Sind maximale Gewinne moralisch, Frau Prof. Meckenstock?
Nach Informationen von Table.Briefings zeichnet sich bei den Haushaltsverhandlungen eine Annäherung zwischen den drei Partnern ab. Die Kosten für den sozialen Bereich könnten durch Einschnitte beim Bürgergeld gesenkt werden, insbesondere durch die Verschärfung von Berichtspflichten. Im Raum steht zudem ein anderer Vorschlag: Um den von der FDP geforderten Ausgleich der kalten Progression auch künftig zu finanzieren, soll Christian Lindner im Gegenzug zustimmen, dass für die Unterstützung der Ukraine zusätzliche Schulden aufgenommen werden, was SPD und Grüne befürworten.
Professorin Cordula Meckenstock ist Compliance-Beraterin, Expertin für Internationales Strafrecht und Mit-Initiatorin eines Demokratieprojekts mit dem Namen „Wir sind Partei”. Mit Michael Bröcker spricht Meckenstock über ethische Unternehmensführung und die Zukunft des Sorgfaltspflichtengesetzes. Und sie fordert, dass gerade jetzt möglichst viele engagierte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft in eine der demokratischen Parteien eintreten sollten.
Die Verbindung aus ernsthaftem Klimaschutz, Gesetzgebung und Bürokratie wird demnächst in der Ampelregierung zum Thema werden. Das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium von Robert Habeck arbeitet am Entwurf für einen „Klima-Check“ – einer Prüfung aller neuen Gesetze darauf, wie viel Treibhausgase durch sie entstehen. Die Idee: Neue Normen sollen noch in der Entstehung darauf abgeklopft werden, wie sehr sie dem Klimaschutz schaden oder nützen: Gesetze müssten so ihren „CO2-Fußabdruck“ ausweisen. Schon im Koalitionsvertrag hatten sich die Ampelparteien auf diesen Klima-Check geeinigt.
In den USA ist auch in der Woche nach dem TV-Duell noch keine Ruhe bei den Demokraten eingekehrt. Nach wie vor diskutieren sie, ob Joe Biden nicht doch auf eine zweite Amtszeit verzichten sollte.
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Transkript
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 2: Diese Woche wird es nochmal ernst, nicht nur für die Verhandlungspartner in der Koalition, die sich um den Haushalt derzeit noch streiten und vielleicht ja einigen, sondern auch im Bundestag geht es rund die letzte Sitzungswoche vor der Sommerpause. In England wird gewählt, am kommenden Wochenende wird in Frankreich nochmal gewählt. Wir haben viel vor in dieser Woche. Schön, dass Sie dabei sind.
Sprecher 3: Was macht eigentlich Joe Biden in seinem legendären Kampf Biden vs. Biden? Tritt er an oder doch nicht? Wir fragen jemanden, der für Barack Obama bereits Kampagnen skizziert hat in den USA, der deutsche Julius van der Laar, Strategie- und Kampagnenberater.
Sprecher 2: Zum Tischgespräch kommt Professorin Cordula Meckenstock, die ESG-Beraterin und Unternehmerin, die sich einer spannenden Initiative angeschlossen hat. Und sie erklärt uns warum.
Sprecher 3: Und zum Nachtisch eine Neuerung in der Bundesregierung, über die exklusiv der Berlin Table und der Climate Table berichten, nämlich der Klimacheck der Bundesregierung.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.
Sprecher 5: Deshalb bin ich sehr froh darüber, dass wir jetzt in dieser Situation auch sagen können, dass bei der einen großen Aufgabe, die jetzt unmittelbar vor uns steht, hier in diesem Land, nämlich der Frage, wie wir den Haushalt in so herausfordernden Zeiten aufstellen wollen, sehr kollegiale Gespräche in der Bundesregierung stattfinden, dass das sachorientiert ist und dass Sie im Wesentlichen auf Mutmaßung angewiesen sind, weil wir es unter uns machen, so wie es sich in einer gut geführten Regierung oft tatsächlich gehört. Wir reden übrigens nicht nur über den Haushalt, sondern auch über das, was wir an wirtschaftlicher Dynamisierung brauchen, über ein Wachstumsturbo für unser Land. Denn das ist ja offensichtlich genau das, was wir jetzt brauchen.
Sprecher 2: Michael, beginnen wir mit dem Haushalt. Das ganze Wochenende haben Olaf Scholz, Robert Habeck und Christian Lindner gemeinsam verbracht, um die Dinge irgendwie glatt zu ziehen. Noch sind sie nicht am Ziel. Gestern haben sie den ganzen Nachmittag verhandelt, bis in den Abend hinein, als sie dann um 21 Uhr zum Flughafen aufgebrochen sind, um zu den Regierungskonsultationen nach Polen zu fliegen. Es heißt, man sei auf den letzten Metern.
Sprecher 3: Es fehlen zwischen 35 und 40 Milliarden Euro und die drei Häuptlinge dieser Koalition, Lindner, Habeck und Scholz, sind seit Wochen zusammen. Und wir wollen mal hier das eine oder andere Detail vorempfinden, was wir so hören.
Sprecher 2: Das eine betrifft das Bürgergeld. Da ist im Gespräch, dass man doch stärkere Berichtspflichten etabliert, die Menschen doch stärker an die... Kandare nimmt, nicht mit Sanktionen, aber doch eben ihn aufzutragen, Rechenschaft abzulegen darüber, warum sie eigentlich nicht arbeiten. Das produziert zwar einerseits Bürokratie möglicherweise, könnte aber dazu führen, dass weniger Menschen Bürgergeld beziehen.
Sprecher 3: Es wird auch auf jeden Fall Reformen bei den Anreizen geben. Eine zwölfprozentige Erhöhung des Bürgergelds, wie sie dieses Jahr stattgefunden hat, soll auf gar keinen Fall 2025 wiederholt werden. Dort soll man, so hören wir, an die Berechnung gehen, die Berechnungen dieser Bedarfe. Und es soll möglicherweise sogar eine Nullrunde geben. Jedenfalls, wer nicht arbeitet, muss höhere Sanktionen in Kauf nehmen. Und Subventionstatbestände für zum Beispiel Teilzeitarbeit sollen abgeschafft werden. Also Heil wird weniger Geld fürs Bürgergeld ausgeben 2025. Das ist schon mal Konsens.
Sprecher 2: Ja, das Soziale ist aber nur einer der Bereiche, über den die drei Männer jetzt streiten. Es geht auch um die kalte Progression, die Christian Lindner, der Finanzminister, ausgleichen will. Was ist die kalte Progression? Bei Lohnerhöhungen zahlen wir überproportional mehr Steuern, weil wir in einen höheren Steuersatz hineinrutschen. Und das möchte Christian Lindner automatisch ausgleichen. Und auch das kostet Geld. Jetzt deutet sich ein Kompromiss an zwischen Olaf Scholz und Christian Lindner, dass die kalte Progression ausgeglichen wird, dass im Gegenzug dazu aber die FDP einem Sondervermögen für die Bundesregierung, für die Unterstützung der Ukraine zustimmt. Etwas, was Christian Lindner von der Idee ja richtig findet. Er möchte nur kein Sondervermögen und umgekehrt sein. Sagt Olaf Scholz, naja gut, aber wenn wir dann denen, die sowieso viel verdienen, auch noch was zurückgeben, dann muss das Geld eben woanders herkommen. Also das könnte eine Linie sein, auf die man sich dann verständigt.
Sprecher 3: Ja, dieser Deal wäre sehr spektakulär, Helene, denn Lindner hätte an sich inhaltlich das, was ihn von Tag 1 an umtreibt, nämlich diese fiskalische Enteignung dauerhaft zu entfernen für die arbeitende Mitte. Das ist für ihn ein Wahlkampfschlager und zugleich unterstützt er weiter die Ukraine. Ich halte das für denkbar, zumal es dann 20, 30 Milliarden Euro sein könnten, die man in diese Sondervermögen nochmal packt. Die 100 Milliarden sind ja de facto schon ausgegeben für die Bundeswehr. Also why not? Das wäre eine gesichtswahnende Lösung. Und es bleibt trotzdem aber auch dabei, so höre ich zumindest, dass bei der lieben Frau Ministerin Schulze es durchaus an die Entwicklungsausgaben nochmal ran soll. Alleine ein Sondervermögen für die Ukraine wird nicht reichen.
Sprecher 2: Ja, und viele offene Fragen gibt es auch noch mit Blick auf den KTF, den Klima- und Transformationsfonds, über den wir schon deswegen so viel gesprochen haben, weil ja wegen einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Milliarden aus den Corona-Hilfen nicht übertragen werden konnten. Das heißt, da fehlt sowieso auch Geld. Und auch hier gibt es den Streit, welche Projekte jetzt eigentlich unterstützt werden können und welche nicht. Da ist klar, es wird weniger Geld für die Transformation der Wirtschaft sein. Andererseits ist zu hören, dass eben auch nicht alles Geld, das im Fonds ist, bislang abgerufen wurde. Das heißt, vielleicht ist die Lücke in dem Fall mal gar nicht so groß, wie man dachte.
Sprecher 3: Also Sie lesen exklusiv natürlich im Berlin Table. ganzen Informationen in den nächsten Tagen. Es wird eine Einigung geben. Das ist hier unsere kleine Prognose. Und alles Weitere, table.media slash Berlin.
Sprecher 6: And I'm going to continue to move until we get the total ban on the total initiative relative to what we're going to do with more Border Patrol and more asylum officers.
Sprecher 3: President Trump?
Sprecher 7: I really don't know what he said at the end of that sentence. I don't think he knows what he said either. Look.
Sprecher 2: Die Demokratische Partei ist in Aufruhr nach dem TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden, bei dem leider Donald Trump als Sieger hervorgegangen ist und Biden wirkte wie ein greiser, teils seniler Mann, der seine Sätze nicht... Kohärent beenden konnte. Also ein Drama und die Debatte läuft, braucht man eigentlich einen neuen Kandidaten auf den allerletzten Metern.
Sprecher 3: Ich möchte jedenfalls nicht 80 werden, Helene, und dass Menschen dann so über mich reden. Das ist schon wirklich Altersdiskriminierung. Aber dieser Mann hat nicht nur den roten Knopf und den roten Koffer, sondern er ist der mächtigste Politiker der Welt. Vielleicht sollte er wirklich ein bisschen fitter sein. Und vor allem auch so einen Trump mal intellektuell auseinandernehmen.
Sprecher 2: Ja, das ist richtig. Schlagfertigkeit ist wichtig. Auftreten ist auch wichtig in der Politik.
Sprecher 3: Souveränität, Stil.
Sprecher 2: Und natürlich ist dieses Amt aller Spitzenpolitiker, und das unterschätzen Journalisten, glaube ich, manchmal unfassbar physisch belastend. Nächte, in denen man gar nicht schläft, Reisen, die man macht und all das.
Sprecher 3: Wie bei Chefredakteuren.
Sprecher 2: Wir sind schon nach drei. Tagen mitfahren mit irgendeinem Minister völlig am Ende und die Typen steigen direkt ins nächste Flugzeug und fliegen weiter. Also das darf man wirklich auf gar keinen Fall unterschätzen.
Sprecher 3: Ja, und der amerikanische Präsident ist sicherlich noch belasteter als jeder andere Spitzenpolitiker auf der Welt.
Sprecher 2: My two cents noch zu der Debatte. Vielleicht nehmen wir in diesen Zeiten die Performance, das äußere Auftreten von Politikern. Auch übersteigert, übertrieben war. Das liegt natürlich daran, dass sie in keiner Sekunde unbeaufsichtigt sind, überall Handys lauern, dass Sequenzen auf Social Media wieder und wieder und wieder gezeigt werden, kleine Stotterer von Joe Biden oder andere Schwächeanfälle sofort in jeder Sekunde gefilmt und abrufbereit sind. Wenn man mal in die Vergangenheit guckt, etwa auf Franklin Roosevelt, der immerhin die Vereinigten Staaten bis zu seinem Tod 1945 im Zweiten Weltkrieg gelenkt hat, der an Kinderlähmung erkrankt war und das trotzdem gemacht hat, aber eben nicht unter dieser ständigen Beobachtung von HD-Fernsehen. Wenn wir wissen, dass Winston Churchill schwer krank war und die Briten geführt hat im Zweiten Weltkrieg, dann fragt man sich doch, ob unser heutiges Verständnis von Politik, diesen Schwerpunkt, den wir setzen, auf das äußere Erscheinungsbild nicht in die falsche Richtung geht.
Sprecher 3: Bei Table Briefings geht es nur um Inhalt und deswegen fragen wir jetzt mal einen, der sogar eine Kampagne eines amerikanischen Präsidenten mitverantwortet hat und mit dabei war und weiß, welche physischen Belastungen da eigentlich anstehen. Julius van der Laar, er arbeitet als einziger Deutscher im Barack Obama Team bei der ersten Präsidentschaftskandidatur und wir haben ihn gefragt, ob die Demokraten vielleicht doch noch Joe Biden von der Bühne holen und einen anderen nominieren.
Sprecher 8: Mick, ich bin in mehreren WhatsApp-Chats mit Ex-Obama-Kollegen und auf einer Panikskala von 1 bis 10 befindet sich die Demokratische Partei bei einer 48. Und dennoch, bislang gibt es kein einziges Anzeichen, dass Joe Biden bereit ist, den Weg für eine neue Kandidatin oder auch Kandidaten freizumachen. Dabei gäbe es eine Reihe von mehr als geeigneten Alternativen, beispielsweise Gretchen Whitmer, die Gouverneurin aus Michigan. All diejenigen, die jetzt ein Rochade innerhalb der Demokratischen Partei fordern, die haben eine Frage noch nicht beantwortet. Und zwar, wie soll eine komplett neue Kampagne innerhalb so kurzer Zeit aus dem Boden gestampft werden? Was viele vergessen ist, das Spendenkonto von Joe Biden lässt sich nicht einfach so eins zu eins auf einen neuen Kandidaten transferieren. Es bräuchte also jemanden, der 1 bis 2 Milliarden Dollar aus der eigenen Tasche in die Kandidatur stecken könnte. Und das würde für J.B. Pritzker, den Gouverneur aus Illinois, sprechen, der mehr als 3,5 Milliarden Dollar schwer ist.
Sprecher 2: Ja, das klingt alles danach, dass es am Ende doch Biden sein wird, der die Demokraten in den Präsidentschaftswahlkampf führt. William Galston, Senior Fellow am Brookings Institute, hat jetzt kürzlich mit der FAZ gesprochen und hat dort die Chancen, dass Biden gewinnt. Und zwar, wenn ab jetzt alles perfekt läuft, auf zwischen 25 und 33 Prozent taxiert. Also es sieht nicht gut aus für Joe Biden. Und damit sieht es leider nicht gut aus für diese Welt.
Sprecher 3: Bei uns ist jetzt zu Gast und ich freue mich darüber sehr, Frau Professorin Meckenstock. Guten Tag.
Sprecher 9: Guten Tag.
Sprecher 3: Strategische Beraterin ist ihr offizieller Titel, ihr letzter, den fand ich sehr interessant. Liebe Frau Meckenstock, der war Chief People Officer. Was macht der Mensch eigentlich? Der Mensch der Menschen.
Sprecher 9: Genau, der Mensch der Menschen, das war eine Kombination aus People, Culture und ESG und wurde daraus sozusagen geboren, dass wir gesagt haben, um die Transformation zu schaffen des Konzerns hin zu nachhaltigen Geschäftsmodellen, ist es sehr wichtig, dass man die Mitarbeiter und Führungskräfte da in die Lage versetzt, transformatorisch tätig zu sein und das auch zu wollen und zu können und die zu vernetzen.
Sprecher 3: Aber warum braucht man neben dem Personalchef oder der Personalchefin noch einen Chief People Officer?
Sprecher 9: Da ging es wirklich um strategische Personalthemen. Also wir haben getrennt operative Personalthemen und strategische internationale, wo es wirklich um Vernetzung geht, Fortbildung, Transformation, Leadership. Und um das wirklich anzuerkennen, das ist eine eigene Aufgabe und ein sehr großer Kraftakt ist in Unternehmen im Moment für Führungskräfte.
Sprecher 3: Wenn ich an ESG-Reporting denke, dann habe ich manchmal das Gefühl, die armen Unternehmen vor lauter Testaten und Zertifizierungen und Reportings kommen sie eigentlich gar nicht mehr zu einer strategischen Unternehmensführung.
Sprecher 9: Ja, das teile ich. Tut mir auch genauso leid. Deswegen berate ich in dem Bereich auch gerade so gerne. Denn in der Tat, finde ich, wird da ganz doll das Pferd von hinten aufgezäumt und ein Riesenfrust rollt durch die Republik. Also um noch eine Ebene höher zu gehen, der Green Deal ist und war ja der Auslöser. Und die Idee, die ich immer noch exzellent finde, ist ja, man muss transformieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, schrägstrich zu werden leider teilweise und innovativ zu sein. Und um das messen zu können, vergleichen zu können, harte Zahlen zu haben für die wichtigen Kernthemen, braucht man auch ein Reporting. Und so rum finde ich es sehr richtig und wichtig.
Sprecher 3: Am Ende des Prozesses steht das Reporting.
Sprecher 9: Also Reporting follows Strategy. Und im Moment ist die Wahrnehmung ja so, wir wuseln alle weiter und machen gefühlt dies und das, etwas zerfleddert zum Teil. Und das wird dann zusammengestellt zu einem Bericht, der für alle gleichen Vorgaben folgt. Und das finde ich ist auf die Füße gestellt und führt ja eben zu dem Frust zu sagen, ich komme in der Wertschöpfung keinen Millimeter voran und verliere mich in einem unendlichen Reporting. Der wen eigentlich interessiert. Zahlen sind wichtig und richtig, gerade auch um dem Thema Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit zu verleihen. Aber je mehr, desto besser, stimmt eben nicht.
Sprecher 3: Ist denn eine ethische Unternehmensführung oder eine nachhaltige ein Renditetreiber?
Sprecher 9: Rendite treiber ist natürlich ein großes Wort. Ich denke, um mittel- und langfristig Erfolg zu haben, haben, muss man sich sehr verschärft Gedanken machen um das Wie der Unternehmensführung. Und das ist das, was mich, glaube ich, auch sehr immer angetrieben hat in meiner Karriere. Dieses, wie kann man halt vernünftig Geschäft machen, gutes Geld durchaus verdienen. Das funktioniert aber nur, wenn man sich auch überlegt, mit wem mache ich Geschäft, wie behandle ich meine Mitarbeiter, wie behandle ich Ressourcen, wie denke ich auch weiter, wie stelle ich sicher, dass es mich morgen noch gibt mit meinen Produkten und Dienstleistungen. Und das Paket, also die ganzen Non-Financials sozusagen, gehören ja genauso gemessen und gesteuert.
Sprecher 3: Sie verstehen das Murren der deutschen Wirtschaft über das Lieferketten-Sorgfaltspflichtengesetz offenbar nicht.
Sprecher 9: Doch, ich verstehe es total, weil das Gesetz an sich ja eigentlich risikobasiert ist. Ich glaube, was oft schief läuft meiner Beobachtung nach, ist, dass man erstmal sich darauf stützt, was vermeintlich einfach ist, nämlich die deutschen ungefährlichen Lieferanten und man schiebt dann auf die lange Bank, die, wo es wirklich krachen könnte. Und dann hat man ja genau das Frusterlebnis, man macht Sachen, die überhaupt keinen Mehrwert bringen, weil diese Lieferanten total risikoarm sind und auch noch genervt, weil man sie bombardiert mit Fragebögen. Und man müsste ja eigentlich sagen, man geht mal an die zwei, drei ran, die wirklich kritisch sind und tut da auch was. Und dann merkt man ja, da wurde man zu was gezwungen, ermutigt, angehalten, was auch einen Impact hat.
Sprecher 3: Eigentlich sind Sie ja sowas wie eine Transformationsberaterin am Ende.
Sprecher 9: Ja, das ist ein totales Transformationsthema.
Sprecher 3: Wo sind da die größten Sorgen dieser CEOs? Und die Ängste, die man abbauen muss.
Sprecher 9: Einmal zu sagen, man traut sich drei bis fünf Fokusthemen wirklich auszuwählen und die gut zu machen.
Sprecher 3: Nennen Sie mal ein oder zwei.
Sprecher 9: Zum Beispiel nachhaltiges Produktdesign, Automobilzulieferindustrie. Wie kann ich das einzelne Produkt schon im Designprozess so denken, dass der Fußabdruck, und ich sage jetzt bewusst nicht nur CO2, dass der niedriger wird. Beispielsweise sorgfältigerer Umgang mit Wasser. Eben dann, wie transportiere ich den, das berühmte Local-to-Local, schon im Produktionsprozess, aber auch im Verkaufsprozess. Und dann natürlich auch, habe ich da einen hohen Rezyklateanteil, kann man auch logistisch leicht die Produkte wieder ausfindig machen und wiederverwerten. So wäre es ein griffiges Beispiel.
Sprecher 3: Sie arbeiten an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Politik. Und jetzt haben Sie allerdings auch offiziell Partei ergriffen, Frau Mengenstock.
Sprecher 9: Genau, das habe ich. Und zwar, wie sehr viele, habe ich ja lange rum überlegt, man müsste mal in eine politische Partei eintreten und welche ist denn die richtige?
Sprecher 3: Das berühmte, man müsste mal.
Sprecher 9: Genau. Und dann habe ich, ich glaube, es war im Handelblatt gelesen von der Initiative Wir sind Partei. Die hat sich so am 1. Mai rumformiert und an dem Tag bin ich dann in der Tat in die CDU eingetreten, weil ich mir schon vorher überlegt hatte, dass ich es mal müsste. Und dann habe ich es auch gemacht.
Sprecher 3: Seien Sie ehrlich, die CDU war nicht die erste Wahl.
Sprecher 9: In meinem Leben nicht. Ich war in der Friedrich-Ebert-Stiftung, bin aber nie in die SPD eingetreten, weil ich mir auch nicht sicher genug war. Ich war bei Amnesty International und fand das irgendwie... Gut, weil das so griffig war.
Sprecher 3: Dann müssten Sie als Amnesty International Vertreterin ja auch in der grünen Ecke gewesen sein.
Sprecher 9: Genau, das habe ich auch sozusagen mir gut überlegt und eben die Regierungsarbeit verfolgt, auch Green Deal und so weiter. Und dann bin ich selber ausgestiegen mit der Affäre mit dem Staatssekretär Greichen, weil mir das natürlich auch mit meinem beruflichen Hintergrund überhaupt nicht gefallen hat. Nicht was passiert ist, sondern wie damit umgegangen wurde.
Sprecher 3: Dann müssten Sie enttäuscht von Robert Habeck sein.
Sprecher 9: Das war ich da auch.
Sprecher 3: Jedenfalls eine interessante Initiative. Da sind unter anderem Menschen wie der Unternehmer Christian Miele, der sich zur CDU bekennt. Aber da ist Frau Anna Herhausen, die sich zu dieser Europapartei Volt erkennt. Oder Fabian Kienbaum, der sich für die FDP einsetzt. Und Simone Menne, die Multi-Aufsichtsrätin, die für Bündnis 90 Die Grünen ins Rennen geht. Also eine Initiative, wo Menschen sagen, ja, ich trete ein für demokratische Parteien der Mitte. Und ich sage auch mal, für wen ich eingetreten bin. Das ist ja ansonsten immer ein Geheimnis. Wir Journalisten sind ja eh alle keine Parteimitglieder. Aber was bezweckt ihr mit dieser Initiative am Ende?
Sprecher 9: Die Idee war, ein bisschen die Entscheidungsreise abzubilden und zu sagen, so, jetzt kann man es auch einfach mal machen. Und ich glaube, es ist parallel, wie man, also ich gehe zu immer weniger Demonstrationen, weil man auch so überinformiert ist und dann denkt, das kann man nicht, weil dann das dagegen spricht und so weiter. Und das wurde eben von den Initiatorinnen, von Herrn Herrhausen und Esra Himmel eben genau gut erkannt. Und dann haben die gesagt, ich glaube, man muss eben andere ermutigen zu sagen, jetzt macht es halt einfach mal und wir tauschen uns auch aus über Erlebnisse. Dann eben in den Parteien, das halte ich auch für wichtig.
Sprecher 3: Haben Sie mal bei der CDU-Kreiskremiensitzung oder so?
Sprecher 9: Ja, das steht jetzt an. Ich bemühe mich jetzt um das richtige Gremium.
Sprecher 3: Der Ortsverein ist?
Sprecher 9: Berlin-Mitte. Aber da, glaube ich, ist ganz wichtig, dass Parteien uns in Anführungszeichen jetzt auch mitmachen lassen und das nicht zu schwer machen, eben in dieses... Gefühlt dann doch teilweise geheimnisvolle Geschehen reinzukommen, sondern zu sagen, wir freuen uns wirklich, wenn Leute sich einen Ruck geben und mitmachen wollen und öffnen uns und binden die auch wirklich ein.
Sprecher 3: Haben Sie das Grundsatzprogramm der CDU-Ding auch gelesen?
Sprecher 9: Ja, klar.
Sprecher 3: Und Sie sind trotzdem bereit, auch als Transformations- und ESG-Expertin, die CDU zu unterstützen. Manche sagen ja, dass das klimapolitisch bei denen jetzt nicht so optimal ist.
Sprecher 9: Ja, also einmal denke ich ja immer gerade. Und zum Zweiten finde ich, ist ja ISG und Transformation nicht nur Klimapolitik. Das stört mich auch unheimlich an der Debatte.
Sprecher 3: Nachhaltigkeit ist oft auch umweltfreundlich.
Sprecher 9: Nachhaltigkeit ist auch ganz doll auf Gesellschaft bezogen, finde ich. Also ich möchte jetzt plakativ gesprochen nicht in einer Autokratie mit blauem Himmel leben, sondern mir ist sehr wichtig Zugang, eben Zugang zu Bildung, Zugang zu Gesundheit, Zugang zu Infrastruktur. Und ich glaube, da haben wir auch fast das dickere Problem gerade in Deutschland, dass wir sehr auseinanderdriften und eben auch viel Frust da ist, weil Basisdinge gar nicht funktionieren. Und ich habe lange in der Pharmaindustrie gearbeitet, war auch dafür das Thema verantwortlich. Und da zum Beispiel ist ja dieses S-Thema unheimlich wichtig. Zugang zu Medikamenten. Wie kommt man als Pharmaindustrie aus der Defensive, dass man nur Geld abräumt und eigentlich egal, wer sich später leisten kann. Das sind ja genau die Themen, die unheimlich wichtig sind.
Sprecher 3: Und das G-Governance am Ende auch einfach mal gut regieren.
Sprecher 9: Genau, gute Unternehmen, aber auch Politikführung. Ohne wird es schwierig.
Sprecher 3: Wir sind gespannt, Frau Meckenstock, was Ihr Weg sein wird, vielleicht ja auch in die Politik. Wenn nicht, freuen wir uns auf Ihr Wiedersehen hier als Unternehmerin oder Beraterin. Vielen Dank für das Gespräch.
Sprecher 9: Ich danke auch, hat sehr viel Spaß gemacht. Tschüss.
Sprecher 2: Und zum Nachtisch servieren wir Ihnen eine Idee aus der Bundesregierung, von der wir hoffen, dass es nicht nur eine gute Idee ist, sondern sie auch gut umgesetzt wird. Es geht um den Klimacheck, den sich die Ampel im Koalitionsvertrag vorgenommen hat. Die Idee ist, dass alle Gesetze schon im Verfahren auf ihre Klimaverträglichkeit hin überprüft werden sollen und dass im Gesetz transparent gemacht wird, wie viel CO2 dieses Vorhaben eigentlich kostet. Etwa wie viele Tonnen CO2 der Verkehrswegeplan in dieser Form bedeuten würden. Das soll einerseits natürlich die Öffentlichkeit darüber informieren, was da geplant ist und wie klimaschädlich diese Vorhaben sind. Andererseits soll es auch die Beamten im Ministerium anregen, nachzudenken, ob man das Gesetz vielleicht anders bauen könnte, ob Ausgleichsmaßnahmen oder ähnliches erforderlich sind. Also ein Problembewusstsein schaffen, schon bevor Gesetze in Kraft treten. Das finden wir natürlich im Prinzip gut, auch dass es tonnenscharf fixiert werden soll in den Gesetzen und nach den Planungen des BMWK soll es auch eine externe Draufsicht geben. Also die Ministerien dürfen sich da selber die Dinge nicht einfach schön rechnen, sondern jemand soll noch drauf schauen. Das finden wir gut. Wir hoffen nur, dass dadurch nicht ein weiteres Problem sich verstärkt, mit dem wir es in Deutschland auch zu tun haben. Nämlich die Bürokratie. Und in diesem Sinne verabschiede ich mich von Ihnen heute an diesem Dienstag, dem 2. Juli. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag mit vielleicht etwas mehr Sonne, als wir es zum Wochenanfang hatten. Jedenfalls hier in Berlin. Machen Sie es gut, wenn Sie Lust haben. Seien Sie doch morgen wieder dabei. Um 6 Uhr geht es dann wieder los am Mittwoch. Und dann sind wir auch schon in der Hälfte dieser turbulenten Woche angekommen. Bis dahin, herzlichen Gruß, Ihre Helene Bobrowski.
Sprecher 1: Table Today mit Michael Bröker und Helene Bubrowski.
Sprecher 4: Ich bin manchmal ein bisschen zu ehrlich, aber ganz im Ernst, ich mag es einfach klar, ohne Überraschungen. Genau deshalb bin ich bei Frank, dem einfach Mobilfunkanbieter. App runterladen, Tarif bestellen, fertig. 20 GB für 10 Euro. In bester D-Netz-Qualität. Monatlich kündbar, keine versteckten Kosten. Und das Beste ist Frank for Friends. Ich schicke einfach meinen Code an meine FreundInnen. Und jedes Mal, wenn jemand darüber startet, kriegen wir alle dauerhaft extra Datenvolumen. Kein Drama, keine Geheimnisse. Also, probier's mit Frank. Ist ehrlich einfacher.