in des Kanzlers Ohr hoffentlich. Die Frage, Michael, ist, ob auch Joe Biden kommt. Es gibt eine Umfrage unter amerikanischen Wählern und ein Drittel ist mittlerweile der Meinung, Joe Biden soll seinen Stuhl freimachen für einen anderen demokratischen Bewerber.

Sprecher 3: Ja, also Helene, unsere Meinung dazu ist ja klar. Es wird Zeit, dass er geht, aber ob er den Mumm dazu hat und die Kraft dazu findet, sich selbst eigentlich jetzt rauszunehmen aus dem Rennen, das ist doch noch die offene Frage, oder?

Sprecher 2: Ja, ist die offene Frage, ob er nicht auch zu stolz ist, diesen Schritt zu gehen, der ja das Ende seiner Karriere bedeutet. Man muss es aber ja nicht als unehrenhaft empfinden. Man kann ja sagen, da hat jemand die Größe, im richtigen Moment zu gehen und nicht mit einer Wahlniederlage, sondern vorher und den Platz freizumachen. Es ist die offene Frage, ob er nicht auch zu stolz ist, diesen Schritt zu gehen, der ja das Ende seiner Karriere bedeutet. Man muss es aber ja nicht als unehrenhaft empfinden. Man kann ja sagen, da hat jemand die Größe, im richtigen Moment zu gehen und nicht mit einer Wahlniederlage, sondern vorher und den Platz freizumachen. Es ist jedenfalls schon dramatisch, wenn im Pressbriefing im Weißen Haus sich eine Stunde die Frage alleine darum dreht, ob der Präsident jetzt eine Erkältung hatte oder ob er doch noch am Jetlag leidet oder ob er andere Mental Health Probleme hat, ob es eigentlich Gesundheitsrecords gibt oder nicht. Dass wir darüber in diesen Zeiten, die politisch so turbulent sind, so viel reden müssen, ist schlimm.

Sprecher 7: What medications was he taking in the days or hours leading up to the debate? Did the president get examined by a doctor or did he get an ear, like, is anyone in the White House hiding information about the president's health?

Sprecher 8: He still has a cold. He seemed to be clearing his throat a bit. He still has a cold.

Sprecher 7: Yes, I asked. Would he be willing to provide more medical information? Would he be willing to have a... If this is an episode or is this is a condition?

Sprecher 2: Die Frage, wie es jetzt weitergeht bei den Demokraten in Amerika, was in Washington diskutiert wird, das kann uns Martin Biesel sagen. Er ist Leiter des Regionalbüros Nordamerika der Friedrich-Normann-Stiftung und ehemaliger Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Hallo Herr Biesel.

Sprecher 9: Guten Morgen aus Washington.

Sprecher 2: Wie heftig rumort es denn? Wie stark ist Joe Biden unter Druck?

Sprecher 9: Also da ist ordentlich Dampf im Kessel bei den Demokraten. Die Umfragen zeigen, dass das TV-Duell in den entscheidenden Swing States geschadet hat. Das Biden-Team versucht, die Diskussion über die geistige Fitness von Joe Biden wieder zurück in die Flasche zu bekommen. Das ist bisher nicht gelungen.

Sprecher 2: Ein erster Kongressabend. Abgeordneter der Demokraten, nämlich der Texaner Lloyd Dodgett, hat sich jetzt hervorgewagt und hat als erster gefordert, dass Biden Platz machen soll für einen anderen Kandidaten. Ja, Joe Bidens Team hat jetzt gleich mehrere Gründe genannt, warum das TV-Duell so schlecht lief. Erst hieß es, er sei krank, habe eine Erkältung. Dann soll es auf einmal der Jetlag gewesen sein aufgrund von zwei Europareisen. Macht nicht Joe Biden mit diesen Ausflüchten eigentlich alles schlimmer?

Sprecher 9: Also es ist natürlich nie schön, eigene Schwächen einzugestehen, aber ich sehe hier, dass es der nachvollziehbare Versuch, den schwachen Auftritt im TV-Duell als Ausnahme erscheinen zu lassen. Aber ich fürchte nur, diejenigen, die den TV-Auftritt gesehen haben, glauben nicht, dass es sich um ein Jetlag gehandelt hat, sondern eher ein grundsätzliches Problem der Altersschwäche.

Sprecher 2: Na und er hatte ja auch diverse andere Aussetzer schon in den vergangenen Monaten Videos, die ihm gezeigt haben, wie er sich irgendwie in die falsche Richtung drehte und anderes. Das wird jetzt natürlich alles wieder ausgepackt und auch von interessierter Seite, aber auch eben von anderer Seite sich genau angeschaut und er erscheint eben als Präsident, der nicht ganz zurechnungsfähig mehr ist. Was glauben Sie denn, was passiert, wenn er bleibt?

Sprecher 9: Ich glaube, es ist wahrscheinlich, dass er bleibt. Denn wenn er ginge, da die Nachfolgefrage ungeklärt ist, käme es zu einer offenen Feldschlacht unter Demokraten bis zum Parteitag im August. Aber wenn er bleibt, wird er diese Debatte auch nicht mehr los. Jede Schwäche, jedes Stolpern, jeder Aussetzer wird medial riesengroß. Da wird schon die Kampagne von Donald Trump für sorgen, dass das nicht in Vergessenheit gerät. Und es ist auch die größte Schwäche von Joe Biden, dass er so einen Eindruck macht, dass er für eine folgende Amtszeit nicht mehr fit ist.

Sprecher 2: Obwohl er ja eigentlich durchaus auf Erfolge in seiner Amtszeit zurückschauen kann, etwa die Wirtschaft, die nun in einer deutlich besseren Verfassung ist. Aber das heißt, wir müssen uns in Europa einstellen auf einen Präsidenten Trump. Mehr denn je.

Sprecher 9: Also es ist sicherlich eine Schwäche, aber die Messe ist noch nicht gelesen. Viele Demokraten werden sich am Ende, am 5. November oder in ihrer Briefwahlentscheidung fragen, ob sie durch ihre Wahlenthaltung dazu beitragen, dass Donald Trump Präsident wird. Und da glaube ich, da werden dann doch viele mit der Faust in der Tasche am Ende Joe Biden wählen.

Sprecher 2: Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Biesel.

Sprecher 9: Ich danke.

Sprecher 2: Auf das Dynamisierungspaket, über das wir gerade schon sprachen, hofft natürlich insbesondere die Wirtschaft. Denn die, und das ist wahrscheinlich eine große Untertreibung, ist nicht uneingeschränkt zufrieden mit der Politik von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Wobei manche Vertreter auch mal so und mal so klingen. Jetzt am Tisch sitzt bei uns Marie-Christine Ostermann. Sie ist Präsidentin des Verbands Familienunternehmer und geschäftsführende Gesellschafterin von Rolco Großeinkauf. Und sie wird uns sagen, welche Forderungen sie an die Politik hat, was in dieser Legislaturperiode noch passieren soll. Hallo Frau Ostermann, schön, dass Sie da sind.

Sprecher 10: Herzlichen Dank für die Einladung.

Sprecher 2: Ja, wir wollen heute sprechen über die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung, was daran besser werden muss, kann und soll nach Ihren Vorstellungen. Da fange ich erstmal mit einer Bestandsaufnahme an. Die Opposition, Friedrich Merz, sieht in Deutschland den schleichenden Prozess einer Deindustrialisierung, so hat er das neulich mal gesagt. Und meine Frage ist, reden wir mit dieser Darstellung nicht unser Land auch schlecht, ist nicht Wirtschaft zumindest auch zu 50 Prozent Psychologie, wie das ein berühmter Wirtschaftsminister mal gesagt hat.

Sprecher 10: Natürlich ist Wirtschaft auch Psychologie und gerade wir Familienunternehmer sind von unserer DNA her grundsätzlich optimistisch. Auch gerade haben wir 75 Jahre die Familienunternehmer gefeiert unter dem Motto mit Zuversicht nach vorne. Aber dafür ist es eben wichtig, dass der Standort Deutschland auch die richtigen Rahmenbedingungen hat für erfolgreiches Familienunternehmertum. Wir müssen wieder wettbewerbsfähig werden und deswegen brauchen wir dringend eine Angebotspolitik, die für Kostensenkung sorgt. Und da müssen wir uns auch klar und deutlich äußern, auch nichts schönreden, natürlich auch nichts schlechtreden, aber ganz konkret sagen, was passieren muss, damit es wieder besser wird.

Sprecher 2: Droht denn tatsächlich eine Deindustrialisierung in Deutschland?

Sprecher 10: Also es ist schon groß so, dass namhafte Mitglieder auch unseres Verbandes teilweise ins Ausland abwandern und ihre Produktion jetzt im Ausland tätigen, weil der Standort Deutschland einfach zu teuer geworden ist. Ein Beispiel ist ja auch das Unternehmen Miele. Es gibt von mir Unternehmen, die insolvent gehen, die leise schließen. Das kriegt die Öffentlichkeit nicht so mit. Also wir sehen schon, dass der Trend hingeht zur Deindustrialisierung in Deutschland aktuell.

Sprecher 2: Christian Lindner, der Bundesfinanzminister und Robert Habeck, der Bundeswirtschaftsminister, wollen jetzt zusammen dieser Entwicklung, die Sie beschrieben haben, begegnen, indem Sie ein Dynamisierungspaket vorlegen. Was erwarten Sie von der Bundesregierung?

Sprecher 10: Ich erwarte absolut Kostensenkung. Wir müssen wettbewerbsfähig werden. Das heißt massiven Bürokratieabbau, der möglichst schnell erfolgen muss. Schon 2022 wurde uns ein Belastungsmoratorium bei Bürokratie versprochen. Es wurde bisher aber so gut wie nicht eingelöst. Die Steuern müssen sinken, mindestens auf EU-Durchschnitt. Auch die Sozialabgaben sind mit 41 Prozent des Bruttolohns viel zu hoch. wie die Energiekosten, die international gesehen auch einfach zu teuer sind. Hier brauchen wir überall Kostensenkung.

Sprecher 2: Bürokratieabbau, da nimmt ja die Bundesregierung für sich in Anspruch, schon einiges getan zu haben. Manches wird dann so ridikulisiert, zum Beispiel, dass die Aufbewahrungsfrist jetzt von zehn auf acht Jahre gesenkt worden ist für handels- und steuerrechtliche Belege. Ist da irgendetwas dabei, wo Sie sagen, das bringt tatsächlich was oder ist das alles nur Makulatur?

Sprecher 10: Was etwas bringt, ist im Nachweisgesetz, dass Arbeitsverträge jetzt digital abgespeichert werden dürfen. Vorher mussten die immer ausgedruckt vorliegen, was dem Trend der Digitalisierung absolut entgegenspricht. Aber das ist natürlich nur eine kleine Maßnahme, die für wenig Entlastung sorgt. Wir hatten ja in Deutschland jetzt auch im letzten Jahr über die Bundesregierung das Mini-Wachstum-Chancengesetz mit drei Milliarden Euro Entlastung, auch im Bürokratiebereich. Aber leider kommen immer mehr neue Gesetze auch aus Brüssel. Hier nimmt die Bundesregierung zu wenig Einfluss, um eben noch viel mehr teure Bürokratie zu verhindern. Ganz konkret mein Unternehmen ist zum Beispiel jetzt von der Nachhaltigkeitsberichterstattung betroffen, die frisch schon mal die Hälfte der Entlastung des Wachstumschancengesetzes von drei Milliarden wieder auf.

Sprecher 2: Ja, viele Unternehmen, gerade die kleineren Unternehmen, sind ja mit den Berichtspflichten zu Nachhaltigkeit vollkommen überfordert. Hilft Ihr Verband eigentlich da? Leisten Sie da Hilfestellung als Verband?

Sprecher 10: Was wir machen, wir setzen uns eben in der Politik dafür ein, dass Bürokratie gar nicht erst entsteht. oder dass sie abgebaut wird. Wir haben mit anderen Verbänden beispielsweise auf 700 Seiten 400 Vorschläge gemacht, wie Bürokratie ganz konkret abgebaut werden kann. Im Bereich Arbeit und Soziales hatten wir 85 Vorschläge, davon sollen jetzt vier umgesetzt werden. Das ist natürlich einfach viel zu wenig. Was ist das für eine Reform?

Sprecher 2: Oftmals werden sie von der Bundesregierung ja nicht gehört. Woran liegt das und wann hatten Sie eigentlich den letzten Termin bei Wirtschaftsminister Habeck?

Sprecher 10: Ja doch, wir werden schon gehört von der Bundesregierung, auch mit Wirtschaftsminister Habeck war ich letztes Jahr mehrere Male verabredet. Wir haben uns auch dieses Jahr schon persönlich getroffen und gesprochen und er hat auch öffentlich Anfang des Jahres gesagt, dass er sieht, dass es ein Problem ist, dass die Wirtschaft schrumpft, dass wir da handeln müssen, aber es folgen einfach keine Taten. Es sind immer nette Worte und nach außen erstmal hin Verständnis, aber es folgen keine Taten, kein Handeln, was dem dann auch gerecht wird.

Sprecher 2: Wie erklären Sie sich das?

Sprecher 10: Wirtschaftsminister Habeck möchte am liebsten Subventionen verteilen für Projekte, Branchen und Unternehmen, die in seine grüne Agenda passen. Subventionen sind aber sehr teuer, führen zu Abwarten, führen nicht dazu, dass der Standort Deutschland entlastet wird, verzerren den Wettbewerb. Und er möchte gerne Mikro-Management betreiben, also im Detail alle Entscheidungen genau vorgeben, wie Unternehmen wirtschaften sollen. Das ist der falsche Weg. Wir brauchen einfach Kostensenkung, Entlastung, damit Unternehmen selbstständig handeln können und auch eigene Entscheidungen treffen können. Nur so kommen wir dahin, dass wir wieder investieren. und wachsen können.

Sprecher 2: Mit Subventionen von Robert Habeck, die, wie Sie sagen, in seine grüne Agenda passt, meinen Sie ja die Hilfestellung bei der Bewältigung der Transformation, nehme ich an. Halten Sie denn diesen Weg grundsätzlich für falsch? Glauben Sie nicht, dass das notwendig ist, um auch die Klimaziele, die internationalen und die europäischen einzuhalten, die Industrie insofern umzurüsten, dass sie künftig klimaneutral produzieren kann?

Sprecher 10: Wir müssen unbedingt klimaneutral werden. Das ist der richtige Weg. Und wir könnten das auch marktwirtschaftlich effizient und innovativ erreichen über den europäischen Emissionshandel für alle Sektoren, der so schnell wie möglich vorgezogen werden müsste nach Deutschland, in Kombination mit einem pro Kopf Klimageld, was jeden einzelnen Menschen dazu motiviert, CO2 einzusparen. Und das ist eben auch der kostengünstigste Weg, der am besten funktioniert. Stattdessen gibt Robert Habeck im Detail vor, beispielsweise über das Heizungsgesetz, wie Unternehmen zu entscheiden und zu handeln haben in Zukunft. Das führt zu Abwarten, das führt zu Verzögerungen, zu sehr viel Bürokratie. Wir bauen gerade ein Gebäude klimaneutral um in unserem Unternehmen und haben jetzt schon ein Jahr Verzug aufgrund der unfassbar komplizierten und langen Genehmigungsverfahren. Und auch wir werden jetzt Subventionen nicht in Anspruch nehmen über die KfW, weil es einfach zu langwierig und kompliziert ist und so viel Kraft und Zeit bindet. Wir investieren jetzt einfach selber, um schneller voranzukommen. Aber viele Unternehmen warten ab und gucken erstmal, wie sie vielleicht noch Subventionen bekommen können. Das ist aber der Fall.

Sprecher 2: Naja, gerade die großen energieintensiven Unternehmen, die Stahlindustrie zum Beispiel, die kann das gar nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Da stellt sich doch schon die Frage der staatlichen Hilfe, oder nicht?

Sprecher 10: Da stellt sich auf jeden Fall die Frage und die Lösung ist einfach, sämtliche Subventionen per Rasenmäher so viel kürzen, wie es nur eben geht und das Geld, was darüber eingespart wird, nehmen, um Kostensenkung zu erreichen. Steuersenkung für alle Unternehmen, egal welche Branche, egal welche Größe. Denn die Unternehmen können selber entscheiden, welche die besten Lösungen für die Zukunft sind. Es kann nicht sein, dass sich wenige Bürokraten und Technokraten dahin stellen und sagen, wir wissen alles besser als die vielen Marktteilnehmer, die tagtäglich in ihrer Praxis erleben, was die besten Lösungen sind und keine theoretischen Politiker.

Sprecher 2: In Ihren Forderungen, die Sie aufgezählt haben, kommt ein Begriff noch nicht vor, der sonst immer genannt wird und das ist der Fachkräftemangel. Ist Ihre Branche, sind die Familienunternehmen davon weniger betroffen?

Sprecher 10: Doch der Fachkräftemangel ist auch ein großes Problem und auch hier bräuchten wir viele strukturelle Reformen. Wir müssten gerade Eltern, meistens Mütter, motivieren, mehr arbeiten zu können. Das würde darüber gehen, indem wir nicht mehr Bürokratie aufbauen und das Personal, was dort gebunden ist, besser dort einsetzen, wo es nötig ist, nämlich als Betreuer in Kitas, auch in der Ganztagsschulbetreuung. Da wäre es eben wichtig und es wäre wichtig, dass Arbeitnehmer mehr netto vom Brutto erhalten, dass sich Arbeiten eben auch wirklich viel mehr lohnen. Also die Sozialabgaben sind mit 41 Prozent vom Bruttolohn einfach so hoch, dass... auch manche Arbeitnehmer, auch in unserer Branche, in der Logistikbranche sagen, dann ist eben auch das Bürgergeld für mich attraktiver. Wozu soll ich mich da so anstrengen und eine Extrameile gehen? Das lohnt sich nicht, weil so wenig Netto übrig bleibt.

Sprecher 2: Haben Sie Hoffnung, dass in dieser Legislaturperiode sich da noch viel bewegt?

Sprecher 10: Ich habe die Hoffnung, sagen wir es mal so, nicht aufgegeben. Die Regierung hat ja angekündigt, noch vor der Sommerpause eine Entscheidung vorzulegen, wie sie die Wirtschaft entlasten will. Und ich habe weiterhin große Hoffnung, dass da noch was passiert. Man könnte beispielsweise den Soli abschaffen. Das sind 12 bis 13 Milliarden Euro. Man braucht auch nicht den Bundesrat dazu. Man kann das also sehr schnell und auf eine einfache Art und Weise tun. Das würde die Wirtschaft so entlasten, dass wir das Signal hätten, Investitionen lohnen sich noch hier am Standort. Ein Hoffnungssignal. Und das muss jetzt auch wirklich dringend kommen.

Sprecher 2: Das möchte ja die FDP. Grüne und SPD sind da skeptisch. Grüne und SPD hingegen diskutieren immer mal wieder, ob man nicht die Erbschaftssteuer reformieren müsste, was natürlich auch Familienunternehmen möglicherweise stärker belastet. Was sagen Sie dazu?

Sprecher 10: Wir haben Rekordsteuereinnahmen, auch Rekordabgaben im Sozialversicherungsbereich. Dieses Land hat einfach kein Einnahmenproblem, sondern die Ausgaben werden nicht effizient eingesetzt. Wir haben viele strukturelle Probleme, die auch strukturell gelöst werden müssen. Das ist aber natürlich auch oft unbequem, beispielsweise bei der Rente. Die Arbeitszeit zu verlängern, dass die Menschen später in Rente gehen, der Lebenserwartung eben angepasst beispielsweise. Das sind alles unbequeme Reformen, die wir aber dringend brauchen, um langfristig eben wieder wettbewerbsfähig zu sein. Wenn wir jetzt die Steuereinnahmen erhöhen, dann haben wir wieder weniger Druck, um wirklich nötige strukturelle Reformen durchzusetzen. Würden wir die Erbschaftssteuer beispielsweise auf Betriebsvermögen erhöhen, würde das bedeuten, dass gerade Familienunternehmen noch weniger investieren am Standort Deutschland. Vielleicht ganz schließen müssen, noch mehr auch in die Insolvenz gehen müssen. Denn wir brauchen das Betriebsvermögen, um klimaneutral zu werden, um 80 Prozent aller Ausbildungsplätze weiterhin bereitstellen zu können, um 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze auch weiter sichern zu können und eben auch für die Investitionen in die Zukunft. Dafür brauchen wir dieses Betriebsvermögen und es den Unternehmen zu entziehen über eine höhere Erbschaftssteuer wäre sehr schädlich.

Sprecher 2: Vielen Dank, dass Sie heute bei Table Today waren, Frau Ostermann.

Sprecher 10: Danke Ihnen fürs Gespräch.

Sprecher 11: Der EM-Table. Alle Infos rund um die Europameisterschaft zu Hause.

Sprecher 2: Er war der goldene Schütze im Finale der EM 1996. Er war Manager des Weltmeister-Sommers 2014 und jetzt ist er Sportmanager. Michael Bröker hat bei der Sport-Business-Konferenz Neuland Oliver Bierhoff getroffen und mit ihm über die deutsche Elf gesprochen.

Sprecher 3: Kommen die Deutschen an diesem Freitag? Ins Halbfinale.

Sprecher 12: Ja, also ich bin fest von überzeugt. Ich finde, sie sind gut ins Turnier gestartet. Natürlich ist Spanien ein ganz starker Gegner, technisch sehr stark, finde ich auch mit einer hohen Intensität. Aber die Deutschen bringen alles mit. Geschlossenheit, große Motivation, haben auch eine hohe Intensität und auch... Wir haben Qualität gerade im vorderen Bereich und deswegen tippe ich ein 2 zu 1.

Sprecher 3: Die Frage aller Fragen, Havertz oder Füllkrug, Sané oder Wirz?

Sprecher 12: Ich würde gegen die Spanier wahrscheinlich mit Havertz und Wirz anfangen. Kai macht unglaublich viel Arbeit, hält den Ball gut fest. Und so toll, dass Niklas macht. Er macht es ja auch super, wenn er reinkommt. Und ist dann eben auch immer wieder noch eine Waffe für den Trainer, auch zu reagieren, als wenn er von Anfang an spielt.

Sprecher 2: Ein hoffnungsvoller Nachtisch war das jedenfalls für alle Sportfans, die jetzt schon auf den Freitagabend hinfiebern. Dazwischen liegt noch ein Donnerstag, der hoffentlich für Sie schön und nicht allzu lang wird. Machen Sie es gut, kommen Sie gut durch. Wir hören uns, wenn Sie Lust haben, am Freitagmorgen wieder. Machen Sie es gut bis dahin, Ihre Helene Bobrowski.

Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.